Hände weg, Kotesashi-kun - Volume 1

Hände weg, Kotesashi-kun – Volume 1 (2025) | Serienkritik

Inklusive erstem Manga

von Markus Grunwald

Wer beim Titel Hände weg, Kotesashi-kun bereits ahnt, wohin die Reise geht, liegt nicht ganz falsch.

Zwischen Sportmassage und Ecchi-Komödie

Die neue Ecchi-Comedy macht aus ihren Absichten keinen Hehl und kombiniert Sportanime, Slice of Life und jede Menge Fanservice zu einer Serie, die sich selbst nie allzu ernst nimmt. Dabei bewegt sich die Handlung permanent auf einem schmalen Grat zwischen medizinischer Massage und den typischen Anime-Klischees, die man entweder mit einem Augenzwinkern akzeptiert – oder eben nicht.

Hände weg, Kotesashi-kun Volume 1 – Koyo Kotesashi bei einer Sportmassage

Koyo Kotesashi bei einer Sportmassage | © polyband Medien GmbH


Im Mittelpunkt steht Koyo Kotesashi, ein Oberschüler mit einem ungewöhnlichen Talent. Seine Hände scheinen wahre Wunder zu bewirken. Um sein Schulgeld zu finanzieren und seinem Traum näherzukommen, eines Tages ein angesehener Sportarzt zu werden, arbeitet er als Haushälter in einem Wohnheim einer renommierten Sportschule.

Massage statt Magie

Blöd nur, dass dort ausschließlich attraktive Leistungssportlerinnen wohnen, die regelmäßig mit Verspannungen, Muskelproblemen oder Verletzungen zu kämpfen haben. Natürlich landet Koyo dadurch ständig in Situationen, die ihn für Außenstehende wie einen hoffnungslosen Perversling aussehen lassen, obwohl seine Absichten meist völlig harmlos sind. Zumindest behauptet er das.

Die Grundidee ist herrlich absurd. Während andere Anime-Helden Dämonen besiegen oder übernatürliche Kräfte besitzen, löst Koyo Probleme mit geschickten Massagegriffen. Dass dabei nach jedem Stolpern zufällig ein Busen massiert werden muss oder die Damen nach wenigen Sekunden wohlig aufstöhnen, versteht sich beinahe von selbst. Schließlich dient hier selbstverständlich alles ausschließlich medizinischen Zwecken… *hust*.

Sportlerinnen aus Hände weg, Kotesashi-kun Volume 1 im Wohnheim

Sportlerinnen aus Hände weg, Kotesashi-kun Volume 1 | © polyband Medien GmbH


Natürlich weiß die Serie ganz genau, welche Zielgruppe sie ansprechen möchte. Trotzdem überrascht sie damit, dass hinter den vielen anzüglichen Situationen tatsächlich immer wieder echte sportmedizinische Themen stecken. Muskelverhärtungen, Überbelastungen oder mentale Blockaden werden zumindest oberflächlich erklärt und geben den einzelnen Episoden sogar einen kleinen pädagogischen Mehrwert.

Viele Klischees, aber sympathische Figuren

Jede Bewohnerin des Wohnheims bringt ihre ganz eigenen Probleme mit. Da wäre beispielsweise die schüchterne Schwimmerin, die im Training überzeugt, bei Wettkämpfen aber regelmäßig unter Druck zusammenbricht. Andere kämpfen mit Verletzungen, Selbstzweifeln oder Konkurrenzdenken. Meist widmen sich zwei Episoden jeweils einer Sportlerin, wodurch trotz der kurzen Laufzeit erstaunlich viel Zeit für die einzelnen Charaktere bleibt.

Zwar bedienen sämtliche Figuren die bekannten Anime-Stereotype, dennoch entwickelt man schnell Sympathien für die unterschiedlichen Persönlichkeiten. Gerade weil die Episoden mit rund zehn Minuten angenehm kurz ausfallen, entsteht nie das Gefühl, dass sich die Geschichten unnötig in die Länge ziehen.

Auch Koyo selbst bleibt ein klassischer Gutmensch. Er scheint nicht nur über magische Massagehände zu verfügen, sondern besitzt gleichzeitig ein außergewöhnliches Talent dafür, sämtliche emotionalen Probleme seiner Mitbewohnerinnen gleich mitzulösen. Dass ihm daraufhin regelmäßig mehrere Damen um den Hals fallen und sich in ihn verlieben, gehört zum Genre offenbar ebenso selbstverständlich dazu wie überdimensionierte Augen oder bunte Haarfarben.

Ecchi-Komödie mit viel Fanservice

Ecchi-Komödie mit viel Fanservice | © polyband Medien GmbH


Natürlich kommt der eigentliche Star der Serie nicht zu kurz: der Fanservice. Wer eine zurückhaltende Inszenierung erwartet, ist hier definitiv falsch. Verschiedene Oberweiten, durchtrainierte Körper und jede Menge freizügige Massageszenen gehören praktisch zur Grundausstattung der Serie. Zwar werden intime Bereiche regelmäßig geschickt verdeckt oder weichgezeichnet, dennoch geizt der Anime keineswegs mit nackter Haut.

Fanservice ohne Ende

Dabei übertreibt die Inszenierung bewusst bis zur Parodie. Kaum setzt Koyo seine Hände an, verfallen die Sportlerinnen in ekstatisches Stöhnen, als hätte noch nie jemand zuvor einen verspannten Rücken behandelt. Dass hier medizinische Behandlung und anzüglicher Humor Hand in Hand gehen, dürfte niemanden überraschen.

Wer Ecchi-Anime kennt, weiß genau, worauf er sich einlässt. Wer damit nichts anfangen kann, wird seine Meinung auch hier kaum ändern.

Gelungene deutsche Synchronisation

Positiv fällt vor allem die deutsche Synchronisation auf. Die Sprecher passen hervorragend zu ihren jeweiligen Figuren und transportieren sowohl den Humor als auch die überzeichneten Situationen erstaunlich natürlich. Gerade bei Comedy-Anime gelingt eine deutsche Vertonung nicht immer, hier funktioniert sie jedoch erfreulich gut und trägt erheblich zum Unterhaltungswert bei.

Auch technisch hinterlässt die Serie einen ordentlichen Eindruck. Die Animationen sind sauber umgesetzt, die Massageszenen flüssig animiert und die Figuren wirken trotz des begrenzten Budgets lebendig. Das beiliegende 68-seitige Manga-Heft stellt zudem eine nette Ergänzung für Fans dar und wertet die Veröffentlichung zusätzlich auf.

Hände weg, Kotesashi-kun - Volume 1 inklusive Manga

Hände weg, Kotesashi-kun – Volume 1 inklusive Manga| © polyband Medien GmbH


Erzählerisch sollte man allerdings keine Wunder erwarten. Die eigentliche Handlung dient hauptsächlich als Vorwand, um von einer Massage zur nächsten zu gelangen. Einen roten Faden gibt es zwar, doch große Wendungen oder tiefgründige Charakterentwicklungen sucht man vergeblich. Dafür sind die einzelnen Geschichten kurzweilig genug, um über kleinere Schwächen hinwegzusehen.

Wenig Handlung, dafür viel Unterhaltung

Nach sechs Episoden hat man sämtliche Hauptfiguren kennengelernt und weiß ziemlich genau, wohin die Reise in Volume 2 führen dürfte. Das Rad wird dabei sicherlich nicht neu erfunden, doch genau das scheint auch gar nicht das Ziel zu sein.

Hände weg, Kotesashi-kun – Volume 1 ist genau das, was der Titel verspricht: eine herrlich alberne Ecchi-Komödie voller überzeichneter Massageszenen, sympathischer Sportlerinnen und eines Helden, dessen heilende Hände offenbar sämtliche körperlichen und seelischen Beschwerden beseitigen können. Inhaltlich bleibt die Serie oberflächlich und bewegt sich moralisch gelegentlich in den typischen Grauzonen des Genres.

Wer sich darauf einlässt und den Humor mit einem Augenzwinkern nimmt, bekommt jedoch kurzweilige Unterhaltung mit überraschend guter deutscher Synchronisation und sympathischen Figuren geboten.

Bewertung

Bewertung_6

Trailer

Bildrechte: polyband Medien GmbH

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