20th Jun2017

Ouija: Ursprung des Bösen (2016) | Filmkritik

von Lars B

Ouija 2

Die Regeln sind eindeutig: 1. Spiele niemals allein, 2. spiele niemals auf einem Friedhof und 3. verabschiede dich immer.

ouija2_1 Wer diese Regeln treu befolgt, braucht sich vor grimmigen Geistern nicht zu fürchten. Doch was wäre ein Horrorfilm ohne die Dummheit seiner Protagonisten? So wird in Ouija – Ursprung des Bösen natürlich alles erdenkliche falsch gemacht, damit die Geisterwelt ordentlich spuken kann. Und wer hält sich denn schon an die beigefügte Gebrauchsanweisung?

Wir schreiben das Jahr 1965. Die Alleinerziehende Alice Zander (Elizabeth Reaser) betreibt mit ihren beiden Töchtern einen kleinen Familienbetrieb. Während sie für reiche Witwen und Witwer Seancen bei Kerzenschein abhält, sorgen die Töchter Paulina (Analise Basso) und Doris (Lulu Wilson) für die nötigen Effekte. Zwar sind die Gespräche mit verstorbenen Angehörigen nur fauler Zauber, doch Alice glaubt Gutes zu tun.

ouija2_2 Eines Tages erwischt sie die älteste Tochter beim Ouija-Spielen auf einer Party und ihr kommt eine rettende Geschäftsidee. Warum nicht auch solch eine Requisite in die Show einbauen? So lässt sich bestimmt mehr Kundschaft gewinnen. Sofort wird das Brett auch schon für die familiäre Geisterstunde zweckentfremdet und das mit verheerenden Folgen. Ausgerechnet die jüngste Tochter wird von einem Geist besessen. Die untote Seele verwandelt die unschuldige Doris in ein unartiges Gruselmädchen. Sie hat fortan eine unsichtbare Freundin, schreibt Briefe in ihr unbekannten Sprachen und treibt Mutter und Schwester unnachgiebig in den Wahnsinn.

Hilfe sucht die geplagte Familie in dem geistlichen Vater Tom (Henry Thomas), der dem nächtlichen Spuk auf den Grund gehen will und dabei riskiert, schneller seinem Schöpfer gegenüber zu stehen, als ihm lieb ist.

So wird der Haushalt der Familie Zander buchstäblich auf den Kopf gestellt, wenn unerklärliche Dinge ihre Runde machen. Immerhin kann Doris fortan das Ouija-Brett betätigen, ohne das Spiel zu berühren. Ob der Familie noch zu helfen ist oder selbst geistlicher Beistand zu spät kommt, wird in 99 Minuten geklärt.

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Deutlich besser und um einiges gruseliger zeigt sich die Fortsetzung zum 2014 erschienenen Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel. Statt auf gewohnte Teenie-Horror-Elemente zu setzen, konzentriert sich Regisseur Mike Flanagan (Before I Wake) auf die wirksameren Gruselklischees.

Man nehme ein unheimliches Haus mit verborgenen Räumen und einer grausamen Geschichte und füge noch einen Priester dazu. Eine alleinerziehnde Mutter, der alles zu viel wird, eine pubertäre, trotzige Tochter und das kleine, unschuldige Schwesterlein. Das alles ergibt ein gruseliges aber auch leicht zu durchschauendes Schauermärchen, dass immer auf Nummer sicher geht und selten etwas riskiert. Deshalb ist der Film ein gut gemeintes, durchschnittliches Gruselstück mit gelegentlichen Schreckmomenten und grundsoliden Darstellern.

Besonders Lulu Wilson kann in ihrer Rolle als besessenes Mädchen überzeugen und vermag durch ihren intensiven Blick äußerstes Unbehagen zu erzeugen. Der Rest des Casts geht ohne Höhen und Tiefen am kollektiven Langzeitgedächtnis vorbei. Ob es einen dritten Teil um das modrige Spielbrett gibt, bleib indes abzuwarten. Ein paar schaurige Effekte oder unheimliche Geistererscheinungen hätten deutlich zum Gesamteindruck beigetragen. Wen das nicht stört und wer zu Halloween noch ein gutes Filmthema braucht, kann trotzdem mal reinschauen.

Aber bitte nicht vergessen: Verabschiedet euch am Ende! Sonst gibt es Tote.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
Musik: The Newton Brothers
Darsteller: Elizabeth Reaser, Annalise Basso, Lulu Wilson, Parker Mack, Doug Jones, Henry Thomas, Lin Shaye

Bewertung

Bewertung5

07th Jun2017

Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit (2016) | Filmkritik

von Lars B

Humanoid

Das Leben im Jahr 2307 sieht nicht rosig aus. Es ist eine eisige Welt, in der die Menschheit ums nackte Überleben kämpft.

humanoid_1 In unterirdischen Kolonien harren die letzten Überlebenden der Menschheit aus. Damit auch schwerste Arbeiten im Eis möglich werden, haben sich clevere Wissenschaftler etwas einfallen lassen: man hat die künstliche Rasse, der Humanoiden entwickelt. Die blassen, haarlosen Kraftpakete mit schwarzem Blut sind bestens an die unwirtlichen Bedingungen angepasst. Doch was, wenn sie gegen ihre Schöpfer rebellieren? Dann trifft Blade Runner auf Ice Age!

Im Mittelpunkt steht der Soldat Bishop (Paul Sidhu), der Rache an den Humanoiden nehmen möchte, die seine Frau und sein ungeborenes Kind getötet haben. Kein geringerer als der geflohene ASH-393 (Branden Coles) soll für diesen brutalen Mord verantwortlich sein.

Zwar ergibt sich der geläuterte Bishop erst einmal dem Alkohol, nur um dann, nach einem Bad und einer Rasur, den Posten als Anführer der Humanoid-Jäger anzunehmen, die sich selbst als Spartaner bezeichnet. Die ungleiche Truppe, welche ihm unterstellt wird, besteht aus gar seltsamen Kämpfern. Allen voran die schroffe Kix (Arielle Holmes), die aus Hitlers Biografie zitiert und auch sonst kein Menschenfreund ist. Die anderen Soldaten der Gruppe, die jedem typischen Klischee entsprechen, sind zu vernachlässigen, sterben sie doch recht schnell, ohne viel von sich zu geben.

humanoid_2 So bleibt es am Ende nur an Bishop selbst, das hünenhafte Muskelpaket ASH-393 zu stellen und zu erledigen. Dabei zeigt sich, dass der Flüchtige durchaus Köpfchen hat. Er spielt in der eisigen Einöde mit den Häschern ein todbringendes Katz- und Mausspiel.

Doch wer ist hier der wahre Bösewicht? Ash oder seine Schöpfer?

Wen die Handlung etwas an Ridley Scotts Zukunftsepos Blade Runner erinnert, der täuscht sich nicht. Wenn Ash philosophische Züge annimmt, und es Rutger Hauers Figur des Roy Batty gleichtut, wenn er im Angesicht des Todes über das Leben sinniert, hat man ein Dejavu-Erlebnis, nur in schlecht eben.

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Alles wirkt lieblos. Die Figuren sind eindimensional, unmotiviert und stolpern unkoordiniert durch das eingeschneite Filmset. Humanoid greift zwar stellenweise nette Ideen auf, kann diese jedoch nicht wirklich gut umsetzen. Zu viel B-Movie Getue, zu flache Sprüche ohne charismatische Darsteller zu wenig Inhalt.

Hätte man Dolph Lundgren oder Van Damme gewinnen können, hätte man wenigstens noch ein paar ganz treue Actionfans in den Film locken können. Hier hat man es dagegen mit Laiendarstellern zu tun. Vermutlich wird auch kein einziger Darsteller jemals wieder in einem nennenswerten Film zu sehen sein. Dabei hatte man mit der Eiswüste und den unterirdischen Verstecken tatsächlich ein recht günstiges Setting, welches mit wenig Budget gut umgesetzt werden konnte. Stattdessen sieht man, wie die Soldaten in den schlechten Gummikostümen schwitzen, weil die Materialien nicht atmungsaktiv sind. Das sorgt zuweilen für etwas heitere Stimmung beim Schauen des Films, zeigt aber, wie wenig Sinn für Detail bestand.

Talentlose Bodybuilder weiß zu schminken und ziellos durch Pulverschnee zu scheuchen hilft da auch nicht weiter. Hier merkt man sogar wie seltsam unbeholfen die Humanoids vor der Kamera sind. Da hat Branden Coles noch richtig gut ausgesehen, bei dem Versuch, etwas Tiefgang einzubringen. Hauptdarsteller Paul Sindhu hat als Bishop jedoch voll und ganz versagt. Man findet keinen Zugang zu seiner Person und nimmt nicht wirklich an seinem Schicksal Teil. Er wirkt ebenso austauschbar wie seine Söldnertruppe, die er anführt.

So plätschert der Film vor den Augen dahin und offenbart keine bemerkenswerten Höhepunkte. Ein wenig Humor, besseres Casting und einige kreative Ideen hätten dem Machwerk von 102 Minuten durchaus Kurzweil und einen Wiedersehenswert verpassen können. So allerdings ist selbst für den Direct-to-DVD-Markt ein sehr schwaches Resultat entstanden. Und letztendlich empfiehlt es sich, lieber noch einmal Blade Runner anzuschauen.

Cast & Crew

Regie: Joey Curtis
Drehbuch: Joey Curtis
Musik: Joachim Horsley
Darsteller: Branden Coles, Paul Sidhu, Arielle Holmes, Kelcey Watson, Anne-Solenne Hatte, Timothy Lee DePriest

Bewertung

Bewertung3

02nd Mai2017

Doctor Who – Der Film (1996) | Filmkritik

von Lars B

Doctor Who – Der Film

Schon seit Jahren gehört der charmante, zeitreisende Doktor und seine T.A.R.D.I.S. zum Stoff, der das Herz seiner Fans höher schlagen lässt. Die längste Science Fiction TV-Serie der Welt lässt sogar Star Trek hinter sich, wenn es um die Anzahl der Folgen geht.

doctorwhoderfilm_1 Als die Ära des siebten Doktors Sylvester McCoy (Der Hobbit) 1989 zu Ende ging, versuchte man die Serie durch einen, für den amerikanischen Markt produzierten TV-Film, neu aufleben zu lassen. Dieser 1996 auf Fox ausgestrahlte Film erzählt, wie der Doctor (Paul McGann) die sterblichen Überreste des „Masters“ zurück auf den Heimatplaneten Gallifrey bringen soll und dabei in ein turbulentes Abenteuer stürzt.

Leider blieb der Erfolg des Films aus und erst 2005 ging es mit dem neunten Doctor (Christopher Eccleston) weiter. Beim heutigen Erfolg der Serie ließ es sich die BBC nicht nehmen und veröffentlicht das Abenteuer des achten Doctors nun erstmals auf Blu Ray und DVD. Jetzt können sich die Fans selbst ein Bild davon machen, ob der Film ein verkanntes Kunstwerk oder ein echter Fehlgriff ist.

Alles beginnt mit dem Tod des Masters, dem größten Widersacher des Doctors. Der Schurke wurde besiegt und seine Überreste gut verschlossen. Der Doctor (Sylvester McCoy) bekommt die Aufgabe, ihn auf seine Heimatwelt zu überführen. Leider kann sich der Gefangene befreien und bringt die T.A.R.D.I.S. dazu, auf der Erde des Jahres 1999 zu landen. Der Schurke kann dort den Körper eines Rettungssanitäters (Eric Roberts) übernehmen und trachtet danach, mit Hilfe des Doctors die Unsterblichkeit zu erlangen. Immerhin haben die Timelords 13 Leben. Da der Doctor erst 7 verbraucht hat, kann der Körper für den Master noch von großem Nutzen sein.

doctorwhoderfilm_2 Doch leider wird der Doctor bei einem Überfall angeschossen. Da sein Körper etwas anders aufgebaut ist als der eines gewöhnlichen Menschen, kann die Kardiologin Dr. Holloway (Daphne Ashbrook) den Patienten nicht retten. Woher sollte sie auch ahnen, dass der Mann auf ihrem OP Tisch zwei Herzen hat? So endet die Reise für den guten Timelord in der Leichenhalle, wo er, zum Schrecken des Personals, wieder aufersteht. Diesmal ist die achte Inkarnation (Paul McGann) deutlich jünger als sein altes Ich.

Mit Hilfe der Ärztin will er den Master aufhalten, der das Auge der Harmonie, ein Zeit- und Dimensionsportal der T.A.R.D.I.S. geöffnet hat, welches die Erde zu vernichten droht. Warum eine so gefährliche Apparatur ausgerechnet in der Zeitmaschine schlummert ist zwar rätselhaft aber da der Master einst der frühere Besitzer der T.A.R.D.I.S. war, kennt er sich hier bestens aus.

Natürlich muss der Doctor bei der jungen Ärztin viel Überzeugungsarbeit leisten, um ihre Hilfe zu erlangen. Immerhin hält sie den seltsamen Zeitreisenden für einen verrückten, der besser in die Klapsmühle gehört. Doch schon bald wird aus den beiden ein gutes Team. Nur mit einer Atomuhr lässt sich das Zeitchaos aufhalten, welches der skrupellose Bösewicht ausgelöst hat. Und wie es der Zufall so will, wird ausgerechnet zur Silvesternacht eine solche Uhr in Betrieb genommen. Das kommt den beiden natürlich sehr gelegen. Doch lässt sich eine solch gut bewachte Uhr einfach stehlen?

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Wer den Doctor kennt, weiß, dass er es immer schafft mit höchst unkonventionellen Mitteln den Tag zu retten und immer einen Plan in der Hinterhand hat. Dieser TV Film sollte als Pilotfolge für eine neue Staffel dienen, konnte das Publikum aber leider nicht überzeugen. Paul McGann (Luther) spielt den Zeitreisenden charmant und naiv und hätte es durchaus verdient, eine komplette Staffel gewidmet zu bekommen. Das Abenteuer hat viel Witz und Ironie und nimmt sich meistens nicht all zu ernst.

Besonders in der Leichenhalle, wenn der Wachmann gerade Frankenstein im Fernsehen sieht und sich der scheinbar tote Doctor wieder erhebt, muss man einfach schmunzeln. Eric Roberts (The Expendables) übertreibt es allerdings ein wenig als Master und wirkt wie ein Bösewicht aus einem Cartoon. Viel zu überzogen agiert der Schurke und stapft von Klischee zu Klischee. Die Rolle der Ärztin ist mit Daphne Ashbrook gut besetzt. Zwar ist sie anfangs die typische Frau in Nöten, mausert sich im Verlauf jedoch zu einer guten Hilfe für den Protagonisten.

Sieht man davon ab, dass der Film 1996 fürs TV produziert wurde, sind die Effekte ganz gut gelungen und lassen das Abenteuer des Doctors recht gut aussehen. So ist Doctor Who – Der Film ein nettes und kurzweiliges Abenteuer, dass besonders Dank des üppigen Bonusmaterials etwas für jeden Fan sein sollte. Wer die Handlung nicht allzu ernst nimmt und sich auf den charmanten Doctor einlassen kann, wird eine gute Zeit mit diesem herrlich skurrilen Film verbringen. Wer noch nichts vom Doctor und seiner T.A.R.D.I.S. gehört hat, kann mit diesem Film recht gut einsteigen. In jedem Fall also einen Blick wert.

Cast & Crew

Regie: Geoffrey Sax
Drehbuch: Matthew Jacobs
Musik: John Debney
Darsteller: Paul McGann, Sylvester McCoy, Daphne Ashbrook, Yee Jee Tso, Eric Roberts, John Novak

Bewertung

Bewertung9

02nd Apr2017

Sie nannten ihn Jeeg Robot (2015) | Filmkritik

von Lars B

Jeeg Robot

Was würdest du tun, wenn du plötzlich Superkräfte hättest? Wärst du ein Held oder ein Schurke? Im italienischen Streifen Sie nannten ihn Jeeg Robot (Originaltitel: Lo chiamavano Jeeg Robot) von Regisseur Gabriele Mainetti folgen wir dem Kleinkriminellen Enzo (Claudio Santamaria), der unfreiwillig an heldenhafte Kräfte gerät. Wird er der Held, den die verrückte Alessia (Ilenia Pastorelli) ihn ihm sieht? Oder nutzt er seine Power lieber für Gaunereien?

jeekrobot_1 Alles beginnt mit einem unfreiwilligen Bad im Tiber. Enzo Ceccotti ist auf der Flucht vor noch böseren Buben. Da er sie nicht abschütteln kann, taucht er im kalten Wasser des Flusses buchstäblich unter. Zu dumm, dass er dort auf ein merkwürdiges Fass und eine rätselhafte Flüssigkeit trifft, die ihn tags darauf zum unverwüstlichen Kraftprotz macht. Nachdem er bei einem verpatzen Drogendeal angeschossen und von einem Hochhaus gestoßen wurde, rappelt er sich unverletzt wieder auf.

Doch was tun, wenn man künftig kein gewöhnlicher Mensch mehr ist? Enzos erster Impuls ist das Knacken eines Geldautomaten, den er komplett aus der Wand reißt. Die Polizei staunt nicht schlecht und hält das ganze noch für einen schlechten Scherz.

Ist Enzo für etwas größeres bestimmt? Die hübsche aber völlig durchgeknallte Alessia sieht in dem ruhigen Einzelgänger den großen Helden ihrer Lieblingsanimeserie! Er ist für sie Hiroshi Shiba, der Jeeg Robot – der Held einer Zeichentrick TV Serie aus den 70ern. Natürlich winkt Enzo bei solchen Hirngespinsten gleich ab, doch weil Alessias Vater beim selben Drogendeal getötet wurde, bei dem auch Enzo hätte sterben sollen, fühlt er sich für die quirlige Dame verantwortlich. Anfangs noch ein lästiges Anhängsel, entwickelt sich Alessia für den Einzelgänger schon bald zu einer unverzichtbaren Freundin. Zwar ist sie eher ein kleines Mädchen, gefangen im Körper einer erwachsenen Frau, doch ihre Weiblichkeit zieht Enzo, der sonst nur Pornos guckt, schnell in seinen Bann.

jeekrobot_2 Doch nicht jeder ist erfreut über den neuen Supermann der Stadt. Der Kleingangster Fabio (Luca Marinelli), den man den Gipsy nennt, hätte zu gern die Hilfe des römischen Helden. Mit ihm könnte er ohne größere Umstände Tresore öffnen oder Geldtransporter aufknacken. Und da die Gang von Fabio nicht gerade gehorsam ist und auch noch eine große Menge Drogen abhanden gekommen sind, sind helfende Hände jetzt besonders wichtig. Ganz besonders, wo Gipsy auch noch der italienischen Mafia einen Haufen Geld schuldet.

So geraten Enzo und sein weiblicher Fan schnell ins Visier des durchgeknallten Gangsters. Aber so leicht lässt sich der soziopathische Gipsy nicht abschütteln, besonders nicht, wenn er auch noch an jene Chemikalie kommt, die Enzo zum Jeeg Robot machte.

jeekrobot_3 Sie nannten ihn Jeeg Robot klingt nach einem verrückten Italogangster-Superheldenfilm voller durchgedrehter Figuren und das ist er auch. Claudio Santamaria als brummeliger Gauner in seiner Junggesellenbude voller Müll und Schmuddelfilmchen, der mit keinem was zu tun haben möchte. Im krassen Gegensatz zu ihm steht die verrückte Alessia, die von Ilenia Pastorelli so gut gespielt wurde, dass sie dafür zahlreiche Filmpreise als beste Schauspielerin abräumte.

Schurke Fabio Cannizzaro (Luca Marinelli) mausert sich vom missverstandenen Gangster zum italienischen Joker. Mal prügelt er einen Handlanger mit dem Handy tot, andermal hetzt er seine Hunde auf einen Verräter, und dann trällert er in einer Karaokebar einen italienischen Schlager voller Hingabe.

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Mit soviel Aberwitz gespickt sorgt Sie nannten ihn Jeek Robot für zahlreich heitere Augenblicke voller abgedrehter Momente und surrealer Gestalten. Leider verliert sich in den ganzen Absurditäten auch der rote Faden des Films, sodass man schnell überfordert wird und regelrecht von aberwitzigen Einfällen erschlagen wird. Fast eben wie in einer kunterbunten Anime-Trash-Serie der 70er, an die Jeeg Robot eben angelehnt ist.

Doch hat der stille Enzo nicht allzu viel mit jenem Hiroshi Shiba zu tun, der in der 1975 erschienenen TV Serie Steel Jeeg bei einem Unfall fast ums Leben kam und nur durch künstliche Körperteile überleben konnte. Trotzdem gibt es am Ende noch eine Anspielung auf den Helden des japanischen Animes.

Wem die Avengers und Justice League des amerikanischen Heldenkinos zu langweilig sind, kann sich mit diesem Film gern auf die Reise eines anderen, realistischeren Helden begeben. Enzos Motivationen sind verständlich und jederzeit nachvollziehbar. Vermutlich würde jeder zuerst versuchen an Geld zu kommen, statt Menschenleben zu retten. Neben einigen schönen Stadtansichten Roms gibt es einiges an Action und Spannung zu sehen, in diesem völlig durchgeknallten Trip durch Italiens Metropole.

So ist Gabriele Mainettis Aufstieg eines Jedermann-Superhelden ein zurecht prämierter Streifen, der so einiges an Filmpreisen, wie beim International Rome Film Festival 2015, 56th Italian Golden Globes, Amsterdam Imagine Film Festival und dem 73. Venice International Film Festival, abräumen konnte. Herzlichen Glückwunsch!

Für andere wird dieser Heldenauftritt vielleicht eine Spur zu seltsam und abgedreht sein. So bleibt der 112 minütige Streifen eine absolute Geschmacksache und wird nicht jeden überzeugen können, ist aber in jedem Fall einen Blick wert.

Cast & Crew

Regie: Gabriele Mainetti
Drehbuch: Nicola Guaglianone, Menotti
Musik: Michele Braga, Gabriele Mainetti
Darsteller: Claudio Santamaria, Luca Marinelli, Ilenia Pastorelli, Stefano Ambrogi, Maurizio Tesei

Bewertung

Bewertung7

24th Mrz2017

Nerve (2016) | Filmkritik

von Lars B

Nerve

Bist du ein Watcher oder ein Player? Mit dieser Frage wird man in einem etwas anderen Onlinespiel konfrontiert. Und deine Antwort kann in der Tat tödliche Folgen haben.

nerve_1 In Zeiten der globalen Vernetzung, der Clouds, der Chatrooms und der Social Media, wirkt Nerve thematisch gar nicht mehr so weit hergeholt. Wenn man aus Hunger nach Anerkennung oder finanzieller Not den Weg wählt, Mutproben im Internet zu bestehen, kann man ziemlich schnell jegliche Kontrolle verlieren. Denn aus Nerve steigt man nicht so einfach wieder aus! Das Regisseurduo Henry Joost und Ariel Schulman schickt Mauerblümchen Vee (Emma Roberts) und Mädchenschwarm Ian (Dave Franco) auf einen Adrenalintrip durch das nächtliche New York.

Dabei fängt es erst einmal recht harmlos für Vee an. Die schüchterne Highschoolschülerin steht nie im Mittelpunkt. Vom Rande des Geschehens bewundert sie den Kapitän des Footballteams und versteckt ihr Gesicht hinter einer Kamera. Ihre beste Freundin Syd (Emily Meade) ist da schon anders gestrickt. Die dralle Sexbombe nutzt jede sich bietende Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das muss sie auch, denn im Onlinespiel Nerve muss sie die Gunst der Zuschauer gewinnen. Je mehr Watcher man hat, desto näher rückt das hohe Preisgeld.

nerve_2 So zeigt Syd bei einer Cheerleader-Tanznummer den nackten Hintern und riskiert einen Schulverweis. Als Vee beim Mann ihrer Träume abblitzt, reicht es dem stillen grauen Mäuschen. Schnell hat sie sich ebenfalls bei Nerve angemeldet und möchte es so dem Rest der Welt zeigen. Schnell kommt die erste Challenge auf sie zu: sie muss einen Fremden für 5 Sekunden küssen. Klar, dass im Cafe irgendwo ein schnuckeliger Typ namens Ian sitzt, der auch noch ins Beuteschema der schüchternen Blonden passt. Einen ungeschickten Kuss später schicken die Watcher mit ihren Herausforderungen das neue Traumpaar durch New Yorks nächtliche Straßenschluchten.

Mal sollen sie eine Modenschau in einer Edelboutique abhalten, dann braust Ian mit einem Motorrad blind in den Gegenverkehr. Aus anfänglich kleinen Mutproben werden schnell verantwortungslose Aufgaben. Besonders Syd sieht den wachsenden Ruhm ihrer Freundin nicht gern und es entwickelt sich eine gemeine Rivalität, angeschürt durch die Sensationsgier der Zuschauer. Diese kennen nämlich jedes Geheimnis der Spieler und nutzen Facebookprofile zur Analyse, um die Spiele noch persönlicher zu gestalten.

So steigert sich Nerve zusehends zu einem Adrenalintrip, in dem der Spieler sämtliche Hemmungen verliert, nur um die Anerkennung eines unbekannten Publikums zu erringen, die selbst vor einem Mord nicht halt machen. Und auch Vees Begleiter scheint nicht der zu sein, für den er sich ausgibt.

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Neben Hochglanzbildern und einem Musikvideo gleichen Schnitt gesellt sich eine schöne Playlist aus coolen, zeitgemäßen Songs. So wird der Ausflug zu einem kurzweiligen und ansehnlichen Ereignis. Die Spannungskurve zieht konsequent an und treibt die Handlung gut voran. Die beiden Hauptdarsteller machen einen soliden Job und wirken authentisch und liebenswert. Hier punktet Dave Franco (Die Unfassbaren) allerdings klar durch ein etwas abwechslungsreicheres Minenspiel, während Gesicht und Mimik seiner Filmpartnerin schnell in Vergessenheit geraten können. Aber so ist das eben mit den Mauerblümchen aus der Highschool.

Nerve ist eine Mischung aus Fight Club (1999) und Running Man (1987), nur eben für gelangweilte Mittelstandteenager. Statt sich mit Sträflingen zu duellieren oder sich ins Krankenhaus zu prügeln, reicht das Spektrum der Aufgaben von Gesangsnummern in einem Lokal bis zum Erklettern eines Baukrans. Dabei vergisst der Film aber manchmal das System der Vernetzung und die Geltungssucht der Jugendlichen anzuprangern. Zwar versucht man am Ende noch den Bogen zur Moralkeule zu schlagen, doch wirkt es bereits viel zu plakativ und halbherzig.

Gerade Vees Mutter, gespielt von Juliette Lewis (Natural Born Killers), wirkt viel zu passiv. Als sie mitbekommt, welchen Ärger ihre Tochter hat, sieht sie es angesichts der anfänglichen Sorge doch etwas zu gelassen. „Hey, meine Tochter soll erschossen werden! Aber ihr Kids habt schon alles unter Kontrolle. Dann ist ja alles gut!“; da hätte ich etwas mehr Hysterie erwartet. So verpufft die Gesellschaftskritik regelrecht im Showdown, statt uns vor Augen zu führen, in was für einer kranken Welt wir eigentlich leben.

Nerve ist kein schlechter Film. Er hätte nur das Potenzial gehabt, ein echtes Statement zu setzen und vielleicht sogar zum Kult zu werden. Denn wer kennt sie nicht, die Mutproben auf Youtube, wo jemand Hundefutter aus der Dose löffelt oder einhändig an einem Fabrikschonstein baumelt. Angesichts solch echter Videos, ist der Weg zu einem Spiel wie Nerve längst nicht mehr weit.

Am Ende bleibt daher nur ein kurzweiliger Popcornfilm mit gutem Soundtrack und netten Ideen, den man allerdings bald wieder vergessen hat. Schade.

Cast & Crew

Regie: Henry Joost, Ariel Schulman
Drehbuch: Jessica Sharzer
Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Emma Roberts, Dave Franco, Juliette Lewis, Machine Gun Kelly

Bewertung

Bewertung7

25th Jan2017

Schrotten! (2016) | Filmkritik

von Lars B

Schrotten

Blut ist dicker als Wasser! Das muss Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz) bald am eigenen Leib erfahren. Der schnöselige Versicherungskaufmann wird nämlich mit seiner Vergangenheit und seiner Familie konfrontiert. Als zwei schräge Raufbolde beschließen, ihn kurzerhand aus der Großstadt zu entführen und beim Schrottplatz des Vaters abzuliefern, wird der eitle Herr buchstäblich aus dem eigenen Leben und seiner Wohlfühlwelt gerissen.

schrotten_1 Der Schrottplatz ist nämlich alter Familienbesitz. Doch jetzt, wo der alte Herr tot ist, dreht sich die Frage nun darum, wie es mit dem rumpeligen Altmetall weitergehen soll.

Unter den kritischen Augen des Bruders Letscho (Frederick Lau) sieht sich Mirko das Erbe genauer an. Dies kommt natürlich zur rechten Zeit, denn Mirko hat Schulden. Gewaltige Schulden. Der Verkauf des maroden Unternehmens an Konkurrent Kercher (Jan-Gregor Kremp) könnte dem gescheiterten Versicherungskaufmann wieder auf die Beine helfen. Doch Bruder Letscho hat gewaltig was dagegen, genau so wie alle, die mit auf diesem Schrottplatz arbeiten und leben. So setzt es anfangs für den fremden Neuankömmling reichlich Prügel.

Doch schnell ist die Lösung gefunden: Ein Zugraub! Genauer gesagt der Raub eines Wagons, der bis oben hin voll mit wertvollem Kupfer ist. Allein der Erlös könnte sämtliche Sorgen für immer aus der Welt schaffen. Doch können sich die beiden ungleichen Brüder überhaupt auf die selbe Seite schlagen? Und was passiert, wenn die Gaunerei herauskommt?

schrotten_2 Hier prallen wahrlich zwei Welten aufeinander, wenn der piekfeine, studierte Mirko auf den chaotischen und einfach gestrickten Letscho trifft. Von Ikeamöbeln zum Schrotthandel ist eine Reise, die aus dem hochnäsigen, verlorenen Sohn einen bodenständigen Geschäftsmann schmieden könnte. Mit reichlich Komik und vielen kultigen Typen wird Schrotten! zu einem wahren Gaunerstück, dass gut unterhält und dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, Teil einer eingeschworenen Familienbande zu sein.

Denn der Schrottplatz schweißt die Gemeinschaft von allerlei kauzigen Gesellen zusammen. Und mitten unter ihnen die hübsche Luzi (Anna Bederke), die vom Hamburger Großstädter anfangs überhaupt nicht angetan ist. Doch im späteren Verlauf natürlich Gefallen an dem verlorenen Bruder findet.

So wird nicht nur ein Familienfilm über zwei unterschiedliche Brüder erzählt und eine Romanze vorbereitet, sondern auch noch ein Eisenbahnraub inszeniert, der für allerlei Spaß und Chaos sorgt.

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Fernab von Weltkriegsdramen, kriminellen Lehrern und schlecht genähten Plüschtieren zeigt das deutsche Kino abseits von Schweiger und Schweighöfer, dass es noch mehr zu sehen gibt. Dabei ist Schrotten! tatsächlich wie ein echter Schrottplatz: Unter all dem nutzlosen Tand findet sich manchmal doch noch etwas wertvolles. Und so vergehen die 96 Minuten recht kurzweilig und gut gelaunt, ohne große Überraschungen und Durststrecken.

Regisseur Max Zähle (Raju) vereint einen großartigen Reigen an Schauspielern und schafft es, die komplette Handlung fast ausschließlich an einem Schauplatz spielen zu lassen. Die raubeinigen und schmutzigen Gesellen gehen gutmütig ihren Gaunereien nach und präsentieren sich in bester Robin-Hood-Manier gegen den skrupellosen Konkurrenten Kercher, dem man den finanziellen Ruin förmlich wünscht. Quasi ein Aufschrei gegen Monopolisierung und Verdrängung der kleinen Unternehmen, wo noch jeder jeden kennt.

Zwar fehlt es hier und da etwas an Originalität, doch bleiben sich die Figuren stets treu, ohne dass es am Ende zu einer kitschigen Verwandlung zu Gunsten eines Happy Ends kommen müsste. Gerade für Kenner des deutschen Kinos durchaus ein Blick wert, wenn man von amerikanischen Sex-Witzchen und Kifferkomödien den Kanal voll hat.

Lucas Gregorowicz (Goldene Zeiten) mimt perfekt den eitlen Großstädter, der anfangs für Geld einfach alles tut. Die Chemie zu Filmbruder Frederick Lau (Das kalte Herz) scheint gut zu funktionieren. So gegensätzlich die beiden zu sein scheinen, so vertraut geht es in den letzten Schlussminuten zu. Und wenn die Schrottplatzbewohner voller Argwohn bestaunen, wie Mirko sein Frühstück mit Toast und Ei zelebriert, dann kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dass Geld nicht alles ist, lernt man sowieso und auch sonst wird man mit gutem Gefühl aus dem Film gelassen. Sehr schön!

Insgesamt ein recht ansehnlicher Film, den man ohne Zögern empfehlen kann. Es muss ja nicht immer Hollywood sein.

Cast & Crew

Regie: Max Zähle
Drehbuch: Oliver Keidel, Johanna Pfaff, Max Zähle
Musik: Daniel Hoffknecht, Gary Marlowe
Darsteller: Lucas Gregorowicz, Frederick Lau, Anna Bederke, Heiko Pinkowski, Lars Rudolph, Jan-Gregor Kremp, Alexander Scheer

Bewertung

Bewertung_7

24th Jan2017

Dark Skies (2013) | Filmkritik

von Lars B

Dark Skies

Was tun, wenn es Aliens auf deine Familie abgesehen haben und dir keiner glaubt? Was tun, wenn die Nacht zum Alptraum wird und du Angst davor hast, was dich am Morgen erwartet?

darkskies_1 In Dark Skies – Sie sind unter uns gehen wir diesem Kampf gegen das Unerklärliche nach. Doch zuvor tauchen wir ein in die scheinbar heile suburbane Werbewelt der Barretts. Die 4-köpfige Familie lebt in einer typischen Vorstadt den amerikanischen Traum. Immobilienmaklerin Lacy (Keri Russell) hat Job und Familie gut im Griff, ist jedoch für manche Klienten eine Spur zu ehrlich. Daniel (Josh Hamilton) ist Architekt und wurde erst kürzlich entlassen. Die Bewerbungsgespräche bei hiesigen Firmen laufen eher schlecht.

So schlecht, dass er sich über den Ausgang seiner Bemühungen bei der Gattin lieber ausschweigt. Sohnemann Jesse (Dakota Goyo) beginnt, sich langsam für Mädchen und Schmuddelfilmchen zu interessieren und der jüngste Filius Sammy (Kadan Rockett) lebt ein wenig in seiner eigenen Welt und funkt den Bruder des Nachts über ein Walkie Talkie an. Doch lange wird der scheinbare Haussegen nicht währen.

Alles beginnt mit rätselhaften Zwischenfällen im Haus. Gegenstände werden plötzlich zu Türmen in der Küche verbaut, Vögel fliegen scharenweise gegen die Fenster, die Alarmanlage spielt verrückt, Fotos verschwinden und das Verhalten aller Familienmitglieder ändert sich, als seien sie ferngesteuert. Aus anfänglicher Paranoia wird bald traurige Gewissheit. Hatte Lacy erst ihren jüngsten Sohn unter Verdacht für das Chaos verantwortlich zu sein, kommt sie später hinter die Ursache des heimischen Vorstadthorrors.

darkskies_2 Wollen Aliens ihre Kinder entführen? Sie kontaktiert den Alienexperten Edwin Pollard (J.K. Simmons), der ihr gleich klarmacht, dass es ein schreckliches Ende nehmen wird. Schon lange leben Aliens unter uns und experimentieren mit den Menschen, als seien sie Ratten in einem Labor.

Ehemann Daniel zweifelt an der Echtheit dieses Experten und würde lieber zur Polizei gehen. Doch was sagt man zu den Beamten? Als dann auch noch die Söhne Anzeichen von körperlichen Misshandlungen aufweisen, beginnt es für die junge Familie um die Existenz zu gehen.

Regisseur Scott Steward (Legion) hat mit diesem Horrortrip hauptsächlich Protagonistin Keri Russell (Planet der Affen: Revolution) im Visier, wenn sie wie eine Wölfin um ihre Familie kämpft, die eigentlich schon genug mit irdischen Problemen zu kämpfen hat. Ihr Filmpartner Josh Hamilton (J. Edgar) nimmt eher eine hintergründige Position ein.

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Trotz der anfänglichen Spannungskurve verpufft die Story in einem eher durchschnittlichen Szenario, dass zu wenig Horror und zu wenig Neues bieten kann. Die Geschichte ist zwar nett inszeniert, bietet aber nichts an, was einen Wiedersehenswert hätte oder besonders im Gedächtnis bliebe.

Stattdessen hat man das Gefühl einen TV-Zweiteiler zu Gesicht zu bekommen, der die guten Ideen wegen geringem Budget zurückhält. Wenn Daniel die Überwachungskameras checkt und dabei seltsame Wesen erblickt, rutscht einem zwar das Herz in die Hose, doch ein Horrorfilm sollte diese Momente schon häufiger anbieten. Die spärliche Verwendung der Aliens ist zwar absolut in Ordnung, aber mit ein bisschen mehr Schockmomenten hätte man das Publikum vielleicht noch wach gehalten.

Schauspielerisch wirkte der Film ebenfalls sehr auf TV-Niveau. Alles scheint etwas unausgegoren und fast laienhaft. Besonders zum Tragen kommt dies in Szenen mit J.K. Simmons (Spider-Man), der mit seiner Präsenz die Szene übernimmt und selbst in dieser kleinen Rolle das schauspielerische Niveau stark nach oben drückt. Gerade Josh Hamilton wirkt farblos, passiv und wenig überzeugend.

So bleibt Dark Skies – Sie sind unter uns ein absolut durchschnittliches Erlebnis, dass man sich maximal einmal ansieht und anschließend aus seinem Fehler lernt. Ein Problem, dass in den anderen Werken des Regisseurs wie Legion oder Priest ganz ähnlich war.

Cast & Crew

Regie: Scott Stewart
Drehbuch: Scott Stewart
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Keri Russell, Josh Hamilton, Dakota Goyo, Kadan Rockett, J. K. Simmons

Bewertung

Bewertung_4

08th Jan2017

The Last King – Der Erbe des Königs (2016) | Filmkritik

von Lars B

The Last King

Denkt man an das skandinavische Kino, denkt man meistens an schwedische, unterkühlte Thriller, in denen mit reichlich Blaufilter ein bestialischer Mörder dingfest gemacht werden muss. Ihm auf den Fersen ist dann meistens ein Polizist mit Alkoholproblemen oder Spielsucht. An das norwegische Kino denkt man dann erst einmal gar nicht. Vielleicht sollte sich das nach The Last King ändern. Ein Ausrufezeichen, dass es eben auch anders geht.

thelastking_1 Reichlich historisch wird es in Nils Gaups Machwerk über königliche Intrigen und ein kriegsgebeuteltes Land Anfang des 13. Jahrhunderts.

Alles beginnt mit dem überraschenden Tod des Königs. Seine treuen Birkebeiner sind fassungslos. Wissen sie schließlich, dass dies nur Krieg bedeuten kann. Um so erschütternder, dass es einen unehelichen Sohn geben soll. Der kleine Knirps stellt das legitime Erbe des Throns dar. Kein Wunder also, dass alles und jeder danach trachtet, dem unschuldigen Kind das Licht auszuknipsen.

Die treuen Krieger Torstein (Kristofer Hivju) und Skjervald (Jakob Oftebro) nehmen sich des Knaben an und versuchen ihn in Sicherheit zu bringen. Dabei kämpfen die beiden nicht nur gegen die Schergen des Feindes, sondern auch gegen Norwegens unwirtliche Winterwelt.

thelastking_2 Kein Wunder, dass Norwegen im Wintersport so überlegen ist, sind es gerade die Langlaufski, die den beiden Leibwächtern in den weißen Weiten Norwegens mehr als einmal die Haut retten. Dabei wird uns nicht nur Norwegens wunderschöne Schneelandschaft vor Augen geführt, sondern auch mit reichlichen Ski-Verfolgungen voller Spannung eingeheizt.

Doch ob ein alter Krieger und ein junger Hitzkopf ausreichen, um das Schicksal des zukünftigen Thronfolgers zu wahren, wird sich erst am Ende des packenden Epos zeigen.

The Last King – Der Erbe des Königs spielt größtenteils aus Sicht der beiden Birkebeiner (Name von Rebellen und einer politischen Partei in der norwegischen Bürgerkriegszeit), dem raubeinigen und erfahrenen Torstein und dem jüngeren Skjervald. Die königstreuen Vasallen haben sich geschworen, den Thron mit ihrem Leben zu verteidigen. Gerade dies wird Skjervald zum Verhängnis, als man ihm droht, Frau und Kind zu töten, wenn er nicht verrät wo man den Königssohn versteckt hält. Der kleine Hosenmatz begreift natürlich nicht, was um ihn rum geschieht.

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Die Kirche will den unbesetzten Thron nutzen, um ihre eigene Macht zu stärken und jene Kräfte, die für das vorzeitige Ableben des Königs verantwortlich sind, haben ebenfalls ihre eigene Agenda. Pläne, in denen ein Baby mit Erbrecht eben äußerst störend sein kann. So stapfen die beiden Königswächter durch Schneestürme, verstecken sich vor den Häschern und tun alles, um die Zukunft und Freiheit des Landes zu sichern. Selbst vor Pfeilen im Rücken steckt der raue Torstein nicht zurück und kämpft mit dem buchstäblichen Mut der Verzweiflung.

Mit reichlich Bildgewalt und musikalischer Kraft von Komponist Gaute Storass, wird Norwegens bewegte Geschichte zu einem atmosphärischen und spannenden Vergnügen. Mit einer Geschichte, die auch von Shakespeare hätte sein können, macht Regisseur Nils Gaup nichts verkehrt. Verrat, Bruderstreit, Krieg und Verfolgung sind Themen, die eben immer gut auf der Leinwand funktionieren. Die Panoramaaufnahmen gepaart mit hinreißender Musik tun ihr übriges, um dem Zuschauer mehr als zu gefallen.

Die beiden Hauptdarsteller Hivju und Oftebro wachsen einem sofort ans Herz und lassen einen regelrecht mitfiebern, wenn sie versuchen, ein kleines Baby in einem Schneesturm zu bespaßen. Sie tragen diesen Film auch fast alleine und spielen souverän ihre Rollen. Zudem dürfte der norwegischen Schauspielers Kristofer Hivju einigen Zuschauern aus der HBO-Erfolgsserie Game of Thrones bekannt sein. Dort spielt er den beliebten Charakter Tormund Riesentod (Original: Tormund Giantsbane), einen Wildling und Freund Jon Schnees, der durch zahlreiche Memes zur Internet-Kultfigur wurde. Wer also noch Ideen für den nächsten Filmeabend braucht, sollte The Last King durchaus eine Chance geben.

Cast & Crew

Regie: Nils Gaup
Drehbuch: Ravn Lanesskog
Musik: Gaute Storaas
Darsteller: Kristofer Hivju, Jakob Oftebro, Anders Dahlberg, Pål Sverre Valheim Hagen, Thorbjørn Harr, Benjamin Helstad

Bewertung

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