11th Jan2017

Der Nachtmahr (2015) | Filmkritik

von Michael Diederich

Der Nachtmahr

Drei junge Frauen befinden sich auf dem Weg zu einer Party und wollen es kurz vor ihrem Abitur in diesem Jahr noch einmal so richtig krachen lassen. Mit Ecstasy und ausgiebigem Tanz wird der Abend zu lauter Techno-Musik verbracht und nebenbei versucht Tina (Carolyn Genzkow) Frauenschwarm Adam (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) um ihren Finger zu wickeln. Doch bevor sie Erfolg hat zeigt ihr Monika (Lynn Femme) ein Bild eines Wesens auf ihrem Smartphone, welches angeblich Ähnlichkeit mit Tina hätte.

dernachtmahr_1 Allerdings wird aus diesem kleinen Spaß schnell bitterer Ernst, als Tina das mysteriöse auf einmal in einem Gebüsch erblickt. Die Party ist daraufhin zweitrangig und Tina will nur noch schnellsten nach Hause. Aber auch dort erblickt sie immer wieder das Wesen und die Eltern schalten in ihrer Verzweiflung einen Psychologen ein. Doch das Wesen scheint keine Einbildung zu sein, nur was könnte es von Tina wollen?

Der Nachtmahr ist ein deutscher Mysteryfilm aus dem Jahre 2016, der unter der Regie Achim Bornhaks, auch AKIZ genannt, entstand, und welcher auch das Drehbuch übernahm. Der 90-minütige Film ist das lang ersehnte Werk eines deutschen Filmemachers, welches endlich einmal aufzeigt, dass auch ein deutscher Film kreativ, stilistisch und beeindruckend sein kann. Dies liegt vor allem an der visuellen Darbietung, der schauspielerischen Leistung von Carolin Genzkow und dem perfekten Soundtrack.

dernachtmahr_2 Inhaltlich überzeugt Der Nachtmahr aufgrund seiner leicht mysteriösen Handlung. Zwar ist es insgesamt kein absoluter Mysteryfilm, in welchem alle zehn Minuten eine neue Wendung einhergeht oder neue Versatzstücke über eine Hauptfigur bekannt werden wie in beispielsweise Memento oder Predestination, jedoch ist die Storyline spannend und niemals direkt durchschaubar. Positiv anzumerken ist zudem, dass Der Nachtmahr den Zuschauer von Anfang an durch die harten Techno-Bässe in seinen Sessel drückt. Dies wurde selbst in der Einleitung so angekündigt: „Dieser Film sollte laut geschaut werden“.

Es besteht keine lange Einleitung, keine Vorstellung der Figuren, sondern alles beginnt auf einer Party. Der Sound ist exzellent und erinnert an die Techno-Welle aus den 90er Jahren. In entscheidenden Szenen pusht die Musik und dient ideal als Werkzeug zur Spannungserzeugung. Neben diesem kleinen Stilmittel weiß die Bildsprache zu überzeugen. Viele bunte und knalle Farben sorgen für eine stilistische Stimmigkeit und vor allem gegen Ende des Films ist der Look ist durchweg überzeugend.

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Es ist wunderbar endlich einen deutschen Regisseur zu sehen, der die trüben deutschen Filme in ihrem Stil aufwertet, um international mit anderen Produktionen mithalten zu können. Es ist zwar kein Film von Nicolas Winding Refn, der ebenfalls immer viel Wert auf Stil legt und nach seinem Meisterwerk Drive (2011) in diesem Jahr durch The Neon Demon (2016) neue Maßstäbe im Bereich visueller Darbietung setzte.

Der Nachtmahr kann diesem letztgenannten Werk nicht das Wasser reichen, allerdings ist der Film von AKIZ ein Film in die richtige Richtung und sehr wichtig für die deutsche Filmwelt. Neben der ausgesprochen guten visuellen Darbietung ist die schauspielerische Leistung des gesamten Casts überzeugend.

Hierbei sticht vor allem die Hamburgerin Carolyn Genzkow hervor, welche einigen Zuschauern vielleicht aus der ARD-Serie Doktor Martin oder der ZDF-Filmreihe Frühling bekannt sein könnte. Ihre Darstellung ist überaus fesselnd, denn die Figur wirkt durch ihre Verkörperung über die gesamte Laufzeit glaubwürdig. Ihre Interpretation einer jungen Frau, die gerade im letzten Schuljahr ist und nun durch ein mysteriöses Wesen komplett aus der Bahn geworfen wird, ist vielseitig und leicht abgedreht.

Insgesamt ist Der Nachtmahr ein hervorragender deutscher Film, der unbedingt gesehen werden sollte. Die Optik und der Soundtrack sorgen für einen überraschend stilistischen Film, der für mich nicht von einem deutschen Filmemacher zu erwarten war.

Cast & Crew

Regie: Achim Bornhak / AKIZ
Drehbuch: Achim Bornhak / AKIZ
Musik: Christoph Blaser, Steffen Kahles
Darsteller: Carolyn Genzkow, Sina Tkotsch, Wilson Gonzalez, Arnd Klawitter, Julika Jenkins

Bewertung

Bewertung_7

14th Dez2016

Arrival (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Arrival

Zwölf mysteriöse Raumschiffe landen zeitgleich in unterschiedlichen Regionen der Welt. Ihre Besatzung und deren Intention – ein Rätsel.

arrival_1 Die Kommunikationsforscherin Dr. Louiese Banks (Amy Adams), die ihre Tochter aufgrund einer seltenen Krankheit verliert, arbeitet an einer Universität und wird während einer Vorlesung von einer Studentin gebeten den Fernseher einzuschalten. Die Nachrichten berichten nur von einem Thema, der Ankunft einer neuen Spezies. Zwölf Raumschiffe stehen über unterschiedlichen Positionen der Erde. Colonel Weber (Forest Whitaker) rekrutiert Miss Banks, um Kontakt mit den Aliens aufzunehmen und um deren Sprache zu verstehen.

Außerdem soll der Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) die Wissenschaft der außerirdischen Spezies erforschen. Alle reisen nach Montana, wo eines der Raumschiffe zu betrachten ist. Diese werden von vielen aufgrund ihrer Optik als „Muscheln“ bezeichnet. Doch das unermüdliche Streben nach Antworten gerät bald zum Rennen gegen die Zeit – die eigene und die der gesamten Menschheit.

Arrival ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film von Denis Villeneuve, der in den letzten Jahren durch das meisterhaft inszenierte Drama Prisoners sowie durch den stilistisch starken Film Sicario für Aufsehen sorgte. Nach den zwei Filmen wurde zuletzt bekannt, dass Villeneuve die Fortsetzung des Kultfilms Blade Runner inszenieren wird. Die Erwartungen an sein neuestes Werk waren demnach entsprechend hoch.

arrival_2 Inhaltlich bietet eine Invasion einer außerirdischen Spezies kein wirklich neues Thema. Selbst das Parken eines Raumschiffs über den Großstädten der Welt wurde bereits in zahlreichen Filmen thematisiert wie beispielsweise 1996 in Independence Day oder 2009 in District 9. Allerdings sind es dieses Mal gleich zwölf Raumschiffe an unterschiedlichen Positionen der Erde.

Die Handlung konzentriert sich zwar größtenteils auf das UFO in Montana, USA, aber die restlichen Raumschiffe spielen dennoch eine wichtige Rolle. Positiv ist anzumerken, dass die Ankunft einer außerirdischen Spezies sehr realistisch dargestellt wird. Beispielsweise ist die Kommunikation ein sehr wichtiger Aspekt und die Reaktion anderer Staaten auf die Aliens. Der Stil ist teilweise schon etwas dokumentarisch und sehr detailliert. Dies wirkt sich natürlich auf die Spannung und den Unterhaltungsfaktor aus, denn es ist definitiv ein Film, in dem man konzentriert jeden Moment und jedes Gespräch verfolgen sollte. Diese dauerhafte Abgespanntheit ist teilweise ermüdend und einfach langatmig, da es für den Zuschauer schwer ist die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten.

Die Storyline bringt jedoch auch einige Wendungen mit sich, die sicherlich die Gedankengänge des Zuschauers durchwirbeln und an die Substanz gehen. Außerdem ist der Anspruch, anders als bei einem reinen Unterhaltungsfilm, in Arrival viel größer. Es werden die wichtigen Fragen zum passenden Zeitpunkt gestellt und die Handlungen der einzelnen Figuren sind durchweg nachvollziehbar.

arrival_3 Auch mit spannenden Momente kann der Film aufwarten und dies ohne die ganz große Action. Durchaus kritischer sind die besonders gegen Ende des Spielfilms auftretenden Flashbacks der Hauptfigur zu betrachten. Diese wirken leicht rührselig und zu gefühlvoll, was zwar nicht unbedingt aufgesetzt oder unpassend ist, sondern eher den eh schon langatmigen Handlungsfortschritt noch ein wenig weiter aufhält.

Dort knüpft auch die Komposition von Johann Johannsson an, der aufgrund seiner dröhnenden Bässe in Sicario noch für den Oscar nominiert wurde, hier jedoch eine viel gefühlvollere Komposition entwickelt hat, die eher dezent und gegen Ende etwas zu viel ist. Schauspielerisch zeigt Amy Adams (American Hustle), die bereits fünfmal für einen Oscar nominiert war, eine ambitionierte und überzeugende Leistung. Ihre Rolle als Kommunikationswissenschaftlerin ist äußerst glaubwürdig. Es würde mich nicht wundern, wenn sie erneut für einen Goldjungen nominiert werden würde.

Neben Adams überzeugen auch Forest Whitaker und Jeremy Renner. Der gesamte Cast ist in seiner Erscheinung sehr authentisch, was bei einem Film der ein plötzliches erscheinen von Aliens realistisch darstellen soll durchaus wichtig ist.

Insgesamt ist Arrival ein gelungener Einstieg für Denis Villeneuve in die große Science-Fiction-Welt und besonders dank seiner starken Botschaft eine klare Empfehlung wert.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heisserer
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Tzi Ma, Mark O’Brien

Bewertung

Bewertung_7

04th Dez2016

La Isla Minima – Mörderland (2014) | Filmkritik

von Michael Diederich

La Isla Minima

1980 werden im Süden Spaniens, in dem kleinen Ort Villafranco, zwei junge Mädchen vermisst. Die beiden aus Madrid stammenden Kriminalbeamten Pedro (Raul Arevalo) und Juan (Javier Gutierrez) werden auf den Fall angesetzt und sollen die Mädchen sicher zurück zu ihren Familien bringen.

moerderland_1 Die Beamten verstehen sich jedoch von Anfang an nicht gut, da sie unterschiedliche Ansichten und Interessen haben. Dennoch konzentrieren sich beide auf den Fall und der Suche nach den vermissten Mädchen. Die Familie der Vermissten ist zunächst wenig kooperativ, doch schlussendlich enthüllt die Mutter einige Informationen zu möglichen Aufenthaltsorten ihrer beiden Töchter.

Die Polizisten durchforsten das sogenannte Marschland und entdecken dort Kleidungsstücke der Mädchen. Ortskarten und Routen helfen in diesem Gebiet nicht weiter, da viele der kleinen Wege und überschwemmten Landschaften nicht auf gewöhnlichen Karten verzeichnet sind. Deshalb hilft ihnen der aus der Gegend stammende Jesus (Salva Reina). Als wenige Zeit später eine weitere Jugendliche verschwindet, müssen Pedro und Juan von einem Serientäter ausgehen. Es beginnt ein Lauf gegen die Zeit.

La Isla Minima – Mörderland ist ein spanischer Kriminalfilm aus dem Jahr 2014. Die Regie übernahm Alberto Rodriguez, der zusammen mit Rafael Cobos auch das Drehbuch verfasste. Der Stil und der optische Look des Films erinnern stark an die hervorragende US-amerikanische Serie True Detective. Offiziell wird der Spielfilm auch als die spanische Antwort auf ebendiese bezeichnet.

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Stilistisch wird diese Aussage erfüllt, denn die vielen schönen Bilder und die wunderbare Kameraarbeit von Alex Catalan werden dem amerikanischen Vorbild gerecht. Besonders überzeugend sind die anfänglichen Helikopter-Aufnahmen des Marschlandes und die regnerischen Bilder gegen Ende des Filmes im Sumpfgebiet. Schauspielerisch ist die Leistung von Javier Gutierrez hervorzuheben, der in Ansätzen zeigt wie ein gebrochener Kriminalbeamter sein könnte. Es fehlen jedoch die überragenden Szenen.

Die schauspielerische Leistung von Raul Arevalo ist akzeptabel, aber nicht herausragend. Durchaus kritischer zu betrachten ist der sehr ruhige Start. Es dauert so einige Zeit bis der 105-minütige Kriminalfilm an Fahrt aufnimmt. Der ruhige Anfang ist besonders dafür geeignet, um den Figuren ein wenig Tiefe zu beschaffen und um den optischen Stil des Films mehr einfließen zu lassen. Nichtsdestotrotz drückt dieses inszenatorische Mittel die Spannung und diese ist eines der wichtigsten Elemente in einem Krimi.

Des Weiteren ist die Erzählung etwas zu verwirrend, was den Zuschauer an einigen Stellen verunsichern wird. Die eigentliche Handlung verliert so an Bedeutung und ab und an verfängt sich der Film in zu vielen kleinen Details. Diese kleinen Details ergeben zwar größtenteils Sinn, jedoch werden einige Sequenzen auch komplizierter dargestellt als sie eigentlich sind. Die inhaltliche Schwäche ist auffallend, aber nicht katastrophal. Die Story ist auch nicht schlecht, sondern einfach nur streckenweise zu sehr penibel gestrickt.

Ein großer Pluspunkt ist dafür der finale Showdown, der visuell beeindruckt und durchweg spannend gestaltet ist. Allerdings hätte dieser auch etwas länger sein können. Gerade als der Film richtig Fahrt aufnimmt und der Zuschauer mitfiebert, neigt sich der Spielfilm dem Ende entgegen.

Insgesamt ist La Isla Minima – Mörderland trotz kleiner Mängel ein gelungener Kriminalfilm, der visuell mit dem amerikanischen Meisterwerk True Detective mithalten kann und für einen europäischen Film atmosphärisch sowie inszenatorisch überzeugend ist.

Cast & Crew

Regie: Alberto Rodríguez
Drehbuch: Alberto Rodríguez, Rafael Cobos
Musik: Julio de la Rosa
Darsteller: Raúl Arévalo, Javier Gutiérrez, Nerea Barros, Antonio de la Torre

Bewertung

Bewertung_7

07th Nov2016

Coherence (2013) | Filmkritik

von Michael Diederich

Coherence

Bei einem gemütlichen Abendessen unterhalten sich acht Freunde über vergangene Beziehungen, neue Jobs und witzige Geschichten aus ihrer gemeinsamen Zeit. Nach einigen Minuten Small-Talk erwähnt einer der Männer, dass sein Bruder Astrologe sei und ein Komet heute über die Erde ziehe. Dieser habe ihn ebenfalls über merkwürdige Geschehnisse in Verbindung mit diesem Ereignis gewarnt. Er erwähnt auch, dass sein Smartphone ein gerissenes Display hat.

coherence_1 Die anderen Gäste sind etwas irritiert, beginnen aber über Ereignisse dieser Art aus der Vergangenheit, die in den Nachrichten zu sehen waren, zu erzählen. Als Vergleich wird ein Beispiel aus Finnland herbeigezogen, wo vor einigen Jahrzehnten eine Frau den ortsansässigen Polizisten berichtete, dass ihr Ehemann nicht mehr derselbe nach einem Meteoritenschauer sei. Sein Verhalten sei seit dem Vorfall vollkommen anders als üblich.

Die Freunde rätseln über weitere merkwürdige Ereignisse, welche durch Kometen oder Meteoriten ausgelöst wurden. Plötzlich fällt der Strom im Haus aus und alle anderen Smartphones bekommen ebenfalls Risse an ihrem Display. Keiner der acht Personen kann noch telefonieren aber in geringer Entfernung in einem anderen Haus scheint noch das Licht. Und so machen sich einige der Freunde auf den Weg, um von dort aus den Astrologen anzurufen, der diese merkwürdigen Ereignisse prognostiziert hat. Was wird sie in dem Haus erwarten und welche Erklärung werden sie für die mysteriösen Geschehnisse erhalten?

coherence_2 Coherence ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Thriller, der 2013 unter der Regie von James Ward Byrkit erschien. Byrkit war bisher lediglich für einige Kurzfilme bekannt, verpasst den etablierten seines Fachs jedoch durch diesen ambitionierten Film einen Denkzettel. Seine kammerspielartige Inszenierung einer kreativen und interessanten Geschichte gibt dem 88-minütigen Film eine starke atmosphärische Dichte. Das Auftreten von Kometen ist wenig erforscht und bis heute für Astrologen ein eigenes Forschungsgebiet. Das Vorbeiziehen eines Kometen wird spannend und authentisch beschrieben, im Vordergrund stehen aber die acht Freunde.

Dank der allgemein gelungenen Figurenzeichnung sind die menschlichen Reaktionen und Interaktionen untereinander besonders nachvollziehbar und sorgt für die an einigen Stellen erforderliche Tiefe. Positiv ist ebenfalls anzumerken, dass die Schauspieler durchweg unbekannt sind. Somit achtet der Zuschauer weniger auf eine bestimmte Figur, sondern widmet jedem der acht Charakter dieselbe, notwendige Aufmerksamkeit.

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Durch das realistische Szenario und trotz minimalistischer Mitteln gelingt dem Regisseur ein durch und durch intensiver Science-Fiction- Thriller. Die ruhige Atmosphäre des Films ist passend gewählt und ideal für die entfachte, beklemmende Stimmung. Der Zuschauer weiß nie genau, wo die Geschichte hinführt und einige Geschehnisse sind zunehmend verwirrend. Allerdings ist die Handlung nicht unlogisch, sondern bleibt immer nachvollziehbar. Die Verwirrung ist explizit gewollt, kann aber an einigen Stellen dazu führen, dass der Zuschauer für einen kurzen Moment den Faden verliert.

Folglich ist das auch einer der wenigen Kritikpunkte an Coherence. Denn die kreative Handlung riskiert nicht nur eine Verwirrung des Zuschauers, sondern kann den ein oder anderen Zuschauer auch komplett verlieren, wenn dieser nicht erneut in die Handlung eintreten kann. Dieser Effekt ist jedoch genau so gewollt, denn durch die bisher nur wage Erforschung von Kometen und einem bis heute starkem Aberglauben in Verbindung mit diesen Himmelschauspielen bietet die Thematik viel Spielraum für Ideen. Wer auf Mindfuck-Filme wie Memento, Source Code, Looper oder Predestination steht, der sollte hier definitiv auf seine Kosten kommen.

Wem diese Art Film nicht zusagt, der sollte diesem Film trotzdem eine Chance geben. Denn auffallend an Coherence ist neben einem ambitionierten Cast von unbekannten Schauspielern vor allem eine unerträglich hohe Spannung. Besonders der Mittelteil des Films ist ungewohnt spannend und der Zuschauer hat nie eine Ahnung, was als nächstes passieren wird.

Schlussendlich ist Coherence ein kreativer, spannender Science-Fiction-Film, der den vielen teuren Produktionen aufzeigt, was mit wenigen Mittel erreicht werden kann. Denn häufig kommt es nur auf die Idee und das daraus entstandene Drehbuch an, welches leider viel zu oft bei den großen Namen schwach ausfällt. Coherence aber überzeugt gerade dank seiner Story, die frisch ist und mit seinen minimalistischen Mitteln hervorragend umgesetzt wurde.

Cast & Crew

Regie: James Ward Byrkit
Drehbuch: James Ward Byrkit, Alex Manugian
Musik: Kristin Øhrn Dyrud
Darsteller: Emily Baldoni, Maury Sterling, Nicholas Brendon, Lorene Scafaria, Hugo Armstrong

Bewertung

Bewertung_7

17th Okt2016

Triple 9 (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Triple 9

Eröffnet wird der Film Triple 9 mit einem von mehreren Cops durchgeführten, spektakulären Banküberfall. Um seine Schulden bei der von Irina Vaslov (Kate Winslet) angeführten, russischen Mafia begleichen zu können, nimmt auch Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor) an diesem Raub teil, welcher sich bislang nur durch kleinere Überfälle über Wasser hielt.

triple9_1 Damit dieser Überfall des Jahrhunderts überhaupt klappen kann, bedarf es schon einer ganz besonderen Idee. Detective Marcus Belmont (Anthony Mackie) schlägt für den schier unmöglichen Banküberfall vor, einen Triple 9 auszulösen. Dieser Funkspruch bedeutet, dass ein Polizist gefallen ist und es wäre die ideale Ablenkung, um den größten Coup aller Zeiten durchzuführen. Jeder Polizist in der Stadt würde zu dem Tatort fahren, wo einer seiner Kollegen getötet wurde und der große Banküberfall würde in den Hintergrund fallen.

Doch das Opfer des geplanten Triple 9, der versetzte Polizist Chris Allen (Casey Affleck), scheint von dem Vorhaben seiner Kollegen noch nichts zu wissen.

Triple 9 ist ein US-amerikanischer Action-Thriller aus dem Jahr 2016. Regisseur des Films ist John Hillcoat, der durch Filme wie Lawless – Die Gesetzlosen oder The Proposition – Tödliches Angebot bekannt geworden ist. Sein neuestes Werk erlangte besondere Aufmerksamkeit aufgrund der Vielzahl an bekannten Schauspielern. Neben Kate Winslet, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Casey Affleck, Gal Gadot und Aaron Paul ist vor allem die Besetzung Woody Harrelsons als Polizist nach der meisterhaften Serie True Detective auffallend. Allerdings entwickelt sich der Film trotz dieser Namen zu einer herben Enttäuschung, und das in vielerlei Hinsicht. Die ersten 15 Minuten beginnen flott mit einem rasanten Banküberfall und einen durch Farbpatronen erzeugten roten Wirbel voller Action. Danach setzt Regisseur John Hillcoat vor allem auf seine geballte Power an Darstellern und vergisst dabei, Zeit für eine genauere Zeichnung der Figuren einzuplanen.

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Und so wird der Film nach der aktionreichen ersten Viertelstunde sehr dialoglastig und jedes weitere Vorgehen der Charaktere ist zu vorhersehbar. Die Figuren sind allesamt dünn und ohne viel Tiefe gezeichnet, sodass der Zuschauer keine Person findet, für die er Sympathien entwickeln könnte oder die in irgendeiner Weise interessant wäre. Bei einer derart kargen Handlung, die sich rein um diesen speziellen Funkspruch der Polizei dreht, wäre es umso wichtiger gute Figuren zu kreieren oder wenigstens visuell zu überzeugen.

Keines dieser Ziele gelingt Triple 9 und es kommt mehrmals zu regelrecht langweiligen, da unkreativen Szenen. Nach wunderbaren Filmen wie Heat oder Sieben, in denen die Polizeiarbeit äußerst intensiv thematisiert wurde, und welche zu Meilensteinen in ihrem Genre zählen, ist anzumerken, dass der für den Emmy als bester Hauptdarsteller für die Serie True Detective nominierte Woody Harrelson in Triple 9 nur eine Nebenrolle spielt und sein aus der Serie bekanntes Talent als Polizist nicht ausspielen kann und darf.

Neben all der negativen Kritik sind zumindest die anfänglichen ersten Minuten, die wenigen Verfolgungsszenen und das leicht überzeugende Schauspiel von Casey Affleck hervorzuheben, was den Film in seiner Gänze zwar nicht retten kann, aber das Endergebnis wenigstens etwas aufbessert. Casey Affleck zeigt in einigen Momenten sein schauspielerisches Talent, allerdings tritt seine Figur zu spät in den Film ein und er bekommt zu alledem viel zu wenig Spielzeit. Sinnvoller wäre es gewesen einige Stars zu streichen und die Konzentration auf einige wenige zu legen. Diese Schwäche scheint abermals Schuld eines schwachen Drehbuchs zu sein, welches das Aufgebot von gestandenen Hollywood-Stars in einem Cop-Movie nicht zu nutzen weiß. Aber auch Regisseur John Hillcoat kann sich nicht von der Verfehlung freisprechen, schwache und unglaubwürdige Figuren inszeniert zu haben. Insgesamt ist Triple 9 somit ein enttäuschender Versuch ein Staraufgebot von Schauspielern in einem Heist-Movie zusammenzuführen und besonders dank der unglaubwürdigen Figuren, der schwachen Story und einer zu langsamen Inszenierung ein regelrechter Flop.

Cast & Crew

Regie: John Hillcoat
Drehbuch: Matt Cook
Musik: Atticus Ross, Bobby Krlic, Leopold Ross, Claudia Sarne
Darsteller: Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Aaron Paul, Clifton Collins Jr., Norman Reedus, Woody Harrelson, Kate Winslet

Bewertung

Bewertung_5

01st Aug2016

Conjuring 2 (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Conjuring 2

Im Jahr 1976 untersuchen die Eheleute Warren einen mehrfachen Mordfall. Lorraine Warren (Vera Farmiga) versucht das Verbrechen gedanklich zu rekonstruieren und überprüft, ob der Mann seine Familie unter dämonischem Einfluss getötet hat. In ihrer Vision taucht eine Nonne auf und unerwartet wird ihr Ehemann Ed Warren (Patrick Wilson) getötet.

conjuring2_1 Voller Schreck erwacht Lorraine und ist überglücklich ihren Mann lebendig neben ihr zu sehen.

Ein Jahr später setzt die Handlung in Entfield, London ein. Die alleinerziehende Mutter Peggy Hodgson lebt mit ihren vier Kindern in einem Wohnhaus, in welchem sich merkwürdige Ereignisse häufen. Die 11-jährige Janet beispielsweise schlafwandelt und hört Stimmen eines unbekannten Wesens.

Die anderen Familienmitglieder werden Zeuge von diesen unnatürlichen Ereignissen und fliehen eines Nachts über die Straße, um fortan bei den Nachbarn zu wohnen. Auch die Medien werden aufmerksam auf die paranormalen Geschehnisse in London und die Kirche bittet die Eheleute Warren um Hilfe. Lorraine Warren ist abgeneigt zu helfen, da sie wieder eine Vision erhält, in der ihr Mann getötet wird. Außerdem zeichnet Ed Warren morgens ein Bild, welches ihm im Schlaf erschienen ist. Das Bild zeigt die Nonne, die Lorraine bereits zuvor gesehen hat.

conjuring2_2 Conjuring 2 ist eine US-amerikanische Horrorfortsetzung aus dem Jahr 2016. Es ist der zweite Film der Reihe und die Regie übernahm wie bereits bei dem ersten Film James Wan, der zuletzt Fast Furious 7 drehte. Thematisch behandelt der 132-minütige Film kein neues Thema, denn die Bekämpfung von bösen Dämonen wurde im gesamten Horrorgenre schon mehr als intensiv behandelt.

Fast jeder Horrorfilm befasst sich derzeit mit bösen Dämonen, demnach ist die Story keine besonders neue Idee und muss auch nicht weiter thematisierst werden. In der heutigen Zeit der unzähligen Fortsetzungen und Remakes ist eine inhaltliche Einfallslosigkeit in diesem Genres einfach kein großer Kritikpunkt mehr.

Der Erzählfluss des Films ist dafür aber insgesamt sehr stimmig. Die erste Stunde ist insbesondere dank der mehreren Handlungsstränge flott inszeniert. Anschließend hat der Streifen ein paar kleine Längen, doch gegen Ende nimmt der Film noch einmal richtig Fahrt auf.

Ein solch ausgelutschtes Thema dennoch unterhaltsam und spannend zu inszenieren ist die große Kunst eines Regisseurs. James Wan meistert diese Aufgabe und seine Regie überzeugt durch die Liebe zum Detail und durch die stilistischen Feinheiten. Allein die Optik der Nonne ist überaus gelungen und für Horrorfans ein hoher Gruselfaktor.

conjuring2_3 Nicht ohne Grund veranlasste das Erscheinen des bösen Dämons die Filmstudios dazu ein Spin-off mit dem Titel The Nun zu verwirklichen, in welchem der böse Dämon mehr Spielzeit bekommen soll. Die vielen kleinen Details erhalten im Laufe des Films immer mehr Sinn und die atmosphärische Dichte macht den Film zu einem unterhaltsamen Horrorfilm. Negativ anzumerken sind jedoch die teils durch CGI aufgebesserten Effekte, welche anstatt gruselig eher albern wirken, die Stimmung aber nur kurz beeinflussen.

Die Schauspielriege des Films ist angemessen, doch der Fokus liegt überwiegend auf dem Ehepaar Warren. Die Chemie zwischen Patrick Wilson, der zuletzt in der zweiten Staffel von Fargo in einer Hauptrolle zu sehen war, und Vera Farmiga stimmt durch und durch und lässt den Zuschauer an ihren Erlebnissen stilecht teilhaben.

Der Trend von Horrorfilmen wanderte in den letzten Jahren immer wieder zu sinnfreien Splatter-Filmen, in denen unendlich viel Blut fließt und der eigentliche Gruselfaktor kaum noch zur Geltung kommt. Conjuring 2 widersetzt sich dem Trend und ist ein Geisterfilm der alten Art. Er verbindet die klassischen Elemente des Gruselfilms mit spannungsgeladenen Elementen eines Suspense Thrillers. So darf man sich auf die klassischen Elemente eines Horrorfilms wie die knarrende Treppe, flackernde Lichter und merkwürdige Geräusche freuen. Ohne große Effekte hinterlässt der Film eine stimmungsvolle und furchterregende Situation.

Optisch sehr gelungen und durch die vielen üblichen Requisiten eines Horrorfilms, wie einen alten Sessel, eine Schaukel im Garten und ein allgemein düsteres Haus verfeinert, entwickelt James Wan ein gruseliges und in sich stimmiges Szenario. Außerdem sorgt der eindringliche Soundtrack für zusätzlichen Nervenkitzel in spannenden Situationen. Im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger ist der Nervenkitzel etwas stärker und die Höhepunkte zahlreicher. Conjuring 2 ist sogar noch etwas gefühlvoller und gruseliger. Viel Spaß beim Gruseln!

Cast & Crew

Regie: James Wan
Drehbuch: James Wan, Chad Hayes, Carey Hayes, David Leslie Johnson
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Frances O’Connor, Madison Wolfe, Simon McBurney, Franka Potente

Bewertung

Bewertung_7

27th Jul2016

Star Trek Beyond (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Star Trek Beyond

Der dritte Teil der neuen Star Trek-Reihe beginnt mit einer Friedensverhandlung zwischen zwei Völkern. Captain James Tiberius Kirk (Chris Pine) agiert als Vermittler und übergibt einem der Völker ein Geschenk. Wutentbrannt lehnt das Oberhaupt des Volkes dieses jedoch ab und die Einwohner stürzen sich auf Cpt. Kirk. Gerade rechtzeitig wird dieser noch von seinem Ingenieur Montgomery Scott (Simon Pegg) weggebeamt.

startrekbeyond_1 Wieder an Bord der legendären U.S.S. Enterprise plant die Crew die Ankunft in einer hochmoderne Stadt im Weltall, wo es neue Technologien zu entdecken gibt und das gesamte Team eine kleine Auszeit nehmen kann.

Die wohlverdiente Ruhe dauert jedoch nicht lange an, denn bereits bei der Ankunft erwartet sie eine Kapitänin eines anderen Raumschiffs. Sie bittet die Crew der Enterprise um Hilfe, ihre verlorenen Männer zu retten. Kirk zögert keinen Moment und die Reise nach der vermissten Crew beginnt. Auf dem Weg werden Kirk und seine Mitglieder allerdings von einer fremden Legion attackiert und die Enterprise erleidet schwere Schäden. Kirk befiehlt eine sofortige Evakuation des Raumschiffs und die Besatzung des Schiffs findet sich auf einem fremden Planeten an unterschiedliche Orten wieder.

Die Invasion wurde von einem gewissen Krall (Idris Elba) durchgeführt, der schon seit langer Zeit auf der Suche nach einem speziellen Gegenstand ist. Auf dem unbekannten Planeten trifft der Ingenieur der Enterprise, Montgomery Scott, auf eine Kriegerin namens Jaylah (Sofia Boutella), die selbst mit Krall vor einigen Jahren ein bitteres Aufeinandertreffen erleben musste. James T. Kirk macht sich unterdessen auf, seine Besatzung auf dem fremden Planeten wiederfinden und den großen Kampf gegen den gefährlichen Krall aufnehmen.

startrekbeyond_2 Star Trek Beyond ist der insgesamt 13. Film, der auf der Serie Raumschiff Enterprise basiert und der dritte Film der 2009 begonnen Neuauflage, die in einer alternativen Zeitlinie erzählt wird. Nachdem zuvor J. J. Abrams die Filme Star Trek 2009 und Star Trek: Into Darkness 2013 inszenierte übernahm nun Justin Lin federführend die Regie.

Lin ist sicherlich einigen ein Begriff, denn er war mehrmals Regisseur den turbulenten Fast & Furious-Filmen. Für viele Kritiker war die Verpflichtung von Justin Lin ein Kritikpunkt, denn seine bisherigen Filme zeichneten sich meistens durch sensationelle Action und dünne Story aus. Allerdings ist genau diese Verpflichtung ein gut überlegter Einfall.

Lin entwickelt einen visuell hervorragenden Science-Fiction-Film, der aber auch viel Zeit und Raum für seine Figuren hat. Im Zentrum des Weltraumspektakels stehen weiterhin durch und durch die liebevoll gezeichneten Figuren. Hierbei ist besonders die Arbeit der beiden Drehbuchautoren Doug Jung und Simon Pegg hervorzuheben. Sie haben zwar keine überragende Story niedergeschrieben, aber sich intensiv auf die Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Enterprise konzentriert. Das Intelligente an dem Drehbuch ist, dass die Crewmitglieder nach dem Überfall auf die U.S.S. Enterprise getrennt werden. So bekommt der Zuschauer jede Figur der Besatzung genauer vorgestellt.

startrekbeyond_3 Auch die Charaktereinführung von Jaylah ist ideal für die neue Crew und bringt eine gewisse Vielfältigkeit in die große Welt der unendlichen Weiten. Die erforderliche Frische wird durch den bekannten Humor beibehalten, der teilweise, wie von Hollywood mittlerweile gewohnt, etwas flach, aber insgesamt gut umgesetzt wurde. Durch diese zeitweise ruhige Darstellung treten im Laufe des Films, eher gegen Ende, einige kleinere Längen auf, was dem Gesamteindruck aber wenig schadet.

Neben diesen charakterlichen Entwicklungen ist zu erwähnen, dass die Inszenierung sehr gefühlvoll und mit der entsprechenden Liebe zum Detail ausgeübt wurde. Beispielsweise ist die emotionale Nähe viel stärker gegeben als bei der letztjährigen Star Wars Verfilmung. Dieser Aspekt ist für mich schwer auszusprechen, da ich ein großer Star Wars Fan bin, aber in dieser Hinsicht ist Star Trek Beyond schlicht besser.

Die visuellen Effekte sind auch dank des 3D Effekts ein weiteres Highlight und die wenigen Euros mehr an der Kinokasse wert. Besonders das Design der Armee um Krall ist gelungen und die gesamte Optik verdient eine Oscar-Nominierung im kommenden Jahr. Einer der unerwarteten Höhepunkte ist des Weiteren der Abspann, der zum Sitzenbleiben motiviert. Hier beginnt eine kleine Reise durch das Weltall und Regisseur Lin zeigt noch einmal seine Stärke als visueller Künstler.

Neben diesen technischen und inszenatorischen Aspekten sind die Schauspieler ebenfalls hervorzuheben. Sie bekommen jetzt endlich etwas mehr Zeit, um ihre Figuren vorzustellen und ihr Können zu präsentieren, was im letzten Star Trek-Film noch deutlich zu kurz kam. Neben starken schauspielerischen Leistungen des gesamten Casts, unter anderem Chris Pine, Simon Pegg und Karl Urban, ist vor allem Idris Elba als Krall überzeugend.

Er verkörpert den Bösewicht so intensiv und glaubwürdig, obwohl sein Gesicht größtenteils nicht zu erkennen ist. Seine körperliche Präsenz und die ruhige Sprache sorgen für das erforderliche böse in diesem Film. Außerdem ist die Musik und die Tonqualität dank des Musikkomponisten Michael Giacchino (Mission Impossible IV) erstaunlich intensiv. Sie sorgt für die benötigte Ruhe und die geforderte Dramatik an anderen Stellen.

Insgesamt ist Star Trek Beyond genau der Film, für den das Kino einst erbaut wurde. Er bietet hervorragende visuelle Effekte, die besonders im Kino Spaß machen werden und er hat auch viel Raum und Zeit für seine liebevoll gezeichneten Figuren, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Cast & Crew

Regie: Justin Lin
Drehbuch: Simon Pegg, Doug Jung
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: John Cho, Simon Pegg, Chris Pine, Zachary Quinto, Zoe Saldana, Karl Urban, Anton Yelchin, Idris Elba

Bewertung

Bewertung_7

26th Jul2016

Erschütternde Wahrheit (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Erschütternde Wahrheit

Dr. Bennett Omalu (Will Smith) ist ein nigerianischer Arzt, der seit einigen Jahren in Pennsylvania in den Vereinigten Staaten als Pathologe arbeitet. In den Obduktionen von mehreren Ex-Football-Spielern der National Football League (NFL) stellt er schwere Folgeschäden fest.

erschuetterndewahrheit_1 Laut seinen Forschungen erlitten die Spieler während ihrer aktiven Zeit als Profi-Sportler zahlreiche Gehirnerschütterungen. Diese Gehirnerschütterungen führten laut Dr. Omalu zu traumatischen Schäden des Gehirns. Daraufhin klagten ehemalige Profis nach ihrer Karriere über Persönlichkeitsstörungen und Sinnesänderungen.

Im Zentrum seiner Nachforschungen steht der Tod des einst so erfolgreichen Footballers „Iron“ Mike Webster (David Morse). Als Spieler gewann dieser viermal den so begehrten Super Bowl für die Pittsburgh Steelers. Nach seiner Karriere jedoch litt er unter den Folgen der schweren Gehirnerschütterungen, die er einst als Profi kassierte.

Webster wurde drogenabhängig und verklagte die NFL auf Schadensersatz. Ehe das Verfahren beendet werden konnte starb er im Alter von 50 Jahren an einem Herzinfarkt. Dr. Bennett Omalu benennt die Erkrankung als CTE (Chronisch-traumatische Enzephalopathie), doch die NFL dementiert eine gesundheitliche Schädigung im American Football. Die Kritik an der größten amerikanischen Sportliga stößt bei vielen Bürgern auf Abneigung und Dr. Omalu muss um seine Anerkennung kämpfen.

erschuetterndewahrheit_2 Erschütternde Wahrheit (Originaltitel: Concussion) ist ein US-amerikanisches Sportdrama unter der Regie von Peter Landesman, welches in Deutschland 2016 erschien. Landesman ist ein recht unbekannter Regisseur, der nur wenigen Filmkennern ein Begriff sein dürfte. Dies ist erst sein zweiter nennenswerter Film, nachdem er zuvor die Regie in dem Historien-Drama Parkland übernahm. Außerdem verfasste er mehrere Drehbücher, unter anderem das zu Erschütternde Wahrheit. Sei neuester Film befasst sich 123-minütige mit einem durchaus interessanten und schweren Thema.

Die nach Dr. Omalu benannte CTE ist für viele Sportfans in Amerika eine Illusion und frei erfunden. Die NFL dementierte über lange Zeiten hinweg gesundheitliche Risiken in der nordamerikanischen Football Liga. Der American Football ist in den USA derart populär, dass der Film thematisch ein großes Risiko eingeht. Die beliebteste Sportart des Landes zu kritisieren ist provokant und riskant. Schon für diesen Mut ist der Regisseur und Drehbuchautor des Films, Peter Landesman, zu respektieren.

Allerdings fehlt dem Sportdrama der erforderliche Biss und die Kritik an der Sportart kommt zu kurz. Beispielsweise hätte der Streit zwischen ehemaligen Sportlern und der NFL stärker beschrieben werden können. Des Weiteren fehlt eine genaue Beschreibung von den Vorfällen zwischen Dr. Omalu und den Bürgern in Pennsylvania. Immerhin wird der Superstar der Pittsburgh Steelers, Mike Webster, von ihm als Opfer seiner eigenen Sportart bezeichnet und das einzige, was Landesman den Zuschauern zeigt, sind Drohanrufe.

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Für mich wird die Kritik eines nigerianischen Arztes, der eine ganze Sportart zu Fall bringt, nicht komplett genug beschrieben. Folglich schöpft der Film sein Potenzial nicht vollständig aus und bei einer Länge von 123 Minuten fehlen Frische und Abwechslung.

Der Film einfach zu lang und das Drehbuch von Landesman ist zu zahm, zu einfach und wenig kreativ, sodass vieles vorhersehbar bleibt und kaum neue Akzente gesetzt werden. Das überzeugendste Argument ist Will Smith. Der Schauspieler, der selbst aus Pennsylvania stammt und Minderheitsanteile der Philadelphia 76ers besitzt, fiel vor allem durch sein Blockbuster-Kino der letzten Jahre auf. Filme wie Hancock, Men in Black 3 und I am Legend spielten den Filmstudios enorm viel Geld in die Kassen, doch das schauspielerische Talent eines Will Smith wurde weniger gefordert.

Einen Tiefpunkt seiner Filmauswahl stellt insbesondere der Film After Earth im Jahr 2013 dar. Der stark kritisierte Film war für Will Smith ein enormer Karriererückschlag und Smith veränderte daraufhin seine Filmauswahl. Der 2015 erschienene Film Focus zeigte einen neuen Trend und Smith überzeugte endlich wieder. In Erschütternde Wahrheit liefert Smith eine unfassbar authentische schauspielerische Leistung ab. Der nigerianische Arzt wird von ihm derart intensiv und glaubwürdig verkörpert, dass eine Golden Globe Nominierung 2016 folgte.

Es ist empfehlenswert sich den Film in Originalverfassung anzusehen, da besonders die Sprache und Wortdynamik hervorsticht. Insgesamt ist Erschütternde Wahrheit trotzdem kein guter Film, aber dank Will Smith und einem mutigen Thema zumindest einen Blick wert.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Peter Landesman
Drehbuch: Peter Landesman
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Will Smith, Alec Baldwin, Gugu Mbatha-Raw, Arliss Howard, Paul Reiser, Luke Wilson, Adewale Akinnuoye-Agbaje, David Morse, Albert Brooks

Bewertung

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