Dolly

Dolly (2025) | Filmkritik

Mama weiß es am besten.

von Lars B

Wenn man dieser Tage einen ordentlichen Slasher drehen möchte, muss man sich schon etwas einfallen lassen.

Wenn die Porzellanfratze zum Albtraum wird

Hockeymaske? Böser Clown? Oder doch vielleicht eine Puppenmaske aus Porzellan? In Dolly lässt Regisseur Rod Blackhurst die Puppen tanzen.

Dolly Filmkritik

© Tiberius Film / Dolly in the Woods LLC 2025

Alles beginnt so typisch harmonisch. Toby (Seann William Scott) und Macy (Fabianne Therese) wollen sich das Ja-Wort geben. Doch so ganz sicher ist die junge Frau noch nicht, hat ihr Zukünftiger doch bereits eine kleine Tochter. Und so richtig passt der Nachwuchs nicht in die Lebensplanung.

Tödliche Idylle im tiefen Forst

In einem Ausflug in die Wälder wollen sich beide näherkommen. Doch zum Turteln bleibt wenig Zeit. Als sie sich plötzlich von zahlreichen Puppen umringt sehen, die überall an den Bäumen hängen, überkommt sie zu Recht ein äußerst ungutes Gefühl.

Schnell tritt Babygirl/Dolly (Max the Impaler), eine brutal riesige Frau mit Puppenvisage und blutiger Schaufel, auf den Plan. Und ehe sich Macy versieht, wird sie in ein groteskes Kinderzimmer entführt, während ihr Göttergatte mit gespaltenem Unterkiefer im Gras verblutet.

Dolly Filmkritik

© Tiberius Film / Dolly in the Woods LLC 2025


Die junge Frau sieht sich einer menge ekelhafter Aufgaben gegenüber, von einer Fütterung bis hin zu erzieherischen Brutalitäten.

Erziehungsmethoden aus der Hölle

Da wird schon mal ein Ohr abgesäbelt, nur um wieder stümperhaft angenäht zu werden. An Gore lässt es der Film ganz sicher nicht mangeln. Hier wird gnadenlos draufgehalten, wenn Schaufel auf Schädel trifft, Kiefer bersten und Blut als Fontäne das Weite sucht. Die schneidige Spielzimmer-Slasherin lässt ihr wehrloses Opfer jedenfalls durch die Hölle der Kindheit gehen. Doch zu welchem Zweck? Und kann es sein, dass die Gefangene gar nicht die einzige in diesem Irrenhaus ist?

Eine sprachlose Geisterbahn des Grauens

Generell lässt sich die Gewaltorgie nicht durch störende Hintergrundinformationen aufhalten und peitscht den Zuschauer regelrecht durch die Geisterbahn des Grauens. Puppenilse macht mit allem, was ihr in die Quere kommt, kurzen Prozess. Gesprochen wird dabei nicht.

Nur dann und wann entkommt der Porzellanfratze ein Keuchen oder ein babyartiges Weinen. Die Alpträume sind also vorprogrammiert, wenn man nachts einmal durch ein schreiendes Baby geweckt werden sollte. Abgerundet wird die Schlachteplatte mit einem 9-Millimeter-Retro-Look. Und dem obligatorischen Drohnenflug über die Baumkronen des üppigen Waldgebietes, in dem die Augsburger Puppenkiste aus der Hölle spielt. Ernsthaft, wenn ich noch einen dieser Baumwipfel-Flüge sehe, schreie ich!

Dolly Filmkritik

© Tiberius Film / Dolly in the Woods LLC 2025

Seann William Scott verkommt hier schnell zum „Ach-der-lebt-ja-auch-noch-Typen“, der nicht nur lächerlich aussieht, sondern gar nichts zur Geschichte beiträgt, während Fabianne Therese pausenlos um ihr Leben bangt. Die Angst vor Puppen und jenen, die so was zuhauf sammeln, wird hier gekonnt genutzt, sodass man sich pausenlos fürchtet und gar nicht versteht, was hier eigentlich genau gespielt wird.

Ein blutiger Fatality ohne Tiefgang

Als Slasher mit sehr bildhaften Verstümmelungsfantasien kann Dolly recht gut überzeugen. Nur hier und da hätten etwas mehr Hintergrundinformationen gutgetan. Auch der Leidensweg von Toby wirkt eher nach einem missglückten Fatality aus Mortal Kombat. Hier hätte weniger Präsenz der Antagonistin besser gewirkt.

Aber man kann eben nicht immer alles haben. Denn wer gierig wird, den bestraft am Ende die böse Mami.

Bewertung

Bewertung_6

Trailer

Bildrechte: Tiberius Film

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