01st Jun2018

House Harker (2016) | Filmkritik

von Lars B

House Harker

Was kann besser sein, als ein Horrorfilm? Ein lustiger Horrorfilm! In Armee der Finsternis reißt ein miesepetriger Ash einen Witz nach dem anderen, in Tucker & Dale vs Evil kommt Slapstick und Situationskomik zum Splatter hinzu und in Slither sind, trotz schleimiger Schnecken, die Spaßschrauben auf beste Unterhaltung gestellt.

househarker_1 Denn seien wir ehrlich: ohne Humor würde mancher Trash in Vergessenheit geraten, den wir gerade wegen seiner freiwilligen und auch unfreiwilligen Komik zum Filmklassiker erklären. Kann House of Harker (Originaltitel: I Had a Bloody Good Time at House Harker) auch diese Karte ausspielen, um so zum Liebling des Horrorpublikums zu werden?

Die Antwort: Nein!

Dabei fängt doch alles so witzig an. In der Eröffnung springt die Handlung zwischen einer düsteren Vampirszene und einem Vorstellungsgespräch hin und her. Die Bewohner des Harkerhauses versuchen krampfhaft einer Gutachterin zu erklären, warum das Gebäude so wichtig ist und dringend finanzielle Unterstützung braucht.

So pendelt die Kamera genüsslich zwischen einer unheimlichen Erzählung und dem dilettanten „Bühnenstück“ der Harker-Jungs. Klar, dass sich die Geldgeberin veralbert fühlt und den jungen Männern die Mittel streicht. Derart niedergeschlagen müssen sich die Nachfahren des Vampirjägers Jonathan Harker erst einmal in Selbstmitleid ertränken. Dabei modert im Keller ein echter Vampirschädel vor sich hin, der rein zufällig einen Blutsaugerfürsten wieder auferstehen lässt.

househarker_2 Und während die ganze Stadt die Familie für seltsame Spinner hält, bahnt sich großes Unheil an. Ein Mörder treibt sein Unwesen, die Nachbarin läuft Amok und der Staubsauger trinkt Blut – dass kann nur im Chaos enden!

Und dann ist da auch noch Ned (Derek Haugen), der in die Harkerschwester Paige (Whitney Moore) verschossen ist. Diese hat jedoch einen treudoofen Sheriff als Freund, der eigentlich ein ganz netter Kerl ist. Und während Gerry Harker (Jakob Givens) über Leichen geht, um an Geld und Ruhm zu kommen, ist sein kleiner Bruder Charlie (Noel Carroll) ein geistig zurückgebliebener Typ, der einen Bleistiftfimmel hat.

Dass sich diese Truppe schon bald im Kampf gegen blutsaugende Stadtbewohner befindet, wagt man sich nicht einmal in seinen schlimmsten Träumen auszumalen.

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Filmisch gesehen pendelt der Streifen um die Harkerfamilie zwischen einer Wurzelbehandlung und dem Fremdschämen bei einer Castingshow. Die Effekte sind mies, die Darsteller nicht einmal annähernd bemüht und die Kamera stümperhaft. Leichen atmen gut sichtbar, Blut sieht aus wie Motoröl und die Makeup-Effekte könnten einem Kinderschminken entstammen.

Leider ist das 80-minütige Spektakel zu schlecht um auch schon wieder lustig zu sein. So bleibt Trash eben doch nur Trash und kann nicht mit den oben genannten Horrorkomödien mithalten. Warum andere Filmkritiker auf dem Cover vollmundig von „riesig viel Spaß“ sprechen bleibt ein Rätsel.

Die Protagonisten sind schrecklich eindimensional und bieten kaum Chancen, sich mit ihnen anzufreunden. Die Handlung ist lieblos konstruiert und weiß manchmal selbst nicht, wo die Reise hingeht. Lediglich die Veralberung des Exorzisten konnte ein Schmunzeln entlocken, als ein Priester so lange von Besessenen angespien wird, bis er keinen Bock mehr auf seinen Job hat und kündigt. Allerdings hat Scary Movie 2 den Horroklassiker von 1973 deutlich besser verulkt. Und das möchte angesichts eines schlechten „Spoof“-Films etwas heißen.

Wer sich schon immer mal ordentlich über schlechte Dialoge, mangelndes Schauspieltalent und einen rundum seltsamen Film amüsieren wollte, sollte dieses Machwerk von Meisterregisseur Clayton Cogswell dennoch mit äußerster Vorsicht genießen, da die Fremdscham schnell zum frühzeitigen Abschalten führen könnte. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Aber dafür ist eben auch der gebotene Humor eindeutig zu flach. Schade.

Bewertung

Bewertung_4

Trailer

House Harker | Trailer (deutsch) HD

Informationen
House Harker - Vampirjäger wider Willen (2016)
80 min|Comedy, Horror|08 Oct 2016
5.8IMDB-Wertung: 5.8 / 10 von 226 Nutzern
Die Brüder Gerry (Jacob Givens) und Charlie (Noel Carroll) sind die Nachfahren von Jonathan Harker, der einst den Vampirfürsten Dracula getötet haben soll. Eigentlich sollten sie daher das Familienhaus zur Touristenattraktion umbauen, doch sie haben das ihnen dafür zur Verfügung gestellte Geld verschwendet und stehen nun vor einem Problem: Sie sollen die Kohle zurückzahlen oder sie sind das Haus, das ihrer Familie seit Generationen gehört, los...
14th Mrz2018

The Place Promised In Our Early Days (2004) | Filmkritik

von Lars B

The Place Promised In Our Early Days

Wer glaubt Anime würden sich nur um riesige Roboterschlachten, garstige Dämonenkrieger und Martial Arts drehen, der irrt sich gewaltig. Dass die Japaner auch ganz ruhige und melancholische Töne anschlagen können, beweist der 2004 veröffentlichte Film The Place Promised In Our Early Days, was so zu deutsch viel bedeutet wie Der in unseren frühen Tagen versprochene Ort.

theplacepromisedinourearlydays_1 So kompliziert und bedeutungsschwer wie der Titel ist auch das Werk von Makoto Shinkai, welches ebenfalls als Manga als auch als Roman von Shinta Kanō realisiert wurde.

Es beginnt mit der Freundschaft zweier Schüler, Hiroki und Takuya, die in den Ferien ein ganz besonderes Projekt planen. Sie wollen ein Flugzeug bauen, das sie zum seltsamen Turm bringt, der sich von Hokkaido scheinbar endlos in den Himmel schraubt. Er ist das Sinnbild der Teilung des Landes in Nord und Süd und steht für die Jungs als Zeichen der Freiheit.

Doch der Turm beherbergt ein düsteres Geheimnis. Um ihn herum scheint sich das Land zu verändern, zu mutieren. Dabei soll es sich um den Einfluss eines parallelen Universums handeln. Zu den beiden fleißigen Schülern gesellt sich das Mädchen Sayuri, schließt sich kurzerhand dem Projekt der Jungen an und träumt mit ihnen vom Flug in eine andere Welt.

Doch schon bald soll die hübsche Japanerin in einen verhängnisvollen Traum stürzen, der untrennbar mit dem Turm verbunden ist. Sayuri verschwindet spurlos und lässt die beiden Freunde mit fragenden Gesichtern zurück.

theplacepromisedinourearlydays_2 Die Jahre vergehen und die beiden Freunde gehen getrennte Wege. Der Flugzeugbau scheint längst vergessen. Der intelligente Takuya arbeitet inzwischen in einem Labor der Allianz, Hiroki ist nach Tokio gezogen und fristet ein eher kümmerliches Dasein.

In seinen Träumen verfolgen ihn Visionen der verlorenen Freundin Sayuri. Sie ist inzwischen in einen ewigen Schlaf gefallen und wird in einem Krankenhaus versorgt. Ihr letzter Brief wird schließlich an Hiroki gesendet und er bricht anschließend auf, sie zu finden und zu retten. Auch sein ehemals bester Freund landet schließlich an jenem Ort, an dem sie einen großen Traum hegten.

Dort, wo noch immer das unvollendete Flugzeug auf seine Bestimmung wartet. Die Freunde müssen sich erneut zusammentun, um ihren Kindheitstraum endlich in die Realität umzusetzen.

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Das in The Place Promised In Our Early Days gezeigte Japan ist natürlich eine parallele Welt zur unsrigen. Das Land, welches teils von den USA besetzt ist, nahm einen anderen historischen Verlauf als wir es kennen. Die Vermischung aus Fiktion, Philosophie und Utopie zeichnet ein Bild, dass befremdend aber auch seltsam vertraut ist.

In schönen Blautönen des Himmels wird die Welt der drei Freunde in eine unglaubliche Bildästhetik gepackt. Dabei steht der Himmel als einziger freier Raum immer im Vordergrund. Derart viele Sonnenuntergänge und Wolken durfte man selten in einem Film bewundern und in fast jeder Einstellung der Weite ragt der scheinbar unerreichbare Turm in die Höhe, als wolle er stets den Traum der Kinder in Erinnerung rufen.

Mit melancholischer Musik untermalt wird die erzählte Geschichte zu einem rührseligen Stück Animationskunst, das Freundschaft und Freiheit nie aus den Augen lässt. Zwar verstrickt sich die Handlung teils unübersichtlich in seinen gesponnenen Erzählfäden, löst aber am Ende den Hauptkonflikt im lang ersehnten Flug zum Turm. Wofür er steht und was seine Funktion ist, bleibt jedoch zwischen den Zeilen und Symbolen größtenteils der eigenen Fantasie überlassen.

Leider hat der Film ebenfalls mit einigen Längen zu kämpfen und entwickelt sich in mancher Szene zu einer Geduldsprobe. Wer sich jedoch auf die fantastische Reise einer Freundschaft einlässt, wird mit eindringlichen Bildern und viel Liebe zum Detail belohnt.

Trailer

The Place Promised in Our Early Days – Trailer (Deutsch)

Cast & Crew

Regie: Makoto Shinkai
Drehbuch: Makoto Shinkai
Musik: Tenmon
Japanische Sprecher: Hidetaka Yoshioka, Masato Hagiwara, Yuuka Nanri, Kazuhiko Inoue, Unshou Ishizuka

Bewertung

Bewertung_7

26th Feb2018

Blade of the Immortal (2017) | Filmkritik

von Lars B

Blade of the Immortal

Ein Samurai, der nicht sterben kann. Ein kleines Mädchen, das Rache üben möchte. Ein Bösewicht mit zahlreichen Schwertkämpfern im Gefolge. Eine Inszenierung von Takashi Miike, die auf einem erfolgreichen Manga basiert – Blade of the Immortal klingt nach einem recht interessanten Filmvergnügen!

bladeoftheimmortal_1 Manji (Takuya Kimura) ist ein unsterblicher Samurai, der einst seinen korrupten Boss tötete und dessen Bodyguards gleich mit. Leider war unter den Opfern auch der Mann der jungen Machi, die daraufhin ihren Verstand verliert und zu einem einfältigen Mädchen wird. Von Gewissensbissen getrieben, kümmert sich der wortkarge Kämpfer fortan um das Mädchen, bis zu jenem Tage, an dem sie auf eine Banditentruppe treffen.

Das Mädchen stirbt, Manji wird schwer verletzt und ist dem Tode nah. Doch bevor er in die ewigen Jagdgründe fährt, gewährt ihm eine seltsame Hexe die Unsterblichkeit. Blutwürmer versorgen von nun an jede noch so schwere Wunde und machen aus dem Ronin Manji einen wahren Superkrieger.

50 Jahre vergehen und die kleine Rin (Hana Sugisaki) muss mit ansehen, wie ihre Eltern von Kagehisa Anotsu (Sota Fukushi) und seinen Leuten ermordet werden. Der androgyne Killer möchte alle Kampfschulen unter seinem Banner einen. Dabei muss auch Rins Vater weichen, der eine solche Schule leitet. Rin kann jedoch entkommen.

bladeoftheimmortal_2 Als ihr von einem unsterblichen Kämpfer erzählt wird, sieht sie ihre Rache als so gut wie vollendet. Doch muss sich Manji erst von der jungen Frau überzeugen lassen. Da er in Rin seine kleine Schwester Machi erkennt, willigt er schließlich ein.

So Machen sich der Ronin und das Mädchen auf die Reise durch das feudale Japan, um sich an den Mördern zu rächen. Doch wollen nicht nur Anotsus Schergen dem ungleichen Paar ans Leder, sondern auch die Soldaten des Shoguns wollen das Blutbad durch Waffengewalt beenden. Folglich streckt Manji seine Gegner nieder, bis es zum blutigen Showdown mit dem mörderischen Anotsu kommt, der ebenfalls ein begnadeter Kämpfer ist.

Klar, dass viel Blut fließt, wenn Samurai die Klingen kreuzen. Da fallen auch gerne mal abgetrennte Gliedmaßen auf den Boden. Takashi Miike (Yakuza Apocalypse) inszeniert mit Blade of the Immortal einen blutigen Streifen, um Rache, Reue und Ehre. Basierend auf dem gleichnamigen Manga von Hiroaki Samura, wird hier die Geschichte des Ronin erzählt, der von verfluchten Mächten am Leben erhalten wird. Dabei wirkt der Protagonist keinesfalls übermächtig, wie andere unsterbliche Filmhelden.

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Anders als die Krähe oder der Highlander, bekommt Manji ständig Verletzungen beigebracht, die ihn mehr taumelnd als stehend zeigen. Auf den letzten Metern wirkt jeder Kampf wie eine unüberwindbare Anstrengung. Gerade noch so überwindet er schließlich seine Kontrahenten. Dabei wird auf Superstärke oder magische Kräfte verzichtet. Ähnlich leiden sah man höchstens den gealterten Wolverine in dem letzten X-Men-Ableger Logan.

In über 141 blutigen Filmminuten kommt der gediegene Liebhaber fernöstlicher Schwertkunst voll auf seine Kosten. Takashi Miike vereint tolle Kampfchoreographien und beeindruckende Bilder in einer spannende Geschichte voller interessanter Figuren. Zwar wirken einige Gegenspieler ungewollt grotesk, was aber an der Mangavorlage liegt.

Takuya Kimura (Space Battleship Yamato) wirkt als einsilbiger Samurai überzeugend und verleiht durch seine Körpersprache jedem Kampf wahre Dramatik. Statt einfach schwere Verletzungen wegzuatmen, bricht er immer wieder zusammen und hält sich teils nur mit Mühe auf den wackeligen Beinen. So wirkt sein Kampf echt und der Zuschauer kann regelrecht mitfiebern.

Die anderen Darsteller stehen ein wenig hinter dem Protagonisten zurück, doch machen alle Schauspieler ihre Sache durchaus gut. Mit schönen Kameraeinstellungen, vielen Details und stets der richtigen Stimmung, ist Blade of the Immortal stilsicher und eignet sich bestens für Jene, die ein Herz für fernöstliche Filme haben. Zwar geht es hier weniger philosophisch als in Tiger and Dragon oder Red Cliff zu, dafür bekommt man die volle Portion Action geboten.

Trailer

Blade Of The Immortal I Deutscher Trailer

Cast & Crew

Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Tetsuya Oishi
Musik: Koji Endo
Darsteller: Takuya Kimura, Hana Sugisaki, Sota Fukushi, Hayato Ichihara, Erika Toda, Kazuki Kitamura

Bewertung

Bewertung_7

20th Feb2018

Armed Response (2017) | Filmkritik

von Lars B

Armed Response

Eine schlagkräftige Spezialeinheit, angeführt von Actionikone Wesley Snipes, gegen ein unbesiegbares Computerprogramm. Armed Response klingt nach einer echten Herausforderung. Man packe noch Wrestlingheld Seth Rollins und Schauspieltalent Anne Heche dazu und wartet, ob die Zutaten später auch einen guten Eintopf ergeben.

armedresponse_1 Im Actioner von Regisseur John Stockwell (Into the Blue) scheint es nicht an gutem Personal zu mangeln. Doch wie schlägt sich die maskuline Meute gegen die marodierende Software?

Alles beginnt mit einer geheimen Militärbasis – einem Guantanamo Bay-Lager mit Internetzugang. Ein Programm namens Temple ersetzt hier nämlich Folter und Verhöre und liest einfach die Gedanken der bösen Jungs. Auf diese Weise kommt man deutlich schneller an Resultate und verstößt auch nicht die Genfer Konvention.

Als jedoch der Kontakt zum Personal dieser Einrichtung verloren geht, werden Isaac (Wesley Snipes) und sein Team gerufen, die Basis zu sichern und zu klären, was dort mit den Soldaten geschehen ist. Gabriel (Dave Annable), ein auf Temple spezialisierter Analytiker, soll das Team begleiten. Doch hat der Wissenschaftler den Unfalltod seiner Tochter nicht verkraftet und fristet seitdem ein einsames Dasein. Natürlich kann ihn sein alter Kamerad Isaac überreden, sich ein letztes Mal in den Dienst des Vaterlandes zu stellen.

armedresponse_2 Und so steht ein grimmig guckendes Team bereit, die verlorene Militäreinrichtung wieder zu sichern. Doch noch ahnt niemand, dass sich hinter den sterilen Mauern das Grauen befindet.

Schnell werden die Leichen der einzelnen Soldaten gefunden, die sich scheinbar gegen einen unsichtbaren Feind zur Wehr setzen wollten. Doch die Sicherheitskameras zeigen nicht, wer die Marines umgebracht hat oder warum. Als auch noch ein Sträfling auftaucht, zucken die Abzugsfinger des Rettungsteams nervös an den Sturmgewehren. Nach und nach wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Für das Team kommt jedoch jede Erkenntnis zu spät. Temple, das Verhörprogramm des Militärs, hat die Eindringlinge genau da, wo es sie haben möchte. In der buchstäblichen Falle.

Mit Wesley Snipes (Blade) und WWE Superstar Seth Rollins hat man gleich zwei schlagkräftige Kaliber im Gepäck, doch werden ihre Qualitäten nicht wirklich genutzt. So reduzieren sich die Aktionen mehr auf das Sichern von Räumen, das Prüfen von Videoaufnahmen und das böse Gucken und Rumstehen. Da der Feind eher ein imaginärer ist, wird hier wenig geschossen und nicht wirklich gekämpft, was sehr bedauerlich ist.

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Anne Heche (6 Tage, 7 Nächte) wirkt seltsam fehlbesetzt als toughe Soldatin, die hier ihr Land verteidigt. So irgendwie mag man ihr die Rolle nicht wirklich abnehmen. Warum das Team Helmkameras trägt, obwohl sich niemand die Aufnahmen anschaut, ist zudem eines von vielen weiteren Rätseln des Films.

Rückblicke auf eine frühere Auslandsmission sollen verdeutlichen, dass alle Protagonisten das Blut unschuldiger Zivilisten an den Händen haben. Doch warum sollte das für Temple ein Mordmotiv an Soldaten sein? Warum muss zum Verhör der Gefangene an einen Apparat angeschnallt werden, während das bei den Soldaten scheinbar per Luftübertragung funktioniert?

Hier zeigen sich die eklatanten Schwächen des Drehbuches in aller Deutlichkeit. Zwar kommt teils spannende Horrostimmung auf, wenn eine schwarze Gestalt aus dem Nichts erscheint, doch wird das Szenario und seine Chancen nicht wirklich ausgenutzt. Die Gelegenheit, mit dem bekannten Cast, einen hochwertigeren B-Movie zu kreieren ist ebenso gescheitert, wie die aktuelle Karriere Wesley Snipes‘. Außerhalb von Expendables 3 konnte er sich nämlich mit keinem seiner Filme wirklich zurück in den alten Status als Actionstar katapultieren.

Dabei glänzt er doch gerade mit Martial-Arts-Einlagen und markanten One-Linern. Doch das sucht man hier, in Armed Response, leider vergebens. Uninspirierte Story trifft auf ratlosen und passiven Cast. Das hätte alles deutlich besser laufen können. Dann doch lieber beim nächsten Mal gegen Terroristen kämpfen!

Trailer

ARMED RESPONSE | Trailer | Deutsch

Cast & Crew

Regie: John Stockwell
Drehbuch: Matt Savelloni
Musik: Elia Cmiral
Darsteller: Wesley Snipes, Anne Heche, Dave Annable, Colby Lopez, Gene Simmons, Mo Gallini

Bewertung

Bewertung_4

23rd Jan2018

The Shannara Chronicles S02 | Serienkritik

von Lars B

The Shannara Chronicles

Die Abenteuer des Halbelfen Wil Ohmsford (Austin Butler) gehen in die zweite Runde. Zwar wurde durch seinen tapferen Einsatz und dem seiner Gefährten das Sterben des Ellcrys-Baums verhindert, doch schon droht neues Unheil.

shannarachronicles_2_1 Bandon (Marcus Vanco), der einstige Schüler des Druiden Allanon (Manu Bennett), hat sich der dunklen Seite zugewandt und versucht den bösen Hexenmeister wiederzubeleben. Und durch die sogenannten Bluträcher wird Jagd auf alle gemacht, die mit der Magie im Bunde stehen – Gut wie Böse. Es gibt also viel für unsere Helden zu tun. Doch neben neuen Feinden, stehen auch neue Verbündete bereit, um das Schicksal der Königreiche zu retten.

Nach einer eher durchwachsenen ersten Staffel wird die Serie mit 10 neuen Episoden aufgefrischt. Ob man es jetzt mit Fantasy-Größen wie Game of Thrones aufnehmen kann?

Die zweite Staffel der Fantasyserie, basierend auf den Büchern von Terry Brooks, setzt nach den Ereignissen der ersten Staffel an. Will Ohmsford hat sich zurückgezogen und versucht sich erfolglos als Heiler, während Eretria (Ivana Baquero) ebenfalls untergetaucht ist und sich der Liebe zur jungen Lyria (Vanessa Morgan) hingibt, nur um kurz darauf festzustellen, dass die Geliebte in Wahrheit eine echte Prinzessin ist.

Der einzige, der sich noch um den Friedenserhalt bemüht, ist der Druide Allanon, der Jagd auf seinen früheren Schüler Bandon macht. Der Möchtegern-Schurke scharrt sein Gefolge um sich und versucht den Hexenmeister wieder auferstehen zu lassen. Trotz des beherzten Eingreifens des Druiden kann die Zeremonie vollzogen werden und das Böse fortan wieder ungehindert durch die Welt streifen.

Wil wird schnell von einer unbekannten jungen Dame aufgespürt, die sich später als Mareth (Malese Jow) vorstellt und die Tochter des mürrischen Druiden Allanon ist. Sie versucht den jungen Shannara vom Dasein eines Heilers zum Weltenretter zu bewegen.

shannarachronicles_2_2 Doch mit jeder Minute wächst die Gefahr. Die Bluträcher machen Jagd auf die Helden und auch der Hexenmeister trachtet nach dem Leben der jungen Kämpfer. Verstärkung folgt in Form des wehrhaften Kopfgeldjägers Jax (Gentry White), der anfangs noch im Dienste der Königin Leah steht, sich aber bald auf die Seite Eretrias stellt. Kann mit diesen Neuzugängen das Böse endlich aufgehalten werden?

Es folgt eine kleine Zeitreise Wils zum eigenen Elternhaus, zahlreiche Duelle mit Bluträchern und Schergen des Hexenmeisters, der im Übrigen aus dem Blute Allanons erschaffen wurde und folglich auch dessen düstereres Erscheinungsbild besitzt. Natürlich ist Mereth dazu bestimmt, irgendwann in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Bis dahin bahnt sich aber noch die obligatorische Liebesgeschichte zu Will an, an dem bereits Eretria und Elfenprinzessin Emberle in Staffel 1 großes Interesse hatten.

In beeindruckenden Außenaufnahmen wird die Stärke der Neuseeländischen Kulissen bestens in Szene gesetzt und durch mehrere Studiosets gut ergänzt. Gerade in den Außendrehs gelingt es, echte Fantasy á la Herr der Ringe zu versprühen, doch sind Kostüme und Effekte bei weitem nicht annähernd so gut, wie der große Fantasybruder, und wirken eher wie dreist platzierte H&M Werbung.

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Ähnlich wie Game of Thrones, pro Staffel ein Buch umzusetzen, versucht The Shannarah Chronicles es dem Serienkonkurrenten gleich zu tun. Doch Fantasy ist mit hohem Risiko und Budget verbunden, was man in einzelnen Szenen deutlich merkt. Mal sind Effekte und Setting stimmig, mal wirkt alles B-Movie artig billig und plump. Auch die Handlung pendelt zwischen spannenden Kämpfen und teils langweiligen, sich wiederholenden Dialogen.

Besonders Austin Butler als Wil Ohmsford wirkt erneut farblos und kann nicht überzeugen. Als Schönling muss er nur lieb gucken und wirkt in all seinem Handeln wenig authentisch. Lichtblick bleibt Manu Bennett als Druide, der mit Kraft und Charisma die Handlung hauptsächlich durch seine Erfahrung trägt, auch wenn seine Figur deutlich von der Romanvorlage abweicht. Denn statt ein klappriger Zauberer zu sein, ist er ein gewaltiger Kämpfer, wie er eben nicht im Buche steht. Das mag die Leser und Fans verstimmen, sorgt im TV jedoch für den größten Unterhaltungsfaktor.

Dass junge Akteure mit einer gewissen Attraktivität nicht langweilig sein müssen, zeigen die Neuzugänge Jax und Mereth, die sehr gut gelungen sind und die Handlung deutlich voranbringen. Marcus Vanco als dunkler Adept Bandon dagegen ist eine echte Nervensäge, die lediglich weinerlich ist. Zwar kann er hier und da eine echte Bedrohung sein, geht dann aber, dank fehlendem Charisma, sang und klanglos unter.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. So ist die zweite Staffel von Höhen und Tiefen durchzogen und findet nur selten den richtigen Ton. Die Außenaufnahmen sind schön und stimmig, während manche Sets und Kostüme nach Cosplay-Fotoshootings aussehen, was wohl dem austragenden Sender MTV geschuldet ist. Die Zuschauer blieben dem 10-teiligen Fantasyspektakel derart fern, dass eine dritte Staffel ausgeschlossen scheint. Und das trotz des interessanten Cliffhangers am Ende.

Wer Lust auf Fantasy hat, kann, in Ermangelung von Alternativen, trotzdem reinschauen. Die Staffel ist dank weniger Episoden schnell zu schauen und bietet trotz zahlreicher Schwächen in der Erzählung genug Inhalt für einige kurzweilige Abende.

Staffelübersicht zu The Shannara Chronicles

Cast & Crew

Idee: Al Gough, Miles Millar
Darsteller: Austin Butler, Poppy Drayton, Ivana Baquero, Manu Bennett, Aaron Jakubenko
Länge pro Episode: ca. 42 Minuten

Bewertung

Bewertung_6

01st Jan2018

Mord im Orient-Express (1974) | Filmkritik

von Lars B

Mord im Orient-Express

Gerade können wir im Kino Kenneth Branaghs Version des Agatha Christie Klassikers Mord im Orient-Express bewundern. Im sagenumwobenen Luxuszug von Istanbul nach London kommt es zum unfreiwilligen Ableben eines Antiquitätenhändlers, mittendrin der scharfsinnige und exzentrische Meisterdetektiv Hercule Poirot.

mordimorientexpress_1 Mit Zwirbelbart und einem Hang zum Dramatischen ist es am belgischen Gentleman, den Mörder unter einem Haufen zwielichtiger Verdächtiger ausfindig zu machen. Diese Geschichte wurde allerdings bereits 1974, mit Albert Finney in der Hauptrolle, zu Zelluloid gebracht. Doch lohnt sich angesichts des Hochglanz-Remakes ein Blick auf den Klassiker vergangener Zeiten?

Alles beginnt mit einer wahnsinnigen Flut aus Zeitungsartikeln, die uns die Entführung der kleinen Daisy Armstrong näher bringt. Das Dienstmädchen wird verdächtigt und begeht schließlich Selbstmord. Auch andere Leben werden nach dieser Tragödie zerstört. Ein Schicksal, dass im Laufe des Films noch an Bedeutung gewinnen wird.

Wenig später betreten einige höchst seltsame Personen die edlen Schlafwagen des Orient-Express. Unter ihnen auch der kauzige Ermittler Hercule Poirot (Albert Finney), der eigentlich nur Ruhe wünscht und vergebens ein freies Abteil sucht.

An Bord befinden sich neben Geschäftsmann Mister Ratchett (Richard Widmark) auch Gräfin Adrenyi (Jacqueline Bisset) mit Gatten (Michael York) und Colonel Arbuthnot (Sean Connery), die wie ein willkürlich zusammengewürfelter Haufen scheinen.

mordimorientexpress_2 Für Poirot beginnt eine nervenaufreibende Zugfahrt. Als durch eine Lavine der Zug unfreiwillig zum Stehen kommt, passiert des Nachts ein Mord. Mit dutzenden Messerstichen im Schlaf getötet, blutet Mister Ratchett die weißen Laken des Luxuszuges voll. Doch wie kam der Mörder in den Zug? Ist einer der schrulligen Fahrgäste etwa zu solch einer Tat fähig?

Wer das Brettspiel Cluedo kennt, weiß, was jetzt folgt. Hercule Poirot muss sich jeden Fahrgast einzeln vornehmen und prüft jedes Alibi auf Widersprüche. Wer war wann wo? Stimmen die vagen Aussagen der Verdächtigen? Wo ist die Verbindung der einzelnen Fahrgäste zum Opfer? Wer hatte Motiv und Gelegenheit? Und wer war Mister Ratchett wirklich?

Gemeinsam mit dem Detektiv nimmt auch der Zuschauer in diesem Kammerspiel die Ermittlungen auf. Durch kleinste Nuancen und Gesten entlarvt man auf diese Weise den Lügner, um sich Schritt für Schritt Richtung Lösung zu tasten. Dabei kommt der Luxuszug wie ein verstörendes Gefängnis daher. Immerhin ist ein Mörder unter den Fahrgästen.

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Mord im Orient-Express
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Schon zu Beginn des Films dröhnt altbackene Musik aus den Boxen. Der Ton hat über die Jahre schwer gelitten und ist für das heutige Ohr eine Gewöhnungssache. Albert Finney wirkt als Ermittler wie ein kauziger Außenseiter mit wenig Charme, dafür aber einem unverkennbaren Stil. Die Darstellerriege kann sich selbst nach all den Jahren durchaus sehen lassen. Mit Sean Connery (James Bond) als Colonel und Michael York (Austin Powers) sind große Schauspielprofis am Werk.

Bei den Damen sind mit Jacqueline Bisset (Wilde Orchidee) und Ingrid Bergmann (Casablanca) ebenfalls große Namen im Cast. Jeder spielt seine Rolle auf routinierte und zurückhaltende Weise. Eben so, wie man sich verhalten würde, hätte man etwas zu verbergen.

Im Showdown, wenn sich alle Verdächtigen im Salon einfinden, wird durch Poirot der Mord rekapituliert und der Mörder gestellt, ganz nach Tradition der Agatha Christie Romane. Dann geht auch dem Zuschauer endlich ein Licht auf und das wahre Ausmaß des Verbrechens wird enthüllt. Ein wahrer Plottwist am Ende.

Inszeniert wurde das kammerspielartige Mordfall im Fall von Regisseur Sidney Lumet, der vor allem durch seine Regiearbeit an Die zwölf Geschworenen (1957) internationale Bekanntheit erlangte. Des Weiteren wirkte er an preisgekrönten Werken wie Prince of the City (1981) und Hundstage (1975) mit.

Die mörderische Zugfahrt in Mord im Orient-Express hat gerade durch seine hochwertige Besetzung einen unglaublichen Charme. Leider wirkt die Erzählung an manchen Stellen steif und langatmig, was der Dramaturgie vergangener Filme geschuldet ist. Ob Odyssee im Weltraum oder Spiel mir das Lied vom Tod – überall ist der Schnitt langsam und Kameraeinstellungen bleiben beharrlich und ermüdend auf ein und derselben Szene. Für das heutige Kinopublikum ist das nicht immer einfach. Kein Wunder, dass ein Remake eine gute Idee war.

Trotzdem lohnt es sich, den Klassiker aus dem Jahr 1974 zu sehen. Wann bekommt man sonst solche Größen Hollywoods in jungen Jahren zu sehen?

Cast & Crew

Regie: Sidney Lumet
Drehbuch: Paul Dehn
Musik: Richard Rodney Bennett
Darsteller: Albert Finney, Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, John Gielgud, Wendy Hiller, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Rachel Roberts, Richard Widmark, Michael York

Bewertung

Bewertung_8

02nd Dez2017

Sinister (2012) | Filmkritik

von Lars B

Sinister

Wer kennt das nicht? Da zieht man mit seiner Familie in ein neues Haus, in dem es gehörig spukt, und wenn der Schrecken so richtig loslegt, dann versucht man entweder das Haus wieder zu verkaufen oder stirbt beim Versuch die Wahrheit herauszufinden.

sinister_1 In Sinister aus dem Jahre 2012 ist es etwas anders. Der gefeierte Buchautor Ellison Oswalt (Ethan Hawke) hat sich gerade wegen einer brutalen Mordsereie sein Haus ausgesucht. Damit kann er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens war die Immobile günstig, zweitens holt er sich so die Inspiration für seinen kommenden Roman. Wenn er ihn denn fertigstellen kann.

Alles fängt harmlos mit einer Box auf dem Dachboden an. Darin sind alte Super 8 Filme mit harmlos erscheinenden Titeln, wie Poolparty oder Familien Barbecue. Dahinter stecken aber abartige Mordserien, in denen tatsächlich ganze Familien ums Leben kommen. Alles perfide und minutiös geplant. Und Oswalt schaut zu, wie ein ums andere Mal ein unbekannter Mörder seine Hauptdarsteller umbringt.

Klar, dass der Autor zum seelischen Wrack mutiert und selbst seine Gattin Probleme hat, ihn wiederzuerkennen. Auch der Sohn wird von Albträumen und Schlafwandel geplagt, was nachts zu zusätzlichem Horror führt.

sinister_2 Doch wer steckt dahinter und was sind seine Motive? Oswalt erkennt bald eine schwarze Gestalt im Hintergrund, die sich das blutrünstige Treiben aus sicherer Entfernung anschaut. Ein Mann mit grausiger Maskerade und finsteren Blicken, der schon bald aus den Filmen in die Welt der Autorenfamilie eindringt. So zeichnet das Töchterchen ein hübsch hässliches Portrait des Killers auf die Tapete und will sich später nicht mehr daran erinnern können.

Geisterhafte Kinder marschieren durch Haus und Garten und rauben dem Autoren den Verstand, der sich dann nur noch mit Alkohol beruhigen kann. In seinen Ermittlungen stößt Oswalt bald auf einen heidnischen Kult. Der angebetete Dämon braucht Opfer, um sich die Unsterblichkeit zu sichern. Immer ist das jüngste Kind der getöteten Familien verschwunden und zählt nicht direkt zu den Opfern. Passiert das nun auch mit seiner Familie?

Zugegeben, die Haunted House Idee nach Filmen wie Conjuring – Die Heimsuchung, Haunted Hill oder Amityville ist nicht gerade neu. Und spätestens seit The Ring wissen wir, dass manche Videos tödlich für den Zuschauer sein können. Trotzdem wagt sich mit Sinister Regisseur Scott Derrickson (Doctor Strange) in dieses stark umkämpfte Horrorhausszenario.

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Mit reichlich Filtern der 8 Millimeter-Ära und verstörender Musik komponiert er ein unbehagliches Kammerspiel, dass sich ganz auf das spielerische Repertoire Ethan Hawkes (Gattaca) verlässt. Und tatsächlich stemmt der Mime die Rolle des schrulligen Kriminalautoren mit Bravour. Dem nervlichen Kollaps nahe und trotzdem getrieben von unbändiger Neugier treibt es den Protagonisten immer tiefer in die Wirren des schaurigen Film-Killers. Dabei werden die Ängste und Bedenken der heutigen Schaulustigen und Sensationsneugierigen ordentlich geschürt.

Ist es erlaubt sich am Leid anderer zu ergötzen? Ist der Tod des Beobachters die gerechte Strafe für seine Sensationsgier? Der Killer wird hierbei zur moralischen Instanz. Trotz des guten Stils und der perfekten Besetzung bleibt Sinister streckenweise aber vorhersehbar und bietet nur wenig Neues.

Zwar ist die Handlung spannend und verstörend, doch kann man den Ausgang des Treibens schon recht früh vorhersehen. So bleibt Sinister ein netter Horrortrip für Zwischendurch, ist aber nur ein Werk unter vielen. Was jedoch heraussticht ist die Bild- und Tongewalt, die dem Treiben dann doch etwas außergewöhnliches verleiht. Wäre da doch nur die Story etwas komplexer gewesen. Trotz der Kritikpunkte kam das Spukszenario gut an, sodass drei Jahre später das Sequel folgte und der Bughuul abermals für Schrecken sorgte.

Trailer

Sinister 2 – Clip: Ratten (deutsch) HD

Cast & Crew

Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: C. Robert Cargill, Scott Derrickson
Musik: Christopher Young
Darsteller: Ethan Hawke, Juliet Rylance, Fred Thompson, James Ransone, Clare Foley, Michael Hall D’Addario

Bewertung

Bewertung_6

26th Nov2017

Song to Song (2017) | Filmkritik

von Lars B

Song to Song

Kann Musik unser Leben beeinflussen? Vermutlich ist in der heutigen Zeit die richtige Melodie zur richtigen Zeit einfach unersetzlich. Wie sollte man sich sonst erklären, dass man nirgendwo hingehen kann, ohne Kopfhörer zu tragen, die einen mit dem Soundtrack des Lebens versorgen?

songtosong_1 Im klangvollen und ausdrucksstarken Machwerk von Terrence Malick folgen wir jenen Menschen, die nicht nur durch Musik Leben, sondern mit ihr verbunden sind. Dabei konfrontiert uns das zweistündige Machwerk mit unseren Seh- und Hörgewohnheiten. Star besetzt mit dem, was in Hollywood Rang und Namen hat, wird hier ein Reigen bekannter Gesichter geboten. Doch was ist mit der Geschichte?

Es geht um Liebe, soviel steht fest. Die sensible Faye (Rooney Mara) träumt von der großen Karriere als Musikerin. Sie trifft auf BV (Ryan Gosling), der sich Hals über Kopf in die zarte Dame verliebt. Doch das Glück währt nicht ewig. Es bahnt sich nämlich eine Dreiecksgeschichte mit Musikproduzent Cook (Michael Fassbender) an.

Statt sich nun als Rivalen zu betrachten, verbrüdern sich die beiden Herren sogar und pflegen eine innige Freundschaft. Dass es trotzdem zum Tauziehen um das Herz der jungen Faye geht, steht außer Frage. Als dann noch die Tatsache hinzukommt, dass Cook über die kreativen Rechte BVs bestimmt, kommt es endgültig zum Bruch der beiden Schönlinge.

songtosong_2 So recht kann aber auch Cook nicht in Monogamie leben. Er lacht sich die Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) an. Die sich derart von der herrischen Art Cooks unterdrücken lässt, dass sie sogar einen Dreier mit Faye nicht ablehnt. Ein Tabu, dass für BV unerträglich ist und er anschießend das Weite sucht. Natürlich ist er nicht lange allein und tröstet sich mit der etwas reiferen Amanda (Cate Blanchett). Wer bei diesem Bäumchen-Wechsel-Dich noch mitgekommen ist, erlebt hier eine etwas kostspieligere Telenovela. Quasi ein nettes „Wer mit Wem?“.

So ziehen sich die Protagonisten im Wechsel mal an, mal stoßen sie sich wieder ab. In teuren Luxushäusern mit viel Geld und Prunk wird trotzdem wenig königlich gelebt. Drogen, Sex und Sucht bestimmen hier das Geschehen. Lust und Verlangen statt echter Liebe und Vertrauen. Scheinbar scheint jede Form von Nähe und Beziehung nicht von Dauer zu sein, da keiner der Protagonisten dazu fähig ist. Fast scheint es, als würden sie schon auf den unabwendbaren Schmerz hoffen.

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Das von Stars gespickte Ensemble verstrickt sich leider in einen fast wahnsinnigen Rausch aus Bildern, Weitwinkelperspektiven, die viel zu dicht am Geschehen kleben und einem Monolog, der aus dem Off über die scheinbare Handlung gelegt wird. Das alles ermüdet das Auge und den Geist. Kein Satz, der hier beendet wird oder nicht durch gefühlte zwanzig Schnitte verstümmelt wurde. Die Personen springen eifrig von Szene zu Szene und die fehlende Struktur macht das Geschehen zu einer Mischung aus Improvisationstheater und einem überlangen Musikvideo.

Wie in Trance tänzeln, wandeln, hoppeln und kriechen die Tragikhelden des Films über die Leinwand, unfähig auch nur einmal etwas normales zu tun oder zu sagen. Stattdessen wird im Stakkato serviert, ungeachtet, ob der Zuschauer noch Lust und Laune hat, diesem seltsamen Treiben noch zu folgen. Ryan Gosling (La La Land) und Michael Fassbender (Alien: Covenant) spielen zwar mit Emotionen und Gesten, werden aber eher dokumentarisch festgehalten und sind teils mit der Situation unter- oder überfordert.

Der Drang, hier ein großes Kunstwerk schaffen zu wollen oder zu müssen, zerstört die dünnhäutige Handlung immer wieder. Das Gesehene verkommt zur Reizüberflutung, wenn über einen Dialog noch ein innerer Monolog gelegt wird, der Sprechblasen ausstößt, wie sie nur jemand von sich geben kann, wenn er so richtig high ist. Treffend wird das sogar mit dem Konsum von Magic Mushrooms gezeigt, wenn Michael Fassbender und Natalie Portman (Knight of Cups) kaum noch in der Lage sind, gerade zu stehen oder einen Satz mit Sinn und Verstand herauszubekommen.

Das hinterlässt ein sehr gespaltenes Bild. Zum einen ist man erleichtert, wenn endlich der erlösende Abspann über den Bildschirm flimmert, zum anderen ist man enttäuscht, dass die illustre Besetzung nichts besseres abliefern konnte oder durfte.

Der intellektuelle Feuilleton jedenfalls mag sich die Hände reiben und eingestehen, dass hier ein großes Häufchen Kunst gepflanzt worden ist, gespickt mit Sehnsucht, Liebe und großer Gefühlsduselei. Für einen Kinogänger mit dem Verlangen nach der Einheit von Zeit, Raum und Handlung wird es zu einer langatmigen Geduldsprobe. Aber mit der Kunst ist es genauso wie mit Oliven, es ist eine Geschmackssache.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Darsteller: Michael Fassbender, Ryan Gosling, Rooney Mara, Natalie Portman, Cate Blanchett, Lykke Li, Val Kilmer

Bewertung

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