Howard the Duck ist ein Kind seiner Zeit – und ein Film, der heute vermutlich kaum noch auf diese Weise entstehen würde.
Eine Ente für fast 40 Millionen Dollar
Die Marvel-Adaption aus dem Jahr 1986 bekam für damalige Verhältnisse ein gewaltiges Budget. Je nach Quelle werden rund 35 bis 37 Millionen US-Dollar genannt.
Zum Vergleich: Top Gun war 1986 der erfolgreichste Film des Jahres und spielte weltweit mehr als 177 Millionen Dollar ein. Die Reise ins Labyrinth kam auf ein deutlich kleineres Budget und war ebenfalls ein wesentlich größerer Publikumserfolg. Howard the Duck hingegen spielte weltweit lediglich knapp 38 Millionen Dollar ein.
Schon diese Zahlen zeigen, was für ein kurioses Projekt hier auf die Beine gestellt wurde. Denn wer heute zum ersten Mal Howard the Duck sieht, würde vermutlich nicht unbedingt vermuten, dass hier ein damaliger Big-Budget-Film vorliegt.
Howard ist eine Ente von einem fernen Planeten, die schicke Klamotten trägt, gerne ins Kino geht und den Playduck liest – oder sich eher die hübschen Bilder anschaut. Durch einen verirrten Energiesog eines Experiments von Dr. Jenning wird er jedoch plötzlich von seiner Heimat auf die Erde katapultiert.
Die Ente landet auf der Erde
Dort muss sich der Enterich zunächst mit den haarlosen Affen auseinandersetzen, wie er die Menschen wenig schmeichelhaft bezeichnet. In einer völlig fremden Welt landet er ausgerechnet bei der Sängerin Beverly, mit der er schon bald in ein ziemlich absurdes Abenteuer rund um außerirdische Mächte, Wissenschaft und die Rettung der Erde stolpert.
Das Grundkonzept ist bereits herrlich bescheuert: Ein sprechender Enterich landet auf der Erde, beherrscht Quack-Fu, raucht Zigarren, trinkt Bier und entwickelt ausgerechnet für die menschliche Frauenwelt eine gewisse Faszination. Viel mehr 80er-Jahre geht eigentlich kaum.
Howard the Duck lebt von seiner Absurdität. Der Film nimmt seine Prämisse zwar erstaunlich ernst, stolpert dabei aber immer wieder in Szenen, die man heute kaum glauben kann. Howard muss sich beispielsweise in einem Erotikgeschäft aushelfen, da das Arbeitsamt dies für die beste Entscheidung hält.
Zwischen Quak-Fu und Entenromanze
Noch kurioser wird es, wenn Howard und seine menschliche Freundin Beverly über ihre Beziehung und die Liebe philosophieren. Die Vorstellung einer möglichen Romanze zwischen Mensch und Ente ist schon ungewöhnlich genug. Dass der Film diese Idee aber tatsächlich ernsthaft verfolgt, macht ihn zu einem ziemlich einzigartigen Relikt.
Überhaupt überrascht es fast, dass nicht noch mehr Entenwitze und entsprechende Vergleiche in den Dialogen gelandet sind. Ein paar mehr Quak-Fu-Momente hätten dem Ganzen vermutlich sogar gutgetan.
Ein Film, der seinen eigenen Wahnsinn liebt
Das Schauspiel passt sich der absurden Grundstimmung hervorragend an. Lea Thompson und Tim Robbins spielen ihre Rollen angenehm überdreht, ohne den Film völlig aus den Augen zu verlieren. Besonders interessant ist Tim Robbins (Die Verurteilten), der hier fast noch am Anfang seiner großen Karriere steht und heute kaum noch mit diesem kuriosen Frühwerk in Verbindung gebracht wird.
Auch Howard selbst funktioniert erstaunlich gut. Das Entenkostüm wirkt natürlich aus heutiger Sicht herrlich skurril, doch gerade die Animatronics können sich teilweise noch sehen lassen. Vor allem die Bewegungen des Schnabels funktionieren überraschend gut und verleihen Howard eine gewisse Lebendigkeit.
Dabei besitzt die Figur tatsächlich Charisma. Trotz des albernen Aussehens funktioniert Howard als Fremder in einer unbekannten Welt erstaunlich gut. Er ist genervt, selbstbewusst, manchmal arrogant und gleichzeitig sympathisch genug, dass man ihm gerne durch dieses Chaos folgt.
Das vielleicht Faszinierendste an Howard the Duck ist die Diskrepanz zwischen Aufwand und Ergebnis. Der Film sieht nicht wie ein klassischer Blockbuster aus, obwohl entsprechend viel Geld hineingepumpt wurde. Stattdessen wirkt vieles wie ein überdimensioniertes Trash-Abenteuer.
80er-Jahre-Blockbuster trifft Trashfilm
Und trotzdem gibt es durchaus beeindruckende Momente. Die Flugsequenzen erinnern daran, dass hier tatsächlich ein großes Hollywood-Abenteuer entstehen sollte. Die fantasievollen Wesen und Spezialeffekte lassen wiederum an Filme wie Labyrinth denken.
Der entscheidende Unterschied: Howard the Duck konnte den Aufwand an den Kinokassen nicht annähernd rechtfertigen. Mit knapp 38 Millionen Dollar weltweitem Einspiel blieb der Film weit hinter den Erwartungen zurück.
Heute ist aus dem einstigen Flop längst ein Kultfilm geworden. Und das nicht völlig zu Unrecht. Denn so etwas würde ein großes Studio vermutlich heute kaum noch produzieren. Ein sprechender Marvel-Enterich, eine menschliche Liebesgeschichte, Kung-Fu, außerirdische Bedrohungen, Erotikladen, Rockmusik und ein ordentlich durchgeknalltes Finale – all das wird hier einfach in einen Film geworfen.
Eine Ente mit Kultpotenzial
Perfekt ist Howard the Duck natürlich nicht. Dafür ist das Drehbuch zu durchwachsen und manche Ideen funktionieren deutlich besser als andere. Gerade die Mischung aus Science-Fiction, Comedy, Romanze und Comicverfilmung wirkt stellenweise völlig ziellos.
Aber vielleicht liegt genau darin heute der Reiz. Howard the Duck ist ein Film, der sich nicht mehr ganz ernst nehmen lässt und gerade deshalb Spaß machen kann. Er ist kurios, albern, teilweise erstaunlich anzüglich und gleichzeitig ein faszinierendes Stück 80er-Jahre-Kinogeschichte. Für eingefleischte Marvel-Fans, 80er-Nostalgiker und Liebhaber ungewöhnlicher Filmkuriositäten lohnt sich die Reise auf jeden Fall. Für alle anderen bleibt die Frage: Wie konnte man eigentlich fast 40 Millionen Dollar für einen Film mit einer Ente ausgeben?
Das Steelbook
Das neue Steelbook bekommt von mir dagegen die volle Punktzahl. 10/10. Gerade bei einem Film wie Howard the Duck, der mittlerweile einen gewissen Kultstatus besitzt, macht eine hochwertige Sammleredition im Comic-Look einfach Sinn. Die Kombination aus dem auffälligen Motiv und der ikonischen Ente macht sich hervorragend im Regal und passt wunderbar zu einer Sammlung ungewöhnlicher 80er-Jahre-Kultfilme.
Während der Film selbst sicherlich Geschmackssache bleibt, ist das Steelbook für Fans des Films ein echtes Schmuckstück. Wer Howard the Duck bereits als kurioses Stück Marvel-Geschichte ins Herz geschlossen hat, bekommt hier eine deutlich passendere Verpackung für diesen außergewöhnlichen Film.

Bildrechte: PLAION PICTURES
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