13th Mai2018

Love Steaks (2013) | Filmkritik

von Michael Diederich

Love Steaks

Der ruhige und schüchterne Clemens (Franz Rogowski) arbeitet als Masseur in einem Luxus-Hotel. Er schläft auf einer Matratze in einem Abstellraum und wird jeden Morgen von dem Waschpersonal geweckt.

lovesteaks_1 Eines Abends lernt er die Köche des Hauses kennen, die ihren Feierabend in dem Schwimmbad des Hotels genießen. Köchin Lara (Lana Cooper) ist ganz im Gegensatz zu Clemens ein emotionaler und extrovertierter Mensch. Trotz der unterschiedlichen Einstellungen zum Leben kommen sich die beiden Hotelangestellten schnell näher.

Doch Lara ist keineswegs nur eine Frohnatur. Während ihrer Arbeitszeit ist sie ständigem Druck ausgesetzt und ertrinkt ihren Stress im Alkohol. Auf dem Weg nach Hause wird sie eines Tages von der Polizei angehalten und wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen.

Bei der Arbeit zieht sie sich mit Clemens an einem stillen Ort zurück und offenbart ihm ihr Problem. Doch die frisch verliebten werden von dem Concierge (Ralf Winter) bei ihrer spontanen Auszeit erwischt und ermahnt, sich mehr um ihre Arbeit zu kümmern. Clemens befindet sich noch in seiner Probezeit und willigt ein, dass er sich mehr auf die Arbeit konzentrieren werde. Lara betrinkt sich unterdessen weiter während Clemens es sich zur Aufgabe macht Lara von ihrer Sucht loszureißen.

Love Steaks ist ein deutscher Film aus dem Jahre 2013, welcher unter der Regie von Jakob Lass, der hiermit gleichzeitig sein Debüt abliefert, realisiert wurde. Die Story scheint kaum aus gewohnten Mustern auszubrechen und die Charaktere wirken augenscheinlich gewöhnlich in ihren Aktionen. Allerdings werden beide Punkte im Laufe des Films auf den Kopf gestellt.

lovesteaks_2 Es ist eine große Überraschung und ein großes Stück Kino, was Regisseur Lass hier inszeniert. Getragen von zwei unglaublich talentierten deutschen Schauspielern entwickelt sich ein überraschend witziger, lockerer und trauriger Film über zwei junge Menschen, die sich ihre Rolle in der Gesellschaft mit harten Mitteln erkämpfen müssen.

Hauptdarsteller Franz Rogowski, bekannt aus Victoria (2015), spielt die Figur Clemens durchweg glaubhaft und unkontrolliert, geschuldet einer aufopfernden Inszenierung und einer großartigen Darbietung seiner Künste. Der Regisseur hat den beiden Hauptrollen viele Freiräume geschaffen und größtenteils auf vorgegebene Dialoge verzichtet. Dies ist vor allem darn spürbar, wenn die Hauptfiguren flüssig, ungehemmt und offen miteinander sprechen.

Es wirkt alles überaus realitätsnah und nicht filmisch inszeniert. Des Weiteren ist Clemens eine sehr sympathische Filmfigur. Direkt nach den ersten Minuten des Films ist er derart sympathisch, dass man das Hotelmanagement direkt für die Ausnutzung dieses gutmütigen Menschen verachtet. Er lispelt, ist sich oft unsicher und kann sich vor anderen kaum behaupten. Diese zurückhaltende Interpretation der Rolle wurde durch den Schauspieler Rogowski ideal ausgeführt.

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Sein weibliches Pendant, Lana Cooper, spielt eine gegensätzliche Rolle. Eine junge Frau, die als Köchin in einem stressigen Arbeitsumfeld lebt und sich deshalb bei der Arbeit betrinkt. Sie ist selbstbewusst, offen und gefühlvoll. Cooper spielt sehr losgelöst und bietet ebenfalls eine starke Vorstellung an. Sie ist ebenfalls immer glaubwürdig in ihren Aktionen und ihre Figur stellt eine Mischung aus Witz, Verlorenheit und Frust dar.

Die Chemie zwischen beiden ist bemerkenswert, da sie sich durch unterschiedliche Charaktereigenschaften wunderbar ergänzen. Selten konnte man einen deutschen Film sehen, in dem die zwei Hauptrollen so gut besetzt waren. Neben diesem Höhepunkt des Films ist die minimalistische Story, die die berufliche Zukunft zweier junger Menschen darstellt, stark.

Die Handlung ist zwar sehr in einem kleinen Rahmen gehalten und teilweise etwas wiederholend, aber durch diese Enge entsteht eine gewisse Wirkung, welche insbesondere von der guten Kameraarbeit profitiert. Denn für die beiden Hauptfiguren gibt es in ihrem Leben fast nur den Job und sonst nichts.

Falls mit einer Lupe nach potenziellen Schwächen gesucht wird, könnte man anmerken, dass einige Stellen zu träumerisch interpretiert sind. In diesen entsteht ein leichter und kurzer Leerlauf, der dennoch das gelungene Erzähltempo nie stört, da es ideal auf die beiden Hauptdarsteller zugeschnitten ist. Außerdem ist die Wahl des Luxus-Hotels an einem Strand grandios, da der schöne Gegensatz der hart arbeitenden Mitarbeiter somit stärker zum Tragen kommt.

Der Luxus scheint nur für die Gäste zu sein und weniger für die Mitarbeiter des Hotels. Des Weiteren ist die gesellschaftliche Situation, die hier thematisiert wird, ein aktuelles Thema. In einer Leistungsgesellschaft muss jeder seinen Betrag leisten, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Die beiden Figuren Lara und Clemens geben ihr bestes, um beruflich voranzukommen. Allerdings sind beide ebenfalls jung und unerfahren. Es ist bitter und emotional zugleich diese beiden Figuren anzufeuern.

Insgesamt ist Love Steaks ein deutscher Überraschungshit, der dank einer kreativen Regie, einem guten Setting und vor allem aufgrund zweier sympathischer Figuren unbedingt anzusehen ist.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Jakob Lass
Drehbuch: Jakob Lass, Ines Schiller, Timon Schäppi, Nico Woche
Musik: Golo Schultz
Darsteller: Lana Cooper, Franz Rogowski, Kerstin Abendroth, Eric Popp, Marcel Gronzka

Bewertung

Bewertung8

Informationen
Love Steaks (2013)
89 min|Comedy, Drama, Romance|27 Mar 2014
6.4IMDB-Wertung: 6.4 / 10 von 1,178 Nutzern
Ein Luxushotel. Steaks werden gebrutzelt. Speckröllchen massiert. Clemens (zart) kommt als Frischling in den Wellnessbereich. Lara (gut durch) muss sich im Küchenrudel behaupten. Der Fahrstuhl bringt die beiden zusammen. Sie reiben sich aneinander, bis es knallt.
30th Apr2018

Avengers: Infinity War (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Avengers: Infinity War

Der Titan Thanos (Josh Brolin) befindet sich auf der Suche nach den sechs Infinity Steinen. Diese entstanden mit dem Urknall und stehen jeweils für verschiedene Aspekte des Universums. Zusammengesetzt sind sie die mächtigste Kraft im Universum, welche mit Hilfe des Infinity Gauntlet von nur wenigen Lebewesen kontrolliert werden kann. In den Händen Thanos‘ könnte dies das Ende der alten Ordnung bedeuten.

Marvel Studios' AVENGERS: INFINITY WAR

L to R: Okoye (Danai Gurira), Black Panther/T'Challa (Chadwick Boseman), Captain America/Steve Rogers (Chris Evans), Black Widow/Natasha Romanoff (Scarlet Johansson) and Winter Soldier/Bucky Barnes (Sebastian Stan)

Photo: Chuck Zlotnick

©Marvel Studios 2018 Er plant der Überbevölkerung des Universums entgegenzuwirken, indem er die Hälfte jeder Spezies vernichtet. Bereits in seinem Besitz befinden sich zwei Infinity Steine und auch die anderen sind schon zum Greifen nahe. Er attackiert das Raumschiff Thors (Chris Hemsworth) und überwältigt Loki, um einen weiteren Infinity Stein zu bekommen. Der mitreisende Passagier Hulk (Mark Ruffalo) kann in letzter Sekunde mit der Hilfe von Heimdall (Idris Elba) auf die Erde fliehen.

Dort berichtet er Doctor Strange und Iron Man, dass Thanos in Kürze die Erde erreichen wir, denn dort befinden sich derzeit zwei weitere Infinity Steine. Der Stein der Zeit ist im Besitz von Doctor Strange und der Gedankenstein in den Händen von Vision (Paul Bettany), der sich in ein Exil begeben hat.

Die Zukunft der Galaxis liegt abermals in den Händen der Avengers, die sich zusammenraufen und einen scheinbar unbesiegbaren Gegner bezwingen müssen.

Avengers : Infinity War ist der dritte Teil der Avengers-Reihe und der insgesamt 19. Teil des Marvel Cinematic Universe, welches vor 10 Jahren mit dem Film Iron Man startete. Die Regie übernahmen wie bereits bei The Return of the First Avenger und The First Avenger: Civil War die Russo-Brüder. Das Drehbuch wurde offiziell von Christopher Markus und Stephen McFeely verfasst, wobei noch eine Vielzahl weiterer Autoren an dem Film beteiligt war.

Marvel Studios' AVENGERS: INFINITY WAR

Thanos (Josh Brolin)

Photo: Film Frame

©Marvel Studios 2018 Die Erwartungshaltung war, gemessen an den bisherigen Filmen des Marvel Cinematic Universe, eher mittelmäßig, da fast alle vorherigen 18 Filme die gleichen Probleme und eine standardisierte Strategie verfolgten. Dennoch ist das Aufeinandertreffen von diesem Übermaß an Comic-Charakteren mit Spannung zu erwarten gewesen. Nach zweieinhalb Stunden ist das Urteil allerdings deutlich unausgeglichener, als bei allen vorherigen Marvel-Filmen. Problematisch dabei vor allem, dass das Werk als erster von zwei Teil angesehen werden muss und ein finales Fazit somit erst 2019 möglich sein wird.

Die vielen Charaktere werden wie in einer Serie oder einem Episodenfilm gezeichnet, sodass kein gemeinsamer Handlungsfluss entstehen kann. Positiv ist jedoch vorweg anzumerken, dass viele Figuren ihre Momente bekommen. Einige Figuren allerdings bekommen diesen nicht und müssen lediglich als Platzhalter herhalten. Vergleichbar mit Civil War ist die Vielzahl von Akteuren ein Problem des Films, welches die Tiefe raubt.

Allerdings konzentrierte sich Civil War noch auf die richtigen Momente, was bei Infinity War abschließend nicht mehr behauptet werden kann. Die Story wirkt abgeschnitten und eine einheitliche Struktur ist nicht erkennbar.

Des Weiteren sind die Dialoge überraschend schwach und weitere Drehbuchschwächen sorgen für einen Verwurf von erstaunlicherweise vorhandenen, emotionalen Momenten, die bisherige Marvel Filme vermissen ließen. Jegliche Gefühle, die ein Zuschauer vielleicht anhand einiger Situationen entwickelt, werden durch die für Marvel-Filme typischen Gags wieder verworfen und zur Nebensächlichkeit erklärt. Der Versuch einer dunklen Stimmung wie bei Christopher Nolans Batman-Trilogie scheitert kläglich.

Marvel Studios' AVENGERS: INFINITY WARL to R: Spider-Man/Peter Parker (Tom Holland), Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.), Drax (Dave Bautista), Star-Lord/Peter Quill (Chris Pratt) and Mantis (Pom Klementieff)Photo: Film Frame©Marvel Studios 2018 Fraglich ist hierbei, ob diese mangelnde Ernsthaftigkeit weiter ein zentraler Bestandteil von Comic-Verfilmungen sein sollte. Viele Szenen haben gezeigt, dass eine Balance zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit möglich ist. Dennoch schafft es Avengers: Infinity War nicht der Spirale aus platten Witzen und oberflächlichen Dialogen zu entkommen. Aber anscheinend wird diese Kopf-Aus-Unterhaltung ja von der Masse gewollt.

Die größten Stars des Infinity War sind die Guardians of the Galaxy, die hier zwar wieder einmal überzeugen können, aber in ihren Sequenzen etwas sehr flach dargestellt werden. Außerdem ist der schauspielerische Aspekt des Films stark zu kritisieren. Namhafte Hollywood-Schauspieler müssen ihren Figuren anhand von hölzernen Dialogen und teilweise viel zu kurzen Momenten Leben einhauchen. Dies gelingt im Großen und Ganzen nicht, ohne die vorhergegangen Solo-Ableger des MCU gesehen und in Erinnerung zu haben.

Lediglich Josh Brolin kann sich als mächtiger Thanos beweisen, indem er seiner Figur Lebendigkeit verschafft und endlich mal ein Bösewicht mit Hintergrund ist, der zu überzeugen weiß. Er ist zwar kaum zu durchschauen aber hebt sich deutlichst von den eindimensionalen Bösewichten ab, welche einem sonst aufgetischt werden.

Insgesamt ist Avengers: Infinity War ein unkonzentrierter Versuch, dem Überdruss von Comic-Helden ein letztes, würdiges Aufeinandertreffen zu gewähren und gleichzeitig eine neue Generation der Marvel-Helden in den Vordergrund zu spielen. Trotz überraschenden Emotionen, dem erwarteten Effekt-Spektakel und düsteren Aussichten folgt der Film seinen guten Ansätzen nicht mit absoluter Konsequenz und kann den Zusatz „standardisiertes Kino“ der Marvel-Filme keinesfalls abwerfen.

Bewertung

Bewertung6

Trailer
Informationen
Avengers: Infinity War (2018)
149 min|Action, Adventure, Fantasy|27 Apr 2018
9.0IMDB-Wertung: 9.0 / 10 von 219,195 Nutzern
Die zerstrittenen Avengers sehen sich der größten Bedrohung ausgesetzt, die sie jemals erlebt haben. Sie müssen es mit dem Titanen Thanos aufnehmen, der mithilfe der Infinity-Steine die gesamte Galaxie unterjochen will.
08th Apr2018

Molly’s Game (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Molly's Game

Molly Bloom (Jessica Chastain) ist eine ambitionierte Skifahrerin und träumt von einer Olympischen Medaille. Allerdings muss sie ihre Karriere sowie ihren Traum nach einem schweren Sturz und erlittener Rückenverletzung frühzeitig begraben.

mollysgame_1 Sie wagt einen Neuanfang in Los Angeles und hält sich zunächst mit kleinen Aushilfsjobs über Wasser. Auf einer Party wird sie von Dean (Jeremy Strong) angesprochen, ob sie als seine Assistentin Pokerabende leiten möchte. Sie willigt ein und lernt prominente Schauspieler, Unternehmer und Sportler kennen. Schnell taucht sie in die illegale Welt der Karten ein!

Die meisten der Teilnehmer sind Zocker, die den perfekten Adrenalin-Kick suchen. Molly erhöht die Einsätze am Tisch und veranstaltet mittlerweile eigene Pokerrunden. Dies schafft sie jedoch nur dank der netten Unterstützung von Spieler X (Michael Cera), der scheinbar andere Ziele verfolgt als die gewöhnlichen Glücksspieler.

Als Molly eines Nachts von schwer bewaffneten FBI-Agenten festgenommen wird, bedeutet dies das Ende ihrer kriminellen Karriere. Doch sie setzt alles auf eine Karte.

Molly’s Game ist das seit Langem erwartete Regiedebüt von Oscar-Preisträger Aaron Sorkin, der die Drehbücher für namhafte Filme, unter anderem The Social Network (2010), Die Kunst zu gewinnen – Moneyball (2011) und Steve Jobs (2015), verfasste.

Bei seinem neuesten Werk war er nun erstmals für Drehbuch und Regie verantwortlich. Vorweg sei gesagt, dass Molly’s Game ein außerordentlich mitreißender, schlagfertiger und anspruchsvoller Film ist, der durch ein fantastisches Drehbuch mit zauberhaften Dialogsequenzen hervorsticht und alleine deshalb wärmstens zu empfehlen ist.

mollysgame_2 Die wahre Geschichte einer ehemaligen Skifahrerin, die nach Los Angeles zieht und einen persönlichen Neuanfang wagt, wird mit einem Ausflug in die von Macht dominierte Seite Los Angeles veranschaulicht. Bei den abendlichen Pokerrunden treffen sich die bekanntesten Gesichter Amerikas und Molly Bloom scheint ahnungslos zu sein, welche Rolle sie als Leiterin der Runde eigentlich inne hat.

Aaron Sorkins Drehbücher spielen oft mit der Frage nach Autorität, Macht und Reichtum. In diesem Film wird eine vielschichtige und breite Geschichte erzählt, die unterhaltsam und unüblich inszeniert wird. Sorkin legt aus guten Gründen viel Wert auf messerscharfe Dialoge, die einen elementar wichtigen Bestandteil des Films darstellen. Der Zuschauer wird hierbei aufgefordert aufzupassen und hat kaum Möglichkeiten zu entspannen. Bei einer Gesamtdauer von 140 Minuten ist dies teilweise etwas schwer, da die Kraft der Dialoge unfassbar stark ist und nie an Vielschichtigkeit verliert.

Einzig bei Passagen, während denen der Spannungsaufbau leicht abnimmt und die Figuren im Film eher ruhig auftreten, kann sich der Zuschauer für einen kleinen Moment in seinem Sitz zurücklehnen und wieder auf die nächste Flutwelle der Wortgefechte lauern.

Sorkins erste Regiearbeit ist durchaus gelungen, da er durch eine hohe Konzentration die starken Momente herauskitzelt. Außerdem begleitet den Film ein angenehmer Schnitt, welcher die Worte perfekt mit Ereignissen anpasst und eine unterhaltsame Inszenierung fördert. Neben diesen meisterhaften Arbeiten überzeugen auch die Darsteller Jessica Chastain und Idris Elba.

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Jessica Chastain spielt wie schon in Die Erfindung der Wahrheit (2016) eine harte Frau, die ihre innere Gebrochenheit nie nach außen hin zeigen möchte. Sie ist glaubwürdig, gut besetzt und sehr kraftvoll. Ihre Präsenz ist essentiell für den Erfolg des Filmes, da sie die Gefühle der Protagonistin überzeugend darbietet und in jeder Szene Präsenz ausstrahlt.

Ihr männlicher Schauspielkollege Idris Elba liefert in der Rolle ihres Anwalts ebenfalls eine durchweg überzeugende Rolle ab. Besonders in zwei Sequenzen zeigt er durch eine charismatische und intensive Interpretation seiner Rolle sein gesamtes schauspielerisches Vermögen.

Besonders sympathisch an Molly’s Game ist seine Konzentration auf die grundlegenden Eigenschaften des Filmschaffens: eine gute Besetzung, ein starkes Drehbuch und eine konzentriert geführte Regie. Über die komplette Laufzeit kommt der Film ohne weltbewegende Ereignisse, Verfolgungsjagden oder Spezialeffekte aus und dies ist in der heutigen Zeit ohne Zweifel eine hohe Kunst.

Teilweise erinnert der Film an die Filme Casino (1995) von Martin Scorsese und The Big Short (2015) von Adam McKay. Mit der berühmten Lupe betrachtet, könnte man das zu kitschige Ende kritisieren. Es passt nicht komplett zu den vorhergegangen Ereignissen, lässt den Film trotz alledem zu einem befriedigenden Ende kommen.

Für Menschen, die intensive und berieselnde Unterhaltung lieben und ihren Kopf auf Durchzug stellen wollen, ist dieser Film nicht geeignet, da er schon eine hohe Aufmerksamkeitsgabe beansprucht. Für anspruchsvolleres Publikum ist Molly’s Game ein intelligenter, spannender und kreativer Film über eine Pokerrunde, die von Macht und Gier geprägt ist. Die überragende Jessica Chastain und die scharfen Dialoge machen den Film zu einem Must-See des Jahres 2017.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Aaron Sorkin
Drehbuch: Aaron Sorkin
Musik: Daniel Pemberton
Darsteller: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Cera, Jeremy Strong, Chris O’Dowd, Bill Camp

Bewertung

Bewertung8

01st Apr2018

King Arthur: Legend of the Sword (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

King Arthur

Das stolze Schloss Camelot steht unter Belagerung. Die aufmarschierende Armee und der drohende Untergang kann von König Uther (Eric Bana) nur mit Hilfe seines legendären Schwertes Excalibur zurückgeschlagen werden.

kingarthur_1 Allerdings verrät ihn sein Bruder Vortigern (Jude Law) hinterhältig. Dieser nutzt die Kraft der schwarzen Magie, um den König und seine Frau zu ermorden. Der Sohn des Königs, Arthur, kann jedoch in letzter Sekunde auf ein Boot gerettet werden und entkommen.

Das mächtige Schwert sinkt gemeinsam mit dem in Stein gemeißelten Uther auf den Grund des Flusses. Das Schicksal des Königreichs liegt jetzt in den Händen des jungen Arthurs, der nichts von seiner eigenen Vergangenheit weiß und von Prostituierten großgezogen wird.

Als er endlich erwachsen ist, beschließt das Königreich eine weite Suche nach dem Sohn des Königs. Viele Männer werden zur Stelle des in Stein gemeißelten Schwertes gebeten. Arthur zieht es aus dem Stein und die legendäre Geschichte von King Arthur (Charlie Hunnam) nimmt seinen Lauf.

King Arthur:Legend of the Sword ist ein britischer Fantasy-Film aus dem Jahre 2017. Die Regie übernahm Guy Ritchie, der durch die Filme Bube, Dame, König, grAS und Snatch – Schweine und Diamanten berühmt wurde.

kingarthur_2 Die Geschichte von König Artus ist eine der bekanntesten Sagen aus des europäischen Mittelalter. Verfilmt wurde die Thematik selbst innerhalb der letzten 15 Jahre vielfach. Training Day-Regisseur Antoine Fuqua inszenierte 2003 King Arthur, 2007 erschien Die letzte Legion und 2010 wurde Duell der Magier, mit dem Zauberer Merlin als Nebenfigur, veröffentlicht.

Diese starke Konzentration einer scheinbar äußerst beliebten Legende ist unter anderem dafür verantwortlich, dass die neueste Version von König Artus nicht überzeugen kann. Regisseur Ritchie setzt auf seine gewohnte Art von Dialogen, die selten so abgenutzt und deplatziert wirkten wie in dieser Verfilmung einer Legende. Über die gesamte Laufzeit von 127 Minuten ist es anstrengend den vielen schnellen Schnitten und Nacherzählungen einer Situation zu folgen.

Es entsteht kein einheitlicher Rhythmus, so dass der Unterhaltungsfaktor erheblich gestört wird. Die visuelle Darbietung und die vielen Elemente eines King-Arthur-Films wurden zwar zufriedenstellend umgesetzt und der Soundtrack sorgt zumindest zwischenzeitlich für gehobene Stimmung, allerdings verpufft diese kurze stimmliche Anhebung schnell, denn der Film verfängt sich in zu vielen kleinen Nebensächlichkeiten, die für den Handlungsfortschritt nicht erforderlich gewesen wären.

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Die Herangehensweise von Guy Ritchie hätte mit einer kürzeren und besseren Bündelung der Handlungsstränge zu einem ansehnlicheren Werk beigetragen. Des Weiteren ist der Gegenspieler King Arthurs durch den britischen Darsteller Jude Law nicht optimal besetzt. Jeder seiner Schritte wirkt vorhersehbar und über weite Strecken auch unglaubwürdig dargeboten.

Hauptdarsteller Charlie Hunnam, der zuvor durch die Serie Sons of Anarchy oder durch den Blockbuster Pacific Rim bekannt wurde, überzeugt hingegen als wahrer Thronfolger des Königreichs. Er gibt seiner Rolle die physische Präsenz und überzeugt auch in Wortgefechten mit seinen Gegnern.

Die Kampfszenen sind sehr CGI-lastig und über weite Strecken akzeptabel. Anhand vieler kleiner Momente wird das Potenzial einer Artus-Saga deutlich, in welchen die mystische Welt des Mittelalters vorgestellt wird. Dennoch wird der Film seinem Potenzial nicht gerecht und es gibt besonders in der zweiten Hälfte wenig Überzeugendes zu bewundern.

Für Fans der Legende wird der Film zwar ausreichen, aber in einer Welt voller Filme und Serien rutscht dieser 175$ Millionen teure Versuch Guy Ritchies in cineastischen Durchschnitt ab. Mit viel Wohlwollen könnte man gute zwei Stunden verbringen ohne viel nachzudenken, die aber nach weniger Tagen wieder vollkommen aus dem Gedächtnis verschwunden sind.

Insgesamt ist King Arthur ein misslungener Versuch die altbekannte Legende wieder auftauen zu lassen und die geplanten Fortsetzungen ersticken bereits im Keim.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Joby Harold
Musik: Oneohtrix Point Never
Darsteller: Charlie Hunnam, Àstrid Bergès-Frisbey, Djimon Hounsou, Aidan Gillen, Jude Law, Eric Bana

Bewertung

Bewertung5

27th Mrz2018

Begabt – Die Gleichung eines Lebens (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Begabt

Die siebenjährige Mary (McKenna Grace) lebt gemeinsam mit ihrem Onkel Frank (Chris Evans) und einem einäugigen Kater in einer kleinen Wohnung. Ihre Mutter hat kurz nach ihrer Geburt Selbstmord begangen und ihr Vater kann kein Interesse für sie aufbringen.

begabt_1 In der Schule wird sie eines Tages von ihrer Mathematik-Lehrerin nach einer kniffligen Rechnung gefragt, die im Kopf schwer auszurechnen ist. Mary sagt der Lehrerin kurzerhand das richtige Ergebnis und ihre Lehrerin erkennt sofort ihr mathematisches Talent.

Zuhause möchte ihr Ziehvater Frank jedoch nichts von ihrer Begabung wissen. Er möchte, dass sie ein normales Leben führen kann und soziale Kontakte knüpft. Seine Erziehung wird jedoch scharf von seiner eigenen Mutter Evelyn (Lindsay Duncan) kritisiert, die ihre Enkelin fördern möchte.

Es entwickelt sich ein Kampf um Talent und Freiheit, welcher in einem Gerichtsverfahren ausgetragen wird. Doch welcher Weg ist für die kleine Mary der richtige?

Begabt – Die Gleichung eines Lebens ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahre 2017. Die Regie übernahm Marc Webb, der zuvor The Amazing Spider-Man und 500 Days of Summer inszenierte. Inhaltlich ist der zahlenlastige Film mit Werken wie Good Will Hunting und A Beatiful Mind zu vergleichen, was dem Film jedoch nicht zuspricht.

begabt_2 Gemessen an diesen namhaften Werken fällt er deutlich ab und kann kaum eine emotionale Tiefe erzeugen. Die Thematik eines hochbegabten Kindes und die daraus folgende Förderung sind für diesen 101-minütigen Spielfilm zu dünn. Dies ist an einigen Passagen besonders deutlich zu spüren, wenn unnötig Zeit vergeudet wird und kaum Handlungsfortschritt entsteht.

Die Installation netter und passender Nebenhandlungen hätte dem wohl entgegengewirkt und dem Gesamtwerk etwas mehr Fläche angeboten. Leider gibt es insgesamt einfach wenig Unterhaltsames in diesem Film. Die Rahmenhandlung wird auch zu schnell entwickelt, sodass es zu einem nur angeschnittenen Versuch der Begabtenförderung kommt.

Folglich entwickelt sich keine strikte Handlung und die Figuren bleiben größtenteils blass. Chris Evans, bekannt durch seine Verkörperung von Captain America: The First Avenger, kann nicht vollends als Marys Onkel überzeugen. Er schauspielert sehr zahm und hat kaum emotionale Bandbreite.

Über die gesamte Spielzeit ist er größtenteils damit beschäftigt angestrengt in die Kamera zu sehen, um seiner Figur ein scheinbar unsicheres Gesicht zu verpassen. Dieses Gesicht verändert sich jedoch in dem Film so gut wie gar nicht, sodass seine Interpretation des Onkels Frank als Fehlbesetzung zu bezeichnen ist. Seine Figur wird zudem durch die Jungdarstellerin McKenna Grace weiter in den Hintergrund verlegt, die mehr Emotionen zeigt, jedoch auch zu kurz kommt.

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Lediglich Lindsay Duncan als Marys Großmutter Evelyn scheint eine gelungene Besetzung. Ihr Bestreben nach mathematischer Genialität und die direkte Art der Figur wirken glaubwürdig. Beispielsweise hat sie mehrere intensive Szenen, wovon eine die beste Sequenz der gesamten Spieldauer ist.

Abseits davon schafft es Regisseur Webb nicht seinen Rollen die benötigte Tiefe zu geben. Er entwickelt auch keinen stimmigen Film, da besonders die letzten 30 Minuten zu uneins wirken. Selbst für besorgte Eltern, die sich unbewusst sind, ob ihr eigenes Kind eine Begabtenförderung erhalten sollte, ist dieser Film nicht hilfreich. Es werden zwar die Kernargumente für oder gegen eine Förderung geliefert, aber mehr auch nicht.

Die Thematik bleibt unausgegoren und unterentwickelt. Für einen ruhigen Filmabend, wo eine kleine und unbedeutende Geschichte erzählt wird, dürfte der Film vielleicht ausreichen. Sympathisch ist, dass er sich einem auf dem ersten Blick winzigen Thema widmet, welches für die Erziehung beziehungsweise Entwicklung eines Kindes jedoch sehr wichtig sein kann.

Dennoch erzählt der Film wenig Neues und gerät dabei zudem erheblich ins Stocken. Insgesamt ist Begabt ein oberflächlich inszenierter Film über Begabtenförderung, der seinen großen Vorbildern nicht ansatzweise das Wasser reichen kann.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Marc Webb
Drehbuch: Tom Flynn
Musik: Rob Simonsen
Darsteller: Chris Evans, Mckenna Grace, Lindsay Duncan, Jenny Slate, Octavia Spencer

Bewertung

Bewertung5

24th Mrz2018

The LEGO Batman Movie (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

The LEGO Movie

Der Schurke Joker überfällt ein Flugzeug und versucht mit den anderen kriminellen Größen aus Gotham City, unter anderem Scarecrow, Bane und dem Riddler, die Stadt mit einer riesigen Bombe zu vernichten.

thelegobatmanmovie_1 Allerdings kann Batman in gewohnter Manier die Situation deeskalieren und tritt dem Joker in einem finalen Aufeinandertreffen gegenüber. Bei dem Duell offenbart Batman, dass er aktuell keinen ernsthaften Erzfeind habe und am liebsten gegen eine Vielzahl von Schurken kämpfen würde. Der Joker ist von der Erkenntnis äußerst enttäuscht, dass er nicht länger der größte Gegenspieler Batmans ist.

In letzter Sekunde kann er der verdienten Gerechtigkeit entkommen und plant fortan diabolische Rache. Batman lässt sich währenddessen in gewohnter Manier für seine Heldentat feiern und adoptiert ungewollt auf einer Polizei-Gala den Jungen Richard Grayson. Plötzlich kommt es auf der Veranstaltung zu einem großen Auftritt von Gothams Oberschurken, die allesamt ihre Waffen niederlegen und in das Gefängnis gehen. Der Joker lächelt bei seiner Kapitulation und kündigt eine baldige Rückkehr an.

Batman kommt die ganze Aktion nicht koscher vor, da der Joker nicht einmal in einem Gefängnis wirklich sicher unterzubringen ist. Und sein Gespür täuscht ihn nicht!

thelegobatmanmovie_2 The LEGO Batman Movie ist ein Animationsfilm aus dem Jahr 2017 und ein Spin-Off des erfolgreichen Films The LEGO Movie aus dem Jahr 2014. Die Entscheidung Batman einen eigenen Animationsfilm zu geben und alle Schurken aus Gotham City in einem Lego-Film zu vereinen war nur konsequent, da der Heldenstatus um die Comicfigur Batman spätestens seit der The Dark Knight-Trilogie von Christopher Nolan enorm ist.

Die Story des Films spiegelt den umfassenden medialen Lebenslauf Batmans wider. Seine größten Auftritte sind in Form von Witzen, Anspielungen oder Rückblenden in den Film eingebettet, sodass die Figur sehr geerdet wirkt. Außerdem ist die Gefühlswelt des Milliardärs Bruce Wayne ein Hauptthema des Films. Hierbei konzentriert sich Regisseur Chris McKay (Robot Chicken) vor allem auf die introvertierte Seite von Gothams Beschützer.

Dies ist eine angenehme Herangehensweise, die sich nahtlos an die älteren Verfilmungen über Batman anschließt. Der größte Kritikpunkt ist allerdings die zu schnelle und teilweise schon etwas hyperaktive Erzählweise dieser Geschichte. Die Dichte von Gags ist ziemlich hoch jedoch sind nur wenige von ihnen auch gelungen und die wenigen wirklich guten gehen in der Vielzahl der Gags schneller verloren. Der nächste Kalauer ist immer bereits im Anmarsch.

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The LEGO Batman Movie
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Vor allem für Zuschauer, die eine ruhige und angenehme Erzählung wünschen, ist The LEGO Batman Movie eher weniger geeignet. Die schnellen Schnitte, Farbwechsel und Pointensind eher auf die jüngere Generation ausgelegt. Nichtsdestotrotz ist es über weite Strecken ein nostalgisches, warmherziges und visuell starkes Filmerlebnis.

Besonders die Szenen, in denen Batman seine Ernsthaftigkeit bewahren möchte, sind witzig und berührend. Allerdings ist an dieser Stelle nicht gesagt, dass auch Kinder die vielen filmischen Anspielungen und Zitate aus vergangenen Klassikern verstehen. Der Film ist eine Mischung aus Nostalgie, Comic, Eitelkeit und vor allem Humor in dem allseits beliebten LEGO-Look. Dieses Spin-Off ist visuell durchaus sehenswert, die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und die Chemie zwischen Gut und Böse lässt Stimmung aufkommen.

Besonders gut ist das vielleicht etwas zu rührselige Ende des Animationsfilms, welches emotional und kreativ ist. Die Kreativität ist gemessen an der vorhergegangen Handlung, den Charakteren und dem Handlungsort sehr gut bedient worden. Es macht einfach Spaß einem der größten Comic-Helden dabei zuzusehen, wie er seine eigene Identität sucht und dabei auf andere bekannte Weggefährten trifft. Als kleines Detail sind viele kurze Momente mit namhaften Größen aus dem Comic-Universum passend in die Geschichte des Films installiert worden, sodass sich eine rundum gelungene Verfilmung ergibt.

Schlussendlich ist The LEGO Batman Movie ein gelungener Animationsfilm über den Dunklen Ritter des DC Universums, der in Wirklichkeit auch nur ein einsamer Mann ist, der nach Liebe und Zuneigung sucht.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Chris McKay
Drehbuch: Seth Grahame-Smith, Chris McKenna, Erik Sommers
Musik: Lorne Balfe
Stimmen: Will Arnett, Zach Galifianakis, Michael Cera, Rosario Dawson, Ralph Fiennes

Bewertung

Bewertung_7

20th Mrz2018

Auslöschung (2018) | Filmkritik

von Michael Diederich

Auslöschung

Die Molekularbiologin Lena (Natalie Portman) streicht die Wände ihres Schlafzimmers neu. Sie sucht einen Neuanfang, da ihr Ehemann Kane (Oscar Isaac) von einer militärischen Mission seit über einem Jahr nicht heimgekehrt ist und keinerlei Hinweise zu seinem verschwinden existieren.

annihilation_1 Als schon längst jegliche Hoffnung erloschen ist, kommt der Verschollene unerwartet die Treppe des kleinen Hauses nach oben gelaufen und das Paar scheint wie durch ein Wunder wieder vereint. Doch bricht er völlig aufgelöst zusammen, nachdem Lena ihren Mann nach seinem Aufenthalt über all die Jahre fragt. Sofort rast sie ins nächstgelegene Krankenhaus, wird jedoch auf dem Weg dorthin von einer Wagenkolonne aufgehalten und in eine geheime Station namens „Area X“ entführt.

Kane ist schwer angeschlagen und wird umgehend in einen Quarantäne-Bereich verlegt, während Lena von der Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh) abgefangen und über einen unentdeckten Bereich auf der Erde aufgeklärt wird, der durch einen bunten Schimmer überdeckt ist.

Sie erzählt ihr, dass bisher alle Einheiten, die in dieses Gebiet eindrangen, nicht mehr zurück gekommen seien. Der einzige Überlebende sei ihr Ehemann Kane. Lena stößt kurzerhand zu einer neuen Truppe aus Wissenschaftlern, um die Geheimnisse hinter dem mysteriösen Schimmer zu lüften und eine mögliche Heilung für ihren Mann zu finden.

Auslöschung (Originaltitel: Annihilation) ist die zweite Regiearbeit von Alex Garland, der zuvor durch den Film Ex Machina (2014) mit den Schauspielern Alicia Vikander und Oscar Isaac international bekannt wurde. Außerdem verfasste er beispielsweise die Drehbücher zu Dredd aus dem Jahre 2012 und zu Alles was wir geben mussten aus dem Jahre 2010. Seine zweite Regiearbeit wurde weltweit mit großer Aufmerksamkeit erwartet, da der gleichnamige Roman von Jeff VanderMeer ein literarischer Erfolg war und dank seiner kreativen Story eine gute Basis darstellen dürfte.

annihilation_2 Alex Garland adaptierte die Romangeschichte und verfasste auf dieser Basis sein Drehbuch zu Auslöschung. Die ersten Kritiken nach der Veröffentlichung waren überragend und einige sprachen sogar von einem Meisterwerk. Für mein Dafürhalten ist die filmische Adaption jedoch kein großer Wurf, da über fast zwei Stunden kaum etwas passiert.

Es liegt nicht an der sparsam verwendeten Action, sondern vielmehr an der schwammigen Aussage und der viel zu flachen Inszenierung. Viele Elemente sind einfach zu klischeebehaftet und keine wirkliche Innovation. Gute Ansätze sind zwar teilweise zu spüren, doch sind sie im Film viel zu selten zu sehen, der all seine Versuche nach dem Finden einer menschlichen Bestimmung derart verschleiert.

Die minimalistische Inszenierung, welche sich auf die unbestimmten Faktoren in der menschlichen Existenz konzentriert, ist nicht verkehrt, aber sicherlich auch nicht die beste Lösung für einen unterhaltsamen Film. Die vielen Bilder der Natur, der Tiere und des mysteriösen Schimmers sind streckenweise künstlerisch und schön, aber eben nur streckenweise.

Teilweise wirkt die Optik viel zu billig: Der Schimmer sieht bei einigen Kameraeinstellungen aus wie eine überdimensionale Seifenblase, die Tiere wirken wild zusammengewürfelt und das Setting stark konservativ. Bei anderen Einstellungen wirkt der Schimmer dem entgegen wunderschön und die Ausstattung kreativ. Es ist eine merkwürdige Mixtur von Ästhetik und Kitsch.

annihilation_3 Ein weiterer Kritikpunkt ist die Wahl der Figuren. Bis auf die Figur der Lena bleiben alle Rollen stark unterentwickelt, sodass kein Zugang zum Film möglich wird. Der Zuschauer hat auch keine Möglichkeit einer Figur zu folgen, da er schlicht und einfach nichts über sie erfährt. Schauspielerisch ist Natalie Portman die einzige Darstellering, die unter dem von Frauen dominierten Cast überzeugen kann, hat allerdings auch die mit Abstand meiste Leinwandzeit.

Als männliche Nebenrolle kann Oscar Isaac, mit dem Regisseur Alex Garland bereits zum zweiten Mal zusammenarbeiten konnte, mit ein paar gut gemimten Gesichtsausdrücken überzeugen. Unter den bisherigen Netflix-Einkäufen ist Auslöschung zwar einer der besseren, jedoch ist er anhand der Erwartungen eine weitere Enttäuschung.

In unserem von Blockbuster dominierten Zeitalter sticht er jedoch heraus, da er relativ schwere Kost und untypisch wage ist. Außerdem prägt den gesamten Film eine gespenstische Ruhe, denn weder Musik noch Ton untermalen die Aktionen der Figuren.

Die große Langeweile, die sich weit über die Hälfte der Spielzeit erstreckt, wird allerdings durch spannende und unerwartet unterhaltsam inszenierte Schlussminuten einiegermaßen ausgeglichen. Jedoch trügen diese letzten Minuten das Gesamterlebnis etwas, da beim Abspann die Gedanken hauptsächlich über die letzten Szenen grübeln und der schwache Rest schnell in den Hintergrund rückt. Insgesamt ist Auslöschung einfach nicht das von vielen prophezeite Meisterwerk und bleibt deutlich hinter seinen Erwartungen und besonders Möglichkeiten zurück.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
Musik: Geoff Barrow, Ben Salisbury
Darsteller: Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez, Tessa Thompson, Tuva Novotny, Oscar Isaac

Bewertung

Bewertung6

19th Mrz2018

Good Time (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Good Time

Der grenzdebile Nick (Benny Safdie) spricht in einer Therapiesitzung über die aggressive Erziehung seiner Großmutter. Er öffnet sich und beschreibt die Verunsicherung und die Wut, die er in sich trägt. Dieser ehrliche Moment wird jedoch durch seinen Bruder Connie (Robert Pattinson) unterbrochen.

goodtime_1 Er stört die Sitzung und zerrt Nick aus dem Zimmer. Die Brüder begehen in Folge gemeinsam einen Banküberfall, wobei Nick keine Ahnung hat, was geschieht. In einem Taxi bestaunen die beiden anschließend ihre Beute, doch platzen rote Farbbeutel in der Tasche und scheinen ihre gesamte Arbeit zunichte zu machen. Um das Geld zu retten stürmen sie in das nächste Café und wollen die Farbe abwaschen.

Währenddessen ist ihnen die Polizei bereits dicht auf den Fersen. Bei der folgenden Flucht kann Connie entwischen, doch Nick wird von den Polizisten geschnappt. Sie nehmen ihn in Untersuchungshaft und bringen ihn in das nahegelegene Gefängnis Rikers Island. Connie möchte alles in seiner Macht stehende unternehmen, um seinen Bruder zu befreien. Zuallererst muss er jedoch 10.000 Dollar für die angesetzte Kaution auftreiben und diese Aufgabe scheint schwieriger zu sein als zunächst angenommen.

goodtime_2 Good Time ist ein Kriminalfilm des Regieduos Benny und Josh Safdie, die auch am Drehbuch beteiligt waren. Die kleine Räuber und Gendarm Geschichte von zwei Brüdern in der Großstadt New York City nimmt einen Abstecher auf die dunkle Seite der Stadt. Connie ist gewillt kriminell zu werden, sein Bruder Nick hingegen ist völlig verunsichert.

Der bunt inszenierte Trip in die Kriminalität setzt auf einen starken Robert Pattinson, der den meisten als Edward Cullen aus der Twilight-Reihe in Erinnerung geblieben ist. Im Independent-Film Good Time zeigt er sein Talent als Schauspieler anhand einer vielseitigen und glaubwürdigen Interpretation seiner Filmfigur. Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass der Film kein Interesse zeigt seine sympathisch zu gestalten – er ist ein wahrer Mistkerl.

goodtime_3 Die Figuren sind aber auch nicht komplett unsympathisch. Es ist Mittelweg zwischen Sympathie und Antipathie, der zum Problem wird. Vielleicht ist dies sogar einer der größten Kritikpunkte des Films, dass eine Linie zwischen Gut und Böse nicht geradlinig verfolgt wurde. Während einem Connies Schicksal nicht weniger egal sein könnte, hofft man auf Gerechtigkeit für Nick.

Dieser Split scheint ein bewusster Bestandteil des Films zu sein, da wenig über die Brüder bekannt ist. Ohne eine bewusste Zielsetzung der unbekannten, jungen Männer stört dieses gewählte, inszenatorische Mittel den Erzählfluss erheblich und verhindert den Aufbau von benötigter Spannung.

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Die bunte Inszenierung ebenfalls ist teilweise gut und an anderen Passagen des Film wieder komplett ungeeignet. Einerseits wirkt der Film durch die neonfarbenen Bilder, die in ihrem Stil leicht an Atomic Blonde erinnern, stilistisch schön und träumerisch. Andererseits passen die Bilder wenig zu der kleinen Raubgeschichte und der düster fotografierten Seite New Yorks.

Dennoch ist die strikte Handlung ein großer Vorteil. Die visuelle Schönheit ist zwar leicht übertrieben und dick aufgetragen, behindert aber den unvorhersehbaren Ablauf der Geschichte in keinem Moment. Der Weg auf die Falsche Seite des Gesetzes wird kompromisslos erzählt und erhält daher die nötige Glaubwürdigkeit.

Was Good Time allerdings grandios gelöst hat, ist die perfekte Laufzeit. Ein beliebtes Problem aktueller Filme ist der Trend zu immer längerer Spielzeit. Viele Kinofilme fordern die Nerven und Konzentration ihrer Zuschauer mit zweieinhalb Stunden oder mehr heraus. Good Time dagegen ist mit den mittlerweile relativ kurzen 101 Minuten ein Exempel dafür, dass eine Geschichte auch klar und deutlich unter zwei Stunden erzählt werden kann.

Zusammenfassend ist Good Time ein visuell schön inszenierter Kriminalfilm mit einem gut aufgelegten Robert Pattinson, der einen Abend falscher Entscheidungen in NYC durchlebt, aber leider unter seiner Charakterzeichnung leidet.

Trailer
Cast & Crew

Regie: Benny Safdie, Josh Safdie
Drehbuch: Ronald Bronstein, Josh Safdie
Musik: Oneohtrix Point Never
Darsteller: Robert Pattinson, Jennifer Jason Leigh, Ben Safdie, Barkhad Abdi, Buddy Duress

Bewertung

Bewertung6

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