24th Mrz2017

Nerve (2016) | Filmkritik

von Lars B

Nerve

Bist du ein Watcher oder ein Player? Mit dieser Frage wird man in einem etwas anderen Onlinespiel konfrontiert. Und deine Antwort kann in der Tat tödliche Folgen haben.

nerve_1 In Zeiten der globalen Vernetzung, der Clouds, der Chatrooms und der Social Media, wirkt Nerve thematisch gar nicht mehr so weit hergeholt. Wenn man aus Hunger nach Anerkennung oder finanzieller Not den Weg wählt, Mutproben im Internet zu bestehen, kann man ziemlich schnell jegliche Kontrolle verlieren. Denn aus Nerve steigt man nicht so einfach wieder aus! Das Regisseurduo Henry Joost und Ariel Schulman schickt Mauerblümchen Vee (Emma Roberts) und Mädchenschwarm Ian (Dave Franco) auf einen Adrenalintrip durch das nächtliche New York.

Dabei fängt es erst einmal recht harmlos für Vee an. Die schüchterne Highschoolschülerin steht nie im Mittelpunkt. Vom Rande des Geschehens bewundert sie den Kapitän des Footballteams und versteckt ihr Gesicht hinter einer Kamera. Ihre beste Freundin Syd (Emily Meade) ist da schon anders gestrickt. Die dralle Sexbombe nutzt jede sich bietende Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das muss sie auch, denn im Onlinespiel Nerve muss sie die Gunst der Zuschauer gewinnen. Je mehr Watcher man hat, desto näher rückt das hohe Preisgeld.

nerve_2 So zeigt Syd bei einer Cheerleader-Tanznummer den nackten Hintern und riskiert einen Schulverweis. Als Vee beim Mann ihrer Träume abblitzt, reicht es dem stillen grauen Mäuschen. Schnell hat sie sich ebenfalls bei Nerve angemeldet und möchte es so dem Rest der Welt zeigen. Schnell kommt die erste Challenge auf sie zu: sie muss einen Fremden für 5 Sekunden küssen. Klar, dass im Cafe irgendwo ein schnuckeliger Typ namens Ian sitzt, der auch noch ins Beuteschema der schüchternen Blonden passt. Einen ungeschickten Kuss später schicken die Watcher mit ihren Herausforderungen das neue Traumpaar durch New Yorks nächtliche Straßenschluchten.

Mal sollen sie eine Modenschau in einer Edelboutique abhalten, dann braust Ian mit einem Motorrad blind in den Gegenverkehr. Aus anfänglich kleinen Mutproben werden schnell verantwortungslose Aufgaben. Besonders Syd sieht den wachsenden Ruhm ihrer Freundin nicht gern und es entwickelt sich eine gemeine Rivalität, angeschürt durch die Sensationsgier der Zuschauer. Diese kennen nämlich jedes Geheimnis der Spieler und nutzen Facebookprofile zur Analyse, um die Spiele noch persönlicher zu gestalten.

So steigert sich Nerve zusehends zu einem Adrenalintrip, in dem der Spieler sämtliche Hemmungen verliert, nur um die Anerkennung eines unbekannten Publikums zu erringen, die selbst vor einem Mord nicht halt machen. Und auch Vees Begleiter scheint nicht der zu sein, für den er sich ausgibt.

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Neben Hochglanzbildern und einem Musikvideo gleichen Schnitt gesellt sich eine schöne Playlist aus coolen, zeitgemäßen Songs. So wird der Ausflug zu einem kurzweiligen und ansehnlichen Ereignis. Die Spannungskurve zieht konsequent an und treibt die Handlung gut voran. Die beiden Hauptdarsteller machen einen soliden Job und wirken authentisch und liebenswert. Hier punktet Dave Franco (Die Unfassbaren) allerdings klar durch ein etwas abwechslungsreicheres Minenspiel, während Gesicht und Mimik seiner Filmpartnerin schnell in Vergessenheit geraten können. Aber so ist das eben mit den Mauerblümchen aus der Highschool.

Nerve ist eine Mischung aus Fight Club (1999) und Running Man (1987), nur eben für gelangweilte Mittelstandteenager. Statt sich mit Sträflingen zu duellieren oder sich ins Krankenhaus zu prügeln, reicht das Spektrum der Aufgaben von Gesangsnummern in einem Lokal bis zum Erklettern eines Baukrans. Dabei vergisst der Film aber manchmal das System der Vernetzung und die Geltungssucht der Jugendlichen anzuprangern. Zwar versucht man am Ende noch den Bogen zur Moralkeule zu schlagen, doch wirkt es bereits viel zu plakativ und halbherzig.

Gerade Vees Mutter, gespielt von Juliette Lewis (Natural Born Killers), wirkt viel zu passiv. Als sie mitbekommt, welchen Ärger ihre Tochter hat, sieht sie es angesichts der anfänglichen Sorge doch etwas zu gelassen. „Hey, meine Tochter soll erschossen werden! Aber ihr Kids habt schon alles unter Kontrolle. Dann ist ja alles gut!“; da hätte ich etwas mehr Hysterie erwartet. So verpufft die Gesellschaftskritik regelrecht im Showdown, statt uns vor Augen zu führen, in was für einer kranken Welt wir eigentlich leben.

Nerve ist kein schlechter Film. Er hätte nur das Potenzial gehabt, ein echtes Statement zu setzen und vielleicht sogar zum Kult zu werden. Denn wer kennt sie nicht, die Mutproben auf Youtube, wo jemand Hundefutter aus der Dose löffelt oder einhändig an einem Fabrikschonstein baumelt. Angesichts solch echter Videos, ist der Weg zu einem Spiel wie Nerve längst nicht mehr weit.

Am Ende bleibt daher nur ein kurzweiliger Popcornfilm mit gutem Soundtrack und netten Ideen, den man allerdings bald wieder vergessen hat. Schade.

Cast & Crew

Regie: Henry Joost, Ariel Schulman
Drehbuch: Jessica Sharzer
Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Emma Roberts, Dave Franco, Juliette Lewis, Machine Gun Kelly

Bewertung

Bewertung7

25th Jan2017

Schrotten! (2016) | Filmkritik

von Lars B

Schrotten

Blut ist dicker als Wasser! Das muss Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz) bald am eigenen Leib erfahren. Der schnöselige Versicherungskaufmann wird nämlich mit seiner Vergangenheit und seiner Familie konfrontiert. Als zwei schräge Raufbolde beschließen, ihn kurzerhand aus der Großstadt zu entführen und beim Schrottplatz des Vaters abzuliefern, wird der eitle Herr buchstäblich aus dem eigenen Leben und seiner Wohlfühlwelt gerissen.

schrotten_1 Der Schrottplatz ist nämlich alter Familienbesitz. Doch jetzt, wo der alte Herr tot ist, dreht sich die Frage nun darum, wie es mit dem rumpeligen Altmetall weitergehen soll.

Unter den kritischen Augen des Bruders Letscho (Frederick Lau) sieht sich Mirko das Erbe genauer an. Dies kommt natürlich zur rechten Zeit, denn Mirko hat Schulden. Gewaltige Schulden. Der Verkauf des maroden Unternehmens an Konkurrent Kercher (Jan-Gregor Kremp) könnte dem gescheiterten Versicherungskaufmann wieder auf die Beine helfen. Doch Bruder Letscho hat gewaltig was dagegen, genau so wie alle, die mit auf diesem Schrottplatz arbeiten und leben. So setzt es anfangs für den fremden Neuankömmling reichlich Prügel.

Doch schnell ist die Lösung gefunden: Ein Zugraub! Genauer gesagt der Raub eines Wagons, der bis oben hin voll mit wertvollem Kupfer ist. Allein der Erlös könnte sämtliche Sorgen für immer aus der Welt schaffen. Doch können sich die beiden ungleichen Brüder überhaupt auf die selbe Seite schlagen? Und was passiert, wenn die Gaunerei herauskommt?

schrotten_2 Hier prallen wahrlich zwei Welten aufeinander, wenn der piekfeine, studierte Mirko auf den chaotischen und einfach gestrickten Letscho trifft. Von Ikeamöbeln zum Schrotthandel ist eine Reise, die aus dem hochnäsigen, verlorenen Sohn einen bodenständigen Geschäftsmann schmieden könnte. Mit reichlich Komik und vielen kultigen Typen wird Schrotten! zu einem wahren Gaunerstück, dass gut unterhält und dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, Teil einer eingeschworenen Familienbande zu sein.

Denn der Schrottplatz schweißt die Gemeinschaft von allerlei kauzigen Gesellen zusammen. Und mitten unter ihnen die hübsche Luzi (Anna Bederke), die vom Hamburger Großstädter anfangs überhaupt nicht angetan ist. Doch im späteren Verlauf natürlich Gefallen an dem verlorenen Bruder findet.

So wird nicht nur ein Familienfilm über zwei unterschiedliche Brüder erzählt und eine Romanze vorbereitet, sondern auch noch ein Eisenbahnraub inszeniert, der für allerlei Spaß und Chaos sorgt.

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Fernab von Weltkriegsdramen, kriminellen Lehrern und schlecht genähten Plüschtieren zeigt das deutsche Kino abseits von Schweiger und Schweighöfer, dass es noch mehr zu sehen gibt. Dabei ist Schrotten! tatsächlich wie ein echter Schrottplatz: Unter all dem nutzlosen Tand findet sich manchmal doch noch etwas wertvolles. Und so vergehen die 96 Minuten recht kurzweilig und gut gelaunt, ohne große Überraschungen und Durststrecken.

Regisseur Max Zähle (Raju) vereint einen großartigen Reigen an Schauspielern und schafft es, die komplette Handlung fast ausschließlich an einem Schauplatz spielen zu lassen. Die raubeinigen und schmutzigen Gesellen gehen gutmütig ihren Gaunereien nach und präsentieren sich in bester Robin-Hood-Manier gegen den skrupellosen Konkurrenten Kercher, dem man den finanziellen Ruin förmlich wünscht. Quasi ein Aufschrei gegen Monopolisierung und Verdrängung der kleinen Unternehmen, wo noch jeder jeden kennt.

Zwar fehlt es hier und da etwas an Originalität, doch bleiben sich die Figuren stets treu, ohne dass es am Ende zu einer kitschigen Verwandlung zu Gunsten eines Happy Ends kommen müsste. Gerade für Kenner des deutschen Kinos durchaus ein Blick wert, wenn man von amerikanischen Sex-Witzchen und Kifferkomödien den Kanal voll hat.

Lucas Gregorowicz (Goldene Zeiten) mimt perfekt den eitlen Großstädter, der anfangs für Geld einfach alles tut. Die Chemie zu Filmbruder Frederick Lau (Das kalte Herz) scheint gut zu funktionieren. So gegensätzlich die beiden zu sein scheinen, so vertraut geht es in den letzten Schlussminuten zu. Und wenn die Schrottplatzbewohner voller Argwohn bestaunen, wie Mirko sein Frühstück mit Toast und Ei zelebriert, dann kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dass Geld nicht alles ist, lernt man sowieso und auch sonst wird man mit gutem Gefühl aus dem Film gelassen. Sehr schön!

Insgesamt ein recht ansehnlicher Film, den man ohne Zögern empfehlen kann. Es muss ja nicht immer Hollywood sein.

Cast & Crew

Regie: Max Zähle
Drehbuch: Oliver Keidel, Johanna Pfaff, Max Zähle
Musik: Daniel Hoffknecht, Gary Marlowe
Darsteller: Lucas Gregorowicz, Frederick Lau, Anna Bederke, Heiko Pinkowski, Lars Rudolph, Jan-Gregor Kremp, Alexander Scheer

Bewertung

Bewertung_7

24th Jan2017

Dark Skies (2013) | Filmkritik

von Lars B

Dark Skies

Was tun, wenn es Aliens auf deine Familie abgesehen haben und dir keiner glaubt? Was tun, wenn die Nacht zum Alptraum wird und du Angst davor hast, was dich am Morgen erwartet?

darkskies_1 In Dark Skies – Sie sind unter uns gehen wir diesem Kampf gegen das Unerklärliche nach. Doch zuvor tauchen wir ein in die scheinbar heile suburbane Werbewelt der Barretts. Die 4-köpfige Familie lebt in einer typischen Vorstadt den amerikanischen Traum. Immobilienmaklerin Lacy (Keri Russell) hat Job und Familie gut im Griff, ist jedoch für manche Klienten eine Spur zu ehrlich. Daniel (Josh Hamilton) ist Architekt und wurde erst kürzlich entlassen. Die Bewerbungsgespräche bei hiesigen Firmen laufen eher schlecht.

So schlecht, dass er sich über den Ausgang seiner Bemühungen bei der Gattin lieber ausschweigt. Sohnemann Jesse (Dakota Goyo) beginnt, sich langsam für Mädchen und Schmuddelfilmchen zu interessieren und der jüngste Filius Sammy (Kadan Rockett) lebt ein wenig in seiner eigenen Welt und funkt den Bruder des Nachts über ein Walkie Talkie an. Doch lange wird der scheinbare Haussegen nicht währen.

Alles beginnt mit rätselhaften Zwischenfällen im Haus. Gegenstände werden plötzlich zu Türmen in der Küche verbaut, Vögel fliegen scharenweise gegen die Fenster, die Alarmanlage spielt verrückt, Fotos verschwinden und das Verhalten aller Familienmitglieder ändert sich, als seien sie ferngesteuert. Aus anfänglicher Paranoia wird bald traurige Gewissheit. Hatte Lacy erst ihren jüngsten Sohn unter Verdacht für das Chaos verantwortlich zu sein, kommt sie später hinter die Ursache des heimischen Vorstadthorrors.

darkskies_2 Wollen Aliens ihre Kinder entführen? Sie kontaktiert den Alienexperten Edwin Pollard (J.K. Simmons), der ihr gleich klarmacht, dass es ein schreckliches Ende nehmen wird. Schon lange leben Aliens unter uns und experimentieren mit den Menschen, als seien sie Ratten in einem Labor.

Ehemann Daniel zweifelt an der Echtheit dieses Experten und würde lieber zur Polizei gehen. Doch was sagt man zu den Beamten? Als dann auch noch die Söhne Anzeichen von körperlichen Misshandlungen aufweisen, beginnt es für die junge Familie um die Existenz zu gehen.

Regisseur Scott Steward (Legion) hat mit diesem Horrortrip hauptsächlich Protagonistin Keri Russell (Planet der Affen: Revolution) im Visier, wenn sie wie eine Wölfin um ihre Familie kämpft, die eigentlich schon genug mit irdischen Problemen zu kämpfen hat. Ihr Filmpartner Josh Hamilton (J. Edgar) nimmt eher eine hintergründige Position ein.

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Trotz der anfänglichen Spannungskurve verpufft die Story in einem eher durchschnittlichen Szenario, dass zu wenig Horror und zu wenig Neues bieten kann. Die Geschichte ist zwar nett inszeniert, bietet aber nichts an, was einen Wiedersehenswert hätte oder besonders im Gedächtnis bliebe.

Stattdessen hat man das Gefühl einen TV-Zweiteiler zu Gesicht zu bekommen, der die guten Ideen wegen geringem Budget zurückhält. Wenn Daniel die Überwachungskameras checkt und dabei seltsame Wesen erblickt, rutscht einem zwar das Herz in die Hose, doch ein Horrorfilm sollte diese Momente schon häufiger anbieten. Die spärliche Verwendung der Aliens ist zwar absolut in Ordnung, aber mit ein bisschen mehr Schockmomenten hätte man das Publikum vielleicht noch wach gehalten.

Schauspielerisch wirkte der Film ebenfalls sehr auf TV-Niveau. Alles scheint etwas unausgegoren und fast laienhaft. Besonders zum Tragen kommt dies in Szenen mit J.K. Simmons (Spider-Man), der mit seiner Präsenz die Szene übernimmt und selbst in dieser kleinen Rolle das schauspielerische Niveau stark nach oben drückt. Gerade Josh Hamilton wirkt farblos, passiv und wenig überzeugend.

So bleibt Dark Skies – Sie sind unter uns ein absolut durchschnittliches Erlebnis, dass man sich maximal einmal ansieht und anschließend aus seinem Fehler lernt. Ein Problem, dass in den anderen Werken des Regisseurs wie Legion oder Priest ganz ähnlich war.

Cast & Crew

Regie: Scott Stewart
Drehbuch: Scott Stewart
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Keri Russell, Josh Hamilton, Dakota Goyo, Kadan Rockett, J. K. Simmons

Bewertung

Bewertung_4

08th Jan2017

The Last King – Der Erbe des Königs (2016) | Filmkritik

von Lars B

The Last King

Denkt man an das skandinavische Kino, denkt man meistens an schwedische, unterkühlte Thriller, in denen mit reichlich Blaufilter ein bestialischer Mörder dingfest gemacht werden muss. Ihm auf den Fersen ist dann meistens ein Polizist mit Alkoholproblemen oder Spielsucht. An das norwegische Kino denkt man dann erst einmal gar nicht. Vielleicht sollte sich das nach The Last King ändern. Ein Ausrufezeichen, dass es eben auch anders geht.

thelastking_1 Reichlich historisch wird es in Nils Gaups Machwerk über königliche Intrigen und ein kriegsgebeuteltes Land Anfang des 13. Jahrhunderts.

Alles beginnt mit dem überraschenden Tod des Königs. Seine treuen Birkebeiner sind fassungslos. Wissen sie schließlich, dass dies nur Krieg bedeuten kann. Um so erschütternder, dass es einen unehelichen Sohn geben soll. Der kleine Knirps stellt das legitime Erbe des Throns dar. Kein Wunder also, dass alles und jeder danach trachtet, dem unschuldigen Kind das Licht auszuknipsen.

Die treuen Krieger Torstein (Kristofer Hivju) und Skjervald (Jakob Oftebro) nehmen sich des Knaben an und versuchen ihn in Sicherheit zu bringen. Dabei kämpfen die beiden nicht nur gegen die Schergen des Feindes, sondern auch gegen Norwegens unwirtliche Winterwelt.

thelastking_2 Kein Wunder, dass Norwegen im Wintersport so überlegen ist, sind es gerade die Langlaufski, die den beiden Leibwächtern in den weißen Weiten Norwegens mehr als einmal die Haut retten. Dabei wird uns nicht nur Norwegens wunderschöne Schneelandschaft vor Augen geführt, sondern auch mit reichlichen Ski-Verfolgungen voller Spannung eingeheizt.

Doch ob ein alter Krieger und ein junger Hitzkopf ausreichen, um das Schicksal des zukünftigen Thronfolgers zu wahren, wird sich erst am Ende des packenden Epos zeigen.

The Last King – Der Erbe des Königs spielt größtenteils aus Sicht der beiden Birkebeiner (Name von Rebellen und einer politischen Partei in der norwegischen Bürgerkriegszeit), dem raubeinigen und erfahrenen Torstein und dem jüngeren Skjervald. Die königstreuen Vasallen haben sich geschworen, den Thron mit ihrem Leben zu verteidigen. Gerade dies wird Skjervald zum Verhängnis, als man ihm droht, Frau und Kind zu töten, wenn er nicht verrät wo man den Königssohn versteckt hält. Der kleine Hosenmatz begreift natürlich nicht, was um ihn rum geschieht.

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Die Kirche will den unbesetzten Thron nutzen, um ihre eigene Macht zu stärken und jene Kräfte, die für das vorzeitige Ableben des Königs verantwortlich sind, haben ebenfalls ihre eigene Agenda. Pläne, in denen ein Baby mit Erbrecht eben äußerst störend sein kann. So stapfen die beiden Königswächter durch Schneestürme, verstecken sich vor den Häschern und tun alles, um die Zukunft und Freiheit des Landes zu sichern. Selbst vor Pfeilen im Rücken steckt der raue Torstein nicht zurück und kämpft mit dem buchstäblichen Mut der Verzweiflung.

Mit reichlich Bildgewalt und musikalischer Kraft von Komponist Gaute Storass, wird Norwegens bewegte Geschichte zu einem atmosphärischen und spannenden Vergnügen. Mit einer Geschichte, die auch von Shakespeare hätte sein können, macht Regisseur Nils Gaup nichts verkehrt. Verrat, Bruderstreit, Krieg und Verfolgung sind Themen, die eben immer gut auf der Leinwand funktionieren. Die Panoramaaufnahmen gepaart mit hinreißender Musik tun ihr übriges, um dem Zuschauer mehr als zu gefallen.

Die beiden Hauptdarsteller Hivju und Oftebro wachsen einem sofort ans Herz und lassen einen regelrecht mitfiebern, wenn sie versuchen, ein kleines Baby in einem Schneesturm zu bespaßen. Sie tragen diesen Film auch fast alleine und spielen souverän ihre Rollen. Zudem dürfte der norwegischen Schauspielers Kristofer Hivju einigen Zuschauern aus der HBO-Erfolgsserie Game of Thrones bekannt sein. Dort spielt er den beliebten Charakter Tormund Riesentod (Original: Tormund Giantsbane), einen Wildling und Freund Jon Schnees, der durch zahlreiche Memes zur Internet-Kultfigur wurde. Wer also noch Ideen für den nächsten Filmeabend braucht, sollte The Last King durchaus eine Chance geben.

Cast & Crew

Regie: Nils Gaup
Drehbuch: Ravn Lanesskog
Musik: Gaute Storaas
Darsteller: Kristofer Hivju, Jakob Oftebro, Anders Dahlberg, Pål Sverre Valheim Hagen, Thorbjørn Harr, Benjamin Helstad

Bewertung

Bewertung_7

04th Dez2016

Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn (2015) | Filmkritik

von Lars B

Victor Frankenstein

Als die britische Schriftstellerin Mary Shelly 1818 ihren Gruselroman „Frankenstein“ schrieb ahnte noch niemand, dass Frankenstein oder Der moderne Prometheus eine der wichtigsten Werke der Literatur werden würde. Das Monster, welches vom wahnsinnigen Victor Frankenstein aus unzähligen Leichenteilen gebastelt und durch einen Blitz zum Leben erweckt wurde, gehört nicht nur zu den beliebtesten Halloweenkostümen, sondern hat auch zu unzähligen Filmen und Adaptionen angeregt.

victorfrankenstein_1 Ob bei den Munsters (1964–1966), Van Helsing oder der Justice League Dark der DC Comichefte, überall tauchen Anspielungen und Kopien des ursprünglichen Ungeheuers auf. Das Buch regt auch seit vielen Jahrzehnten zu zahllosen Filmumsetzungen und Remakes an. So ist es nicht verwunderlich, dass Hollywood sich wieder an klassischen Horrorstoff wagt und altbewährtes neu inszeniert.

Mit Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn nimmt sich diesmal Regisseur Paul McGuigan (Lucky Number Slevin) des schaurigen Stoffes an, konzentriert sich aber weniger auf das Monster, sondern mehr um seinen Schöpfer, dessen einziger Wunsch darin besteht, den Tod zu überlisten und Leben zu erschaffen.

Als wissenschaftliches Genie mit Hang zum Wahnsinn tritt James McAvoy (Drecksau) in Erscheinung. Als unterforderter Student strebt er nach der göttlichen Macht, den Funken des Lebens in tote Körper zu hauchen. Ihm zur Seite steht der treue Assistent Igor, der von Daniel Radcliffe (Harry Potter-Reihe) mit einem bemerkenswerten Mut zur Hässlichkeit verkörpert wird. Zwar verpasst Frankenstein dem Zirkusfreak ein gewaltiges Makeover, doch bleiben Spuren seiner verunstalteten Körperhaltung dauerhaft zurück.

victorfrankenstein_2 Im Zirkus lernen sich die beiden jungen Männer kennen, als eine Artistin unglücklich vom Trapez stürzt. Schwer verwundet kann ihr nur noch ein Wunder helfen. Der namenlose Clown mit dem Buckel, der später auf den Namen Igor hören soll, zeigt hier, dass er viel aus seinen medizinischen Büchern gelernt hat, die er in den Pausen liest. Frankenstein ist von so viel anatomischer Kenntnis begeistert und bietet der Zirkusattraktion ein Leben außerhalb der Schaustellerei an.

Im Labor werkeln die beiden erstmals an einem Affenkadaver, den sie mit allerlei anderen Tierteilen aufgepeppt haben. Das Zombieäffchen dreht zwar in der Londoner Universität durch, zeigt aber, welches Potential die Forschung der beiden Wissenschaftler hat. Baron Bomine (Robin Pearce) ist jedenfalls beeindruckt und plant, die Bestrebungen der beiden Genies zu unterstützen. So wird im dritten Akt des Films endlich gezeigt, wie ein Blitz den leblosen Leichenkörper des Monsters zu neuem Leben verhilft. Ob es dann besser ausgeht, als mit dem Affen am Anfang, ist die spannende Frage.

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Regisseur McGuigan kümmert sich in dieser Neuauflage anders um den Stoff als gedacht. Statt recht früh mit der Erweckung des Monsters zu beginnen, beleuchtet er lieber die Freundschaft zwischen Frankenstein und Igor. Gerade die Rolle des Helfers wird hier deutlich besser ausgearbeitet, als in früheren Werken. Igor ist nicht bloß bucklig, er ist ein Genie! Mit selbst angeeigneten Kenntnissen in menschlicher Anatomie versteht er wie kein Zweiter, worum es Victor in seinem Streben geht. Ohne Igors Einfälle wäre der verrückte Wissenschaftler, der sich selbst als Prometheus bezeichnet, nicht annähernd so weit gekommen. Statt also Forscher und Assistent bei der Arbeit zu beobachten, hat man es hier mit zwei gleichwertigen Schlauköpfen zu tun.

Dabei kann James McAvoy sehr überzeugend zeigen, welche Dämonen seinen Charakter eigentlich im Inneren zerreißen. Da er den Tod seines Bruders nicht verarbeitet hat, sucht Frankenstein hier nach einer Möglichkeit, ein Leben für den Tod einzutauschen. Dabei fragt er sich allerdings später selbst, ob die Existenz eines Leichenhaufens dann noch als Leben gelten kann. Zuerst presst er seine Lippen auf das Gesicht des Monsters und bittet es, zu leben, dann besinnt er sich angesichts der grotesken Monstrosität und erkennt, dass dies kein Leben sein kann. Ebenfalls wird die Loyalität seines getreuen Helfers Igor niemals angezweifelt, bis er sich gegen den Plan der Erweckung stellt.

Um noch mehr Spannung zu erzeugen, ist auch noch Scotland Yard mit von der Partie. Inspector Turpin (Andrew Scott) ist den beiden Monstermachern immer dicht auf den Fersen und versucht Frankensteins Perversionen zu vereiteln. Hierbei kommt es regelrecht zu einem Katz- und Mausspiel in den Gassen Londons.

Mit viel Spannung und großartigen Bildern wird Frankensteins Abenteuer hier bestens in Szene gesetzt. Gerade die beiden Hauptdarsteller Radcliffe und McAvoy haben den Film im Griff und zeigen, dass es auch auf der Theaterbühne als Zweimannstück bestens funktionieren würde. Mit Charisma und einer unglaublichen Wandlungsfähigkeit ist dieser Film das beste, was die Darsteller seit langer Zeit geliefert haben: einen szenisch makellosen, kurzweiligen Gruseltrip, der anders als andere Remakes mehr als nur eine simple Daseinsberechtigung hat. Dieser Film war nötig, um dem toten Stoff des Buches neues Leben zu verleihen.

Well done!

Cast & Crew

Regie: Paul McGuigan
Drehbuch: Max Landis
Musik: Craig Armstrong
Darsteller: James McAvoy, Daniel Radcliffe, Jessica Brown Findlay, Andrew Scott, Charles Dance

Bewertung

Bewertung_9

16th Nov2016

The Borderlands (2013) | Filmkritik

von Lars B

The Borderlands

Alles fing irgendwie mit Blair Witch Project im Jahr 1999 an. Das Found-Footage-Genre zeigte neue, ungewohnte Sichtweisen des Films, in denen man gerade zu voyeuristisch den Dokumentationen der Protagonisten folgte, als hätte man das Video tatsächlich irgendwo gefunden. Die mangelnde Übersicht, das Fehlen von nützlichen Erklärungen und der billige aber realistische Look lassen solche Filme geradezu faszinierend wirken. Kein Wunder, dass mit Paranormal Activity (2007) oder [Rec] (2007) einige kreative Trittbrettfahrer dem Strom von niedrigen Produktionskosten und einer dennoch fesselnden Wirkung auf den Plan traten.

theborderlands_1 2013 versuchte sich auch Elliot Goldner mit The Borderlands an diesem speziellen, nicht immer überzeugenden Stilmittel. Diesmal verschlägt es drei Männer im Auftrag der Kirche in ein verschlafenes, englisches Kaff, wo seltsame Ereignisse die Kirchengemeinde in Angst und Schrecken versetzen.

Damit dies auch mit der richtigen wissenschaftlichen Betrachtungsweise geschieht, ist eine lückenlose Videodokumentation erforderlich. Ja, klar! Der Pfarrer einer kleinen Dorfkirche weiß keinen Rat. Seltsame Schreie aus dem Nichts, umstürzende Kerzen oder ein allgemein mulmiges Gefühl – nichts scheint in dieser Gemeinde noch normal zuzugehen.

Als das dreiköpfige Ermittlerteam, bestehend aus Technikspezialist Gray Parker (Robin Hill), Deacon (Gordon Kennedy), einem von Natur aus skeptischen Priester, und Pater Amidon (Aidan McArdle) in der ländlichen Provinz auftaucht, ist der Zweifel groß. Deacon glaubt, dass hier nur fauler Zauber und Täuschung am Werk sind, um Aufsehen zu erregen. Hat er sich doch öfter im Auftrag Roms um seltsame Vorfälle gekümmert.

So wähnt er an jeder Ecke versteckte Kabel, Hebemechanismen und Taschenspielertricks. Nicht gerade ungewöhnlich für einen Mann der Kirche. Videospezialist und Ungläubiger Gray glaubt sofort an einen bösen Geist. Klar also, dass dieses ungleiche Team des Öfteren uneinig ist, ob es hier wirklich spukt, oder die Dorfkirche bloß unheimlich baufällig ist.

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Als dann die erste Leiche gefunden wird, bricht selbstverständlich Panik aus.

Wie immer, ist gerade die Anfangsphase des Films äußerst zäh. Da werden die Kameras überprüft, man spielt gelangweilt Karten oder fährt durch verschlafenes, regnerisches, englisches Nichts. Als man, vorbei an einfachem Landvolk, am Ort des vermeintlichen Schreckens ankommt, stellt sich so etwas wie Spannung kurzzeitig ein. Man bekommt die Wahl, der Meinung des leichtgläubigen Atheisten oder des skeptischen Kirchenmannes zu folgen. Wer hat Recht? Was geht hier wirklich vor? Sollte man tatsächlich im Dunkeln durch eine besessene Dorfkirche stapfen?

Was dann mit Spannung eingeläutet wird, verfährt recht schnell in schwacher Kameraübersicht und schlichtem Chaos. Wenn Gray mit seinem nutzlosen Lampenschein durch ein Waldgebiet läuft und dabei fremde Schatten hinter den Büschen sieht, greift man schon mal ins Sofakissen. Leider gibt sich The Borderlands im letzten Akt doch recht einfältig und simpel. Wenn von einer okkulten Stätte die Rede ist und die Handlung unerklärt mit dem Laufen des Abspanns endet, fragt man sich, wofür man jetzt die 93 Minuten Laufzeit durchgehalten hat. Sind sie tot? Was war das für ein enger Gang, in dem sie zum Schluss steckten? Man wird es wohl nie erfahren.

Regisseur Goldner kann weder mit der schauspielerischen Leistung seiner Laiendarsteller noch mit der angemessenen Requisite zufrieden gewesen sein. Statt das Genre neu zu beleben, hat er sich zur puren Wiederholung dessen hinreißen lassen, was schon so oft erzählt wurde. Vielleicht mag sich ein absoluter Kenner des Found Footage hier bestens unterhalten fühlen. Für richtige Gruselfanatiker war es jedoch ein zu dünn, was dort die Hobbyfilmer für die Nachwelt hinterließen. Da greift man doch lieber zum wesentlich spannenderen [Rec] oder kehrt mit Blair Wich Project zu jenen Wurzeln zurück, als Found Footage noch innovativ und überzeugend war.

Cast & Crew

Regie: Elliot Goldner
Drehbuch: Elliot Goldner
Darsteller: Gordon Kennedy, Robin Hill, Aidan McArdle, Sarah Annis, Lee Arnold

Bewertung

Bewertung_4

10th Okt2016

Doctor Who – Sechster Doktor – Volume 3 | Serienkritik

von Lars B

Doctor Who

Man muss schon unter einem Stein leben, um noch nie vom Doktor gehört zu haben. Jenem zeitreisenden, namenlosen Gesellen, der in einer Polizei-Notrufzelle durch Raum und Zeit unterwegs ist und mit kindlicher Naivität und unstillbaren Wissensdurst die Geheimnisse fremder Welten entschlüsselt. Ihm zur Seite steht meistens ein attraktives Frauenzimmer, welches völlig ahnungslos in gefährliche Begegnungen stolpert.

docwho_6_1 Seit 1963 macht der Doktor die heimischen TV-Schirme unsicher und erfreut sich seit dem Neustart 2005 einer unheimlichen Beliebtheit. Er schaffte es als längste Science Fiction TV Serie sogar ins Guinessbuch der Rekorde! Mit zahlreichen TV Specials, von denen eines sogar in deutschen Kinos lief, konnte die Fangemeinde noch mehr für den kultigen TV-Helden gewonnen werden.

Im Rahmen dieser Beliebtheit bringt der Verleih Pandastorm nun auch die klassischen Abenteuer des sechsten Doktors, gespielt von Colin Baker, für den heimischen Videomarkt heraus. In einer Box mit fünf DVDs kann der treue Fan nun die komplette Story Das Urteil oder im Oringinal: The Trial of a Time Lord, bestehend aus 14 Folgen, bewundern.

Der Doktor wird in diesem umfangreichen Abenteuer zum hohen Rat der Timelords berufen. Ihm werden schwere Vergehen vorgeworfen, unter anderem das Einmischen in fremde Kulturen und Genozid! Mit Hilfe der Matrix muss der Doktor seine Unschuld beweisen und der Zuschauer wird immer wieder mitten in die haarsträubenden Abenteuer gezogen. Die Rahmenhandlung spielt ausschließlich in einem Gerichtssaal, in dem der Doktor auf der Anklagebank sitzt und sich den Anschuldigungen des finsteren Valeyard (Michael Jayston) stellt. Wann immer es zur Beweisführung kommt, erscheint auf dem Bildschirm des Gerichtssaales ein weiteres Abenteuer, welches sich der hohe Rat zusammen mit dem Zuschauer ansieht.

docwho_6_2 In den ersten vier Folgen besucht der Doktor zusammen mit seiner Begleiterin Peri (Nicola Bryant) einen rätselhaften Planeten, der sich später als zukünftige Erde entpuppt. Dort treibt ein gigantischer Roboter sein Unwesen und versucht die übriggebliebene Bevölkerung zu versklaven.

Der zweite Handlungsbogen Mindwarp handelt von einer seltsamen Alienspezies, die versucht den Geist in einen neuen Wirtskörper zu transportieren. Dabei kann der Zeitreisende zusammen mit einem grimmigen Kriegerkönig und dessen Werwolfdiener den teuflischen Plan zwar anfangs vereiteln, doch Begleiterin Peri tauscht unfreiwillig ihren Geist mit dem schleimigen Bösewicht. Somit gibt es auch hier mehrere Opfer zu beklagen, die dem Doktor in der Verhandlung zur Last gelegt werden.

Als nächstes verschlägt es den Doktor auf ein Raumschiff, auf dem seltsame Experimente mit Pflanzenaliens durchgeführt werden. Es kommt zu mehreren Morden, die den bunt gekleideten Helden schnell zum Hauptverdächtigen werden lassen. Immer wieder bemerkt der Timelord im Laufe der Verhandlung, dass das Videomaterial der Matrix manipuliert zu sein scheint. Es werden Aufnahmen gezeigt, an die sich der Doktor nicht erinnert oder die in seinem Gedächtnis ganz anders verlaufen sind. Mehr und mehr zweifelt der Timelord an der Echtheit der sogenannten Beweise.

Im Finale trifft der Doktor dann auf seinen Nemesis, den Master (Anthony Ainley). Doch ist er überhaupt für diese Manipulationen verantwortlich oder steckt ein ganz anderer dahinter?

Bereits nach einer Staffel mit Colin Baker als sechsten Doktor wurde dieser abgesetzt. Dies führte zu derartigen Protesten unter den Anhängern, dass nach 18 Monaten die Serie mit diesem Mehrteiler wieder neu belebt wurde. Trotzdem sollte Der Prozess eines Timelords der letzte Auftritt des wohl buntesten Doktors werden.

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Durch die immer wieder auftretenden Sprünge in der Handlung wird man manchmal etwas aus der Geschichte gezogen, wenn man in den Gerichtssaal zurückkehrt, nur um einen Dialog zu hören und dann wieder in die Matrix springt. Dieses Hin und Her ist nicht immer der Geschichte dienlich und erweckt den Eindruck einer Zusammenfassung von bereits erzählten Episoden. Die unterschiedlichen Handlungsorte sind immer recht fantasievoll gestaltet, lassen aber angesichts einiger Budgeteinsparungen manchmal etwas zu wünschen übrig. Dadurch bekommt das ganze Setting jedoch des öfteren einen herrlich trashigen Stil, der oft zum Schmunzeln anregt.

Darüber hinaus erscheint der Doktor mit seinem bunten Mantel wenig düster und wirkt eher wie Willy Wonka, in der Version des erst kürzlich verstorbenen Gene Wilder. Die weiblichen Gefährten des Doktors entpuppen sich meistens als gutgläubige Naivchen, die scheinbar immer in Gefahr geraten oder um Hilfe rufen. Trotzdem sind die Folgen stellenweise humorvoll, mit vielen Details und gelegentlich guten Make-up-Effekten.

Das Schauspiel wirkt in vielen Fällen steif und unbeholfen und erzeugt des Öfteren ungewollte Komik. Besonders, wenn sich der Rat der Timelords jedes Mal unbeholfen umdrehen muss, um auf den Matrixbildschirm zu schauen. Bei der Drehung scheinen einige Darsteller mit ihren ausladenden Kostümen große Schwierigkeiten bei der Grobmotorik zu haben.

Wen das nicht stört und wer sehr gerne sehen möchte, was vor der beliebten Neuauflage der Serie passiert ist, sollte unbedingt reinschauen. Wer sich auf die billigen Effekte einlässt und nichts gegen stellenweise konfuse Handlungen hat, der wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

Episodenübersicht zu Doctor Who

Cast & Crew

Idee: Sydney Newman (Donald Wilson, Cecil Edwin Webber, Anthony Coburn, David Whitaker, Verity Lambert)
Darsteller: Colin Baker
Länge pro Episode: ca. 25 Minuten

Bewertung

Bewertung_6

23rd Aug2016

Fast Convoy – Tödlicher Transport (2016) | Filmkritik

von Lars B

Fast Convoy

Vier Wagen, eine Tonne Cannabis und 1800 Kilometer Straße. Was nach einem einfachen Geschäft klingt, kann sehr schnell in einer Katastrophe enden.

fastconvoy_1 Im Drogenkonvoi von Malaga nach Paris müssen die Fahrer Nerven bewahren und das ist angesichts der vielen Hindernisse gar nicht so einfach. Action made in Frankreich ist seit The Transporter oder Ghetto Gangz kein Nischenprodukt mehr. Ob Regisseur Frédéric Schoendoerffer (96 Hours) jedoch mit seinem Asphaltthriller den richtigen Ton trifft oder an der Startlinie bereits einen Platten erleidet, wollen wir in unserer Kritik klären.

Viel gibt es über die Handlung nicht zu erzählen. Vier Autos brettern randvoll mit 1000 Kilo Cannabis vom spanischen Malaga zur französischen Metropole Paris.

Besonders im Wagen von Majid (Foed Amara) und Elyes (Mahdi Belemlih) liegen die Nerven blank. Der junge Fahrer Elyes hat nämlich last minute noch eine Sporttasche voller Koks eingeladen. Bekommt man für Cannabis mit einem guten Anwalt noch recht milde Strafen, sieht es mit ein paar Kilo Schnee schon anders aus. Majid, für den es der letzte Konvoi sein soll, verliert die Nerven. Er versucht seinem Boss klarzumachen, dass es das Risiko nicht wert ist.

fastconvoy_2 Bei all der Aufregung fahren die beiden Männer natürlich direkt in eine Polizeikontrolle. Die Sache eskaliert, Majid stirbt und Elyes nimmt sich eine Geisel. Mit dem Kofferraum voller Drogen, einem toten Beifahrer und der verängstigten Nadia (Reem Kherici) am Steuer wird die eigentlich ruhige Fahrt zu einer Zerreißprobe!

Auftritt, Alex (Benoît Magimel)! Der coole Gangster nimmt die Sache in die Hand. Schnell ist die Leiche fortgeschafft, der Wagen beseitigt und die Drogen sind wieder auf der Straße, Geisel inklusive. Dass es damit natürlich noch nicht getan ist, dürfte dem Zuschauer schnell klar sein. Unbekannte Verfolger, Zollfahnder und fiese Drogengangster machen aus dem leichten Job einen Höllenritt.

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Wer jetzt glaubt, dass es schnelle Verfolgungsjagden, besessenes Schalten aller Gänge und viel Blei zu sehen gibt, irrt. Stattdessen sieht man Männer am Steuer, Männer am Telefon und noch mehr Männer am Steuer. Ruhige Autofahrten entlang Frankreichs Autobahnen. Sonnenuntergänge und weitläufige Landschaften rahmen die Handlung, einem Autowerbespot gleich, stimmungsvoll ein. Gerade, wer The Transporter von Luc Besson kennt, weiß, dass Transporte von illegalen Substanzen durchaus cool, rasant und unterhaltsam sein können. Auch in Fast and Furious gab es Drogentransporte mit Bleifuss, Hip Hop und jeder Menge Blechschäden.

Sicher, Schoendoerffer versuchte es etwas realistischer zu inszenieren und ließ es lieber ruhig und besonnen ablaufen. Was also realistisch und nachvollziehbar inszeniert wurde, kann nur teilweise überzeugen.

Klar, ist man genauso nervös wie Majid, wenn die Sache aus dem Ruder gerät. Man wähnt an jeder Ecke eine Polizeikontrolle. Doch auf der ganzen Strecke ist man mit dem Handlungsvehikel etwas zu gemächlich unterwegs. Was anfangs noch Stil hat, wird schnell öde. Die Schauspieler sitzen im Auto, während eine hübsche Landschaft vorbeizieht. Man redet, schreit ins Handy, sendet sich Nachrichten und erzählt sich allerlei wichtige und unwichtige Dinge. Wer also wissen will, was jeder mit seinem Anteil tut, wie man eine Frau richtig befriedigt und welcher Name für den ersten Sohn unpassend ist, wird vermutlich gespannt vor dem TV sitzen. Wer irgendwas in Richtung Fast and Furious mit französischen Darstellern erwartet hat, wird gähnend auf den Abspann warten müssen.

Sehr schade, denn aus Fast Convoy hätte wirklich etwas cooles werden können, denn Schoendoerffer hat bereits mit 96 Hours bewiesen, dass ihm eigentlich Actionfilme liegen. Warum er gerade hier mit angezogener Handbremse fährt, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Cast & Crew

Regie: Frédéric Schoendoerffer
Drehbuch: Yann Brion, Frédéric Schoendoerffer
Musik: Jérôme Devoise
Darsteller: Benoît Magimel, Reem Kherici, Mahdi Belemlih, Tewfik Jallab, Amir El Kacem

Bewertung

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