20th Sep2016

Findet Dorie (2016) | Filmkritik

von

Findet Dorie

Einmal Luft anhalten und abtauchen bitte! Eine fröhliche blau-gelbe Doktorfisch-Dame und ein ganz bestimmter kleiner orangener Fisch haben ihren Weg zurück auf unsere Kinoleinwände gefunden. Dreizehn Jahre nach dem Disney-Pixar Hit Findet Nemo begleiten wir Dorie, Marlin und Nemo auf einem weiteren Abenteuer quer durch die Ozeane.

In Findet Dorie kehren wir ins Meer zurück und ergründen Dories Vergangenheit – von der die junge Fisch-Dame ohne Kurzzeitgedächtnis etwa genauso viel weiß wie wir. Der Film spielt ein Jahr nach der aufregenden Suche nach dem kleinen Clownfisch, und Dorie lebt inzwischen zusammen mit Marlin und seinem Sohn Nemo im Korallenriff. Doch irgendwas fehlt. Zwar ist Dorie glücklich mit ihrer neuen Familie, aber etwas sagt ihr, dass ihre richtige Familie noch irgendwo im Meer ist und vielleicht schon längst nach ihr sucht. In kurzen Geistesblitzen fallen ihr immer wieder Erinnerungen aus ihrer Kindheit ein, und so begibt sie sich zusammen mit den beiden Clownfischen auf die Suche nach ihren Eltern. Ihre Reise führt das Trio durch den ganzen Ozean bis hin zum berühmten Meeresbiologischen Institut in Kalifornien.

Unterwegs lernt Dorie die verschiedensten Charaktere kennen. Allen voran der mürrische Oktopus Hank – nach einem Unfall mittlerweile nur noch als Sektopus unterwegs. Hank stellt das komplette Gegenteil Dories dar und ihm liegt nichts ferner als sein gemütliches Institut zu verlassen, um auf irgendwelche unvorhersehbaren Abenteuer zu gehen. Trotzdem ergänzen sich beide perfekt und Hank wird zu Dories Komplizen. Dann sind da noch der Beluga Bailey, der glaubt dass sein Echolot kaputt ist, und das extrem kurzsichtige Walhaimädchen Destiny. Zusammen wächst das ungleiche Team über sich hinaus und trotzt allen Herausforderungen auf der Suche nach Dories Familie.

Als lustiger Sidekick Marlins in Findet Nemo wurde Dorie 2003 schlagartig zum absoluten Publikumsliebling. Aus dem Disney Franchise sind die bunten Fische nicht mehr wegzudenken, Clownfische und Doktorfische sind längst nur noch unter den Namen der Charaktere bekannt. Klar hat eine so große Fangemeinde auch Fragen. Nemos Geschichte kennen wir. Aber was ist mit Dorie? Viel erfahren wir im ersten Film nicht. Ganz allein schwamm sie durchs Meer als sie zum ersten Mal auf Marlin traf. Aber wo kam sie her? Wo wollte sie hin? Warum war sie allein? Das fragten sich die Zuschauer – und nun auch Dorie selbst.

Trotz des ähnlichen Titels und der selben Charaktere ist Findet Dorie keine Neuauflage des ersten Films. Dorie hat ihre ganz eigene Geschichte bekommen, die kaum mit der von Nemo zu vergleichen ist. Aufgrund der Verknüpfung der Handlungen wird ab und an auf die Geschehnisse aus Findet Nemo eingegangen, aber auch nur wirklich dann wenn es für Dorie wichtig ist. Im Gegensatz zum ersten Film ist Findet Dorie auch kein Road Movie. Relativ schnell spült uns ein Meeresstrom nach Kalifornien, wo der größte Teil der Handlung spielt. Nemo und Marlin stehlen Dorie ebenfalls nicht die Schau. Wie der kleine blaue Fisch im ersten Teil, so sind die beiden Clownfische jetzt Nebencharaktere. Aber keine Angst, auch die beiden haben alle Flossen voll zu tun sich durch spannende und gefährliche Situationen zu manövrieren.

Ein ganz großes Plus verdient der Film für seine emotionale Tiefe. Gerade Dorie, die im ersten Film noch als lustiger Nebencharakter etwas eindimensional neben der Hauptgeschichte schwamm, wurde ganz neu erfunden – ohne sie dabei neu zu erfinden. Wir erfahren warum Dorie so ein fröhlicher und nahezu grenzenloser Optimist ist. Sie lebt im Hier und Jetzt. Ohne die Fähigkeit sich an die meisten Dinge zu erinnern, bleibt ihr auch nichts anderes übrig. Doch gerade wenn sie sich dann doch mal kurz erinnert, verblasst die Freude für einen Moment und wir sehen eine andere Dorie. Sie ist nachdenklich, frustriert, verängstigt. Aber so schnell wie sie kamen, vergisst die Fisch-Dame diese schlechten Gefühle auch wieder und kehrt zurück zu ihrem fröhlichen Selbst.

Ähnlich ist es mit den verschiedenen Persönlichkeiten, die sie auf ihrer Reise trifft. Jeder hat sein Köfferchen zu tragen, aber keiner lässt sich davon unterkriegen. Neben der Wichtigkeit von Familie und Freundschaft stellt Findet Dorie auch den Glauben an sich selbst ganz weit in den Vordergrund. Diese emotionale Tiefe verleiht dem Titel des Films fast schon eine philosophische Ebene. Aber das zu diskutieren überlasse ich dann doch lieber den Geisteswissenschaftlern.

Regie führte, wie auch schon beim ersten Film, Andrew Stanton (WALL-E). In den vergangenen 13 Jahren ist viel passiert. Vor allem die rasante technische Entwicklung im Animationsbereich eröffnete den Filmemachern neue Möglichkeiten, stellte sie aber gleichzeitig auch vor Herausforderungen. Wie schafft man es neue Technologien voll auszuschöpfen ohne dabei das Bekannte zu verfremden? Nemo und Co bekamen ein Update, oberste Prämisse blieb jedoch, dass man die Publikumslieblinge keinesfalls entfremden sollte. Intensive Recherche im Montery Bay Aquarium, zahlreiche Experten und nicht zuletzt große Aquarien in den Büros halfen den Animatoren, die atemberaubende Unterwasserwelt noch realistischer darzustellen.

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Besonderer Wert wurde im neuen Film auf Licht und Lichtbrechung gelegt. Das offene Meer, Pflanzenwälder unter dem Meeresspiegel, große Aquarien und Tanks, bis hin zum Eimer und einer Kaffeekanne: Geschwommen wurde überall und dank modernster Technik und sorgfältiger Animation konnte sich jeder Fisch im besten Licht präsentieren.

Zwei kleine Kritikpunkte bilden in meinen Augen jedoch die raschen Wechsel zwischen den verschiedenen Handlungsorten und die Länge einiger Szenen. Die meiste Zeit begleiten wir Dorie auf ihrem Abenteuer, was größten Teils im Meeresbiologischen Institut stattfindet. Parallel dazu haben Marlin und Nemo aber ihre ganz eigenen Probleme und Schauplätze. Und wenn wenn wir dann noch während einer ihrer Geistesblitze zurück in Dories Kindheit reisen, dann wünscht man sich gelegentlich doch Hilfe durch Baileys Echolot, um zu Orten wo man denn eigentlich gerade ist.

Nachdem Dorie auf das Walhaimädchen Destiny trifft ist es fast nicht zu vermeiden, dass Dorie ihre – wie ich neidlos zugeben muss – außerordentlichen Walisch Kenntnisse zum Einsatz bringt. Ein Running Gag, der schon aus dem ersten Teil bekannt ist und nach dem Erfolg von Findet Nemo in vielen Familien sicher zur zweiten Amtssprache wurde. Leider darf man es mit der Sprache nicht übertreiben, sonst kippt sie schnell ins Nervige. Vor allem dann, wenn sich in den Dialogen wischen Dorie und Destiny noch wichtige Informationen für die Handlung verstecken. Aber das sind, wie gesagt, nur kleine Kritikpunkte die dem Film kaum schaden.

Sowohl im amerikanischen Original als auch in der deutschen Synchronisation konnten die Filmemacher auf ein starkes Ensemble zurückgreifen. Ellen DeGeneres (The Ellen DeGeneres Show) und Albert Brooks (Pets) kehrten für die englische Version als Dorie und Marlin zurück, und auch Anke Engelke (Die Simpsons) und Christian Tramitz (How I Met Your Mother) tauchten nochmal ab und liehen den Fischen erneut ihre deutschen Stimmen.

Wo man im Spielfilmbereich gern mal über deutsche Synchronisation stöhnt, da gewinnt der Animationsfilm. Der Film spielt mit Dialekten und Slangs (“Duuude.”), die einen im Kino mehr als einmal laut lachen lassen. Wie genau der bayrische oder österreichische Dialekt an die Küste Kaliforniens gespült wurden weiß ich nicht, aber die Lacher waren es wert.

Neben den Sprechern aus dem ersten Film gesellen sich auch neue Stimmen zum Ensemble. Als Lautsprecherstimme hat Deutschlands persönlicher Goldfisch Franziska van Almsick einen Cameoauftritt und die drei YouTuber Aaron Troschke (Hey Aaron!!!), Julian Hannes (JARLOW), und Amir Yarahi (Kurono) leihen Bewohnern eines Touch Pools ihre Stimme.

Findet Dorie ist eine gelungene Fortsetzung und – man kann es nicht laut genug sagen – keine schnöde Wiederholung der Geschichte des ersten Films. Dorie hat verdient ihr eigenes Abenteuer bekommen und meistert es mit Bravour. Moderne Technik lässt die bekannte Unterwasserwelt in neuem Licht erstrahlen, ohne dass dabei der Charme des ersten Teils auf der Strecke bleibt. Ein wunderschöner Familienfilm mit emotionalen Tiefgang.

Cast & Crew

Regie: Andrew Stanton, Angus MacLane
Drehbuch: Andrew Stanton
Musik: Thomas Newman
Stimmen: Ellen DeGeneres, Albert Brooks, Hayden Rolence, Diane Keaton, Eugene Levy, Ty Burrell, Kaitlin Olson, Ed O’Neill, Willem Dafoe
Deutsche Stimmen: Anke Engelke, Christian Tramitz, Roland Hemmo, Udo Wachtveitl

Bewertung

Bewertung_9

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