05th Nov2017

Liebe zu Besuch (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Liebe zu Besuch

Alice (Reese Witherspoon) ist die Tochter eines sehr erfolgreichen Regisseurs in Hollywood. Nach seinem Tod bleibt sie in dem großen Anwesen der Familie wohnen, sodass zahlreiche Preise ihres Vaters weiterhin das Haus küren und ihren Alltag begleiten.

liebezubesuch_1 Sie lebt getrennt von ihrem Ehemann und hat zwei Kinder. Auf einer Party lernt sie Harry (Picco Alexander) kennen, der gerade mit seinen beiden Freunden daran arbeitet in das Filmgeschäft einzusteigen. Wie der Zufall es so will lässt Alice die drei jungen Männer bei sich einziehen und sie können Inspiration, Erfahrung und Zuversicht sammeln, um ihren Traum zu erreichen.

Die alleinerziehende Mutter bekommt ihm Gegenzug die Leichtigkeit des Lebens zurück und es könnte sich vielleicht noch etwas mehr aus dem überraschenden Besuch entwickeln.

Liebe zu Besuch, oder im Original Home Again ist eine US-amerikanische romantische Komödie aus dem Jahr 2017. Für das Drehbuch und die Regie ist Hallie Meyers-Shyer verantwortlich, die mit diesem Film ihr Regiedebüt feiert. Sie ist die Tochter von Nancy Meyers, die durch die Filme Was Frauen wollen oder zuletzt Man lernt nie aus bekannt geworden ist.

liebezubesuch_2 Ihr Vater, Charles Shyer, ist ebenfalls im Filmgeschäft tätig. Die Verbindung zwischen Realität und Film ist somit eng verwoben. Hallie Meyers-Shyer hat ihre eigene Lebensgeschichte mit diesem Film erzählt und sie voraussichtlich an einigen Stellen etwas abgeändert und für die Leinwand angepasst.

Die Story des Films ist dabei durch und durch einfallslos, unkreativ und zutiefst langweilig. Viele Handlungsstränge sind einfach schon so oft in anderen Filmen aufgetaucht, dass ein Sehen dieses Films unnötig und über weite Strecken einfach nur zur verschwendeten Zeit macht.

Es ist eine Aneinanderreihung von Langeweile, plattem Humor, Kitsch und Vorhersehbarkeit. Die romantische Komödie ist weder romantisch, noch komisch und deshalb eine klare Nicht-Empfehlung. Es ist schon gewagt einen derart uninspirierten und teilweise auch unsympathischen Film zu kreieren, sodass die Frage aufkommt, ob die Tochter von zwei ehemaligen Filmschaffenden vielleicht etwas zu viel Rückendeckung von ihren Eltern oder den Studiobossen bekommen hat, um dieses Projekt anzugehen. Die Dialoge sind zu 90 % Schrott und zu 10% ambitionierte Comedy, die etwas zum Schmunzeln ist, aber insgesamt einfach nur enttäuscht.

liebezubesuch_3 Es ist nicht zu verstehen, warum eine Oscar- und Golden Globe Gewinnerin namens Witherspoon zu diesem Debütfilm von Hallie Meyers-Shyer hinzugestoßen ist. Positiv ist immerhin anzumerken, dass die Thematik des Films im Entferntesten mit dem so berühmten amerikanischen Traum in Verbindung zu setzen ist, denn die drei jungen Männer möchten in Hollywood berühmt werden. Außerdem ist der Film über weite Strecken fröhlich, offenherzig und auffallend hell, sodass vielleicht bei einigen Zuschauern in wenigen Momenten positive Erinnerungen oder Gefühle hochkommen.

Allerdings wird in sehr wenigen Momenten das Talent der drei Männer gezeigt und ihr unbedingtes Streben nach Glück. Für den Zuschauer wird es schwierig sein den Charakteren zu glauben, dass sie gerade ihren persönlichen Traum verwirklichen möchten. Es ist in keiner Sekunde zu erkennen, dass sie leiden oder ihr Herz für ihren Beruf opfern.

Des Weiteren ist die Geschichte von Alice, die von Reese Witherspoon einigermaßen akzeptabel gespielt wird, gänzlich uninteressant und über weite Strecken zum Gähnen. Sie ist von Beruf Innenarchitektin, durchlebt gerade das Ende ihrer Ehe und muss sich um ihre zwei Kinder kümmern. Es ist vielleicht in Ansätzen eine Art Liebesbeziehung zu dem wesentlich jüngeren Harry vorhanden, die jedoch absolut ohne Chemie und Charme auskommen muss.

Hierbei ist es schwierig zu verstehen, ob die Schauspieler oder die Regisseurin einfach nicht die richtige Verbindung hergestellt hat. Die kitschigen Szenen zwischen Alice und Harry ähneln eher einer Satire, anstatt einer ernstgemeinten Liebesbeziehung. Insgesamt ist Liebe zu Besuch ein kläglich gescheiterter Versuch, eine romantische Komödie zu schaffen, der durch eine langweilige Story und furchtbar schwache Dialogen sehr negativ im Genre auffällt.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Hallie Meyers-Shyer
Drehbuch: Hallie Meyers-Shyer
Musik: John Debney
Darsteller: Reese Witherspoon, Nat Wolff, Jon Rudnitsky, Pico Alexander, Michael Sheen, Candice Bergen

Bewertung

Bewertung3

01st Nov2017

Berlin Falling (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Berlin Falling

Frank Balzer (Ken Duken) lebt in einem Berliner Vorort in einer heruntergekommenen Wohnung. Aus heiterem Himmel bekommt er von seiner Ex-Freundin einen Anruf, dass er heute nach Berlin fahren soll, um sich um seine Tochter zu kümmern. Auf dem Weg in die Hauptstadt hält er sichtlich unmotiviert an einer Tankstelle und deckt sich mit Wodka und Saft ein.

berlinfalling_1 Die Hälfte des Saftes kippt Frank weg und mischt die andere Hälfte mit Wodka. Als er wieder in sein Auto einsteigen möchte wird er von einem Mann angesprochen, der nach einer Mitfahrgelegenheit nach Berlin sucht. Frank willigt unter der Bedingung ein, dass auf der Fahrt nicht gesprochen wird.

Auf dem Weg stellt sich der Unbekannte als Andreas vor und quatscht Frank unermüdlich voll, sodass dieser kräftig auf die Bremse drückt. Bei dem Manöver öffnet sich die Tasche des Fremden und ein Kampf zwischen den beiden Männern im Auto entbrennt. Was ist denn in dem Rucksack des unbekannten Reisenden gewesen?

Berlin Falling ist das Regiedebüt des deutschen Schauspielers Ken Duken, der unter anderem in Inglourious Basterds und Zweiohrküken mitspielte. Es ist eine fantastische Gelegenheit an dieser Stelle die Fahne für die deutsche Filmkultur etwas höher zu reißen, denn das Erstlingswerk von Duken ist eine atemberaubende, schöne und intensive Angelegenheit. Über weite Strecken ist es ein Kammerspiel im Auto, was zunächst einmal riskant und etwas weniger interessant wirken könnte, doch die Umsetzung widersetzt sich jeglichen Zweifeln.

berlinfalling_2 Die Bilder, die Kameramann Ngo The Chau eingefangen hat, geben dem Film eine speziell düstere und bunte Note, die den deutschen Film endlich auf das internationale Niveau anhebt. Die schönen Bilder der Landschaften vor Berlin und die Lichter der Stadt geben dem Kammerspiel eine bildgewaltige Atmosphäre.

Im Inneren des Wagens überzeugen die Darsteller durch ihre Ambivalenz, hierbei ist insbesondere der aus Game of Thrones bekannte Tom Wlaschia hervorzuheben, welcher durch ein vielseitiges Schauspiel in keiner Sekunde des Films unglaubwürdig wirkt.

Außerdem zeigt Ken Duken eine intensive, schauspielerische Leistung, die auch, obwohl seine Figur etwas weniger hergibt, sehr überzeugend ist. An dieser Stelle ist die Artikulation ein etwas problematischer Faktor des Films, denn die beiden Hauptdarsteller sprechen an einigen Passagen etwas undeutlich, sodass selbst bei erhöhter Lautstärke nicht jedes Wort verstanden werden kann. Dieser Fakt ist eine leider negative Nebenwirkung der Handschrift des Regisseurs.

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Duken hat bewusst eine realistische und glaubwürdige Interpretation der Rollen fokussiert, die nicht übertrieben wirken soll, sondern durch einen realistischen Sprechrhythmus auffällt. Diese sehr realistische Artikulation wurde zuletzt fantastisch in dem amerikanischen Film Spotlight umgesetzt, in welchem die Charaktere klar und normal sprechen. Es ist eine kleine Einschränkung, dass nicht jeder Dialog verständlich ist, in einem ansonsten überzeugenden und gut strukturierten Film.

Neben diesen Punkten ist es sehr unterhaltend den beiden Figuren dabei zuzusehen, wie sie ihre Ansichten und Einstellungen deutlich machen. Die Reduzierung auf zwei Hauptdarsteller macht die Fahrt nach Berlin zu einer gut getimeten Reise, denn die Spannung ist immer da und nie komplett weg. Auch die Gesamtlänge von 91 Minuten ist meiner Ansicht nach gut geeignet für ein strikt gebündeltes Kammerspiel mit zwei breit gezeichneten Figuren.

Die Stärke des Films sind zweifelsfrei seine Szenen im Auto. Außerhalb des Wagens sind die Handlungen zwar nicht so fesselnd, aber dennoch unterhaltend. Es ist schön, nach dem Film Der Nachtmahr, der ebenfalls stilistisch stark war, einen weiteren deutschen Film anzusehen, der dem internationalen Vergleich Stand hält.

Insgesamt ist Berlin Falling ein intensives Kammerspiel mit fabelhaften Bildern, einer leuchtenden Hauptstadt und einer düsteren Landschaft. Außerdem spielen Ken Duken und Tom Wlaschia ihre Rollen glaubhaft in einem weiteren, gelungenen deutschen Filmwerk.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Ken Duken
Drehbuch: Christoph Mille
Musik: Kriton Klingler-Ioannides
Darsteller: Ken Duken, Tom Wlaschiha, Kida Khodr Ramadan, Marisa Leonie Bach, Tim Wilde

Bewertung

Bewertung7

09th Okt2017

Blade Runner 2049 (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Blade Runner 2049

Im Jahr 2049 ist die Stadt Los Angeles durch und durch verdreckt und heruntergekommen. Der Müll von den Straßen wird in San Diego entsorgt, welches nun die größte Mülldeponie der Region ist. In dieser düsteren Welt leben künstlich erschaffene Androiden gemeinsam mit den Menschen, welche von Hologrammen und Drohnen bestimmen ist.

bladerunner2049_1 Officer K (Ryan Gosling) ist Polizist und wohnt in Los Angeles. Zu seinen Hauptaufgaben zählt die Eliminierung der sogenannten Replikanten, die auf eine unbegrenzte Zeitdauer leben können. Allerdings sind die Daten von vielen Replikanten vor Jahren in einem mehrtägigen Stromausfall verloren gegangen.

Bei der Suche nach einem Flüchtigen findet Officer K eine mysteriöse Kiste unterhalb eines Baumes, in welcher die Überreste einer Frau liegen. Im Polizeibüro stellt sich anschließend heraus, dass diese Frau ein Kind hatte. Bei den Ermittlungen zu dem dubiosen Kind mischt sich plötzlich die Wallace Corporation ein, die seit vielen Jahren für den Bau der Androiden zuständig ist. Wer ist diese Tochter und was hat sie mit der Wallace Corporation zu tun?

Blade Runner 2049 ist die Fortsetzung des 1982 erschienen Films Blade Runner, welcher bis heute als Klassiker der Science-Fiction-Filme gilt. Regisseur Ridley Scott trat in dem Nachfolger jedoch nur noch als ausführender Produzent in Erscheinung und gab den Platz auf dem Regiestuhl des zweiten Teils an den Francokanadier Denis Villeneuve weiter, der zuvor bereits große Bekanntheit durch Prisoners (2013), Sicario (2015) oder Arrival (2016) erlangte und derzeit zu Hollywoods kreativsten Filmschaffenden zählt.

bladerunner2049_2 Der letztgenannte Film Arrival stellte für ihn den Einstieg in das für ihn neue Genre Science-Fiction dar. Das Potenzial, welches durch die Verpflichtung von Villeneuve, Gosling und Ford freigesetzt wurde, entwickelte bei mir eine äußerst hohe Erwartungshaltung für Blade Runner 2049.

Diese Erwartung wurde allerdings in vielerlei Hinsicht übertroffen. Die visuelle Schönheit des Films ist kaum in Worte zu fassen. Es sind die scharfen Bilder, die die Verwüstung der westlichen Welt zeigen, die jeden Zuschauer zum Staunen bringen werden.

Die langsame Kameraführung von Roger Deakins, der bereits 13-mal für einen Oscar nominiert wurde, fasst die verdreckte Dystopie malerisch ein. Die Szenen in Los Angeles ähneln der visuellen Kraft seines Vorgängers. Perfekt wird der prägende Stil eines Blade Runner eingefangen und modernisiert. Die Schauplätze und die Gegenstände, unter anderem das Auto von Officer K, sind dennoch eigenständig und eine große Weiterentwicklung zu 1982. Neben Los Angeles überzeugt jedoch auch die atomar verseuchte Stadt Las Vegas, welche langsam wieder von der Wüste Nevadas verschluckt wird. Der Regen, der Schnee und das Feuer sorgen für das notwendige Beiwerk und für die kleinen visuellen Schauwerte in dem großartigen Setting.

bladerunner2049_3 Außerdem ist der gesamte Look düster und schön verdorben, was die menschliche Gebrochenheit fein widerspiegelt. Des Weiteren sind die Pistolen optisch fantastisch und soundtechnisch hervorragend. Die Musik ist eindringlich und nervenaufreibend.

In einigen Sequenzen drückt die musikalische Untermalung die Spannung weiter in die Höhe und unterhält den Zuschauer dank seines passenden Timings. Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch übernahmen die Kompositionen, da der zuvor engagierte Johann Johannsson (Arrival, Sicario, Prisoners) doch noch absprang.

Die Effekte, der Sound und die Kamera sind insgesamt stimmig und verdienen meiner Meinung nach eine Oscar-Nominierung, wenn nicht sogar den Oscar. Neben dieser technischen Brillanz überzeugen auch die Schauspieler und das Drehbuch. Ryan Gosling überzeugt ebenso wie Harrison Ford. Die beiden Schauspieler zeigen jeweils glaubwürdige Interpretationen ihrer Rollen und erzählen ihre Abschnitte mit einer ausgeprägt düsteren Dramatik. Die Geschichte wird zunächst etwas behäbig und ruhig von Denis Villeneuve erzählt. Sein gewöhnlicher Stil, der etwas dokumentarisch ist, ist ideal geeignet für eine visuelle und atmosphärisch dichte Inszenierung.

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Das Besondere hierbei ist, dass nach der Vorstellung der Städte in der ersten Stunde, die Handlung deutlich an Fahrt aufnimmt und eine Wendung und Irreführung nach der anderen folgt. Es ist teilweise etwas schwierig allen Charakteren bei der dröhnenden Musik und der Ästhetik weiterhin aufmerksam Folge zu leisten, da besonders im zweiten Drittel viele neue Stränge aufgebaut werden und die Story etwas komplexer wird. An einigen Stellen ist die Verwirrung groß, doch es wäre nicht ein Villeneuve-Film, wenn der Abschluss die wichtigsten Fragen auflöst und hierbei die Logik in keinster Weise außer Acht lässt.

Es hätte unter Umständen ein wenig bei der Handlung und der damit verbundenen Spielzeit gekürzt werden können, doch dies ist eine nebensächliche Anmerkung. Ein kritischer Punkt, der neben den vielen Pluspunkten ebenfalls anzusprechen ist, ist die sparsame Verwendung von Actionsequenzen. Die wenigen Actionszenen sind jedoch fantastisch und meisterhaft inszeniert. Es gibt kaum etwas, was es an ihnen zu bemängeln gäbe. Jedes Element, egal ob visuell oder choreografisch, fügt sich in einem modernes Meisterwerk zusammen und gestaltet wahnsinnig spannende und unterhaltsame Actionszene, welche die besonderen Höhepunkte des Films setzen.

Die 164 Minuten vergehen wie in einem Rausch und es ist kaum zu realisieren, dass dieses schöne Werk letztlich ein Ende hat. Visuell ist er der beste Film, den ich je gesehen habe und von Villeneuves Filmen ist er ebenso das bisherige Prunkstück. Vielleicht ist er sogar einer der besten Science-Fiction-Filme. Selbstverständlich in der heutigen Zeit ist, dass dieses Stück Filmgeschichte in 3D zu bestaunen ist. Aber auch in 2D entfaltet der Film seine Magie und ist in manchen Szenen vielleicht sogar angenehmer zu verfolgen.

Insgesamt gestaltet Blade Runner 2049 eine atemberaubende, kreative und visuell hervorragende Fortsetzung des Klassikers aus dem Jahre 1982. Regisseur Villeneuve inszeniert eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten und vielleicht sogar einen neuen Klassiker.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Hampton Fancher, Michael Green
Musik: Hans Zimmer, Benjamin Wallfisch
Darsteller: Ryan Gosling, Harrison Ford, Ana de Armas, Sylvia Hoeks, Robin Wright, Mackenzie Davis, Carla Juri, Lennie James, Dave Bautista, Jared Leto

Bewertung

Bewertung9

01st Okt2017

Höhere Gewalt (2014) | Filmkritik

von Michael Diederich

Höhere Gewalt

Eine schwedische Familie reist nach Frankreich, um dort in einem äußerst luxuriösen Ferienort Ski zu fahren und abends einfach mal etwas vom Alltag zu entspannen. An jedem Morgen knallt es jedoch laut in der sonst ruhigen Gegend, da das dortige Personal kontrolliert Lawinen herablässt, um eine sichere Fahrt für Klein und Groß auf den Pisten zu ermöglichen.

hoeheregewalt_1 Eines Morgens sitzen die Eltern mit ihren beiden Kindern am Tisch und es ertönt ein extrem lauter Knall. Der Familienvater Tomas (Johannes Kuhnke) erklärt seinen Kindern, dass es wieder nur eine kontrollierte Sprengung sei. Allerdings rast die Schneemasse unaufhörlich auf die Terrasse des Hotels zu. Seine Frau Ebba (Lisa Loven Kongsli) wird unruhig und schaut ihren Mann sorgenvoll an. Kurz bevor die Lawine das Hotel der Familie unaufhaltbar erreicht, schnappt sich Tomas sein Handy und rennt weg, ohne auf seine Frau und die Kinder zu achten.

Die Schneemasse stoppt jedoch kurz vor dem Hotel, sodass sich die Aufregung wieder legt. Als die Sicht wieder klar wird, kommt Tomas zurück zu seiner Familie und beruhigt alle. Es scheint wohl so, als ob die Katastrophe noch einmal verhindert werden konnte, oder doch nicht? Das Familiengefüge beginnt zu bröckeln.

Höhere Gewalt ist ein schwedisches Drama des Regisseurs Ruben Östlund aus dem Jahr 2014. Um das Wichtigste vorweg zu nehmen: Der Film ist ein absoluter Geheimtipp und in jederlei Hinsicht zu empfehlen. Der Anfang ist sehr ruhig und vor allem dazu gedacht die traumhafte, winterliche Kulisse vorzustellen, und um einen Einstieg in die ganz normale schwedische Familie zu bekommen.

hoeheregewalt_2 Die Kamera setzt hierbei betont auf Bilder und Momente, bei denen wenig Interessantes präsentieren. Der Tagesablauf wird vorgestellt und es entsteht eine gewisse Situationskomik. Regisseur Östlund konzentriert sich auf eine starke Bildsprache und eine musikalisch erhellende Untermalung. Als die Lawine kurz vor dem Hotel stoppt und sich der Ehekrieg zwischen Tomas und Ebba entfaltet, bleibt die Kamera eng bei den beiden Protagonisten.

Die Reaktionen und charakterlichen Eigenschaften kommen so gut zum Vorschein. Tomas, der seine Familie in einer potenziellen Extremsituation alleine gelassen hat, bestreitet zunächst, dass er weggelaufen sei. Ebba beharrt jedoch darauf, dass er sie enttäuscht habe, und dass auf ihn in solchen Situationen kein Verlass sei.

In einem kurzen Augenblick hat sich das gesamte Familienbild verändert und Tomas ist nun angezählt. Die Darsteller überzeugen in ihren Rollen und jede Interpretation wird glaubwürdig dargestellt. Selbst die Nebenrollen, unter anderem der Norweger Kristofer Hivju, sind gut besetzt.

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Ein großer Pluspunkt des Films ist auch die nachvollziehbare Handlung und der Verlauf der Geschichte. Es gibt kaum Momente, die überflüssig oder nicht wichtig für den weiteren Ablauf des Films sind. Außerdem wurden die Sympathien gut verteilt, sodass der Zuschauer jeder Figur seine Aufmerksamkeit schenken kann und gespannt auf das jeweilige Schicksal ist. Die Ähnlichkeiten zu einem Kammerspiel sind zu erkennen, dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Fast jedes Kammerspiel hat die ein oder andere Länge, die Höhere Gewalt nicht aufweist. Der Film ist gut geschnitten und überraschend witzig. Der Humor geht teilweise schon in die Richtung schwarzen Humors und wirkt dank der winterlichen Kulisse besonders intensiv.

Regisseur Östlund spielt mit den männlichen und weiblichen Egos, indem er sich die klischeehaften Figuren zur Brust nimmt und eine Geschichte von Tapferkeit, Mut und Zerbrechlichkeit inszeniert. Die gegenseitigen Schwächen und Stärken beider Geschlechter kommen gut zur Geltung und kein Akteur bleibt außen vor. Es ist ein unerwartet witziges Familiendrama aus einem verschneiten französischen Ski-Resort. Zu Zeiten von großem Hollywood-Blockbuster-Kino ist dieser schwedische Film abwechslungsreich, sympathisch und zauberhaft inszeniert.

Eine Fokussierung auf kleinere Geschichten wäre auch mal in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten einige Millionen Dollar Produktionskosten wert. Der Trend geht immer mehr zu großen Filmproduktionen, so dass kleinere Film in Zukunft kaum noch gesehen werden. Schließlich ist Höhere Gewalt ein wunderbarer Film, der ebenso Mann wie Frau gefallen wird.

Cast & Crew

Regie: Ruben Östlund
Drehbuch: Ruben Östlund
Musik: Ola Fløttum
Darsteller: Johannes Bah Kuhnke, Lisa Loven Kongsli, Clara Wettergren, Vincent Wettergren, Kristofer Hivju, Fanni Metelius

Bewertung

Bewertung_8

08th Sep2017

Dunkirk (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Dunkirk

1940: Knapp ein Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs sind die britischen und französischen Truppen im nordfranzösischen Dünkirchen eingekesselt. Winston Churchill befiehlt in der sogenannten Operation „Dynamo“ seine britischen Soldaten über den Ärmelkanal zurück in die Heimat. Doch die Flucht ist kräftezehrend und immer mehr Soldaten fallen den deutschen Angreifern zum Opfer.

dunkirk_1 Dunkirk beginnt mit britischen Soldaten, die hektisch durch Dünkirchen laufen. Aus der Luft fliegen Flugblätter auf sie herab, die die Stellung der britischen Armee zeigen und die drohende Gefahr durch die deutsche Wehrmacht verdeutlichen. Von allen Seiten sind sie umzingelt und wurden am Strand von Dünkirchen wie Vieh zusammengetrieben.

Als Tommy (Fionn Whitehead) etwas Wasser durch einen Gartenschlauch trinkt, fallen auch schon Schüsse. Nacheinander fallen seine Kameraden neben ihm in den Dreck und liegen reglos am Boden. Er kann sich retten, indem er über einen Zaun klettert und bei den Franzosen Hilfe ersucht. Doch Hilfe ist dieser Tage in Dünkirchen rar.

Der junge britische Soldat gelangt, nach seiner erfolgreichen Flucht vor den Feinden, zum Strand der Stadt, wo in etwa 400.000 Soldaten in Reihen geordnet stehen. Die wenigen Schiffe können immer nur eine geringe Anzahl an Soldaten mitnehmen. Aus der Luft ertönen schrille Geräusche, die deutsche Luftwaffe kreist über dem Strand. Die Zahl der Wartenden wird mit jedem Angriff minimiert.

Dunkirk ist ein Kriegsfilm des britisch-amerikanischen Regisseurs Christopher Nolan, der durch eine Vielzahl von überragenden Filmen wie unter anderem The Dark Knight und Inception (2010) bekannt wurde. Sein neuestes Projekt befasst sich mit einem geschichtlichen Thema, welches zwar nicht gänzlich uninteressant ist, aber dennoch weniger kreativ.

dunkirk_2 Das Thema „Zweiter Weltkrieg“ ist in der Geschichte Hollywoods in zahlreichen Filmen bereits behandelt worden. Zuletzt erst verfilmte der US-Amerikaner Mel Gibson Hacksaw Ridge, der die Geschichte eines mutigen Sanitäters erzählt. Das Thema ist somit sehr überlaufen. Und doch gibt es weiterhin noch wahre Geschichten aus dem Krieg, die die Leinwand bisher nicht erblickt haben.

Allerdings haben die Soldaten der deutschen Wehrmacht in Nolans neuestem Werk eine ungewohnte Funktion. Nolan verfilmt die Geschehnisse aus 1940 aus drei unterschiedlichen Perspektiven: Land, Wasser und Luft. Jede Perspektive wird in einer anderen Zeitdauer gezeigt. Die Fußsoldaten werden für eine Woche, die Schiffe für einen Tag und die Piloten für eine Stunde gezeigt.

Die Briten sind aussichtslos in Dünkirchen gefangen und der Feind kann sie nach und nach nahezu ungestört töten. Die zeitlichen Unterschiede im Film werden jedoch nicht vollkommen klar, da sich die drei Ebenen eher gleich lang anfühlen und auch in ihrer Leinwanddauer nahezu decken. Dennoch ist es eine sehr komplexe wie experimentelle Herangehensweise, welche auch mit wenigen Dialogen auskommt. Diese Einteilung der Erzählstruktur bringt jaber den Nachteil mit sich, dass spannende Momente durch schnelle Schnitte auf andere Perspektiven etwas verpuffen. Beispielsweise wird der Wechsel von einer Verfolgungsjagd auf eine ruhige Strandsequenz inszeniert, in welcher jede Spannung direkt abstumpft.

dunkirk_3 Des Weiteren beeinträchtigt die oberflächliche Zeichnung der Figuren den Unterhaltungsfaktor ungemein. Die Idee des Regisseurs ist es, dass jede Figur beliebig ist, da alle Soldaten sind. Allerdings ist es so schwierig Sympathien zu entwickeln, da es keine Andockmöglichkeiten für den Zuschauer gibt. Dass der Cast des Films Namen wie Tom Hardy, James D’Arcy, Cillian Murphy, Kenneth Branagh oder dergleichen beinhaltet, scheint keinerlei Rolle zu spielen. Sie alle sind nur Schachfiguren der Mächtigen.

Auf der Gegenseite ist der Film visuell hervorragend. Das gesamte Set wirkt real und natürlich. Besonders die Flugszenen sind fantastisch gelungen. Die meisterhaft fotografierten Bilder von Kameramann Hoyte van Hoytema sorgen für ein komplettes visuelles Feuerwerk.

Außerdem ist der Ton atemberaubend und begleitet die Bilder optimal. Ebenso fesselt die musikalische Untermalung durch Hans Zimmer mit ihrem ständig begleitenden Uhrenticken. Bei diesem 107 minütigen Film, was der bis dato kürzeste Film von Christopher Nolan ist, ist die Musik umso wichtiger, weil die dunkle Stimmung dadurch noch verstärkt wird. An einigen Stellen dauern die einzelnen Musiktitel jedoch etwas zu lang.

Es wäre etwas erleichternder den Zuschauer einen Augenblick zur Ruhe kommen zu lassen, aber Ruhe bekommt er nicht. Die gesamte Atmosphäre ist intensiv und niederschlagend. Ein guter Ansatz, den der Film ebenfalls umsetzt, ist, die deutschen Soldaten nicht zu zeigen, da die Gefahr im Verborgenen lauert. Die Angst der eingekesselten Soldaten kommt dadurch spürbar zur Geltung .

Insgesamt ist Dunkirk ein atmosphärisch und inszenatorisch gelungener Film, der sich einem stark überlaufenen Thema widmet und für Nolan untypisch wenig Pathos zeigt.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Musik: Gabriel Yared
Darsteller: Christopher Nolan, Hans Zimmer, Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Harry Styles, Aneurin Barnard, James D’Arcy, Barry Keoghan, Kenneth Branagh, Cillian Murphy, Mark Rylance, Tom Hardy

Bewertung

Bewertung_7

26th Aug2017

Der Geschmack von Rost und Knochen (2012) | Filmkritik

von Michael Diederich

Der Geschmack von Rost und Knochen

Ali (Matthias Schoenaerts) lebt mit seinem Sohn Sam an der Armutsgrenze und fährt mit dem Zug nach Antibes, um dort Unterstützung von seiner Schwester Anna zu erhalten. Diese lebt selbst von abgelaufenen Lebensmittel, die sie nach ihrer Arbeit als Kassiererin aus dem Supermarkt mitgehen lässt. Dennoch bietet sie den beiden ihre Hilfe an und lässt Vater und Sohn bei sich wohnen. Ali hat früher einmal einige Boxkämpfe als Amateur absolviert, ehe sein Trainer starb und seine Karriere schon wieder vorbei war bevor sie wirklich begann.

dergeschmackvonrostundknochen_1 Nun verdient er seinen Lebensunterhalt als Türsteher in einem angesagten Club der Stadt. Dort lernt er Stephanie (Marion Cotillard) kennen, die gerade von einem Gast geschlagen wurde. Sie dressiert ausgewachsenen Wale und bringt ihnen kleine Tricks bei. Außerdem verdient sie sich ihr Geld durch Shows in der Stadt Antibes. Bei einer Vorführung springt einer der Wale auf die Erhebung, wo Stephanie sich gerade umschaut. Dabei wird sie schwer verletzt und Ali erfährt von dem Unfall im Fernsehen. Beide lernen sich genauer kennen und es beginnt eine durch Rückschläge geprägte Freundschaft, die vielleicht sogar etwas mehr als nur dies sein könnte.

Der Geschmack von Rost und Knochen ist ein französisches Drama von Jacques Audiard aus dem Jahr 2012. Der Regisseur ist dem allgemeinen Filmpublikum zwar eher unbekannt, dennoch ist er auf der europäischen Bühne sehr erfolgreich durch Filme wie Ein Prophet (2009) und Der wilde Schlag meines Herzens (2005).

dergeschmackvonrostundknochen_2 Sein Filmdrama über die zwei Figuren Ali und Stephanie ist in vielerlei Hinsicht empfehlenswert. Zuerst einmal ist die Handlung so außergewöhnlich und vielschichtig, dass es ein Wunder ist, weshalb der Film dem breiten Filmpublikum nicht geläufiger ist. Die Geschichte eines gescheiterten Boxers und einer Dompteurin, die durch einen schweren Unfall auf andere Hilfe angewiesen ist, klingt zunächst nicht unbedingt außergewöhnlich und erinnert ein wenig an die ebenfalls französische Filmkomödie Ziemlich beste Freunde (2011). Allerdings sind die Figuren und einige Sequenzen realistisch, glaubwürdig und derart interessant, sodass die eigentliche Handlung enorm aufgewertet wird.

Jedes Handeln der Akteure wirkt nachvollziehbar und trotz ihrer Schwächen entwickelt der Zuschauer eine gewisse Sympathie für die beiden Hauptfiguren. Getragen wird der 122 minütige Film durch seine zwei hervorragend aufspielenden Hauptdarsteller. Marion Cotillard überzeugt wieder einmal, wie in den meisten ihrer Filme, und mimt eine junge Frau, die nach einem tragischen Unfall erst einmal wieder neue Ordnung und neuen Lebensmut finden muss. Dies tut sie mit einer derart großen Überzeugung und Authentizität, dass die anderen Figuren in den Hintergrund geraten.

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Die schauspielerische Leistung des belgischen Schauspielers Matthias Schoenaerts ist in vielerlei Hinsicht eine Überraschung, denn auf Augenhöhe mit der Hollywood erprobten Cotillard aufspielen zu können, zeigt, dass er durchaus Talent für eine längere Filmkarriere hat. Seine Rolle ist glaubhaft umgesetzt und auch wegen seiner körperlichen Präsenz sehenswert. Des Weiteren ist die Chemie zwischen den Hauptdarstellern so stimmig, dass die Geschichte selbst in den ruhigen Momenten immer noch interessant und fesselnd ist.

Ein negativer Aspekt des Films ist leider sein langsames Vorankommen im Mittelteil, in welchem einfach zu wenig passiert. Die eigentliche Handlung gerät hier ein wenig in den Hintergrund.

Allerdings ist es nicht weiter bedeutend, denn so bekommen die Figuren etwas mehr Tiefe und der Zuschauer hat die Möglichkeit noch mehr in die Gefühlswelt der Protagonisten einzutauchen. Ein weiterer, gelungener Aspekt sind dafür die wunderschönen Bilder von Kameramann Stephane Fontaine (72 Stunden). Diese geben der Geschichte an zahlreichen Stellen die nötige, atmosphärische Dichte und die Sonnenstrahlen der Cote d`Azur wirken effektiv und geschickt inszeniert. Außerdem überzeugt der Soundtrack von Alexandre Desplat (Grand Budapest Hotel) durch eine stets passende musikalische Untermalung. Positiv ist ebenfalls der spannende Anstieg der Handlung gegen Ende des Films anzumerken, durch welche die Schlussminuten deutlich zu überzeugen wissen.

Schlussendlich ist Der Geschmack von Rost und Knochen ein atmosphärisch dichtes Drama, welches durch seine beiden stark aufspielenden Hauptdarsteller unbedingt zu empfehlen ist.

Cast & Crew

Regie: Jacques Audiard
Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Marion Cotillard, Matthias Schoenaerts, Armand Verdure, Corinne Masiero, Céline Sallette

Bewertung

Bewertung_7

14th Aug2017

John Wick: Kapitel 2 (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

John Wick: Kapitel 2

Die Fortsetzung John Wick: Kapitel 2 beginnt direkt actiongeladen mit einer Verfolgungsjagd durch die New Yorker Innenstadt. Ein Motorradfahrer versucht vor einem unbekannten Autofahrer zu entkommen. Dieser jagt ihn durch mehrere Blocks, ehe er das Motorrad rammt und den Motorradfahrer außer Gefecht setzt. Ein dunkel gekleideter Mann steigt aus und entwendet dem Fahrer des Motorrads eine mysteriöse Karte.

johnwick2_1 Diese ist die Eintrittskarte für eine Werkstatt, in welcher gestohlene Autos verkauft werden. Der Besitzer des Ladens ist Abram Tasarov, dessen Bruder und Neffe im ersten Teil vom Auftragskiller John Wick (Keanu Reeves) getötet wurden. Der dunkel gekleidete Autofahrer entpuppt sich als Wick ,welcher auch sogleich alle Mitarbeiter der Werkstatt ausschaltet und sich scheinbar mühelos bis zu Abram durchkämpft. Doch anstatt auch ihn zu erledigen, schließt Wick mit ihm Frieden und nimmt lediglich seinen so geliebten Wagen, der verkauft werden sollte, wieder mit. Zuhause kleistert er die Waffengrube zu, um seinem alten Leben endgültig ein Siegel aufzusetzen.

Gerade als die Grube verschlossen ist klingelt es an seiner Haustür. Ein alter Bekannter namens Santino D` Antonio (Riccardo Scamarcio) bittet ihn darum einen Auftrag auszuführen. Vor einigen Jahren hat John Wick seine Schuldmünze bei Santino eingelöst, damit er in den Ruhestand gehen kann. Wick lehnt jedoch ab seine Schuld zu begleichen, woraufhin Santino das Haus mit einem Granatwerfer zerlegt. Im Continental, dem Quartier der Killer, wird John von seinem Boss bestätigt, dass er seinen Schwur einlösen und für Santino einen allerletzten Auftrag erfüllen muss.

Ein letztes Mal kehrt Wick in sein altes Leben zurück, um endgültig seinen Frieden finden.

johnwick2_2 John Wick: Kapitel 2 ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahre 2017. Die Regie übernahm Chad Stahelski, der bereits in John Wick, dem ersten Teil der Reihe, mit David Leitch auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte. Der erste Teil profitierte von einer gewissen Marktlücke, da es wenige wirklich gut durchdachte Actionfilme dieser Art gab. In den meisten Filmen, in dem ein Mann einer Schar von Gangstern ausgesetzt ist und alle nacheinander ausschaltet, ist ein Minimum an Logik und Realitätsbezug vorhanden. John Wick aus dem Jahr 2014 widersetzte sich diesem bekannten Muster und lässt seinen Killer gegen alle im Alleingang antreten und beachtet dabei grundlegende Logik beim Nachladen und bei Verletzungen des Protagonisten.

Dieses Schema ist am ehesten mit dem französischen Actionfilm 96 Hours vereinbar, wo Hauptdarsteller Liam Neeson auf der Jagd nach den Entführern seiner Tochter eine Vielzahl von Männern tötet. Das große Manko an John Wick war damals die Story sowie die Sympathie der Hauptfigur. Der zweite Teil leidet unter denselben Problemen. Ein Killer, der in den Ruhestand gehen möchte und doch wieder aktiv werden muss, ist nicht besonders intuitiv. Außerdem ist die Hauptfigur weder sympathisch noch unsympathisch, was eine gewisse emotionale Distanz beim Zuschauer hervorruft.

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Ein weiterer Kritikpunkt ist der Grat zwischen Ernst und Humor. Es ist nicht wirklich klar, ob sich der Film selbst ernst nimmt oder ob die Geschichte mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Dieser Aspekt löst eine kleine Verwirrung aus. Insgesamt versucht der zweite Teil der Reihe ernster zu wirken als sein Vorgänger. Die meisten Figuren sind sehr oberflächlich und dünn gezeichnet. Dennoch zeigt John Wick: Kapitel 2 eine sehr stark überzeichnete Vision der Untergrundorganisationen. Es ist hierbei interessant zu beobachten, dass selbst die brutalsten Killer noch sogenannte „Spielregeln“ einhalten müssen und verdeckt operieren.

Der Kern des Films liegt bei den weiterhin großartig choreografierten Actionsequenzen. Es ist außerordentlich unterhaltsam, die handwerkliche Stärke dieser zu beobachten. Für meinen Geschmack ist die Geschichte jedoch zu dünn, um jeder Szene absolute Aufmerksamkeit zu schenken. Die Länge des Films ist mit über zwei Stunden ein weiteres Problem. Bei einer derart schmalen Handlung hätten die grandiosen Actionsequenzen noch mehr gewirkt, wenn sie nicht überstrapaziert worden wären. Hierbei wäre weniger vielleicht die bessere Variante gewesen. Demgegenüber steht der betont düstere Look. Die gesamte Optik des Films ist gelungen und auch die Handlungsorte bieten so einige Höhepunkte.

Besonders die Szenen in Italien sind unterhaltsam. Schauspielerisch überzeugt Keanu Reeves wieder einmal in seiner Rolle als eindimensionaler Auftragskiller. Die Stärken sind seine physische Präsenz und sein gezeichneter Gesichtsausdruck. Er ist passt einfach perfekt in der Rolle des Auftragskillers John Wick. Gelungen ist auch die Schauspielkunst des amerikanischen Rappers Common, der zuletzt in Selma oder Suicide Squad zu sehen war. Die Duelle zwischen ihm und Wick bieten gute Unterhaltung.

Insgesamt ist John Wick: Kapitel 2 ein unterhaltsamer Actionfilm, der trotz seiner dünnen Handlung und dem Makel der Ernsthaftigkeit dank seiner visuellen Schauwerte sehenswert ist. Die Erwartungshaltung sollte jedoch nicht allzu hoch sein, denn er ist kein Meilenstein der Filmgeschichte und bedeutend schlechter als sein Vorgänger.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad
Musik: Tyler Bates, Joel J. Richard
Darsteller: Keanu Reeves, Common, Laurence Fishburne, Riccardo Scamarcio, Ruby Rose, John Leguizamo, Ian McShane

Bewertung

Bewertung_6

10th Aug2017

Planet der Affen: Survival (2017) | Filmkritik

von Michael Diederich

Planet der Affen: Survival

Der Affe Caesar (Andy Serkis) lebt mittlerweile mit seinen engsten Vertrauten in einem abgelegenen Wald. Vor einiger Zeit kämpfte er noch gegen seinen Artgenossen Koba, welcher einen Krieg gegen die Menschen forderte, den Caeser jedoch mit aller Macht verhindern wollte.

planetderaffensurvival_1 Die Menschen experimentierten vor vielen Jahren mit den Affen, um medizinische Mittel zu testen. Als Nebenwirkung wurden die Probanden intelligenter. Außerdem brach die sogenannte Affen-Grippe aus, die auf Seiten der Menschen viele Todesopfer forderte. Die Menschen gaben den Affen die Schuld und Koba wollte Rache an ihnen nehmen. Allerdings wollte Caesar keinen Krieg, doch das Militär, angeführt von einem Soldaten namens Colonel (Woody Harrelson), plant einen Angriff auf ihn und seinesgleichen.

Unter den Soldaten sind auch „Donkeys“, die bereits Koba unterstützten und nach seinem Tod auf die Seite der Menschen wechselten. Der Virus ist mittlerweile mutiert. Die Infektion hat einen Verlust der Sprache als Symptom. Die entscheidende Frage: Werden Affen oder Menschen überleben. Ein Krieg ist unausweichlich!

Planet der Affen: Survival ist der dritte Film der neuen Planet der Affen-Reihe. Insgesamt ist es der neunte Film, der auf dem Roman von Autor Pierre Boulle aufbaut. Die Regie übernahm wie bereits beim Vorgängerfilm Planet der Affen: Revolution (2014) Matt Reeves.

planetderaffensurvival_2 Das Thema des neuen Films ist der androhende Krieg zwischen den Menschen und den Affen. Allerdings sind kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien Mangelware. Die einzig wahre Schlacht beider Lager findet direkt am Anfang statt. Die Kamera fährt in einem Waldgebiet von hinten über die Köpfe der Soldaten und in kurzer Distanz soll sich ein Stützpunkt der Affen befinden. Atmosphärisch brillant sind diese ersten zehn Minuten. Die Actionszenen sind wunderbar und der Einstieg in den Film ist definitiv geglückt.

Bei dem Originaltitel War of Planet of the Apes hätte man insgesamt jedoch einen weitaus größeren Krieg der Rassen erwartet. Dieser erste Eindruck täuscht jedoch, denn im dritten Teil der neuen Reihe geht es vielmehr um die psychologische Auseinandersetzung zwischen den Menschen und den Affen – dem „Survival“. Die gesamte Stimmung ist anfangs erdrückend und intensiv. Nach der ersten Stunde verliert sich der Film ein wenig und einige Längen strecken die Intensität. Diese Längen und die zu gefühlvolle Inszenierung senken den Unterhaltungsfaktor erheblich. In diesem Fall wäre eine kürzere und actionreichere Version die bessere Alternative gewesen.

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Dennoch ist der Ansatz, der von Regisseur Matt Reeves gewählt wurde, kein grundlegend schlechter. Seine Vorstellung, den Konflikt zwischen den Menschen und den Affen auf psychologischer Ebene stattfinden zu lassen, gibt mehr Raum für Gefühle. Dies wird mit kleinen Szenen dargestellt, in denen beide Spezies Verständnis, Wut und Neugierde gegeneinander empfinden. Diese Herangehensweise ist in den Zeiten, in denen Blockbuster über einen gewissen Unterhaltungsfaktor verfügen müssen, eher untypisch. Die Langatmigkeit ist hierbei jedoch etwas überstrapaziert worden, denn in der Mitte des Films ist es schwer allen Figuren die benötigte Aufmerksamkeit zu schenken.

Demgegenüber sind die visuellen Werte herausragend. Die Affen sehen fantastisch aus und das gesamte Set wirkt groß, aufwändig und wunderschön. Alle Bilder sind schön und in der Natur gedreht, so sieht es zumindest aus. Schauspielerisch ist die physische Präsenz der gesamten Crew hervorzuheben, denn die Bewegungen der Affen wirken erneut realistisch und nachvollziehbar. Auf Seiten der Menschen liegt der Fokus auf Woody Harrelson und seiner Interpretation eines Militär-Bosses, der den Sieg der Menschen und die Versklavung der Affen fordert. Er spielt seine Rolle glaubwürdig und packend. Seine Spielzeit ist allerdings in den 140 minütigen Filmen zu kurz geraten,, denn seine Figur hätte noch etwas mehr ausgeschmückt werden können. um eine stärkere Bindung zum Zuschauer zu etablieren.

Insgesamt ist Planet der Affen:Survival ein bildgewaltiges Spektakel, welches stimmungsvoll inszeniert wird, jedoch durch dramaturgische Längen und etwas zu viel Gefühl dem Originaltitel nicht gerecht wird. Die Kampfszenen zwischen Menschen und Affen hätten ruhig häufiger sein können, denn der Krieg beider Parteien findet eher auf geistiger Ebene statt. Dennoch ist Planet der Affen:Survival ein gelungener Film, der eine Empfehlung wert ist und die Reihe gekonnt fortsetzt.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Matt Reeves, Mark Bomback
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn, Karin Konoval, Terry Notary, Toby Kebbell, Amiah Miller

Bewertung

Bewertung7

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