01st Jan2018

Mord im Orient-Express (1974) | Filmkritik

von Lars B

Mord im Orient-Express

Gerade können wir im Kino Kenneth Branaghs Version des Agatha Christie Klassikers Mord im Orient-Express bewundern. Im sagenumwobenen Luxuszug von Istanbul nach London kommt es zum unfreiwilligen Ableben eines Antiquitätenhändlers, mittendrin der scharfsinnige und exzentrische Meisterdetektiv Hercule Poirot.

mordimorientexpress_1 Mit Zwirbelbart und einem Hang zum Dramatischen ist es am belgischen Gentleman, den Mörder unter einem Haufen zwielichtiger Verdächtiger ausfindig zu machen. Diese Geschichte wurde allerdings bereits 1974, mit Albert Finney in der Hauptrolle, zu Zelluloid gebracht. Doch lohnt sich angesichts des Hochglanz-Remakes ein Blick auf den Klassiker vergangener Zeiten?

Alles beginnt mit einer wahnsinnigen Flut aus Zeitungsartikeln, die uns die Entführung der kleinen Daisy Armstrong näher bringt. Das Dienstmädchen wird verdächtigt und begeht schließlich Selbstmord. Auch andere Leben werden nach dieser Tragödie zerstört. Ein Schicksal, dass im Laufe des Films noch an Bedeutung gewinnen wird.

Wenig später betreten einige höchst seltsame Personen die edlen Schlafwagen des Orient-Express. Unter ihnen auch der kauzige Ermittler Hercule Poirot (Albert Finney), der eigentlich nur Ruhe wünscht und vergebens ein freies Abteil sucht.

An Bord befinden sich neben Geschäftsmann Mister Ratchett (Richard Widmark) auch Gräfin Adrenyi (Jacqueline Bisset) mit Gatten (Michael York) und Colonel Arbuthnot (Sean Connery), die wie ein willkürlich zusammengewürfelter Haufen scheinen.

mordimorientexpress_2 Für Poirot beginnt eine nervenaufreibende Zugfahrt. Als durch eine Lavine der Zug unfreiwillig zum Stehen kommt, passiert des Nachts ein Mord. Mit dutzenden Messerstichen im Schlaf getötet, blutet Mister Ratchett die weißen Laken des Luxuszuges voll. Doch wie kam der Mörder in den Zug? Ist einer der schrulligen Fahrgäste etwa zu solch einer Tat fähig?

Wer das Brettspiel Cluedo kennt, weiß, was jetzt folgt. Hercule Poirot muss sich jeden Fahrgast einzeln vornehmen und prüft jedes Alibi auf Widersprüche. Wer war wann wo? Stimmen die vagen Aussagen der Verdächtigen? Wo ist die Verbindung der einzelnen Fahrgäste zum Opfer? Wer hatte Motiv und Gelegenheit? Und wer war Mister Ratchett wirklich?

Gemeinsam mit dem Detektiv nimmt auch der Zuschauer in diesem Kammerspiel die Ermittlungen auf. Durch kleinste Nuancen und Gesten entlarvt man auf diese Weise den Lügner, um sich Schritt für Schritt Richtung Lösung zu tasten. Dabei kommt der Luxuszug wie ein verstörendes Gefängnis daher. Immerhin ist ein Mörder unter den Fahrgästen.

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Schon zu Beginn des Films dröhnt altbackene Musik aus den Boxen. Der Ton hat über die Jahre schwer gelitten und ist für das heutige Ohr eine Gewöhnungssache. Albert Finney wirkt als Ermittler wie ein kauziger Außenseiter mit wenig Charme, dafür aber einem unverkennbaren Stil. Die Darstellerriege kann sich selbst nach all den Jahren durchaus sehen lassen. Mit Sean Connery (James Bond) als Colonel und Michael York (Austin Powers) sind große Schauspielprofis am Werk.

Bei den Damen sind mit Jacqueline Bisset (Wilde Orchidee) und Ingrid Bergmann (Casablanca) ebenfalls große Namen im Cast. Jeder spielt seine Rolle auf routinierte und zurückhaltende Weise. Eben so, wie man sich verhalten würde, hätte man etwas zu verbergen.

Im Showdown, wenn sich alle Verdächtigen im Salon einfinden, wird durch Poirot der Mord rekapituliert und der Mörder gestellt, ganz nach Tradition der Agatha Christie Romane. Dann geht auch dem Zuschauer endlich ein Licht auf und das wahre Ausmaß des Verbrechens wird enthüllt. Ein wahrer Plottwist am Ende.

Inszeniert wurde das kammerspielartige Mordfall im Fall von Regisseur Sidney Lumet, der vor allem durch seine Regiearbeit an Die zwölf Geschworenen (1957) internationale Bekanntheit erlangte. Des Weiteren wirkte er an preisgekrönten Werken wie Prince of the City (1981) und Hundstage (1975) mit.

Die mörderische Zugfahrt in Mord im Orient-Express hat gerade durch seine hochwertige Besetzung einen unglaublichen Charme. Leider wirkt die Erzählung an manchen Stellen steif und langatmig, was der Dramaturgie vergangener Filme geschuldet ist. Ob Odyssee im Weltraum oder Spiel mir das Lied vom Tod – überall ist der Schnitt langsam und Kameraeinstellungen bleiben beharrlich und ermüdend auf ein und derselben Szene. Für das heutige Kinopublikum ist das nicht immer einfach. Kein Wunder, dass ein Remake eine gute Idee war.

Trotzdem lohnt es sich, den Klassiker aus dem Jahr 1974 zu sehen. Wann bekommt man sonst solche Größen Hollywoods in jungen Jahren zu sehen?

Cast & Crew

Regie: Sidney Lumet
Drehbuch: Paul Dehn
Musik: Richard Rodney Bennett
Darsteller: Albert Finney, Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, John Gielgud, Wendy Hiller, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Rachel Roberts, Richard Widmark, Michael York

Bewertung

Bewertung8

02nd Dez2017

Sinister (2012) | Filmkritik

von Lars B

Sinister

Wer kennt das nicht? Da zieht man mit seiner Familie in ein neues Haus, in dem es gehörig spukt, und wenn der Schrecken so richtig loslegt, dann versucht man entweder das Haus wieder zu verkaufen oder stirbt beim Versuch die Wahrheit herauszufinden.

sinister_1 In Sinister aus dem Jahre 2012 ist es etwas anders. Der gefeierte Buchautor Ellison Oswalt (Ethan Hawke) hat sich gerade wegen einer brutalen Mordsereie sein Haus ausgesucht. Damit kann er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens war die Immobile günstig, zweitens holt er sich so die Inspiration für seinen kommenden Roman. Wenn er ihn denn fertigstellen kann.

Alles fängt harmlos mit einer Box auf dem Dachboden an. Darin sind alte Super 8 Filme mit harmlos erscheinenden Titeln, wie Poolparty oder Familien Barbecue. Dahinter stecken aber abartige Mordserien, in denen tatsächlich ganze Familien ums Leben kommen. Alles perfide und minutiös geplant. Und Oswalt schaut zu, wie ein ums andere Mal ein unbekannter Mörder seine Hauptdarsteller umbringt.

Klar, dass der Autor zum seelischen Wrack mutiert und selbst seine Gattin Probleme hat, ihn wiederzuerkennen. Auch der Sohn wird von Albträumen und Schlafwandel geplagt, was nachts zu zusätzlichem Horror führt.

sinister_2 Doch wer steckt dahinter und was sind seine Motive? Oswalt erkennt bald eine schwarze Gestalt im Hintergrund, die sich das blutrünstige Treiben aus sicherer Entfernung anschaut. Ein Mann mit grausiger Maskerade und finsteren Blicken, der schon bald aus den Filmen in die Welt der Autorenfamilie eindringt. So zeichnet das Töchterchen ein hübsch hässliches Portrait des Killers auf die Tapete und will sich später nicht mehr daran erinnern können.

Geisterhafte Kinder marschieren durch Haus und Garten und rauben dem Autoren den Verstand, der sich dann nur noch mit Alkohol beruhigen kann. In seinen Ermittlungen stößt Oswalt bald auf einen heidnischen Kult. Der angebetete Dämon braucht Opfer, um sich die Unsterblichkeit zu sichern. Immer ist das jüngste Kind der getöteten Familien verschwunden und zählt nicht direkt zu den Opfern. Passiert das nun auch mit seiner Familie?

Zugegeben, die Haunted House Idee nach Filmen wie Conjuring – Die Heimsuchung, Haunted Hill oder Amityville ist nicht gerade neu. Und spätestens seit The Ring wissen wir, dass manche Videos tödlich für den Zuschauer sein können. Trotzdem wagt sich mit Sinister Regisseur Scott Derrickson (Doctor Strange) in dieses stark umkämpfte Horrorhausszenario.

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Mit reichlich Filtern der 8 Millimeter-Ära und verstörender Musik komponiert er ein unbehagliches Kammerspiel, dass sich ganz auf das spielerische Repertoire Ethan Hawkes (Gattaca) verlässt. Und tatsächlich stemmt der Mime die Rolle des schrulligen Kriminalautoren mit Bravour. Dem nervlichen Kollaps nahe und trotzdem getrieben von unbändiger Neugier treibt es den Protagonisten immer tiefer in die Wirren des schaurigen Film-Killers. Dabei werden die Ängste und Bedenken der heutigen Schaulustigen und Sensationsneugierigen ordentlich geschürt.

Ist es erlaubt sich am Leid anderer zu ergötzen? Ist der Tod des Beobachters die gerechte Strafe für seine Sensationsgier? Der Killer wird hierbei zur moralischen Instanz. Trotz des guten Stils und der perfekten Besetzung bleibt Sinister streckenweise aber vorhersehbar und bietet nur wenig Neues.

Zwar ist die Handlung spannend und verstörend, doch kann man den Ausgang des Treibens schon recht früh vorhersehen. So bleibt Sinister ein netter Horrortrip für Zwischendurch, ist aber nur ein Werk unter vielen. Was jedoch heraussticht ist die Bild- und Tongewalt, die dem Treiben dann doch etwas außergewöhnliches verleiht. Wäre da doch nur die Story etwas komplexer gewesen. Trotz der Kritikpunkte kam das Spukszenario gut an, sodass drei Jahre später das Sequel folgte und der Bughuul abermals für Schrecken sorgte.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: C. Robert Cargill, Scott Derrickson
Musik: Christopher Young
Darsteller: Ethan Hawke, Juliet Rylance, Fred Thompson, James Ransone, Clare Foley, Michael Hall D’Addario

Bewertung

Bewertung6

26th Nov2017

Song to Song (2017) | Filmkritik

von Lars B

Song to Song

Kann Musik unser Leben beeinflussen? Vermutlich ist in der heutigen Zeit die richtige Melodie zur richtigen Zeit einfach unersetzlich. Wie sollte man sich sonst erklären, dass man nirgendwo hingehen kann, ohne Kopfhörer zu tragen, die einen mit dem Soundtrack des Lebens versorgen?

songtosong_1 Im klangvollen und ausdrucksstarken Machwerk von Terrence Malick folgen wir jenen Menschen, die nicht nur durch Musik Leben, sondern mit ihr verbunden sind. Dabei konfrontiert uns das zweistündige Machwerk mit unseren Seh- und Hörgewohnheiten. Star besetzt mit dem, was in Hollywood Rang und Namen hat, wird hier ein Reigen bekannter Gesichter geboten. Doch was ist mit der Geschichte?

Es geht um Liebe, soviel steht fest. Die sensible Faye (Rooney Mara) träumt von der großen Karriere als Musikerin. Sie trifft auf BV (Ryan Gosling), der sich Hals über Kopf in die zarte Dame verliebt. Doch das Glück währt nicht ewig. Es bahnt sich nämlich eine Dreiecksgeschichte mit Musikproduzent Cook (Michael Fassbender) an.

Statt sich nun als Rivalen zu betrachten, verbrüdern sich die beiden Herren sogar und pflegen eine innige Freundschaft. Dass es trotzdem zum Tauziehen um das Herz der jungen Faye geht, steht außer Frage. Als dann noch die Tatsache hinzukommt, dass Cook über die kreativen Rechte BVs bestimmt, kommt es endgültig zum Bruch der beiden Schönlinge.

songtosong_2 So recht kann aber auch Cook nicht in Monogamie leben. Er lacht sich die Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) an. Die sich derart von der herrischen Art Cooks unterdrücken lässt, dass sie sogar einen Dreier mit Faye nicht ablehnt. Ein Tabu, dass für BV unerträglich ist und er anschießend das Weite sucht. Natürlich ist er nicht lange allein und tröstet sich mit der etwas reiferen Amanda (Cate Blanchett). Wer bei diesem Bäumchen-Wechsel-Dich noch mitgekommen ist, erlebt hier eine etwas kostspieligere Telenovela. Quasi ein nettes „Wer mit Wem?“.

So ziehen sich die Protagonisten im Wechsel mal an, mal stoßen sie sich wieder ab. In teuren Luxushäusern mit viel Geld und Prunk wird trotzdem wenig königlich gelebt. Drogen, Sex und Sucht bestimmen hier das Geschehen. Lust und Verlangen statt echter Liebe und Vertrauen. Scheinbar scheint jede Form von Nähe und Beziehung nicht von Dauer zu sein, da keiner der Protagonisten dazu fähig ist. Fast scheint es, als würden sie schon auf den unabwendbaren Schmerz hoffen.

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Das von Stars gespickte Ensemble verstrickt sich leider in einen fast wahnsinnigen Rausch aus Bildern, Weitwinkelperspektiven, die viel zu dicht am Geschehen kleben und einem Monolog, der aus dem Off über die scheinbare Handlung gelegt wird. Das alles ermüdet das Auge und den Geist. Kein Satz, der hier beendet wird oder nicht durch gefühlte zwanzig Schnitte verstümmelt wurde. Die Personen springen eifrig von Szene zu Szene und die fehlende Struktur macht das Geschehen zu einer Mischung aus Improvisationstheater und einem überlangen Musikvideo.

Wie in Trance tänzeln, wandeln, hoppeln und kriechen die Tragikhelden des Films über die Leinwand, unfähig auch nur einmal etwas normales zu tun oder zu sagen. Stattdessen wird im Stakkato serviert, ungeachtet, ob der Zuschauer noch Lust und Laune hat, diesem seltsamen Treiben noch zu folgen. Ryan Gosling (La La Land) und Michael Fassbender (Alien: Covenant) spielen zwar mit Emotionen und Gesten, werden aber eher dokumentarisch festgehalten und sind teils mit der Situation unter- oder überfordert.

Der Drang, hier ein großes Kunstwerk schaffen zu wollen oder zu müssen, zerstört die dünnhäutige Handlung immer wieder. Das Gesehene verkommt zur Reizüberflutung, wenn über einen Dialog noch ein innerer Monolog gelegt wird, der Sprechblasen ausstößt, wie sie nur jemand von sich geben kann, wenn er so richtig high ist. Treffend wird das sogar mit dem Konsum von Magic Mushrooms gezeigt, wenn Michael Fassbender und Natalie Portman (Knight of Cups) kaum noch in der Lage sind, gerade zu stehen oder einen Satz mit Sinn und Verstand herauszubekommen.

Das hinterlässt ein sehr gespaltenes Bild. Zum einen ist man erleichtert, wenn endlich der erlösende Abspann über den Bildschirm flimmert, zum anderen ist man enttäuscht, dass die illustre Besetzung nichts besseres abliefern konnte oder durfte.

Der intellektuelle Feuilleton jedenfalls mag sich die Hände reiben und eingestehen, dass hier ein großes Häufchen Kunst gepflanzt worden ist, gespickt mit Sehnsucht, Liebe und großer Gefühlsduselei. Für einen Kinogänger mit dem Verlangen nach der Einheit von Zeit, Raum und Handlung wird es zu einer langatmigen Geduldsprobe. Aber mit der Kunst ist es genauso wie mit Oliven, es ist eine Geschmackssache.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Darsteller: Michael Fassbender, Ryan Gosling, Rooney Mara, Natalie Portman, Cate Blanchett, Lykke Li, Val Kilmer

Bewertung

Bewertung3

18th Okt2017

The Prisoner (1990) | Filmkritik

von Lars B

The Prisoner

Wer Chinas Kung-Fu Superstar Jackie Chan kennt, weiß, dass er besonders in Actionkomödien zu überzeugen mag. Doch auch in dramaturgischen und seriöseren Rollen weiß der Drunken Master und Rechte Arm der Götter-Star oftmals sein Können unter Beweis zu stellen. Im düsteren Gefängnisthriller The Prisoner aus dem Jahr 1990 spielt Jackie Chan zwar nur die zweite Geige, kann sich aber auf seine Kollegen Sammo Hung (Martial Law) und Andy Lau (House of Flying Daggers) verlassen.

theprisoner_1 Doch hat das Knackie-Cop-Scharmützel trotz des zurückgeschraubten Jackie-Anteils eine Chance verdient?

Polizist Andy (Tony Leung Ka- Fai) hat alles! Einen guten Job, eine tolle Frau und großartige Karriereaussichten. Doch wie schnell kann einem alles mit einem Schlag genommen werden? Als die Unterwelt nicht wünscht, dass Andy seine Arbeit gegen das organisierte Verbrechen aufnimmt, schickt sie einen Killer. Der wird bei seinem Auftrag kurzerhand erschossen. Doch eigentlich sollte der Attentäter längst in einem Gefängnis hingerichtet worden sein. Wieso läuft er dann noch herum?

Dieses Geheimnis zu lüften macht sich der Cop zu seiner Aufgabe und lässt sich ins Gefängnis einweisen. Innerhalb der Zellen muss das Geheimnis hinter dem Attentat gelüftet werden. Doch ganz so einfach ist es nicht. Immerhin freundet sich Andy bald mit Dauerausbrecher John (Sammo Hung) und Billardprofi Steve (Jackie Chan) an.

theprisoner_2 Mit einem sadistischen Gefängnisdirektor und einem Gangsterboss, der unter den Gefangenen den größten Respekt verdient, sind neben Andys Ermittlungen noch zahlreiche andere Probleme vorprogrammiert. Dass Steve dann noch auf der Todesliste eines Gangsters steht, machen die Ermittlungen nicht gerade einfacher. Natürlich gibt es Kampfturniere im Knast, die zeigen, dass Andy und seine Knastbrüder sich zu wehren verstehen.

Wer jetzt einen Jackie Chan Film mit Jackie in der Hauptrolle erwartet, könnte von The Prisoner etwas enttäuscht sein. Hier hat Tony Leung Ka-Fai (Tai Chi Zero) die Hauptrolle für sich ergattert, auch wenn Sammo Hung mit seinen Ausbruchseskapaden für kleine Abwechslungen sorgt und ihm in Handumdrehen die Schau stiehlt. Jackie schaut nur beiläufig vorbei.

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Das muss jetzt nichts schlechtes sein, hätte das Machwerk von Regisseur Chu Yen Ping (The Treasure Hunter) nicht ständig solche Hänger in der Handlung. Viel zu lang hält man sich da mit dem Haftalltag auf, statt die Ermittlungen des Undercovercops zu beleuchten. Zwar sind die vereinzelten Kämpfe knallhart und brutal, doch kommt die Action meistens viel zu kurz. In der Schlusssequenz wird es dann auch noch sehr skurril, wenn die drei Knackis zu Auftragskillern werden. Das sieht zwar cool aus, bringt aber der Geschichte rein gar nichts.

Höhepunkt des Films ist nicht etwa Jackie Chan, der eben nur einen kleinen Teil der Handlung ausmacht, sondern Sammo Hung. Mit gewohnter Trotteligkeit mimt er den liebenswerten Typen, der eben immer nur Pech hatte und dem man auch mal einen Platz an der Sonne gönnt. Weil sein Sohn Geburtstag hat, türmt er einfach und verbringt mit dem verdutzten Filius einen schönen Tag, bis ihn die Sirenen der Ordnungshüter wieder einholen.

Mit fast schon Cartoon-haften Einfällen schafft er es dann immer wieder, die Wärter an der Nase herum zu führen.

Mehr hat der Film aber leider nichts zu bieten. Fans des Knastfilms greifen dann doch lieber zu Lock Up oder The Undisputed. Gerade in der Action und den Kämpfen hätte man eben mehr auf Jackie Chan und Sammo Hung bauen sollen. So bleibt The Prisoner ein etwas glanzloses Stück aus der filmischen Karriere Jackie Chans und Sammo Hungs. Auch der Anteil Andy Laus fällt zu dünn und unspektakulär aus.

Cast & Crew

Regie: Chu Yen Ping
Drehbuch: Fu Li, Yeh Yuen Chio
Musik: Fu Lap
Darsteller: Jackie Chan, Andy Lau, Sammo Hung, Tony Leung, Barry Wong, Jimmy Wang Yu, Ko Chun-hsiung

Bewertung

Bewertung_5

14th Okt2017

Warrior’s Gate (2016) | Filmkritik

von Lars B

Warrior's Gates

Ein jugendlicher Held, eine chinesische Prinzessin, ein schweigsamer Samurai und ein blutrünstiger Barbar – die ideale Mischung für einen Fantasyfilm. Produzent Luc Besson, der schon mit Das fünfte Element (1997) und Valerian (2017) fantastische Abenteuer produzierte, versucht sich nun mit Regisseur Matthias Hoene im chinesischen Genre.

warriorsgate_1 Dabei wird ein junger PC Spieler mitten ins Abenteuer gestürzt und muss eine hübsche Prinzessin vor den Häschern eines üblen Schurken schützen. Was kann da schiefgehen?

Alles beginnt mit Jack (Uriah Shelton). Der sympathische Durchschnittsjunge verbringt seinen Tag am PC und zockt sich durch die mittelalterliche Fantasiewelt. Das ist natürlich besser als in der realen Welt von den anderen Jugendlichen herumgeschupst zu werden. Sein Spielcharakter ist in der Onlinewelt derart berüchtigt, dass andere Spieler ehrfürchtig erschaudern, wenn Jack die Tastatur und Maus in die Hand nimmt. Als der schlaksige Junge dann durch Zufall an ein magisches Artefakt gelangt, bricht das Chaos aus!

Ein wortkarger Samurai (Mark Chao) und eine Prinzessin in Nöten, Su Lin (Ni Ni), suchen Unterschlupf im pubertierenden Kinderzimmer. Weil Jack für einen großen Krieger gehalten wird, soll er die Prinzessin vor dem üblen Eroberer Arun (Dave Bautista) retten. Für Jack eine unlösbare Aufgabe, hat er doch nur in der virtuellen Realität eine Chance gegen seine Gegner.

warriorsgate_3 Schnell wird das Haus der Mutter zu einem Schlachtfeld. Und als man die überwältigte Prinzessin wegzuschleppen droht, muss Jack hinterher. Durch ein magisches Portal gelangt der Junge schließlich in die Welt der schönen Su Lin. Jetzt kann ihm nur noch Zhao helfen. Die kaiserliche Leibwache hat jedoch keine Lust auf Babysitten und trachtet danach, seine Hoheit aus den Klauen Aruns zu befreien.

Der bemalte Riesenkrieger, verkörpert von Ex-Wrestler Dave Bautitsa möchte die junge Dame heiraten, um die Macht über das Reich zu erlangen. Und das können weder Zhao noch Jack zulassen. Doch wie macht man aus einem Muttersöhnchen einen berüchtigten Krieger?

The Warriors Gate erinnert in vielerlei Hinsicht an The Forbidden Kingdom (2008) mit Jackie Chan. Ein jugendlicher Außenseiter wird auf eine magische Reise geschickt und reift schließlich zu einem Helden heran. Eine hübsche Prinzessin mischt auch noch mit und verdreht dem Jüngling den Kopf. Leider macht es der Jackie Chan Film insgesamt um Längen besser.

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Zwar ist gerade Samurai Zhao, gespielt von Mark Chao (Eternal Love) ein lässiger und cooler Krieger, dem man gerne folgt, doch geht einem das etwas dumme Gelaber von Jack (Uriah Shelton) schnell auf die Nerven. Fist bump hier, Bro da – sind einfach zu krampfhafte Versuche, „voll der Shit“ zu sein. Hier merkt man, dass ein Mitfünfziger versucht hat, sich in einen Teenager hineinzuversetzen. Das ist total unnötig, wirkt stark aufgesetzt und peinlich.

Bösewicht Bautista (Guardians of the Galaxy) hat ebenfalls nicht gerade vom Drehbuch profitiert. Strunzdumme Handlanger, die nicht verstehen, wen sie eigentlich töten sollen und eine ungelenke Situationskomik sollen darüber hinwegtäuschen, dass der Hüne keinen Tiefgang hat. Zwar ist die Kriegsbemalung cool und die körperlichen Ausmaße des ehemaligen WWE-Champions sind beeindruckend, doch hat es seine Gründe, dass Dave Bautista, außer als Drax der Zerstörer, noch keine allzu besonders guten Charaktere spielen durfte.

So ist The Warriors Gate ein Film, der zu oft zu seicht, zu oft zu kindisch und zu oft zu lächerlich wirkt. Etwas mehr Ernsthaftigkeit und Tiefe hätte dem ganzen Film deutlich besser getan. Nur der Samurai Zhao schafft es, philosophisch und ernst zu sein und damit etwas sinnvolles beizutragen. Vermutlich sollte ein junges Zielpublikum angelockt werden, doch mit Kartoffel kochenden Hexen und Zauberern in Zaubererverkleidung lassen sich auch keine Kinder vor den Spielkonsolen hervorlocken. Da nutzt auch der Name Luc Besson nichts, der mit Arthur und die Minimoys (2006) richtige Märchen erzählen konnte.

Kein Wunder also, dass die Kritiken zu The Warriors Gate insgesamt nur mäßig ausgefallen sind. Dann gucke ich doch lieber noch mal The Forbidden Kingdom!

Trailer

Cast & Crew

Regie: Matthias Hoene
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: Mark Chao, Ni Ni, Uriah Shelton, Dave Bautista

Bewertung

Bewertung_5

09th Okt2017

Kung Fu Yoga (2017) | Filmkritik

von Lars B

Kung Fu Yoga

Er ist Chinas größter Martial Arts Export. Er spielte in über 100 Filmen mit. Er ist Stuntman, Regisseur, Kameramann, Cutter, Darsteller, Drehbuchautor, Sänger und noch vieles mehr! Jackie Chan begeistert seit Jahrzehnten Jung und Alt mit seiner charmanten Mischung aus Kampfkunst, Slapstick, Komödie und Action.

kungfuyoga_1 Mit Kung Fu Yoga versucht der sympathische Actionheld aus Fernost an alte Erfolge, wie Armour of God (1986) oder Police Story (1985), anzuknüpfen. Regisseur Stanley Tong, der mit Chan bereits in Rumble in the Bronx (1995) und Der Mythos (2005) zusammenarbeitete, schickt Jackie diesmal nach Indien, um das Geheimnis einer goldenen Statue zu lüften. Doch kann die Schatzsuche auch ähnlich begeistern wie seine Vorgänger?

Jack (Jackie Chan), ein berühmter Archäologieprofessor, arbeitet an der Rekonstruktion der weltberühmten Terrakottakrieger. Eines Tages wird er von der indischen Wissenschaftlerin Ashmita (Disha Patani) aufgesucht, um ihr bei der Suche nach dem verschollenen Schatz von Magadha zu helfen. Zusammen mit ihren Assistenten macht sich die ungleiche Truppe auf die abenteuerliche Reise nach dem verlorenen Gold.

Dass Professor Jack nicht nur alte Skulpturen zu schätzen weiß, sondern auch die Fäuste fliegen lassen kann, wird schnell klar. Immerhin ist ihnen der Bösewicht Randall (Sonu Sood) dicht auf den Fersen. Seine Handlanger machen allerdings schnell Bekanntschaft mit Jacks waghalsigen Aktionen und auch sein Kumpel und Kunstdieb Jones Lee (Aarif Rahman) hilft nicht uneigennützig beim Verteilen von Tritten.

kungfuyoga_2 Die Eröffnungssequenz wird allerdings in nicht ganz so perfekten CGI-Bildern präsentiert. In einer Schlacht mit chinesischen Kriegern und einer Horde berittener Elefanten wird erklärt, wie der Schatz Magadhas verloren ging. Warum man hier nicht, wie sonst auch, auf Schauspieler setzte, bleibt rätselhaft. Immerhin wirken gerade die Soldaten wie aus einem schlechten Videospiel.

Auch später neigt Stanley Tong dazu, viel zu oft den Computer einzusetzen. Jackies Fahrt mit dem Löwen und der spätere Kampf gegen Hyänen wirkt dank schlechter Animationen eher ungewollt komisch. Hier hätte man lieber andere Wege finden können, um für Spannung und Unterhaltung zu sorgen. Sieht man von diesen künstlerischen Schnitzern ab, gelingt es Kung Fu Yoga für knappe zwei Stunden gut zu unterhalten.

Natürlich ist Jackie Chan mit seinen 63 Jahren nicht mehr so spritzig wie zu seinen besten Zeiten. Seine Kämpfe werden zunehmend auf Slapstick reduziert und nur selten zeigt er seine Wendigkeit. Auch in den Stunts nimmt er sich mehr und mehr zurück. Das tut den Filmen jedoch keinen Abbruch. Gekonnt charmant und sympathisch zeigt Jackie, warum er auf der ganzen Welt noch immer so beliebt ist.

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Nicht unbeabsichtigt wird Kung Fu Yoga so vermarktet, als sei es der 4. Armour of God Teil, dessen letzter Film Chinese Zodiac bereits gute vier Jahre zurückliegt. Doch zählt dieses Abenteuer keineswegs zu der äußerst beliebten Filmreihe.

Trotzdem wird hier mit exotischen Schauplätzen, coolen Kämpfen und heißen Frauen alles geboten, was Man(n) sich wünscht.

Für Jackie Chan Fans und auch jene, die Spaß an einer lustigen Schatzsuche haben, ist Kung Fu Yoga definitiv zu empfehlen. Nur die Schluss-Sequenz mit dem Bollywood-typischen Tanz wirkt etwas befremdlich und löst dann doch etwas zu viel Fremdschämen aus. Den indischen Zuschauern wird es wahrscheinlich gut gefallen, sind sie es aus ihrem Kino nicht anders gewöhnt.

Wer ein tiefgreifendes Schauspielspektakel erwartet sollte seine Erwartungen jedoch zurückschrauben. Jackie Chan besticht durch Action, Stunts und Komik. So bekommt man genau das geboten, was man von einem Jackie Chan Film erwarten kann.

So ist Kung Fu Yoga ein unterhaltsamer Film, bleibt aber hinter Mission Adler und Der rechte Arm der Götter weit zurück.

Cast & Crew

Regie: Stanley Tong
Drehbuch: Stanley Tong
Musik: Nathan Wang
Darsteller: Jackie Chan, Aarif Rahman, Zhang Yixing, Sonu Sood, Miya Muqi, Disha Patani, Amyra Dastur

Bewertung

Bewertung_7

21st Aug2017

Die rote Schildkröte (2016) | Filmkritik

von Lars B

Die rote Schildkröte

Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte. Getreu diesem Motto ist Die rote Schildkröte ein Film, der zwar wortlos aber keinesfalls ohne Inhalt ist.

dieroteschildkroete_1 Ein namenloser Schiffbrüchiger strandet auf einem tropischen Eiland und sieht sich allein der Natur und den Elementen ausgesetzt. Einem Kammerspiel gleich, erlebt er nun das Abenteuer seines Lebens in einer ihm unbekannten Welt. Dabei werden Zuschauer sicher nicht zufällig an Robinson Crusoe oder Cast Away (2000) erinnert. Ob die Odyssee eines Schiffbrüchigen, ohne Tiger, tatsächlich seine 80 Minuten dauerhaft unterhalten kann?

Alles beginnt mit der stürmischen See, die bereits seit Menschengedenken der Quell zahlloser Abenteuer und Leiden ist. Mit einer Nussschale gegen die Gewalten des Ozeans anzukämpfen ist dann doch zu viel für den armen Mann und er landet schließlich als menschliches Treibgut an einem fremden Strand.

Jedoch ist die paradiesische Idylle nichts für den jungen Mann und er plant sogleich seine Flucht von der schönen Insel. Schnell sind aus Bambusstangen und ein paar Lianen ein schnittiges Floß gezimmert, welches immerhin größer als sein altes Bötchen ist. Doch kaum geht die Jungfernfahrt ins azurblaue Meer los, wird das Wasserfahrzeug in alle Teile zerschlagen. Wer oder was dahinter steckt, bleibt bislang unbekannt. Also stapft unser Protagonist, sichtlich angefressen, zurück und baut Floß Nummer 2. Immerhin hat er nicht aufgegeben.

dieroteschildkroete_2 Natürlich hat dieser und andere Versuche das genau selbe Ergebnis. Das Floß zerfällt, und man ist zurück am Strand. Als wolle eine geheimnisvolle Kraft den unfreiwilligen Besucher nicht gehen lassen. Nach einiger Zeit ist der Urheber der Floßattacken ausgemacht: eine rote Schildkröte.

Diese treibt wie ein Koloss friedlich im Meer und scheint nur einen Argwohn gegen Flöße zu haben, nicht aber gegen den Mann. Damit das riesige Geschöpf nicht auch die nächste Flucht verhindern kann, beschließt der Mann, typisch menschlich, den Saboteur zu vernichten. Mit einem Stockhieb ist das Geschöpf erledigt und wird zum Sterben auf den Panzer gedreht. Doch kaum ist die blutige Tat vollbracht, plagen den Gestrandeten Gewissensbisse. Schließlich versucht er sogar das Leben des friedlichen Reptils zu retten, doch vergebens.

Doch was dann passiert, kann natürlich nur in einem Ghibli-Film passieren: aus den toten Resten der Schildkröte schält sich ein hübsches Mädchen. Selbstverständlich fühlt sich der Mann sofort zu dieser attraktiven Fremden hingezogen. Man lernt sich kennen und lieben und gründet bald darauf eine kleine Familie. Aus den Versuchen, das Paradies zu verlassen, wird nun der Wunsch, für immer zu bleiben.

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Das hier nicht ein einziges Wort fällt, ist angesichts der sonstigen filmischen Plapperei eine herrliche und beruhigende Abwechslung. Regisseur Michael Dudok de Witt benutzt ganz einfach andere Mittel, um Inhalt und Emotionen begreiflich zu machen. Musik, Licht, Stimmung und Gesten reichen in ihrer Vielzahl aus, um stets zu verstehen, was für einen Konflikt der Gestrandete durchmacht und wie er durch seine Fehlschläge frustriert wird.

Dabei zeigt sich die Insel stets in der passenden Stimmung. Der grüne, stille Bambuswald; der helle Strand mit dem seichten Meeresrauschen sind nur einige von den stimmigen Kulissen, die einem derart greifbar vorkommen, dass man den Sand unter den nackten Füßen fast schon spüren kann. Und besonders bei der dichten Atmosphäre kommt das ganze Können der Zeichner zum Vorschein, die es schaffen, einen mitten in die lebendige Kulisse zu katapultieren. Dabei vergisst man schnell, dass alles nur Striche und Schraffuren sind.

Kein Wunder, dass zu Recherchezwecken Regisseur de Witt einen Urlaub auf einer Insel machte und dabei jedes noch so kleine Detail aufnahm. Denn gerade die kleinen Details, wie die kleinen Krabben, beleben die Insel und geben ihr eine unvergleichliche Persönlichkeit. Das Wunder und die Schönheit unserer Natur wird hier bestens zur Schau gestellt und so verfliegen die Minuten dieses Films genau so schnell, wie ein echter Urlaub.

Wer bereits Erfahrungen mit dem japanischen Animationshaus Ghibli (Prinzessin Mononoke) gemacht hat, kann sich mit Die rote Schildkröte auf ein handwerklich einwandfreies Machwerk freuen, dass einem ebenfalls ans Herz wachsen wird. Dass hier kein einziges Wort gesprochen wird, heißt eben nicht, dass man hier nichts erzählt bekommt. Ganz im Gegenteil.

Cast & Crew

Regie: Michael Dudok de Wit
Drehbuch: Michael Dudok de Wit
Musik: Laurent Perez del Mar

Bewertung

Bewertung_8

11th Aug2017

Headshot (2016) | Filmkritik

von Lars B

Headshot

Action made in Indonesien? Seit The Raid ist das gar nicht mehr so verrückt. Katapultierte der knallharte Streifen um ein besetztes Gangsterhochhaus doch Hauptdarsteller Iko Uwais über Nacht zum modernen Actionhelden. In Headshot darf der sportliche und jungenhafte Uwais (The Raid 2) einmal mehr zeigen, wie er sich mit seinen Fäusten zu wehren weiß. Doch reicht ein bekanntes Gesicht aus, um einen Tophit zu produzieren?

headshot_1 In Headshot beginnt alles mit dem Gefängnisausbruch des Gangsterbosses Lee (Sunny Pang), der hinter unzähligen Kindesentführungen steckt. Mit blutiger Methodik entzieht sich der skrupellose Verbrecher der Justiz und taucht unter.

Gleichzeitig wird ein namenloser Unbekannter (Iko Uwais) an den Strand gespült. Er hat eine Kugel im Kopf und wacht später im Krankenhaus ohne Erinnerungen auf. Die hübsche Ärztin Ailin (Chelsea Islan) tauft den Namenlosen Ishmael, ganz nach dem Buch Moby Dick, welches sie in ihrer Freizeit so gern liest.

Doch schnell tauchen böse Jungs auf und überall, wo Ishmael hingeht, fließt Blut und fliegen Bleikugeln durch die Tropenhitze Indonesiens. Während sich Ärztin und Patient näherkommen, nimmt auch der Gangster Lee seine Fährte auf und versucht Ishmael daran zu hindern, sich zu erinnern.

headshot_2 Mit steigenden Todesfällen und reichlich Sachschaden setzt auch das Erinnerungsvermögen des Patienten Stück für Stück ein. War er eines von den entführten Kindern, welche von Lee zu Killern ausgebildet wurden? Was wurde aus den anderen Jungen und Mädchen?

Das Regieduo, welches sich „Mo-Brothers“ nennt, darf sich für diesen Actionstreifen verantwortlich zeichnen und liefert, bedenkt man, dass dies ihr Actiondebüt ist, solide Arbeit ab. Unter Palmen und mit reichlich Krach wurde ein gut choreographierter Action-Thriller abgeliefert, welcher Hauptdarsteller Iko Uweis auf den athletischen Kickboxerleib geschneidert wurde. Mal nett, mal tödlich, durchläuft Ishmael eine Achterbahnfahrt auf dem Weg zur Wahrheit. Zwar wirkt das Amnesie-Klischee und die Romanze mit der Ärztin an den Haaren herbeigezogen, tut aber gerade für Actionpuristen keinen Abbruch.

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Besonders die Auseinandersetzungen mit den Ex-Killerkindern sind sehr gut inszeniert und zeigen, dass jeder Gegner seinen eigenen Kampfstil hat. Sei es Rika (Julie Estelle) mit ihrem Messerkampf am Strand oder der irre schnelle Besi (Very Tri Yulisman) mit seinem Teleskopstab – jeder Kampf hat etwas besonderes in der Choreographie und dem Setting an sich, was ihn einzigartig macht. Es erinnert schon fast an die bekannten Beat-’em-up-Videospiele Street Fighter oder Tekken.

So spiegelt jedes Duell die Persönlichkeit des Gegners wieder. Wenn Ismael sich weigert einen Widersacher zu töten, spürt man den Widerspruch zwischen vertrauter Umgebung und Bedrohung, wenn sich der traumhafte Strand allmählich mit Blut einfärbt. Und auch das Aufeinandertreffen mit Besi verwandelt einen idyllischen und ruhigen Wald in eine beengende Todeszone.

So steigert sich Headshot zunehmend zum echten Adrenalintrip mit waghalsigen Stunts und cooler Action und wird trotz oft kopierter Filmklischees nicht eintönig oder langweilig. Wer die Raid-Filme schon gut gefunden hat und auf brachiale, schnörkellose Kämpfe steht, wird hier auf jeden Fall auf seine Kosten kommen!

Wie es für Actiondarsteller allerdings üblich ist, sollte man kein oscarverdächtiges Schauspielhandwerk erwarten, da der Fokus eindeutig auf den harten Auseinandersetzungen mit Faust und Waffe liegt. Wer damit kein Problem hat, der kann sich zurücklehnen, den Verstand auf Sparflamme stellen und sich wunderbar unterhalten lassen.

Cast & Crew

Regie: Kimo Stamboel, Timo Tjahjanto
Drehbuch: Timo Tjahjanto
Musik: Aria Prayogi, Fajar Yuskemal
Darsteller: Iko Uwais, Chelsea Islan, Sunny Pang, Julie Estelle, Very Tri Yulisman, David Hendrawan, Zack Lee

Bewertung

Bewertung7