Hollywood lebt von großen Namen. Brad Pitt, George Clooney und Julia Roberts gehören noch immer zu der absoluten A-Liga, die mit Blockbustern Millionen Zuschauer in die Kinos lockt und die Kassen am Boxoffice klingeln lässt. Doch was sind die strahlenden Hauptdarsteller ohne die flankierenden Nebenrollen? Davon gibt es eine ganze Menge, die in zahllosen Filmen zu sehen sind, aber selten ganz allein im Mittelpunkt auf dem Kinoplakat stehen.
Sie haben prall gefüllte Auftragsbücher, sind schwer beschäftigt, aber ihre echten Namen sind oft nur eingefleischten Filmfans ein Begriff: Die sogenannten Helden aus der zweiten Reihe (Charakterdarsteller) machen viele Kinoproduktionen überhaupt erst sehenswert. Wenn ihr Name fällt, blickt der geneigte Kinogänger oft ahnungslos in die Runde – bis er ein Foto sieht und sofort ruft: „Ach, der!“. Dabei sind sie das sprichwörtliche Salz in der Suppe, der entscheidende Stichwortgeber am Rande oder der dringend benötigte Comic-Relief, wenn es zu spannend wird. Oft retten sie auch einfach manchen Film, der sich selbst viel zu ernst nimmt. Um diesen Schauspielern ein verdientes Denkmal zu setzen, blicken wir hier auf einige Namen, die in den großen Produktionen glänzen, aber selten ausreichend geehrt werden.
Von tanzenden Briten und starken Frauen
Der Brite Jamie Bell ist vielen Gelegenheits-Kinogängern auf Anhieb vielleicht kein Begriff. Wer den Zusatz Billy Elliot – I Will Dance anfügt, hat schon deutlich mehr Glück. Als das Tanz-Drama aus England im Jahr 2000 in den Kinos anlief, versprachen viele Kritiker dem jungen Schauspieler eine ruhmreiche Hollywood-Karriere. Diese trat auch ein – nur etwas subtiler als erwartet. Zu seiner Filmografie gesellte sich eine extrem bunte Mischung an Streifen, die besonders durch ihren gewagten Genre-Mix auffallen. Ob das harte Drama Nymphomaniac (2013) von Regisseur Lars von Trier, die Superhelden-Neuauflage Fantastic Four aus dem Jahr 2015, das Kriegsdrama Flags Of Our Fathers (2006) oder das gefeierte Elton-John-Biopic Rocketman (2019): Weit mehr als 30 Filme gehören mittlerweile ins Portfolio des 40-jährigen Briten.
Ein anderes, hochkarätiges Beispiel ist die unfassbar wandlungsfähige Laura Linney. Die Truman Show (1998), Tatsächlich… Liebe (2003), Die Geschwister Savage (2007) oder Mr. Holmes (2015) sind nur einige Werke, in denen Linney Nebenrollen auf absolute Meisterklasse-Niveau hob. Obwohl sie in der Branche mit zahlreichen Emmys und Oscar-Nominierungen überhäuft wurde, dauerte es extrem lange, bis sie als alleiniges Zugpferd wahrgenommen wurde. Erst durch die TV-Serie Ozark auf Netflix (2017-2022), in der sie die diabolische Matriarchin Wendy Byrde spielte, dürfte Laura Linney auch dem jüngeren Mainstream-Publikum unlöschbar ins Bewusstsein gerückt sein. Über 70 Produktionen gehen auf ihr Konto – eine stattliche Zahl, die ihre schauspielerische Brillanz untermauert.
Stars, die in Serien ihre wahre Nische fanden
Oft sind die Entwicklungen vom einstigen Teenie-Star zum gefeierten Charakterdarsteller in der zweiten Reihe auch im Serienbereich zu beobachten. Mit Dawson’s Creek sicherte sich Joshua Jackson Ende der 90er Jahre eine erinnerungswürdige Rolle als liebevoller Tollpatsch Pacey. Doch der große Sprung zum Hollywood-Kinostar gelang ihm nach Ende der Serie nie wirklich. Stattdessen fand er seine absolute Erfüllung im anspruchsvollen Fernsehen. Mit extrem erfolgreichen Serien wie dem Sci-Fi-Hit Fringe, dem Beziehungsdrama The Affair oder hochgelobten Mini-Serien wie Dr. Death und Fatal Attraction holte sich der Kanadier den Respekt der Kritiker zurück und sicherte sich eine beeindruckende, beständige Karriere abseits des großen Kino-Rummels.
Seiner damaligen „Dawson’s Creek“-Kollegin Katie Holmes erging es ähnlich, jedoch mit weniger Kritikerlob: Die vielbeachtete Ehe mit Tom Cruise schien einst das Sprungbrett in die große A-Cast-Liste zu sein, doch der schauspielerische Durchbruch blieb aus. Auch Jahre nach ihrer Rückkehr ins Geschäft tat sich Holmes schwer, im Kino Fuß zu fassen. Versuche in Mainstream-Produktionen wie der Horror-Fortsetzung Brahms: The Boy 2 (2020) oder der Esoterik-Verfilmung The Secret: Das Geheimnis (2020) fielen beim Publikum und den Kritikern gnadenlos durch. Mittlerweile verdingt sie sich eher als Regisseurin kleinerer Independent-Filme.
Ihre feste Fanbase haben viele dieser Schauspieler aus dem Hintergrund dennoch längst gefunden. Sie können sich glücklich schätzen, mit beständigen Rollenangeboten bedacht zu werden und Projekte durch ihr Talent aufzuwerten. Ein solider Platz in der ewigen zweiten Reihe ist eben oft viel langlebiger als der schnell verglühende Ruhm eines kurzzeitigen A-List-Superstars.
