12th Jun2019

John Wick: Kapitel 3 (2019) | Filmkritik

von Michael Diederich

John Wick 3 Filmkritik

Nachdem John Wick (Keanu Reeves) im letzten Teil (John Wick: Kapitel 2) John Santino D`Antonio auf dem neutralen Boden des Continental-Hotels getötet hat, ist ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Jeder in New York City ist ihm auf den Fersen und kein Ausweg scheint in Sicht. Mit Messern, Pistolen und seinen Fäusten kämpft er sich durch die Straßen des Big Apple.

john-wick-3-1 Parallel ermittelt eine Richterin der Hohen Kammer, ob der Mord an D`Antonio unvermeidbar war. Auch die Tatsache, dass Wick fliehen konnte, fällt negativ auf den Chef des Continentals, Winston (Ian McShane), zurück. Nun sucht dieser Unterschlupf bei seiner alten Familie, der weißrussischen Roma.

Als Mitglied der Hohen Kammer sind auch diese verpflichtet jegliche Hilfe zu verweigern. Allerdings legt John ein Kruzifix nieder, welches ihm eine Ausreise ermöglicht. Sein Ziel ist es nun, jedem, der ihm in die Quere kommt, zu töten.

John Wick: Kapitel 3 ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahre 2019. Die Regie übernahm erneut Chad Stahelski, wie schon bei beiden Vorgängerfilmen. Der deutsche Alternativtitel lautet John Wick: Kapitel 3 – Parabellum, was übersetzt so viel heißt wie: Wenn du den Frieden willst, dann bereite den Krieg vor.

john-wick-3-2 Der dritte Teil der Reihe wurde als DER Actionfilm des Jahres angekündigt und mit einer FSK 18 versehen, was die Erwartungshaltung selbstverständlich ansteigen ließ. Allerdings sind die beiden ersten Teile nicht frei von Fehlern, vor allem die Disbalance zwischen Ernsthaftigkeit und Satire ist ein großer Kritikpunkt. Insgesamt waren die Anforderungen vor dem Kinostart somit auf einem mittleren Level, was für einen Film meistens die richtige Grundeinstellung ist.

Und diese Erwartung erfüllt John Wick: Kapitel dann auch letztendlich und führt die Reihe, nach dem schwächeren zweiten Teil, wieder erfolgreich zurück in die Spur. Die fesselnde die Action und der eingesetzte Realismus, besonders in John Wick (2014), wurden also erneut perfekt eingefangen.

Schwächen vorheriger Teile werden absorbiert und neue Glanzpunkte können gekonnt in Szene gesetzt werden. Beispielsweise ist die Action besser denn je. Die Kämpfe sind wunderbar choreografiert, toll inszeniert und mit einer visuellen Ästhetik atemberaubend verfeinert. Der gesamte Film hat einen leichten asiatischen Touch, was anhand der Story und seiner Liebe zur Action auch passt. Die visuelle Komponente des Films sorgt für die richtige Atmosphäre in den Kämpfen, besonders die düstere, dargestellte Welt passt wunderbar zur Geschichte des Hauptcharakters John Wick.

john-wick-3-3 Die Neonfarben und die prasselnden Regentropfen in den Straßen von New York City ergeben eine stimmige Optik und erinnern den Zuschauer an Filme wie Blade Runner 2049 (2017) oder Only God Forgives (2013). Auch die Schauplätze sind passend gewählt und überzeugen mit ihrem jeweiligen Reiz und Charme.

Bei den Auseinandersetzungen mit den verschiedenen Verbrechersyndikaten ist es erstaunlich, wie breit die einzelnen Szenen gefächert sind. Die Gegenstände, die Schläge und die Schlaghärte sind immer wieder überraschend. Die Brutalität ist für den Zuschauer sprichwörtlich greifbar nah und jeder Kampf lässt den Körper erschüttern.

Egal ob auf einem Motorrad oder einem Pferd, John Wick findet seinen Weg. Teilweise wirken einige Szenen wie aus einem Videospiel, wenn einige Figuren im Kugelhagel einen Gegner nach dem anderen erledigen. Die Stimmung des Actionfilms kann über die gesamte Laufzeit hinweg überzeugen und auch der erzählerische Ton wirkt gekonnt getroffen, sodass die Erzählung düster und erzählerisch passend erscheint.

john-wick-3-1 John Wick ist am Ende, aber er muss bis zum letzten Blutstropfen kämpfen und dies wird konsequent gezeigt. Eine leichte Note Comedy ist vielleicht zu viel gesetzt worden, aber dies ist nicht besonders störend und seit den Marvel Superhelden-Filmen schon fast die Norm bei Action-Filmen. An einigen Stellen hätte eine Pointe nicht zwangsläufig gesetzt werden müssen, da die Szene auch ohne funktioniert hätte.

Schauspielerisch ist Keanu Reeves weiterhin die ideale Besetzung für den wortkargen Protagonisten, da er die gesuchte Ernsthaftigkeit mit einem Hauch Witz gut verkörpert. Auch seine physische Abgeschlagenheit gegen Ende des Films wird glaubwürdig dargestellt, sodass die Endkämpfe auch für den Zuschauer anstrengend herüberkommen. Auch der Rest des Cast ist optimal für die jeweiligen Anforderungen besetzt und ergänzt den Film in seiner düsteren Art und Weise.

Es sind genau diese Filme, die für eine bestimmte Zielgruppe geschaffen wurden und neben typischen Blockbustern und Komödien die Herzen von wahren Actionfans lauter schlagen lassen. Insgesamt ist John Wick: Kapitel 3 ein knüppelharter Actionfilm, der einem aus dem Kinosessel hämmert und dann fragt: „Na, Lust auf Teil 4?“ Und nach 132 Minuten Non-Stop-Power lautet die Antwort dann selbstverständlich: „Ja, Johnathan. Bring mir Teil 4 und zeig es allen.“

Bewertung

Bewertung_8

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John Wick: Kapitel 3 (2019)
130 min|Action, Crime, Thriller|16 May 2019
8.7IMDB-Wertung: 8.7 / 10 von 1,102 Nutzern
John Wick (Keanu Reeves) befindet sich auf der Flucht. Es sind nicht nur 14 Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt, er hat auch die Regel aller Regeln gebrochen: er hat einen anderen Menschen im Bereich des Continental Hotels umgebracht. Eigentlich müsste er deswegen längst tot sein, doch Hotelmanager Winston (Ian McShane) gewährte ihm für eine Stunde Gnade, bevor alle Folgen eintreten und Wick offiziell aus der Killergemeinschaft ausgeschlossen wird...
05th Mai2019

Creed II: Rocky’s Legacy (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Creed 2 Filmkritik

Creed II: Rockys Legacy ist ein US-amerikanischer Boxfilm aus dem Jahre 2018 und die Fortsetzung zu Creed: Rockys Legacy. Die Regie des innerhalb des Rocky-Universums der nunmehr achten Films der Reihe übernahm Steven Caple Jr., der bisher eher unbekannte Projekte leitete. Sylvester Stallone zeichnet neben seiner Kult-Rolle als Rocky Balboa auch für das Drehbuch verantwortlich.

creed2_1 Inhaltlich setzt der zweite Creed-Film mit einigen Monaten Abstand zu seinem Vorgänger an. Der junge Adonis Creed (Michael B. Jordan) besiegt Tony Wheeler und kürt sich zum Champion im Schwergewicht. Außerdem macht er seiner Freundin Bianca (Tessa Tompson) einen Heiratsantrag, den sie bejaht. Aus sportlicher Sicht droht aber eine neue Gefahr: Viktor Drago (Florian Munteanu).

Dessen Vater Ivan Drago (Dolph Lundgren) tötete einst im Ring Adonis Vater Apollo. Nun kann der Kampf beginnen und Rocky muss sich mit neuen Aufgaben im Leben begnügen.

Creed II: Rockys Legacy ist mit Sicherheit ein emotionaler, aufregender und spektakulärer Boxfilm für Fans von Rocky. Es ist schon bewundernswert wie sympathisch Sylvester Stallone Platz macht für neue Wege. Rocky Balboa ist Geschichte und neue Gesichter bekommen mehr Laufzeit. Wie angenehm Stallone sich hier zurücknimmt, um den Fokus auf Creed und Co. zu legen, ist fantastisch.

Die Kultfigur Rocky in dieser Form auf der Leinwand zu sehen ist ein besonderes Erlebnis. Im Unterschied zum ersten Creed-Film liegt der Fokus noch stärker Adonis und Bianca. Auch die Gegenspieler Ivan und Viktor Drago werden sehr gut in den Film integriert. Die rohe Kraft des deutsch-rumänischen Profiboxers Munteanu wird sehr ansprechend eingefangen. Auch die gegensätzlichen Kampfstile ergeben ein spannendes Spektakel. Die massive Kraft von Viktor Drago und die Beweglichkeit eines Adonis Creed sorgen für abwechslungsreiche Kampfszenen und erinnern sehr stark an die originalen Rocky-Filme.

creed2_2 Diese sind schön inszeniert und verfügen trotz ihrer etwas konstruierten Story über die nötige Dramatik. Boxfilme sind nun einmal keine neue Geschichte und auch nicht unbedingt für jeden geeignet, aber herzlich und menschlich waren sie schon immer. Allerdings nutzt der achte Teil des Rocky-Universums seine Handlung optimal aus, um einen spektakulären Showdown zu garantieren.

Es ist schon leicht überraschend wie viele neue Ideen Regisseur Steven Caple Jr. dieser eher konventionelle Geschichte spendiert, besonders im Bezug auf körperliche Fitness und visuelle Dramatik.

Die Regie kann insgesamt überzeugen und vieles gut darstellen. Des Weiteren ist der wunderbare Hip-Hop Soundtrack des Films wahres Entertainment. An den passenden Stellen dröhnen die Songs durch die Boxen, sodass die bildliche Stimmung auch soundtechnisch hervorragend aufgefangen wird.

Es ist auch bewundernswert wie ausgeglichen und balanciert die Figuren in dem Film agieren. So gut wie jede Szenen bietet ihren Reiz, da alle Figuren ihre eigenen Motivationen haben und dafür kämpfen. Diese Balance wirkt sich dann wiederum positiv auf den Unterhaltungswert des Films aus, der wenig Längen trotz hoher Laufzeit hat und durchweg höchst unterhaltsam ist.

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Schauspielerisch scheinen auch die Figuren optimal besetzt. Michael B. Jordan, Sylvester Stallone und Tessa Tompson spielen ihre Rollen durch und durch sehr glaubwürdig. Auch die beiden Dragos werden durch Lundgren und Munteanu bestens besetzt, indem sie betont wortkarg und roh bleiben.

Michael B. Jordan verkörpert den Boxer mit großem Herz und einem unbedingten Siegeswillen, der jedoch unsicher ist, wo seine Grenzen sind. Die dramatischen Szenen verkörpert er ansprechend und sorgt durch seine Kunst für die emotionale Tiefe im Film. Die teilweise etwas komödiantischen Szenen zwischen ihm und Bianca wirken ebenfalls nicht zu aufdringlich und bleiben betont authentisch. Tessa Tompson kann, als hörgeschädigte Sängerin, besonders in den ruhigeren Momenten gekonnt aufspielen.

Wie bereits erwähnt agiert Sylvester Stallone angenehm zurückhaltend und alle Momente mit ihm wirken wie Treffen mit einer Filmlegende. Mit wenigen Worten gibt er Adonis die richtigen Ratschläge und Stallone bleibt stets gelassen und nachdenklich. Seine schauspielerische Darbietung ist wie schon im ersten Creed-Film ein Genuss. Ergänzt wird das Ensemble durch Dolph Lundgren und Florian Munteanu, die wortkarg und grimmig in die Kamera schauen. Hierbei profitieren sie von einer besonderen Atmosphäre, die die Ukraine ihnen gibt.

In den Trainingsszenen zu Beginn des Films geht von beiden eine brennende Gefahr aus, ohne ein gesprochenes Wort. Diese Leistung ist für die Entwicklung des Films besonders wichtig. Insgesamt liefert Creed II: Rockys Legacy 132 Minuten Punchs, Jabs und Hooks, die jedes Boxerherz höher schlagen lassen.

Bewertung

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Creed II: Rocky's Legacy (2018)
130 min|Drama, Sport|21 Nov 2018
7.2IMDB-Wertung: 7.2 / 10 von 71,068 Nutzern
Nachdem es Adonis „Donnie“ Johnson gelang aus dem Schatten seines Vaters zu treten und zum Liebling der Massen zu werden, sind sowohl Publikum als auch Medien vernarrt in den neuen Star des Boxrings. Da bekommen er und sein Trainer Rocky Balboa eines Tages ein Angebot der besonderen Art unterbreitet: Adonis soll in einen Showkampf gegen den russischen Champion Viktor Drago antreten, dessen Vater Ivan über 30 Jahre zuvor Adonis Vater im Ring tötete...
21st Apr2019

In den Gängen (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

In den Gängen Filmkritik

Der ruhige und zurückhaltende Christian (Franz Rogowski) arbeitet irgendwo in Ostdeutschland in einem Großmarkt. Direkt an einer befahrenen Schnellstraße gelegen beginnt er dort seine Ausbildung zum Gabelstaplerfahrer.

indengaengen_1 Sein älterer Kollege Bruno (Peter Kurth) ist sein erster Ansprechpartner für Probleme und zugleich auch sein Ausbilder. In der Getränkeabteilung sortieren die beiden Tag für Tag Kisten in die hohen Regale. Beim Einräumen sieht Christian dann eines Tages im Gang gegenüber eine blonde Frau, die sich als Marion (Sandra Hüller) vorstellt. Sie arbeitet in der Süßwarenabteilung.

Beide kommen sich in der Pause beim Automaten näher und beginnen eine Unterhaltung. Sie gibt ihm den Namen Frischling und er spendiert ihr einen Kaffee. Wenig später muss Marion zurück zur Arbeit, während Christian noch ruhig und gerührt am Automaten stehen bleibt. Bruno erzählt ihm später allerdings, dass die blonde Frau aus der Süßwarenabteilung vergeben sei. Allerdings ist Christian durch und durch begeistert von Marion. Und zu dem Gefühlschaos kommt zu allem noch hinzu, dass Christian sich als neuer Mitarbeiter in dem Unternehmen erst noch beweisen muss.

In den Gängen ist ein deutsches Drama aus dem Jahre 2018. Für die Regie sowie das Drehbuch zeichnet sich Thomas Stuber verantwortlich, der zuvor durch die Inszenierung einiger Hamburger Tatorte bekannt wurde. Neben ihm schrieb auch Clemens Meyer am Drehbuch mit, der mit Stuber bereits das Drehbuch zum Film Herbert (2015) schrieb.

In den Gängen 2018 Filmkritik Die Handlung des Films ist dahingehend innovativ für das deutsche Fernsehen, weil sie sich mit einer kleinen Gruppe Angestellter befasst, die in einem Großmarkt arbeiten. Die Themenwahl ist sympathisch, da solch kleine gesellschaftliche Themen oft unverfilmt bleiben. Regisseur Stuber macht es richtig, setzt seine gebrochenen Figuren in den Vordergrund und ihre monotone Tätigkeit.

Handlung und Struktur des Films harmonieren außerordentlich gelungen. In den richtigen Momenten bekommen die drei Hauptfiguren Christian, Bruno und Marion ihre Spielzeit, um mehr Tiefe zu erzeugen. Das Besondere hierbei ist das Gespür von Regisseur Stuber, der genau weiß welcher Moment am aussagekräftigsten ist. Es sind nicht die direkten Worte und offensichtlichen Handlungen, die dem Zuschauer eine bestimmte Logik vorspielen.

Bei In den Gängen sind es vielmehr das langsame Fahren mit einem Gabelstapler irgendwo in Ostdeutschland, die ruhige Kamera und die gebrochenen Figuren. Alle Dialoge verfügen über eine Lockerheit, die teils lustig und teils unfassbar traurig ist. In ihrer Gesamtheit halten die Mitarbeiter des Großmarkts zusammen, doch ein erfülltes Leben sieht anders aus. Der Begriff Wendegewinner wird in einer Situation bewusst von Bruno eingeworfen, um einen vermeintlichen Wirtschaftserfolg anzuzweifeln. Des Weiteren sorgt ein abwechslungsreicher Soundtrack für die richtige Auflockerung beim Zuschauer.

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Zwar könnte der Film sich in zwei bis drei Situationen etwas flotter von der Stelle bewegen, doch im Grunde sind die monotone Tätigkeit, das Schauspiel und ihre Tragik pure Unterhaltung. Positiv anzusehen ist ein gewisser Unterhaltungsfaktor, der durch ein grundsätzliches Interesse für die berufliche Karriere von Christian gezündet wird. Auch die anderen Figuren haben ihren Reiz, weshalb jede Szene trotz ihrer Langatmigkeit lebhaft ist.

Schauspielerisch ist vor allem Franz Rogowski hervorzuheben, der wie bereits in dem deutschen Mumble-Core-Film Love Steaks (2013) einen schüchternen jungen Mann spielt, der unbesorgt und zurückhaltend durch die Welt schlendert. Er legt seine Rolle so glaubwürdig und ruhig an, dass eine Grundsympathie von der ersten Minute an vorhanden ist. Diese Sympathie für eine Figur ist in anderen Werken oftmals besonders schwer zu finden. Stuber und Rogowski schaffen es dennoch durch eine handwerkliche saubere Arbeit.

Außerdem spielt Peter Kurth, der zuletzt in der Serie Babylon Berlin zu sehen war, einen gelassenen Mentor, den sich jeder junge Azubi wünscht. Seine Ruhe und seine Offenheit unterstreichen diese Sympathie des Films doppelt. Dem noch nicht genug ergänzt Sandra Hüller diesen Cast mit einer freundlichen und lebhaften Art. Sie rundet die Besetzungsliste ab, indem sie in ihren Momenten glaubhaft und nicht überzogen agiert.

Insgesamt ist In den Gängen ein wunderbarer deutscher Film, der minimalistisch und zugleich fantastisch ist. Für Liebhaber von Kammerspielen oder gutem Schauspiel wärmstens zu empfehlen. Filme dieser Machart ergänzen die deutsche Filmwelt und heben ihre qualitativ nach oben. Es wäre durchaus schön mehr dieser Filme aus Deutschland zu bekommen.

Bewertung

Bewertung_8

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In den Gängen (2018)
125 min|Drama|24 May 2018
7.0IMDB-Wertung: 7.0 / 10 von 2,433 Nutzern
Der schweigsame Christian tritt eine neue Stelle im Großmarkt an. Bruno aus der Getränkeabteilung nimmt ihn streng, aber wohlmeinend unter seine Fittiche und zeigt ihm, wie die Dinge in dem kleinen Universum funktionieren. Die beiden werden schnell Freunde. Auch die anderen Mitarbeiter behandeln Christian bald wie ein Familienmitglied...
30th Mrz2019

Roman J. Israel, Esq. (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Roman J. Israel, Esq.

Roman J. Israel (Denzel Washington) arbeitet als Strafverteidiger in Los Angeles. Sein Äußeres fällt durch die Afro-Frisur, seinen veralteten Anzug und seine immer um den Hals gelegten Kopfhörer auf. Als sein Geschäftspartner einen Herzinfarkt erleidet, beschließt Roman die Geschäfte auf seine Art zu regeln.

romanjisrael_1 Seit mehr als 25 Jahren agierte er im Hintergrund und löste die schwierigsten gerichtlichen Auseinandersetzungen. Jedoch soll die Gemeinschaftskanzlei geschlossen werden, da sie ein wirtschaftlicher Misserfolg ist. Der Anwalt George Pierce (Colin Farrell) setzt sich für die noch offenen Fälle ein. Roman J. Israel ist nicht erfreut über diese Hilfe und plant endlich aus dem Schatten seines Partners herauszutreten.

Ihm fehlt jedoch etwas der Draht zur heutigen Zeit, sodass sein Gerede für viele nur wie unverständliches Geschwafel wirkt. Fraglich ist jedoch, ob er sich nun verändern muss oder die Gesellschaft?

Roman J. Israel, Esq. ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahre 2017. Für die Regie und das Drehbuch war Dan Gilroy verantwortlich, der im Jahre 2014 durch sein Regiedebüt Nightcrawler einer breiten Masse bekannt wurde. Sein neuestes Werk ist leider weniger interessant als sein Debütfilm, denn lediglich Hauptdarsteller Denzel Washington kann hierbei überzeugen. Allerdings hilft selbst ein zweifacher Oscar-Preisträger nicht, um diese träge Geschichte aufzupeppen.

romanjisrael_2 Im Grunde besteht die Geschichte aus einigen Versatzstücken, die durch einen erfahrenen Regisseur und ein gut strukturiertes Drehbuch wunderbar in einen zweistündigen Film gepasst hätten. Es ist daher regelrecht ein Misserfolg für Regisseur Dan Gilroy, der zuvor durch seine Medienkritik Nightcrawler erstens sein Talent als Regisseur und zweitens als Ideengeber für neue und kreative Ideen unter Beweis stellte. Die Erwartungen an ihn waren zwar vorhanden, aber nicht übermäßig hoch. Dennoch ist es umso niederschmetternder, wenn dieses scheinbar vorhandene Talent nicht weiter verfolgt wird.

Die Geschichte eines Strafverteidigers, der nicht in der Öffentlichkeit stehen kann und ein Vierteljahrhundert hinter Schloss und Riegel in Wirklichkeit im Alleingang die Fälle gelöst hat, bietet eine annehmbare Grundlage für einen Spielfilm. Auch die Tatsache, dass Denzel Washington und Colin Farrell in tragenden Rollen zu sehen sind, schürten das zweite große Projekt Gilroys. Nichtsdestotrotz zerfasert der Film besonders in der zweiten Stunde, da durch unnötig in die Länge gezogene Leere und wenig Plot Spielzeit herausgeholt wird.

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Falls nach der ersten Stunde die Credits eingespielt worden wären, wäre der Film weitaus griffiger und unterhaltsamer geworden. Die zwei Stunden fühlen sich sehr gestreckt an, da viel zu viele unnötige Nebenhandlungen weiter ausgeführt werden. Der Fokus liegt zwar wieder einmal bei Denzel Washington, aber selbst ihm kann man nicht mehr zuhören, wenn die Geschichte sich im Sande verläuft. Selbst ein zweifacher Oscarpreisträger, der durch seine Ausdrucksstärke Filme im Alleingang stemmen könnte, hilft nicht mehr weiter.

Seine Worte wirken mit laufender Spielzeit nur noch wie pseudo-intelligentes Gehabe, ohne jedoch den Kern der Geschichte genauer zu durchleuchten. Dieser hätte zudem eindeutig stärker auf die gesellschaftlichen Veränderungen sowie die rechtswissenschaftliche Brillanz von Roman J. Israel liegen müssen, aber es kommt anders. Auch die Dialoge erzeugen nicht die richtige Feuerkraft, was bei einem Film ohne viel Spektakel besonders wichtig gewesen wäre.

Alles fühlt sich ungeschliffen an, sodass die eigentliche Thematik roh bleibt. Positiv ist neben Denzels Leistung zwar die Bildgebung, die Los Angeles schön sonnig und munter einfängt, aber letztendlich können lediglich zwei bis drei Szenen durch ihre plötzlich vorhandene Dialogschärfe überzeugen.

Insgesamt bleibt Roman J. Israel, Esq. wie die gleichnamige Hauptfigur des Films versteckt zwischen Büchern, Zetteln und Notizen ohne von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Es ist ein enttäuschender zweiter Film von Dan Gilroy, aber dank Denzel Washington immerhin noch ein Film für Zwischendurch.

Bewertung

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Roman J. Israel, Esq. (2017)
122 min|Crime, Drama, Thriller|22 Nov 2017
6.4IMDB-Wertung: 6.4 / 10 von 23,550 Nutzern
Innerhalb des überlasteten Gerichtsapparts von Los Angeles sieht sich der idealistische Pflichtverteidiger Roman Israel (Denzel Washington) mit einer Reihe außergewöhnlicher Ereignisse konfrontiert, die sein Leben auf den Kopf stellen. Als sein Mentor stirbt, wird er von einem Unternehmen angestellt, das der ambitionierte Anwalt George Pierce (Colin Farrell) leitet, ein ehemaliger Student ebenjenes Mentors...
10th Mrz2019

Das schönste Mädchen der Welt (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Das schönste Mädchen der Welt Filmkritik

Der 17-jährige Cyril (Aaron Hilmer) ist in seiner Klasse ein Außenseiter, da er wegen seiner großen Nase von seinen Mitschülern gehänselt wird. Abends hingegen rappt er auf sogenannten Battle-Rap-Veranstaltungen, wo sich zwei Rapper gegenüberstehen und sich mit Reimketten verbal duellieren.

dasschoenstemaedchenderwelt_1 Seine musikalische Begabung möchte er jedoch versteckt halten, weshalb er nur mit einer schwarz-goldenen Maske und unter dem Namen Der Maskenmann auftritt. Als er während einer Klassenfahrt Roxy (Luna Wedler) kennenlernt, kommt es zu einem Missverständnis. In Berlin sieht sie ihn maskiert auf der Bühne rappen und verliebt sich in ihn.

Später trifft sie jedoch auf Cyrils Mitschüler Rick (Damian Hardung) der die Maske trägt, sodass sie sich in den falschen verliebt. Hinter dieser klassischen Verwechslung scheint jedoch mehr zu stecken, als gedacht.

Das schönste Mädchen der Welt ist eine deutsche Komödie aus dem Jahre 2018. Die Regie übernahm Aron Lehmann und das Drehbuch wurde von Judy Horney und Lars Kraume verfasst. Dieser Film ist dahingehend anders, da er untypisch für einen deutschen Film eine gute Mischung aus Romantik und Comedy herstellt.

Das schönste Mädchen der Welt Filmkritik Die beiden Hauptfiguren Roxy und Cyril dominieren diesen Film und unter den beiden Schauspielern entsteht eine ausgezeichnete Chemie. Die extrovertierte Roxy trifft auf den introvertierten Cyril und beide verstehen sich von Anfang an. Allerdings kommt es zu einer Verwechslung, sodass ihre Beziehung zueinander unterbrochen wird.

Auf seinen abendlichen Auftritten kann Cyril jedoch über seinen Schatten springen und seine Kraft zum Ausdruck bringen. Dieses Szenario ist angenehm und schön anzusehen, da beiden Hauptfiguren sympathisch sind und gut zusammen funktionieren. Es wäre langsam an der Zeit, dass kleine Filmprojekte wie diese in Deutschland zunehmen, um auch jungen Deutschen zu zeigen, dass Filme mehr sein können als jede flache Schweiger-Schweighöfer Rom-Com.

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Aus dieser Sicht ist es auch befreiend einen deutschen Film mit Herz und Gefühl zu sehen, da Emotionen hier in der Vergangenheit fehl am Platz waren. Schauspielerisch wird das Ensemble von Nachwuchsdarstellern angeführt, von einem stark aufspielenden Aaron Hilmer, der authentisch und glaubwürdig ist. Seine emotionale Bandbreite gibt dem Film die benötigte Tiefe.

Luna Wedler überzeugt ebenfalls als weibliche Hauptrolle. Ihre schauspielerische Leistung ist gelungen, da sie kraftvoll und ausdrucksstark als Roxy auf der Leinwand zu sehen ist. Sie ist glaubhaft und unterhaltsam in ihrer Rolle. Des Weiteren sind die Hip-Hop-Szenen sehr unterhaltsam, da sie außer bei biografischen Hip Hop-Filmen in Deutschland kaum so locker und authentisch im deutschen Kino zu sehen waren. Die Texte sind überzeugen und auch die Atmosphäre auf den Rap-Veranstaltungen kommt gut zum Ausdruck.

Kritisch zu betrachten sind hingegen einige Dialoge, die unglaubwürdig und künstlich zugleich wirken. An diesen Stellen ist spürbar aus welchem Land dieser Film stammt. Diese Gespräche würden in dieser Art und Weise wohl nicht von zwei 17-Jährigen geführt werden, da sie viel zu sehr nach einem Drehbuch klingen, welches geschrieben wurde, um jedem zu zeigen, was genau gemeint war.

Diese unnötige Ausformulierung von offensichtlichen Emotionen der Figuren sorgt für leichte Abzüge im Fazit. Ansonsten ist besonders der Schluss gelungen, der für fünf Minuten pures Gefühlskino sorgt und den Zuschauer zurück in den Sitz fallen lässt. Insgesamt ist Das schönste Mädchen der Welt ein schöner deutscher Film, der durch sympathische Figuren und eine tolle Liebesgeschichte zu empfehlen ist.

Bewertung

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Das schönste Mädchen der Welt (2018)
102 min|Comedy, Music, Romance|06 Sep 2018
7.0IMDB-Wertung: 7.0 / 10 von 327 Nutzern
Roxy (Luna Wedler) ist neu in der Klasse und verdreht gleich allen Jungs den Kopf. Die schlagfertige 17-Jährige ist gerade von ihrer alten Schule geflogen und hat null Bock auf die anstehende Klassenfahrt nach Berlin. Im Bus freundet sie sich mit dem sensiblen Außenseiter Cyril (Aaron Hilmer) an, der sie mit seinem Wortwitz überrascht...
08th Feb2019

Shimmer Lake (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Shimmer Lake

Zeke Sikes (Benjamin Walker) ist Sheriff in einer Kleinstadt und wurde vor einigen Tagen im Zuge eines Banküberfalls angeschossen. Seitdem ermittelt er zusammen mit seinem Deputy Reed Ethington (Adam Pally) und erhalten außerdem Unterstützung von dem FBI, da es sich bei dem Überfall um eine staatlich versicherte Bank handelte.

shimmerlake_1 Alle Spuren deuten auf Zekes Bruder Andy (Rainn Wilson) hin, der bei den Bürgern in der Kleinstadt bereits als Kleinganove bekannt ist. Genau hier setzt die Handlung ein und erzählt die Geschehnisse rückwärts bis zur eigentlichen Tat.

Shimmer Lake ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2017 und wurde unter anderem von vom Streaming-Anbieter Netflix produziert. Die Regie und das Drehbuch übernahm Oren Uziel, der zuvor als Drehbuchautor für die Komödie 22 Jump Street tätig war. Der Film ist eine der Netflix-Eigenproduktionen, die bisher die meisten Zuschauer überzeugen konnte.

Das Erzähltempo ist anfangs eher ruhig und das Leben in der amerikanischen Kleinstadt wird anhand mehrerer kleiner Szenen mit unterschiedlichen Figuren veranschaulicht. Die Handlung startet etwas minimalistisch und stellenweise sehr geringfügig. Nachdem die ersten Tage erzählt werden und die scheinbar einfache Handlung nun doch komplexer wird, nimmt der nur 82-minütige Debütfilm von Uziel richtig Fahrt auf.

Der Zuschauer ist hier deutlich mehr gefordert, als es in den letzten Jahren Hollywoods üblich gewesen ist. Die Figuren werden zwar etwas zu kurz gezeichnet, jedoch in keinster Weise unglaubwürdig.

shimmerlake_2 Hier wäre es eventuell besser gewesen den Nebenfiguren etwas mehr Spielzeit zu geben, um ihre charakterlichen Züge deutlicher auszuschmücken. Andererseits würde durch eine fortschreitende Figurenzeichnung von Nebencharakteren auch der eigentliche Erzählfluss der Handlung etwas abhanden kommen.

Der gesamte Cast an Schauspielern, allen voran Hauptdarsteller Benjamin Walker und der aus 22 Jump Street oder Everybody Wants Some bekannte Wyatt Russell, der aus seinen wenigen Szenen das Optimum herausholt, überzeugt.

Es ist eine Mischung aus Kriminalfilm, Komödie und Heist-Movie, welches seine Anleihen klar bei den Coen-Brüdern und Tarantino hat. Regisseur Uziel benutzt zwar Elemente namhafter Regisseure und Drehbuchautoren, jedoch erzählt er seine eigene Geschichte mit eigener Handschrift und durchaus innovativ. Sein Drehbuch ist kreativ und mit Szenen, die blutig und komisch zugleich sind, vielseitig.

shimmerlake_3 Es ist einfach sehr entspannend und bestätigend zugleich, eine Hommage an die früheren Filme der Hollywood-Legenden anzusehen und außerdem das Werk eines scheinbar neuen Spielers in der Stadt der Engel bewundern zu dürfen. Die inszenatorischen Mittel werden so zielgerichtet ausgenutzt, dass die einfache Geschichte eine möglichst große Entfaltung bekommt.

Des Weiteren ist es angenehm einen kleinen Film anzusehen, der sich strikt und klar strukturiert einem bestimmten Ereignis, dem Banküberfall, in einer kleinen Stadt widmet.

Diese minimalistische Haltung des Regisseurs hat als Nebeneffekt zwar so seine Längen, da streckenweise nicht viel passiert, aber dennoch wird die Spannung mit fortschreitender Laufzeit des Films immer weiter aufgebaut. Dieses Stilmittel ist zwar eher altmodisch, da zu Zeiten der Marvel-Blockbuster ein scheinbar erfolgreiches Rezept entwickelt wurde, wonach der Ablauf von Filmen standardisiert wurde.

Mit zunehmender Annäherung an den besagten Tag des Banküberfalls werden die Tagesepisoden stärker und intensiver, sodass sich der Zuschauer mehr und mehr Gedanken über die wahren Hintergründe der Tat machen muss.

Insgesamt ist Shimmer Lake ein kleiner Geheimtipp aus dem Hause Netflix, der besonders sympathisch und geschickt seine eigene Geschichte wiedergibt, ohne sich bei bekannten Filmmustern zu bedienen. Für Fans von den Coen-Brüdern und Tarantino ist dieser Film ein absolutes Muss.

Bewertung

Bewertung_7

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Shimmer Lake (2017)
83 min|Crime, Drama, Mystery, Thriller|09 Jun 2017
6.2IMDB-Wertung: 6.2 / 10 von 8,555 Nutzern
Die drei Ganoven Andy Sikes, Chris Morrow und Ed Burton rauben eine Bank aus. Doch ihr Plan geht furchtbar schief und das Vorhaben endet in einem Desaster. Nun liegt es an Sheriff Zeke Sikes, das gesamte Geschehen zu rekonstruieren und den Fall endgültig aufzuklären. Er ist persönlich mit dem Verbrechen verbunden, denn einer der Hauptverdächtigen – Andy – ist sein Bruder...
03rd Jan2019

Feinde – Hostiles (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Hostiles

Mehrere Indianer stürmen das Anwesen von Familie Quaid, töten den Besitzer und alle Kinder. Rosalee Quaid (Rosamunde Pike) kann als einziges Familienmitglied dem Massaker entkommen und sich in einem nahegelegenen Wald verstecken.

hostiles_1 An anderer Stelle wird Captain Joe Blocker (Christian Bale) damit beauftragt, den inhaftierten Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) zurück in seine Heimat Montana zu begleiten, da er schwer krank und scheinbar nicht mehr viel Zeit zu leben hat. Den Auftrag lehnt der Captain jedoch zunächst ab, da er sowieso bald in den Ruhestand gehen wird. Allerdings wird ihm mitgeteilt, dass er den Auftrag erledigen muss, um seine Rente zu kassieren.

Getrieben von Trauer, Furcht und Missachtung reitet Captain Blocker mit seiner Truppe und einigen Cheyenne-Mitgliedern in den Norden. Yellow Hawk weiß, dass er mit einem Mann reist, der viele seiner Stammesmitglieder getötet hat und Blocker ist sich im Gegenzug ebenfalls bewusst, dass auch Yellow Hawk viele seiner Freunde und Kameraden auf dem Gewissen hat.

Mit gegenseitigem Misstrauen reiten sie an dem verbrannten Haus der Familie Quaid vorbei, wo Rosalee ihren toten Säugling in den Armen hält. Kurzerhand nehmen nehmen sie sie auf und reisen weiter. Doch die Gefahren für die ungleiche Gruppe lauern an jeder Abzweigung auf ihrem gefährlichen Ritt gen Norden.

Feinde – Hostiles ist ein US-amerikanischer Neo-Western aus dem Jahre 2017. Scott Cooper entwickelte gemeinsam mit Donald Stewart das Drehbuch zum Film und führte ebenfalls die Regie. Zuvor inszenierte er die Filme Black Mass (2015), Auge um Auge (2013) und Crazy Heart (2009). Nach Auge um Auge ist sein neuester Film die zweite Zusammenarbeit mit Oscar-Preisträger Christian Bale.

hostiles_2 Die Thematik des Films ist ebenso bekannt wie auch klassisch für eine Geschichte aus dem Wilden Westen. Allerdings setzt Regisseur Cooper auf eine abgewandelte und zutiefst emotionale Herangehensweise. Zu Beginn des Westerns werden der Captain und Yellow Hawk gemeinsam auf eine Reise geschickt, die von absoluter Verachtung geprägt ist. Unmittelbar nachdem der Ritt zum Tal der Bären (Montana) beginnt, lässt Blocker den Cheyenne-Häuptling in Ketten legen. Ohne Respekt für den jeweils anderen geht es auf die gefährliche Reise.

Die Reise könnte symbolisch für eine menschliche Annäherung zwischen Indianern und Amerikanern stehen, jedoch wäre dieser Ansatz zu einfach. Die Positionen Häuptling und Captain sind derart weit auseinander, sodass eine Freundschaft nicht entstehen kann. Sie sind die gegenseitigen Feinde. In über zwei Stunden wird allerdings geschickt eine menschliche Verbindung geschaffen, die berührend und traurig zugleich ist. Die Ruhe und die atemberaubende Schönheit des Westens sorgen dabei für eine geeignete Basis.

Die grausame Geschichte zwischen zwei Schlächtern ist derart schön inszeniert, dass der Kontrast zwischen Stille und dem Ausbruch von Gewalt den Zuschauer überaus überraschend packt. Die depressive Stimmung, die zudem durch die Herzlosigkeit der Protagonisten erzeugt wird, passt hervorragend in die Geschichte. Des Weiteren ist die Bildgewalt ideal für eine gute Atmosphäre und imponiert, wirkt allerdings während einigen Abschnitten des Films auch leicht überzogen.

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Diese atmosphärische, emotionale Grundhaltung wird stark fokussiert und ist deshalb etwas schwer anzusehen. An dieser Stelle ist jedoch die Machart von Regisseur Cooper zu erwähnen, die meistens etwas zu viele Längen beinhaltet. Trotzdem sind die Längen und die wunderbare Stille ein typisches Element eines Westerns und dahingehend sympathisch, da der Trend von aktuellen Kinofilmen eher zu schnellen Schnitten und wenig emotionaler Tiefe hingeht. Auch ist die schauspielerische Leistung von dem gesamten Cast fantastisch und besonders hervorzuheben.

Angeführt von einem zurückhaltend spielenden Christian Bale, der durch viele ruhige Momente eine Nominierung für renommierte Filmpreise verdient gehabt hätte, zeigen alle Schauspieler eine ansehnliche Leistung. Bale hat es gar nicht erst nötig laut zu werden, da er allein schon in seinem Gesichtsausdruck so viel Tiefe und Emotionen verankert. Die Mimik eines alten Armee-Soldaten, der depressiv und verdorben zugleich ist, wird wunderbar aufgegriffen. Seine Präsenz gehört zu den Highlights dieses Western.

Neben ihm überzeugt auch Rosamunde Pike als weibliche Hautrolle. Sie ist durch den Verlust ihrer Familie in einer ähnlichen Stimmung, jedoch hat sie genügend Mut, um mit der Armee zu reisen. Sie ist emotional und glaubwürdig in ihren Aktionen. Neben den beiden überzeugt auch Wes Studi als Yellow Hawk. Er bleibt ähnlich wie Bale ruhig, kann jedoch zusätzlich eine Furcht ausstrahlen. Alle drei agieren passend zusammen.

Die musikalische Untermalung von Max Richter ist ein weiterer Pluspunkt des Films. Mit passenden Tönen trifft er immer die Stimmung des Films. Des Weiteren ist der Western ein Stück amerikanischer Geschichte, da er viele Themen wie Indianer, Grausamkeiten und Besitz von Grundstück thematisiert. Insgesamt ist Feinde – Hostiles ein visuell hervorragender Neo-Western, der durch einen bestens aufgelegten Christian Bale eine emotionale Geschichte aus der guten alten Zeit des Wilden Westens erzählt.

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Feinde - Hostiles (2017)
134 min|Adventure, Drama, Western|26 Jan 2018
7.2IMDB-Wertung: 7.2 / 10 von 52,910 Nutzern
New Mexico, 1892: Der verdiente Offizier Joseph Blocker erhält den Auftrag, den kranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk der die vergangenen sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, in dessen Stammesland nach Montana zu begleiten. Der letzte Wunsch des als unerbittlich bekannten Indianers ist es, zu Hause zu sterben...
12th Dez2018

The Ballad of Buster Scruggs (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

The Ballad of Buster Scruggs

In The Ballad of Buster Scruggs erzählen, die für ihren schwarzen Humor bekannten Regisseure Ethan und Joel Coen, sechs voneinander unabhängige Episoden aus dem Wilden Westen. In der ersten Geschichte beeindruckt der Revolverheld Buster Scruggs (Tim Blake Nelson) mit seiner engelsgleichen Stimme und seinen unübertroffenen Schießkünsten, das Publikum und durchbricht dabei in bester Deadpool Manier immer wieder die vierte Wand.

the_ballad_of_buster_scruggs_1 In einem Saloon bittet der in weiß gekleidete und magere Scruggs um ein Glas Whiskey. Doch der Barkeeper schenkt nur an Gesetzlose aus und verwehrt ihm daher diesen simplen Wunsch. Kurzerhand zückt Buster seinen Schießkolben und erledigt sich kurzerhand aller Anwesenden inklusive Barkeeper. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen zieht er anschließend weiter in die nächste Stadt. Ihm ist nicht bewusst, dass er mit seiner schießwütigen Art auch einen gewisse Ruf verbreitet, welcher ganz andere Kaliber an Männern anzieht.

In der zweiten Geschichte versucht ein junger Cowboy (James Franco) eine abgelegene Bank auszurauben, hat dabei jedoch die Rechnung ohne den greisen Bankier gemacht, der sich gekonnt zu verteidigen weiß. Auch in den weiteren vier Episoden wird der Wilde Westen humorvoll und in all seinen Facetten vorgestellt. Es erwarten den Zuschauer viele aufregende, traurige und abenteuerliche Kurzgeschichten.

The Ballad of Buster Scruggs ist ein weiterer Western der Coen-Brüder. Nach dem Oscar-prämierten No Country for Old Men (2007) und dem mit 10 Oscars-nominierten True Grit (2010) ist The Ballad of Buster Scruggs der mittlerweile dritte Western des Regie-Duos. Seit seiner ersten Aufführung Ende August bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2018, ist der Film nun auch im Programm der Streaming-Plattform Netflix aufzufinden.

the_ballad_of_buster_scruggs_2 Im Gegensatz zu ihren bisherigen Western folgt The Ballad of Buster Scruggs allerdings vielen unterschiedlichen Figuren aus dem Wilden Westen und könnte fast als Mini-Serie mit abgeschlossenen Einzelfolgen bezeichnet werden. Wie gewohnt steuerten die Coens neben der Regie auch das Drehbuch zum Film bei und überzeugen abermals mit ihrem ausgefeilten Sinn für schwarzen Humor.

Geschickt sorgen die sechs einzelnen Episoden des Films für gekonnte Abwechslung und erzählen originelle sowie ausgefallene Geschichten. Allerdings ist das ungewohnte Format und der komplette Verzicht auf eine begleitende Hauptfigur bestimmt für einige Zuschauer eine riskante Einstiegshürde. Auch die einzelnen Geschichten unterscheiden sich sehr stark in ihrer Qualität und ihrem Unterhaltungsfaktor. Ebenso variieren die Episoden in ihren Laufzeit.

Alle 15-30 Minuten muss der Zuschauer Konzentration aufbringen und sich neuen Figuren gegenüber offen zeigen. Diesen vielleicht kritischen Voraussetzungen zum Trotz lösen die Coen-Brüder ihre Aufgabe mustergültig, da sie ihrem schwarzhumorigen Stil stets treu bleiben und, wie bereits erwähnt, fantastische und ideenreich Geschichten aus dem Wilden Westen erzählen. Mit wunderbaren Bildern von Kameramann Bruno Delbonnel, der bereits fünfmal für einen Oscar nominiert wurde, wird zudem jede Szene und jede Landschaftsaufnahme imponierend eingefangen.

the_ballad_of_buster_scruggs_3 Viele kleine Details, wie die blühende Natur, die Artenvielfalt der Tiere, sowie die Grausamkeit der Menschen, ergeben zusammen einen wahren Bilderbuch-Western. Außerdem überzeugen die Schauspieler, trotz ihrer teils nur sehr kurzen Momente, durchweg und erzeugen die für jede Erzählung erforderliche Tiefe. Allen voran Tim Blake Nelson als Buster Scruggs, James Franco als junger Cowboy und Brendan Gleeson als Ire zeigen eine starke schauspielerische Leistung, obwohl gerade letztere die wohl kürzesten Auftritte erhalten haben.

Durch ihre authentische und glaubwürdige Verkörperung ihrer Rollen bekommen die kleinen Episoden den perfekten Schliff. Jede Story hat ihren eigenen Reiz und verzaubert entweder auf absurde Art oder unvorhersehbare Weise. Natürlich immer mit dem ganz speziellen Augenzwinkern der Coen-Brüder. Ein kleines, aber dennoch weniger unwichtiges Detail ist die Musik bzw. der Ton des Films. Durch kleine musikalische Einlagen der Schauspieler und dezent eingesetzte Hintergrundvertonung wird die Stimmung zudem in den richtigen Momenten angehoben.

Auch die typischen Elemente eines US-Westerns, beispielsweise brutale Indianer, intensive Schießereien, emsige Goldgräber, verruchte Banditen und gutgläubige Siedler haben ihren Weg in dieses Werk gefunden. Die Regie ist insgesamt stimmig, gut fokussiert und sehr konzentriert. Es ist ein wunderbares Western-Comeback der Coens nach Filmen wie Inside Llewyn Davis (2013) und Hail, Caesar! (2016).

Durch The Ballad of Buster Scruggs zeigen sie abermals ihr besonderes Talent als kreative Geschichtenschreiber und als namhafte Hollywood-Regisseure. Für Fans des Genres und besonders für Fans der Coens ist der Film definitiv ein absolutes Muss. Schließlich ist The Ballad of Buster Scruggs ein schöner, fieser und abwechslungsreicher Film der Coen-Brüder, die zu Teilen zu alter Bestform auflaufen.

Bewertung

Bewertung_8

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Informationen
The Ballad of Buster Scruggs (2018)
133 min|Comedy, Drama, Musical, Mystery, Romance, Western|09 Nov 2018
7.3IMDB-Wertung: 7.3 / 10 von 85,073 Nutzern
Die Handlung jeder einzelnen der sechs Episoden ist in sich abgeschlossen und behandelt einen anderen Aspekt des Wilden Westens. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Annahme, dass jeder Buster Scruggs sein könnte.
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