Papamobil – Ein Papst on Tour

Papamobil – Ein Papst on Tour (2025) | Filmkritik

Eine Entführung, die niemand ernst nehmen kann

von Markus Grunwald

Die Entführung eines Papstes durch ein mexikanisches Drogenkartell klingt zunächst nach einer dieser völlig absurden Filmideen, aus denen mit etwas Mut und einem guten Drehbuch eine herrlich schräge Komödie entstehen könnte.

Ein Papst auf Abwegen

Papamobil – Ein Papst on Tour beweist allerdings eindrucksvoll, dass eine absurde Prämisse allein noch lange keinen guten Film ergibt.

Dabei ist die Ausgangslage tatsächlich vielversprechend: Der neue Papst soll zu einer Reise nach Lateinamerika aufbrechen, doch dem Vatikan fehlt das Geld. Eine reiche Mexikanerin erklärt sich bereit, die Reise zu finanzieren. Was zunächst wie großzügige Unterstützung aussieht, entpuppt sich allerdings als Falle.

Denn die Frau gehört zu einem Drogenkartell und lässt den Papst kurzerhand entführen. Blöd nur: Die Gangster haben gar nicht den echten Pontifex erwischt, sondern seinen Doppelgänger.


Der falsche Papst soll nun eigentlich als Druckmittel dienen, doch schnell wird klar, dass bei diesem Film praktisch nichts so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Die Handlung kommt kaum voran, die einzelnen Geschichten wirken völlig wahllos aneinandergereiht und auch der Humor verpufft größtenteils im Nirgendwo.

Wenn einfach gar nichts funktioniert

Irgendwann erfährt man, dass das Geld aus den mafiösen Geschäften von einem Kardinal veruntreut wird. Dazu kommen Verwicklungen rund um Katholizismus, Islam, Drogenhandel und eine äußerst merkwürdige Beziehung zwischen den Figuren. Alles wird miteinander vermischt, ohne dass daraus ein halbwegs stimmiges Gesamtbild entsteht.

Statt einer pointierten Komödie bekommt man dadurch ein erzählerisches Chaos, bei dem man irgendwann kaum noch weiß, worauf der Film eigentlich hinauswill.

Kad Merad zwischen Fußfetisch und Fremdscham

Kad Merad (Willkommen bei den Sch’tis) ist zweifellos ein talentierter Schauspieler. Als falscher Papst bekommt er allerdings kaum Gelegenheit, dieses Talent sinnvoll einzusetzen. Stattdessen muss er sich durch eine Aneinanderreihung zunehmend absurder Situationen kämpfen.

Besonders die Szene, in der der als Papst verkleidete Doppelgänger an Füßen beziehungsweise Zehen herumleckt, dürfte wohl zu den ungewöhnlichsten Momenten seiner Karriere gehören. Lustig ist das allerdings nicht unbedingt. Eher entsteht der Eindruck, dass hier krampfhaft versucht wird, mit möglichst absurden Bildern einen Lacher zu erzwingen.


Auch die übrigen Darsteller können das schwache Drehbuch nicht retten. Vieles wirkt, als würde man ausprobieren, wie weit man eine Geschichte eigentlich auseinandernehmen kann, bevor sie vollständig auseinanderfällt.

Kein Rhythmus und keine Richtung

Besonders auffällig ist der fehlende Rhythmus. Mit gerade einmal rund 83 Minuten Laufzeit sollte Papamobil eigentlich kaum Gelegenheit haben, langweilig zu werden. Trotzdem fühlt sich der Film erstaunlich zäh an.

Verfolgungsjagden schleppen sich in einer geradezu bemerkenswerten Langsamkeit dahin. Szenen werden begonnen, ohne vernünftig zu Ende geführt zu werden, und immer wieder tauchen neue Handlungsstränge auf, die den Film noch unübersichtlicher machen.

Auch die Musikauswahl trägt nicht gerade zur Homogenität bei. Wenn der Papst plötzlich zu Techno tanzt, ist das zwar ein Bild, das man so schnell nicht vergisst, aber eben nicht unbedingt aus den richtigen Gründen.

Vom Chaos zur völligen Eskalation

Je länger der Film läuft, desto absurder wird die Angelegenheit. Eine Sexszene, die scheinbar völlig aus dem Nichts auftaucht, setzt dem ohnehin schon konfusen Treiben schließlich die Krone auf.

Dabei wäre es durchaus möglich gewesen, aus der ungewöhnlichen Ausgangssituation eine bissige Komödie über Religion, Macht, organisierte Kriminalität und die Inszenierung des Papsttums zu machen. Stattdessen werden diese Themen lediglich angerissen und anschließend mit möglichst viel Klamauk vermischt.

Das Ergebnis ist weder eine funktionierende Satire noch eine wirklich unterhaltsame Gangsterkomödie.


Und trotzdem besitzt Papamobil – Ein Papst on Tour eine ganz besondere Qualität: Er ist derart daneben, dass man irgendwann zumindest staunend zusieht. Die Frage „Wie konnte dieses Projekt überhaupt bis zum Ende durchgezogen werden?“ begleitet einen dabei fast ununterbrochen.

Ein Film, der unfreiwillig unterhält

Ein paar Szenen bleiben tatsächlich im Gedächtnis – allerdings weniger, weil sie besonders gut wären, sondern weil man kaum glauben kann, dass sie tatsächlich im Film gelandet sind.

Für eine Komödie ist das allerdings eine ziemlich fragwürdige Form der Unterhaltung.

Unterm Strich bleibt ein völlig überladenes, schlecht getaktetes und erzählerisch kaum zusammenhängendes Chaos. Die Grundidee hätte Potenzial gehabt, doch das Drehbuch macht daraus leider viel zu wenig. Wer auf unfreiwillig komische Momente steht, könnte hier zumindest einige bizarre Szenen entdecken. Alle anderen dürfen den falschen Papst guten Gewissens im Vatikan zurücklassen.

Bewertung

Bewertung_2

Trailer

Bildrechte: Lighthouse Home Entertainment


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