02nd Mrz2012

John Carter – Zwischen zwei Welten (2012) | Filmkritik

John Carter

Hauptmann John Carter (Taylor Kitsch) hat im Krieg alles verloren. Die Konföderation konnte den Amerikanischen Bürgerkrieg nicht gewinnen und als er nach etlichen Jahren endlich in seine Heimat Virginia zurückkehrt, muss er feststellen, dass seine Familie und Hof nicht mehr existieren. Von Trauer erfüllt wandelt der Kriegsveteran fortan durch die Lande auf der Suche nach Gold.

John Carter (Taylor Kitsch) Als er eines Tages in einer Höhle eine riesige Goldader entdeckt, taucht unerwartet eine übersinnliche Person auf, welche sich sofort auf John Carter stürzt. In einem Kampf um Leben und Tod gewinnt der ehemalige Konföderierte die Oberhand und gelangt in den Besitz eines ungewöhnlichen Amuletts. Mit letzter Kraft spricht die geschlagene Kreatur einige magische Worte und John Carter gerät plötzlich in einen tobenden Strudel.

Als er aufwacht, weiß er nicht wo er ist und was passiert ist. Einöde und austrocknende Meere beherrschen das Bild und doch finden sich überall Reste alter Zivilisationen. Als überraschend grünhäutige Wesen mit vier Armen auftauchen und ihn gefangen nehmen, erkennt er, dass er nicht mehr auf der Erde ist. Er befindet sich auf dem Mars. Von den Thark, wie sich diese Wesen nennen, in Gefangenschaft gehalten muss sich Carter von nun an in Kämpfen beweisen, da er mit übermenschlichen Kräften gesegnet scheint, welche aus der geringeren Gravitation auf dem Mars resultieren. Schnell steigt er in den Rängen der Thark auf und sucht fortan nach einer Möglichkeit der Rückkehr zur Erde.

Doch als er zwischen die Fronten der Städte Helium und Zodanga gerät, welche ihren Bürgerkrieg direkt vor den Toren der Thark austragen, trifft John Carter auf Prinzessin Dejah Thois (Lynn Collins), eine menschen-ähnliche rothäutige Marsianerin. Diese wird von ihrem König in eine Ehe mit dem Feind gezwungen und soll durch diesen Bund die Kämpfe beenden. Sie verspricht Carter die Rückkehr zu seinem Planeten, wenn er ihr Hilft den Krieg anderweitig zu beenden.

1917 veröffentlichte Edgar Rice Burroughs sein erstes Werk unter dem Namen „Die Prinzessin vom Mars“ (Originaltitel: „A Princess from Mars“). Der Autor, welcher zudem für seine Bücher über den Waisenjungen Tarzan bekannt wurde, schuf mit seinem Erstling eine grandiose Mischung aus Science Fiction und Fantasy und wurde trotzdem von den Kritikern gehasst. Doch gerade wegen der innovativen Ansichten inspirierten die Bücher über John Carter zahllos Autoren und viele Ideen wurden in anderen Werken verwirklicht. So haben sich zum Beispiel George Lukas mit Star Wars und James Cameron mit Avatar stark von den Geschichten über John Carter vom Mars inspirieren lassen.

Dejah Thoris (Lynn Collins, Mitte) in ihrem Hochzeitsgewand Fast hundert Jahre später wurde dieses Epos nun endlich von Regisseur Andrew Stanton auf die Leinwand transportiert. Andrew Stanton konnte sich bisher mit den Filmen Das große Krabbeln, Findet Nemo, WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf, der Pixar Animation Studios, einen Namen machen. Bei diesen wirkte er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor mit. Mit John Carter – Zwischen zwei Welten wagt er nun seine ersten Schritte mit einer echten Kamera und wurde gleich mal mit einem Budget von 250 Millionen Dollar ausgestattet.

Die Einöde von Barsoom, wie der Mars von seinen Ureinwohnern genannt wird, erinnert stark an Filme wie Dune – Der Wüstenplanet oder Star Wars, kann aber auf seine ganz eigene Art und Weise faszinieren. Dabei kommen besonders die hervorragend animierten Wesen der Thark, welche mit ihren vier Armen und ihrer grünen Haut vom Zuschauer nie als künstlich angesehen werden, besonders zum tragen. Man hätte sich nicht gewundert, wenn ein solches Wesen direkt neben einem im Kinosessel gesessen hätte. Mit ihrer Lebensweise in den alten Ruinen und ihrer Kultur wecken sie direkt außerordentliches Interesse beim Zuschauer.

Tal Hajus (Thomas Haden Church) Aber nicht nur die Wesen Barsooms sind atemberaubend animiert, auch der Rest weiß zu überzeugen. Ob es gewaltige Fluggeräte sind, welche sich in enormen Schlachten unter Beschuss nehmen, oder die pompöse Stadt Zodanga, welche sich unerschöpflich durch die Wüsten des Planeten bewegt – es sieht einfach alles überwältigend aus.

Leider kam Walt Disney Pictures auf die glorreiche Idee, den Film nachträglich in 3D konvertieren zu müssen. Den einzigen Effekt den dieser Schritt hat ist, dass das Bild abseits des Fokus verschwommen und unscharf wirkt. Zudem war der Film nie für 3D ausgelegt und so nimmt man den Effekt auch in den wenigsten Szenen wahr. Nach Alice im Wunderland also schon wieder eine lieblose 3D-Konvertierung. Wenn ihr könnt, schaut ihn euch John Carter – Zwischen zwei Welten in 2D an, denn dort tritt die Atmosphäre und Farbenpracht noch einmal um einiges stärker hervor.

When I saw you, I believed it was a sign… that something new can come into this world. – Tars Tarkas

In den Hauptrollen begegnen uns mit Taylor Kitsch (The Bang Bang Club) als John Carter und Lynn Collins (Uncertainty) als Dejah Thoris zwei recht unbekannte Gesichter. Regisseur Andrew Stanton wollte den Zuschauer schnell für seine Charaktere gewinnen, ohne dass diese lange von berühmten Schauspielern abgelenkt werden. Dies gelingt ihm zwar, aber besonders Taylor Kitsch wirkt zu jung, zu schön und zu glatt für die Rolle eines Bürgerkrieg Veterans und man nimmt sie ihm nur schwer ab. Muskeln sind nun mal nicht alles. Auch das Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere, welche sich schon am Set von X-Men Origins: Wolverine begegneten, wirkt zu platonisch und das Liebespaar will man ihnen nicht abkaufen. Obwohl sie ihre Rollen in annehmbarer Manier vermitteln, sind es besonders die Nebendarsteller, welche zu überzeugen wissen.

Dejah Thoris (Lynn Collins) und John Carter (Taylor Kitsch) Allen voran Willem Dafoe und Samantha Morton als CGI-animierte Ureinwohner Tars Tarkas und Sola. Dieses Paar weiß es den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und baut dabei enorme Gefühle für das Schicksal der Charaktere auf. In weiteren Nebenrollen begegnet uns neben dem erneut grandiosen Bryan Cranston auch Mark Strong als böser Übermensch Matai Shang, welcher die Geschehnisse des Universums zu lenken versucht. In dieser Rolle konnte er kaum etwas falsch machen, hat er doch bisher fast nie etwas anderes als den Bösewicht gespielt. In weiteren Rollen begegnen uns Ciarán Hinds, als König von Helium, Dominic West als Prinz von Zodanga und Thomas Haden Church als rivalisierenden Führer der Thark.

Leider kann der Film abseits der großartigen Landschaften und Animationen nur wenig überzeugen. Die Charaktere erfahren fast keine Entwicklung, was aber teilweise auf die Romanvorlage zurückzuführen ist, welche in diesem Punkt ebenfalls schwächelte, und die Story verstrickt sich oftmals in Ungereimtheiten. Doch besonders die Schlachten, nennen wir sie mal lieber Kämpfe, können nicht überzeugen. Die große Stärke des Romans waren seine grandios erzählten Gefechte, im Film werden diese zwar technisch perfekt umgesetzt, sind aber meist viel zu schnell zu Ende oder viel zu chaotisch. Da helfen auch die kryptischen Namen der meisten Marsianer nicht, welche am Anfang des Films jegliche Zuordnung unmöglich machen.

Did I not tell you he could jump! – Tars Tarkas

Zusätzlich konnten sich die Drehbuchautoren nicht für ein Genre entscheiden und so muss John Carter immer wieder Slapstick-Einlagen über sich ergehen lassen, welche manchmal nicht nur fehl am Platz, sondern sogar nervig erscheinen.

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Hätte man nicht einfach die ernste und düstere Art der ersten 20 Minuten beibehalten können? Kaum gelangt man auf den Mars ändert sich auch das Klima in massentaugliche No-Brainer-Action – typisch Disney.

Gott sei Dank behält die Filmindustrie aber das großartige Ende des Romans bei, welches einen über viele Schwächen des Films hinwegsehen lässt.

Zudem gibt es noch eine Unmenge an weiteren Büchern aus der Welt John Carters, bei welchen man die Schwachstellen bei einer möglichen Fortsetzung aufpolieren könnte – ein Erfolg von John Carter – Zwischen zwei Welten vorausgesetzt.

Doch warum lohnt es sich schlussendlich trotzdem den Film anzuschauen? Ganz einfach – weil er unterhält.

Es macht unendlich Spaß John Carter über die grenzenlosen Weiten des Mars‘ zu verfolgen. Die Atmosphäre und Umgebung wirkt so real, dass man sich auf dem Mars direkt wohl fühlt – ja gar heimisch. Und wie gesagt, das Ende entschädigt für viele Schwächen.

Also macht euch bereit, John Carter erwartet euch!

Cast & Crew

Regie: Andrew Stanton
Drehbuch: Andrew Stanton, Mark Andrews, Michael Chabon
Schauspieler: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Samantha Morton, Willem Dafoe, Thomas Haden Church, Mark Strong

Bewertung

Bewertung_7

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