11th Jul2018

Die Super-Cops (2016) | Filmkritik

von Lars B

Die Super-Cops

Komödie made in Frankreich kann im Vergleich zum amerikanischen Melissa Mccarthy-Einheitsbrei für Abwechslung sorgen. Doch taugt der eigenwillige Humor eines Dany Boons (Willkommen bei den Sch’tis) auch für deutsche Lachmuskeln?

diesupercops_1 Die eigenwillige Johanna (Alice Pol) ist vom Traum besessen, einmal in der Spezialeinheit Raid Dienst zu tun. Doch leider ist die hübsche Polizistin völlig talentfrei.

In ihrem Polizeialltag treibt sie Vorgesetzte und Kollegen in den Wahnsinn und auch ihre Familie kann nicht verstehen, woher diese Passion kommt, einer SWAT-Einheit beizutreten. Als ein weiterer Einstellungstest bei Raid in die Hose geht, spielt Johanna mit dem Gedanken in die Fremdenlegion einzutreten. Und das so kurz vor ihrer Hochzeit!

Für ihren Vater, der ein hoher Minister ist, geht das zu weit. Er lässt seine Beziehungen spielen und schafft es, dass seine Tochter Rekrutin bei RAID wird. Doch lautet der Plan, ihr derart zuzusetzen, dass sie schnell die Lust verliert und freiwillig aufgibt. Für die Ausbilder und Vorgesetzten ist das ein wahr gewordener Alptraum. Allen voran Eugène (Dany Boon), der seit seiner Trennung eine starke Abneigung gegen alle Frauen hat. Da kommt ihm die tollpatschige Rekrutin gerade recht.

diesupercops_2 Der Plan des Innenministers geht natürlich nicht wirklich auf und so wird Johanna mehr und mehr davon überzeugt, dass sie zu Raid gehört, egal was die anderen sagen!

Doch schnell wird aus der Ausbildung ernst, als eine Verbrecherbande namens Jaguar einen Überfall nach dem anderen inszeniert. Dabei stolpern sie immer wieder in die Arme von Johanna, die allerdings null Ahnung hat mit wem sie es da zu tun bekommt. Es versteht sich von selbst, dass es am Ende sogar um die Sicherheit der ganzen Nation geht. Und ratet mal, wer Frankreich retten wird?

Sicher, die Story ist im Prinzip nichts neues und der Humor teilweise etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür sind die Protagonisten Johanna und Eugène derart liebenswert, dass man unbedingt wissen möchte wie die Geschichte ausgeht – auch wenn man es sich eigentlich von Begin an denken kann.

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Allerdings sind die Slapstickeinlagen und Gesichtsverrenkungen von Darstellerin Alice Pol teilweise anstrengend und erinnern an Jim Carrey auf einer extra Portion Koffein. Wer diese Fremdschämpassagen übersteht, kann sich auf eine solide Unterhaltung freuen, die im Vergleich zu anderen Komödien nur selten unter die Gürtellinie zielt.

Dagegen ist das Spiel von Dany Boon, der Regie und Hauptrolle übernimmt, deutlich sparsamer. Mit stets mürrischem Blick und kargem Wortumfang grummelt er sich herrlich durch 107 Minuten Spielzeit und stellt einen entspannenden Gegenpol zu seiner Partnerin dar.

Wer Polizeikomödien mag und auf etwas andere Frauenpower steht, sollte sich Die Super-Cops keinesfalls entgehen lassen. Ein Meilenstein der Filmgeschichte ist er zwar nicht, dafür aber recht angenehme Unterhaltung ohne große Stolpersteine. Die Hauptdarstellerin ist liebenswert und vermittelt Charme während der Rest des Ensembles zwar jedes erdenkliche Klischee bedient, aber irgendwie einfach mit dazu gehört.

Wer an Filmen, wie Willkommen bei den Sch‘ tis seine Freude hat und französische Schenkelklopfer mag, wird hier bestens bedient. Wer es lieber etwas niveauvoller braucht, scheitert hier an so manchem flachen Witzchen. Da es stets jugendfrei bleibt, dürfen Kinder auch unbeschadet mitgucken.

Bewertung

Bewertung6

Trailer

Informationen
Die Super-Cops - Allzeit verrückt! (2016)
105 min|Action, Comedy|01 Feb 2017
5.5IMDB-Wertung: 5.5 / 10 von 2,287 Nutzern
Johanna ist Polizistin aus Leidenschaft. Dabei schießt sie gerne übers Ziel hinaus. Sie verhaftet Parksünder, ringt verängstigte Opfer nieder und hilft auch mal Bankräubern, die Beute im Auto zu verstauen. Johanna ist ein Alptraum und besessen von dem Wunsch, zu den Supercops der Elite-Einheit RAID zu gehören...
10th Jul2018

I Kill Giants (2017) | Filmkritik

von Lars B

I Kill Giants

Ich töte Riesen. – mit diesem Satz, so absurd wie kraftvoll, stellt sich die Protagonistin Barbara (Madison Wolfe) dem Publikum vor. Und die Fünftklässlerin meint es bitter ernst. Doch was ist Wirklichkeit und was Einbildung?

ikillgiants_1 Im Film I Kill Giants, basierend auf den Comics und dem Drehbuch von Illustrator Joe Kelly, kämpft sich das eigensinnige Mädchen durch gigantische Ungetüme und versucht nebenbei auch noch den Schulalltag und das zerrüttete Familienhaus zu überleben. Wobei sich das reale Leben schwieriger erweist als der Kampf gegen das Böse.

Die große Schwester Karen (Imogen Poots) steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Arbeit laugt sie aus, der Bruder hängt nur vor der Spielkonsole und die kleine Schwester hat nur Ärger in der Schule.

Ein ums andere Mal ruft der Direktor oder ein Lehrer an, um sich über das Verhalten Barbaras zu beschweren. Das zehrt an den Nerven der großen Schwester, die zur Mutter wider Willen wurde.

So routiniert die kleine Riesentöterin Fallen aufbaut, Schutzzauber spricht und Omen deutet, so unbeholfen ist sie in den zwischenmenschlichen Beziehungen in ihrem Umfeld. Schulpsychologin Mrs. Mollé (Zoe Saldana) versucht verzweifelt, an das kleine Mädchen heranzukommen und hinter die Riesen zu blicken. Doch mit jeder Annäherung folgt ein erneuter Rückschlag. Zu tief sitzen die Wunden, die Barbara zwingen sich hinter magischen Waffen zu verstecken.

ikillgiants_2 Nur Sophia (Sydney Wade), gerade aus England in die USA gezogen, ist ebenso allein wie Barbara und baut eine zerbrechliche Freundschaft zu ihr auf. Doch eine feindselige Mädchengang hat die Beiden auf dem Kieker.

Als die schulischen und familiären Probleme Überhand nehmen, droht auch das Jagen von Riesen immer schwerer zu werden. Die Gefühlswelt des Mädchens gerät ins Wanken.

Auf den ersten Blick wirkt I Kill Giants wie ein fantastisches Märchen á la Harry Potter oder Percy Jackson, in der sich phantastische Wesen mit unserer Realität vermischen.

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Doch je weiter man in den Lebensalltag der kleinen Barbara vordringt, desto schneller erkennt man, dass die Riesenjagd nur ein Hirngespinst ist, mit welchem sich die Protagonistin vor der traurigen Realität schützt.

Gefühlvoll und behutsam inszeniert Regisseur Anders Walter ein Coming of Age Familiendrama mit einer smarten und doch verletzlichen Heldin, die lernen muss sich ihren wirklichen Ängsten zu stellen. Dabei sticht die schauspielerische Qualität der jungen Madison Wolfe (Conjuring 2) besonders hervor. Clever, sympathisch und herrlich verrückt stiehlt das Mädchen allen die Show und macht den Film zum Ein-Personen-Stück.

Mit tollen Effekten und viel Spannung bleibt der Film bis zuletzt unterhaltsam und niemals vorhersehbar. Ein kleines filmisches Juwel, dass so ganz ohne Hype daherkommt und eine gelungene Abwechslung zum cineastischen Einheitsbrei bietet.

Die hochkarätige Besetzung rundet das filmische Vergnügen zusätzlich ab. Ein echter Geheimtipp!

Ab dem 26. Juli 2018 gibt es das Werk I Kill Giants digital sowie als Blu-ray und DVD. Außerdem erscheint exklusiv bei Amazon.de eine aufwändige Sonderedition inklusive DVD, Blu-ray, Postkarten und Hardcover-Graphic Novel mit Variant Cover im Schuber.

Bewertung

Bewertung8

Trailer

Informationen
I Kill Giants (2017)
106 min|Drama, Fantasy, Thriller|23 Mar 2018
6.3IMDB-Wertung: 6.3 / 10 von 15,473 Nutzern
Riesen gibt es wirklich! Sie lauern in den Wäldern und warten nur auf die passende Gelegenheit, um die Heimatstadt der 15-jährigen Barbara anzugreifen. Kein Wunder, dass die neue Schulpsychologin Mrs. Mollé diese Geschichte wenig überzeugend findet. Stattdessen setzt sie alles daran, der cleveren jungen Eigenbrötlerin zu helfen...
01st Jun2018

House Harker (2016) | Filmkritik

von Lars B

House Harker

Was kann besser sein, als ein Horrorfilm? Ein lustiger Horrorfilm! In Armee der Finsternis reißt ein miesepetriger Ash einen Witz nach dem anderen, in Tucker & Dale vs Evil kommt Slapstick und Situationskomik zum Splatter hinzu und in Slither sind, trotz schleimiger Schnecken, die Spaßschrauben auf beste Unterhaltung gestellt.

househarker_1 Denn seien wir ehrlich: ohne Humor würde mancher Trash in Vergessenheit geraten, den wir gerade wegen seiner freiwilligen und auch unfreiwilligen Komik zum Filmklassiker erklären. Kann House of Harker (Originaltitel: I Had a Bloody Good Time at House Harker) auch diese Karte ausspielen, um so zum Liebling des Horrorpublikums zu werden?

Die Antwort: Nein!

Dabei fängt doch alles so witzig an. In der Eröffnung springt die Handlung zwischen einer düsteren Vampirszene und einem Vorstellungsgespräch hin und her. Die Bewohner des Harkerhauses versuchen krampfhaft einer Gutachterin zu erklären, warum das Gebäude so wichtig ist und dringend finanzielle Unterstützung braucht.

So pendelt die Kamera genüsslich zwischen einer unheimlichen Erzählung und dem dilettanten „Bühnenstück“ der Harker-Jungs. Klar, dass sich die Geldgeberin veralbert fühlt und den jungen Männern die Mittel streicht. Derart niedergeschlagen müssen sich die Nachfahren des Vampirjägers Jonathan Harker erst einmal in Selbstmitleid ertränken. Dabei modert im Keller ein echter Vampirschädel vor sich hin, der rein zufällig einen Blutsaugerfürsten wieder auferstehen lässt.

househarker_2 Und während die ganze Stadt die Familie für seltsame Spinner hält, bahnt sich großes Unheil an. Ein Mörder treibt sein Unwesen, die Nachbarin läuft Amok und der Staubsauger trinkt Blut – dass kann nur im Chaos enden!

Und dann ist da auch noch Ned (Derek Haugen), der in die Harkerschwester Paige (Whitney Moore) verschossen ist. Diese hat jedoch einen treudoofen Sheriff als Freund, der eigentlich ein ganz netter Kerl ist. Und während Gerry Harker (Jakob Givens) über Leichen geht, um an Geld und Ruhm zu kommen, ist sein kleiner Bruder Charlie (Noel Carroll) ein geistig zurückgebliebener Typ, der einen Bleistiftfimmel hat.

Dass sich diese Truppe schon bald im Kampf gegen blutsaugende Stadtbewohner befindet, wagt man sich nicht einmal in seinen schlimmsten Träumen auszumalen.

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Filmisch gesehen pendelt der Streifen um die Harkerfamilie zwischen einer Wurzelbehandlung und dem Fremdschämen bei einer Castingshow. Die Effekte sind mies, die Darsteller nicht einmal annähernd bemüht und die Kamera stümperhaft. Leichen atmen gut sichtbar, Blut sieht aus wie Motoröl und die Makeup-Effekte könnten einem Kinderschminken entstammen.

Leider ist das 80-minütige Spektakel zu schlecht um auch schon wieder lustig zu sein. So bleibt Trash eben doch nur Trash und kann nicht mit den oben genannten Horrorkomödien mithalten. Warum andere Filmkritiker auf dem Cover vollmundig von „riesig viel Spaß“ sprechen bleibt ein Rätsel.

Die Protagonisten sind schrecklich eindimensional und bieten kaum Chancen, sich mit ihnen anzufreunden. Die Handlung ist lieblos konstruiert und weiß manchmal selbst nicht, wo die Reise hingeht. Lediglich die Veralberung des Exorzisten konnte ein Schmunzeln entlocken, als ein Priester so lange von Besessenen angespien wird, bis er keinen Bock mehr auf seinen Job hat und kündigt. Allerdings hat Scary Movie 2 den Horroklassiker von 1973 deutlich besser verulkt. Und das möchte angesichts eines schlechten „Spoof“-Films etwas heißen.

Wer sich schon immer mal ordentlich über schlechte Dialoge, mangelndes Schauspieltalent und einen rundum seltsamen Film amüsieren wollte, sollte dieses Machwerk von Meisterregisseur Clayton Cogswell dennoch mit äußerster Vorsicht genießen, da die Fremdscham schnell zum frühzeitigen Abschalten führen könnte. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Aber dafür ist eben auch der gebotene Humor eindeutig zu flach. Schade.

Bewertung

Bewertung_4

Trailer

Informationen
House Harker - Vampirjäger wider Willen (2016)
80 min|Comedy, Horror|08 Oct 2016
5.8IMDB-Wertung: 5.8 / 10 von 226 Nutzern
Die Brüder Gerry (Jacob Givens) und Charlie (Noel Carroll) sind die Nachfahren von Jonathan Harker, der einst den Vampirfürsten Dracula getötet haben soll. Eigentlich sollten sie daher das Familienhaus zur Touristenattraktion umbauen, doch sie haben das ihnen dafür zur Verfügung gestellte Geld verschwendet und stehen nun vor einem Problem: Sie sollen die Kohle zurückzahlen oder sie sind das Haus, das ihrer Familie seit Generationen gehört, los...
14th Mrz2018

The Place Promised In Our Early Days (2004) | Filmkritik

von Lars B

The Place Promised In Our Early Days

Wer glaubt Anime würden sich nur um riesige Roboterschlachten, garstige Dämonenkrieger und Martial Arts drehen, der irrt sich gewaltig. Dass die Japaner auch ganz ruhige und melancholische Töne anschlagen können, beweist der 2004 veröffentlichte Film The Place Promised In Our Early Days, was so zu deutsch viel bedeutet wie Der in unseren frühen Tagen versprochene Ort.

theplacepromisedinourearlydays_1 So kompliziert und bedeutungsschwer wie der Titel ist auch das Werk von Makoto Shinkai, welches ebenfalls als Manga als auch als Roman von Shinta Kanō realisiert wurde.

Es beginnt mit der Freundschaft zweier Schüler, Hiroki und Takuya, die in den Ferien ein ganz besonderes Projekt planen. Sie wollen ein Flugzeug bauen, das sie zum seltsamen Turm bringt, der sich von Hokkaido scheinbar endlos in den Himmel schraubt. Er ist das Sinnbild der Teilung des Landes in Nord und Süd und steht für die Jungs als Zeichen der Freiheit.

Doch der Turm beherbergt ein düsteres Geheimnis. Um ihn herum scheint sich das Land zu verändern, zu mutieren. Dabei soll es sich um den Einfluss eines parallelen Universums handeln. Zu den beiden fleißigen Schülern gesellt sich das Mädchen Sayuri, schließt sich kurzerhand dem Projekt der Jungen an und träumt mit ihnen vom Flug in eine andere Welt.

Doch schon bald soll die hübsche Japanerin in einen verhängnisvollen Traum stürzen, der untrennbar mit dem Turm verbunden ist. Sayuri verschwindet spurlos und lässt die beiden Freunde mit fragenden Gesichtern zurück.

theplacepromisedinourearlydays_2 Die Jahre vergehen und die beiden Freunde gehen getrennte Wege. Der Flugzeugbau scheint längst vergessen. Der intelligente Takuya arbeitet inzwischen in einem Labor der Allianz, Hiroki ist nach Tokio gezogen und fristet ein eher kümmerliches Dasein.

In seinen Träumen verfolgen ihn Visionen der verlorenen Freundin Sayuri. Sie ist inzwischen in einen ewigen Schlaf gefallen und wird in einem Krankenhaus versorgt. Ihr letzter Brief wird schließlich an Hiroki gesendet und er bricht anschließend auf, sie zu finden und zu retten. Auch sein ehemals bester Freund landet schließlich an jenem Ort, an dem sie einen großen Traum hegten.

Dort, wo noch immer das unvollendete Flugzeug auf seine Bestimmung wartet. Die Freunde müssen sich erneut zusammentun, um ihren Kindheitstraum endlich in die Realität umzusetzen.

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The Place Promised In Our Early Days
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Das in The Place Promised In Our Early Days gezeigte Japan ist natürlich eine parallele Welt zur unsrigen. Das Land, welches teils von den USA besetzt ist, nahm einen anderen historischen Verlauf als wir es kennen. Die Vermischung aus Fiktion, Philosophie und Utopie zeichnet ein Bild, dass befremdend aber auch seltsam vertraut ist.

In schönen Blautönen des Himmels wird die Welt der drei Freunde in eine unglaubliche Bildästhetik gepackt. Dabei steht der Himmel als einziger freier Raum immer im Vordergrund. Derart viele Sonnenuntergänge und Wolken durfte man selten in einem Film bewundern und in fast jeder Einstellung der Weite ragt der scheinbar unerreichbare Turm in die Höhe, als wolle er stets den Traum der Kinder in Erinnerung rufen.

Mit melancholischer Musik untermalt wird die erzählte Geschichte zu einem rührseligen Stück Animationskunst, das Freundschaft und Freiheit nie aus den Augen lässt. Zwar verstrickt sich die Handlung teils unübersichtlich in seinen gesponnenen Erzählfäden, löst aber am Ende den Hauptkonflikt im lang ersehnten Flug zum Turm. Wofür er steht und was seine Funktion ist, bleibt jedoch zwischen den Zeilen und Symbolen größtenteils der eigenen Fantasie überlassen.

Leider hat der Film ebenfalls mit einigen Längen zu kämpfen und entwickelt sich in mancher Szene zu einer Geduldsprobe. Wer sich jedoch auf die fantastische Reise einer Freundschaft einlässt, wird mit eindringlichen Bildern und viel Liebe zum Detail belohnt.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Makoto Shinkai
Drehbuch: Makoto Shinkai
Musik: Tenmon
Japanische Sprecher: Hidetaka Yoshioka, Masato Hagiwara, Yuuka Nanri, Kazuhiko Inoue, Unshou Ishizuka

Bewertung

Bewertung_7

26th Feb2018

Blade of the Immortal (2017) | Filmkritik

von Lars B

Blade of the Immortal

Ein Samurai, der nicht sterben kann. Ein kleines Mädchen, das Rache üben möchte. Ein Bösewicht mit zahlreichen Schwertkämpfern im Gefolge. Eine Inszenierung von Takashi Miike, die auf einem erfolgreichen Manga basiert – Blade of the Immortal klingt nach einem recht interessanten Filmvergnügen!

bladeoftheimmortal_1 Manji (Takuya Kimura) ist ein unsterblicher Samurai, der einst seinen korrupten Boss tötete und dessen Bodyguards gleich mit. Leider war unter den Opfern auch der Mann der jungen Machi, die daraufhin ihren Verstand verliert und zu einem einfältigen Mädchen wird. Von Gewissensbissen getrieben, kümmert sich der wortkarge Kämpfer fortan um das Mädchen, bis zu jenem Tage, an dem sie auf eine Banditentruppe treffen.

Das Mädchen stirbt, Manji wird schwer verletzt und ist dem Tode nah. Doch bevor er in die ewigen Jagdgründe fährt, gewährt ihm eine seltsame Hexe die Unsterblichkeit. Blutwürmer versorgen von nun an jede noch so schwere Wunde und machen aus dem Ronin Manji einen wahren Superkrieger.

50 Jahre vergehen und die kleine Rin (Hana Sugisaki) muss mit ansehen, wie ihre Eltern von Kagehisa Anotsu (Sota Fukushi) und seinen Leuten ermordet werden. Der androgyne Killer möchte alle Kampfschulen unter seinem Banner einen. Dabei muss auch Rins Vater weichen, der eine solche Schule leitet. Rin kann jedoch entkommen.

bladeoftheimmortal_2 Als ihr von einem unsterblichen Kämpfer erzählt wird, sieht sie ihre Rache als so gut wie vollendet. Doch muss sich Manji erst von der jungen Frau überzeugen lassen. Da er in Rin seine kleine Schwester Machi erkennt, willigt er schließlich ein.

So Machen sich der Ronin und das Mädchen auf die Reise durch das feudale Japan, um sich an den Mördern zu rächen. Doch wollen nicht nur Anotsus Schergen dem ungleichen Paar ans Leder, sondern auch die Soldaten des Shoguns wollen das Blutbad durch Waffengewalt beenden. Folglich streckt Manji seine Gegner nieder, bis es zum blutigen Showdown mit dem mörderischen Anotsu kommt, der ebenfalls ein begnadeter Kämpfer ist.

Klar, dass viel Blut fließt, wenn Samurai die Klingen kreuzen. Da fallen auch gerne mal abgetrennte Gliedmaßen auf den Boden. Takashi Miike (Yakuza Apocalypse) inszeniert mit Blade of the Immortal einen blutigen Streifen, um Rache, Reue und Ehre. Basierend auf dem gleichnamigen Manga von Hiroaki Samura, wird hier die Geschichte des Ronin erzählt, der von verfluchten Mächten am Leben erhalten wird. Dabei wirkt der Protagonist keinesfalls übermächtig, wie andere unsterbliche Filmhelden.

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Anders als die Krähe oder der Highlander, bekommt Manji ständig Verletzungen beigebracht, die ihn mehr taumelnd als stehend zeigen. Auf den letzten Metern wirkt jeder Kampf wie eine unüberwindbare Anstrengung. Gerade noch so überwindet er schließlich seine Kontrahenten. Dabei wird auf Superstärke oder magische Kräfte verzichtet. Ähnlich leiden sah man höchstens den gealterten Wolverine in dem letzten X-Men-Ableger Logan.

In über 141 blutigen Filmminuten kommt der gediegene Liebhaber fernöstlicher Schwertkunst voll auf seine Kosten. Takashi Miike vereint tolle Kampfchoreographien und beeindruckende Bilder in einer spannende Geschichte voller interessanter Figuren. Zwar wirken einige Gegenspieler ungewollt grotesk, was aber an der Mangavorlage liegt.

Takuya Kimura (Space Battleship Yamato) wirkt als einsilbiger Samurai überzeugend und verleiht durch seine Körpersprache jedem Kampf wahre Dramatik. Statt einfach schwere Verletzungen wegzuatmen, bricht er immer wieder zusammen und hält sich teils nur mit Mühe auf den wackeligen Beinen. So wirkt sein Kampf echt und der Zuschauer kann regelrecht mitfiebern.

Die anderen Darsteller stehen ein wenig hinter dem Protagonisten zurück, doch machen alle Schauspieler ihre Sache durchaus gut. Mit schönen Kameraeinstellungen, vielen Details und stets der richtigen Stimmung, ist Blade of the Immortal stilsicher und eignet sich bestens für Jene, die ein Herz für fernöstliche Filme haben. Zwar geht es hier weniger philosophisch als in Tiger and Dragon oder Red Cliff zu, dafür bekommt man die volle Portion Action geboten.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Tetsuya Oishi
Musik: Koji Endo
Darsteller: Takuya Kimura, Hana Sugisaki, Sota Fukushi, Hayato Ichihara, Erika Toda, Kazuki Kitamura

Bewertung

Bewertung_7

20th Feb2018

Armed Response (2017) | Filmkritik

von Lars B

Armed Response

Eine schlagkräftige Spezialeinheit, angeführt von Actionikone Wesley Snipes, gegen ein unbesiegbares Computerprogramm. Armed Response klingt nach einer echten Herausforderung. Man packe noch Wrestlingheld Seth Rollins und Schauspieltalent Anne Heche dazu und wartet, ob die Zutaten später auch einen guten Eintopf ergeben.

armedresponse_1 Im Actioner von Regisseur John Stockwell (Into the Blue) scheint es nicht an gutem Personal zu mangeln. Doch wie schlägt sich die maskuline Meute gegen die marodierende Software?

Alles beginnt mit einer geheimen Militärbasis – einem Guantanamo Bay-Lager mit Internetzugang. Ein Programm namens Temple ersetzt hier nämlich Folter und Verhöre und liest einfach die Gedanken der bösen Jungs. Auf diese Weise kommt man deutlich schneller an Resultate und verstößt auch nicht die Genfer Konvention.

Als jedoch der Kontakt zum Personal dieser Einrichtung verloren geht, werden Isaac (Wesley Snipes) und sein Team gerufen, die Basis zu sichern und zu klären, was dort mit den Soldaten geschehen ist. Gabriel (Dave Annable), ein auf Temple spezialisierter Analytiker, soll das Team begleiten. Doch hat der Wissenschaftler den Unfalltod seiner Tochter nicht verkraftet und fristet seitdem ein einsames Dasein. Natürlich kann ihn sein alter Kamerad Isaac überreden, sich ein letztes Mal in den Dienst des Vaterlandes zu stellen.

armedresponse_2 Und so steht ein grimmig guckendes Team bereit, die verlorene Militäreinrichtung wieder zu sichern. Doch noch ahnt niemand, dass sich hinter den sterilen Mauern das Grauen befindet.

Schnell werden die Leichen der einzelnen Soldaten gefunden, die sich scheinbar gegen einen unsichtbaren Feind zur Wehr setzen wollten. Doch die Sicherheitskameras zeigen nicht, wer die Marines umgebracht hat oder warum. Als auch noch ein Sträfling auftaucht, zucken die Abzugsfinger des Rettungsteams nervös an den Sturmgewehren. Nach und nach wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Für das Team kommt jedoch jede Erkenntnis zu spät. Temple, das Verhörprogramm des Militärs, hat die Eindringlinge genau da, wo es sie haben möchte. In der buchstäblichen Falle.

Mit Wesley Snipes (Blade) und WWE Superstar Seth Rollins hat man gleich zwei schlagkräftige Kaliber im Gepäck, doch werden ihre Qualitäten nicht wirklich genutzt. So reduzieren sich die Aktionen mehr auf das Sichern von Räumen, das Prüfen von Videoaufnahmen und das böse Gucken und Rumstehen. Da der Feind eher ein imaginärer ist, wird hier wenig geschossen und nicht wirklich gekämpft, was sehr bedauerlich ist.

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Anne Heche (6 Tage, 7 Nächte) wirkt seltsam fehlbesetzt als toughe Soldatin, die hier ihr Land verteidigt. So irgendwie mag man ihr die Rolle nicht wirklich abnehmen. Warum das Team Helmkameras trägt, obwohl sich niemand die Aufnahmen anschaut, ist zudem eines von vielen weiteren Rätseln des Films.

Rückblicke auf eine frühere Auslandsmission sollen verdeutlichen, dass alle Protagonisten das Blut unschuldiger Zivilisten an den Händen haben. Doch warum sollte das für Temple ein Mordmotiv an Soldaten sein? Warum muss zum Verhör der Gefangene an einen Apparat angeschnallt werden, während das bei den Soldaten scheinbar per Luftübertragung funktioniert?

Hier zeigen sich die eklatanten Schwächen des Drehbuches in aller Deutlichkeit. Zwar kommt teils spannende Horrostimmung auf, wenn eine schwarze Gestalt aus dem Nichts erscheint, doch wird das Szenario und seine Chancen nicht wirklich ausgenutzt. Die Gelegenheit, mit dem bekannten Cast, einen hochwertigeren B-Movie zu kreieren ist ebenso gescheitert, wie die aktuelle Karriere Wesley Snipes‘. Außerhalb von Expendables 3 konnte er sich nämlich mit keinem seiner Filme wirklich zurück in den alten Status als Actionstar katapultieren.

Dabei glänzt er doch gerade mit Martial-Arts-Einlagen und markanten One-Linern. Doch das sucht man hier, in Armed Response, leider vergebens. Uninspirierte Story trifft auf ratlosen und passiven Cast. Das hätte alles deutlich besser laufen können. Dann doch lieber beim nächsten Mal gegen Terroristen kämpfen!

Trailer

Cast & Crew

Regie: John Stockwell
Drehbuch: Matt Savelloni
Musik: Elia Cmiral
Darsteller: Wesley Snipes, Anne Heche, Dave Annable, Colby Lopez, Gene Simmons, Mo Gallini

Bewertung

Bewertung_4

23rd Jan2018

The Shannara Chronicles S02 | Serienkritik

von Lars B

The Shannara Chronicles

Die Abenteuer des Halbelfen Wil Ohmsford (Austin Butler) gehen in die zweite Runde. Zwar wurde durch seinen tapferen Einsatz und dem seiner Gefährten das Sterben des Ellcrys-Baums verhindert, doch schon droht neues Unheil.

shannarachronicles_2_1 Bandon (Marcus Vanco), der einstige Schüler des Druiden Allanon (Manu Bennett), hat sich der dunklen Seite zugewandt und versucht den bösen Hexenmeister wiederzubeleben. Und durch die sogenannten Bluträcher wird Jagd auf alle gemacht, die mit der Magie im Bunde stehen – Gut wie Böse. Es gibt also viel für unsere Helden zu tun. Doch neben neuen Feinden, stehen auch neue Verbündete bereit, um das Schicksal der Königreiche zu retten.

Nach einer eher durchwachsenen ersten Staffel wird die Serie mit 10 neuen Episoden aufgefrischt. Ob man es jetzt mit Fantasy-Größen wie Game of Thrones aufnehmen kann?

Die zweite Staffel der Fantasyserie, basierend auf den Büchern von Terry Brooks, setzt nach den Ereignissen der ersten Staffel an. Will Ohmsford hat sich zurückgezogen und versucht sich erfolglos als Heiler, während Eretria (Ivana Baquero) ebenfalls untergetaucht ist und sich der Liebe zur jungen Lyria (Vanessa Morgan) hingibt, nur um kurz darauf festzustellen, dass die Geliebte in Wahrheit eine echte Prinzessin ist.

Der einzige, der sich noch um den Friedenserhalt bemüht, ist der Druide Allanon, der Jagd auf seinen früheren Schüler Bandon macht. Der Möchtegern-Schurke scharrt sein Gefolge um sich und versucht den Hexenmeister wieder auferstehen zu lassen. Trotz des beherzten Eingreifens des Druiden kann die Zeremonie vollzogen werden und das Böse fortan wieder ungehindert durch die Welt streifen.

Wil wird schnell von einer unbekannten jungen Dame aufgespürt, die sich später als Mareth (Malese Jow) vorstellt und die Tochter des mürrischen Druiden Allanon ist. Sie versucht den jungen Shannara vom Dasein eines Heilers zum Weltenretter zu bewegen.

shannarachronicles_2_2 Doch mit jeder Minute wächst die Gefahr. Die Bluträcher machen Jagd auf die Helden und auch der Hexenmeister trachtet nach dem Leben der jungen Kämpfer. Verstärkung folgt in Form des wehrhaften Kopfgeldjägers Jax (Gentry White), der anfangs noch im Dienste der Königin Leah steht, sich aber bald auf die Seite Eretrias stellt. Kann mit diesen Neuzugängen das Böse endlich aufgehalten werden?

Es folgt eine kleine Zeitreise Wils zum eigenen Elternhaus, zahlreiche Duelle mit Bluträchern und Schergen des Hexenmeisters, der im Übrigen aus dem Blute Allanons erschaffen wurde und folglich auch dessen düstereres Erscheinungsbild besitzt. Natürlich ist Mereth dazu bestimmt, irgendwann in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Bis dahin bahnt sich aber noch die obligatorische Liebesgeschichte zu Will an, an dem bereits Eretria und Elfenprinzessin Emberle in Staffel 1 großes Interesse hatten.

In beeindruckenden Außenaufnahmen wird die Stärke der Neuseeländischen Kulissen bestens in Szene gesetzt und durch mehrere Studiosets gut ergänzt. Gerade in den Außendrehs gelingt es, echte Fantasy á la Herr der Ringe zu versprühen, doch sind Kostüme und Effekte bei weitem nicht annähernd so gut, wie der große Fantasybruder, und wirken eher wie dreist platzierte H&M Werbung.

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Ähnlich wie Game of Thrones, pro Staffel ein Buch umzusetzen, versucht The Shannarah Chronicles es dem Serienkonkurrenten gleich zu tun. Doch Fantasy ist mit hohem Risiko und Budget verbunden, was man in einzelnen Szenen deutlich merkt. Mal sind Effekte und Setting stimmig, mal wirkt alles B-Movie artig billig und plump. Auch die Handlung pendelt zwischen spannenden Kämpfen und teils langweiligen, sich wiederholenden Dialogen.

Besonders Austin Butler als Wil Ohmsford wirkt erneut farblos und kann nicht überzeugen. Als Schönling muss er nur lieb gucken und wirkt in all seinem Handeln wenig authentisch. Lichtblick bleibt Manu Bennett als Druide, der mit Kraft und Charisma die Handlung hauptsächlich durch seine Erfahrung trägt, auch wenn seine Figur deutlich von der Romanvorlage abweicht. Denn statt ein klappriger Zauberer zu sein, ist er ein gewaltiger Kämpfer, wie er eben nicht im Buche steht. Das mag die Leser und Fans verstimmen, sorgt im TV jedoch für den größten Unterhaltungsfaktor.

Dass junge Akteure mit einer gewissen Attraktivität nicht langweilig sein müssen, zeigen die Neuzugänge Jax und Mereth, die sehr gut gelungen sind und die Handlung deutlich voranbringen. Marcus Vanco als dunkler Adept Bandon dagegen ist eine echte Nervensäge, die lediglich weinerlich ist. Zwar kann er hier und da eine echte Bedrohung sein, geht dann aber, dank fehlendem Charisma, sang und klanglos unter.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. So ist die zweite Staffel von Höhen und Tiefen durchzogen und findet nur selten den richtigen Ton. Die Außenaufnahmen sind schön und stimmig, während manche Sets und Kostüme nach Cosplay-Fotoshootings aussehen, was wohl dem austragenden Sender MTV geschuldet ist. Die Zuschauer blieben dem 10-teiligen Fantasyspektakel derart fern, dass eine dritte Staffel ausgeschlossen scheint. Und das trotz des interessanten Cliffhangers am Ende.

Wer Lust auf Fantasy hat, kann, in Ermangelung von Alternativen, trotzdem reinschauen. Die Staffel ist dank weniger Episoden schnell zu schauen und bietet trotz zahlreicher Schwächen in der Erzählung genug Inhalt für einige kurzweilige Abende.

Staffelübersicht zu The Shannara Chronicles

Cast & Crew

Idee: Al Gough, Miles Millar
Darsteller: Austin Butler, Poppy Drayton, Ivana Baquero, Manu Bennett, Aaron Jakubenko
Länge pro Episode: ca. 42 Minuten

Bewertung

Bewertung_6

01st Jan2018

Mord im Orient-Express (1974) | Filmkritik

von Lars B

Mord im Orient-Express

Gerade können wir im Kino Kenneth Branaghs Version des Agatha Christie Klassikers Mord im Orient-Express bewundern. Im sagenumwobenen Luxuszug von Istanbul nach London kommt es zum unfreiwilligen Ableben eines Antiquitätenhändlers, mittendrin der scharfsinnige und exzentrische Meisterdetektiv Hercule Poirot.

mordimorientexpress_1 Mit Zwirbelbart und einem Hang zum Dramatischen ist es am belgischen Gentleman, den Mörder unter einem Haufen zwielichtiger Verdächtiger ausfindig zu machen. Diese Geschichte wurde allerdings bereits 1974, mit Albert Finney in der Hauptrolle, zu Zelluloid gebracht. Doch lohnt sich angesichts des Hochglanz-Remakes ein Blick auf den Klassiker vergangener Zeiten?

Alles beginnt mit einer wahnsinnigen Flut aus Zeitungsartikeln, die uns die Entführung der kleinen Daisy Armstrong näher bringt. Das Dienstmädchen wird verdächtigt und begeht schließlich Selbstmord. Auch andere Leben werden nach dieser Tragödie zerstört. Ein Schicksal, dass im Laufe des Films noch an Bedeutung gewinnen wird.

Wenig später betreten einige höchst seltsame Personen die edlen Schlafwagen des Orient-Express. Unter ihnen auch der kauzige Ermittler Hercule Poirot (Albert Finney), der eigentlich nur Ruhe wünscht und vergebens ein freies Abteil sucht.

An Bord befinden sich neben Geschäftsmann Mister Ratchett (Richard Widmark) auch Gräfin Adrenyi (Jacqueline Bisset) mit Gatten (Michael York) und Colonel Arbuthnot (Sean Connery), die wie ein willkürlich zusammengewürfelter Haufen scheinen.

mordimorientexpress_2 Für Poirot beginnt eine nervenaufreibende Zugfahrt. Als durch eine Lavine der Zug unfreiwillig zum Stehen kommt, passiert des Nachts ein Mord. Mit dutzenden Messerstichen im Schlaf getötet, blutet Mister Ratchett die weißen Laken des Luxuszuges voll. Doch wie kam der Mörder in den Zug? Ist einer der schrulligen Fahrgäste etwa zu solch einer Tat fähig?

Wer das Brettspiel Cluedo kennt, weiß, was jetzt folgt. Hercule Poirot muss sich jeden Fahrgast einzeln vornehmen und prüft jedes Alibi auf Widersprüche. Wer war wann wo? Stimmen die vagen Aussagen der Verdächtigen? Wo ist die Verbindung der einzelnen Fahrgäste zum Opfer? Wer hatte Motiv und Gelegenheit? Und wer war Mister Ratchett wirklich?

Gemeinsam mit dem Detektiv nimmt auch der Zuschauer in diesem Kammerspiel die Ermittlungen auf. Durch kleinste Nuancen und Gesten entlarvt man auf diese Weise den Lügner, um sich Schritt für Schritt Richtung Lösung zu tasten. Dabei kommt der Luxuszug wie ein verstörendes Gefängnis daher. Immerhin ist ein Mörder unter den Fahrgästen.

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Schon zu Beginn des Films dröhnt altbackene Musik aus den Boxen. Der Ton hat über die Jahre schwer gelitten und ist für das heutige Ohr eine Gewöhnungssache. Albert Finney wirkt als Ermittler wie ein kauziger Außenseiter mit wenig Charme, dafür aber einem unverkennbaren Stil. Die Darstellerriege kann sich selbst nach all den Jahren durchaus sehen lassen. Mit Sean Connery (James Bond) als Colonel und Michael York (Austin Powers) sind große Schauspielprofis am Werk.

Bei den Damen sind mit Jacqueline Bisset (Wilde Orchidee) und Ingrid Bergmann (Casablanca) ebenfalls große Namen im Cast. Jeder spielt seine Rolle auf routinierte und zurückhaltende Weise. Eben so, wie man sich verhalten würde, hätte man etwas zu verbergen.

Im Showdown, wenn sich alle Verdächtigen im Salon einfinden, wird durch Poirot der Mord rekapituliert und der Mörder gestellt, ganz nach Tradition der Agatha Christie Romane. Dann geht auch dem Zuschauer endlich ein Licht auf und das wahre Ausmaß des Verbrechens wird enthüllt. Ein wahrer Plottwist am Ende.

Inszeniert wurde das kammerspielartige Mordfall im Fall von Regisseur Sidney Lumet, der vor allem durch seine Regiearbeit an Die zwölf Geschworenen (1957) internationale Bekanntheit erlangte. Des Weiteren wirkte er an preisgekrönten Werken wie Prince of the City (1981) und Hundstage (1975) mit.

Die mörderische Zugfahrt in Mord im Orient-Express hat gerade durch seine hochwertige Besetzung einen unglaublichen Charme. Leider wirkt die Erzählung an manchen Stellen steif und langatmig, was der Dramaturgie vergangener Filme geschuldet ist. Ob Odyssee im Weltraum oder Spiel mir das Lied vom Tod – überall ist der Schnitt langsam und Kameraeinstellungen bleiben beharrlich und ermüdend auf ein und derselben Szene. Für das heutige Kinopublikum ist das nicht immer einfach. Kein Wunder, dass ein Remake eine gute Idee war.

Trotzdem lohnt es sich, den Klassiker aus dem Jahr 1974 zu sehen. Wann bekommt man sonst solche Größen Hollywoods in jungen Jahren zu sehen?

Cast & Crew

Regie: Sidney Lumet
Drehbuch: Paul Dehn
Musik: Richard Rodney Bennett
Darsteller: Albert Finney, Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, John Gielgud, Wendy Hiller, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Rachel Roberts, Richard Widmark, Michael York

Bewertung

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