25th Jul2017

Spider-Man: Homecoming (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Spider-Man Homecoming

Der 15-jährige Peter Parker (Tom Holland) ist in der Highschool ein Außenseiter. Die Ereignisse in Deutschland, wo das Team Iron Man gegen das Team von Captain America kämpfte, bewegen ihn abseits der Strapazen in der Schule zudem noch immer. Von seiner zweiten Identität als Spider-Man weiß keiner, außer Tony Stark. Er hat ihn trotz seiner Mithilfe jedoch noch nicht zum Team der Avengers berufen. Peter ist zwar gespannt auf seinen nächsten Auftritt mit den berühmten, anderen Superhelden, doch seine Hilfe scheint aktuell einfach nicht gefragt. Daher klettert er nach der Schule über die Dächer New York Cities, um den Bürgern der Stadt zu helfen und in Form zu bleiben.

spidermanhomecoming_1 Eines Tages überfallen mehrere Räuber, mit modernsten Waffen, einen Geldautomaten und legen einen gegenüberliegenden Kiosk in einem Kampf vollständig in Schutt und Asche. Im letzten Augenblick schafft es Spider-Man den Ladenbesitzer zu retten und nimmt die Verfolgung der Räuber auf. Die Spur führt ihn zu einer Institution der Avengers, einer Fabrik, in welcher die Überreste vergangener Schlachten lagern. Ein Bauarbeiter jedoch stahl vor einigen Jahren einige Elemente, um moderne Waffen herzustellen und zu verkaufen.

Peter Parker ist noch am Anfang seiner Karriere als Spider-Man und er hat neben seinem High-School Abschluss seine erste Auseinandersetzung mit einem ernst zu nehmenden Kriminellen. Ist er dem Kampf schon gewachsen oder müssen ihm Captain America und Iron Man zu Hilfe eilen?

Spiderman: Homecoming ist ein US-amerikanischer Superheldenfilm aus dem Jahre 2017. Es ist nach The Amazing Spider-Man bereits der zweite Neustart des Franchise in nur wenigen Jahren. Die Regie übernahm dieses MalJon Watts, der nur Wenigen ein Begriff sein wird und in die Fußstapfen von Sam Raimi und Marc Webb tritt.

spidermanhomecoming_3 Die Hauptrolle übernahm Tom Holland, der bereits in Captain America: Civil War die Bildfläche betreten hat. Die Tatsache, dass der Film der zweite Neustart der Reihe innerhalb von fünf Jahren darstellt, verursacht eine gewisse Skepsis und ein leichtes Unverständnis. Es ist nicht befriedigend eine Filmreihe alle paar Jahre neu zu starten und mit neuen Schauspielern zu besetzen.

Die Geschichte des jungen Peter Parker, der wenig Geld hat und trotz seiner eher dünnen Statur den Kampf mit vielen Bösewichten aufnimmt, ist oft genug erzählt worden, ebenso wie der legendäre Spinnenbiss.

Allerdings ist die Geschichte auch immer wieder eine sympathische, denn Peter Parker zeigt seinen Mut und nimmt es trotz seines Außenseiter-Daseins mit den schlimmsten Schurken auf. Begründet ist der zweite Neustart mit den Filmrechten des Comics. Die Rechte des Comics lagen bei Sony und da Marvel seit dem Film Iron Man aus dem Jahr 2008 seine Comicfilme nun auch selbst produziert, kauften sie sich Spider-Man zurück. Der Filmtitel Homecoming ist somit in vielerlei Hinsicht passend gewählt. Von dieser Erwartungshaltung heraus waren die Vorzeichen für einen gelungenen Film also eher mittelmäßig.

Die Story des Films versetzt Peter Parker zurück an die High-School und lässt bewusst die bekannten Geschehnisse um Peters Onkel Ben aus. Außerdem ist die Wahl des Bösewichts auf The Vulture, in Deutsch „Der Geier“ gefallen. Die bekannten Figuren Der grüne Kobalt sowie Doctor Octopus werden auch ausgelassen. Positiv ist in dieser Umsetzung anzumerken, dass der Biss der Spinne, die Peter seine Fähigkeiten gibt, nicht gezeigt wird. Diese Ereignisse sind den meisten Zuschauern schließlich noch bekannt aus den vorherigen Filmen.

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Es ist erfrischend den jungen Peter Parker zu sehen, der nicht viel von einem Superhelden weiß, aber unbedingt einer werden möchte. Er ist noch am Anfang seiner Karriere als Superheld. Auch die Idee Tony Stark alias Iron Man zu seinem Mentor zu machen, halte ich für gelungen und passend. Demnach ist die Story des Films überraschend gut und intelligent gewählt. Neben der Geschichte ist auch der gesamte Cast optimal besetzt. Alle Rollen sind durch passende Schauspieler besetzt worden, sodass viele Handlungsstränge interessant und spannend sind.

Beispielsweise spielen einstige Nebenrollen aus der Serie Fargo und Better Call Saul in dem Blockbuster mit. Der Kern des Films liegt jedoch in der Auseinandersetzung zwischen Michael Keaton als The Vulture und Tom Holland als Spider-Man. Die beiden spielen ihre Rollen sehr gut und die gemeinsamen Szenen sind spannend und überraschend intensiv. Michael Keaton mimt einen Arbeiter, der das große Geld mit Waffen aus Weltraumschrott macht. Tom Holland spielt den jungen Spider-Man, der sich für Recht und Ordnung einsetzt. Die Konfrontation der beiden ist besonders intensiv an den ruhigeren Momenten.

Neben der gelungenen Story und dem guten Cast überzeugt auch der Look des Films. Die 3D Technik ist in den meisten Szenen scharf und genau, jedoch nie sehr nah an einem dran. Es ist vom Vorteil den Blockbuster in 3D zu sehen, da die Effekte hierbei stetig gut sind. Negativ anzumerken ist, dass gegen Ende des Films einige kleinere Längen bestehen, die das Erlebnis ein wenig strecken. Insgesamt ist Spider-Man: Homecoming aber ein gelungener Neustart, der mit einer guten Besetzung, einer schönen Optik und vor allem einer erfrischenden Story aufwartet. Wir dürfen gespannt sein, ob sich die Reihe nun länger halten wird als es Andrew Garfield und Tobey Maguire vergönnt war.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Jon Watts
Drehbuch: John Francis Daley, Jonathan M. Goldstein
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Tom Holland, Michael Keaton, Jon Favreau, Zendaya, Donald Glover, Tyne Daly, Marisa Tomei, Robert Downey Jr.

Bewertung

Bewertung_7

14th Jul2017

Suburra (2015) | Filmkritik

von Michael Diederich

Suburra=

Filippo Malgradi (Pierfrancesco Favino) ist Abgeordneter des italienischen Parlaments und er ist maßgeblich daran beteiligt das Hafenviertel Ostia in ein neues Las Vegas zu verwandeln. Mit staatlichen Zuschüssen soll der Bau vieler Casinos, Clubs und Bordells gesichert werden. Allerdings entsteht kurz vor dem Gesetzesentwurf ein Bandenkrieg, der sein ganzes Vorhaben gefährdet.

suburra_1 So schnell wie möglich soll der Streit der beiden kriminellen Organisationen beigelegt werden, also versucht der vielerorts als Samurai (Claudio Amendola) bekannte Unterweltboss der Stadt Rom, mit Hilfe von geldlichen Zuwendungen den Konflikt zu beenden. Hierbei stehen für beide Banden die gewöhnlichen Probleme wie Ehre, Loyalität und Gewalt auf dem Programm. Es ist noch nicht zu spät die drohende Apokalypse zu verhindern.

Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse ist ein italienisch-französischer Neo-Noir Thriller aus dem Jahre 2015, der in Deutschland jedoch erst im Januar 2017 in den Kinos anlief. Der Regisseur des Films ist Stefano Sollima, der aktuell die Fortsetzung des US-amerikanischen Kriminalfilms Sicario dreht. Außerdem war er von 2014 bis 2016 Regisseur der italienischen Mafia-Serie Gomorrha.

Die Geschichte von kriminellen Vereinigungen, die durch neue Spieler bedroht werden und sich gegenseitig bekämpfen, ist besonders im Zusammenhang mit Italien immer noch ein aktuelles Thema, obwohl die gesamte Thematik bereits in zahlreichen Filmen und Serien vielfach erzählt wurde. Deshalb ist die Geschichte des Films keine wirklich neue, dennoch ist die Erzählweise und die Struktur des Films neu. Der Start ist unterhaltsam, sodass die Charaktere nach der ersten Stunde allesamt kurz vorgestellt wurden und durch wenige Szenen gut gezeichnet etabliert werden konnten. Der Zuschauer hat die Motive der Figuren größtenteils erkannt, dennoch werden die Handlungsstränge erst im Laufe des Films miteinander verbunden.

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Denn vorerst ist nicht klar, in welche Richtung der Film einschlägt. Die Erzählweise ist komplex, teilweise am Rande zur Unübersichtlichkeit, aber in den entscheidenden Sequenzen dann doch übersichtlich und verständlich. Im ersten Augenblick ist es nicht direkt klar in welchen Beziehungen die Charaktere zueinander stehen. Das Schöne an dem Thriller Suburra ist, dass die Handlung immer weiter Fahrt aufnimmt und sich entfalten kann. Insgesamt ist daher besonders die erzählerische Entwicklung hervorzuheben, die durch eine gute Regie und dank schönen Bildern die düstere Seite Roms zeigt. Die Bilder in der Nacht oder während des Regenschauers sind stilistisch außerordentlich fotografiert.

Das gewöhnliche Problem eines Mafia-Films sind einige langatmige Stellen, in denen die Spannung etwas verloren geht. Dennoch wird der Bogen hierbei nicht überreizt und die Machtspiele in Rom stehen immer im Vordergrund des zweistündigen Films. Die gesamte Atmosphäre ist, trotz einiger Schwächen, wunderbar. Es wirkt zwar teilweise etwas aufgebauscht, aber immer authentisch. Neben den wunderschönen düsteren Bildern und der guten Erzählhaltung sind die Rollen gut besetzt worden. Jeder Schauspieler gibt seiner Figur das benötigte Charisma und wirkt glaubhaft.

Untermalt wird der Neo-Noir Film durch einen einprägsamen Soundtrack, der an den passenden Stellen zu hören ist. Einen kleinen Minuspunkt erhält er jedoch für wenige unglaubwürdige Szenen und für die schlussendlich dann doch genreübliche, vorhersehbare Geschichte. Insgesamt ist Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse aber ein hervorragend inszenierter Mafia-Film, der das Genre zwar nicht neu erfindet, aber dennoch dank einer düsteren Atmosphäre und guten Darstellern zu empfehlen ist.

Cast & Crew

Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Stefano Rulli, Sandro Petraglia, Carlo Bonini, Giancarlo De Cataldo
Musik: M83
Darsteller: Pierfrancesco Favino, Elio Germano, Claudio Amendola, Alessandro Borghi, Greta Scarano

Bewertung

Bewertung7

14th Jun2017

Get Out (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Get Out

Der afro-amerikanische Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) wird von seiner Verlobten Rose (Allison Williams) zu einem Wochenende bei ihren Eltern überredet und soll bei dieser Reise seine potenziellen Schwiegereltern endlich kennenlernen. Er ist sich zunächst unsicher, ob die Familie seiner weißen Verlobten überhaupt ahnt, dass er Afro-Amerikaner ist. Zu allem Unmut warnt ihn auch sein Freund Rod (Lil Rel Howery) vor dem Besuch bei der weißen Familie.

getout_1 Dennoch fahren die Turteltauben in die ländliche Gegend. Auf dem Weg in die Abgeschiedenheit fährt Rose jedoch ein Reh an, welches daraufhin am Straßenrand schwer verletzt seinen Wunden erliegt. Sie alarmieren die Polizei, die sich zunehmend auf Chris konzentriert und seine Papiere sehen möchte. Seine Freundin rügt den Polizisten, da sie gefahren sei und nicht Chris. Er akzeptiert dies mürrisch und lässt beide weiterfahren.

Endlich erreichen sie das große Anwesen der Eltern. Roses Vater Dean ist Neurochirurg und ihre Mutter Psychologin. Anfangs verhalten sich ihre Eltern nett und zuvorkommend, jedoch bemerkt Chris schnell, dass alle Hausangestellten Afroamerikaner sind. Am Abend lernt Chris Roses Bruder Jeremy (Caleb Landry Jones) kennen. Er spricht ihn auf seine körperliche Fitness an und behauptet, dass er aufgrund seines genetischen Erbguts ein guter Kämpfer wäre. Der New Yorker Fotograf Chris scheint vor einem langen Wochenende voller Vorurteile zu stehen, ohne genau zu wissen, was genau eigentlich hier vor sich geht. Fortan spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu!

Get Out ist ein US-amerikanischer Horror-Mystery-Thriller, der 2017 unter der Regie von Jordan Peele erschien. Dieser ist vor allem Fans amerikanischer Comedy ein Begriff. Sein neuestes Projekt, zu welchem auch das Drehbuch beisteuerte, ist sein Regiedebüt.

getout_2 Vorweg ist das Genre anzusprechen, in welchem sich der Film einordnen lässt. Insgesamt ist Get Out ein Thriller mit vereinzelten Elementen aus dem Horror und Mystery Bereich. Seit vielen Jahren ist Rassismus ein beliebtes Thema für amerikanische Dramen, welches hier mit eingewoben wurde. Beispielsweise erhielt der Film 12 Years a Slave 2014 den Oscar für den besten Film. Vermehrt in den letzten Jahren ist die White-Washing Debatte in Hollywood ausgebrochen. Hierbei wird kritisiert, dass viele tragende Rollen in Filmen meistens durch weiße Menschen verkörpert werden. Außerdem wurde vielfach kritisiert, dass es bei den Oscars wenige Nominierungen für afroamerikanische Filmschaffende gab.

Diese Kritik verursachte eine Tendenz, wonach immer mehr Filme, unter anderem Moonlight, Fences oder Hidden Figures – Unbekannte Heldinnen, in den tragende Rollen durch Afroamerikaner verkörpert werden, produziert wurden. Moonlight schaffte es sogar den Oscar für den besten Film in diesem Jahr zu erobern. Get Out treibt das Thema Rassismus und White Washing auf die Spitze: In der Hauptrolle ist ein junger Afroamerikaner,der bei dem Besuch seiner potenziellen Schwiegereltern bemerkt, dass ausschließlich Afroamerikaner als Hausangestellte tätig sind.

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Allerdings befasst sich der Film anfangs sehr mit dem nicht ausgesprochenen, untergründigen Rassismus. Viel an dem 104 minütigen Film ist kreativ, inszenatorisch und überraschend. Die erste Stunde ist sehr ruhig und unspektakulär. Einzig und allein die Bilder und Figuren können die Aufmerksamkeit des Zuschauers aufrecht erhalten. Es ist gerade das merkwürdige Gefühl und ein leichtes Unwohlsein, das Regisseur Peele bewusst hervorrufen möchte. Der Zuschauer hat nie so wirklich eine Ahnung davon, was im nächsten Moment passieren wird. Viele merkwürdige Ereignisse spielen sich in dem Haus der Schwiegereltern ab, jedoch ist alles in keinen gemeinsamen Rahmen zu setzen.

In der ersten Stunde zeigt Peele mit teilweise schon kammerspielartigen Sequenzen und Kameraeinstellungen sein Talent als Regisseur. Diese ruhige Erzählhaltung behält der Film auch im Mittelteil. Zu kritisieren ist, dass der Anfang und der Mittelteil alles in allem dann doch etwas zu ruhig sind und der Zuschauer schon abschalten könnte. Vieles wirkt einfach nur zu absurd und teilweise kippt die Spannung dadurch ins bodenlose. Trotzdem passieren noch einige Wendungen und auch genretypische Elemente tauchen gegen Ende des Films auf. Das letzte Drittel ist sehr spannend und unterhaltsam, allerdings passt es nicht zwangsläufig zu den anderen zwei Dritteln.

Insgesamt ist die Geschichte zu loben, die kreativ und intelligent ist. In den USA wird der Thriller sogar als Bildungsfilm ins Gespräch gebracht. Hervorzuheben ist auch die passende Vertonung und die darstellerische Leistung. Alle Schauspieler agieren gut zusammen, Hauptdarsteller Daniel Kaluuya schafft es seine Rolle glaubwürdig und nachvollziehbar zu verkörpern, ohne zu übertreiben. Die Hauptdarstellerin Allison Williams ist überzeugend und vielschichtig in ihrer Rolle. Schließlich ist Get Out ein anstrengender und wichtiger Film, der das Thema Rassismus in seinem aktuellen Ausmaß ein für alle Mal auf der großen Leinwand beenden sollte.

Cast & Crew

Regie: Jordan Peele
Drehbuch: Jordan Peele
Musik: Michael Abels
Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Lil Rel Howery, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Stephen Root, Catherine Keener

Bewertung

Bewertung7

04th Mai2017

Toni Erdmann (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Toni Erdmann

Winfried Conradi (Peter Simonischek) lebt alleine von seiner Frau getrennt. Der skurrile Musiklehrer verbringt die meiste Zeit an der Schule und spielt dort Schülern und Lehrern alberne Scherze. Nach dem Tod seines Hundes jedoch begibt er sich zu einer Familienfeier wo er seine Tochter Ines (Sandra Hüller) nach etlicher Zeit wiedertrifft, die aber wenig Zeit für ihren Vater hat und andauernd beruflich am Telefon hängt.

tonierdmann_1 Sie arbeitet derzeit im Ausland, in Bukarest, für die Firma „Morrison“ und lebt durch und durch für ihre Karriere. Ihr aktuelles Ziel ist ein Arrangement einer langfristigen Partnerschaft zwischen zwei namhaften Unternehmen.

Ines ist stark darauf fokussiert ihre Karriere voran zu bringen und ihr Vater scheint dabei im Weg zu stehen. Dieser bemerkt jedoch, dass sie in Wirklichkeit nicht wirklich zufrieden mit ihrem Leben und Beruf ist. Aus diesem Grund reist er zu ihr nach Rumänien, um seine Tochter zurück in ihr wahres Leben zu holen. Das große Problem hierbei ist, dass Winfried viel zu oft seine skurrilen Witze erzählt, wodurch die dortigen Geschäftsleute stark verunsichert und abgeschreckt werden.

Aus diesem Grund möchte Ines ihren Vater von den Unternehmern fernhalten. Die entscheidende Frage letztendlich aber lautet: Lieber Karriere in einem großen Unternehmen machen oder glücklich und zufrieden Witze im Minutentakt erzählen?

tonierdmann_2 Toni Erdmann ist ein deutscher Film aus dem Jahre 2016. Die Regie übernahm Maren Ade, die schon 2009 einen silbernen Bären mit dem Film Alle anderen auf der Berlinale gewinnen konnte. Ihr neuestes Werk ist vor allem dank der Oscar Nominierung 2017 als „Bester fremdsprachiger Film international“ bekannt geworden und auch auf deutschen Festivals konnte er einige Preise mit nach Hause nehmen.

Dabei ist Toni Erdmann alles in allem kein überragender Film, aber ein enorm wichtiger für die stark zurückhaltende und sehr rückständige deutsche Filmkunst. Es gibt durchaus mehr positive als negative Elemente in dem Film, der durch viele Albernheiten und Banalitäten auffällt, aber dennoch ein innovatives und gut gespieltes Drama ist.

Die Komik dient ideal, um sie den ernsteren Themen gegenüberzustellen. Die besondere Stärke des Films ist unumstritten das Gegenspiel zwischen der angesprochenen Komik, die durch den Musiklehrer Winfried eingestreut wird, und der Tragik, die durch die Geschäftsfrau Ines zur Geltung kommt. Dennoch hat der 162 Minuten lange Spielfilm seine witzigen Momente, die das anfänglich sehr flache Comedy Niveau etwas aufwerten. Der Kern des deutschen Oscar-Beitrags sind vor allem aber die Gesellschaftskritik und das Schauspiel der beiden Hauptdarsteller Peter Simonischek und Sandra Hüller.

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In der heutigen „Leistungsgesellschaft“, in welcher Frau und Mann Karriere machen wollen, werden immer wieder die kleineren, aber trotzdem bedeutenden Aspekte des Lebens vernachlässigt. Toni Erdmann ist ein Beispiel dafür, dass eine berufliche Karriere seine Spuren hinterlässt und nicht unbedingt das Ideale ist, um glücklich zu werden. Ebenfalls positiv anzumerken ist, dass die Ernsthaftigkeit in der Unternehmenswelt gut und realistisch dargestellt wird, sodass die Sympathien schnell bei dem scherzenden Vater Winfried Conradi liegen.

Peter Simonischek, der seit 1999 fester Bestandteil des österreichischen Burgtheaters ist, spielt seine Rolle als sorgender Vater überzeugend und sehr authentisch. Ebenso wie Sandra Hüller, die jedoch vermehrt intensive Szenen in dem Film hat. Es ist insbesondere das Zusammenspiel der beiden Schauspieler, welches gut funktioniert und sogar über zweieinhalb Stunden Laufzeit durchweg zu unterhalten weiß.

Während einer so langen Spielzeit gibt es zwar ab und an Momente, an denen der Unterhaltungsfaktor geringer ist als in anderen Momenten, aber trotzdem überzeugt der Film in seiner Gesamtheit. Durch ebendiese Dauer haben die Schauspieler nämlich mehr Zeit ihren Figuren den letzten Schliff zu verpassen und die ruhigen Szenen haben eine ausgesprochen hohe Intensität. Insgesamt ist Toni Erdmann ein überzeugender deutscher Film, der durch den Kontrast zwischen Albernheiten und Ernsthaftigkeit zum Nachdenken anregt, ob die eigene berufliche Karriere oder ein gut pointierter Scherz wichtiger im Leben ist.

Cast & Crew

Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Musik: Peter Simonischek, Sandra Hüller, Ingrid Bisu, Michael Wittenborn, Thomas Loibl, Trystan Pütter, Hadewych Minis, Lucy Russell, Vlad Ivanov, Victoria Cocias

Bewertung

Bewertung9

06th Apr2017

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra (2008) | Filmkritik

von Michael Diederich

Gomorrha

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra bietet uns einen Einblick in die kriminelle Organisation namens Camorra.

gomorrha_1 Die süditalienische Mafia rund um die Großstadt Neapel ist in viele Untergruppierungen strukturiert. Ein bekanntes Schema ihrer ist es, Jugendliche, die an der Armutsgrenze leben und arbeitslos sind, in ihre Kreise zu ziehen. In dem „Scampia“ genannten Wohnkomplex, wo alles und jeder von der Mafia kontrolliert wird, liefert der junge Toto (Salvatore Abbruzzese) Essen und Verpflegung an viele Familien in der Gegend aus.

Eines Tages wird er Zeuge einer spontanen Razzia und kann die Ware vor der Polizei retten. Seine Hoffnungen auf eine Karriere bei der Camorra sind vorerst auf Eis gelegt, da es zu einer Fehde zwischen zwei Familien kommt. Und ausgerechnet der beste Freund des dreizehnjährigen Toto arbeitet für den Gegner.

Nebenbei versuchen zwei Jugendliche Karriere als Gangster zu machen und sie erledigen vorerst ohne die Zustimmung der Camorra Jobs, die sie vielleicht nicht hätten ausführen sollen. Währenddessen beginnt an anderer Stelle ein älterer Modedesigner aus finanzieller Not für die Chinesen zu arbeiten, obwohl er der Mafia unterstellt ist.

Wohin führen diese verschiedenen Geschichten am Ende?

gomorrha_2 Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra ist ein italienischer Gangsterfilm aus dem Jahre 2008. Nach zahlreichen Gangsterfilmen und Serien, die im Groben dasselbe Schema verfolgten, ist Gamorrha ein europäischer Film, der die Blaupause für die im Jahre 2011 erschienene Serie Gomorrha darstellt und eine etwas andere Richtung verfolgt. Die Authentizität ist dabei einer der großen Pluspunkte, denn die meisten Figuren und Handlungen wirken durchgehend glaubwürdig und ihre Aktionen sind plausibel und nachvollziehbar.

Des Weiteren wird die Untergrundwelt der italienischen Großstadt Neapel mit gut geschossenen Bildern visualisiert und es entsteht eine beachtliche, atmosphärische Dichte. Die Schauspieler spielen allesamt ansprechend, jedoch ist keiner von ihnen in seiner Rolle nennenswert überragend. Eine fesselnde schauspielerische Leistung ist in einem guten Gangsterfilm allerdings wichtig, weshalb man dies als einen der negativen Kritikpunkte des Films aufzählen muss.

Zudem entsteht über die gesamte Laufzeit keinerlei Spannung und innerhalb der ersten halben Stunde werden zu viele Figuren vorgestellt, als dass man sich jeden Einzelnen merken könnte. Hier wäre es durchaus sinnvoller gewesen einige kleinere Rollen zu streichen und sich mehr auf die Protagonisten zu konzentrieren.

gomorrha_3 Folglich ist es schwer der eigentlichen Geschichte zu folgen, da kein durchgehender Handlungsfluss entsteht und immer wieder zu Nebenschauplätzen gesprungen wird. Für eine Serie sehe ich hierbei mehr Potenzial, da kleinere Figuren und Nebenhandlungen besser erzählt werden können. Positiv anzumerken ist, dass Gomorrha wenig Zeit mit anderen Nebensächlichkeiten verschwendet, sondern sich voll und ganz auf die kriminellen Geschehnisse in Neapel und deren Umgebung beschränkt.

Somit hat der Zuschauer kaum Möglichkeiten zu entspannen, da viele Geschehnisse unerwartet passieren. Der größte Kritikpunkt ist allerdings das viel zu verwirrende Drehbuch, welches von sechs Personen verfasst wurde. Die Romanvorlage von Roberto Saviano mit demselben Titel berichtet dokumentarisch über die Camorra, die eine süditalienische Verbrecherorganisation mit unabhängigen Clans darstellt.

Ein besonderes Thema in dem Buch ist die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und die damit verbundene Schattenwirtschaft. Im Film wird dieses Potenzial nicht komplett ausgeschöpft. Einzelne Handlungsstränge können zwar überzeugen, insgesamt ist die Geschichte jedoch viel zu verwirrend und wenig verständlich umgesetzt worden.

Schließlich ist Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra ein ambitionierter europäischer Gangsterfilm, der aufgrund einer misslungenen Adaptierung der Geschichte und zu vielen unterschiedlichen Handlungssträngen sein Potenzial leider verschenkt.

Cast & Crew

Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Matteo Garrone, Roberto Saviano, Maurizio Braucci, Ugo Chiti, Gianni Di Gregorio, Massimo Gaudioso
Darsteller: Toni Servillo, Gianfelice Imparato, Maria Nazionale, Salvatore Cantalupo, Gigio Morra, Salvatore Abruzzese, Marco Macor, Ciro Petrone, Carmine Paternoster

Bewertung

Bewertung6

11th Jan2017

Der Nachtmahr (2015) | Filmkritik

von Michael Diederich

Der Nachtmahr

Drei junge Frauen befinden sich auf dem Weg zu einer Party und wollen es kurz vor ihrem Abitur in diesem Jahr noch einmal so richtig krachen lassen. Mit Ecstasy und ausgiebigem Tanz wird der Abend zu lauter Techno-Musik verbracht und nebenbei versucht Tina (Carolyn Genzkow) Frauenschwarm Adam (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) um ihren Finger zu wickeln. Doch bevor sie Erfolg hat zeigt ihr Monika (Lynn Femme) ein Bild eines Wesens auf ihrem Smartphone, welches angeblich Ähnlichkeit mit Tina hätte.

dernachtmahr_1 Allerdings wird aus diesem kleinen Spaß schnell bitterer Ernst, als Tina das mysteriöse auf einmal in einem Gebüsch erblickt. Die Party ist daraufhin zweitrangig und Tina will nur noch schnellsten nach Hause. Aber auch dort erblickt sie immer wieder das Wesen und die Eltern schalten in ihrer Verzweiflung einen Psychologen ein. Doch das Wesen scheint keine Einbildung zu sein, nur was könnte es von Tina wollen?

Der Nachtmahr ist ein deutscher Mysteryfilm aus dem Jahre 2016, der unter der Regie Achim Bornhaks, auch AKIZ genannt, entstand, und welcher auch das Drehbuch übernahm. Der 90-minütige Film ist das lang ersehnte Werk eines deutschen Filmemachers, welches endlich einmal aufzeigt, dass auch ein deutscher Film kreativ, stilistisch und beeindruckend sein kann. Dies liegt vor allem an der visuellen Darbietung, der schauspielerischen Leistung von Carolin Genzkow und dem perfekten Soundtrack.

dernachtmahr_2 Inhaltlich überzeugt Der Nachtmahr aufgrund seiner leicht mysteriösen Handlung. Zwar ist es insgesamt kein absoluter Mysteryfilm, in welchem alle zehn Minuten eine neue Wendung einhergeht oder neue Versatzstücke über eine Hauptfigur bekannt werden wie in beispielsweise Memento oder Predestination, jedoch ist die Storyline spannend und niemals direkt durchschaubar. Positiv anzumerken ist zudem, dass Der Nachtmahr den Zuschauer von Anfang an durch die harten Techno-Bässe in seinen Sessel drückt. Dies wurde selbst in der Einleitung so angekündigt: „Dieser Film sollte laut geschaut werden“.

Es besteht keine lange Einleitung, keine Vorstellung der Figuren, sondern alles beginnt auf einer Party. Der Sound ist exzellent und erinnert an die Techno-Welle aus den 90er Jahren. In entscheidenden Szenen pusht die Musik und dient ideal als Werkzeug zur Spannungserzeugung. Neben diesem kleinen Stilmittel weiß die Bildsprache zu überzeugen. Viele bunte und knalle Farben sorgen für eine stilistische Stimmigkeit und vor allem gegen Ende des Films ist der Look ist durchweg überzeugend.

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Es ist wunderbar endlich einen deutschen Regisseur zu sehen, der die trüben deutschen Filme in ihrem Stil aufwertet, um international mit anderen Produktionen mithalten zu können. Es ist zwar kein Film von Nicolas Winding Refn, der ebenfalls immer viel Wert auf Stil legt und nach seinem Meisterwerk Drive (2011) in diesem Jahr durch The Neon Demon (2016) neue Maßstäbe im Bereich visueller Darbietung setzte.

Der Nachtmahr kann diesem letztgenannten Werk nicht das Wasser reichen, allerdings ist der Film von AKIZ ein Film in die richtige Richtung und sehr wichtig für die deutsche Filmwelt. Neben der ausgesprochen guten visuellen Darbietung ist die schauspielerische Leistung des gesamten Casts überzeugend.

Hierbei sticht vor allem die Hamburgerin Carolyn Genzkow hervor, welche einigen Zuschauern vielleicht aus der ARD-Serie Doktor Martin oder der ZDF-Filmreihe Frühling bekannt sein könnte. Ihre Darstellung ist überaus fesselnd, denn die Figur wirkt durch ihre Verkörperung über die gesamte Laufzeit glaubwürdig. Ihre Interpretation einer jungen Frau, die gerade im letzten Schuljahr ist und nun durch ein mysteriöses Wesen komplett aus der Bahn geworfen wird, ist vielseitig und leicht abgedreht.

Insgesamt ist Der Nachtmahr ein hervorragender deutscher Film, der unbedingt gesehen werden sollte. Die Optik und der Soundtrack sorgen für einen überraschend stilistischen Film, der für mich nicht von einem deutschen Filmemacher zu erwarten war.

Cast & Crew

Regie: Achim Bornhak / AKIZ
Drehbuch: Achim Bornhak / AKIZ
Musik: Christoph Blaser, Steffen Kahles
Darsteller: Carolyn Genzkow, Sina Tkotsch, Wilson Gonzalez, Arnd Klawitter, Julika Jenkins

Bewertung

Bewertung_7

14th Dez2016

Arrival (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Arrival

Zwölf mysteriöse Raumschiffe landen zeitgleich in unterschiedlichen Regionen der Welt. Ihre Besatzung und deren Intention – ein Rätsel.

arrival_1 Die Kommunikationsforscherin Dr. Louiese Banks (Amy Adams), die ihre Tochter aufgrund einer seltenen Krankheit verliert, arbeitet an einer Universität und wird während einer Vorlesung von einer Studentin gebeten den Fernseher einzuschalten. Die Nachrichten berichten nur von einem Thema, der Ankunft einer neuen Spezies. Zwölf Raumschiffe stehen über unterschiedlichen Positionen der Erde. Colonel Weber (Forest Whitaker) rekrutiert Miss Banks, um Kontakt mit den Aliens aufzunehmen und um deren Sprache zu verstehen.

Außerdem soll der Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) die Wissenschaft der außerirdischen Spezies erforschen. Alle reisen nach Montana, wo eines der Raumschiffe zu betrachten ist. Diese werden von vielen aufgrund ihrer Optik als „Muscheln“ bezeichnet. Doch das unermüdliche Streben nach Antworten gerät bald zum Rennen gegen die Zeit – die eigene und die der gesamten Menschheit.

Arrival ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film von Denis Villeneuve, der in den letzten Jahren durch das meisterhaft inszenierte Drama Prisoners sowie durch den stilistisch starken Film Sicario für Aufsehen sorgte. Nach den zwei Filmen wurde zuletzt bekannt, dass Villeneuve die Fortsetzung des Kultfilms Blade Runner inszenieren wird. Die Erwartungen an sein neuestes Werk waren demnach entsprechend hoch.

arrival_2 Inhaltlich bietet eine Invasion einer außerirdischen Spezies kein wirklich neues Thema. Selbst das Parken eines Raumschiffs über den Großstädten der Welt wurde bereits in zahlreichen Filmen thematisiert wie beispielsweise 1996 in Independence Day oder 2009 in District 9. Allerdings sind es dieses Mal gleich zwölf Raumschiffe an unterschiedlichen Positionen der Erde.

Die Handlung konzentriert sich zwar größtenteils auf das UFO in Montana, USA, aber die restlichen Raumschiffe spielen dennoch eine wichtige Rolle. Positiv ist anzumerken, dass die Ankunft einer außerirdischen Spezies sehr realistisch dargestellt wird. Beispielsweise ist die Kommunikation ein sehr wichtiger Aspekt und die Reaktion anderer Staaten auf die Aliens. Der Stil ist teilweise schon etwas dokumentarisch und sehr detailliert. Dies wirkt sich natürlich auf die Spannung und den Unterhaltungsfaktor aus, denn es ist definitiv ein Film, in dem man konzentriert jeden Moment und jedes Gespräch verfolgen sollte. Diese dauerhafte Abgespanntheit ist teilweise ermüdend und einfach langatmig, da es für den Zuschauer schwer ist die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten.

Die Storyline bringt jedoch auch einige Wendungen mit sich, die sicherlich die Gedankengänge des Zuschauers durchwirbeln und an die Substanz gehen. Außerdem ist der Anspruch, anders als bei einem reinen Unterhaltungsfilm, in Arrival viel größer. Es werden die wichtigen Fragen zum passenden Zeitpunkt gestellt und die Handlungen der einzelnen Figuren sind durchweg nachvollziehbar.

arrival_3 Auch mit spannenden Momente kann der Film aufwarten und dies ohne die ganz große Action. Durchaus kritischer sind die besonders gegen Ende des Spielfilms auftretenden Flashbacks der Hauptfigur zu betrachten. Diese wirken leicht rührselig und zu gefühlvoll, was zwar nicht unbedingt aufgesetzt oder unpassend ist, sondern eher den eh schon langatmigen Handlungsfortschritt noch ein wenig weiter aufhält.

Dort knüpft auch die Komposition von Johann Johannsson an, der aufgrund seiner dröhnenden Bässe in Sicario noch für den Oscar nominiert wurde, hier jedoch eine viel gefühlvollere Komposition entwickelt hat, die eher dezent und gegen Ende etwas zu viel ist. Schauspielerisch zeigt Amy Adams (American Hustle), die bereits fünfmal für einen Oscar nominiert war, eine ambitionierte und überzeugende Leistung. Ihre Rolle als Kommunikationswissenschaftlerin ist äußerst glaubwürdig. Es würde mich nicht wundern, wenn sie erneut für einen Goldjungen nominiert werden würde.

Neben Adams überzeugen auch Forest Whitaker und Jeremy Renner. Der gesamte Cast ist in seiner Erscheinung sehr authentisch, was bei einem Film der ein plötzliches erscheinen von Aliens realistisch darstellen soll durchaus wichtig ist.

Insgesamt ist Arrival ein gelungener Einstieg für Denis Villeneuve in die große Science-Fiction-Welt und besonders dank seiner starken Botschaft eine klare Empfehlung wert.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heisserer
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Tzi Ma, Mark O’Brien

Bewertung

Bewertung_7

04th Dez2016

La Isla Minima – Mörderland (2014) | Filmkritik

von Michael Diederich

La Isla Minima

1980 werden im Süden Spaniens, in dem kleinen Ort Villafranco, zwei junge Mädchen vermisst. Die beiden aus Madrid stammenden Kriminalbeamten Pedro (Raul Arevalo) und Juan (Javier Gutierrez) werden auf den Fall angesetzt und sollen die Mädchen sicher zurück zu ihren Familien bringen.

moerderland_1 Die Beamten verstehen sich jedoch von Anfang an nicht gut, da sie unterschiedliche Ansichten und Interessen haben. Dennoch konzentrieren sich beide auf den Fall und der Suche nach den vermissten Mädchen. Die Familie der Vermissten ist zunächst wenig kooperativ, doch schlussendlich enthüllt die Mutter einige Informationen zu möglichen Aufenthaltsorten ihrer beiden Töchter.

Die Polizisten durchforsten das sogenannte Marschland und entdecken dort Kleidungsstücke der Mädchen. Ortskarten und Routen helfen in diesem Gebiet nicht weiter, da viele der kleinen Wege und überschwemmten Landschaften nicht auf gewöhnlichen Karten verzeichnet sind. Deshalb hilft ihnen der aus der Gegend stammende Jesus (Salva Reina). Als wenige Zeit später eine weitere Jugendliche verschwindet, müssen Pedro und Juan von einem Serientäter ausgehen. Es beginnt ein Lauf gegen die Zeit.

La Isla Minima – Mörderland ist ein spanischer Kriminalfilm aus dem Jahr 2014. Die Regie übernahm Alberto Rodriguez, der zusammen mit Rafael Cobos auch das Drehbuch verfasste. Der Stil und der optische Look des Films erinnern stark an die hervorragende US-amerikanische Serie True Detective. Offiziell wird der Spielfilm auch als die spanische Antwort auf ebendiese bezeichnet.

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Stilistisch wird diese Aussage erfüllt, denn die vielen schönen Bilder und die wunderbare Kameraarbeit von Alex Catalan werden dem amerikanischen Vorbild gerecht. Besonders überzeugend sind die anfänglichen Helikopter-Aufnahmen des Marschlandes und die regnerischen Bilder gegen Ende des Filmes im Sumpfgebiet. Schauspielerisch ist die Leistung von Javier Gutierrez hervorzuheben, der in Ansätzen zeigt wie ein gebrochener Kriminalbeamter sein könnte. Es fehlen jedoch die überragenden Szenen.

Die schauspielerische Leistung von Raul Arevalo ist akzeptabel, aber nicht herausragend. Durchaus kritischer zu betrachten ist der sehr ruhige Start. Es dauert so einige Zeit bis der 105-minütige Kriminalfilm an Fahrt aufnimmt. Der ruhige Anfang ist besonders dafür geeignet, um den Figuren ein wenig Tiefe zu beschaffen und um den optischen Stil des Films mehr einfließen zu lassen. Nichtsdestotrotz drückt dieses inszenatorische Mittel die Spannung und diese ist eines der wichtigsten Elemente in einem Krimi.

Des Weiteren ist die Erzählung etwas zu verwirrend, was den Zuschauer an einigen Stellen verunsichern wird. Die eigentliche Handlung verliert so an Bedeutung und ab und an verfängt sich der Film in zu vielen kleinen Details. Diese kleinen Details ergeben zwar größtenteils Sinn, jedoch werden einige Sequenzen auch komplizierter dargestellt als sie eigentlich sind. Die inhaltliche Schwäche ist auffallend, aber nicht katastrophal. Die Story ist auch nicht schlecht, sondern einfach nur streckenweise zu sehr penibel gestrickt.

Ein großer Pluspunkt ist dafür der finale Showdown, der visuell beeindruckt und durchweg spannend gestaltet ist. Allerdings hätte dieser auch etwas länger sein können. Gerade als der Film richtig Fahrt aufnimmt und der Zuschauer mitfiebert, neigt sich der Spielfilm dem Ende entgegen.

Insgesamt ist La Isla Minima – Mörderland trotz kleiner Mängel ein gelungener Kriminalfilm, der visuell mit dem amerikanischen Meisterwerk True Detective mithalten kann und für einen europäischen Film atmosphärisch sowie inszenatorisch überzeugend ist.

Cast & Crew

Regie: Alberto Rodríguez
Drehbuch: Alberto Rodríguez, Rafael Cobos
Musik: Julio de la Rosa
Darsteller: Raúl Arévalo, Javier Gutiérrez, Nerea Barros, Antonio de la Torre

Bewertung

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