26th Nov2017

Song to Song (2017) | Filmkritik

von

Song to Song

Kann Musik unser Leben beeinflussen? Vermutlich ist in der heutigen Zeit die richtige Melodie zur richtigen Zeit einfach unersetzlich. Wie sollte man sich sonst erklären, dass man nirgendwo hingehen kann, ohne Kopfhörer zu tragen, die einen mit dem Soundtrack des Lebens versorgen?

songtosong_1 Im klangvollen und ausdrucksstarken Machwerk von Terrence Malick folgen wir jenen Menschen, die nicht nur durch Musik Leben, sondern mit ihr verbunden sind. Dabei konfrontiert uns das zweistündige Machwerk mit unseren Seh- und Hörgewohnheiten. Star besetzt mit dem, was in Hollywood Rang und Namen hat, wird hier ein Reigen bekannter Gesichter geboten. Doch was ist mit der Geschichte?

Es geht um Liebe, soviel steht fest. Die sensible Faye (Rooney Mara) träumt von der großen Karriere als Musikerin. Sie trifft auf BV (Ryan Gosling), der sich Hals über Kopf in die zarte Dame verliebt. Doch das Glück währt nicht ewig. Es bahnt sich nämlich eine Dreiecksgeschichte mit Musikproduzent Cook (Michael Fassbender) an.

Statt sich nun als Rivalen zu betrachten, verbrüdern sich die beiden Herren sogar und pflegen eine innige Freundschaft. Dass es trotzdem zum Tauziehen um das Herz der jungen Faye geht, steht außer Frage. Als dann noch die Tatsache hinzukommt, dass Cook über die kreativen Rechte BVs bestimmt, kommt es endgültig zum Bruch der beiden Schönlinge.

songtosong_2 So recht kann aber auch Cook nicht in Monogamie leben. Er lacht sich die Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) an. Die sich derart von der herrischen Art Cooks unterdrücken lässt, dass sie sogar einen Dreier mit Faye nicht ablehnt. Ein Tabu, dass für BV unerträglich ist und er anschießend das Weite sucht. Natürlich ist er nicht lange allein und tröstet sich mit der etwas reiferen Amanda (Cate Blanchett). Wer bei diesem Bäumchen-Wechsel-Dich noch mitgekommen ist, erlebt hier eine etwas kostspieligere Telenovela. Quasi ein nettes „Wer mit Wem?“.

So ziehen sich die Protagonisten im Wechsel mal an, mal stoßen sie sich wieder ab. In teuren Luxushäusern mit viel Geld und Prunk wird trotzdem wenig königlich gelebt. Drogen, Sex und Sucht bestimmen hier das Geschehen. Lust und Verlangen statt echter Liebe und Vertrauen. Scheinbar scheint jede Form von Nähe und Beziehung nicht von Dauer zu sein, da keiner der Protagonisten dazu fähig ist. Fast scheint es, als würden sie schon auf den unabwendbaren Schmerz hoffen.

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Das von Stars gespickte Ensemble verstrickt sich leider in einen fast wahnsinnigen Rausch aus Bildern, Weitwinkelperspektiven, die viel zu dicht am Geschehen kleben und einem Monolog, der aus dem Off über die scheinbare Handlung gelegt wird. Das alles ermüdet das Auge und den Geist. Kein Satz, der hier beendet wird oder nicht durch gefühlte zwanzig Schnitte verstümmelt wurde. Die Personen springen eifrig von Szene zu Szene und die fehlende Struktur macht das Geschehen zu einer Mischung aus Improvisationstheater und einem überlangen Musikvideo.

Wie in Trance tänzeln, wandeln, hoppeln und kriechen die Tragikhelden des Films über die Leinwand, unfähig auch nur einmal etwas normales zu tun oder zu sagen. Stattdessen wird im Stakkato serviert, ungeachtet, ob der Zuschauer noch Lust und Laune hat, diesem seltsamen Treiben noch zu folgen. Ryan Gosling (La La Land) und Michael Fassbender (Alien: Covenant) spielen zwar mit Emotionen und Gesten, werden aber eher dokumentarisch festgehalten und sind teils mit der Situation unter- oder überfordert.

Der Drang, hier ein großes Kunstwerk schaffen zu wollen oder zu müssen, zerstört die dünnhäutige Handlung immer wieder. Das Gesehene verkommt zur Reizüberflutung, wenn über einen Dialog noch ein innerer Monolog gelegt wird, der Sprechblasen ausstößt, wie sie nur jemand von sich geben kann, wenn er so richtig high ist. Treffend wird das sogar mit dem Konsum von Magic Mushrooms gezeigt, wenn Michael Fassbender und Natalie Portman (Knight of Cups) kaum noch in der Lage sind, gerade zu stehen oder einen Satz mit Sinn und Verstand herauszubekommen.

Das hinterlässt ein sehr gespaltenes Bild. Zum einen ist man erleichtert, wenn endlich der erlösende Abspann über den Bildschirm flimmert, zum anderen ist man enttäuscht, dass die illustre Besetzung nichts besseres abliefern konnte oder durfte.

Der intellektuelle Feuilleton jedenfalls mag sich die Hände reiben und eingestehen, dass hier ein großes Häufchen Kunst gepflanzt worden ist, gespickt mit Sehnsucht, Liebe und großer Gefühlsduselei. Für einen Kinogänger mit dem Verlangen nach der Einheit von Zeit, Raum und Handlung wird es zu einer langatmigen Geduldsprobe. Aber mit der Kunst ist es genauso wie mit Oliven, es ist eine Geschmackssache.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Darsteller: Michael Fassbender, Ryan Gosling, Rooney Mara, Natalie Portman, Cate Blanchett, Lykke Li, Val Kilmer

Bewertung

Bewertung_3

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