18th Okt2017

The Prisoner (1990) | Filmkritik

von Lars B

The Prisoner

Wer Chinas Kung-Fu Superstar Jackie Chan kennt, weiß, dass er besonders in Actionkomödien zu überzeugen mag. Doch auch in dramaturgischen und seriöseren Rollen weiß der Drunken Master und Rechte Arm der Götter-Star oftmals sein Können unter Beweis zu stellen. Im düsteren Gefängnisthriller The Prisoner aus dem Jahr 1990 spielt Jackie Chan zwar nur die zweite Geige, kann sich aber auf seine Kollegen Sammo Hung (Martial Law) und Andy Lau (House of Flying Daggers) verlassen.

theprisoner_1 Doch hat das Knackie-Cop-Scharmützel trotz des zurückgeschraubten Jackie-Anteils eine Chance verdient?

Polizist Andy (Tony Leung Ka- Fai) hat alles! Einen guten Job, eine tolle Frau und großartige Karriereaussichten. Doch wie schnell kann einem alles mit einem Schlag genommen werden? Als die Unterwelt nicht wünscht, dass Andy seine Arbeit gegen das organisierte Verbrechen aufnimmt, schickt sie einen Killer. Der wird bei seinem Auftrag kurzerhand erschossen. Doch eigentlich sollte der Attentäter längst in einem Gefängnis hingerichtet worden sein. Wieso läuft er dann noch herum?

Dieses Geheimnis zu lüften macht sich der Cop zu seiner Aufgabe und lässt sich ins Gefängnis einweisen. Innerhalb der Zellen muss das Geheimnis hinter dem Attentat gelüftet werden. Doch ganz so einfach ist es nicht. Immerhin freundet sich Andy bald mit Dauerausbrecher John (Sammo Hung) und Billardprofi Steve (Jackie Chan) an.

theprisoner_2 Mit einem sadistischen Gefängnisdirektor und einem Gangsterboss, der unter den Gefangenen den größten Respekt verdient, sind neben Andys Ermittlungen noch zahlreiche andere Probleme vorprogrammiert. Dass Steve dann noch auf der Todesliste eines Gangsters steht, machen die Ermittlungen nicht gerade einfacher. Natürlich gibt es Kampfturniere im Knast, die zeigen, dass Andy und seine Knastbrüder sich zu wehren verstehen.

Wer jetzt einen Jackie Chan Film mit Jackie in der Hauptrolle erwartet, könnte von The Prisoner etwas enttäuscht sein. Hier hat Tony Leung Ka-Fai (Tai Chi Zero) die Hauptrolle für sich ergattert, auch wenn Sammo Hung mit seinen Ausbruchseskapaden für kleine Abwechslungen sorgt und ihm in Handumdrehen die Schau stiehlt. Jackie schaut nur beiläufig vorbei.

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Das muss jetzt nichts schlechtes sein, hätte das Machwerk von Regisseur Chu Yen Ping (The Treasure Hunter) nicht ständig solche Hänger in der Handlung. Viel zu lang hält man sich da mit dem Haftalltag auf, statt die Ermittlungen des Undercovercops zu beleuchten. Zwar sind die vereinzelten Kämpfe knallhart und brutal, doch kommt die Action meistens viel zu kurz. In der Schlusssequenz wird es dann auch noch sehr skurril, wenn die drei Knackis zu Auftragskillern werden. Das sieht zwar cool aus, bringt aber der Geschichte rein gar nichts.

Höhepunkt des Films ist nicht etwa Jackie Chan, der eben nur einen kleinen Teil der Handlung ausmacht, sondern Sammo Hung. Mit gewohnter Trotteligkeit mimt er den liebenswerten Typen, der eben immer nur Pech hatte und dem man auch mal einen Platz an der Sonne gönnt. Weil sein Sohn Geburtstag hat, türmt er einfach und verbringt mit dem verdutzten Filius einen schönen Tag, bis ihn die Sirenen der Ordnungshüter wieder einholen.

Mit fast schon Cartoon-haften Einfällen schafft er es dann immer wieder, die Wärter an der Nase herum zu führen.

Mehr hat der Film aber leider nichts zu bieten. Fans des Knastfilms greifen dann doch lieber zu Lock Up oder The Undisputed. Gerade in der Action und den Kämpfen hätte man eben mehr auf Jackie Chan und Sammo Hung bauen sollen. So bleibt The Prisoner ein etwas glanzloses Stück aus der filmischen Karriere Jackie Chans und Sammo Hungs. Auch der Anteil Andy Laus fällt zu dünn und unspektakulär aus.

Cast & Crew

Regie: Chu Yen Ping
Drehbuch: Fu Li, Yeh Yuen Chio
Musik: Fu Lap
Darsteller: Jackie Chan, Andy Lau, Sammo Hung, Tony Leung, Barry Wong, Jimmy Wang Yu, Ko Chun-hsiung

Bewertung

Bewertung_5

14th Okt2017

Warrior’s Gate (2016) | Filmkritik

von Lars B

Warrior's Gates

Ein jugendlicher Held, eine chinesische Prinzessin, ein schweigsamer Samurai und ein blutrünstiger Barbar – die ideale Mischung für einen Fantasyfilm. Produzent Luc Besson, der schon mit Das fünfte Element (1997) und Valerian (2017) fantastische Abenteuer produzierte, versucht sich nun mit Regisseur Matthias Hoene im chinesischen Genre.

warriorsgate_1 Dabei wird ein junger PC Spieler mitten ins Abenteuer gestürzt und muss eine hübsche Prinzessin vor den Häschern eines üblen Schurken schützen. Was kann da schiefgehen?

Alles beginnt mit Jack (Uriah Shelton). Der sympathische Durchschnittsjunge verbringt seinen Tag am PC und zockt sich durch die mittelalterliche Fantasiewelt. Das ist natürlich besser als in der realen Welt von den anderen Jugendlichen herumgeschupst zu werden. Sein Spielcharakter ist in der Onlinewelt derart berüchtigt, dass andere Spieler ehrfürchtig erschaudern, wenn Jack die Tastatur und Maus in die Hand nimmt. Als der schlaksige Junge dann durch Zufall an ein magisches Artefakt gelangt, bricht das Chaos aus!

Ein wortkarger Samurai (Mark Chao) und eine Prinzessin in Nöten, Su Lin (Ni Ni), suchen Unterschlupf im pubertierenden Kinderzimmer. Weil Jack für einen großen Krieger gehalten wird, soll er die Prinzessin vor dem üblen Eroberer Arun (Dave Bautista) retten. Für Jack eine unlösbare Aufgabe, hat er doch nur in der virtuellen Realität eine Chance gegen seine Gegner.

warriorsgate_3 Schnell wird das Haus der Mutter zu einem Schlachtfeld. Und als man die überwältigte Prinzessin wegzuschleppen droht, muss Jack hinterher. Durch ein magisches Portal gelangt der Junge schließlich in die Welt der schönen Su Lin. Jetzt kann ihm nur noch Zhao helfen. Die kaiserliche Leibwache hat jedoch keine Lust auf Babysitten und trachtet danach, seine Hoheit aus den Klauen Aruns zu befreien.

Der bemalte Riesenkrieger, verkörpert von Ex-Wrestler Dave Bautitsa möchte die junge Dame heiraten, um die Macht über das Reich zu erlangen. Und das können weder Zhao noch Jack zulassen. Doch wie macht man aus einem Muttersöhnchen einen berüchtigten Krieger?

The Warriors Gate erinnert in vielerlei Hinsicht an The Forbidden Kingdom (2008) mit Jackie Chan. Ein jugendlicher Außenseiter wird auf eine magische Reise geschickt und reift schließlich zu einem Helden heran. Eine hübsche Prinzessin mischt auch noch mit und verdreht dem Jüngling den Kopf. Leider macht es der Jackie Chan Film insgesamt um Längen besser.

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Zwar ist gerade Samurai Zhao, gespielt von Mark Chao (Eternal Love) ein lässiger und cooler Krieger, dem man gerne folgt, doch geht einem das etwas dumme Gelaber von Jack (Uriah Shelton) schnell auf die Nerven. Fist bump hier, Bro da – sind einfach zu krampfhafte Versuche, „voll der Shit“ zu sein. Hier merkt man, dass ein Mitfünfziger versucht hat, sich in einen Teenager hineinzuversetzen. Das ist total unnötig, wirkt stark aufgesetzt und peinlich.

Bösewicht Bautista (Guardians of the Galaxy) hat ebenfalls nicht gerade vom Drehbuch profitiert. Strunzdumme Handlanger, die nicht verstehen, wen sie eigentlich töten sollen und eine ungelenke Situationskomik sollen darüber hinwegtäuschen, dass der Hüne keinen Tiefgang hat. Zwar ist die Kriegsbemalung cool und die körperlichen Ausmaße des ehemaligen WWE-Champions sind beeindruckend, doch hat es seine Gründe, dass Dave Bautista, außer als Drax der Zerstörer, noch keine allzu besonders guten Charaktere spielen durfte.

So ist The Warriors Gate ein Film, der zu oft zu seicht, zu oft zu kindisch und zu oft zu lächerlich wirkt. Etwas mehr Ernsthaftigkeit und Tiefe hätte dem ganzen Film deutlich besser getan. Nur der Samurai Zhao schafft es, philosophisch und ernst zu sein und damit etwas sinnvolles beizutragen. Vermutlich sollte ein junges Zielpublikum angelockt werden, doch mit Kartoffel kochenden Hexen und Zauberern in Zaubererverkleidung lassen sich auch keine Kinder vor den Spielkonsolen hervorlocken. Da nutzt auch der Name Luc Besson nichts, der mit Arthur und die Minimoys (2006) richtige Märchen erzählen konnte.

Kein Wunder also, dass die Kritiken zu The Warriors Gate insgesamt nur mäßig ausgefallen sind. Dann gucke ich doch lieber noch mal The Forbidden Kingdom!

Trailer

Cast & Crew

Regie: Matthias Hoene
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: Mark Chao, Ni Ni, Uriah Shelton, Dave Bautista

Bewertung

Bewertung_5

09th Okt2017

Kung Fu Yoga (2017) | Filmkritik

von Lars B

Kung Fu Yoga

Er ist Chinas größter Martial Arts Export. Er spielte in über 100 Filmen mit. Er ist Stuntman, Regisseur, Kameramann, Cutter, Darsteller, Drehbuchautor, Sänger und noch vieles mehr! Jackie Chan begeistert seit Jahrzehnten Jung und Alt mit seiner charmanten Mischung aus Kampfkunst, Slapstick, Komödie und Action.

kungfuyoga_1 Mit Kung Fu Yoga versucht der sympathische Actionheld aus Fernost an alte Erfolge, wie Armour of God (1986) oder Police Story (1985), anzuknüpfen. Regisseur Stanley Tong, der mit Chan bereits in Rumble in the Bronx (1995) und Der Mythos (2005) zusammenarbeitete, schickt Jackie diesmal nach Indien, um das Geheimnis einer goldenen Statue zu lüften. Doch kann die Schatzsuche auch ähnlich begeistern wie seine Vorgänger?

Jack (Jackie Chan), ein berühmter Archäologieprofessor, arbeitet an der Rekonstruktion der weltberühmten Terrakottakrieger. Eines Tages wird er von der indischen Wissenschaftlerin Ashmita (Disha Patani) aufgesucht, um ihr bei der Suche nach dem verschollenen Schatz von Magadha zu helfen. Zusammen mit ihren Assistenten macht sich die ungleiche Truppe auf die abenteuerliche Reise nach dem verlorenen Gold.

Dass Professor Jack nicht nur alte Skulpturen zu schätzen weiß, sondern auch die Fäuste fliegen lassen kann, wird schnell klar. Immerhin ist ihnen der Bösewicht Randall (Sonu Sood) dicht auf den Fersen. Seine Handlanger machen allerdings schnell Bekanntschaft mit Jacks waghalsigen Aktionen und auch sein Kumpel und Kunstdieb Jones Lee (Aarif Rahman) hilft nicht uneigennützig beim Verteilen von Tritten.

kungfuyoga_2 Die Eröffnungssequenz wird allerdings in nicht ganz so perfekten CGI-Bildern präsentiert. In einer Schlacht mit chinesischen Kriegern und einer Horde berittener Elefanten wird erklärt, wie der Schatz Magadhas verloren ging. Warum man hier nicht, wie sonst auch, auf Schauspieler setzte, bleibt rätselhaft. Immerhin wirken gerade die Soldaten wie aus einem schlechten Videospiel.

Auch später neigt Stanley Tong dazu, viel zu oft den Computer einzusetzen. Jackies Fahrt mit dem Löwen und der spätere Kampf gegen Hyänen wirkt dank schlechter Animationen eher ungewollt komisch. Hier hätte man lieber andere Wege finden können, um für Spannung und Unterhaltung zu sorgen. Sieht man von diesen künstlerischen Schnitzern ab, gelingt es Kung Fu Yoga für knappe zwei Stunden gut zu unterhalten.

Natürlich ist Jackie Chan mit seinen 63 Jahren nicht mehr so spritzig wie zu seinen besten Zeiten. Seine Kämpfe werden zunehmend auf Slapstick reduziert und nur selten zeigt er seine Wendigkeit. Auch in den Stunts nimmt er sich mehr und mehr zurück. Das tut den Filmen jedoch keinen Abbruch. Gekonnt charmant und sympathisch zeigt Jackie, warum er auf der ganzen Welt noch immer so beliebt ist.

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Nicht unbeabsichtigt wird Kung Fu Yoga so vermarktet, als sei es der 4. Armour of God Teil, dessen letzter Film Chinese Zodiac bereits gute vier Jahre zurückliegt. Doch zählt dieses Abenteuer keineswegs zu der äußerst beliebten Filmreihe.

Trotzdem wird hier mit exotischen Schauplätzen, coolen Kämpfen und heißen Frauen alles geboten, was Man(n) sich wünscht.

Für Jackie Chan Fans und auch jene, die Spaß an einer lustigen Schatzsuche haben, ist Kung Fu Yoga definitiv zu empfehlen. Nur die Schluss-Sequenz mit dem Bollywood-typischen Tanz wirkt etwas befremdlich und löst dann doch etwas zu viel Fremdschämen aus. Den indischen Zuschauern wird es wahrscheinlich gut gefallen, sind sie es aus ihrem Kino nicht anders gewöhnt.

Wer ein tiefgreifendes Schauspielspektakel erwartet sollte seine Erwartungen jedoch zurückschrauben. Jackie Chan besticht durch Action, Stunts und Komik. So bekommt man genau das geboten, was man von einem Jackie Chan Film erwarten kann.

So ist Kung Fu Yoga ein unterhaltsamer Film, bleibt aber hinter Mission Adler und Der rechte Arm der Götter weit zurück.

Cast & Crew

Regie: Stanley Tong
Drehbuch: Stanley Tong
Musik: Nathan Wang
Darsteller: Jackie Chan, Aarif Rahman, Zhang Yixing, Sonu Sood, Miya Muqi, Disha Patani, Amyra Dastur

Bewertung

Bewertung_7

21st Aug2017

Die rote Schildkröte (2016) | Filmkritik

von Lars B

Die rote Schildkröte

Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte. Getreu diesem Motto ist Die rote Schildkröte ein Film, der zwar wortlos aber keinesfalls ohne Inhalt ist.

dieroteschildkroete_1 Ein namenloser Schiffbrüchiger strandet auf einem tropischen Eiland und sieht sich allein der Natur und den Elementen ausgesetzt. Einem Kammerspiel gleich, erlebt er nun das Abenteuer seines Lebens in einer ihm unbekannten Welt. Dabei werden Zuschauer sicher nicht zufällig an Robinson Crusoe oder Cast Away (2000) erinnert. Ob die Odyssee eines Schiffbrüchigen, ohne Tiger, tatsächlich seine 80 Minuten dauerhaft unterhalten kann?

Alles beginnt mit der stürmischen See, die bereits seit Menschengedenken der Quell zahlloser Abenteuer und Leiden ist. Mit einer Nussschale gegen die Gewalten des Ozeans anzukämpfen ist dann doch zu viel für den armen Mann und er landet schließlich als menschliches Treibgut an einem fremden Strand.

Jedoch ist die paradiesische Idylle nichts für den jungen Mann und er plant sogleich seine Flucht von der schönen Insel. Schnell sind aus Bambusstangen und ein paar Lianen ein schnittiges Floß gezimmert, welches immerhin größer als sein altes Bötchen ist. Doch kaum geht die Jungfernfahrt ins azurblaue Meer los, wird das Wasserfahrzeug in alle Teile zerschlagen. Wer oder was dahinter steckt, bleibt bislang unbekannt. Also stapft unser Protagonist, sichtlich angefressen, zurück und baut Floß Nummer 2. Immerhin hat er nicht aufgegeben.

dieroteschildkroete_2 Natürlich hat dieser und andere Versuche das genau selbe Ergebnis. Das Floß zerfällt, und man ist zurück am Strand. Als wolle eine geheimnisvolle Kraft den unfreiwilligen Besucher nicht gehen lassen. Nach einiger Zeit ist der Urheber der Floßattacken ausgemacht: eine rote Schildkröte.

Diese treibt wie ein Koloss friedlich im Meer und scheint nur einen Argwohn gegen Flöße zu haben, nicht aber gegen den Mann. Damit das riesige Geschöpf nicht auch die nächste Flucht verhindern kann, beschließt der Mann, typisch menschlich, den Saboteur zu vernichten. Mit einem Stockhieb ist das Geschöpf erledigt und wird zum Sterben auf den Panzer gedreht. Doch kaum ist die blutige Tat vollbracht, plagen den Gestrandeten Gewissensbisse. Schließlich versucht er sogar das Leben des friedlichen Reptils zu retten, doch vergebens.

Doch was dann passiert, kann natürlich nur in einem Ghibli-Film passieren: aus den toten Resten der Schildkröte schält sich ein hübsches Mädchen. Selbstverständlich fühlt sich der Mann sofort zu dieser attraktiven Fremden hingezogen. Man lernt sich kennen und lieben und gründet bald darauf eine kleine Familie. Aus den Versuchen, das Paradies zu verlassen, wird nun der Wunsch, für immer zu bleiben.

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Das hier nicht ein einziges Wort fällt, ist angesichts der sonstigen filmischen Plapperei eine herrliche und beruhigende Abwechslung. Regisseur Michael Dudok de Witt benutzt ganz einfach andere Mittel, um Inhalt und Emotionen begreiflich zu machen. Musik, Licht, Stimmung und Gesten reichen in ihrer Vielzahl aus, um stets zu verstehen, was für einen Konflikt der Gestrandete durchmacht und wie er durch seine Fehlschläge frustriert wird.

Dabei zeigt sich die Insel stets in der passenden Stimmung. Der grüne, stille Bambuswald; der helle Strand mit dem seichten Meeresrauschen sind nur einige von den stimmigen Kulissen, die einem derart greifbar vorkommen, dass man den Sand unter den nackten Füßen fast schon spüren kann. Und besonders bei der dichten Atmosphäre kommt das ganze Können der Zeichner zum Vorschein, die es schaffen, einen mitten in die lebendige Kulisse zu katapultieren. Dabei vergisst man schnell, dass alles nur Striche und Schraffuren sind.

Kein Wunder, dass zu Recherchezwecken Regisseur de Witt einen Urlaub auf einer Insel machte und dabei jedes noch so kleine Detail aufnahm. Denn gerade die kleinen Details, wie die kleinen Krabben, beleben die Insel und geben ihr eine unvergleichliche Persönlichkeit. Das Wunder und die Schönheit unserer Natur wird hier bestens zur Schau gestellt und so verfliegen die Minuten dieses Films genau so schnell, wie ein echter Urlaub.

Wer bereits Erfahrungen mit dem japanischen Animationshaus Ghibli (Prinzessin Mononoke) gemacht hat, kann sich mit Die rote Schildkröte auf ein handwerklich einwandfreies Machwerk freuen, dass einem ebenfalls ans Herz wachsen wird. Dass hier kein einziges Wort gesprochen wird, heißt eben nicht, dass man hier nichts erzählt bekommt. Ganz im Gegenteil.

Cast & Crew

Regie: Michael Dudok de Wit
Drehbuch: Michael Dudok de Wit
Musik: Laurent Perez del Mar

Bewertung

Bewertung_8

11th Aug2017

Headshot (2016) | Filmkritik

von Lars B

Headshot

Action made in Indonesien? Seit The Raid ist das gar nicht mehr so verrückt. Katapultierte der knallharte Streifen um ein besetztes Gangsterhochhaus doch Hauptdarsteller Iko Uwais über Nacht zum modernen Actionhelden. In Headshot darf der sportliche und jungenhafte Uwais (The Raid 2) einmal mehr zeigen, wie er sich mit seinen Fäusten zu wehren weiß. Doch reicht ein bekanntes Gesicht aus, um einen Tophit zu produzieren?

headshot_1 In Headshot beginnt alles mit dem Gefängnisausbruch des Gangsterbosses Lee (Sunny Pang), der hinter unzähligen Kindesentführungen steckt. Mit blutiger Methodik entzieht sich der skrupellose Verbrecher der Justiz und taucht unter.

Gleichzeitig wird ein namenloser Unbekannter (Iko Uwais) an den Strand gespült. Er hat eine Kugel im Kopf und wacht später im Krankenhaus ohne Erinnerungen auf. Die hübsche Ärztin Ailin (Chelsea Islan) tauft den Namenlosen Ishmael, ganz nach dem Buch Moby Dick, welches sie in ihrer Freizeit so gern liest.

Doch schnell tauchen böse Jungs auf und überall, wo Ishmael hingeht, fließt Blut und fliegen Bleikugeln durch die Tropenhitze Indonesiens. Während sich Ärztin und Patient näherkommen, nimmt auch der Gangster Lee seine Fährte auf und versucht Ishmael daran zu hindern, sich zu erinnern.

headshot_2 Mit steigenden Todesfällen und reichlich Sachschaden setzt auch das Erinnerungsvermögen des Patienten Stück für Stück ein. War er eines von den entführten Kindern, welche von Lee zu Killern ausgebildet wurden? Was wurde aus den anderen Jungen und Mädchen?

Das Regieduo, welches sich „Mo-Brothers“ nennt, darf sich für diesen Actionstreifen verantwortlich zeichnen und liefert, bedenkt man, dass dies ihr Actiondebüt ist, solide Arbeit ab. Unter Palmen und mit reichlich Krach wurde ein gut choreographierter Action-Thriller abgeliefert, welcher Hauptdarsteller Iko Uweis auf den athletischen Kickboxerleib geschneidert wurde. Mal nett, mal tödlich, durchläuft Ishmael eine Achterbahnfahrt auf dem Weg zur Wahrheit. Zwar wirkt das Amnesie-Klischee und die Romanze mit der Ärztin an den Haaren herbeigezogen, tut aber gerade für Actionpuristen keinen Abbruch.

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Besonders die Auseinandersetzungen mit den Ex-Killerkindern sind sehr gut inszeniert und zeigen, dass jeder Gegner seinen eigenen Kampfstil hat. Sei es Rika (Julie Estelle) mit ihrem Messerkampf am Strand oder der irre schnelle Besi (Very Tri Yulisman) mit seinem Teleskopstab – jeder Kampf hat etwas besonderes in der Choreographie und dem Setting an sich, was ihn einzigartig macht. Es erinnert schon fast an die bekannten Beat-’em-up-Videospiele Street Fighter oder Tekken.

So spiegelt jedes Duell die Persönlichkeit des Gegners wieder. Wenn Ismael sich weigert einen Widersacher zu töten, spürt man den Widerspruch zwischen vertrauter Umgebung und Bedrohung, wenn sich der traumhafte Strand allmählich mit Blut einfärbt. Und auch das Aufeinandertreffen mit Besi verwandelt einen idyllischen und ruhigen Wald in eine beengende Todeszone.

So steigert sich Headshot zunehmend zum echten Adrenalintrip mit waghalsigen Stunts und cooler Action und wird trotz oft kopierter Filmklischees nicht eintönig oder langweilig. Wer die Raid-Filme schon gut gefunden hat und auf brachiale, schnörkellose Kämpfe steht, wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen!

Wie es für Actiondarsteller allerdings üblich ist, sollte man kein oscarverdächtiges Schauspielhandwerk erwarten, da der Fokus eindeutig auf den harten Auseinandersetzungen mit Faust und Waffe liegt. Wer damit kein Problem hat, der kann sich zurücklehnen, den Verstand auf Sparflamme stellen und sich wunderbar unterhalten lassen.

Cast & Crew

Regie: Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto
Drehbuch: Timo Tjahjanto
Musik: Aria Prayogi, Fajar Yuskemal
Darsteller: Iko Uwais, Chelsea Islan, Sunny Pang, Julie Estelle, Very Tri Yulisman, David Hendrawan, Zack Lee

Bewertung

Bewertung7

20th Jun2017

Ouija: Ursprung des Bösen (2016) | Filmkritik

von Lars B

Ouija 2

Die Regeln sind eindeutig: 1. Spiele niemals allein, 2. spiele niemals auf einem Friedhof und 3. verabschiede dich immer.

ouija2_1 Wer diese Regeln treu befolgt, braucht sich vor grimmigen Geistern nicht zu fürchten. Doch was wäre ein Horrorfilm ohne die Dummheit seiner Protagonisten? So wird in Ouija – Ursprung des Bösen natürlich alles erdenkliche falsch gemacht, damit die Geisterwelt ordentlich spuken kann. Und wer hält sich denn schon an die beigefügte Gebrauchsanweisung?

Wir schreiben das Jahr 1965. Die Alleinerziehende Alice Zander (Elizabeth Reaser) betreibt mit ihren beiden Töchtern einen kleinen Familienbetrieb. Während sie für reiche Witwen und Witwer Seancen bei Kerzenschein abhält, sorgen die Töchter Paulina (Analise Basso) und Doris (Lulu Wilson) für die nötigen Effekte. Zwar sind die Gespräche mit verstorbenen Angehörigen nur fauler Zauber, doch Alice glaubt Gutes zu tun.

ouija2_2 Eines Tages erwischt sie die älteste Tochter beim Ouija-Spielen auf einer Party und ihr kommt eine rettende Geschäftsidee. Warum nicht auch solch eine Requisite in die Show einbauen? So lässt sich bestimmt mehr Kundschaft gewinnen. Sofort wird das Brett auch schon für die familiäre Geisterstunde zweckentfremdet und das mit verheerenden Folgen. Ausgerechnet die jüngste Tochter wird von einem Geist besessen. Die untote Seele verwandelt die unschuldige Doris in ein unartiges Gruselmädchen. Sie hat fortan eine unsichtbare Freundin, schreibt Briefe in ihr unbekannten Sprachen und treibt Mutter und Schwester unnachgiebig in den Wahnsinn.

Hilfe sucht die geplagte Familie in dem geistlichen Vater Tom (Henry Thomas), der dem nächtlichen Spuk auf den Grund gehen will und dabei riskiert, schneller seinem Schöpfer gegenüber zu stehen, als ihm lieb ist.

So wird der Haushalt der Familie Zander buchstäblich auf den Kopf gestellt, wenn unerklärliche Dinge ihre Runde machen. Immerhin kann Doris fortan das Ouija-Brett betätigen, ohne das Spiel zu berühren. Ob der Familie noch zu helfen ist oder selbst geistlicher Beistand zu spät kommt, wird in 99 Minuten geklärt.

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Deutlich besser und um einiges gruseliger zeigt sich die Fortsetzung zum 2014 erschienenen Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel. Statt auf gewohnte Teenie-Horror-Elemente zu setzen, konzentriert sich Regisseur Mike Flanagan (Before I Wake) auf die wirksameren Gruselklischees.

Man nehme ein unheimliches Haus mit verborgenen Räumen und einer grausamen Geschichte und füge noch einen Priester dazu. Eine alleinerziehnde Mutter, der alles zu viel wird, eine pubertäre, trotzige Tochter und das kleine, unschuldige Schwesterlein. Das alles ergibt ein gruseliges aber auch leicht zu durchschauendes Schauermärchen, dass immer auf Nummer sicher geht und selten etwas riskiert. Deshalb ist der Film ein gut gemeintes, durchschnittliches Gruselstück mit gelegentlichen Schreckmomenten und grundsoliden Darstellern.

Besonders Lulu Wilson kann in ihrer Rolle als besessenes Mädchen überzeugen und vermag durch ihren intensiven Blick äußerstes Unbehagen zu erzeugen. Der Rest des Casts geht ohne Höhen und Tiefen am kollektiven Langzeitgedächtnis vorbei. Ob es einen dritten Teil um das modrige Spielbrett gibt, bleib indes abzuwarten. Ein paar schaurige Effekte oder unheimliche Geistererscheinungen hätten deutlich zum Gesamteindruck beigetragen. Wen das nicht stört und wer zu Halloween noch ein gutes Filmthema braucht, kann trotzdem mal reinschauen.

Aber bitte nicht vergessen: Verabschiedet euch am Ende! Sonst gibt es Tote.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
Musik: The Newton Brothers
Darsteller: Elizabeth Reaser, Annalise Basso, Lulu Wilson, Parker Mack, Doug Jones, Henry Thomas, Lin Shaye

Bewertung

Bewertung5

07th Jun2017

Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit (2016) | Filmkritik

von Lars B

Humanoid

Das Leben im Jahr 2307 sieht nicht rosig aus. Es ist eine eisige Welt, in der die Menschheit ums nackte Überleben kämpft.

humanoid_1 In unterirdischen Kolonien harren die letzten Überlebenden der Menschheit aus. Damit auch schwerste Arbeiten im Eis möglich werden, haben sich clevere Wissenschaftler etwas einfallen lassen: man hat die künstliche Rasse, der Humanoiden entwickelt. Die blassen, haarlosen Kraftpakete mit schwarzem Blut sind bestens an die unwirtlichen Bedingungen angepasst. Doch was, wenn sie gegen ihre Schöpfer rebellieren? Dann trifft Blade Runner auf Ice Age!

Im Mittelpunkt steht der Soldat Bishop (Paul Sidhu), der Rache an den Humanoiden nehmen möchte, die seine Frau und sein ungeborenes Kind getötet haben. Kein geringerer als der geflohene ASH-393 (Branden Coles) soll für diesen brutalen Mord verantwortlich sein.

Zwar ergibt sich der geläuterte Bishop erst einmal dem Alkohol, nur um dann, nach einem Bad und einer Rasur, den Posten als Anführer der Humanoid-Jäger anzunehmen, die sich selbst als Spartaner bezeichnet. Die ungleiche Truppe, welche ihm unterstellt wird, besteht aus gar seltsamen Kämpfern. Allen voran die schroffe Kix (Arielle Holmes), die aus Hitlers Biografie zitiert und auch sonst kein Menschenfreund ist. Die anderen Soldaten der Gruppe, die jedem typischen Klischee entsprechen, sind zu vernachlässigen, sterben sie doch recht schnell, ohne viel von sich zu geben.

humanoid_2 So bleibt es am Ende nur an Bishop selbst, das hünenhafte Muskelpaket ASH-393 zu stellen und zu erledigen. Dabei zeigt sich, dass der Flüchtige durchaus Köpfchen hat. Er spielt in der eisigen Einöde mit den Häschern ein todbringendes Katz- und Mausspiel.

Doch wer ist hier der wahre Bösewicht? Ash oder seine Schöpfer?

Wen die Handlung etwas an Ridley Scotts Zukunftsepos Blade Runner erinnert, der täuscht sich nicht. Wenn Ash philosophische Züge annimmt, und es Rutger Hauers Figur des Roy Batty gleichtut, wenn er im Angesicht des Todes über das Leben sinniert, hat man ein Dejavu-Erlebnis, nur in schlecht eben.

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Alles wirkt lieblos. Die Figuren sind eindimensional, unmotiviert und stolpern unkoordiniert durch das eingeschneite Filmset. Humanoid greift zwar stellenweise nette Ideen auf, kann diese jedoch nicht wirklich gut umsetzen. Zu viel B-Movie Getue, zu flache Sprüche ohne charismatische Darsteller zu wenig Inhalt.

Hätte man Dolph Lundgren oder Van Damme gewinnen können, hätte man wenigstens noch ein paar ganz treue Actionfans in den Film locken können. Hier hat man es dagegen mit Laiendarstellern zu tun. Vermutlich wird auch kein einziger Darsteller jemals wieder in einem nennenswerten Film zu sehen sein. Dabei hatte man mit der Eiswüste und den unterirdischen Verstecken tatsächlich ein recht günstiges Setting, welches mit wenig Budget gut umgesetzt werden konnte. Stattdessen sieht man, wie die Soldaten in den schlechten Gummikostümen schwitzen, weil die Materialien nicht atmungsaktiv sind. Das sorgt zuweilen für etwas heitere Stimmung beim Schauen des Films, zeigt aber, wie wenig Sinn für Detail bestand.

Talentlose Bodybuilder weiß zu schminken und ziellos durch Pulverschnee zu scheuchen hilft da auch nicht weiter. Hier merkt man sogar wie seltsam unbeholfen die Humanoids vor der Kamera sind. Da hat Branden Coles noch richtig gut ausgesehen, bei dem Versuch, etwas Tiefgang einzubringen. Hauptdarsteller Paul Sindhu hat als Bishop jedoch voll und ganz versagt. Man findet keinen Zugang zu seiner Person und nimmt nicht wirklich an seinem Schicksal Teil. Er wirkt ebenso austauschbar wie seine Söldnertruppe, die er anführt.

So plätschert der Film vor den Augen dahin und offenbart keine bemerkenswerten Höhepunkte. Ein wenig Humor, besseres Casting und einige kreative Ideen hätten dem Machwerk von 102 Minuten durchaus Kurzweil und einen Wiedersehenswert verpassen können. So allerdings ist selbst für den Direct-to-DVD-Markt ein sehr schwaches Resultat entstanden. Und letztendlich empfiehlt es sich, lieber noch einmal Blade Runner anzuschauen.

Cast & Crew

Regie: Joey Curtis
Drehbuch: Joey Curtis
Musik: Joachim Horsley
Darsteller: Branden Coles, Paul Sidhu, Arielle Holmes, Kelcey Watson, Anne-Solenne Hatte, Timothy Lee DePriest

Bewertung

Bewertung3

02nd Mai2017

Doctor Who – Der Film (1996) | Filmkritik

von Lars B

Doctor Who – Der Film

Schon seit Jahren gehört der charmante, zeitreisende Doktor und seine T.A.R.D.I.S. zum Stoff, der das Herz seiner Fans höher schlagen lässt. Die längste Science Fiction TV-Serie der Welt lässt sogar Star Trek hinter sich, wenn es um die Anzahl der Folgen geht.

doctorwhoderfilm_1 Als die Ära des siebten Doktors Sylvester McCoy (Der Hobbit) 1989 zu Ende ging, versuchte man die Serie durch einen, für den amerikanischen Markt produzierten TV-Film, neu aufleben zu lassen. Dieser 1996 auf Fox ausgestrahlte Film erzählt, wie der Doctor (Paul McGann) die sterblichen Überreste des „Masters“ zurück auf den Heimatplaneten Gallifrey bringen soll und dabei in ein turbulentes Abenteuer stürzt.

Leider blieb der Erfolg des Films aus und erst 2005 ging es mit dem neunten Doctor (Christopher Eccleston) weiter. Beim heutigen Erfolg der Serie ließ es sich die BBC nicht nehmen und veröffentlicht das Abenteuer des achten Doctors nun erstmals auf Blu Ray und DVD. Jetzt können sich die Fans selbst ein Bild davon machen, ob der Film ein verkanntes Kunstwerk oder ein echter Fehlgriff ist.

Alles beginnt mit dem Tod des Masters, dem größten Widersacher des Doctors. Der Schurke wurde besiegt und seine Überreste gut verschlossen. Der Doctor (Sylvester McCoy) bekommt die Aufgabe, ihn auf seine Heimatwelt zu überführen. Leider kann sich der Gefangene befreien und bringt die T.A.R.D.I.S. dazu, auf der Erde des Jahres 1999 zu landen. Der Schurke kann dort den Körper eines Rettungssanitäters (Eric Roberts) übernehmen und trachtet danach, mit Hilfe des Doctors die Unsterblichkeit zu erlangen. Immerhin haben die Timelords 13 Leben. Da der Doctor erst 7 verbraucht hat, kann der Körper für den Master noch von großem Nutzen sein.

doctorwhoderfilm_2 Doch leider wird der Doctor bei einem Überfall angeschossen. Da sein Körper etwas anders aufgebaut ist als der eines gewöhnlichen Menschen, kann die Kardiologin Dr. Holloway (Daphne Ashbrook) den Patienten nicht retten. Woher sollte sie auch ahnen, dass der Mann auf ihrem OP Tisch zwei Herzen hat? So endet die Reise für den guten Timelord in der Leichenhalle, wo er, zum Schrecken des Personals, wieder aufersteht. Diesmal ist die achte Inkarnation (Paul McGann) deutlich jünger als sein altes Ich.

Mit Hilfe der Ärztin will er den Master aufhalten, der das Auge der Harmonie, ein Zeit- und Dimensionsportal der T.A.R.D.I.S. geöffnet hat, welches die Erde zu vernichten droht. Warum eine so gefährliche Apparatur ausgerechnet in der Zeitmaschine schlummert ist zwar rätselhaft aber da der Master einst der frühere Besitzer der T.A.R.D.I.S. war, kennt er sich hier bestens aus.

Natürlich muss der Doctor bei der jungen Ärztin viel Überzeugungsarbeit leisten, um ihre Hilfe zu erlangen. Immerhin hält sie den seltsamen Zeitreisenden für einen verrückten, der besser in die Klapsmühle gehört. Doch schon bald wird aus den beiden ein gutes Team. Nur mit einer Atomuhr lässt sich das Zeitchaos aufhalten, welches der skrupellose Bösewicht ausgelöst hat. Und wie es der Zufall so will, wird ausgerechnet zur Silvesternacht eine solche Uhr in Betrieb genommen. Das kommt den beiden natürlich sehr gelegen. Doch lässt sich eine solch gut bewachte Uhr einfach stehlen?

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Wer den Doctor kennt, weiß, dass er es immer schafft mit höchst unkonventionellen Mitteln den Tag zu retten und immer einen Plan in der Hinterhand hat. Dieser TV Film sollte als Pilotfolge für eine neue Staffel dienen, konnte das Publikum aber leider nicht überzeugen. Paul McGann (Luther) spielt den Zeitreisenden charmant und naiv und hätte es durchaus verdient, eine komplette Staffel gewidmet zu bekommen. Das Abenteuer hat viel Witz und Ironie und nimmt sich meistens nicht all zu ernst.

Besonders in der Leichenhalle, wenn der Wachmann gerade Frankenstein im Fernsehen sieht und sich der scheinbar tote Doctor wieder erhebt, muss man einfach schmunzeln. Eric Roberts (The Expendables) übertreibt es allerdings ein wenig als Master und wirkt wie ein Bösewicht aus einem Cartoon. Viel zu überzogen agiert der Schurke und stapft von Klischee zu Klischee. Die Rolle der Ärztin ist mit Daphne Ashbrook gut besetzt. Zwar ist sie anfangs die typische Frau in Nöten, mausert sich im Verlauf jedoch zu einer guten Hilfe für den Protagonisten.

Sieht man davon ab, dass der Film 1996 fürs TV produziert wurde, sind die Effekte ganz gut gelungen und lassen das Abenteuer des Doctors recht gut aussehen. So ist Doctor Who – Der Film ein nettes und kurzweiliges Abenteuer, dass besonders Dank des üppigen Bonusmaterials etwas für jeden Fan sein sollte. Wer die Handlung nicht allzu ernst nimmt und sich auf den charmanten Doctor einlassen kann, wird eine gute Zeit mit diesem herrlich skurrilen Film verbringen. Wer noch nichts vom Doctor und seiner T.A.R.D.I.S. gehört hat, kann mit diesem Film recht gut einsteigen. In jedem Fall also einen Blick wert.

Cast & Crew

Regie: Geoffrey Sax
Drehbuch: Matthew Jacobs
Musik: John Debney
Darsteller: Paul McGann, Sylvester McCoy, Daphne Ashbrook, Yee Jee Tso, Eric Roberts, John Novak

Bewertung

Bewertung9