04th Mai2017

Toni Erdmann (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Toni Erdmann

Winfried Conradi (Peter Simonischek) lebt alleine von seiner Frau getrennt. Der skurrile Musiklehrer verbringt die meiste Zeit an der Schule und spielt dort Schülern und Lehrern alberne Scherze. Nach dem Tod seines Hundes jedoch begibt er sich zu einer Familienfeier wo er seine Tochter Ines (Sandra Hüller) nach etlicher Zeit wiedertrifft, die aber wenig Zeit für ihren Vater hat und andauernd beruflich am Telefon hängt.

tonierdmann_1 Sie arbeitet derzeit im Ausland, in Bukarest, für die Firma „Morrison“ und lebt durch und durch für ihre Karriere. Ihr aktuelles Ziel ist ein Arrangement einer langfristigen Partnerschaft zwischen zwei namhaften Unternehmen.

Ines ist stark darauf fokussiert ihre Karriere voran zu bringen und ihr Vater scheint dabei im Weg zu stehen. Dieser bemerkt jedoch, dass sie in Wirklichkeit nicht wirklich zufrieden mit ihrem Leben und Beruf ist. Aus diesem Grund reist er zu ihr nach Rumänien, um seine Tochter zurück in ihr wahres Leben zu holen. Das große Problem hierbei ist, dass Winfried viel zu oft seine skurrilen Witze erzählt, wodurch die dortigen Geschäftsleute stark verunsichert und abgeschreckt werden.

Aus diesem Grund möchte Ines ihren Vater von den Unternehmern fernhalten. Die entscheidende Frage letztendlich aber lautet: Lieber Karriere in einem großen Unternehmen machen oder glücklich und zufrieden Witze im Minutentakt erzählen?

tonierdmann_2 Toni Erdmann ist ein deutscher Film aus dem Jahre 2016. Die Regie übernahm Maren Ade, die schon 2009 einen silbernen Bären mit dem Film Alle anderen auf der Berlinale gewinnen konnte. Ihr neuestes Werk ist vor allem dank der Oscar Nominierung 2017 als „Bester fremdsprachiger Film international“ bekannt geworden und auch auf deutschen Festivals konnte er einige Preise mit nach Hause nehmen.

Dabei ist Toni Erdmann alles in allem kein überragender Film, aber ein enorm wichtiger für die stark zurückhaltende und sehr rückständige deutsche Filmkunst. Es gibt durchaus mehr positive als negative Elemente in dem Film, der durch viele Albernheiten und Banalitäten auffällt, aber dennoch ein innovatives und gut gespieltes Drama ist.

Die Komik dient ideal, um sie den ernsteren Themen gegenüberzustellen. Die besondere Stärke des Films ist unumstritten das Gegenspiel zwischen der angesprochenen Komik, die durch den Musiklehrer Winfried eingestreut wird, und der Tragik, die durch die Geschäftsfrau Ines zur Geltung kommt. Dennoch hat der 162 Minuten lange Spielfilm seine witzigen Momente, die das anfänglich sehr flache Comedy Niveau etwas aufwerten. Der Kern des deutschen Oscar-Beitrags sind vor allem aber die Gesellschaftskritik und das Schauspiel der beiden Hauptdarsteller Peter Simonischek und Sandra Hüller.

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In der heutigen „Leistungsgesellschaft“, in welcher Frau und Mann Karriere machen wollen, werden immer wieder die kleineren, aber trotzdem bedeutenden Aspekte des Lebens vernachlässigt. Toni Erdmann ist ein Beispiel dafür, dass eine berufliche Karriere seine Spuren hinterlässt und nicht unbedingt das Ideale ist, um glücklich zu werden. Ebenfalls positiv anzumerken ist, dass die Ernsthaftigkeit in der Unternehmenswelt gut und realistisch dargestellt wird, sodass die Sympathien schnell bei dem scherzenden Vater Winfried Conradi liegen.

Peter Simonischek, der seit 1999 fester Bestandteil des österreichischen Burgtheaters ist, spielt seine Rolle als sorgender Vater überzeugend und sehr authentisch. Ebenso wie Sandra Hüller, die jedoch vermehrt intensive Szenen in dem Film hat. Es ist insbesondere das Zusammenspiel der beiden Schauspieler, welches gut funktioniert und sogar über zweieinhalb Stunden Laufzeit durchweg zu unterhalten weiß.

Während einer so langen Spielzeit gibt es zwar ab und an Momente, an denen der Unterhaltungsfaktor geringer ist als in anderen Momenten, aber trotzdem überzeugt der Film in seiner Gesamtheit. Durch ebendiese Dauer haben die Schauspieler nämlich mehr Zeit ihren Figuren den letzten Schliff zu verpassen und die ruhigen Szenen haben eine ausgesprochen hohe Intensität. Insgesamt ist Toni Erdmann ein überzeugender deutscher Film, der durch den Kontrast zwischen Albernheiten und Ernsthaftigkeit zum Nachdenken anregt, ob die eigene berufliche Karriere oder ein gut pointierter Scherz wichtiger im Leben ist.

Cast & Crew

Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Musik: Peter Simonischek, Sandra Hüller, Ingrid Bisu, Michael Wittenborn, Thomas Loibl, Trystan Pütter, Hadewych Minis, Lucy Russell, Vlad Ivanov, Victoria Cocias

Bewertung

Bewertung9

06th Apr2017

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra (2008) | Filmkritik

von Michael Diederich

Gomorrha

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra bietet uns einen Einblick in die kriminelle Organisation namens Camorra.

gomorrha_1 Die süditalienische Mafia rund um die Großstadt Neapel ist in viele Untergruppierungen strukturiert. Ein bekanntes Schema ihrer ist es, Jugendliche, die an der Armutsgrenze leben und arbeitslos sind, in ihre Kreise zu ziehen. In dem „Scampia“ genannten Wohnkomplex, wo alles und jeder von der Mafia kontrolliert wird, liefert der junge Toto (Salvatore Abbruzzese) Essen und Verpflegung an viele Familien in der Gegend aus.

Eines Tages wird er Zeuge einer spontanen Razzia und kann die Ware vor der Polizei retten. Seine Hoffnungen auf eine Karriere bei der Camorra sind vorerst auf Eis gelegt, da es zu einer Fehde zwischen zwei Familien kommt. Und ausgerechnet der beste Freund des dreizehnjährigen Toto arbeitet für den Gegner.

Nebenbei versuchen zwei Jugendliche Karriere als Gangster zu machen und sie erledigen vorerst ohne die Zustimmung der Camorra Jobs, die sie vielleicht nicht hätten ausführen sollen. Währenddessen beginnt an anderer Stelle ein älterer Modedesigner aus finanzieller Not für die Chinesen zu arbeiten, obwohl er der Mafia unterstellt ist.

Wohin führen diese verschiedenen Geschichten am Ende?

gomorrha_2 Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra ist ein italienischer Gangsterfilm aus dem Jahre 2008. Nach zahlreichen Gangsterfilmen und Serien, die im Groben dasselbe Schema verfolgten, ist Gamorrha ein europäischer Film, der die Blaupause für die im Jahre 2011 erschienene Serie Gomorrha darstellt und eine etwas andere Richtung verfolgt. Die Authentizität ist dabei einer der großen Pluspunkte, denn die meisten Figuren und Handlungen wirken durchgehend glaubwürdig und ihre Aktionen sind plausibel und nachvollziehbar.

Des Weiteren wird die Untergrundwelt der italienischen Großstadt Neapel mit gut geschossenen Bildern visualisiert und es entsteht eine beachtliche, atmosphärische Dichte. Die Schauspieler spielen allesamt ansprechend, jedoch ist keiner von ihnen in seiner Rolle nennenswert überragend. Eine fesselnde schauspielerische Leistung ist in einem guten Gangsterfilm allerdings wichtig, weshalb man dies als einen der negativen Kritikpunkte des Films aufzählen muss.

Zudem entsteht über die gesamte Laufzeit keinerlei Spannung und innerhalb der ersten halben Stunde werden zu viele Figuren vorgestellt, als dass man sich jeden Einzelnen merken könnte. Hier wäre es durchaus sinnvoller gewesen einige kleinere Rollen zu streichen und sich mehr auf die Protagonisten zu konzentrieren.

gomorrha_3 Folglich ist es schwer der eigentlichen Geschichte zu folgen, da kein durchgehender Handlungsfluss entsteht und immer wieder zu Nebenschauplätzen gesprungen wird. Für eine Serie sehe ich hierbei mehr Potenzial, da kleinere Figuren und Nebenhandlungen besser erzählt werden können. Positiv anzumerken ist, dass Gomorrha wenig Zeit mit anderen Nebensächlichkeiten verschwendet, sondern sich voll und ganz auf die kriminellen Geschehnisse in Neapel und deren Umgebung beschränkt.

Somit hat der Zuschauer kaum Möglichkeiten zu entspannen, da viele Geschehnisse unerwartet passieren. Der größte Kritikpunkt ist allerdings das viel zu verwirrende Drehbuch, welches von sechs Personen verfasst wurde. Die Romanvorlage von Roberto Saviano mit demselben Titel berichtet dokumentarisch über die Camorra, die eine süditalienische Verbrecherorganisation mit unabhängigen Clans darstellt.

Ein besonderes Thema in dem Buch ist die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und die damit verbundene Schattenwirtschaft. Im Film wird dieses Potenzial nicht komplett ausgeschöpft. Einzelne Handlungsstränge können zwar überzeugen, insgesamt ist die Geschichte jedoch viel zu verwirrend und wenig verständlich umgesetzt worden.

Schließlich ist Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra ein ambitionierter europäischer Gangsterfilm, der aufgrund einer misslungenen Adaptierung der Geschichte und zu vielen unterschiedlichen Handlungssträngen sein Potenzial leider verschenkt.

Cast & Crew

Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Matteo Garrone, Roberto Saviano, Maurizio Braucci, Ugo Chiti, Gianni Di Gregorio, Massimo Gaudioso
Darsteller: Toni Servillo, Gianfelice Imparato, Maria Nazionale, Salvatore Cantalupo, Gigio Morra, Salvatore Abruzzese, Marco Macor, Ciro Petrone, Carmine Paternoster

Bewertung

Bewertung6

11th Jan2017

Der Nachtmahr (2015) | Filmkritik

von Michael Diederich

Der Nachtmahr

Drei junge Frauen befinden sich auf dem Weg zu einer Party und wollen es kurz vor ihrem Abitur in diesem Jahr noch einmal so richtig krachen lassen. Mit Ecstasy und ausgiebigem Tanz wird der Abend zu lauter Techno-Musik verbracht und nebenbei versucht Tina (Carolyn Genzkow) Frauenschwarm Adam (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) um ihren Finger zu wickeln. Doch bevor sie Erfolg hat zeigt ihr Monika (Lynn Femme) ein Bild eines Wesens auf ihrem Smartphone, welches angeblich Ähnlichkeit mit Tina hätte.

dernachtmahr_1 Allerdings wird aus diesem kleinen Spaß schnell bitterer Ernst, als Tina das mysteriöse auf einmal in einem Gebüsch erblickt. Die Party ist daraufhin zweitrangig und Tina will nur noch schnellsten nach Hause. Aber auch dort erblickt sie immer wieder das Wesen und die Eltern schalten in ihrer Verzweiflung einen Psychologen ein. Doch das Wesen scheint keine Einbildung zu sein, nur was könnte es von Tina wollen?

Der Nachtmahr ist ein deutscher Mysteryfilm aus dem Jahre 2016, der unter der Regie Achim Bornhaks, auch AKIZ genannt, entstand, und welcher auch das Drehbuch übernahm. Der 90-minütige Film ist das lang ersehnte Werk eines deutschen Filmemachers, welches endlich einmal aufzeigt, dass auch ein deutscher Film kreativ, stilistisch und beeindruckend sein kann. Dies liegt vor allem an der visuellen Darbietung, der schauspielerischen Leistung von Carolin Genzkow und dem perfekten Soundtrack.

dernachtmahr_2 Inhaltlich überzeugt Der Nachtmahr aufgrund seiner leicht mysteriösen Handlung. Zwar ist es insgesamt kein absoluter Mysteryfilm, in welchem alle zehn Minuten eine neue Wendung einhergeht oder neue Versatzstücke über eine Hauptfigur bekannt werden wie in beispielsweise Memento oder Predestination, jedoch ist die Storyline spannend und niemals direkt durchschaubar. Positiv anzumerken ist zudem, dass Der Nachtmahr den Zuschauer von Anfang an durch die harten Techno-Bässe in seinen Sessel drückt. Dies wurde selbst in der Einleitung so angekündigt: „Dieser Film sollte laut geschaut werden“.

Es besteht keine lange Einleitung, keine Vorstellung der Figuren, sondern alles beginnt auf einer Party. Der Sound ist exzellent und erinnert an die Techno-Welle aus den 90er Jahren. In entscheidenden Szenen pusht die Musik und dient ideal als Werkzeug zur Spannungserzeugung. Neben diesem kleinen Stilmittel weiß die Bildsprache zu überzeugen. Viele bunte und knalle Farben sorgen für eine stilistische Stimmigkeit und vor allem gegen Ende des Films ist der Look ist durchweg überzeugend.

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Es ist wunderbar endlich einen deutschen Regisseur zu sehen, der die trüben deutschen Filme in ihrem Stil aufwertet, um international mit anderen Produktionen mithalten zu können. Es ist zwar kein Film von Nicolas Winding Refn, der ebenfalls immer viel Wert auf Stil legt und nach seinem Meisterwerk Drive (2011) in diesem Jahr durch The Neon Demon (2016) neue Maßstäbe im Bereich visueller Darbietung setzte.

Der Nachtmahr kann diesem letztgenannten Werk nicht das Wasser reichen, allerdings ist der Film von AKIZ ein Film in die richtige Richtung und sehr wichtig für die deutsche Filmwelt. Neben der ausgesprochen guten visuellen Darbietung ist die schauspielerische Leistung des gesamten Casts überzeugend.

Hierbei sticht vor allem die Hamburgerin Carolyn Genzkow hervor, welche einigen Zuschauern vielleicht aus der ARD-Serie Doktor Martin oder der ZDF-Filmreihe Frühling bekannt sein könnte. Ihre Darstellung ist überaus fesselnd, denn die Figur wirkt durch ihre Verkörperung über die gesamte Laufzeit glaubwürdig. Ihre Interpretation einer jungen Frau, die gerade im letzten Schuljahr ist und nun durch ein mysteriöses Wesen komplett aus der Bahn geworfen wird, ist vielseitig und leicht abgedreht.

Insgesamt ist Der Nachtmahr ein hervorragender deutscher Film, der unbedingt gesehen werden sollte. Die Optik und der Soundtrack sorgen für einen überraschend stilistischen Film, der für mich nicht von einem deutschen Filmemacher zu erwarten war.

Cast & Crew

Regie: Achim Bornhak / AKIZ
Drehbuch: Achim Bornhak / AKIZ
Musik: Christoph Blaser, Steffen Kahles
Darsteller: Carolyn Genzkow, Sina Tkotsch, Wilson Gonzalez, Arnd Klawitter, Julika Jenkins

Bewertung

Bewertung_7

14th Dez2016

Arrival (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Arrival

Zwölf mysteriöse Raumschiffe landen zeitgleich in unterschiedlichen Regionen der Welt. Ihre Besatzung und deren Intention – ein Rätsel.

arrival_1 Die Kommunikationsforscherin Dr. Louiese Banks (Amy Adams), die ihre Tochter aufgrund einer seltenen Krankheit verliert, arbeitet an einer Universität und wird während einer Vorlesung von einer Studentin gebeten den Fernseher einzuschalten. Die Nachrichten berichten nur von einem Thema, der Ankunft einer neuen Spezies. Zwölf Raumschiffe stehen über unterschiedlichen Positionen der Erde. Colonel Weber (Forest Whitaker) rekrutiert Miss Banks, um Kontakt mit den Aliens aufzunehmen und um deren Sprache zu verstehen.

Außerdem soll der Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) die Wissenschaft der außerirdischen Spezies erforschen. Alle reisen nach Montana, wo eines der Raumschiffe zu betrachten ist. Diese werden von vielen aufgrund ihrer Optik als „Muscheln“ bezeichnet. Doch das unermüdliche Streben nach Antworten gerät bald zum Rennen gegen die Zeit – die eigene und die der gesamten Menschheit.

Arrival ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film von Denis Villeneuve, der in den letzten Jahren durch das meisterhaft inszenierte Drama Prisoners sowie durch den stilistisch starken Film Sicario für Aufsehen sorgte. Nach den zwei Filmen wurde zuletzt bekannt, dass Villeneuve die Fortsetzung des Kultfilms Blade Runner inszenieren wird. Die Erwartungen an sein neuestes Werk waren demnach entsprechend hoch.

arrival_2 Inhaltlich bietet eine Invasion einer außerirdischen Spezies kein wirklich neues Thema. Selbst das Parken eines Raumschiffs über den Großstädten der Welt wurde bereits in zahlreichen Filmen thematisiert wie beispielsweise 1996 in Independence Day oder 2009 in District 9. Allerdings sind es dieses Mal gleich zwölf Raumschiffe an unterschiedlichen Positionen der Erde.

Die Handlung konzentriert sich zwar größtenteils auf das UFO in Montana, USA, aber die restlichen Raumschiffe spielen dennoch eine wichtige Rolle. Positiv ist anzumerken, dass die Ankunft einer außerirdischen Spezies sehr realistisch dargestellt wird. Beispielsweise ist die Kommunikation ein sehr wichtiger Aspekt und die Reaktion anderer Staaten auf die Aliens. Der Stil ist teilweise schon etwas dokumentarisch und sehr detailliert. Dies wirkt sich natürlich auf die Spannung und den Unterhaltungsfaktor aus, denn es ist definitiv ein Film, in dem man konzentriert jeden Moment und jedes Gespräch verfolgen sollte. Diese dauerhafte Abgespanntheit ist teilweise ermüdend und einfach langatmig, da es für den Zuschauer schwer ist die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten.

Die Storyline bringt jedoch auch einige Wendungen mit sich, die sicherlich die Gedankengänge des Zuschauers durchwirbeln und an die Substanz gehen. Außerdem ist der Anspruch, anders als bei einem reinen Unterhaltungsfilm, in Arrival viel größer. Es werden die wichtigen Fragen zum passenden Zeitpunkt gestellt und die Handlungen der einzelnen Figuren sind durchweg nachvollziehbar.

arrival_3 Auch mit spannenden Momente kann der Film aufwarten und dies ohne die ganz große Action. Durchaus kritischer sind die besonders gegen Ende des Spielfilms auftretenden Flashbacks der Hauptfigur zu betrachten. Diese wirken leicht rührselig und zu gefühlvoll, was zwar nicht unbedingt aufgesetzt oder unpassend ist, sondern eher den eh schon langatmigen Handlungsfortschritt noch ein wenig weiter aufhält.

Dort knüpft auch die Komposition von Johann Johannsson an, der aufgrund seiner dröhnenden Bässe in Sicario noch für den Oscar nominiert wurde, hier jedoch eine viel gefühlvollere Komposition entwickelt hat, die eher dezent und gegen Ende etwas zu viel ist. Schauspielerisch zeigt Amy Adams (American Hustle), die bereits fünfmal für einen Oscar nominiert war, eine ambitionierte und überzeugende Leistung. Ihre Rolle als Kommunikationswissenschaftlerin ist äußerst glaubwürdig. Es würde mich nicht wundern, wenn sie erneut für einen Goldjungen nominiert werden würde.

Neben Adams überzeugen auch Forest Whitaker und Jeremy Renner. Der gesamte Cast ist in seiner Erscheinung sehr authentisch, was bei einem Film der ein plötzliches erscheinen von Aliens realistisch darstellen soll durchaus wichtig ist.

Insgesamt ist Arrival ein gelungener Einstieg für Denis Villeneuve in die große Science-Fiction-Welt und besonders dank seiner starken Botschaft eine klare Empfehlung wert.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heisserer
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Tzi Ma, Mark O’Brien

Bewertung

Bewertung_7

04th Dez2016

La Isla Minima – Mörderland (2014) | Filmkritik

von Michael Diederich

La Isla Minima

1980 werden im Süden Spaniens, in dem kleinen Ort Villafranco, zwei junge Mädchen vermisst. Die beiden aus Madrid stammenden Kriminalbeamten Pedro (Raul Arevalo) und Juan (Javier Gutierrez) werden auf den Fall angesetzt und sollen die Mädchen sicher zurück zu ihren Familien bringen.

moerderland_1 Die Beamten verstehen sich jedoch von Anfang an nicht gut, da sie unterschiedliche Ansichten und Interessen haben. Dennoch konzentrieren sich beide auf den Fall und der Suche nach den vermissten Mädchen. Die Familie der Vermissten ist zunächst wenig kooperativ, doch schlussendlich enthüllt die Mutter einige Informationen zu möglichen Aufenthaltsorten ihrer beiden Töchter.

Die Polizisten durchforsten das sogenannte Marschland und entdecken dort Kleidungsstücke der Mädchen. Ortskarten und Routen helfen in diesem Gebiet nicht weiter, da viele der kleinen Wege und überschwemmten Landschaften nicht auf gewöhnlichen Karten verzeichnet sind. Deshalb hilft ihnen der aus der Gegend stammende Jesus (Salva Reina). Als wenige Zeit später eine weitere Jugendliche verschwindet, müssen Pedro und Juan von einem Serientäter ausgehen. Es beginnt ein Lauf gegen die Zeit.

La Isla Minima – Mörderland ist ein spanischer Kriminalfilm aus dem Jahr 2014. Die Regie übernahm Alberto Rodriguez, der zusammen mit Rafael Cobos auch das Drehbuch verfasste. Der Stil und der optische Look des Films erinnern stark an die hervorragende US-amerikanische Serie True Detective. Offiziell wird der Spielfilm auch als die spanische Antwort auf ebendiese bezeichnet.

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Stilistisch wird diese Aussage erfüllt, denn die vielen schönen Bilder und die wunderbare Kameraarbeit von Alex Catalan werden dem amerikanischen Vorbild gerecht. Besonders überzeugend sind die anfänglichen Helikopter-Aufnahmen des Marschlandes und die regnerischen Bilder gegen Ende des Filmes im Sumpfgebiet. Schauspielerisch ist die Leistung von Javier Gutierrez hervorzuheben, der in Ansätzen zeigt wie ein gebrochener Kriminalbeamter sein könnte. Es fehlen jedoch die überragenden Szenen.

Die schauspielerische Leistung von Raul Arevalo ist akzeptabel, aber nicht herausragend. Durchaus kritischer zu betrachten ist der sehr ruhige Start. Es dauert so einige Zeit bis der 105-minütige Kriminalfilm an Fahrt aufnimmt. Der ruhige Anfang ist besonders dafür geeignet, um den Figuren ein wenig Tiefe zu beschaffen und um den optischen Stil des Films mehr einfließen zu lassen. Nichtsdestotrotz drückt dieses inszenatorische Mittel die Spannung und diese ist eines der wichtigsten Elemente in einem Krimi.

Des Weiteren ist die Erzählung etwas zu verwirrend, was den Zuschauer an einigen Stellen verunsichern wird. Die eigentliche Handlung verliert so an Bedeutung und ab und an verfängt sich der Film in zu vielen kleinen Details. Diese kleinen Details ergeben zwar größtenteils Sinn, jedoch werden einige Sequenzen auch komplizierter dargestellt als sie eigentlich sind. Die inhaltliche Schwäche ist auffallend, aber nicht katastrophal. Die Story ist auch nicht schlecht, sondern einfach nur streckenweise zu sehr penibel gestrickt.

Ein großer Pluspunkt ist dafür der finale Showdown, der visuell beeindruckt und durchweg spannend gestaltet ist. Allerdings hätte dieser auch etwas länger sein können. Gerade als der Film richtig Fahrt aufnimmt und der Zuschauer mitfiebert, neigt sich der Spielfilm dem Ende entgegen.

Insgesamt ist La Isla Minima – Mörderland trotz kleiner Mängel ein gelungener Kriminalfilm, der visuell mit dem amerikanischen Meisterwerk True Detective mithalten kann und für einen europäischen Film atmosphärisch sowie inszenatorisch überzeugend ist.

Cast & Crew

Regie: Alberto Rodríguez
Drehbuch: Alberto Rodríguez, Rafael Cobos
Musik: Julio de la Rosa
Darsteller: Raúl Arévalo, Javier Gutiérrez, Nerea Barros, Antonio de la Torre

Bewertung

Bewertung_7

07th Nov2016

Coherence (2013) | Filmkritik

von Michael Diederich

Coherence

Bei einem gemütlichen Abendessen unterhalten sich acht Freunde über vergangene Beziehungen, neue Jobs und witzige Geschichten aus ihrer gemeinsamen Zeit. Nach einigen Minuten Small-Talk erwähnt einer der Männer, dass sein Bruder Astrologe sei und ein Komet heute über die Erde ziehe. Dieser habe ihn ebenfalls über merkwürdige Geschehnisse in Verbindung mit diesem Ereignis gewarnt. Er erwähnt auch, dass sein Smartphone ein gerissenes Display hat.

coherence_1 Die anderen Gäste sind etwas irritiert, beginnen aber über Ereignisse dieser Art aus der Vergangenheit, die in den Nachrichten zu sehen waren, zu erzählen. Als Vergleich wird ein Beispiel aus Finnland herbeigezogen, wo vor einigen Jahrzehnten eine Frau den ortsansässigen Polizisten berichtete, dass ihr Ehemann nicht mehr derselbe nach einem Meteoritenschauer sei. Sein Verhalten sei seit dem Vorfall vollkommen anders als üblich.

Die Freunde rätseln über weitere merkwürdige Ereignisse, welche durch Kometen oder Meteoriten ausgelöst wurden. Plötzlich fällt der Strom im Haus aus und alle anderen Smartphones bekommen ebenfalls Risse an ihrem Display. Keiner der acht Personen kann noch telefonieren aber in geringer Entfernung in einem anderen Haus scheint noch das Licht. Und so machen sich einige der Freunde auf den Weg, um von dort aus den Astrologen anzurufen, der diese merkwürdigen Ereignisse prognostiziert hat. Was wird sie in dem Haus erwarten und welche Erklärung werden sie für die mysteriösen Geschehnisse erhalten?

coherence_2 Coherence ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Thriller, der 2013 unter der Regie von James Ward Byrkit erschien. Byrkit war bisher lediglich für einige Kurzfilme bekannt, verpasst den etablierten seines Fachs jedoch durch diesen ambitionierten Film einen Denkzettel. Seine kammerspielartige Inszenierung einer kreativen und interessanten Geschichte gibt dem 88-minütigen Film eine starke atmosphärische Dichte. Das Auftreten von Kometen ist wenig erforscht und bis heute für Astrologen ein eigenes Forschungsgebiet. Das Vorbeiziehen eines Kometen wird spannend und authentisch beschrieben, im Vordergrund stehen aber die acht Freunde.

Dank der allgemein gelungenen Figurenzeichnung sind die menschlichen Reaktionen und Interaktionen untereinander besonders nachvollziehbar und sorgt für die an einigen Stellen erforderliche Tiefe. Positiv ist ebenfalls anzumerken, dass die Schauspieler durchweg unbekannt sind. Somit achtet der Zuschauer weniger auf eine bestimmte Figur, sondern widmet jedem der acht Charakter dieselbe, notwendige Aufmerksamkeit.

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Durch das realistische Szenario und trotz minimalistischer Mitteln gelingt dem Regisseur ein durch und durch intensiver Science-Fiction- Thriller. Die ruhige Atmosphäre des Films ist passend gewählt und ideal für die entfachte, beklemmende Stimmung. Der Zuschauer weiß nie genau, wo die Geschichte hinführt und einige Geschehnisse sind zunehmend verwirrend. Allerdings ist die Handlung nicht unlogisch, sondern bleibt immer nachvollziehbar. Die Verwirrung ist explizit gewollt, kann aber an einigen Stellen dazu führen, dass der Zuschauer für einen kurzen Moment den Faden verliert.

Folglich ist das auch einer der wenigen Kritikpunkte an Coherence. Denn die kreative Handlung riskiert nicht nur eine Verwirrung des Zuschauers, sondern kann den ein oder anderen Zuschauer auch komplett verlieren, wenn dieser nicht erneut in die Handlung eintreten kann. Dieser Effekt ist jedoch genau so gewollt, denn durch die bisher nur wage Erforschung von Kometen und einem bis heute starkem Aberglauben in Verbindung mit diesen Himmelschauspielen bietet die Thematik viel Spielraum für Ideen. Wer auf Mindfuck-Filme wie Memento, Source Code, Looper oder Predestination steht, der sollte hier definitiv auf seine Kosten kommen.

Wem diese Art Film nicht zusagt, der sollte diesem Film trotzdem eine Chance geben. Denn auffallend an Coherence ist neben einem ambitionierten Cast von unbekannten Schauspielern vor allem eine unerträglich hohe Spannung. Besonders der Mittelteil des Films ist ungewohnt spannend und der Zuschauer hat nie eine Ahnung, was als nächstes passieren wird.

Schlussendlich ist Coherence ein kreativer, spannender Science-Fiction-Film, der den vielen teuren Produktionen aufzeigt, was mit wenigen Mittel erreicht werden kann. Denn häufig kommt es nur auf die Idee und das daraus entstandene Drehbuch an, welches leider viel zu oft bei den großen Namen schwach ausfällt. Coherence aber überzeugt gerade dank seiner Story, die frisch ist und mit seinen minimalistischen Mitteln hervorragend umgesetzt wurde.

Cast & Crew

Regie: James Ward Byrkit
Drehbuch: James Ward Byrkit, Alex Manugian
Musik: Kristin Øhrn Dyrud
Darsteller: Emily Baldoni, Maury Sterling, Nicholas Brendon, Lorene Scafaria, Hugo Armstrong

Bewertung

Bewertung_7

17th Okt2016

Triple 9 (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Triple 9

Eröffnet wird der Film Triple 9 mit einem von mehreren Cops durchgeführten, spektakulären Banküberfall. Um seine Schulden bei der von Irina Vaslov (Kate Winslet) angeführten, russischen Mafia begleichen zu können, nimmt auch Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor) an diesem Raub teil, welcher sich bislang nur durch kleinere Überfälle über Wasser hielt.

triple9_1 Damit dieser Überfall des Jahrhunderts überhaupt klappen kann, bedarf es schon einer ganz besonderen Idee. Detective Marcus Belmont (Anthony Mackie) schlägt für den schier unmöglichen Banküberfall vor, einen Triple 9 auszulösen. Dieser Funkspruch bedeutet, dass ein Polizist gefallen ist und es wäre die ideale Ablenkung, um den größten Coup aller Zeiten durchzuführen. Jeder Polizist in der Stadt würde zu dem Tatort fahren, wo einer seiner Kollegen getötet wurde und der große Banküberfall würde in den Hintergrund fallen.

Doch das Opfer des geplanten Triple 9, der versetzte Polizist Chris Allen (Casey Affleck), scheint von dem Vorhaben seiner Kollegen noch nichts zu wissen.

Triple 9 ist ein US-amerikanischer Action-Thriller aus dem Jahr 2016. Regisseur des Films ist John Hillcoat, der durch Filme wie Lawless – Die Gesetzlosen oder The Proposition – Tödliches Angebot bekannt geworden ist. Sein neuestes Werk erlangte besondere Aufmerksamkeit aufgrund der Vielzahl an bekannten Schauspielern. Neben Kate Winslet, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Casey Affleck, Gal Gadot und Aaron Paul ist vor allem die Besetzung Woody Harrelsons als Polizist nach der meisterhaften Serie True Detective auffallend. Allerdings entwickelt sich der Film trotz dieser Namen zu einer herben Enttäuschung, und das in vielerlei Hinsicht. Die ersten 15 Minuten beginnen flott mit einem rasanten Banküberfall und einen durch Farbpatronen erzeugten roten Wirbel voller Action. Danach setzt Regisseur John Hillcoat vor allem auf seine geballte Power an Darstellern und vergisst dabei, Zeit für eine genauere Zeichnung der Figuren einzuplanen.

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Und so wird der Film nach der aktionreichen ersten Viertelstunde sehr dialoglastig und jedes weitere Vorgehen der Charaktere ist zu vorhersehbar. Die Figuren sind allesamt dünn und ohne viel Tiefe gezeichnet, sodass der Zuschauer keine Person findet, für die er Sympathien entwickeln könnte oder die in irgendeiner Weise interessant wäre. Bei einer derart kargen Handlung, die sich rein um diesen speziellen Funkspruch der Polizei dreht, wäre es umso wichtiger gute Figuren zu kreieren oder wenigstens visuell zu überzeugen.

Keines dieser Ziele gelingt Triple 9 und es kommt mehrmals zu regelrecht langweiligen, da unkreativen Szenen. Nach wunderbaren Filmen wie Heat oder Sieben, in denen die Polizeiarbeit äußerst intensiv thematisiert wurde, und welche zu Meilensteinen in ihrem Genre zählen, ist anzumerken, dass der für den Emmy als bester Hauptdarsteller für die Serie True Detective nominierte Woody Harrelson in Triple 9 nur eine Nebenrolle spielt und sein aus der Serie bekanntes Talent als Polizist nicht ausspielen kann und darf.

Neben all der negativen Kritik sind zumindest die anfänglichen ersten Minuten, die wenigen Verfolgungsszenen und das leicht überzeugende Schauspiel von Casey Affleck hervorzuheben, was den Film in seiner Gänze zwar nicht retten kann, aber das Endergebnis wenigstens etwas aufbessert. Casey Affleck zeigt in einigen Momenten sein schauspielerisches Talent, allerdings tritt seine Figur zu spät in den Film ein und er bekommt zu alledem viel zu wenig Spielzeit. Sinnvoller wäre es gewesen einige Stars zu streichen und die Konzentration auf einige wenige zu legen. Diese Schwäche scheint abermals Schuld eines schwachen Drehbuchs zu sein, welches das Aufgebot von gestandenen Hollywood-Stars in einem Cop-Movie nicht zu nutzen weiß. Aber auch Regisseur John Hillcoat kann sich nicht von der Verfehlung freisprechen, schwache und unglaubwürdige Figuren inszeniert zu haben. Insgesamt ist Triple 9 somit ein enttäuschender Versuch ein Staraufgebot von Schauspielern in einem Heist-Movie zusammenzuführen und besonders dank der unglaubwürdigen Figuren, der schwachen Story und einer zu langsamen Inszenierung ein regelrechter Flop.

Cast & Crew

Regie: John Hillcoat
Drehbuch: Matt Cook
Musik: Atticus Ross, Bobby Krlic, Leopold Ross, Claudia Sarne
Darsteller: Casey Affleck, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie, Aaron Paul, Clifton Collins Jr., Norman Reedus, Woody Harrelson, Kate Winslet

Bewertung

Bewertung_5

01st Aug2016

Conjuring 2 (2016) | Filmkritik

von Michael Diederich

Conjuring 2

Im Jahr 1976 untersuchen die Eheleute Warren einen mehrfachen Mordfall. Lorraine Warren (Vera Farmiga) versucht das Verbrechen gedanklich zu rekonstruieren und überprüft, ob der Mann seine Familie unter dämonischem Einfluss getötet hat. In ihrer Vision taucht eine Nonne auf und unerwartet wird ihr Ehemann Ed Warren (Patrick Wilson) getötet.

conjuring2_1 Voller Schreck erwacht Lorraine und ist überglücklich ihren Mann lebendig neben ihr zu sehen.

Ein Jahr später setzt die Handlung in Entfield, London ein. Die alleinerziehende Mutter Peggy Hodgson lebt mit ihren vier Kindern in einem Wohnhaus, in welchem sich merkwürdige Ereignisse häufen. Die 11-jährige Janet beispielsweise schlafwandelt und hört Stimmen eines unbekannten Wesens.

Die anderen Familienmitglieder werden Zeuge von diesen unnatürlichen Ereignissen und fliehen eines Nachts über die Straße, um fortan bei den Nachbarn zu wohnen. Auch die Medien werden aufmerksam auf die paranormalen Geschehnisse in London und die Kirche bittet die Eheleute Warren um Hilfe. Lorraine Warren ist abgeneigt zu helfen, da sie wieder eine Vision erhält, in der ihr Mann getötet wird. Außerdem zeichnet Ed Warren morgens ein Bild, welches ihm im Schlaf erschienen ist. Das Bild zeigt die Nonne, die Lorraine bereits zuvor gesehen hat.

conjuring2_2 Conjuring 2 ist eine US-amerikanische Horrorfortsetzung aus dem Jahr 2016. Es ist der zweite Film der Reihe und die Regie übernahm wie bereits bei dem ersten Film James Wan, der zuletzt Fast Furious 7 drehte. Thematisch behandelt der 132-minütige Film kein neues Thema, denn die Bekämpfung von bösen Dämonen wurde im gesamten Horrorgenre schon mehr als intensiv behandelt.

Fast jeder Horrorfilm befasst sich derzeit mit bösen Dämonen, demnach ist die Story keine besonders neue Idee und muss auch nicht weiter thematisierst werden. In der heutigen Zeit der unzähligen Fortsetzungen und Remakes ist eine inhaltliche Einfallslosigkeit in diesem Genres einfach kein großer Kritikpunkt mehr.

Der Erzählfluss des Films ist dafür aber insgesamt sehr stimmig. Die erste Stunde ist insbesondere dank der mehreren Handlungsstränge flott inszeniert. Anschließend hat der Streifen ein paar kleine Längen, doch gegen Ende nimmt der Film noch einmal richtig Fahrt auf.

Ein solch ausgelutschtes Thema dennoch unterhaltsam und spannend zu inszenieren ist die große Kunst eines Regisseurs. James Wan meistert diese Aufgabe und seine Regie überzeugt durch die Liebe zum Detail und durch die stilistischen Feinheiten. Allein die Optik der Nonne ist überaus gelungen und für Horrorfans ein hoher Gruselfaktor.

conjuring2_3 Nicht ohne Grund veranlasste das Erscheinen des bösen Dämons die Filmstudios dazu ein Spin-off mit dem Titel The Nun zu verwirklichen, in welchem der böse Dämon mehr Spielzeit bekommen soll. Die vielen kleinen Details erhalten im Laufe des Films immer mehr Sinn und die atmosphärische Dichte macht den Film zu einem unterhaltsamen Horrorfilm. Negativ anzumerken sind jedoch die teils durch CGI aufgebesserten Effekte, welche anstatt gruselig eher albern wirken, die Stimmung aber nur kurz beeinflussen.

Die Schauspielriege des Films ist angemessen, doch der Fokus liegt überwiegend auf dem Ehepaar Warren. Die Chemie zwischen Patrick Wilson, der zuletzt in der zweiten Staffel von Fargo in einer Hauptrolle zu sehen war, und Vera Farmiga stimmt durch und durch und lässt den Zuschauer an ihren Erlebnissen stilecht teilhaben.

Der Trend von Horrorfilmen wanderte in den letzten Jahren immer wieder zu sinnfreien Splatter-Filmen, in denen unendlich viel Blut fließt und der eigentliche Gruselfaktor kaum noch zur Geltung kommt. Conjuring 2 widersetzt sich dem Trend und ist ein Geisterfilm der alten Art. Er verbindet die klassischen Elemente des Gruselfilms mit spannungsgeladenen Elementen eines Suspense Thrillers. So darf man sich auf die klassischen Elemente eines Horrorfilms wie die knarrende Treppe, flackernde Lichter und merkwürdige Geräusche freuen. Ohne große Effekte hinterlässt der Film eine stimmungsvolle und furchterregende Situation.

Optisch sehr gelungen und durch die vielen üblichen Requisiten eines Horrorfilms, wie einen alten Sessel, eine Schaukel im Garten und ein allgemein düsteres Haus verfeinert, entwickelt James Wan ein gruseliges und in sich stimmiges Szenario. Außerdem sorgt der eindringliche Soundtrack für zusätzlichen Nervenkitzel in spannenden Situationen. Im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger ist der Nervenkitzel etwas stärker und die Höhepunkte zahlreicher. Conjuring 2 ist sogar noch etwas gefühlvoller und gruseliger. Viel Spaß beim Gruseln!

Cast & Crew

Regie: James Wan
Drehbuch: James Wan, Chad Hayes, Carey Hayes, David Leslie Johnson
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Frances O’Connor, Madison Wolfe, Simon McBurney, Franka Potente

Bewertung

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