08th Sep2017

Dunkirk (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Dunkirk

1940: Knapp ein Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs sind die britischen und französischen Truppen im nordfranzösischen Dünkirchen eingekesselt. Winston Churchill befiehlt in der sogenannten Operation „Dynamo“ seine britischen Soldaten über den Ärmelkanal zurück in die Heimat. Doch die Flucht ist kräftezehrend und immer mehr Soldaten fallen den deutschen Angreifern zum Opfer.

dunkirk_1 Dunkirk beginnt mit britischen Soldaten, die hektisch durch Dünkirchen laufen. Aus der Luft fliegen Flugblätter auf sie herab, die die Stellung der britischen Armee zeigen und die drohende Gefahr durch die deutsche Wehrmacht verdeutlichen. Von allen Seiten sind sie umzingelt und wurden am Strand von Dünkirchen wie Vieh zusammengetrieben.

Als Tommy (Fionn Whitehead) etwas Wasser durch einen Gartenschlauch trinkt, fallen auch schon Schüsse. Nacheinander fallen seine Kameraden neben ihm in den Dreck und liegen reglos am Boden. Er kann sich retten, indem er über einen Zaun klettert und bei den Franzosen Hilfe ersucht. Doch Hilfe ist dieser Tage in Dünkirchen rar.

Der junge britische Soldat gelangt, nach seiner erfolgreichen Flucht vor den Feinden, zum Strand der Stadt, wo in etwa 400.000 Soldaten in Reihen geordnet stehen. Die wenigen Schiffe können immer nur eine geringe Anzahl an Soldaten mitnehmen. Aus der Luft ertönen schrille Geräusche, die deutsche Luftwaffe kreist über dem Strand. Die Zahl der Wartenden wird mit jedem Angriff minimiert.

Dunkirk ist ein Kriegsfilm des britisch-amerikanischen Regisseurs Christopher Nolan, der durch eine Vielzahl von überragenden Filmen wie unter anderem The Dark Knight und Inception (2010) bekannt wurde. Sein neuestes Projekt befasst sich mit einem geschichtlichen Thema, welches zwar nicht gänzlich uninteressant ist, aber dennoch weniger kreativ.

dunkirk_2 Das Thema „Zweiter Weltkrieg“ ist in der Geschichte Hollywoods in zahlreichen Filmen bereits behandelt worden. Zuletzt erst verfilmte der US-Amerikaner Mel Gibson Hacksaw Ridge, der die Geschichte eines mutigen Sanitäters erzählt. Das Thema ist somit sehr überlaufen. Und doch gibt es weiterhin noch wahre Geschichten aus dem Krieg, die die Leinwand bisher nicht erblickt haben.

Allerdings haben die Soldaten der deutschen Wehrmacht in Nolans neuestem Werk eine ungewohnte Funktion. Nolan verfilmt die Geschehnisse aus 1940 aus drei unterschiedlichen Perspektiven: Land, Wasser und Luft. Jede Perspektive wird in einer anderen Zeitdauer gezeigt. Die Fußsoldaten werden für eine Woche, die Schiffe für einen Tag und die Piloten für eine Stunde gezeigt.

Die Briten sind aussichtslos in Dünkirchen gefangen und der Feind kann sie nach und nach nahezu ungestört töten. Die zeitlichen Unterschiede im Film werden jedoch nicht vollkommen klar, da sich die drei Ebenen eher gleich lang anfühlen und auch in ihrer Leinwanddauer nahezu decken. Dennoch ist es eine sehr komplexe wie experimentelle Herangehensweise, welche auch mit wenigen Dialogen auskommt. Diese Einteilung der Erzählstruktur bringt jaber den Nachteil mit sich, dass spannende Momente durch schnelle Schnitte auf andere Perspektiven etwas verpuffen. Beispielsweise wird der Wechsel von einer Verfolgungsjagd auf eine ruhige Strandsequenz inszeniert, in welcher jede Spannung direkt abstumpft.

dunkirk_3 Des Weiteren beeinträchtigt die oberflächliche Zeichnung der Figuren den Unterhaltungsfaktor ungemein. Die Idee des Regisseurs ist es, dass jede Figur beliebig ist, da alle Soldaten sind. Allerdings ist es so schwierig Sympathien zu entwickeln, da es keine Andockmöglichkeiten für den Zuschauer gibt. Dass der Cast des Films Namen wie Tom Hardy, James D’Arcy, Cillian Murphy, Kenneth Branagh oder dergleichen beinhaltet, scheint keinerlei Rolle zu spielen. Sie alle sind nur Schachfiguren der Mächtigen.

Auf der Gegenseite ist der Film visuell hervorragend. Das gesamte Set wirkt real und natürlich. Besonders die Flugszenen sind fantastisch gelungen. Die meisterhaft fotografierten Bilder von Kameramann Hoyte van Hoytema sorgen für ein komplettes visuelles Feuerwerk.

Außerdem ist der Ton atemberaubend und begleitet die Bilder optimal. Ebenso fesselt die musikalische Untermalung durch Hans Zimmer mit ihrem ständig begleitenden Uhrenticken. Bei diesem 107 minütigen Film, was der bis dato kürzeste Film von Christopher Nolan ist, ist die Musik umso wichtiger, weil die dunkle Stimmung dadurch noch verstärkt wird. An einigen Stellen dauern die einzelnen Musiktitel jedoch etwas zu lang.

Es wäre etwas erleichternder den Zuschauer einen Augenblick zur Ruhe kommen zu lassen, aber Ruhe bekommt er nicht. Die gesamte Atmosphäre ist intensiv und niederschlagend. Ein guter Ansatz, den der Film ebenfalls umsetzt, ist, die deutschen Soldaten nicht zu zeigen, da die Gefahr im Verborgenen lauert. Die Angst der eingekesselten Soldaten kommt dadurch spürbar zur Geltung .

Insgesamt ist Dunkirk ein atmosphärisch und inszenatorisch gelungener Film, der sich einem stark überlaufenen Thema widmet und für Nolan untypisch wenig Pathos zeigt.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Musik: Gabriel Yared
Darsteller: Christopher Nolan, Hans Zimmer, Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Harry Styles, Aneurin Barnard, James D’Arcy, Barry Keoghan, Kenneth Branagh, Cillian Murphy, Mark Rylance, Tom Hardy

Bewertung

Bewertung_7

26th Aug2017

Der Geschmack von Rost und Knochen (2012) | Filmkritik

von Michael Diederich

Der Geschmack von Rost und Knochen

Ali (Matthias Schoenaerts) lebt mit seinem Sohn Sam an der Armutsgrenze und fährt mit dem Zug nach Antibes, um dort Unterstützung von seiner Schwester Anna zu erhalten. Diese lebt selbst von abgelaufenen Lebensmittel, die sie nach ihrer Arbeit als Kassiererin aus dem Supermarkt mitgehen lässt. Dennoch bietet sie den beiden ihre Hilfe an und lässt Vater und Sohn bei sich wohnen. Ali hat früher einmal einige Boxkämpfe als Amateur absolviert, ehe sein Trainer starb und seine Karriere schon wieder vorbei war bevor sie wirklich begann.

dergeschmackvonrostundknochen_1 Nun verdient er seinen Lebensunterhalt als Türsteher in einem angesagten Club der Stadt. Dort lernt er Stephanie (Marion Cotillard) kennen, die gerade von einem Gast geschlagen wurde. Sie dressiert ausgewachsenen Wale und bringt ihnen kleine Tricks bei. Außerdem verdient sie sich ihr Geld durch Shows in der Stadt Antibes. Bei einer Vorführung springt einer der Wale auf die Erhebung, wo Stephanie sich gerade umschaut. Dabei wird sie schwer verletzt und Ali erfährt von dem Unfall im Fernsehen. Beide lernen sich genauer kennen und es beginnt eine durch Rückschläge geprägte Freundschaft, die vielleicht sogar etwas mehr als nur dies sein könnte.

Der Geschmack von Rost und Knochen ist ein französisches Drama von Jacques Audiard aus dem Jahr 2012. Der Regisseur ist dem allgemeinen Filmpublikum zwar eher unbekannt, dennoch ist er auf der europäischen Bühne sehr erfolgreich durch Filme wie Ein Prophet (2009) und Der wilde Schlag meines Herzens (2005).

dergeschmackvonrostundknochen_2 Sein Filmdrama über die zwei Figuren Ali und Stephanie ist in vielerlei Hinsicht empfehlenswert. Zuerst einmal ist die Handlung so außergewöhnlich und vielschichtig, dass es ein Wunder ist, weshalb der Film dem breiten Filmpublikum nicht geläufiger ist. Die Geschichte eines gescheiterten Boxers und einer Dompteurin, die durch einen schweren Unfall auf andere Hilfe angewiesen ist, klingt zunächst nicht unbedingt außergewöhnlich und erinnert ein wenig an die ebenfalls französische Filmkomödie Ziemlich beste Freunde (2011). Allerdings sind die Figuren und einige Sequenzen realistisch, glaubwürdig und derart interessant, sodass die eigentliche Handlung enorm aufgewertet wird.

Jedes Handeln der Akteure wirkt nachvollziehbar und trotz ihrer Schwächen entwickelt der Zuschauer eine gewisse Sympathie für die beiden Hauptfiguren. Getragen wird der 122 minütige Film durch seine zwei hervorragend aufspielenden Hauptdarsteller. Marion Cotillard überzeugt wieder einmal, wie in den meisten ihrer Filme, und mimt eine junge Frau, die nach einem tragischen Unfall erst einmal wieder neue Ordnung und neuen Lebensmut finden muss. Dies tut sie mit einer derart großen Überzeugung und Authentizität, dass die anderen Figuren in den Hintergrund geraten.

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Die schauspielerische Leistung des belgischen Schauspielers Matthias Schoenaerts ist in vielerlei Hinsicht eine Überraschung, denn auf Augenhöhe mit der Hollywood erprobten Cotillard aufspielen zu können, zeigt, dass er durchaus Talent für eine längere Filmkarriere hat. Seine Rolle ist glaubhaft umgesetzt und auch wegen seiner körperlichen Präsenz sehenswert. Des Weiteren ist die Chemie zwischen den Hauptdarstellern so stimmig, dass die Geschichte selbst in den ruhigen Momenten immer noch interessant und fesselnd ist.

Ein negativer Aspekt des Films ist leider sein langsames Vorankommen im Mittelteil, in welchem einfach zu wenig passiert. Die eigentliche Handlung gerät hier ein wenig in den Hintergrund.

Allerdings ist es nicht weiter bedeutend, denn so bekommen die Figuren etwas mehr Tiefe und der Zuschauer hat die Möglichkeit noch mehr in die Gefühlswelt der Protagonisten einzutauchen. Ein weiterer, gelungener Aspekt sind dafür die wunderschönen Bilder von Kameramann Stephane Fontaine (72 Stunden). Diese geben der Geschichte an zahlreichen Stellen die nötige, atmosphärische Dichte und die Sonnenstrahlen der Cote d`Azur wirken effektiv und geschickt inszeniert. Außerdem überzeugt der Soundtrack von Alexandre Desplat (Grand Budapest Hotel) durch eine stets passende musikalische Untermalung. Positiv ist ebenfalls der spannende Anstieg der Handlung gegen Ende des Films anzumerken, durch welche die Schlussminuten deutlich zu überzeugen wissen.

Schlussendlich ist Der Geschmack von Rost und Knochen ein atmosphärisch dichtes Drama, welches durch seine beiden stark aufspielenden Hauptdarsteller unbedingt zu empfehlen ist.

Cast & Crew

Regie: Jacques Audiard
Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Marion Cotillard, Matthias Schoenaerts, Armand Verdure, Corinne Masiero, Céline Sallette

Bewertung

Bewertung_7

14th Aug2017

John Wick: Kapitel 2 (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

John Wick: Kapitel 2

Die Fortsetzung John Wick: Kapitel 2 beginnt direkt actiongeladen mit einer Verfolgungsjagd durch die New Yorker Innenstadt. Ein Motorradfahrer versucht vor einem unbekannten Autofahrer zu entkommen. Dieser jagt ihn durch mehrere Blocks, ehe er das Motorrad rammt und den Motorradfahrer außer Gefecht setzt. Ein dunkel gekleideter Mann steigt aus und entwendet dem Fahrer des Motorrads eine mysteriöse Karte.

johnwick2_1 Diese ist die Eintrittskarte für eine Werkstatt, in welcher gestohlene Autos verkauft werden. Der Besitzer des Ladens ist Abram Tasarov, dessen Bruder und Neffe im ersten Teil vom Auftragskiller John Wick (Keanu Reeves) getötet wurden. Der dunkel gekleidete Autofahrer entpuppt sich als Wick ,welcher auch sogleich alle Mitarbeiter der Werkstatt ausschaltet und sich scheinbar mühelos bis zu Abram durchkämpft. Doch anstatt auch ihn zu erledigen, schließt Wick mit ihm Frieden und nimmt lediglich seinen so geliebten Wagen, der verkauft werden sollte, wieder mit. Zuhause kleistert er die Waffengrube zu, um seinem alten Leben endgültig ein Siegel aufzusetzen.

Gerade als die Grube verschlossen ist klingelt es an seiner Haustür. Ein alter Bekannter namens Santino D` Antonio (Riccardo Scamarcio) bittet ihn darum einen Auftrag auszuführen. Vor einigen Jahren hat John Wick seine Schuldmünze bei Santino eingelöst, damit er in den Ruhestand gehen kann. Wick lehnt jedoch ab seine Schuld zu begleichen, woraufhin Santino das Haus mit einem Granatwerfer zerlegt. Im Continental, dem Quartier der Killer, wird John von seinem Boss bestätigt, dass er seinen Schwur einlösen und für Santino einen allerletzten Auftrag erfüllen muss.

Ein letztes Mal kehrt Wick in sein altes Leben zurück, um endgültig seinen Frieden finden.

johnwick2_2 John Wick: Kapitel 2 ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahre 2017. Die Regie übernahm Chad Stahelski, der bereits in John Wick, dem ersten Teil der Reihe, mit David Leitch auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte. Der erste Teil profitierte von einer gewissen Marktlücke, da es wenige wirklich gut durchdachte Actionfilme dieser Art gab. In den meisten Filmen, in dem ein Mann einer Schar von Gangstern ausgesetzt ist und alle nacheinander ausschaltet, ist ein Minimum an Logik und Realitätsbezug vorhanden. John Wick aus dem Jahr 2014 widersetzte sich diesem bekannten Muster und lässt seinen Killer gegen alle im Alleingang antreten und beachtet dabei grundlegende Logik beim Nachladen und bei Verletzungen des Protagonisten.

Dieses Schema ist am ehesten mit dem französischen Actionfilm 96 Hours vereinbar, wo Hauptdarsteller Liam Neeson auf der Jagd nach den Entführern seiner Tochter eine Vielzahl von Männern tötet. Das große Manko an John Wick war damals die Story sowie die Sympathie der Hauptfigur. Der zweite Teil leidet unter denselben Problemen. Ein Killer, der in den Ruhestand gehen möchte und doch wieder aktiv werden muss, ist nicht besonders intuitiv. Außerdem ist die Hauptfigur weder sympathisch noch unsympathisch, was eine gewisse emotionale Distanz beim Zuschauer hervorruft.

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Ein weiterer Kritikpunkt ist der Grat zwischen Ernst und Humor. Es ist nicht wirklich klar, ob sich der Film selbst ernst nimmt oder ob die Geschichte mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Dieser Aspekt löst eine kleine Verwirrung aus. Insgesamt versucht der zweite Teil der Reihe ernster zu wirken als sein Vorgänger. Die meisten Figuren sind sehr oberflächlich und dünn gezeichnet. Dennoch zeigt John Wick: Kapitel 2 eine sehr stark überzeichnete Vision der Untergrundorganisationen. Es ist hierbei interessant zu beobachten, dass selbst die brutalsten Killer noch sogenannte „Spielregeln“ einhalten müssen und verdeckt operieren.

Der Kern des Films liegt bei den weiterhin großartig choreografierten Actionsequenzen. Es ist außerordentlich unterhaltsam, die handwerkliche Stärke dieser zu beobachten. Für meinen Geschmack ist die Geschichte jedoch zu dünn, um jeder Szene absolute Aufmerksamkeit zu schenken. Die Länge des Films ist mit über zwei Stunden ein weiteres Problem. Bei einer derart schmalen Handlung hätten die grandiosen Actionsequenzen noch mehr gewirkt, wenn sie nicht überstrapaziert worden wären. Hierbei wäre weniger vielleicht die bessere Variante gewesen. Demgegenüber steht der betont düstere Look. Die gesamte Optik des Films ist gelungen und auch die Handlungsorte bieten so einige Höhepunkte.

Besonders die Szenen in Italien sind unterhaltsam. Schauspielerisch überzeugt Keanu Reeves wieder einmal in seiner Rolle als eindimensionaler Auftragskiller. Die Stärken sind seine physische Präsenz und sein gezeichneter Gesichtsausdruck. Er ist passt einfach perfekt in der Rolle des Auftragskillers John Wick. Gelungen ist auch die Schauspielkunst des amerikanischen Rappers Common, der zuletzt in Selma oder Suicide Squad zu sehen war. Die Duelle zwischen ihm und Wick bieten gute Unterhaltung.

Insgesamt ist John Wick: Kapitel 2 ein unterhaltsamer Actionfilm, der trotz seiner dünnen Handlung und dem Makel der Ernsthaftigkeit dank seiner visuellen Schauwerte sehenswert ist. Die Erwartungshaltung sollte jedoch nicht allzu hoch sein, denn er ist kein Meilenstein der Filmgeschichte und bedeutend schlechter als sein Vorgänger.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad
Musik: Tyler Bates, Joel J. Richard
Darsteller: Keanu Reeves, Common, Laurence Fishburne, Riccardo Scamarcio, Ruby Rose, John Leguizamo, Ian McShane

Bewertung

Bewertung_6

10th Aug2017

Planet der Affen: Survival (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Planet der Affen: Survival

Der Affe Caesar (Andy Serkis) lebt mittlerweile mit seinen engsten Vertrauten in einem abgelegenen Wald. Vor einiger Zeit kämpfte er noch gegen seinen Artgenossen Koba, welcher einen Krieg gegen die Menschen forderte, den Caeser jedoch mit aller Macht verhindern wollte.

planetderaffensurvival_1 Die Menschen experimentierten vor vielen Jahren mit den Affen, um medizinische Mittel zu testen. Als Nebenwirkung wurden die Probanden intelligenter. Außerdem brach die sogenannte Affen-Grippe aus, die auf Seiten der Menschen viele Todesopfer forderte. Die Menschen gaben den Affen die Schuld und Koba wollte Rache an ihnen nehmen. Allerdings wollte Caesar keinen Krieg, doch das Militär, angeführt von einem Soldaten namens Colonel (Woody Harrelson), plant einen Angriff auf ihn und seinesgleichen.

Unter den Soldaten sind auch „Donkeys“, die bereits Koba unterstützten und nach seinem Tod auf die Seite der Menschen wechselten. Der Virus ist mittlerweile mutiert. Die Infektion hat einen Verlust der Sprache als Symptom. Die entscheidende Frage: Werden Affen oder Menschen überleben. Ein Krieg ist unausweichlich!

Planet der Affen: Survival ist der dritte Film der neuen Planet der Affen-Reihe. Insgesamt ist es der neunte Film, der auf dem Roman von Autor Pierre Boulle aufbaut. Die Regie übernahm wie bereits beim Vorgängerfilm Planet der Affen: Revolution (2014) Matt Reeves.

planetderaffensurvival_2 Das Thema des neuen Films ist der androhende Krieg zwischen den Menschen und den Affen. Allerdings sind kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien Mangelware. Die einzig wahre Schlacht beider Lager findet direkt am Anfang statt. Die Kamera fährt in einem Waldgebiet von hinten über die Köpfe der Soldaten und in kurzer Distanz soll sich ein Stützpunkt der Affen befinden. Atmosphärisch brillant sind diese ersten zehn Minuten. Die Actionszenen sind wunderbar und der Einstieg in den Film ist definitiv geglückt.

Bei dem Originaltitel War of Planet of the Apes hätte man insgesamt jedoch einen weitaus größeren Krieg der Rassen erwartet. Dieser erste Eindruck täuscht jedoch, denn im dritten Teil der neuen Reihe geht es vielmehr um die psychologische Auseinandersetzung zwischen den Menschen und den Affen – dem „Survival“. Die gesamte Stimmung ist anfangs erdrückend und intensiv. Nach der ersten Stunde verliert sich der Film ein wenig und einige Längen strecken die Intensität. Diese Längen und die zu gefühlvolle Inszenierung senken den Unterhaltungsfaktor erheblich. In diesem Fall wäre eine kürzere und actionreichere Version die bessere Alternative gewesen.

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Dennoch ist der Ansatz, der von Regisseur Matt Reeves gewählt wurde, kein grundlegend schlechter. Seine Vorstellung, den Konflikt zwischen den Menschen und den Affen auf psychologischer Ebene stattfinden zu lassen, gibt mehr Raum für Gefühle. Dies wird mit kleinen Szenen dargestellt, in denen beide Spezies Verständnis, Wut und Neugierde gegeneinander empfinden. Diese Herangehensweise ist in den Zeiten, in denen Blockbuster über einen gewissen Unterhaltungsfaktor verfügen müssen, eher untypisch. Die Langatmigkeit ist hierbei jedoch etwas überstrapaziert worden, denn in der Mitte des Films ist es schwer allen Figuren die benötigte Aufmerksamkeit zu schenken.

Demgegenüber sind die visuellen Werte herausragend. Die Affen sehen fantastisch aus und das gesamte Set wirkt groß, aufwändig und wunderschön. Alle Bilder sind schön und in der Natur gedreht, so sieht es zumindest aus. Schauspielerisch ist die physische Präsenz der gesamten Crew hervorzuheben, denn die Bewegungen der Affen wirken erneut realistisch und nachvollziehbar. Auf Seiten der Menschen liegt der Fokus auf Woody Harrelson und seiner Interpretation eines Militär-Bosses, der den Sieg der Menschen und die Versklavung der Affen fordert. Er spielt seine Rolle glaubwürdig und packend. Seine Spielzeit ist allerdings in den 140 minütigen Filmen zu kurz geraten,, denn seine Figur hätte noch etwas mehr ausgeschmückt werden können. um eine stärkere Bindung zum Zuschauer zu etablieren.

Insgesamt ist Planet der Affen:Survival ein bildgewaltiges Spektakel, welches stimmungsvoll inszeniert wird, jedoch durch dramaturgische Längen und etwas zu viel Gefühl dem Originaltitel nicht gerecht wird. Die Kampfszenen zwischen Menschen und Affen hätten ruhig häufiger sein können, denn der Krieg beider Parteien findet eher auf geistiger Ebene statt. Dennoch ist Planet der Affen:Survival ein gelungener Film, der eine Empfehlung wert ist und die Reihe gekonnt fortsetzt.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Matt Reeves, Mark Bomback
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn, Karin Konoval, Terry Notary, Toby Kebbell, Amiah Miller

Bewertung

Bewertung7

25th Jul2017

Spider-Man: Homecoming (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Spider-Man Homecoming

Der 15-jährige Peter Parker (Tom Holland) ist in der Highschool ein Außenseiter. Die Ereignisse in Deutschland, wo das Team Iron Man gegen das Team von Captain America kämpfte, bewegen ihn abseits der Strapazen in der Schule zudem noch immer. Von seiner zweiten Identität als Spider-Man weiß keiner, außer Tony Stark. Er hat ihn trotz seiner Mithilfe jedoch noch nicht zum Team der Avengers berufen. Peter ist zwar gespannt auf seinen nächsten Auftritt mit den berühmten, anderen Superhelden, doch seine Hilfe scheint aktuell einfach nicht gefragt. Daher klettert er nach der Schule über die Dächer New York Cities, um den Bürgern der Stadt zu helfen und in Form zu bleiben.

spidermanhomecoming_1 Eines Tages überfallen mehrere Räuber, mit modernsten Waffen, einen Geldautomaten und legen einen gegenüberliegenden Kiosk in einem Kampf vollständig in Schutt und Asche. Im letzten Augenblick schafft es Spider-Man den Ladenbesitzer zu retten und nimmt die Verfolgung der Räuber auf. Die Spur führt ihn zu einer Institution der Avengers, einer Fabrik, in welcher die Überreste vergangener Schlachten lagern. Ein Bauarbeiter jedoch stahl vor einigen Jahren einige Elemente, um moderne Waffen herzustellen und zu verkaufen.

Peter Parker ist noch am Anfang seiner Karriere als Spider-Man und er hat neben seinem High-School Abschluss seine erste Auseinandersetzung mit einem ernst zu nehmenden Kriminellen. Ist er dem Kampf schon gewachsen oder müssen ihm Captain America und Iron Man zu Hilfe eilen?

Spiderman: Homecoming ist ein US-amerikanischer Superheldenfilm aus dem Jahre 2017. Es ist nach The Amazing Spider-Man bereits der zweite Neustart des Franchise in nur wenigen Jahren. Die Regie übernahm dieses MalJon Watts, der nur Wenigen ein Begriff sein wird und in die Fußstapfen von Sam Raimi und Marc Webb tritt.

spidermanhomecoming_3 Die Hauptrolle übernahm Tom Holland, der bereits in Captain America: Civil War die Bildfläche betreten hat. Die Tatsache, dass der Film der zweite Neustart der Reihe innerhalb von fünf Jahren darstellt, verursacht eine gewisse Skepsis und ein leichtes Unverständnis. Es ist nicht befriedigend eine Filmreihe alle paar Jahre neu zu starten und mit neuen Schauspielern zu besetzen.

Die Geschichte des jungen Peter Parker, der wenig Geld hat und trotz seiner eher dünnen Statur den Kampf mit vielen Bösewichten aufnimmt, ist oft genug erzählt worden, ebenso wie der legendäre Spinnenbiss.

Allerdings ist die Geschichte auch immer wieder eine sympathische, denn Peter Parker zeigt seinen Mut und nimmt es trotz seines Außenseiter-Daseins mit den schlimmsten Schurken auf. Begründet ist der zweite Neustart mit den Filmrechten des Comics. Die Rechte des Comics lagen bei Sony und da Marvel seit dem Film Iron Man aus dem Jahr 2008 seine Comicfilme nun auch selbst produziert, kauften sie sich Spider-Man zurück. Der Filmtitel Homecoming ist somit in vielerlei Hinsicht passend gewählt. Von dieser Erwartungshaltung heraus waren die Vorzeichen für einen gelungenen Film also eher mittelmäßig.

Die Story des Films versetzt Peter Parker zurück an die High-School und lässt bewusst die bekannten Geschehnisse um Peters Onkel Ben aus. Außerdem ist die Wahl des Bösewichts auf The Vulture, in Deutsch „Der Geier“ gefallen. Die bekannten Figuren Der grüne Kobalt sowie Doctor Octopus werden auch ausgelassen. Positiv ist in dieser Umsetzung anzumerken, dass der Biss der Spinne, die Peter seine Fähigkeiten gibt, nicht gezeigt wird. Diese Ereignisse sind den meisten Zuschauern schließlich noch bekannt aus den vorherigen Filmen.

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Es ist erfrischend den jungen Peter Parker zu sehen, der nicht viel von einem Superhelden weiß, aber unbedingt einer werden möchte. Er ist noch am Anfang seiner Karriere als Superheld. Auch die Idee Tony Stark alias Iron Man zu seinem Mentor zu machen, halte ich für gelungen und passend. Demnach ist die Story des Films überraschend gut und intelligent gewählt. Neben der Geschichte ist auch der gesamte Cast optimal besetzt. Alle Rollen sind durch passende Schauspieler besetzt worden, sodass viele Handlungsstränge interessant und spannend sind.

Beispielsweise spielen einstige Nebenrollen aus der Serie Fargo und Better Call Saul in dem Blockbuster mit. Der Kern des Films liegt jedoch in der Auseinandersetzung zwischen Michael Keaton als The Vulture und Tom Holland als Spider-Man. Die beiden spielen ihre Rollen sehr gut und die gemeinsamen Szenen sind spannend und überraschend intensiv. Michael Keaton mimt einen Arbeiter, der das große Geld mit Waffen aus Weltraumschrott macht. Tom Holland spielt den jungen Spider-Man, der sich für Recht und Ordnung einsetzt. Die Konfrontation der beiden ist besonders intensiv an den ruhigeren Momenten.

Neben der gelungenen Story und dem guten Cast überzeugt auch der Look des Films. Die 3D Technik ist in den meisten Szenen scharf und genau, jedoch nie sehr nah an einem dran. Es ist vom Vorteil den Blockbuster in 3D zu sehen, da die Effekte hierbei stetig gut sind. Negativ anzumerken ist, dass gegen Ende des Films einige kleinere Längen bestehen, die das Erlebnis ein wenig strecken. Insgesamt ist Spider-Man: Homecoming aber ein gelungener Neustart, der mit einer guten Besetzung, einer schönen Optik und vor allem einer erfrischenden Story aufwartet. Wir dürfen gespannt sein, ob sich die Reihe nun länger halten wird als es Andrew Garfield und Tobey Maguire vergönnt war.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Jon Watts
Drehbuch: John Francis Daley, Jonathan M. Goldstein
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Tom Holland, Michael Keaton, Jon Favreau, Zendaya, Donald Glover, Tyne Daly, Marisa Tomei, Robert Downey Jr.

Bewertung

Bewertung_7

14th Jul2017

Suburra (2015) | Filmkritik

von Michael Diederich

Suburra=

Filippo Malgradi (Pierfrancesco Favino) ist Abgeordneter des italienischen Parlaments und er ist maßgeblich daran beteiligt das Hafenviertel Ostia in ein neues Las Vegas zu verwandeln. Mit staatlichen Zuschüssen soll der Bau vieler Casinos, Clubs und Bordells gesichert werden. Allerdings entsteht kurz vor dem Gesetzesentwurf ein Bandenkrieg, der sein ganzes Vorhaben gefährdet.

suburra_1 So schnell wie möglich soll der Streit der beiden kriminellen Organisationen beigelegt werden, also versucht der vielerorts als Samurai (Claudio Amendola) bekannte Unterweltboss der Stadt Rom, mit Hilfe von geldlichen Zuwendungen den Konflikt zu beenden. Hierbei stehen für beide Banden die gewöhnlichen Probleme wie Ehre, Loyalität und Gewalt auf dem Programm. Es ist noch nicht zu spät die drohende Apokalypse zu verhindern.

Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse ist ein italienisch-französischer Neo-Noir Thriller aus dem Jahre 2015, der in Deutschland jedoch erst im Januar 2017 in den Kinos anlief. Der Regisseur des Films ist Stefano Sollima, der aktuell die Fortsetzung des US-amerikanischen Kriminalfilms Sicario dreht. Außerdem war er von 2014 bis 2016 Regisseur der italienischen Mafia-Serie Gomorrha.

Die Geschichte von kriminellen Vereinigungen, die durch neue Spieler bedroht werden und sich gegenseitig bekämpfen, ist besonders im Zusammenhang mit Italien immer noch ein aktuelles Thema, obwohl die gesamte Thematik bereits in zahlreichen Filmen und Serien vielfach erzählt wurde. Deshalb ist die Geschichte des Films keine wirklich neue, dennoch ist die Erzählweise und die Struktur des Films neu. Der Start ist unterhaltsam, sodass die Charaktere nach der ersten Stunde allesamt kurz vorgestellt wurden und durch wenige Szenen gut gezeichnet etabliert werden konnten. Der Zuschauer hat die Motive der Figuren größtenteils erkannt, dennoch werden die Handlungsstränge erst im Laufe des Films miteinander verbunden.

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Denn vorerst ist nicht klar, in welche Richtung der Film einschlägt. Die Erzählweise ist komplex, teilweise am Rande zur Unübersichtlichkeit, aber in den entscheidenden Sequenzen dann doch übersichtlich und verständlich. Im ersten Augenblick ist es nicht direkt klar in welchen Beziehungen die Charaktere zueinander stehen. Das Schöne an dem Thriller Suburra ist, dass die Handlung immer weiter Fahrt aufnimmt und sich entfalten kann. Insgesamt ist daher besonders die erzählerische Entwicklung hervorzuheben, die durch eine gute Regie und dank schönen Bildern die düstere Seite Roms zeigt. Die Bilder in der Nacht oder während des Regenschauers sind stilistisch außerordentlich fotografiert.

Das gewöhnliche Problem eines Mafia-Films sind einige langatmige Stellen, in denen die Spannung etwas verloren geht. Dennoch wird der Bogen hierbei nicht überreizt und die Machtspiele in Rom stehen immer im Vordergrund des zweistündigen Films. Die gesamte Atmosphäre ist, trotz einiger Schwächen, wunderbar. Es wirkt zwar teilweise etwas aufgebauscht, aber immer authentisch. Neben den wunderschönen düsteren Bildern und der guten Erzählhaltung sind die Rollen gut besetzt worden. Jeder Schauspieler gibt seiner Figur das benötigte Charisma und wirkt glaubhaft.

Untermalt wird der Neo-Noir Film durch einen einprägsamen Soundtrack, der an den passenden Stellen zu hören ist. Einen kleinen Minuspunkt erhält er jedoch für wenige unglaubwürdige Szenen und für die schlussendlich dann doch genreübliche, vorhersehbare Geschichte. Insgesamt ist Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse aber ein hervorragend inszenierter Mafia-Film, der das Genre zwar nicht neu erfindet, aber dennoch dank einer düsteren Atmosphäre und guten Darstellern zu empfehlen ist.

Cast & Crew

Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Stefano Rulli, Sandro Petraglia, Carlo Bonini, Giancarlo De Cataldo
Musik: M83
Darsteller: Pierfrancesco Favino, Elio Germano, Claudio Amendola, Alessandro Borghi, Greta Scarano

Bewertung

Bewertung7

14th Jun2017

Get Out (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Get Out

Der afro-amerikanische Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) wird von seiner Verlobten Rose (Allison Williams) zu einem Wochenende bei ihren Eltern überredet und soll bei dieser Reise seine potenziellen Schwiegereltern endlich kennenlernen. Er ist sich zunächst unsicher, ob die Familie seiner weißen Verlobten überhaupt ahnt, dass er Afro-Amerikaner ist. Zu allem Unmut warnt ihn auch sein Freund Rod (Lil Rel Howery) vor dem Besuch bei der weißen Familie.

getout_1 Dennoch fahren die Turteltauben in die ländliche Gegend. Auf dem Weg in die Abgeschiedenheit fährt Rose jedoch ein Reh an, welches daraufhin am Straßenrand schwer verletzt seinen Wunden erliegt. Sie alarmieren die Polizei, die sich zunehmend auf Chris konzentriert und seine Papiere sehen möchte. Seine Freundin rügt den Polizisten, da sie gefahren sei und nicht Chris. Er akzeptiert dies mürrisch und lässt beide weiterfahren.

Endlich erreichen sie das große Anwesen der Eltern. Roses Vater Dean ist Neurochirurg und ihre Mutter Psychologin. Anfangs verhalten sich ihre Eltern nett und zuvorkommend, jedoch bemerkt Chris schnell, dass alle Hausangestellten Afroamerikaner sind. Am Abend lernt Chris Roses Bruder Jeremy (Caleb Landry Jones) kennen. Er spricht ihn auf seine körperliche Fitness an und behauptet, dass er aufgrund seines genetischen Erbguts ein guter Kämpfer wäre. Der New Yorker Fotograf Chris scheint vor einem langen Wochenende voller Vorurteile zu stehen, ohne genau zu wissen, was genau eigentlich hier vor sich geht. Fortan spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu!

Get Out ist ein US-amerikanischer Horror-Mystery-Thriller, der 2017 unter der Regie von Jordan Peele erschien. Dieser ist vor allem Fans amerikanischer Comedy ein Begriff. Sein neuestes Projekt, zu welchem auch das Drehbuch beisteuerte, ist sein Regiedebüt.

getout_2 Vorweg ist das Genre anzusprechen, in welchem sich der Film einordnen lässt. Insgesamt ist Get Out ein Thriller mit vereinzelten Elementen aus dem Horror und Mystery Bereich. Seit vielen Jahren ist Rassismus ein beliebtes Thema für amerikanische Dramen, welches hier mit eingewoben wurde. Beispielsweise erhielt der Film 12 Years a Slave 2014 den Oscar für den besten Film. Vermehrt in den letzten Jahren ist die White-Washing Debatte in Hollywood ausgebrochen. Hierbei wird kritisiert, dass viele tragende Rollen in Filmen meistens durch weiße Menschen verkörpert werden. Außerdem wurde vielfach kritisiert, dass es bei den Oscars wenige Nominierungen für afroamerikanische Filmschaffende gab.

Diese Kritik verursachte eine Tendenz, wonach immer mehr Filme, unter anderem Moonlight, Fences oder Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen, in den tragende Rollen durch Afroamerikaner verkörpert werden, produziert wurden. Moonlight schaffte es sogar den Oscar für den besten Film in diesem Jahr zu erobern. Get Out treibt das Thema Rassismus und White Washing auf die Spitze: In der Hauptrolle ist ein junger Afroamerikaner,der bei dem Besuch seiner potenziellen Schwiegereltern bemerkt, dass ausschließlich Afroamerikaner als Hausangestellte tätig sind.

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Allerdings befasst sich der Film anfangs sehr mit dem nicht ausgesprochenen, untergründigen Rassismus. Viel an dem 104 minütigen Film ist kreativ, inszenatorisch und überraschend. Die erste Stunde ist sehr ruhig und unspektakulär. Einzig und allein die Bilder und Figuren können die Aufmerksamkeit des Zuschauers aufrecht erhalten. Es ist gerade das merkwürdige Gefühl und ein leichtes Unwohlsein, das Regisseur Peele bewusst hervorrufen möchte. Der Zuschauer hat nie so wirklich eine Ahnung davon, was im nächsten Moment passieren wird. Viele merkwürdige Ereignisse spielen sich in dem Haus der Schwiegereltern ab, jedoch ist alles in keinen gemeinsamen Rahmen zu setzen.

In der ersten Stunde zeigt Peele mit teilweise schon kammerspielartigen Sequenzen und Kameraeinstellungen sein Talent als Regisseur. Diese ruhige Erzählhaltung behält der Film auch im Mittelteil. Zu kritisieren ist, dass der Anfang und der Mittelteil alles in allem dann doch etwas zu ruhig sind und der Zuschauer schon abschalten könnte. Vieles wirkt einfach nur zu absurd und teilweise kippt die Spannung dadurch ins bodenlose. Trotzdem passieren noch einige Wendungen und auch genretypische Elemente tauchen gegen Ende des Films auf. Das letzte Drittel ist sehr spannend und unterhaltsam, allerdings passt es nicht zwangsläufig zu den anderen zwei Dritteln.

Insgesamt ist die Geschichte zu loben, die kreativ und intelligent ist. In den USA wird der Thriller sogar als Bildungsfilm ins Gespräch gebracht. Hervorzuheben ist auch die passende Vertonung und die darstellerische Leistung. Alle Schauspieler agieren gut zusammen, Hauptdarsteller Daniel Kaluuya schafft es seine Rolle glaubwürdig und nachvollziehbar zu verkörpern, ohne zu übertreiben. Die Hauptdarstellerin Allison Williams ist überzeugend und vielschichtig in ihrer Rolle. Schließlich ist Get Out ein anstrengender und wichtiger Film, der das Thema Rassismus in seinem aktuellen Ausmaß ein für alle Mal auf der großen Leinwand beenden sollte.

Cast & Crew

Regie: Jordan Peele
Drehbuch: Jordan Peele
Musik: Michael Abels
Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Lil Rel Howery, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Stephen Root, Catherine Keener

Bewertung

Bewertung7

04th Mai2017

Toni Erdmann (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Toni Erdmann

Winfried Conradi (Peter Simonischek) lebt alleine von seiner Frau getrennt. Der skurrile Musiklehrer verbringt die meiste Zeit an der Schule und spielt dort Schülern und Lehrern alberne Scherze. Nach dem Tod seines Hundes jedoch begibt er sich zu einer Familienfeier wo er seine Tochter Ines (Sandra Hüller) nach etlicher Zeit wiedertrifft, die aber wenig Zeit für ihren Vater hat und andauernd beruflich am Telefon hängt.

tonierdmann_1 Sie arbeitet derzeit im Ausland, in Bukarest, für die Firma „Morrison“ und lebt durch und durch für ihre Karriere. Ihr aktuelles Ziel ist ein Arrangement einer langfristigen Partnerschaft zwischen zwei namhaften Unternehmen.

Ines ist stark darauf fokussiert ihre Karriere voran zu bringen und ihr Vater scheint dabei im Weg zu stehen. Dieser bemerkt jedoch, dass sie in Wirklichkeit nicht wirklich zufrieden mit ihrem Leben und Beruf ist. Aus diesem Grund reist er zu ihr nach Rumänien, um seine Tochter zurück in ihr wahres Leben zu holen. Das große Problem hierbei ist, dass Winfried viel zu oft seine skurrilen Witze erzählt, wodurch die dortigen Geschäftsleute stark verunsichert und abgeschreckt werden.

Aus diesem Grund möchte Ines ihren Vater von den Unternehmern fernhalten. Die entscheidende Frage letztendlich aber lautet: Lieber Karriere in einem großen Unternehmen machen oder glücklich und zufrieden Witze im Minutentakt erzählen?

tonierdmann_2 Toni Erdmann ist ein deutscher Film aus dem Jahre 2016. Die Regie übernahm Maren Ade, die schon 2009 einen silbernen Bären mit dem Film Alle anderen auf der Berlinale gewinnen konnte. Ihr neuestes Werk ist vor allem dank der Oscar Nominierung 2017 als „Bester fremdsprachiger Film international“ bekannt geworden und auch auf deutschen Festivals konnte er einige Preise mit nach Hause nehmen.

Dabei ist Toni Erdmann alles in allem kein überragender Film, aber ein enorm wichtiger für die stark zurückhaltende und sehr rückständige deutsche Filmkunst. Es gibt durchaus mehr positive als negative Elemente in dem Film, der durch viele Albernheiten und Banalitäten auffällt, aber dennoch ein innovatives und gut gespieltes Drama ist.

Die Komik dient ideal, um sie den ernsteren Themen gegenüberzustellen. Die besondere Stärke des Films ist unumstritten das Gegenspiel zwischen der angesprochenen Komik, die durch den Musiklehrer Winfried eingestreut wird, und der Tragik, die durch die Geschäftsfrau Ines zur Geltung kommt. Dennoch hat der 162 Minuten lange Spielfilm seine witzigen Momente, die das anfänglich sehr flache Comedy Niveau etwas aufwerten. Der Kern des deutschen Oscar-Beitrags sind vor allem aber die Gesellschaftskritik und das Schauspiel der beiden Hauptdarsteller Peter Simonischek und Sandra Hüller.

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In der heutigen „Leistungsgesellschaft“, in welcher Frau und Mann Karriere machen wollen, werden immer wieder die kleineren, aber trotzdem bedeutenden Aspekte des Lebens vernachlässigt. Toni Erdmann ist ein Beispiel dafür, dass eine berufliche Karriere seine Spuren hinterlässt und nicht unbedingt das Ideale ist, um glücklich zu werden. Ebenfalls positiv anzumerken ist, dass die Ernsthaftigkeit in der Unternehmenswelt gut und realistisch dargestellt wird, sodass die Sympathien schnell bei dem scherzenden Vater Winfried Conradi liegen.

Peter Simonischek, der seit 1999 fester Bestandteil des österreichischen Burgtheaters ist, spielt seine Rolle als sorgender Vater überzeugend und sehr authentisch. Ebenso wie Sandra Hüller, die jedoch vermehrt intensive Szenen in dem Film hat. Es ist insbesondere das Zusammenspiel der beiden Schauspieler, welches gut funktioniert und sogar über zweieinhalb Stunden Laufzeit durchweg zu unterhalten weiß.

Während einer so langen Spielzeit gibt es zwar ab und an Momente, an denen der Unterhaltungsfaktor geringer ist als in anderen Momenten, aber trotzdem überzeugt der Film in seiner Gesamtheit. Durch ebendiese Dauer haben die Schauspieler nämlich mehr Zeit ihren Figuren den letzten Schliff zu verpassen und die ruhigen Szenen haben eine ausgesprochen hohe Intensität. Insgesamt ist Toni Erdmann ein überzeugender deutscher Film, der durch den Kontrast zwischen Albernheiten und Ernsthaftigkeit zum Nachdenken anregt, ob die eigene berufliche Karriere oder ein gut pointierter Scherz wichtiger im Leben ist.

Cast & Crew

Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Musik: Peter Simonischek, Sandra Hüller, Ingrid Bisu, Michael Wittenborn, Thomas Loibl, Trystan Pütter, Hadewych Minis, Lucy Russell, Vlad Ivanov, Victoria Cocias

Bewertung

Bewertung9

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