07th Aug2019

The Sisters Brothers (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

The Sisters Brothers

Charlie (Joaquin Phoenix) und Eli Sister (John C. Reilly) sind Auftragskiller zu Zeiten des Wilden Westens und arbeiten häufig für den sogenannten Commodore. Ihr neuester Auftrag: die Ermordung des Chemikers Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed). Dieser hat eine chemische Formel entwickelt, um Gold in einem Fluss leichter zu filtern. Die Brüder sollen ihn in Oregon antreffen.

the-sisters-brothers-1 Unterstützung gibt ihnen ein gewisser Detektiv namens John Morris (Jake Gyllenhaal). Allerdings hat dieser sich bereits mit Mister Warm angefreundet, weshalb die Situation komplizierter wird als erhofft. Mister Morris plant gemeinsam mit Hermann Warm Gold zu suchen und eine eigene Firma zu gründen. Mit dem Kapital soll dann im Süden des Landes ein demokratisches Gebiet gegründet werden.

Auf eigene Faust planen sie gegen ihre Feinde anzugehen. Charlie und Eli Sister sind den beiden jedoch auf der Spur. Charlie ist fest entschlossen den Auftrag zu erfüllen. Sein Bruder Eli hingegen möchte eigentlich lieber ein ruhigeres Leben anstreben. Er will so langsam als Auftragskiller zurücktreten und eventuell mit seinem Bruder einen kleinen Laden eröffnen. Charlie möchte aber weiter den Wilden Westen genießen und den Auftrag abschließen. Es kommt zu einem sehr unerwarteten Aufeinandertreffen der Sisters Brothers mit den Herren Warm und Morris.

The Sisters Brothers ist ein Spielfilm des französisches Regisseurs Jacques Audiard, der zuvor durch Filme wie Der Geschmack von Rost und Knochen (2012) oder Ein Prophet (2009) bekannt wurde. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit Thomas Bidegain, der auch bereits bei den vorab genannten Filmen an den Drehbüchern mitarbeitete.

the-sisters-brothers-2 Der Film ist zwar mehr oder weniger dem Genre Western zuzuordnen, aber nur weil er zur Westernzeit spielt und das Setting dem eines Westerns entspricht. Dabei ist deutlich zu erkennen, dass es keine wahre Geschichte aus den Zeiten des Wilden Westen ist. Außerdem wirkt das Setting leider sehr stark wie Filmstudio, was das Feeling und die Atmosphäre von Audiards neuestem Werk stark beeinträchtigt. Letztlich ist The Sisters Brothers vielmehr ein Genre-Mix aus Komödie, Drama und Westernsatire.

Und dies ist auch stark beim Erzähltempo zu spüren, welches einer der größten Kritikpunkte des Films ist. Mal ist es hektisch, mal still und dann tragisch. Diese häufig wechselnden Gefühlstöne wirken sich erheblich auf den Unterhaltungsfaktor des Films aus. Einzelne Gefühle können nicht weiterentwickelt werden, da immer wieder ein tonaler Wechsel folgt. So bleibt The Sisters Brothers zu weiten Teilen ein arrhythmisch Werk.

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Dennoch sind die Geschichte und die Schauspieler ein dicker Pluspunkt des „Halb-Westerns“. Die Handlung ist kreativ, abwechslungsreich und verknüpft typische Westernelemente mit neuen Ideen. Die einzelnen Handlungsstränge verlaufen erst stark voneinander getrennt, bis sie sinnvoll zusammenlaufen. Die Charakterentwicklung ist auch gelungen, da sie genügend emotionale Aspekte der Darsteller mit einfließen lässt, was auch an dem sehr ausbalancierten und tollen Cast liegt.

John C. Reilly sorgt als mürrischer und schützender großer Bruder für viele schöne Momente. Allein die Tatsache, dass er eigentlich unzufrieden ist mit seiner Rolle als Auftragskiller, aber um seines Bruders Willen mitmacht, ist bemerkenswert. Schauspielerisch bleibt Reilly ruhig und konzentriert. In einigen Momenten ist er komisch und in anderen bitterernst. Es sind auch die ruhigen Auseinandersetzungen mit der Westernzeit, die Reillys Figur von vielen anderen Figuren des Westerns unterscheidet.

Joaquin Phoenix als der jüngere und wilde Bruder, der mit Frauen, Alkohol und durch die Ermordung von Menschen sein Leben gestaltet, ist immer draufgängerisch und kaum zu stoppen. Phoenix spielt diesen Rebell wunderbar und durchweg glaubwürdig. Zusammen ergeben die beiden Brüder ein tolles Leinwandduo.

Abgerundet wird der Cast durch Jake Gyllenhaal und Riz Ahmed, die in dem Film auch ihre ganz speziellen Momente erhalten. Besonders interessant ist, dass die vier Figuren allesamt ihre eigene Motivation haben und die Sympathie des Zuschauers nicht nur auf eine Figur gelenkt wird. An dieser Stelle ist das Drehbuch hervorzuheben.

Insgesamt ist The Sisters Brothers ein schwer einzuordnender Film, der durch viele tonale Wechsel die Freude etwas hemmt. Die Story und besonders der Cast sorgen dennoch für ein tolles Erlebnis.

Bewertung

Bewertung_7

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Informationen
The Sisters Brothers (2018)
122 min|Adventure, Comedy, Crime, Drama, Western|19 Oct 2018
7.0IMDB-Wertung: 7.0 / 10 von 34,523 Nutzern
Hermann Kermit Warm soll sterben. Auftraggeber hinter dem geplanten Mord ist der mysteriöse wie mächtige Mann, der nur unter dem Namen „Der Kommodore“ bekannt ist. Dessen Handlager Eli und Charlie Sisters sollen diesen Befehl ausführen. Während der skrupellose Charlie dem Whiskey und dem Töten von Menschen sehr zugeneigt ist, kommt der nachdenkliche Eli auf dem Weg von Oregon City zu den Goldminen in der Nähe von Sacramento, wo sie den Aufenthaltsort von Warm vermuten, über diese unmoralische Art seinen Lebensunterhalt zu verdienen ins Grübeln...
28th Jun2019

Ben is Back (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Ben is Back Filmkritik

Ben (Lucas Hedges) kehrt an Weihnachten zu seiner Familie zurück, wo ihn seine Mutter Holly (Julia Roberts) mit offenen Armen empfängt. Sein Stiefvater und seine Schwester sind weniger begeistert von der überraschenden Rückkehr.

ben-is-back-1 Denn Ben ist drogenabhängig und deshalb in einer Entzugsklinik untergebracht. Seine Mutter jedoch äußerte den Wunsch ihn an Weihnachten Zuhause zu haben. Er erfüllt ihr diesen Wunsch, muss allerdings die Skepsis der restlichen Familie ertragen. Sie misstrauen ihm und möchten ihn nicht bei dem gemeinsamen Fest dabei haben.

Ben hat in der Vergangenheit vieles kaputt gemacht und viele Herzen gebrochen. Einzig und allein seine Mutter steht ihm bis heute treu zur Seite. Doch kann man Ben tatsächlich trauen oder nutzt er den Freigang nur für den nächsten großen Kick?

Ben is Back ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahr 2018. Für die Regie und das Drehbuch war Peter Hedges verantwortlich, der zuvor als Drehbuchautor für Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa (1993) und als Regisseur von Dan – Mitten im Leben! (2007) auffiel.

Allerdings ist in den vergangenen Jahren besonders der Bekanntheitsgrad seines Sohnes Lucas Hedges durch Filme wie Manchester by the Sea (2016) oder Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) angestiegen, der bei Ben is Back die Hauptrolle des drogensüchtigen Jugendlichen übernahm.

Ben is Back Filmkritik Der Dreh- und Angelpunkt des neuesten Films von Vater und Sohn Hedges ist das Zusammenspiel von Lucas Hedges und Julia Roberts, die beide glaubwürdig in ihre Rollen schlüpfen und ein authentisches Mutter-Kind-Drama kreieren. Die Regie von Hedges bleibt im ersten Teil ruhig und teilweise etwas zu behäbig, so dass die Zeit eher herunterläuft, anstatt wirklich sinnvoll eingesetzt zu werden.

Die Figuren werden zudem anfangs nur oberflächlich beleuchtet. Als dann etwas mehr Handlung einsetzt, werden die Figuren auch schärfer gezeichnet und das Erzähltempo steigt an. Das Besondere an dem Film ist die Performance der beiden Hauptdarsteller. Julia Roberts mimt die panische und übervorsichtige Mutter, die ihrem Sohn durch permanente Überwachung eine Form von Nähe und Zuneigung schenkt. Schauspielerisch überzeugt sie besonders in den ernsten Szenen, die die Zerstörungsgewalt von Drogen und deren Folgen für Familien darstellen. Sie bleibt konzentriert in ihrer Rolle und überzeugt durchweg als Mutter Holly Burns.

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Ihr männliches Pendant ist Lucas Hedges, der ruhig und fokussiert seine Rolle des drogensüchtigen Ben spielt. Überzeugend sind vor allem seine unberechenbare Abhängigkeit und die düsteren Abgründe, die leider leicht unterentwickelt bleiben. Die beiden Schauspieler harmonieren sehr gut zusammen, jedoch fehlt es in einigen Szenen an Höhepunkten, so dass Hedges einer stark aufspielenden Roberts teilweise unterlegen ist.

Zu kritisieren sind auch die blassen Nebenfiguren und die eher bekannte Geschichte eines drogensüchtigen Jugendlichen. Am schwächsten ist allerdings die typisch amerikanisch glatte Familie, die hier gezeigt wird. Anhand der Handlung könnte vermutet werden, dass es chaotisch in der Familie sei. Dies ist jedoch nicht der Fall, da die Figuren sich größtenteils zusammenreißen und wenig Finsteres in sich tragen.

Besonders die Drogenstory hätte sich gut für menschliche Abgründe innerhalb einer Familie geeignet. Es wird eine zu stereotype amerikanische Familie gezeigt, die ihren als verloren geglaubten Sohn zurückbekommt. Unterhaltsamer und wuchtiger wäre es mit einer untypischen Familie gewesen. Allein ein Blick in das Haus der Familie Burns lässt die Authentizität leiden, alles ist zu aufgeräumt und das Setting sieht zu sehr nach Hollywood-Filmdrama aus.

Dennoch ist Ben is Back in Ansätzen ein gelungener Film über die Drogensucht eines jungen Mannes, der sich das Vertrauen seiner Familie zurückerkämpfen muss. Die Figuren Ben und Holly bilden ein schönes Mutter-Kind-Drama. Die Schwere einer Sucht und die ständige Gefahr rückfällig zu werden kommen dabei immer wieder gekonnt zur Geltung.

Bewertung

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Ben Is Back (2018)
103 min|Drama|05 Dec 2018
6.7IMDB-Wertung: 6.7 / 10 von 11,893 Nutzern
Holly Burns (Julia Roberts) weiß gar nicht, wie ihr geschieht: Wie aus dem Nichts steht plötzlich ihr ältester Sohn Ben (Lucas Hedges) vor der Tür, bereit, wieder in den Kreis der Familie aufgenommen zu werden. Doch die Stimmung droht schon bald zu kippen, denn auch wenn seine Mutter nur zu gerne glauben würde, dass Ben sein Drogenproblem hinter sich gelassen hat, bleibt ein gewisser Zweifel...
26th Jun2019

Green Book – Eine besondere Freundschaft (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Green Book Filmkritik

Tony Vallalonga (Viggo Mortensen) lebt in den 1960er Jahren im New Yorker Stadtteil Bronx. Er arbeitet als Türsteher in einem Nachtclub und hat sich dort einen Ruf als „knüppelharter Sicherheitsmann“ erarbeitet. Ansonsten liebt er gutes Essen, raucht eine Zigarette nach der anderen und lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in einer kleinen Wohnung.

green-book-1 Als sein Arbeitgeber beschließt für zwei Monate zu schließen, um Renovierungen durchzuführen, ist Tony auf Jobsuche. Auf Empfehlung seines Chefs geht er zu einem Bewerbungsgespräch als Fahrer. Dort wird er kurzerhand von dem afroamerikanischen Pianisten Don Shirley (Mahershala Ali) empfangen.

Shirley bietet Tony an ihn für zwei Monate auf seiner Konzertreise durch die Südstaaten gegen gutes Geld zu begleiten. Tony willigt ein und es entwickelt sich eine Reise über Rassismus, Freundschaft und Stärke.

Green Book – Eine besondere Freundschaft ist eine US-amerikanische Tragikomödie aus dem Jahre 2018. Die Regie übernahm Peter Farrelly, der zuvor durch Filme wie Dumm und Dümmer (1994) und Verrückt nach Mary (1998) bekannt wurde. Sein neuestes Werk gewann 2019 drei Oscars, darunter für den besten Film, den besten Nebendarsteller (Mahershala Ali) und das beste Original-Drehbuch.

Basierend auf einer wahren Geschichte entwickelte Nick Vallalonga, der Sohn der Hauptfigur Tony Vallalonga, das Drehbuch gemeinsam mit Regisseur Farrelly und Brian Hayes Currie.

green-book-2 Die Geschichte könnte nicht passender sein für Hollywood und der seit vielen Jahren existierenden Debatte um Rassismus in Filmen. Allerdings wirkt das von der Academy ausgezeichnete Drama sehr konstruiert und wie eine vorhersehbare Gegenüberstellung eines weißen und eines schwarzen Mannes. Vorurteile, Traditionen und Kulturen werden in gemeinsamen Dialogen angesprochen und die Denkweise der Menschen wird dahingehend geprüft.

Jedoch ist es an einigen Stellen zu sehr ein Film und weniger eine echte Auseinandersetzung der realen Problematik. Dies liegt leider auch an der mutigen Entscheidung das Thema Rassismus mit Comedyelementen zu vereinen, was zwar einigermaßen überlegt passiert, aber der Thematik auch die Wucht etwas entzieht. Dennoch sind viele Szenen großartig gespielt und toll in Szene gesetzt.

So zum Beispiel eine Frage über Identität, wo Don Shirley seine Sonderstellung, als relativ reicher afroamerikanischer Pianist, beschreibt, welche ihn innerhalb der Afroamerikaner ausschließt. Bei den weißen Amerikaner ist er allerdings auch nicht akzeptiert, was seine Isolierung schön demonstriert. Des Weiteren sind einige Szenen traurig und zugleich beiläufig, was zutiefst emotional ist.

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Mahershala Ali, der im Jahre 2017 bereits für seine schauspielerische Leistung in dem Film Moonlight einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt, holte mit seiner Performance in Green Book – Eine besondere Freundschaft zurecht seinen zweiten Oscar ab. Er spielt den abgehobenen, gebildeten Afroamerikaner mit einer inneren Gebrochenheit, die nie zu dick aufgetragen ist und durch kleine Gesichtszüge sehr glaubwürdig dargestellt wird.

Hauptdarsteller Viggo Mortensen wurde ebenfalls für einen Oscar nominiert, ging aber leer aus. Seine Leistung ist ebenso überzeugend, aber sie hat kaum Momente, in denen wirklich die volle Bandbreite an menschlicher Emotion gezeigt wird. Er bleibt stets in seiner Rolle als Italo-Amerikaner, der sein Essen und seine Zigaretten liebt. Mortensens Momente sind wunderbar geschauspielert, aber letztendlich nie denkwürdig.

Peter Farrellys Inszenierung ist ein zu klischeehafter Versuch über Rassismus. Die Figuren sind zwar interessant, die Bilder gelungen und die Handlung weiß zu unterhalten. Es fehlt dem Film aber an Authentizität, was insbesondere bei der sehr klischeehaften Inszenierung der Italo-Amerikaner und einigen Nebenfiguren zum Ausdruck kommt.

Dennoch sind in Green Book – Eine besondere Freundschaft reichlich Szenen, in denen die Emotionalität und die Unterhaltung stimmen. Insgesamt kein würdiger Oscar-Film und leider auch keine Neuerfindung des amerikanischen Hollywoodrads. Allerdings geben die Schauspieler, allem voran Ali & Mortensen, dem Film eine schauspielerische Stärke und eine dramaturgische Tiefe.

Bewertung

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Green Book (2018)
130 min|Biography, Comedy, Drama, Music|16 Nov 2018
8.2IMDB-Wertung: 8.2 / 10 von 221,509 Nutzern
Im New York der 1960er Jahre, noch vor der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, hält sich Tony Lip als Türsteher in der Bronx über Wasser. Als der gutherzige, nicht sonderlich gebildete Italo-Amerikaner den Auftrag bekommt, einen sogenannten Dr. Don Shirley in die Südstaaten zu fahren, denkt er sich nicht viel dabei...
12th Jun2019

John Wick: Kapitel 3 (2019) | Filmkritik

von Michael Diederich

John Wick 3 Filmkritik

Nachdem John Wick (Keanu Reeves) im letzten Teil (John Wick: Kapitel 2) John Santino D`Antonio auf dem neutralen Boden des Continental-Hotels getötet hat, ist ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Jeder in New York City ist ihm auf den Fersen und kein Ausweg scheint in Sicht. Mit Messern, Pistolen und seinen Fäusten kämpft er sich durch die Straßen des Big Apple.

john-wick-3-1 Parallel ermittelt eine Richterin der Hohen Kammer, ob der Mord an D`Antonio unvermeidbar war. Auch die Tatsache, dass Wick fliehen konnte, fällt negativ auf den Chef des Continentals, Winston (Ian McShane), zurück. Nun sucht dieser Unterschlupf bei seiner alten Familie, der weißrussischen Roma.

Als Mitglied der Hohen Kammer sind auch diese verpflichtet jegliche Hilfe zu verweigern. Allerdings legt John ein Kruzifix nieder, welches ihm eine Ausreise ermöglicht. Sein Ziel ist es nun, jedem, der ihm in die Quere kommt, zu töten.

John Wick: Kapitel 3 ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahre 2019. Die Regie übernahm erneut Chad Stahelski, wie schon bei beiden Vorgängerfilmen. Der deutsche Alternativtitel lautet John Wick: Kapitel 3 – Parabellum, was übersetzt so viel heißt wie: Wenn du den Frieden willst, dann bereite den Krieg vor.

john-wick-3-2 Der dritte Teil der Reihe wurde als DER Actionfilm des Jahres angekündigt und mit einer FSK 18 versehen, was die Erwartungshaltung selbstverständlich ansteigen ließ. Allerdings sind die beiden ersten Teile nicht frei von Fehlern, vor allem die Disbalance zwischen Ernsthaftigkeit und Satire ist ein großer Kritikpunkt. Insgesamt waren die Anforderungen vor dem Kinostart somit auf einem mittleren Level, was für einen Film meistens die richtige Grundeinstellung ist.

Und diese Erwartung erfüllt John Wick: Kapitel dann auch letztendlich und führt die Reihe, nach dem schwächeren zweiten Teil, wieder erfolgreich zurück in die Spur. Die fesselnde die Action und der eingesetzte Realismus, besonders in John Wick (2014), wurden also erneut perfekt eingefangen.

Schwächen vorheriger Teile werden absorbiert und neue Glanzpunkte können gekonnt in Szene gesetzt werden. Beispielsweise ist die Action besser denn je. Die Kämpfe sind wunderbar choreografiert, toll inszeniert und mit einer visuellen Ästhetik atemberaubend verfeinert. Der gesamte Film hat einen leichten asiatischen Touch, was anhand der Story und seiner Liebe zur Action auch passt. Die visuelle Komponente des Films sorgt für die richtige Atmosphäre in den Kämpfen, besonders die düstere, dargestellte Welt passt wunderbar zur Geschichte des Hauptcharakters John Wick.

john-wick-3-3 Die Neonfarben und die prasselnden Regentropfen in den Straßen von New York City ergeben eine stimmige Optik und erinnern den Zuschauer an Filme wie Blade Runner 2049 (2017) oder Only God Forgives (2013). Auch die Schauplätze sind passend gewählt und überzeugen mit ihrem jeweiligen Reiz und Charme.

Bei den Auseinandersetzungen mit den verschiedenen Verbrechersyndikaten ist es erstaunlich, wie breit die einzelnen Szenen gefächert sind. Die Gegenstände, die Schläge und die Schlaghärte sind immer wieder überraschend. Die Brutalität ist für den Zuschauer sprichwörtlich greifbar nah und jeder Kampf lässt den Körper erschüttern.

Egal ob auf einem Motorrad oder einem Pferd, John Wick findet seinen Weg. Teilweise wirken einige Szenen wie aus einem Videospiel, wenn einige Figuren im Kugelhagel einen Gegner nach dem anderen erledigen. Die Stimmung des Actionfilms kann über die gesamte Laufzeit hinweg überzeugen und auch der erzählerische Ton wirkt gekonnt getroffen, sodass die Erzählung düster und erzählerisch passend erscheint.

john-wick-3-1 John Wick ist am Ende, aber er muss bis zum letzten Blutstropfen kämpfen und dies wird konsequent gezeigt. Eine leichte Note Comedy ist vielleicht zu viel gesetzt worden, aber dies ist nicht besonders störend und seit den Marvel Superhelden-Filmen schon fast die Norm bei Action-Filmen. An einigen Stellen hätte eine Pointe nicht zwangsläufig gesetzt werden müssen, da die Szene auch ohne funktioniert hätte.

Schauspielerisch ist Keanu Reeves weiterhin die ideale Besetzung für den wortkargen Protagonisten, da er die gesuchte Ernsthaftigkeit mit einem Hauch Witz gut verkörpert. Auch seine physische Abgeschlagenheit gegen Ende des Films wird glaubwürdig dargestellt, sodass die Endkämpfe auch für den Zuschauer anstrengend herüberkommen. Auch der Rest des Cast ist optimal für die jeweiligen Anforderungen besetzt und ergänzt den Film in seiner düsteren Art und Weise.

Es sind genau diese Filme, die für eine bestimmte Zielgruppe geschaffen wurden und neben typischen Blockbustern und Komödien die Herzen von wahren Actionfans lauter schlagen lassen. Insgesamt ist John Wick: Kapitel 3 ein knüppelharter Actionfilm, der einem aus dem Kinosessel hämmert und dann fragt: „Na, Lust auf Teil 4?“ Und nach 132 Minuten Non-Stop-Power lautet die Antwort dann selbstverständlich: „Ja, Johnathan. Bring mir Teil 4 und zeig es allen.“

Bewertung

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John Wick: Kapitel 3 (2019)
131 min|Action, Crime, Thriller|17 May 2019
7.9IMDB-Wertung: 7.9 / 10 von 109,666 Nutzern
John Wick (Keanu Reeves) befindet sich auf der Flucht. Es sind nicht nur 14 Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt, er hat auch die Regel aller Regeln gebrochen: er hat einen anderen Menschen im Bereich des Continental Hotels umgebracht. Eigentlich müsste er deswegen längst tot sein, doch Hotelmanager Winston (Ian McShane) gewährte ihm für eine Stunde Gnade, bevor alle Folgen eintreten und Wick offiziell aus der Killergemeinschaft ausgeschlossen wird...
05th Mai2019

Creed II: Rocky’s Legacy (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Creed 2 Filmkritik

Creed II: Rockys Legacy ist ein US-amerikanischer Boxfilm aus dem Jahre 2018 und die Fortsetzung zu Creed: Rockys Legacy. Die Regie des innerhalb des Rocky-Universums der nunmehr achten Films der Reihe übernahm Steven Caple Jr., der bisher eher unbekannte Projekte leitete. Sylvester Stallone zeichnet neben seiner Kult-Rolle als Rocky Balboa auch für das Drehbuch verantwortlich.

creed2_1 Inhaltlich setzt der zweite Creed-Film mit einigen Monaten Abstand zu seinem Vorgänger an. Der junge Adonis Creed (Michael B. Jordan) besiegt Tony Wheeler und kürt sich zum Champion im Schwergewicht. Außerdem macht er seiner Freundin Bianca (Tessa Tompson) einen Heiratsantrag, den sie bejaht. Aus sportlicher Sicht droht aber eine neue Gefahr: Viktor Drago (Florian Munteanu).

Dessen Vater Ivan Drago (Dolph Lundgren) tötete einst im Ring Adonis Vater Apollo. Nun kann der Kampf beginnen und Rocky muss sich mit neuen Aufgaben im Leben begnügen.

Creed II: Rockys Legacy ist mit Sicherheit ein emotionaler, aufregender und spektakulärer Boxfilm für Fans von Rocky. Es ist schon bewundernswert wie sympathisch Sylvester Stallone Platz macht für neue Wege. Rocky Balboa ist Geschichte und neue Gesichter bekommen mehr Laufzeit. Wie angenehm Stallone sich hier zurücknimmt, um den Fokus auf Creed und Co. zu legen, ist fantastisch.

Die Kultfigur Rocky in dieser Form auf der Leinwand zu sehen ist ein besonderes Erlebnis. Im Unterschied zum ersten Creed-Film liegt der Fokus noch stärker Adonis und Bianca. Auch die Gegenspieler Ivan und Viktor Drago werden sehr gut in den Film integriert. Die rohe Kraft des deutsch-rumänischen Profiboxers Munteanu wird sehr ansprechend eingefangen. Auch die gegensätzlichen Kampfstile ergeben ein spannendes Spektakel. Die massive Kraft von Viktor Drago und die Beweglichkeit eines Adonis Creed sorgen für abwechslungsreiche Kampfszenen und erinnern sehr stark an die originalen Rocky-Filme.

creed2_2 Diese sind schön inszeniert und verfügen trotz ihrer etwas konstruierten Story über die nötige Dramatik. Boxfilme sind nun einmal keine neue Geschichte und auch nicht unbedingt für jeden geeignet, aber herzlich und menschlich waren sie schon immer. Allerdings nutzt der achte Teil des Rocky-Universums seine Handlung optimal aus, um einen spektakulären Showdown zu garantieren.

Es ist schon leicht überraschend wie viele neue Ideen Regisseur Steven Caple Jr. dieser eher konventionelle Geschichte spendiert, besonders im Bezug auf körperliche Fitness und visuelle Dramatik.

Die Regie kann insgesamt überzeugen und vieles gut darstellen. Des Weiteren ist der wunderbare Hip-Hop Soundtrack des Films wahres Entertainment. An den passenden Stellen dröhnen die Songs durch die Boxen, sodass die bildliche Stimmung auch soundtechnisch hervorragend aufgefangen wird.

Es ist auch bewundernswert wie ausgeglichen und balanciert die Figuren in dem Film agieren. So gut wie jede Szenen bietet ihren Reiz, da alle Figuren ihre eigenen Motivationen haben und dafür kämpfen. Diese Balance wirkt sich dann wiederum positiv auf den Unterhaltungswert des Films aus, der wenig Längen trotz hoher Laufzeit hat und durchweg höchst unterhaltsam ist.

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Schauspielerisch scheinen auch die Figuren optimal besetzt. Michael B. Jordan, Sylvester Stallone und Tessa Tompson spielen ihre Rollen durch und durch sehr glaubwürdig. Auch die beiden Dragos werden durch Lundgren und Munteanu bestens besetzt, indem sie betont wortkarg und roh bleiben.

Michael B. Jordan verkörpert den Boxer mit großem Herz und einem unbedingten Siegeswillen, der jedoch unsicher ist, wo seine Grenzen sind. Die dramatischen Szenen verkörpert er ansprechend und sorgt durch seine Kunst für die emotionale Tiefe im Film. Die teilweise etwas komödiantischen Szenen zwischen ihm und Bianca wirken ebenfalls nicht zu aufdringlich und bleiben betont authentisch. Tessa Tompson kann, als hörgeschädigte Sängerin, besonders in den ruhigeren Momenten gekonnt aufspielen.

Wie bereits erwähnt agiert Sylvester Stallone angenehm zurückhaltend und alle Momente mit ihm wirken wie Treffen mit einer Filmlegende. Mit wenigen Worten gibt er Adonis die richtigen Ratschläge und Stallone bleibt stets gelassen und nachdenklich. Seine schauspielerische Darbietung ist wie schon im ersten Creed-Film ein Genuss. Ergänzt wird das Ensemble durch Dolph Lundgren und Florian Munteanu, die wortkarg und grimmig in die Kamera schauen. Hierbei profitieren sie von einer besonderen Atmosphäre, die die Ukraine ihnen gibt.

In den Trainingsszenen zu Beginn des Films geht von beiden eine brennende Gefahr aus, ohne ein gesprochenes Wort. Diese Leistung ist für die Entwicklung des Films besonders wichtig. Insgesamt liefert Creed II: Rockys Legacy 132 Minuten Punchs, Jabs und Hooks, die jedes Boxerherz höher schlagen lassen.

Bewertung

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Creed II: Rocky's Legacy (2018)
130 min|Drama, Sport|21 Nov 2018
7.2IMDB-Wertung: 7.2 / 10 von 77,752 Nutzern
Nachdem es Adonis „Donnie“ Johnson gelang aus dem Schatten seines Vaters zu treten und zum Liebling der Massen zu werden, sind sowohl Publikum als auch Medien vernarrt in den neuen Star des Boxrings. Da bekommen er und sein Trainer Rocky Balboa eines Tages ein Angebot der besonderen Art unterbreitet: Adonis soll in einen Showkampf gegen den russischen Champion Viktor Drago antreten, dessen Vater Ivan über 30 Jahre zuvor Adonis Vater im Ring tötete...
21st Apr2019

In den Gängen (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

In den Gängen Filmkritik

Der ruhige und zurückhaltende Christian (Franz Rogowski) arbeitet irgendwo in Ostdeutschland in einem Großmarkt. Direkt an einer befahrenen Schnellstraße gelegen beginnt er dort seine Ausbildung zum Gabelstaplerfahrer.

indengaengen_1 Sein älterer Kollege Bruno (Peter Kurth) ist sein erster Ansprechpartner für Probleme und zugleich auch sein Ausbilder. In der Getränkeabteilung sortieren die beiden Tag für Tag Kisten in die hohen Regale. Beim Einräumen sieht Christian dann eines Tages im Gang gegenüber eine blonde Frau, die sich als Marion (Sandra Hüller) vorstellt. Sie arbeitet in der Süßwarenabteilung.

Beide kommen sich in der Pause beim Automaten näher und beginnen eine Unterhaltung. Sie gibt ihm den Namen Frischling und er spendiert ihr einen Kaffee. Wenig später muss Marion zurück zur Arbeit, während Christian noch ruhig und gerührt am Automaten stehen bleibt. Bruno erzählt ihm später allerdings, dass die blonde Frau aus der Süßwarenabteilung vergeben sei. Allerdings ist Christian durch und durch begeistert von Marion. Und zu dem Gefühlschaos kommt zu allem noch hinzu, dass Christian sich als neuer Mitarbeiter in dem Unternehmen erst noch beweisen muss.

In den Gängen ist ein deutsches Drama aus dem Jahre 2018. Für die Regie sowie das Drehbuch zeichnet sich Thomas Stuber verantwortlich, der zuvor durch die Inszenierung einiger Hamburger Tatorte bekannt wurde. Neben ihm schrieb auch Clemens Meyer am Drehbuch mit, der mit Stuber bereits das Drehbuch zum Film Herbert (2015) schrieb.

In den Gängen 2018 Filmkritik Die Handlung des Films ist dahingehend innovativ für das deutsche Fernsehen, weil sie sich mit einer kleinen Gruppe Angestellter befasst, die in einem Großmarkt arbeiten. Die Themenwahl ist sympathisch, da solch kleine gesellschaftliche Themen oft unverfilmt bleiben. Regisseur Stuber macht es richtig, setzt seine gebrochenen Figuren in den Vordergrund und ihre monotone Tätigkeit.

Handlung und Struktur des Films harmonieren außerordentlich gelungen. In den richtigen Momenten bekommen die drei Hauptfiguren Christian, Bruno und Marion ihre Spielzeit, um mehr Tiefe zu erzeugen. Das Besondere hierbei ist das Gespür von Regisseur Stuber, der genau weiß welcher Moment am aussagekräftigsten ist. Es sind nicht die direkten Worte und offensichtlichen Handlungen, die dem Zuschauer eine bestimmte Logik vorspielen.

Bei In den Gängen sind es vielmehr das langsame Fahren mit einem Gabelstapler irgendwo in Ostdeutschland, die ruhige Kamera und die gebrochenen Figuren. Alle Dialoge verfügen über eine Lockerheit, die teils lustig und teils unfassbar traurig ist. In ihrer Gesamtheit halten die Mitarbeiter des Großmarkts zusammen, doch ein erfülltes Leben sieht anders aus. Der Begriff Wendegewinner wird in einer Situation bewusst von Bruno eingeworfen, um einen vermeintlichen Wirtschaftserfolg anzuzweifeln. Des Weiteren sorgt ein abwechslungsreicher Soundtrack für die richtige Auflockerung beim Zuschauer.

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In den Gängen
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Zwar könnte der Film sich in zwei bis drei Situationen etwas flotter von der Stelle bewegen, doch im Grunde sind die monotone Tätigkeit, das Schauspiel und ihre Tragik pure Unterhaltung. Positiv anzusehen ist ein gewisser Unterhaltungsfaktor, der durch ein grundsätzliches Interesse für die berufliche Karriere von Christian gezündet wird. Auch die anderen Figuren haben ihren Reiz, weshalb jede Szene trotz ihrer Langatmigkeit lebhaft ist.

Schauspielerisch ist vor allem Franz Rogowski hervorzuheben, der wie bereits in dem deutschen Mumble-Core-Film Love Steaks (2013) einen schüchternen jungen Mann spielt, der unbesorgt und zurückhaltend durch die Welt schlendert. Er legt seine Rolle so glaubwürdig und ruhig an, dass eine Grundsympathie von der ersten Minute an vorhanden ist. Diese Sympathie für eine Figur ist in anderen Werken oftmals besonders schwer zu finden. Stuber und Rogowski schaffen es dennoch durch eine handwerkliche saubere Arbeit.

Außerdem spielt Peter Kurth, der zuletzt in der Serie Babylon Berlin zu sehen war, einen gelassenen Mentor, den sich jeder junge Azubi wünscht. Seine Ruhe und seine Offenheit unterstreichen diese Sympathie des Films doppelt. Dem noch nicht genug ergänzt Sandra Hüller diesen Cast mit einer freundlichen und lebhaften Art. Sie rundet die Besetzungsliste ab, indem sie in ihren Momenten glaubhaft und nicht überzogen agiert.

Insgesamt ist In den Gängen ein wunderbarer deutscher Film, der minimalistisch und zugleich fantastisch ist. Für Liebhaber von Kammerspielen oder gutem Schauspiel wärmstens zu empfehlen. Filme dieser Machart ergänzen die deutsche Filmwelt und heben ihre qualitativ nach oben. Es wäre durchaus schön mehr dieser Filme aus Deutschland zu bekommen.

Bewertung

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In den Gängen (2018)
125 min|Drama|14 Jun 2019
6.9IMDB-Wertung: 6.9 / 10 von 2,727 Nutzern
Der schweigsame Christian tritt eine neue Stelle im Großmarkt an. Bruno aus der Getränkeabteilung nimmt ihn streng, aber wohlmeinend unter seine Fittiche und zeigt ihm, wie die Dinge in dem kleinen Universum funktionieren. Die beiden werden schnell Freunde. Auch die anderen Mitarbeiter behandeln Christian bald wie ein Familienmitglied...
30th Mrz2019

Roman J. Israel, Esq. (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Roman J. Israel, Esq.

Roman J. Israel (Denzel Washington) arbeitet als Strafverteidiger in Los Angeles. Sein Äußeres fällt durch die Afro-Frisur, seinen veralteten Anzug und seine immer um den Hals gelegten Kopfhörer auf. Als sein Geschäftspartner einen Herzinfarkt erleidet, beschließt Roman die Geschäfte auf seine Art zu regeln.

romanjisrael_1 Seit mehr als 25 Jahren agierte er im Hintergrund und löste die schwierigsten gerichtlichen Auseinandersetzungen. Jedoch soll die Gemeinschaftskanzlei geschlossen werden, da sie ein wirtschaftlicher Misserfolg ist. Der Anwalt George Pierce (Colin Farrell) setzt sich für die noch offenen Fälle ein. Roman J. Israel ist nicht erfreut über diese Hilfe und plant endlich aus dem Schatten seines Partners herauszutreten.

Ihm fehlt jedoch etwas der Draht zur heutigen Zeit, sodass sein Gerede für viele nur wie unverständliches Geschwafel wirkt. Fraglich ist jedoch, ob er sich nun verändern muss oder die Gesellschaft?

Roman J. Israel, Esq. ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahre 2017. Für die Regie und das Drehbuch war Dan Gilroy verantwortlich, der im Jahre 2014 durch sein Regiedebüt Nightcrawler einer breiten Masse bekannt wurde. Sein neuestes Werk ist leider weniger interessant als sein Debütfilm, denn lediglich Hauptdarsteller Denzel Washington kann hierbei überzeugen. Allerdings hilft selbst ein zweifacher Oscar-Preisträger nicht, um diese träge Geschichte aufzupeppen.

romanjisrael_2 Im Grunde besteht die Geschichte aus einigen Versatzstücken, die durch einen erfahrenen Regisseur und ein gut strukturiertes Drehbuch wunderbar in einen zweistündigen Film gepasst hätten. Es ist daher regelrecht ein Misserfolg für Regisseur Dan Gilroy, der zuvor durch seine Medienkritik Nightcrawler erstens sein Talent als Regisseur und zweitens als Ideengeber für neue und kreative Ideen unter Beweis stellte. Die Erwartungen an ihn waren zwar vorhanden, aber nicht übermäßig hoch. Dennoch ist es umso niederschmetternder, wenn dieses scheinbar vorhandene Talent nicht weiter verfolgt wird.

Die Geschichte eines Strafverteidigers, der nicht in der Öffentlichkeit stehen kann und ein Vierteljahrhundert hinter Schloss und Riegel in Wirklichkeit im Alleingang die Fälle gelöst hat, bietet eine annehmbare Grundlage für einen Spielfilm. Auch die Tatsache, dass Denzel Washington und Colin Farrell in tragenden Rollen zu sehen sind, schürten das zweite große Projekt Gilroys. Nichtsdestotrotz zerfasert der Film besonders in der zweiten Stunde, da durch unnötig in die Länge gezogene Leere und wenig Plot Spielzeit herausgeholt wird.

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Falls nach der ersten Stunde die Credits eingespielt worden wären, wäre der Film weitaus griffiger und unterhaltsamer geworden. Die zwei Stunden fühlen sich sehr gestreckt an, da viel zu viele unnötige Nebenhandlungen weiter ausgeführt werden. Der Fokus liegt zwar wieder einmal bei Denzel Washington, aber selbst ihm kann man nicht mehr zuhören, wenn die Geschichte sich im Sande verläuft. Selbst ein zweifacher Oscarpreisträger, der durch seine Ausdrucksstärke Filme im Alleingang stemmen könnte, hilft nicht mehr weiter.

Seine Worte wirken mit laufender Spielzeit nur noch wie pseudo-intelligentes Gehabe, ohne jedoch den Kern der Geschichte genauer zu durchleuchten. Dieser hätte zudem eindeutig stärker auf die gesellschaftlichen Veränderungen sowie die rechtswissenschaftliche Brillanz von Roman J. Israel liegen müssen, aber es kommt anders. Auch die Dialoge erzeugen nicht die richtige Feuerkraft, was bei einem Film ohne viel Spektakel besonders wichtig gewesen wäre.

Alles fühlt sich ungeschliffen an, sodass die eigentliche Thematik roh bleibt. Positiv ist neben Denzels Leistung zwar die Bildgebung, die Los Angeles schön sonnig und munter einfängt, aber letztendlich können lediglich zwei bis drei Szenen durch ihre plötzlich vorhandene Dialogschärfe überzeugen.

Insgesamt bleibt Roman J. Israel, Esq. wie die gleichnamige Hauptfigur des Films versteckt zwischen Büchern, Zetteln und Notizen ohne von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Es ist ein enttäuschender zweiter Film von Dan Gilroy, aber dank Denzel Washington immerhin noch ein Film für Zwischendurch.

Bewertung

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Roman J. Israel, Esq. (2017)
122 min|Crime, Drama, Thriller|22 Nov 2017
6.4IMDB-Wertung: 6.4 / 10 von 24,129 Nutzern
Innerhalb des überlasteten Gerichtsapparts von Los Angeles sieht sich der idealistische Pflichtverteidiger Roman Israel (Denzel Washington) mit einer Reihe außergewöhnlicher Ereignisse konfrontiert, die sein Leben auf den Kopf stellen. Als sein Mentor stirbt, wird er von einem Unternehmen angestellt, das der ambitionierte Anwalt George Pierce (Colin Farrell) leitet, ein ehemaliger Student ebenjenes Mentors...
10th Mrz2019

Das schönste Mädchen der Welt (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Das schönste Mädchen der Welt Filmkritik

Der 17-jährige Cyril (Aaron Hilmer) ist in seiner Klasse ein Außenseiter, da er wegen seiner großen Nase von seinen Mitschülern gehänselt wird. Abends hingegen rappt er auf sogenannten Battle-Rap-Veranstaltungen, wo sich zwei Rapper gegenüberstehen und sich mit Reimketten verbal duellieren.

dasschoenstemaedchenderwelt_1 Seine musikalische Begabung möchte er jedoch versteckt halten, weshalb er nur mit einer schwarz-goldenen Maske und unter dem Namen Der Maskenmann auftritt. Als er während einer Klassenfahrt Roxy (Luna Wedler) kennenlernt, kommt es zu einem Missverständnis. In Berlin sieht sie ihn maskiert auf der Bühne rappen und verliebt sich in ihn.

Später trifft sie jedoch auf Cyrils Mitschüler Rick (Damian Hardung) der die Maske trägt, sodass sie sich in den falschen verliebt. Hinter dieser klassischen Verwechslung scheint jedoch mehr zu stecken, als gedacht.

Das schönste Mädchen der Welt ist eine deutsche Komödie aus dem Jahre 2018. Die Regie übernahm Aron Lehmann und das Drehbuch wurde von Judy Horney und Lars Kraume verfasst. Dieser Film ist dahingehend anders, da er untypisch für einen deutschen Film eine gute Mischung aus Romantik und Comedy herstellt.

Das schönste Mädchen der Welt Filmkritik Die beiden Hauptfiguren Roxy und Cyril dominieren diesen Film und unter den beiden Schauspielern entsteht eine ausgezeichnete Chemie. Die extrovertierte Roxy trifft auf den introvertierten Cyril und beide verstehen sich von Anfang an. Allerdings kommt es zu einer Verwechslung, sodass ihre Beziehung zueinander unterbrochen wird.

Auf seinen abendlichen Auftritten kann Cyril jedoch über seinen Schatten springen und seine Kraft zum Ausdruck bringen. Dieses Szenario ist angenehm und schön anzusehen, da beiden Hauptfiguren sympathisch sind und gut zusammen funktionieren. Es wäre langsam an der Zeit, dass kleine Filmprojekte wie diese in Deutschland zunehmen, um auch jungen Deutschen zu zeigen, dass Filme mehr sein können als jede flache Schweiger-Schweighöfer Rom-Com.

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Aus dieser Sicht ist es auch befreiend einen deutschen Film mit Herz und Gefühl zu sehen, da Emotionen hier in der Vergangenheit fehl am Platz waren. Schauspielerisch wird das Ensemble von Nachwuchsdarstellern angeführt, von einem stark aufspielenden Aaron Hilmer, der authentisch und glaubwürdig ist. Seine emotionale Bandbreite gibt dem Film die benötigte Tiefe.

Luna Wedler überzeugt ebenfalls als weibliche Hauptrolle. Ihre schauspielerische Leistung ist gelungen, da sie kraftvoll und ausdrucksstark als Roxy auf der Leinwand zu sehen ist. Sie ist glaubhaft und unterhaltsam in ihrer Rolle. Des Weiteren sind die Hip-Hop-Szenen sehr unterhaltsam, da sie außer bei biografischen Hip Hop-Filmen in Deutschland kaum so locker und authentisch im deutschen Kino zu sehen waren. Die Texte sind überzeugen und auch die Atmosphäre auf den Rap-Veranstaltungen kommt gut zum Ausdruck.

Kritisch zu betrachten sind hingegen einige Dialoge, die unglaubwürdig und künstlich zugleich wirken. An diesen Stellen ist spürbar aus welchem Land dieser Film stammt. Diese Gespräche würden in dieser Art und Weise wohl nicht von zwei 17-Jährigen geführt werden, da sie viel zu sehr nach einem Drehbuch klingen, welches geschrieben wurde, um jedem zu zeigen, was genau gemeint war.

Diese unnötige Ausformulierung von offensichtlichen Emotionen der Figuren sorgt für leichte Abzüge im Fazit. Ansonsten ist besonders der Schluss gelungen, der für fünf Minuten pures Gefühlskino sorgt und den Zuschauer zurück in den Sitz fallen lässt. Insgesamt ist Das schönste Mädchen der Welt ein schöner deutscher Film, der durch sympathische Figuren und eine tolle Liebesgeschichte zu empfehlen ist.

Bewertung

Bewertung_7

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Informationen
Das schönste Mädchen der Welt (2018)
102 min|Comedy, Music, Romance|06 Sep 2018
7.2IMDB-Wertung: 7.2 / 10 von 688 Nutzern
Roxy (Luna Wedler) ist neu in der Klasse und verdreht gleich allen Jungs den Kopf. Die schlagfertige 17-Jährige ist gerade von ihrer alten Schule geflogen und hat null Bock auf die anstehende Klassenfahrt nach Berlin. Im Bus freundet sie sich mit dem sensiblen Außenseiter Cyril (Aaron Hilmer) an, der sie mit seinem Wortwitz überrascht...
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