09th Sep2018

Lady Bird (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Lady Bird

Die 17-jährige Christine (Saoirse Ronan) lebt mit ihrer Familie in dem kalifornischen Sacramento. Sie ist unzufrieden mit ihrer kulturlosen und langweiligen Heimatstadt und hofft auf einen Studienplatz an der amerikanischen Ostküste.

ladybird_1 Außerdem bevorzugt sie Lady Bird genannt zu werden, da ihr Geburtsname ebenfalls zu unattraktiv sei. An der katholischen High-School schauspielert sie in einem Theater-Kurs, wo sie auch Danny (Lucas Hedges) kennenlernt. Beide kommen sich schnell näher und es kommt zu einem ersten Kuss.

Beeindruckt und unsicher zugleich erzählt Lady Bird ihrer Mutter (Laurie Metcalif) von ihrer ersten Liebe. Diese ist jedoch wenig begeistert von den Gefühlen ihrer rebellischen Tochter. Als Krankenschwester muss sie hart arbeiten, um ihre Familie zu ernähren, da Familienvater Larry (Tracy Letts) entlassen wurde.

Dennoch liebt sie ihre Tochter und nur aus Liebe zu ihr kritisiert sie diese so häufig. Das scheinbar langweilige Sacramento scheint nur eine Nebensächlichkeit zu sein, da Lady Bird mit einem größeren Problem zu tun hat: dem Erwachsenwerden.

Lady Bird ist ein US-amerikanischer Coming-of-Age-Film, der von Greta Gerwig inszeniert und geschrieben wurde. Der Film stellt zugleich ihr alleiniges Debüt als Regisseurin dar, da sie zuvor lediglich gemeinsam mit Joe Swanberg die Regie führte.

ladybird_2 Mit zwei Oscar-Nominierungen, jeweils eine für die beste Regie und für das beste Originaldrehbuch, konnte Greta Gerwig mit diesem Film ihren kreativen Durchbruch in Hollywood feiern. Die zusätzliche Nominierung als bester Film bei den Oscars 2018 lässt vermuten, dass Lady Bird ein sehenswerter und schöner Film sei. Allerdings sind all die Vorschusslorbeeren nicht mehr als falsche Etiketten, da der Film und besonders die öde Geschichte nicht zu empfehlen sind.

In Zeiten von zahllosen Coming-of-Age-Filmen fällt insbesondere auf, dass die Figuren und die Geschichte so besonders sein möchten, dass es unmöglich ist auch nur einen Moment lang der Handlung zu folgen. Die Figuren wirken allesamt wie mustergültige Drehbuchschablonen, die jedoch keinen Hang zur Realität besitzen und nur anhand ihrer sonderbaren Art und Weise aus der Reihe tanzen.

Besonders die Hauptfigur der 17-jährigen Christine ist an dieser Stelle zu kritisieren. Eine scheinbar unsichere und schräge junge Frau sucht ihren Weg zum Erwachsensein. Begleitet von ersten romantischen Begegnungen und einer strengen, aber liebevollen Mutter wird der kurze Lebensabschnitt gezeigt, der die Entwicklung eines Menschen massiv beeinflusst.

Allerdings kommen viele Sätze nicht richtig an, da sie surreal und deplatziert wirken. Positiv anzumerken sind hingegen die wenigen Szenen, in denen wichtige Themen in den Kreisen der Familie besprochen werden. Sympathisch ist auch die scheinbar langweilige kalifornische Hauptstadt Sacramento, die selten in Hollywood als Handlungsort dienen darf.

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Auch die Verkörperung von Lady Bird durch Saoirse Ronan ist durchaus gelungen, da sie mit ihren Gesichtsausdrücken immer etwas schräg und wild bleibt. Dennoch ist Greta Gerwig ein vollkommen missratener Film gelungen, der scheinbar keine richtige Handlung besitzt und nur so vor sich hertreibt. Hier ist auch ihre Regie zu erwähnen, die vielen Szenen zu schnell und hektisch wirkt.

Der Aufbau von Tiefe für Handlungsorte und Dialoge wird durch die zahlreich installierten Schnitte und Handlungswechsel im Film gehemmt. Eine konzentriertere Regie hätte aus der Einöde Sacramento bildlich und auch emotional betrachtet mehr leisten können. Durch die enorme Anzahl an Handlungswechseln ist es dem Zuschauer auch nicht ansatzweise vergönnt einen Zugang zu diesem Werk zu finden. Auch die wenig menschlich wirkenden Figuren tragen zu diesem Dilemma bei. Die viel zu aufgesetzte Familie aus Kalifornien könnte genauso gut aus einem Science-Fiction-Film stammen, da lediglich der Familienvater als normaler Mensch erscheint.

Die insgesamt fünf Oscar-Nominierungen sind ebenso fragwürdig wie vorhersehbar, da die Jury ein scheinbar außerordentliches Werk gerne in die engere Auswahl einbeziehen wollte und ebenso einen weiblichen Regisseur. Das Werk ist im Coming-of-Age-Genre nur einer unter vielen und dabei nicht einmal ein guter. Ihm fehlt nicht nur eine ordentliche Geschichte, sondern überhaupt jegliches Highlight. Filme, die ohne Handlung auskommen können, müssen nun mal außerordentliche Figuren oder Dialoge beinhalten, um zu beeindrucken. Leider ist dies nicht der Fall. Lady Bird wartet nur mit Fremdkörpern auf und ist schlussendlich ein gänzlich enttäuschender Film, der besonders durch die eine viel zu hektische Inszenierung und befremdliche Geschichte versucht seine Spuren zu hinterlassen. Bis auf Müdigkeit und Trägheit bleibt aber nicht viel.

Bewertung

Bewertung_5

Trailer

Informationen
Lady Bird (2017)
94 min|Comedy, Drama|01 Dec 2017
7.5IMDB-Wertung: 7.5 / 10 von 137,173 Nutzern
Der Alltag von Christine "Lady Bird" McPherson im kalifornischen Sacramento besteht aus High School-Routine, Familientrouble und ersten ernüchternden Erfahrungen mit Jungs. Kein Wunder also, dass die 17-Jährige davon träumt, flügge zu werden. Im echten Leben rebelliert sie mit Leidenschaft und Dickköpfigkeit gegen die Enge in ihrem Elternhaus...
04th Sep2018

The Disaster Artist (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

The Disaster Artist

Greg Sestero (Dave Franco) hegt seit unzähligen Jahren den Traum Schauspieler zu werden. In seinem Schauspielkurs ist er allerdings viel zu unsicher und schüchtern. Tommy Wiseau (James Franco) hingegen zeigt im Unterricht einen furiosen Auftritt und präsentiert furchtlos seine eigensinnige Form von Kunst. Übertrieben und scheinbar vollkommen ohne Talent verfällt er in seine Rolle.

thedisasterartist_1 Die anderen Kursteilnehmer wissen nicht genau, ob sie lachen oder weinen sollen. Nach der Vorführung spricht Greg den erfolgssicheren Tommy an und nach einem kurzen Gespräch beschließen beide nach Los Angeles zu ziehen, um ihren eigenen Film zu drehen. Mit dem Film The Room möchte sich Tommy als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent einen Namen in Hollywood machen.

Als zweite Hauptrolle besetzt er Greg, der von Tommys Bestrebungen fasziniert ist. Dennoch kann er nicht genau einschätzen, ob Tommy Wiseau tatsächlich das Talent für den angestrebten Erfolg hat. Doch der Traum der beiden Männer scheint keine Grenzen zu kennen!

The Disaster Artist ist ein Biopic über Tommy Wiseau, der mit seinem Erstlingswerk The Room weltweite Bekanntheit erlangte. Sein Einstieg ins Filmgeschäft erhielt jedoch nur deshalb so große Aufmerksamkeit, da es außerordentlich schlecht verlief und für viele als schlechtester Film der Geschichte gilt. Mittlerweile von den Fans des Films, auf Grund einer unfreiwilligen Komik, jedoch geschätzt wird und in den USA sogar Kultstatus erlangte.

In der Hauptrolle des Biopic tritt James Franco, der wie einst Wiseau die Hauptrolle und Regie zugleich übernahm. Das Drehbuch, verfasst von Scott Neustadter und Wiliam H. Weber, die zuvor die Drehbücher zu Das Schicksal ist ein mieser Verräter und 500 Days of Summer schrieben, basiert auf dem gleichnamigen Buch von Greg Sestero, welcher als Hauptdarsteller direkte Einblicke in den Produktionsprozess des Films The Room hatte. Die Geschichte von The Disaster Artist befasst sich daher mit der Entstehung des und beleuchtet vor allem die Hintergründe und die Planung am Set.

thedisasterartist_2 Die Thematik ist vielversprechend und unterhaltsam für diejenigen, die das Filmemachen schätzen. Daher ist es interessant zu beobachten, wie das Scheitern in Hollywood filmisch umgesetzt wird. James Franco nutzt die thematischen Begebenheiten, um selbst sein persönliches Meisterwerk zu schaffen, welches ihm allerdings teilweise eher missglückt.

Das liegt vor allen Dingen an den Figuren, welche allesamt blass bleiben und nur oberflächlich behandelt werden. Das liegt zum einen an vielen offenen Fragen und zum anderen an der etwas zu lockeren Regie Francos.

Die Figur Tommy Wiseau wird vielleicht bewusst oberflächlich behandelt, sodass seine genaueren Motive ein Rätsel bleiben. Die langen schwarzen Haare, die Sonnenbrille und der skandinavische Akzent werden dagegen vortrefflich im Film abgebildet. Die weiteren Hintergründe, die genaue Persönlichkeit sowie die Ängste von Wiseau bleiben jedoch weiter ungewiss.

Es ist schwierig einer Figur zu folgen, die nicht greifbar ist. Daher ist die Betrachtung des Films zäh und emotional ungebunden. Franco setzt in seiner Regie auf eine lose Inszenierung, die die Figur Tommy Wiseau wie einen Sonderling in Hollywood erscheinen lässt. In den Interaktionen zwischen seinen Kollegen kann er zumeist nur durch unorthodoxe Methoden auffallen.

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Andererseits lässt die dünne Figurenzeichnung auch viele individuelle Gedanken zu, sodass mit Wiseau der eigene Traum vom Erfolg verbunden werden kann. In dem Medium Film ist es allerdings wichtig sich in einigen Punkten mit den Figuren zu identifizieren. Dies ist zwar möglich, aber nicht unbedingt annehmbar. Es ist dennoch Franco zu verdienen, dass The Disaster Artist sehenswert ist.

Er schauspielert überragend und gibt der flachen Figur ein Gesicht, eine Stimme und eine außerordentliche Gestik. Trotz fehlender emotionaler Bandbreite kann er als Schauspieler überzeugen und seiner Rolle einen Hauch Menschlichkeit verschaffen. James Franco mimt den talentlosen Bestreiter des einst so großen amerikanischen Traums perfekt. Ohne große dramaturgische Tiefe und einen scheinbar kaum gegebenen biografischen Hintergrund spielt er seine Rolle unbestreitbar nahe der Perfektion.

Er gibt einer oberflächlichen Figur in den richtigen Szenen eine Besonderheit und löst sich gekonnt von einer typischen Figurenzeichnung. Dabei ist es zudem bemerkenswert, dass Tommy Wiseau nicht ins Absurde gezogen wird. Trotz seines skurrilen Erscheinungsbildes und seiner merkwürdigen Art nutzt Franco dies nicht aus. Seine Herangehensweise ist jedoch riskant, da die komödiantischen Momente auf ein Minimum reduziert werden.

Negativ muss aber angemerkt werden, dass auch die Wiseau begleitenden Figuren beachtlich blass bleiben. Niemals beginnt man auch nur sich mit einer der Figuren im Entferntesten zu identifizieren. Auffällig ist ebenso, dass James Franco mit seinem Schauspiel deutlich über allen anderen liegt und seinen jüngeren Bruder Dave Franco regelrecht an die Wand spielt. Der Kern des Films, die Eigenschaft eines Kultfilms zu bestimmen, ist aber gelungen.

The Disaster Artist bleibt zwar hinter seinen Erwartungen zurück, kann allerdings durch eine eindrucksvolle Performance des Schauspielers James Franco mitreißen und befördert Tommy Wiseau noch weiter nach oben auf der Befangenheitsliste Hollywoods.

Bewertung

Bewertung_6

Trailer

Informationen
The Disaster Artist (2017)
104 min|Biography, Comedy, Drama|08 Dec 2017
7.5IMDB-Wertung: 7.5 / 10 von 91,808 Nutzern
Tommy Wiseau und Greg Sestero lernen sich in einer Schauspielschule kennen und werden über ihre gemeinsame Bewunderung für James Dean und ihren geteilten Traum von einer Karriere in Hollywood schnell Freunde. Greg bewundert Tommy für seine Furchtlosigkeit auf der Bühne und dafür, dass er niemals aufgibt, allerdings wird den beiden schnell klargemacht, dass sie keine Chancen auf eine Schauspielkarriere haben...
23rd Aug2018

Mission: Impossible – Fallout (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Mission: Impossible 6

In der deutschen Hauptstadt Berlin ist Ethan Hunt (Tom Cruise) mit seinem Team auf der Spur nach gefährlichen Plutonium-Kapseln. Bei einem Austausch der gefährlichen Ware muss er sich letztendlich entscheiden, ob er sein Team für die weltweite Sicherheit opfert oder die Verbrecher überführt. Ethan lässt die kriminellen Männer, die nur die „Apostel“ genannt werden, entkommen und rettet somit sein Team.

missionimpossible6_1 Wieder zurück in den Vereinigten Staaten von Amerika wird er für sein Verhalten von der CIA-Chefin kritisiert, die ihm eine fehlende Einschätzung von Menschenleben vorwirft. Deshalb schickt sie ihm fortan einen persönlichen Beobachter namens August Walker (Henry Cavill) mit auf den Weg. Angezählt und unter strenger Kontrolle muss Ethan Hunt die Welt vor den neuen Schurken beschützen, die ihre Plutonium-Kapseln in Paris versteigern wollen.

Es scheint wieder einmal alles in den Händen des Super-Agenten Ethan Hunt zu liegen, der einen Wettlauf gegen die Zeit gewinnen muss!

Mission Impossible – Fallout ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahre 2018 und der nunmehr sechste Teil der Reihe, die bereits im Jahr 1996 startete. Die Regie übernahm abermals Christopher McQuarrie, der bereits beim fünften Teil der Reihe auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte. Wie schon im vorherigen Teil verfasste er auch das Drehbuch zum Film.

Nach einer scheinbar erfolgten Trendwende bei Kinofilmen von handgemachter Action hin zu CGI-Bombast, besonders durch die vielen Comic-Verfilmungen ausgelöst, scheint der neue Agentenfilm mit Tom Cruise eine altbekannte Kino-Tradition wieder einzuführen: die Leidenschaft für Actionfilme.

missionimpossible6_2 Es ist wirklich bemerkenswert, dass ein 56-jähriger Tom Cruise das Blockbuster-Kino durch überragende Actionsequenzen dominiert, obwohl die meisten Filmstudios mittlerweile über genügend Budget verfügen, um selbst gute Action zu inszenieren. Allerdings scheiterten die meisten Blockbuster der letzten Jahre an eben diesen Ansprüchen, da Großteile des Budgets für namhafte Hollywooddarsteller und sinnloses CGI bezahlt wurden.

Die gute und vor allem handgemachte Action blieb jedoch auf der Strecke. Unter diesem Gesichtspunkt ist Mission Impossible – Fallout eine Offenbarung des Actionkinos. Der letzte große Actionknaller war erwiesenermaßen John Wick (2014) mit Keanu Reeves. Gut drei Jahre später setzt Tom Cruise mit seinem Film neue Standards für handgemachte Action.

Seine Leidenschaft, seine Einsatzbereitschaft und seine körperliche Dominanz sorgen für eine unfassbar realistische und deshalb so packende Inszenierung, dass der Zuschauer endlich wieder etwas spüren kann in seinem Kinosessel. Diese Bereitschaft für knallharte Action eines Hauptdarstellers auf der großen Leinwand zeigt den großen Unterschied zwischen Mission Impossible und dem Großteil der Comic-Blockbuster.

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Einige Szenen sind deshalb so faszinierend, weil sie nah an den agierenden Schauspielern gedreht sind und kaum eine Distanz aufweisen. Hier sind unter anderem ein Halo-Sprung über den Wolken von Paris, ein Helikopter-Stunt und eine wilde Hetzjagd mit dem Motorrad herauszuheben. Für alle Fans des Actionkinos ist der sechste Teil der Reihe eine Pflichtveranstaltung. Die Emotionen, die der charismatische Cruise auslöst, kommen aufgrund seiner Liebe zum Film zustande. Der Zuschauer kann diese Liebe teilen, da er jeden Sprung, jeden Schlag und jeden Tritt in seinen Sitz spürt.

Selten war ein Blockbuster eine so intensive, atemberaubende und faszinierende Veranstaltung. Filme wie diese zeigen, dass ein leidenschaftlicher Dreh eine Wirkung beim Zuschauer auslösen kann. Abgesehen von diesen Höchstwerten ist die Story des Films teilweise etwas anstrengend, da viele Akteure zur gleichen Zeit agieren und der Überblick leicht verloren gerät. Unter anderem kehren Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson und Sean Harris in ihre bekannten Rollen zurück. Mit Vanessa Kirby, Henry Cavill und zahlreichen weiteren gibt es aber zahlreiche neue Gesichter.

Die Geschichte setzt sich mit den Folgen von Teil 5 auseinander, somit ist dieser und eventuell der dritte Teil der Reihe eine gute Basis, um sich den neuesten Film der Reihe anzusehen. Die Figuren aus dem neuen Teil sind zwar interessant, jedoch bleibt eine leichte Verwirrtheit an einigen Passagen. Auch die etwas zu offensichtlichen platzierten Wendungen sorgen für ein kurzes Stocken des Handlungsflusses.

Andererseits wurden einige Storyelemente gut eingesetzt und erscheinen unvorhersehbar. Das stärkste Element des Drehbuchs ist die Zeichnung von Ethan Hunt, der scheinbar der Held mit der weißen Weste ist, der niemals etwas Böses unternimmt. Eben diese Frage, ob ein Held in dem Blockbusterkino 2018 noch glatt und unschuldig sein darf ist bedeutend, da der Trend der letzten Jahre eher von Protagonisten mit klar definierter Moral hin zu dunklen, makelbehafteten Helden verlief.

Ethan Hunt ist jedoch kein dunkler Held, sondern ein altmodischer Streiter für Gerechtigkeit, der seine Freunde niemals opfern würde. Dieser Konflikt zwischen der erfolgreichen Absolvierung einer Mission und dem Retten seiner eigenen Teammitglieder wird über den gesamten Film zelebriert und gewissenhaft erklärt. Insgesamt ist Mission Impossible: Fallout die Rückkehr des Actionkinos und der Blockbuster des Kinosommers 2018.

Bewertung

Bewertung_8

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Informationen
Mission: Impossible - Fallout (2018)
147 min|Action, Adventure, Thriller|27 Jul 2018
8.1IMDB-Wertung: 8.1 / 10 von 113,057 Nutzern
Nach einer missglückten Mission wird Geheimagent Ethan Hunt mehr denn je mit den Konsequenzen seiner vergangenen Taten konfrontiert. Während ihn seine Vergangenheit heimsucht, sieht sich die Welt einer schweren nuklearen Bedrohung ausgesetzt. Unter der Führung des neuen IMF-Chefs Alan Hunley müssen Ethan, seine Kollegen Benji Dunn und Luther Stickell sowie MI6-Agentin Ilsa Faust in einem Wettlauf gegen die Zeit einmal mehr eine Katastrophe verhindern...
16th Aug2018

Last Flag Flying (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Last Flag Flying

2003: die USA führen einen erbitterten Krieg gegen den Irak. In Amerika betritt der sichtlich niedergeschlagen Larry (Steve Carell) eine Bar. Der Barkeeper Sal (Bryan Cranston) gießt ihm ein frisch gezapftes Bier ein und die beiden Männer kommen langsam ins Gespräch. Sie reden über die aktuellen militärische Auseinandersetzungen der Vereinigten Staaten und die Entwicklungen an der Front und in der Heimat.

lastflagflying_1 Sal stellt während des Dialoges fest, dass der scheinbar unbekannte Gast ein Weggefährte alter Tage ist, denn die beiden waren in den 70er Jahren gemeinsam in Vietnam stationiert. Larry und Sal verbringen daraufhin den gesamten Abend zusammen, trinken und reden über vergangene Erlebnisse.

Am nächsten Morgen beschließen die beiden einen weiteren Kameraden namens Richard Mueller (Lawrence Fishburne) aufzusuchen, der in der Nähe lebt. Dieser ist inzwischen Priester in einer Kirche und predigt Frieden und Nächstenliebe.

Während einer Messe steht Sal ohne Vorwarnung auf und beginnt zu applaudieren, sodass alle Gäste aufmerksam werden. Priester Mueller erkennt die beiden alten Freunde und schließt sich dem Duo kurzerhand an.

Bei einem gemeinsamen Essens offenbart Larry, dass er Anfang des Jahres seine Frau verloren hat. Außerdem erzählt er, dass sein Sohn kürzlich im Irakkrieg gefallen ist und in der kommenden Nacht per Flugzeug an einem Militärstützpunkt landet. Die drei Männer fahren gemeinsam zum Flughafen und starten parallel eine Reise in die eigene Vergangenheit.

lastflagflying_2 Last Flag Flying ist eine Mischung aus Drama und Komödie aus dem Jahr 2017. In den Hauptrollen sind Steve Carell, Bryan Cranston und Laurence Fishburne zu sehen, während die Regie und das Drehbuch von Richard Linklater übernommen wurden, der zuvor die Filme Everybody Wants Some!, Boyhood und Dazed and Confused inszenierte.

Wie gewohnt setzt Linklater in seinem neuesten Werk wieder auf lockere Handlungsstränge, die durch gute Dialoge und wunderbare Schauspieler aufgewertet werden. In Last Flag Flying ist die Thematik jedoch anspruchsvoller und dramatischer als in seinen vergangenen Werken.

Die Auseinandersetzung der US-amerikanischen Kriegspolitik wird geschickt und intelligent in die tragische Handlung des Films integriert. Die Person des Larry Shepherd erlangt durch seine ehemaligen Kollegen mit vielen Informationen aus der Vergangenheit verstärkten Tiefgang und entwickelt so eine gewisse Schärfe. Es ist fantastisch anzuschauen wie ausgewogen die drei Hauptrollen untereinander erscheinen.

Die Hollywoodgrößen Cranston, Carell und Fishburne brillieren durch eine gute Chemie in ihren Dialogen, welche dadurch glaubhaft und gefühlvoll zugleich wirken. Viele lustige Momente, vor allem durch die Handlungen von Bryan Cranston ausgelöst, arten nicht in Slapstick aus sondern erzielen dank einer abwechslungsreichen Geschichte ihre großartige Wirkung. Hierbei sind insbesondere die Dialoge zwischen den Kriegsveteranen und einem militärischen Kommandanten des Stützpunktes hervorzuheben.

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Schauspielerisch besticht Bryan Cranston durch seine witzige wie auch dramatische Verkörperung. In einigen Szenen ist er vielleicht etwas zu engagiert, was jedoch keineswegs den sympathischen Unterhaltungswert des Films senkt.

Laurence Fishburne bleibt als moralischer Ankerpunkt und ehemaliger Soldat eine geläuterte Figur, die ihre Kehrtwende im Leben geschafft hat. Dennoch blitzen immer wieder kleine Reminiszenzen an alte Zeiten auf. Beispielsweise bekommt der scheinbar geläuterte Priester in einer Szene einen Wutanfall. Carell liefert eine sehr ruhige und konzentrierte schauspielerische Leistung ab, indem er seine Figur depressiv und niedergeschlagen interpretiert.

Neben diesen schauspielerischen Höhepunkten überzeugt auch das Drehbuch von Linklater, welches durch zahlreiche ruhige sowie schöne Momente hervorsticht. Außerdem sind die vermeintlichen Abläufe des Films durch komödiantische, traurige und dialogstarke Szenen nicht komplett vorhersehbar. Es ist einfach das beruhigende Werk eines Filmemachers, der eine klare Struktur verfolgt und charmante Figuren gekonnt und zielgerichtet inszeniert.

Last Flag Flying bleibt der altbekannten Linie seines Regisseurs treu und ist ein bisschen Anti-Kriegsfilm ohne eine einzige Kriegsszene zu zeigen. Die militärische Auszeichnung eines amerikanischen Helden wird durch diesen Film erheblich beschädigt, da der Umgang mit dem Tod seitens des Militärs als kritischer Aspekt aufgerufen wird. Denn zahlreiche Soldaten sterben während ihres Kriegseinsatzes, die genauen Hintergründe ihrer Tode bleiben jedoch zu oft ungeklärt.

Die Verwendung des Begriffs „Held“ wird dann meist wahllos vergeben, um eine Kritik seitens der Hinterbliebenen zu verhindern. Last Flag Flying ist eine ruhige, witzige und traurige Auseinandersetzung mit dem Tod eines US-Soldaten, der scheinbar als amerikanischer Held im Krieg gefallen ist. Gute Unterhaltung bieten die bekannten Hollywoodstars Bryan Cranston, Laurence Fishburne und Steve Carell, intelligent verfeinert durch eine solide Rahmenhandlung von Richard Linklater.

Bewertung

Bewertung7

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Last Flag Flying (2017)
125 min|Comedy, Drama, War|03 Nov 2017
6.9IMDB-Wertung: 6.9 / 10 von 15,603 Nutzern
Vor 34 Jahren machten sich die Marines Sal (Bryan Cranston) und Mueller (Laurence Fishburn) gemeinsam mit dem Navy-Arzt Richard Shepherd (Steve Carell) auf den Weg, um einen 18-jährigen Straftäter ins Gefängnis zu bringen – und wurden während dieser Reise gute Freunde. Im Jahr 2003 treffen die drei ungleichen Männer wieder aufeinander – gealtert, aber mitten im Leben...
24th Jun2018

Fikkefuchs (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Fikkefuchs

In einem Supermarkt versucht der verzweifelte Thorben (Franz Rogowski) die Kassiererin sexuell zu überfallen und wird daraufhin in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

fikkefuchs_1 Von dort aus postet er täglich neue Bilder von sich und berichtet über seinen aktuellen Gesundheitszustand. Doch nach einiger Zeit ist er unzufrieden mit seiner Situation, bricht aus der Klinik aus und fährt per Anhalter geradewegs nach Berlin, wo er erwartungsvoll seinen Vater Rocky (Jan Henrik Stahlberg), der von Thorbens Mutter als „Stecher von Wuppertal“ bezeichnet wurde, besucht.

Thorben erhofft sich von seinem Vater Ratschläge und Tipps, um endlich mit einer Frau Sex zu haben. Dieser ist allerdings mittlerweile in die Jahre gekommen und keinesfalls mehr in derselben Verfassung wie in seiner „Glanzzeit“. Zögerlich willigt Rocky jedoch ein seinem Sohn in seiner Misere zu helfen.

Schnell muss sich Rocky jedoch eingestehen, dass seine einstigen Verführungskünste leicht eingerostet sind. Auf nächtlichen Partytouren versuchen Vater und Sohn ihr Selbstbewusstsein zurückzugewinnen und den Frauen Berlins näherzukommen.

Fikkefuchs ist eine deutsche Komödie aus dem Jahre 2017, die unter der Regie von Jan Henrik Stahlberg entstand, der 2004 durch den Film Muxmäuschenstill bekannt wurde. Zusätzlich zeichnet er sich auch bei beiden Filmen für das Drehbuch verantwortlich.

fikkefuchs_2 Die Geschichte seines neuesten Werks ist aktuell und rollt die Beziehung zwischen Männern und Frauen besonders seit der sogenannten „Me-Too-Debatte“ neu auf. So werden in dem Film Vorstellungen über Sex, Lust und Eitelkeit beschrieben, von denen scheinbar jeder Mann angetrieben wird.

Des Weiteren befasst er sich mit der starken Sexualität in der heutigen Gesellschaft. Einige explizite Szenen, wie unter anderem die Fahrt von Thorben nach Berlin, werden durch Musikvideos des Berliner Hip-Hop-Duos SXTN begleitet, wo sehr viel nackte Haut zu sehen ist. Außerdem ist Thorben viel damit beschäftigt seine sexuellen Neigungen in den gängigen sozialen Onlinemedien zu teilen.

Er hat beispielsweise auch keine Scham in einem Café offen mit einem Kumpel über die Attraktivität von Frauen zu diskutieren. Sein Vater Rocky dagegen zeigt eine ablehnende Haltung gegenüber der neuen Kultur. Er betont immer wieder die enorme Wichtigkeit von vorgetragenem Charme, Witz und Unnachgiebigkeit bei einem Gespräch mit einer Frau. Er ist sich sicher, dass er ganz anders denkt als sein Sohn Thorben.

Zielstrebig und etwas eingebildet versucht er seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Das Witzige an dem beschriebenen Szenario ist, dass Rocky und Thorben zwar anfänglich unterschiedliche Ausdrucksweise haben, im Laufe des Films jedoch immer näher aneinanderrücken. Ein schönes Zusammentreffen unterschiedlicher Generationen und Wertevorstellungen.

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Einerseits ist Fikkefuchs ein provokanter und grenzwertiger Film, der das sexuelle Empfinden zwischen Männern und Frauen darstellt und andererseits ist der Film eine witzige Auseinandersetzung mit einer seit Jahrzehnten andauernden Debatte über Dating beziehungsweise den korrekten Umgang mit Frauen.

Es ist wunderbar, dass Jan Henrik Stahlberg nicht mit dem gehobenen Zeigefinger auf eine gesellschaftliche Problematik hinweist, sondern vielmehr anhand von humorvollen und teilweise abstoßenden Einfällen dem Zuschauer selbst die Wahl lässt.

Der Zuschauer wird nicht dazu drangsaliert einer bestimmten Meinung zu folgen, sondern erfährt die Bedeutung von Sex für das individuelle Leben aus der Sicht des Mannes. Offen bleibt jedoch, ob der Film als soziale Kritik zu verstehen ist.

Schauspielerisch sind die Leistungen von Jan Henrik Stahlberg und Franz Rogowski, der besonders durch den Film Victoria (2015) bekannt wurde, ansehnlich. Beide spielen frei und ohne jeden Druck. Sie wirken größtenteils glaubhaft in ihren Aktionen und es entsteht zwischen beiden ein spezielles Vater-Sohn-Verhältnis.

Negativ angemerkt werden muss aber die merkwürdig erscheinende Perücke sowie der aufgepumpt wirkende Bauch Jan Henrik Stahlbergs in seiner Rolle des Rocky. Es ist nicht ganz nachvollziehbar warum die Figur Rocky so künstlich aufgebläht und abgehalftert wirken soll. Dennoch ist dies nur ein kleiner Wermutstropfen in einer ansonsten witzigen, deutschen Komödie.

Insgesamt aber ist Fikkefucks eine gelungene Komödie, die ohne ein Blatt vor dem Mund gesellschaftliches Handeln beschreibt und trotz einiger Längen immer unterhaltsam bleibt.

Bewertung

Bewertung7

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Fikkefuchs (2017)
101 min|Comedy, Drama|16 Nov 2017
7.0IMDB-Wertung: 7.0 / 10 von 129 Nutzern
Rocky war einst ein echter Frauenheld, zumindest in seiner eigenen Wahrnehmung, doch seine besten Tage liegen mittlerweile längst hinter ihm. Das hält den Möchtergern-Casanova jedoch nicht davon ab, weiterhin jungen Frauen hinterherzusteigen. Nun lernt er kurz vor seinem 50. Geburtstag einen jungen Mann namens Thorben kennen, der behauptet, sein Sohn zu sein, und ist doch noch einmal als Verführer gefordert...
23rd Jun2018

Logan Lucky (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Logan Lucky

Jimmy Logan (Channing Tatum) plagt seit der High-School eine üble Knieverletzung, welche ihm sogar eine potenzielle Karriere als Football-Spieler ruiniert hat. Seitdem arbeitet er notgedrungen als Bauarbeiter in West Virginia.

DSC_9190.nef Sein Bruder Clyde (Adam Driver) wurde im Irak-Krieg der linke Unterarm weggesprengt und ist als einarmiger Barkeeper am Stadtrand das Gespött der Gäste. Die beiden Brüder werden in ihrer Gemeinde verhöhnt, da scheinbar ein Fluch auf den Brüdern liegt.

Als Jimmy wegen seines Humpelns als Bauarbeiter entlassen wird, beschließt er mit seinem Bruder einen Überfall und will allen beweisen, dass sie keine Versager sind. Das Ziel ist ein Rennen der NASCAR-Serie in North Carolina.

Jimmy weiß durch seine Tätigkeiten als Bauarbeiter, dass der Tresor mit den gesamten Wetteinnahmen unter der Erde gelagert ist. Als Sprengstoffexperten nehmen die Brüder Kontakt zu Joe Bang (Daniel Craig) auf, der im Hochsicherheitsgefängnis sitzt. Da er jedoch nur noch wenige Monate absitzen muss, lehnt er eine Zusammenarbeit mit den Logan-Brüdern ab.

Doch die beiden Brüder geben keineswegs auf. Können sich Jimmy und Clyde Logan ihrem Fluch zur Wehr setzen?

Logan Lucky ist ein US-amerikanisches Heist-Movie von Steven Soderbergh aus dem Jahre 2017. Soderbergh ist ein anerkannter Experte für Heist-Movies und konnte mit seinen bekanntesten Werken, den drei Oceans-Filmen sowie Out of Sight aus dem Jahr 1998, schon erfolgreich großangelegte Raubüberfälle thematisieren.

Sein neuester Film befasst sich in einer äußerst komödiantischen Art und Weise mit den typischen Elementen eines jeden Heist-Movies: ein Sprengstoffexperte, scheinbar dumme Handlanger, eine attraktive Frau zur Ablenkung und der einarmige Bandit.

LOGAN LUCKY Logan Lucky ist ohne Frage innerhalb der Soderbergh-Heist-Movies der witzigste Vertreter dieses Genres, denn hier wird viel Wert auf eine lockere und unterhaltsame Darstellung gelegt. Besonders die erste Stunde des Films ist durch eine genussvoll interpretierte Geschichte aus dem sogenannten „Mountain State“ der Vereinigten Staaten gelungen.

Die Ruhe an den wichtigen Stellen und das genaue Gespür für eine abwechslungsreiche Inszenierung zu finden, ist nicht einfach. Regisseur Soderbergh schafft aber den schwierigen Wechsel in den richtigen Momenten und etabliert zudem erfolgreich seine Figuren allesamt sympathisch als typische Versager innerhalb einer jeden Gesellschaft.

Gerade dieses Element des Misserfolgs macht den Charme des Films aus. Geschärft wird die Story durch einen Verbrecher, wie er im Buche steht. Daniel Craig, der in den letzten Jahren sehr auf die beliebte Rolle als James Bond reduziert wurde, liefert eine befreite und intensive Interpretation des Sprengstoffexperten Joe Bang ab, welcher trotz Gefängnisaufenthalt dem Verlangen nach dem nächsten BANG! nicht entrinnen kann.

Logan Lucky - Jetzt bei amazon.de bestellen!

Logan Lucky
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Sein schwarz-weißer Gefängnis-Overall, seine grauen Haare und seine Ernsthaftigkeit geben dem Heist-Movie seine ikonische Stoßrichtung vor. Zudem ist sein Schauspiel überzeugend und seine Figur fügt sich wunderbar in die schrille Geschichte und Erzählweise ein.

In den anderen Rollen punkten Channing Tatum und Adam Driver als gebrochenes Brüderpaar. Sie spielen ihre extravaganten Rollen freimütig und hegen zu jedem Zeitpunkt die Sympathien des Zuschauers. Allerdings sind vielleicht wenige Nebenrollen überflüssig und etwas überspitzt in die Geschichte integriert worden.

Die grundlegende Überlegung eines Überfalls ist sicherlich keine besonders neue Idee. Steven Soderbergh inszenierte zwar häufig Filme dieser Art, doch Logan Lucky hebt sich etwas von seinen vorherigen Filmen ab. Es wirkt fast so, als ob der Regisseur sich selbst parodiert. Die Figuren sind schräger, witziger und sympathischer als zum Beispiel bei der Oceans-Reihe, wo ein cooles und sicheres Auftreten im Vordergrund stand, als die Truppe rund um George Clooney in noble Casinos einbricht.

In seinem neuesten Werk ist auch die Location, erfrischend und kreativ gewählt. Es ist erfreulich die scheinbar schlechten Aussichten auf Geld und ein gutes Leben in dem ländlichen West Virginia sehen zu dürfen. Es wirkt so, als ob die Menschen neben einem Job als Bauarbeiter oder Krimineller keine Alternativen haben.

Des Weiteren ist die Stimmung im Film gut getroffen. Die Figuren sind abgestumpft, traurig, wütend und unfreiwillig komisch in ihren Aktionen, was die Lebenssituation gut interpretiert. Insgesamt ist Logan Lucky ein weiterer Räuberfilm von Steven Soderberg, der durch schräge Figuren und eine kreative Location zu überzeugen weiß.

Bewertung

Bewertung7

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Logan Lucky (2017)
118 min|Comedy, Crime, Drama|18 Aug 2017
7.0IMDB-Wertung: 7.0 / 10 von 90,763 Nutzern
Die Brüder Jimmy und Clyde Logan haben es wirklich nicht leicht: Der impulsive Jimmy neigt zu Gefühlsausbrüchen und verliert dadurch einen Job nach dem anderen, Clyde hingegen hat zwar einen festen Job als Barkeeper, wird aber von den Gästen schikaniert, weil er einen Arm verlor und er eine Prothese trägt...
07th Jun2018

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Sieben Minuten nach Mitternacht

Der 12-jährige Connor O’Malley (Lewis MacDougall) wächst bei seiner schwer kranken Mutter (Felicity Jones) in einem kleinen englischen Ort auf, während sein Vater weit entfernt in den Vereinigten Staaten lebt.

Nachts träumt er immer wieder davon, dass er in ein großes Erdloch fällt. Der Alptraum nimmt auch kein Ende wenn er schweißgebadet erwacht, denn in der Schule wird er von seinen Mitschülern geärgert und geschlagen. Als sich der Zustand seiner Mutter erheblich verschlechtert, beschließt seine Großmutter (Sigourney Weaver) ihn zu sich zu nehmen.

siebenminutenbismitternacht_1 Eines Nachts, um sieben Minuten nach Mitternacht, besucht ihn ein großes Baummonster an seinem Fenster. Es möchte ihm drei Geschichten erzählen und erwartet im Gegenzug von Connor, dass er dem Baum eine vierte Geschichte erzählt, die die Wahrheit beinhaltet. Connor willigt zögerlich ein, doch zu welchem Preis?

Sieben Minuten nach Mitternacht (Originaltitel: A Monster Calls) ist ein spanisch-britischer Fantasyfilm von Regisseur Juan Antonio Bayona, der zuvor durch den melodramatischen Film The Impossible (2012) bekannt wurde. Sein neuester Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patrick Ness, der für den Film ebenso das Drehbuch entwickelte.

Die Geschichte des Films ist spannend, unvorhersehbar und erstaunlich intensiv erzählt. Die Handlungsabläufe sind zudem gut aufeinander abgestimmt und Regisseur Bayona präsentiert ein gutes Gespür für die richtige Bildsprache. Außerdem gelingt ihm ein ruhig erzählter und konsequenter Fantasyfilm, der ohne kitschige Momente auskommt und dank seines ansprechenden Casts immerzu glaubwürdig wirkt.

Es ist leider aber auch festzustellen, dass nach den Alpträumen von Connor O’Malley häufig ein Tempowechsel von schnell zu langsam vollzogen wird. Die Traumwelt überzeugt durch ein liebevoll entwickeltes Baummonster, welches in der deutschen Version mit der Synchronstimme von Liam Neeson (Bernd Rumpf) gesprochen wird. Der britisch-US-amerikanische Schauspieler Neeson leiht im Original der Eibe ebenso seine Stimme.

siebenminutenbismitternacht_2 Anhand seiner Optik ist schwer auszumachen, ob das Baummonster gute oder schlechte Absichten hat. Dies ist insbesondere dahingehend wichtig, da zu Anfang immerwährend eine beabsichtigte Unsicherheit in der Luft schwebt. Zwar liegt es auf der Hand, dass das Monster seine Hilfe anbieten möchte, doch der Zusammenhang ist nicht sofort erkennbar.

Die vielen bunten, niemals aufgesetzt wirkenden Farbkombinationen und einige kreative Einschübe sorgen für die visuellen Highlights des Films, die schön und düster zugleich wirken. Allerdings ist es schwer, nach den Ausflügen in die Traumwelt, die benötigte Konzentration für das eher ruhig inszenierte Leben in der Realität aufzubringen. Regisseur Bayona setzt nicht etwa auf Schockelemente, sondern vielmehr auf eine metaphorische Bedeutung. Es ist sehr angenehm der geradlinig erzählten Geschichte zu folgen, die trotz einiger auftretender Längen ihrer Linie treu bleibt und den Zuschauer immer wieder emotional berührt.

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So wird dieser andauernd dazu aufgefordert seine eigenen Gedanken zu kreieren und zu sortieren, was im heutigen Zeitalter des Blockbusterkinos kaum noch von einem Film zu erwarten ist. Die nächtlichen Ausflüge in die Traumwelt sind in dieser Hinsicht besonders intensiv, da sie schwer zu durchschauen sind und keinerlei Botschaft über den eigentlichen Pfad des Films vermitteln.

Die Schauspielerbesetzung überragt zwar nicht, hindert aber auch nicht den auf die Träume gelegten Fokus der Geschichte. Dennoch gibt es in der realen Welt einige Momente, in denen unter anderem Sigourney Weaver und Jungdarsteller Lewis MacDougall ihr schauspielerisches Vermögen zeigen können. Des Weiteren fängt der Regisseur die Gefühlswelt und Zerrissenheit des 12-jährigen Connor gekonnt ein. Dadurch werden besonders die Emotionen des Zuschauers angesprochen, der sich mit Connors Situation identifizieren kann.

Es sind die Details, die in Sieben Minuten nach Mitternacht überzeugen können. Außerdem gibt es zwei besondere visuelle Schauwerte im Film, die hervorragend aussehen und dem Zuschauer wohl noch einige Zeit im Gedächtnis bleiben. Insgesamt ist Juan Antonio Bayonas Ausflug in die Traumwelt ein sympathischer, kreativer und vor allem emotionaler Film, der den Zuschauer bewegt und ihn auffordert sich mit seinen eigenen Ängsten auseinanderzusetzen.

Bewertung

Bewertung_7

Trailer

Informationen
Sieben Minuten nach Mitternacht (2016)
108 min|Animation, Drama, Fantasy|06 Jan 2017
7.5IMDB-Wertung: 7.5 / 10 von 64,044 Nutzern
Der kleine Conor lebt bei seiner kranken Mutter Elizabeth und fühlt sich in der Schule alles andere als wohl – einige Kinder hänseln Conor, andere behandeln ihn wegen der Krankheit seiner Mama wie ein rohes Ei. Und auch zu Hause scheint sich alles nur noch weiter zu verschlimmern, vor allem wenn Conor bei seiner strengen Großmutter sein muss...
05th Jun2018

Wind River (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Wind River

Schnee soweit das Auge reicht. Cory Lambert (Jeremy Renner) lebt getrennt von seiner Frau Wilma nachdem sie vor einigen Jahren ihre gemeinsame Tochter verloren haben. Sie starb in eisiger Kälte abseits der Zivilisation.

wind_river_1 Cory ist von Beruf Jäger in der Eiswüste, die jede Menge tödliche Gefahren birgt. Bei seinem neuen Auftrag soll er mehrere Pumas finden, die einen Stier getötet haben. Auf seiner Suche entdeckt er jedoch die Leiche einer 18-jährigen Frau, welche in der Wildnis des Indianerreservats Wind River vergewaltigt und misshandelt wurde. Doch was hat die junge Frau barfuß und dünn bekleidet in der Natur gesucht?

US Wildlife Agent Cory Lambert erkennt das Mädchen sofort, da seine Tochter mit ihr befreundet war. Die ortsansässige Polizei kontaktiert das FBI, um das von Schnee bedeckte Areal weiter zu durchsuchen. Auch die frisch aus der Ausbildung kommende Agentin Jane (Elizabeth Olsen), die normalerweise im lauten und bunten Las Vegas stationiert ist, wird in die eisige Region entsandt.

Da sie nicht auf weitere Verstärkung hoffen kann und keinerlei Ahnung hat, wo sie eigentlich ist, bittet sie Cory Lambert um Hilfe. Dieser willigt ein und zusammen begibt sich das ungleiche Paar auf die Jagd nach dem scheinbar unbekannten Mörder der 18 Jahre alten Natalie. Immer tiefer dringen sie in eine Gegend vor, die von latenter Gewalt und den Elementen geprägt ist.

Wind River ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahre 2017, der von Regisseur Taylor Sheridan inszeniert wurde. Außerdem steuerte er das Drehbuch zu dem Film bei nachdem Sheridan zuvor bereits die Drehbücher für die Filme erfolgreichen Filme Sicario (2015) und Hell or High Water (2016) verfasste.

wind_river_2 Seine neueste Geschichte stellt zugleich sein Regiedebüt dar. Die Geschichte des Films vereint die üblichen Zutaten eines Sheridan-Drehbuchs: Ruhige Typen, eine besondere Atmosphäre und einen Hauch von Western.

In seinem Erstlingswerk als Regisseur wechselt er allerdings von dem Süden der USA in den Norden. Der hohe Schnee in Wyoming und die unberührte Natur sorgen für ein schönes, ruhiges und einfallsreiches Setting.

Das Indianerreservat Wind River stellt zudem innerhalb der USA eine gesetzliche Besonderheit dar, da dort unterschiedliche Stämme leben und richten. Es ist angenehm überraschend und informativ, eine gesetzliche Besonderheit anhand eines Thrillers kennenzulernen. Die Kälte und die Aussichtslosigkeit im Norden der USA bekommen anhand von schön eingefangenen Kamerabildern die benötigte Tiefe, vergleichbar mit den Landschaften in The Revenant (2015) oder The Grey (2011).

Des Weiteren werden die Indianerstämme ebenso zerbrechlich und unsicher wie die weißen Durchschnittsamerikaner dargestellt, sodass eine ungewohnt enge Verbundenheit zwischen unterschiedlichen Ethnien entsteht. Die Figuren sind zudem außerordentlich gut gezeichnet, da sie die passenden Ängste in sich tragen. Dennoch müssen die Menschen im Norden Härte zeigen, was anhand eines Mordfalls gut inszeniert wird.

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Leider hat Wind River trotz seiner ambitionierten Geschichte und seines wunderbaren Settings mit einigen Problemen zu kämpfen. Besonders im Mittelteil des Films ist das Erzähltempo drückend langsam und es passiert einfach zu wenig, um der lahmenden Handlung intensiv folgen zu können. In diesem Teil des Films halten einem lediglich die Schauspieler Jeremy Renner und Elizabeth Olsen bei Stange, da zu viel Ruhe herrscht. Folglich fehlen gegen Ende des Films etwas Griffigkeit und die nötigte Schärfe. Ein Ärgernis, da in einigen ruhigen Sequenzen das aufflackernde Potenzial von Taylor Sheridans Drehbuch zwar erkennbar ist, aber nie komplett ausgereizt wird.

Dennoch kann der abwechslungsreichen Neo-Western-Story mit etwas Aufopferung intensiv gefolgt werden, da der Film anhand seiner Figuren und dank einer wunderbaren Atmosphäre zu überzeugen weiß, denn nicht wenige Szenen sind spannend, voller Kraft und unterhaltend. Allerdings kann die Spannung nicht lange aufrecht erhalten bleiben, da viele Momente zu kurz kommen und die falschen Szenen zu lang geraten sind. Schauspielerisch sind vor allem die Protagonisten Jeremy Renner und Elizabeth Olsen hervorzuheben, die ihre Rollen glaubhaft und authentisch verkörpern.

Beide passen ideal in die ihnen aufgetragenen Rollen und liefern im Film schauspielerische Höhepunkte ab, weil besonders die Chemie zwischen den beiden durch und durch passend ist. Neben diesen namhaften Hollywood-Größen können auch viele Nebenrollen überzeugen, wie beispielsweise Gil Birmingham, Tantoo Cardinal und Hugh Dillon.

Sheridans drittes Drehbuch zeichnet sich wieder einmal durch einen selten zu sehenden Western-Vibe aus. Die Figuren könnten allesamt aus dem fiktiven Wilden Westen stammen. Des Weiteren sind einige Actionsequenzen stark inszeniert und Genre-typisch während Thematik und Zeitpunkt, zu welchem der Film spielt, neu. Die neueste Sheridan-Geschichte stellt im großen Blockbusterzeitalter ein Novum dar, denn es gibt kaum noch Geschichten, die derart ruhig und gelassen erzählt werden, wie diese ohne auf eine ordentliche Portion Action zu verzichten.

Leider fällt der Thriller zwischen Sicario und Hell or High Water leicht ab, was zum Teil an dem verkorksten Erzähltempo liegt. An vielen Passagen der Story wird viel zu viel Potenzial verschenkt, sodass der erste Regie-Film von Sheridan nur als gelungen zu bezeichnen ist. Seine Regie ist ruhig, konzentriert, aber teilweise zu langatmig und streckend. Die unnötigen Längen trüben das eigentlich wunderbare Erlebnis.

Insgesamt ist Wind River eine ambitionierte, kreative und atmosphärische Auseinandersetzung mit der eisigen Kälte in der Wildnis Wyomings. Das Regiedebüt von Taylor Sheridan ist durchaus als Gelungen zu bezeichnen und es bleibt mit Spannung zu erwarten, was für ein Werk als nächstes von diesem großartigen Autoren auf der Leinwand erscheinen wird.

Bewertung

Bewertung7

Trailer

Informationen
Wind River (2017)
107 min|Crime, Drama, Mystery|18 Aug 2017
7.8IMDB-Wertung: 7.8 / 10 von 142,282 Nutzern
Cory Lambert (Jeremy Renner) arbeitet für die Fischerei- und Wild-Abteilung und macht vor allem Jagd auf Kojoten und andere Raubtiere im Indianer-Reservat Wind River. Den kürzlichen Tod seiner Teenager-Tochter hat er noch nicht überwunden, da stolpert er in der Wildnis über die Leiche einer vergewaltigten und erfrorenen Jugendlichen...
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