10th Mrz2019

Das schönste Mädchen der Welt (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Das schönste Mädchen der Welt Filmkritik

Der 17-jährige Cyril (Aaron Hilmer) ist in seiner Klasse ein Außenseiter, da er wegen seiner großen Nase von seinen Mitschülern gehänselt wird. Abends hingegen rappt er auf sogenannten Battle-Rap-Veranstaltungen, wo sich zwei Rapper gegenüberstehen und sich mit Reimketten verbal duellieren.

dasschoenstemaedchenderwelt_1 Seine musikalische Begabung möchte er jedoch versteckt halten, weshalb er nur mit einer schwarz-goldenen Maske und unter dem Namen Der Maskenmann auftritt. Als er während einer Klassenfahrt Roxy (Luna Wedler) kennenlernt, kommt es zu einem Missverständnis. In Berlin sieht sie ihn maskiert auf der Bühne rappen und verliebt sich in ihn.

Später trifft sie jedoch auf Cyrils Mitschüler Rick (Damian Hardung) der die Maske trägt, sodass sie sich in den falschen verliebt. Hinter dieser klassischen Verwechslung scheint jedoch mehr zu stecken, als gedacht.

Das schönste Mädchen der Welt ist eine deutsche Komödie aus dem Jahre 2018. Die Regie übernahm Aron Lehmann und das Drehbuch wurde von Judy Horney und Lars Kraume verfasst. Dieser Film ist dahingehend anders, da er untypisch für einen deutschen Film eine gute Mischung aus Romantik und Comedy herstellt.

Das schönste Mädchen der Welt Filmkritik Die beiden Hauptfiguren Roxy und Cyril dominieren diesen Film und unter den beiden Schauspielern entsteht eine ausgezeichnete Chemie. Die extrovertierte Roxy trifft auf den introvertierten Cyril und beide verstehen sich von Anfang an. Allerdings kommt es zu einer Verwechslung, sodass ihre Beziehung zueinander unterbrochen wird.

Auf seinen abendlichen Auftritten kann Cyril jedoch über seinen Schatten springen und seine Kraft zum Ausdruck bringen. Dieses Szenario ist angenehm und schön anzusehen, da beiden Hauptfiguren sympathisch sind und gut zusammen funktionieren. Es wäre langsam an der Zeit, dass kleine Filmprojekte wie diese in Deutschland zunehmen, um auch jungen Deutschen zu zeigen, dass Filme mehr sein können als jede flache Schweiger-Schweighöfer Rom-Com.

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Aus dieser Sicht ist es auch befreiend einen deutschen Film mit Herz und Gefühl zu sehen, da Emotionen hier in der Vergangenheit fehl am Platz waren. Schauspielerisch wird das Ensemble von Nachwuchsdarstellern angeführt, von einem stark aufspielenden Aaron Hilmer, der authentisch und glaubwürdig ist. Seine emotionale Bandbreite gibt dem Film die benötigte Tiefe.

Luna Wedler überzeugt ebenfalls als weibliche Hauptrolle. Ihre schauspielerische Leistung ist gelungen, da sie kraftvoll und ausdrucksstark als Roxy auf der Leinwand zu sehen ist. Sie ist glaubhaft und unterhaltsam in ihrer Rolle. Des Weiteren sind die Hip-Hop-Szenen sehr unterhaltsam, da sie außer bei biografischen Hip Hop-Filmen in Deutschland kaum so locker und authentisch im deutschen Kino zu sehen waren. Die Texte sind überzeugen und auch die Atmosphäre auf den Rap-Veranstaltungen kommt gut zum Ausdruck.

Kritisch zu betrachten sind hingegen einige Dialoge, die unglaubwürdig und künstlich zugleich wirken. An diesen Stellen ist spürbar aus welchem Land dieser Film stammt. Diese Gespräche würden in dieser Art und Weise wohl nicht von zwei 17-Jährigen geführt werden, da sie viel zu sehr nach einem Drehbuch klingen, welches geschrieben wurde, um jedem zu zeigen, was genau gemeint war.

Diese unnötige Ausformulierung von offensichtlichen Emotionen der Figuren sorgt für leichte Abzüge im Fazit. Ansonsten ist besonders der Schluss gelungen, der für fünf Minuten pures Gefühlskino sorgt und den Zuschauer zurück in den Sitz fallen lässt. Insgesamt ist Das schönste Mädchen der Welt ein schöner deutscher Film, der durch sympathische Figuren und eine tolle Liebesgeschichte zu empfehlen ist.

Bewertung

Bewertung_7

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Informationen
Das schönste Mädchen der Welt (2018)
102 min|Comedy, Music, Romance|06 Sep 2018
7.0IMDB-Wertung: 7.0 / 10 von 327 Nutzern
Roxy (Luna Wedler) ist neu in der Klasse und verdreht gleich allen Jungs den Kopf. Die schlagfertige 17-Jährige ist gerade von ihrer alten Schule geflogen und hat null Bock auf die anstehende Klassenfahrt nach Berlin. Im Bus freundet sie sich mit dem sensiblen Außenseiter Cyril (Aaron Hilmer) an, der sie mit seinem Wortwitz überrascht...
08th Feb2019

Shimmer Lake (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Shimmer Lake

Zeke Sikes (Benjamin Walker) ist Sheriff in einer Kleinstadt und wurde vor einigen Tagen im Zuge eines Banküberfalls angeschossen. Seitdem ermittelt er zusammen mit seinem Deputy Reed Ethington (Adam Pally) und erhalten außerdem Unterstützung von dem FBI, da es sich bei dem Überfall um eine staatlich versicherte Bank handelte.

shimmerlake_1 Alle Spuren deuten auf Zekes Bruder Andy (Rainn Wilson) hin, der bei den Bürgern in der Kleinstadt bereits als Kleinganove bekannt ist. Genau hier setzt die Handlung ein und erzählt die Geschehnisse rückwärts bis zur eigentlichen Tat.

Shimmer Lake ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2017 und wurde unter anderem von vom Streaming-Anbieter Netflix produziert. Die Regie und das Drehbuch übernahm Oren Uziel, der zuvor als Drehbuchautor für die Komödie 22 Jump Street tätig war. Der Film ist eine der Netflix-Eigenproduktionen, die bisher die meisten Zuschauer überzeugen konnte.

Das Erzähltempo ist anfangs eher ruhig und das Leben in der amerikanischen Kleinstadt wird anhand mehrerer kleiner Szenen mit unterschiedlichen Figuren veranschaulicht. Die Handlung startet etwas minimalistisch und stellenweise sehr geringfügig. Nachdem die ersten Tage erzählt werden und die scheinbar einfache Handlung nun doch komplexer wird, nimmt der nur 82-minütige Debütfilm von Uziel richtig Fahrt auf.

Der Zuschauer ist hier deutlich mehr gefordert, als es in den letzten Jahren Hollywoods üblich gewesen ist. Die Figuren werden zwar etwas zu kurz gezeichnet, jedoch in keinster Weise unglaubwürdig.

shimmerlake_2 Hier wäre es eventuell besser gewesen den Nebenfiguren etwas mehr Spielzeit zu geben, um ihre charakterlichen Züge deutlicher auszuschmücken. Andererseits würde durch eine fortschreitende Figurenzeichnung von Nebencharakteren auch der eigentliche Erzählfluss der Handlung etwas abhanden kommen.

Der gesamte Cast an Schauspielern, allen voran Hauptdarsteller Benjamin Walker und der aus 22 Jump Street oder Everybody Wants Some bekannte Wyatt Russell, der aus seinen wenigen Szenen das Optimum herausholt, überzeugt.

Es ist eine Mischung aus Kriminalfilm, Komödie und Heist-Movie, welches seine Anleihen klar bei den Coen-Brüdern und Tarantino hat. Regisseur Uziel benutzt zwar Elemente namhafter Regisseure und Drehbuchautoren, jedoch erzählt er seine eigene Geschichte mit eigener Handschrift und durchaus innovativ. Sein Drehbuch ist kreativ und mit Szenen, die blutig und komisch zugleich sind, vielseitig.

shimmerlake_3 Es ist einfach sehr entspannend und bestätigend zugleich, eine Hommage an die früheren Filme der Hollywood-Legenden anzusehen und außerdem das Werk eines scheinbar neuen Spielers in der Stadt der Engel bewundern zu dürfen. Die inszenatorischen Mittel werden so zielgerichtet ausgenutzt, dass die einfache Geschichte eine möglichst große Entfaltung bekommt.

Des Weiteren ist es angenehm einen kleinen Film anzusehen, der sich strikt und klar strukturiert einem bestimmten Ereignis, dem Banküberfall, in einer kleinen Stadt widmet.

Diese minimalistische Haltung des Regisseurs hat als Nebeneffekt zwar so seine Längen, da streckenweise nicht viel passiert, aber dennoch wird die Spannung mit fortschreitender Laufzeit des Films immer weiter aufgebaut. Dieses Stilmittel ist zwar eher altmodisch, da zu Zeiten der Marvel-Blockbuster ein scheinbar erfolgreiches Rezept entwickelt wurde, wonach der Ablauf von Filmen standardisiert wurde.

Mit zunehmender Annäherung an den besagten Tag des Banküberfalls werden die Tagesepisoden stärker und intensiver, sodass sich der Zuschauer mehr und mehr Gedanken über die wahren Hintergründe der Tat machen muss.

Insgesamt ist Shimmer Lake ein kleiner Geheimtipp aus dem Hause Netflix, der besonders sympathisch und geschickt seine eigene Geschichte wiedergibt, ohne sich bei bekannten Filmmustern zu bedienen. Für Fans von den Coen-Brüdern und Tarantino ist dieser Film ein absolutes Muss.

Bewertung

Bewertung_7

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Informationen
Shimmer Lake (2017)
83 min|Crime, Drama, Mystery, Thriller|09 Jun 2017
6.2IMDB-Wertung: 6.2 / 10 von 8,244 Nutzern
Die drei Ganoven Andy Sikes, Chris Morrow und Ed Burton rauben eine Bank aus. Doch ihr Plan geht furchtbar schief und das Vorhaben endet in einem Desaster. Nun liegt es an Sheriff Zeke Sikes, das gesamte Geschehen zu rekonstruieren und den Fall endgültig aufzuklären. Er ist persönlich mit dem Verbrechen verbunden, denn einer der Hauptverdächtigen – Andy – ist sein Bruder...
03rd Jan2019

Feinde – Hostiles (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Hostiles

Mehrere Indianer stürmen das Anwesen von Familie Quaid, töten den Besitzer und alle Kinder. Rosalee Quaid (Rosamunde Pike) kann als einziges Familienmitglied dem Massaker entkommen und sich in einem nahegelegenen Wald verstecken.

hostiles_1 An anderer Stelle wird Captain Joe Blocker (Christian Bale) damit beauftragt, den inhaftierten Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) zurück in seine Heimat Montana zu begleiten, da er schwer krank und scheinbar nicht mehr viel Zeit zu leben hat. Den Auftrag lehnt der Captain jedoch zunächst ab, da er sowieso bald in den Ruhestand gehen wird. Allerdings wird ihm mitgeteilt, dass er den Auftrag erledigen muss, um seine Rente zu kassieren.

Getrieben von Trauer, Furcht und Missachtung reitet Captain Blocker mit seiner Truppe und einigen Cheyenne-Mitgliedern in den Norden. Yellow Hawk weiß, dass er mit einem Mann reist, der viele seiner Stammesmitglieder getötet hat und Blocker ist sich im Gegenzug ebenfalls bewusst, dass auch Yellow Hawk viele seiner Freunde und Kameraden auf dem Gewissen hat.

Mit gegenseitigem Misstrauen reiten sie an dem verbrannten Haus der Familie Quaid vorbei, wo Rosalee ihren toten Säugling in den Armen hält. Kurzerhand nehmen nehmen sie sie auf und reisen weiter. Doch die Gefahren für die ungleiche Gruppe lauern an jeder Abzweigung auf ihrem gefährlichen Ritt gen Norden.

Feinde – Hostiles ist ein US-amerikanischer Neo-Western aus dem Jahre 2017. Scott Cooper entwickelte gemeinsam mit Donald Stewart das Drehbuch zum Film und führte ebenfalls die Regie. Zuvor inszenierte er die Filme Black Mass (2015), Auge um Auge (2013) und Crazy Heart (2009). Nach Auge um Auge ist sein neuester Film die zweite Zusammenarbeit mit Oscar-Preisträger Christian Bale.

hostiles_2 Die Thematik des Films ist ebenso bekannt wie auch klassisch für eine Geschichte aus dem Wilden Westen. Allerdings setzt Regisseur Cooper auf eine abgewandelte und zutiefst emotionale Herangehensweise. Zu Beginn des Westerns werden der Captain und Yellow Hawk gemeinsam auf eine Reise geschickt, die von absoluter Verachtung geprägt ist. Unmittelbar nachdem der Ritt zum Tal der Bären (Montana) beginnt, lässt Blocker den Cheyenne-Häuptling in Ketten legen. Ohne Respekt für den jeweils anderen geht es auf die gefährliche Reise.

Die Reise könnte symbolisch für eine menschliche Annäherung zwischen Indianern und Amerikanern stehen, jedoch wäre dieser Ansatz zu einfach. Die Positionen Häuptling und Captain sind derart weit auseinander, sodass eine Freundschaft nicht entstehen kann. Sie sind die gegenseitigen Feinde. In über zwei Stunden wird allerdings geschickt eine menschliche Verbindung geschaffen, die berührend und traurig zugleich ist. Die Ruhe und die atemberaubende Schönheit des Westens sorgen dabei für eine geeignete Basis.

Die grausame Geschichte zwischen zwei Schlächtern ist derart schön inszeniert, dass der Kontrast zwischen Stille und dem Ausbruch von Gewalt den Zuschauer überaus überraschend packt. Die depressive Stimmung, die zudem durch die Herzlosigkeit der Protagonisten erzeugt wird, passt hervorragend in die Geschichte. Des Weiteren ist die Bildgewalt ideal für eine gute Atmosphäre und imponiert, wirkt allerdings während einigen Abschnitten des Films auch leicht überzogen.

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Diese atmosphärische, emotionale Grundhaltung wird stark fokussiert und ist deshalb etwas schwer anzusehen. An dieser Stelle ist jedoch die Machart von Regisseur Cooper zu erwähnen, die meistens etwas zu viele Längen beinhaltet. Trotzdem sind die Längen und die wunderbare Stille ein typisches Element eines Westerns und dahingehend sympathisch, da der Trend von aktuellen Kinofilmen eher zu schnellen Schnitten und wenig emotionaler Tiefe hingeht. Auch ist die schauspielerische Leistung von dem gesamten Cast fantastisch und besonders hervorzuheben.

Angeführt von einem zurückhaltend spielenden Christian Bale, der durch viele ruhige Momente eine Nominierung für renommierte Filmpreise verdient gehabt hätte, zeigen alle Schauspieler eine ansehnliche Leistung. Bale hat es gar nicht erst nötig laut zu werden, da er allein schon in seinem Gesichtsausdruck so viel Tiefe und Emotionen verankert. Die Mimik eines alten Armee-Soldaten, der depressiv und verdorben zugleich ist, wird wunderbar aufgegriffen. Seine Präsenz gehört zu den Highlights dieses Western.

Neben ihm überzeugt auch Rosamunde Pike als weibliche Hautrolle. Sie ist durch den Verlust ihrer Familie in einer ähnlichen Stimmung, jedoch hat sie genügend Mut, um mit der Armee zu reisen. Sie ist emotional und glaubwürdig in ihren Aktionen. Neben den beiden überzeugt auch Wes Studi als Yellow Hawk. Er bleibt ähnlich wie Bale ruhig, kann jedoch zusätzlich eine Furcht ausstrahlen. Alle drei agieren passend zusammen.

Die musikalische Untermalung von Max Richter ist ein weiterer Pluspunkt des Films. Mit passenden Tönen trifft er immer die Stimmung des Films. Des Weiteren ist der Western ein Stück amerikanischer Geschichte, da er viele Themen wie Indianer, Grausamkeiten und Besitz von Grundstück thematisiert. Insgesamt ist Feinde – Hostiles ein visuell hervorragender Neo-Western, der durch einen bestens aufgelegten Christian Bale eine emotionale Geschichte aus der guten alten Zeit des Wilden Westens erzählt.

Bewertung

Bewertung_8

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Feinde - Hostiles (2017)
134 min|Adventure, Drama, Western|26 Jan 2018
7.2IMDB-Wertung: 7.2 / 10 von 50,153 Nutzern
New Mexico, 1892: Der verdiente Offizier Joseph Blocker erhält den Auftrag, den kranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk der die vergangenen sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, in dessen Stammesland nach Montana zu begleiten. Der letzte Wunsch des als unerbittlich bekannten Indianers ist es, zu Hause zu sterben...
12th Dez2018

The Ballad of Buster Scruggs (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

The Ballad of Buster Scruggs

In The Ballad of Buster Scruggs erzählen, die für ihren schwarzen Humor bekannten Regisseure Ethan und Joel Coen, sechs voneinander unabhängige Episoden aus dem Wilden Westen. In der ersten Geschichte beeindruckt der Revolverheld Buster Scruggs (Tim Blake Nelson) mit seiner engelsgleichen Stimme und seinen unübertroffenen Schießkünsten, das Publikum und durchbricht dabei in bester Deadpool Manier immer wieder die vierte Wand.

the_ballad_of_buster_scruggs_1 In einem Saloon bittet der in weiß gekleidete und magere Scruggs um ein Glas Whiskey. Doch der Barkeeper schenkt nur an Gesetzlose aus und verwehrt ihm daher diesen simplen Wunsch. Kurzerhand zückt Buster seinen Schießkolben und erledigt sich kurzerhand aller Anwesenden inklusive Barkeeper. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen zieht er anschließend weiter in die nächste Stadt. Ihm ist nicht bewusst, dass er mit seiner schießwütigen Art auch einen gewisse Ruf verbreitet, welcher ganz andere Kaliber an Männern anzieht.

In der zweiten Geschichte versucht ein junger Cowboy (James Franco) eine abgelegene Bank auszurauben, hat dabei jedoch die Rechnung ohne den greisen Bankier gemacht, der sich gekonnt zu verteidigen weiß. Auch in den weiteren vier Episoden wird der Wilde Westen humorvoll und in all seinen Facetten vorgestellt. Es erwarten den Zuschauer viele aufregende, traurige und abenteuerliche Kurzgeschichten.

The Ballad of Buster Scruggs ist ein weiterer Western der Coen-Brüder. Nach dem Oscar-prämierten No Country for Old Men (2007) und dem mit 10 Oscars-nominierten True Grit (2010) ist The Ballad of Buster Scruggs der mittlerweile dritte Western des Regie-Duos. Seit seiner ersten Aufführung Ende August bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2018, ist der Film nun auch im Programm der Streaming-Plattform Netflix aufzufinden.

the_ballad_of_buster_scruggs_2 Im Gegensatz zu ihren bisherigen Western folgt The Ballad of Buster Scruggs allerdings vielen unterschiedlichen Figuren aus dem Wilden Westen und könnte fast als Mini-Serie mit abgeschlossenen Einzelfolgen bezeichnet werden. Wie gewohnt steuerten die Coens neben der Regie auch das Drehbuch zum Film bei und überzeugen abermals mit ihrem ausgefeilten Sinn für schwarzen Humor.

Geschickt sorgen die sechs einzelnen Episoden des Films für gekonnte Abwechslung und erzählen originelle sowie ausgefallene Geschichten. Allerdings ist das ungewohnte Format und der komplette Verzicht auf eine begleitende Hauptfigur bestimmt für einige Zuschauer eine riskante Einstiegshürde. Auch die einzelnen Geschichten unterscheiden sich sehr stark in ihrer Qualität und ihrem Unterhaltungsfaktor. Ebenso variieren die Episoden in ihren Laufzeit.

Alle 15-30 Minuten muss der Zuschauer Konzentration aufbringen und sich neuen Figuren gegenüber offen zeigen. Diesen vielleicht kritischen Voraussetzungen zum Trotz lösen die Coen-Brüder ihre Aufgabe mustergültig, da sie ihrem schwarzhumorigen Stil stets treu bleiben und, wie bereits erwähnt, fantastische und ideenreich Geschichten aus dem Wilden Westen erzählen. Mit wunderbaren Bildern von Kameramann Bruno Delbonnel, der bereits fünfmal für einen Oscar nominiert wurde, wird zudem jede Szene und jede Landschaftsaufnahme imponierend eingefangen.

the_ballad_of_buster_scruggs_3 Viele kleine Details, wie die blühende Natur, die Artenvielfalt der Tiere, sowie die Grausamkeit der Menschen, ergeben zusammen einen wahren Bilderbuch-Western. Außerdem überzeugen die Schauspieler, trotz ihrer teils nur sehr kurzen Momente, durchweg und erzeugen die für jede Erzählung erforderliche Tiefe. Allen voran Tim Blake Nelson als Buster Scruggs, James Franco als junger Cowboy und Brendan Gleeson als Ire zeigen eine starke schauspielerische Leistung, obwohl gerade letztere die wohl kürzesten Auftritte erhalten haben.

Durch ihre authentische und glaubwürdige Verkörperung ihrer Rollen bekommen die kleinen Episoden den perfekten Schliff. Jede Story hat ihren eigenen Reiz und verzaubert entweder auf absurde Art oder unvorhersehbare Weise. Natürlich immer mit dem ganz speziellen Augenzwinkern der Coen-Brüder. Ein kleines, aber dennoch weniger unwichtiges Detail ist die Musik bzw. der Ton des Films. Durch kleine musikalische Einlagen der Schauspieler und dezent eingesetzte Hintergrundvertonung wird die Stimmung zudem in den richtigen Momenten angehoben.

Auch die typischen Elemente eines US-Westerns, beispielsweise brutale Indianer, intensive Schießereien, emsige Goldgräber, verruchte Banditen und gutgläubige Siedler haben ihren Weg in dieses Werk gefunden. Die Regie ist insgesamt stimmig, gut fokussiert und sehr konzentriert. Es ist ein wunderbares Western-Comeback der Coens nach Filmen wie Inside Llewyn Davis (2013) und Hail, Caesar! (2016).

Durch The Ballad of Buster Scruggs zeigen sie abermals ihr besonderes Talent als kreative Geschichtenschreiber und als namhafte Hollywood-Regisseure. Für Fans des Genres und besonders für Fans der Coens ist der Film definitiv ein absolutes Muss. Schließlich ist The Ballad of Buster Scruggs ein schöner, fieser und abwechslungsreicher Film der Coen-Brüder, die zu Teilen zu alter Bestform auflaufen.

Bewertung

Bewertung_8

Trailer

Informationen
The Ballad of Buster Scruggs (2018)
133 min|Comedy, Drama, Musical, Mystery, Romance, Western|09 Nov 2018
7.3IMDB-Wertung: 7.3 / 10 von 77,355 Nutzern
Die Handlung jeder einzelnen der sechs Episoden ist in sich abgeschlossen und behandelt einen anderen Aspekt des Wilden Westens. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Annahme, dass jeder Buster Scruggs sein könnte.
02nd Nov2018

Halloween (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Halloween

40 Jahre nach den Morden von Haddonfield, möchten zwei Journalisten die brutalen Gewaltakte untersuchen und besuchen für ihre Recherche Michael Myers, der in einer psychiatrischen Einrichtung inhaftiert ist. Die einzige Überlebende, Laurie Stroode (Jamie Lee Curtis), wartet zeitgleich jedes Halloween auf die Rückkehr von Michael.

halloween_1 Sie hofft, dass er ausbrechen wird, damit sie ihn endlich töten kann. In der Familie wird sie für ihre Haltung kritisiert und ihre Tochter versteht ihr rachsüchtiges Vorhaben nicht, lediglich ihre Enkelin kann sie verstehen. Und dann kommt es, wie schon vor 40 Jahren, zu dem Unvermeidbaren. Michael Myers bricht bei einer Verlegung aus seiner Haft aus und macht sich auf den Weg nach Haddonfield, um erneut zu morden. Laurie macht sich bereit für den ultimativen Showdown mit ihrem Erzfeind.

Halloween ist ein US-amerikanischer Horrorfilm aus dem Jahre 2018 und zugleich der elfte Teil der gleichnamigen Reihe. Das Besondere an dem neuen Film ist, dass er eine direkte Fortsetzung von Halloween – Die Nacht des Grauens aus dem Jahr 1978 darstellt und alle weiteren Fortsetzungen komplett außer Acht lässt.

Außerdem wird ein wichtiges Detail in der Geschichte verändert: Laurie ist nicht mehr Michaels Schwester. Nach zahlreichen unnötigen, teilweise schon verschwenderischen Fortsetzungen gelingt es Regisseur David Gordon Green, der zuvor durch die Filme Ananas Express (2008) und Stronger (2017) bekannt wurde, ein eindrucksvolles Comeback.

halloween_2 Nicht nur Michael Myers kehrt zurück nach Haddonfield, sondern auch das Wort Qualität im Zusammenhang mit Halloween-Verfilmungen. An dieser Stelle ist jedoch deutlich zu betonen, dass der elfte Film ein sehr starker Fan-Film ist und diese durch wunderbare Reminiszenzen aus dem Original bedient.

Musikalisch begleitet durch die einprägsame Musik eines John Carpenter ist Michael Myers zurück auf der großen Leinwand. Gerade auf Grund der eher niedrigen Erwartungen im Vorfeld ist Halloween eine sympathische Überraschung des schaurigen Kinoherbstes 2018. Handwerklich setzt David Gordon Green auf einen 70er-Look von Schriften und Namenseinblendungen. Visuell werden die tollen Bilder durch eine düstere und passende Atmosphäre eingefangen.

Die Handlung ist wie schon im Original einfach aber konsequent. Ebenfalls positiv an dem elften Film der Reihe ist die konsequente und zu keinem Zeitpunkt unpassende Handlungsabfolge. Gerade in Bezug auf diesen Aspekt ist es heutzutage eine Seltenheit, dass ein Regisseur bzw. seine Drehbuchautoren eine einfache Handlung ohne viele Wendungen erzählen.

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Meistens werden Filme mit unnötigen Twists in der Handlungsabfolge aufgebläht, die den Kern der Story immer stärker verblassen lassen. Dennoch ist klar anzumerken, dass ein weiterer Halloween-Film keine neuen Zielgruppen für sich beanspruchen wird. Hierfür ist die Geschichte, die unter anderem von Danny McBride verfasst wurde, zu einfach und in diesem Fall auch zu speziell.

Schauspielerisch kommen einige Charaktere etwas zu kurz, was zum Einen an dem Fokus auf die überraschend vielen Gewaltszenen liegt, und zum Anderen an einer etwas zu aufgeblähten Anfangsphase. Gerade zu Beginn wäre genügend Zeit gewesen, um Charaktere dem Zuschauer in angemessenem Umfang zu porträtieren. David Gordon Green drängt jedoch zu viele Figuren in seinen Film, die schlussendlich überflüssig und nicht notwendig gewesen wären.

Eine gut aufspielende Jamie Lee Curtis zeigt jedoch in den richtigen Szenen ihre Begeisterung für das Projekt, wenn sie gekonnt die rachsüchtige Laurie Strode mimt. Allerdings wird auch ihr zu wenig Spielzeit gegeben, um ihrer Figur den benötigten Feinschliff zu verpassen. Auch eine im letzten Drittel des Films geöffnete Story-Tür, die wenig später vollkommen außer Acht gelassen wird, dämpft die allgemeine ein wenig.

Insgesamt aber ist Halloween ein überraschend guter Horrorfilm, der mit dem originalen Score Michael Myers zurück nach Haddonfield bringt. Für Fans des Klassikers ist es ein spaßiges, nostalgisches und angenehmes Comeback.

Bewertung

Bewertung_7

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Halloween (2018)
106 min|Horror, Thriller|19 Oct 2018
6.7IMDB-Wertung: 6.7 / 10 von 79,287 Nutzern
Seit 40 Jahren sitzt Michael Myers (Nick Castle) in einer psychiatrischen Anstalt in Haft. Er ist mit anderen hochgefährlichen Insassen vollkommen abgeschottet von der Außenwelt. Doch als Myers verlegt werden soll, verunglückt der Gefangenentransport mitten in der Nacht auf offener Straße. Der Killer nutzt die Chance und flüchtet...
30th Okt2018

No Way Out – Gegen die Flammen (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

No Way Out

Feuerwehrmann Eric Marsh (Josh Brolin) trainiert seine Einheit seit Jahren für eine Beförderung zur Eliteeinheit Hot Shots, denn die Stadt Prescott in Arizona ist als ein besonders gefährdetes Gebiet für Wald- und Wüstenbrände ein gutes Territorium für die tapferen Feuerwehrmänner.

nowayout_1 Eines der Mitglieder ist auch Brendan McDonough (Miles Teller). Dieser ist Alkohol- und Drogensüchtig und vorbestraft. Allerdings ist er auch liebender Vater einer Tochter. Eric Marsh nimmt ihn Widerwillen in seinem Trupp auf, im Gegenzug erwartet er absolute Loyalität von ihm.

Eines Tages kommt es zu einem großen Flächenbrand, welcher von verschiedenen Einsatzkräften gelöscht werden kann. Unter der strikten Leitung von Marsh können die Flammen gelöscht werden und die umliegende Stadt ist gesichert.

Die Feuerwehrmänner aus Prescott, Arizona, erhalten nun endlich ihre verdiente Beförderung zur Eliteeinheit Hot Shots. Diese Beförderung scheint jedoch eine Einwilligung in hohe Risiken zu sein, denn die Flammen sind wieder auf dem Weg und schlagen höher als je zuvor.

No Way Out- Gegen die Flammen ist ein US-amerikanisches Drama von Joseph Kosinski, der zuvor durch die beiden Science-Fiction-Filme Tron: Legacy und Oblivion bekannt wurde. Sein neuestes Werk befasst sich mit einer wahren Geschichte: Eine Gruppe von mutigen Feuerwehrmännern.

nowayout_2 Es ist wunderbar diesen Cast von namhaften Schauspielern in einem ur-amerikanischen Heldenfilm zu sehen. Mit Josh Brolin, Miles Teller, Jeff Bridges und Taylor Kitsch wird das Ensemble gut ergänzt und glaubwürdig besetzt. Brolin, Bridges und Kitsch bleiben in ihren Rollen betont stark, hart und kühl. Es sind vor allem Jeff Bridges und Josh Brolin die für besonders männliche Momente sorgen.

Taylor Kitsch wirkt in einigen Passagen etwas zu überspielt und leicht zu Macho-mäßig. Dies ist jedoch keineswegs negativ zu bewerten, da es gut zur Geschichte des Films passt. Miles Teller muss sich in der Truppe von harten Feuerwehrmännern erst noch beweisen, da es für ihn einen komplett neuen Lebensabschnitt darstellt.

Seine Rolle ist jedoch die am breitesten gefächerte im Film, da sich hier ein talentierter Schauspieler zeigen kann. Teller macht dies glaubhaft und sorgt für emotionale schauspielerische Momente. Es ist jedoch etwas kritisch zu bewerten, dass die Figuren größtenteils flach gezeichnet werden. Lediglich Teller und Brolin werden tiefer gezeichnet.

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Die Rolle von Jeff Bridges lebt lediglich von seinen gut gespielten Gesichtszügen. Dennoch wird Jennifer Connelly, die in dem Film die Ehefrau von Eric Marsh spielt, mit etwas mehr Spielzeit versehen, was der Figurenzeichnung insgesamt zugute kam. Sie spielt ihre Rolle auch ansprechend und gibt in den richtigen Momenten mehr Energie.

Regisseur Joseph Kosinski legte den Fokus jedoch auf wunderbare Bilder und eine konsequente Handlung. Diese beiden Kernelemente hat er gut getroffen. Die Bilder von brennenden Feldern, Wäldern oder sogar einem brennenden Bären zeigen die rohe Naturgewalt. Die Aufnahmen aus der Luft sowie die betont großen Flammen sorgen für eine gewisse Ausweglosigkeit. Die Angst vor Flammen ist auch für den Zuschauer zu spüren.

Die starken Männer müssen sich gegen die Feuerwinde zur Wehr setzen und jeder Schauspieler zeigt durch einfache Gesichtsausdrücke seine Furcht. Das stilistische Mittel des brennenden Bären, der vor dem Feuer flüchtet, wirkt wunderbar metaphorisch und sinnvoll. Des Weiteren bleibt die Handlung immer konsequent und glaubwürdig.

Die Entscheidungen von Eric Marsh und seinen Gefolgsleuten erscheinen logisch und zum Teil unfassbar erdrückend. Nebenbei wird der Film schön durch theoretisches Wissen zu Feuer, Wasser und Brandbekämpfung ergänzt. Insgesamt ist No Way Out – Gegen die Flammen ein visuell starker, gut besetzter Film über die Helden aus dem Alltag. Die schmetternde Feuerkraft des Films erzeugt Mut und Tapferkeit bei jedem, der das Feuer fürchtet oder diesen Film gesehen hat.

Bewertung

Bewertung_7

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No Way Out - Gegen die Flammen (2017)
134 min|Action, Biography, Drama|20 Oct 2017
7.7IMDB-Wertung: 7.7 / 10 von 43,279 Nutzern
Der Feuerwehrmann Eric Marsh (Josh Brolin) kennt sich in seinem Bezirk im US-Bundesstaat Arizona so gut aus, wie kein zweiter. Dennoch muss er mit seinem Team hinter den sogenannten Hotshot-Crews aufräumen, auf das Bekämpfen von Waldbränden spezialisierten Feuerwehreinheiten. Um das zu ändern, will er für seine Heimatstadt Prescott eine eigene 20-köpfige Hotshot-Crew zusammenstellen, in der unter anderem der heißblütige Christopher MacKenzie (Taylor Kitsch) und der ehemalige Junkie Brendan McDonough (Miles Teller) gegen die Flammen kämpfen sollen...
17th Okt2018

A Star Is Born (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

A Star Is Born

Jackson Maine (Bradley Cooper) ist ein erfolgreicher Country-Musiker und tourt quer durch die Vereinigten Staaten. Vor mehreren Tausend Menschen zeigt er mit seinem eindrucksvollen Gitarrensolo und seiner einzigartigen Stimme seine musikalische Begabung.

astarisborn_1 Nach einem weiteren Auftritt vor den schreienden Fans bemerkt Jackson während der Fahrt, dass sein Alkoholvorrat aufgebraucht ist und bittet seinen Chauffeur, an der nächsten Bar zu halten. In der kleinen Kneipe tritt eine gewisse Ally (Lady Gaga) auf, die ihm direkt ins Auge fällt.

Im Backstagebereich spricht er sie kurzerhand an und sie singt ihm Teile aus ihren selbst geschriebenen Songs vor. Jackson ist von den Texten vollends begeistert, noch mehr überzeugt ihn jedoch die außergewöhnliche Stimme der jungen Frau. Ally ist aber davon überzeugt, dass sie ohne ein schönes Aussehen keine Chance hat jemals ein Star zu werden. Jackson widerspricht ihr und bietet ihr an, vor einem großen Live-Publikum ihr außergewöhnliches Talent zu präsentieren. Es scheint, als würde ein neuer Star am Firmament leuchten!

A Star Is Born ist ein US-amerikanischer Musikfilm aus dem Jahre 2018 und die nunmehr vierte Neuverfilmung des Films Ein Stern geht auf aus dem Jahre 1937. Zugleich ist es das Regiedebüt von Schauspieler Bradley Cooper, der bereits viermal für einen Oscar für seine schauspielerische Leistung nominiert wurde.

astarisborn_2 Bei seinem neuesten Werk wirkte er neben der männlichen Hauptrolle und der Regie auch beim Drehbuch mit. Die Geschichte seines Erstlingswerks beschäftigt sich, wie so häufig bei Musikfilmen, mit Liebe und möchte mit einer damit verbundenen Achterbahnfahrt der Gefühle unterhalten. An dieser Stelle sind Filme wie Walk the Line (2005) über das Leben von Johnny Cash oder Crazy Heart (2009) mit Jeff Bridges zu nennen, die sich mit dem Leben von Musikern auseinandersetzen.

Des Weiteren sorgte erst im vergangenen Jahr der musikalische Film La La Land (2017), mit Gesangseinlagen von Ryan Gosling und Emma Stone, für Begeisterung. Dennoch müssen Musikfilme mit den großen Blockbustern des Jahres konkurrieren, was meistens zu einer leichten Ignoranz seitens der breiten Masse führt.

Coopers Regiedebüt ist jedoch anders und deshalb überraschend gut. Auch die vielen Vorschusslorbeeren, die der Film bereits erhalten hat, sind mehr als angemessen. Anhand der Geschichte und des bekannten Genres waren meine Erwartungen an den Film eher mittelmäßig. Allerdings ist A Star Is Born höchst wahrscheinlich der erste wahre Oscar-Kandidat aus dem Filmjahr 2018.

Der Alkohol- und Drogensüchtige Musiker Jackson Maine als fallender Star und die junge Ally als aufstrebender Star singen zusammen und liefern tolle Auftritte ab. Die Musik-Acts wirken sehr authentisch und stimmungsvoll. Die gesamte Atmosphäre während eines Konzerts wird wunderbar von Cooper eingefangen. Des Weiteren ist ein geschicktes Wechselspiel von nächtlichen Neonfarben und morgendlichen Sonnenstrahlen ein gut gewähltes Stilmittel.

astarisborn_3 Die Regie Coopers ist ruhig und locker, sodass eine atmosphärische Darbietung der gezeigten Auftritte und Dialoge gegeben ist. Außerdem sorgt diese ruhige Regie für eine zunehmende Fokussierung auf die starken Songs. An dieser Stelle überzeugen Cooper und Lady Gaga sowohl als Musiker mit Originalgesang als auch als Schauspieler.

Die Ruhe wird allerdings an einigen Passagen etwas überzogen, sodass vor allem gegen Ende des Films die Luft schnell raus ist. Vielleicht wäre hier eine Kürzung besser gewesen, um eine einfachere Zugänglichkeit zu gewähren. Jedoch ist es auch verständlich, dass Bradley Cooper bei seinem ersten Film als Regisseur lieber etwas mehr zeigt, als etwas zu wenig. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern erhält durch die zusätzlichen Szenen zudem weitere Glaubhaftigkeit und die Beziehung zwischen ihnen bekommt weitere Bedeutung.

Cooper ist stark als Country-Musiker und noch stärker als Regisseur. Lady Gaga ist in ihrer Rolle perfekt besetzt, da sie perfekt auf sie zugeschnitten ist. Sie ist Musikerin, die kein Model ist und nur durch ihre Stimme die Menschen zu begeistern weiß. Sie zeigt sich engagiert und ist besonders dank einer charmanten und warmherzigen Figurenzeichnung im Film überzeugend. Außerdem zeigt sie ihr musikalisches Talent und ist in den richtigen Stellen laut und präsent.

Insgesamt ist A Star Is Born ein eindrucksvolles Erstlingswerk von Bradley Cooper, welches sein Talent als Regisseur und als Musiker unterstreicht. Die tollen Songs und die authentische Art sorgen für ein 132 minütiges Festival der Musik.

Bewertung

Bewertung_8

Trailer

Informationen
A Star Is Born (2018)
136 min|Drama, Music, Romance|05 Oct 2018
7.9IMDB-Wertung: 7.9 / 10 von 186,913 Nutzern
Jackson Maines Country-Karriere befindet sich am Tiefpunkt, als er eine begabte Unbekannte namens Ally entdeckt. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, und Jack drängt Ally ins Rampenlicht, wo sie über Nacht zum Star aufsteigt. Als Allys Karriere Jack bald in den Schatten stellt, fällt es ihm zunehmend schwerer, sich mit seinem verblassenden Ruhm abzufinden.
03rd Okt2018

In the Middle of the River (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

In the Middle of the River

Irgendwo im Südwesten der USA kehrt der Irak-Veteran Gabriel (Eric Hunter) zu seiner Familie zurück, welcher bei einem Attentat seinen rechten Unterschenkel verloren hat.

In der Heimat möchte er den Tod seiner Zwillingsschwester Naomi aufklären und hat für diese Tat seinen Großvater in Verdacht. Die alten Strukturen im Indianerreservat und die polizeilichen Befugnisse im Territorium sorgen für zunehmenden Sprengstoff. Zu allem Übermaß muss Gabriel sich seiner langjährigen Freundin stellen, die er vor Jahren Hals über Kopf verlassen hat.

inthemiddleoftheriver_1 Sein jüngerer Bruder ist kriminell, drogenabhängig und versucht Anschluss in einer Jugendgang zu finden. All diese Probleme erschweren Gabriel die Aufklärung von Naomis Tod, doch dabei muss er sich doch eigentlich seiner eigenen Vergangenheit stellen.

In the Middle of the River ist eine deutsch-amerikanische Koproduktion aus dem Jahre 2018. Für die Regie und das Drehbuch war Damian John Harper verantwortlich, der seit einigen Jahren in Deutschland als Filmschaffender tätig ist. Sein neues Werk wurde durch die Unterstützung von ZDF und Arte auf dem Münchener Filmfest vorgeführt.

In der durchaus interessanten Handlung wird der Zuschauer von der ersten Minute an direkt ins kalte Wasser geworfen. Es werden keine Figuren gemäß Filmlehrbuch gezeichnet, um später erst die Handlung zu starten. In the Middle of the River ist durchaus anders in seiner Machart und verschwendet keine Zeit für Gepflogenheiten.

Die Figur des Irak-Veterans Gabriel ist zudem wunderbar kaputt: ihm fehlt ein Unterschenkel, er ist am ganzen Körper tätowiert, hat eine Vergangenheit als Drogen-Junkie und ist einfach nur unfassbar wütend. Diese diversen Charaktereigenschaften wecken das erste Interesse des Zuschauers optimal. Des Weiteren bietet er genügend offene Fragen für ein zweistündiges, filmisches Experiment.

inthemiddleoftheriver_2 Das Besondere, neben dieser tollen Hauptfigur, ist das Setting in einer Wüstenlandschaft im Südwesten Amerikas sowie die stimmige Kameraarbeit. Die Wüstenlandschaft ist voll mit Wohnwagen und Dürre, die Menschen sind alle innerlich zerrissen von ihrer eigenen Vergangenheit oder einer kaum vorhandenen Zukunft. Die vielen Figuren im Film sind durch Wut und Erschütterung geprägt und die Prognose auf ein schönes Leben erscheint in weiter Ferne.

Diese schlechten Aussichten werden durch eine politische Botschaft von Regisseur und Drehbuchautor Harper ergänzt, der mit dem berühmten Zitat des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump Make America great again seine politische Provokation weiter fokussiert. Die Menschen werden durch diese Aussagen direkt einem politischen Lager zugeordnet.

Diese politische Note des Films ist nicht unbedingt notwendig, da er sowieso schon in vielerlei Hinsicht funktioniert. Jedoch werden durch diese Ausrichtung direkt spezielle Bevölkerungsgruppen vereinfacht klassifiziert.

Aber auch die karge Wüste und ihre Trostlosigkeit werden wunderbar in Szene gesetzt. Es ist ein atmosphärisch gut gewähltes Setting, welches durch die verschiedenen Bevölkerungsgruppen zusätzlich gezeichnet wird. Die weißen Amerikaner leben mit indigenen Kulturen Nordamerikas und Mexikanern zusammen in einem Territorium, welches nichts mehr mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu tun hat.

inthemiddleoftheriver_3 Die besondere Machart wird durch eine wackelige Kamera und einer sehr nah an den Figuren geführten Fokussierung zusätzlich unterstrichen. Viele Kameraschwenks sorgen für eine mitfühlende Nervosität und Unruhe beim Zuschauer. In den ersten 15 Minuten ist es jedoch eine wahre Herausforderung dieser Machart Folge leisten zu können, da es sehr anstrengt der Handlung und den Dialogtexten die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Auch die Schnelligkeit, in der Personen den Wohnwagen der Familie betreten und wieder verlassen, kann für einige Zuschauer problematisch sein. Hier ist es notwendig die erforderte Geduld zu bewahren und weiterhin am Protagonisten zu bleiben. Außerdem ist es kritisch zu bewerten, dass die Figuren scheinbar immer nahtlos zueinander Gabriel ansprechen, ohne ihm einen Moment der Ruhe zu geben.

Unmittelbar nach einem Dialog zwischen der Hauptfigur und einer Nebenfigur folgt die nächste Nebenfigur. Dieser Aspekt scheint bewusst gewählt worden zu sein, damit der Zuschauer die Schnelllebigkeit und Nervosität besser erfassen kann.

Ohne Ton und namhafte Schauspieler entsteht ein beachtliches Werk eines neuen Regisseurs. An einigen Stellen wirkt die Geschichte wie aus einem Videospiel oder dem Film Crank. In anderen Situationen versprüht er einen Hauch von Neo-Western. Insgesamt ist In the Middle of the River ein kreativer und besonderer Film, der durch seine gewählte Trostlosigkeit sehr zu empfehlen ist.

Bewertung

Bewertung_7

Trailer

Informationen
In the Middle of the River (2018)
113 min|Drama|16 Aug 2018
IMDB-Wertung:
A wounded military veteran returns home to face the war within his own dysfunctional family, as he tries to piece together the reasons behind his sister's mysterious death.
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