Nach dem gigantischen Erfolg von Der Super Mario Bros. Film war eine Fortsetzung praktisch unvermeidlich. Der erste Animationsfilm schaffte das Kunststück, jahrzehntelange Nintendo-Nostalgie mit moderner Animation und einem hohen Tempo zu verbinden.
Eine Reise durch die Galaxie
Für Fans gab es unzählige Anspielungen auf die Spiele, Neueinsteiger wurden von der farbenfrohen Welt abgeholt und der Humor funktionierte überraschend gut für nahezu jede Altersgruppe. Der Super Mario Galaxy Film möchte genau dort anknüpfen, verliert dabei aber ausgerechnet jene Frische, die den Vorgänger so unterhaltsam gemacht hat.
Mario, Luigi, Prinzessin Peach und Toad brechen zu einem neuen Abenteuer auf. Mithilfe geheimnisvoller Sternkatapulte reisen sie durch die Galaxie und landen auf den unterschiedlichsten Planeten. Dabei treffen sie nicht nur auf neue Verbündete, sondern müssen sich auch einer neuen Bedrohung stellen, die das gesamte Universum der Pilzkönigreiche ins Chaos zu stürzen droht.
Zu viele Figuren, zu wenig Entwicklung
Die Grundidee bietet eigentlich unzählige Möglichkeiten. Schließlich gehört Super Mario Galaxy zu den kreativsten Videospielen der gesamten Reihe. Planeten mit eigener Schwerkraft, verrückte Landschaften und immer neue Spielideen hätten genügend Stoff für einen abwechslungsreichen Kinofilm geliefert. Leider nutzt der Film dieses Potenzial nur oberflächlich.
Eines der größten Probleme ist die schiere Anzahl an Figuren. Neben den bekannten Helden aus dem ersten Film stoßen nun unter anderem Yoshi, Bowser Jr. und sogar Star Fox zum Ensemble. Was auf dem Papier nach einem Fest für Nintendo-Fans klingt, entwickelt sich schnell zum Nachteil.
Yoshi erhält zunächst eine wirklich gelungene Einführung und sorgt für einige der schönsten Momente des Films. Danach verschwindet er jedoch fast vollständig in der Masse der Figuren und läuft den restlichen Film eher hinterher, als aktiv Einfluss auf die Handlung zu nehmen.
Star Fox wirkt noch stärker wie ein Fanservice-Auftritt. Sein kurzer Einsatz sorgt zwar für ein Schmunzeln, hinterlässt aber kaum Eindruck und dient letztlich nur als kurzer One-Liner-Pilot. Am interessantesten fällt noch Bowser Jr. aus. Seine Beziehung zu Bowser hätte durchaus emotionales Potenzial gehabt, bleibt aber überraschend oberflächlich. Der Film weiß nie so recht, welche Rolle Vater und Sohn eigentlich einnehmen sollen und wie ernst ihre Beziehung erzählt werden soll.
Ein Feuerwerk aus Referenzen
Auch Rosalina gehört zu den gelungenen Neuzugängen. Die geheimnisvolle Hüterin der Sterne bringt etwas Ruhe und Würde in das ansonsten sehr hektische Geschehen. Leider bleibt auch sie trotz ihrer wichtigen Rolle überraschend blass und erhält viel zu wenig Bildschirmzeit, um ihr eigentlich großes erzählerisches Potenzial auszuschöpfen.
Natürlich gibt es erneut unzählige Anspielungen auf die Spiele. Fans entdecken bekannte Gegner, Musikstücke, Power-ups und klassische Leveldesigns praktisch im Minutentakt. Genau darin liegt aber gleichzeitig eine große Schwäche.
Der Film hetzt seine Figuren förmlich durch die unterschiedlichsten Welten. Gerade hat man noch einen liebevoll gestalteten Bienen-Planeten bestaunt, schon folgt die nächste Station mit neuen Kostümen. Wenig später befinden sich Mario und seine Freunde plötzlich zwischen Pyramiden oder auf völlig neuen Planeten.
Ständig denkt man als Zuschauer: „Ach, diese Welt kenne ich!“, doch bevor man die Atmosphäre genießen kann, geht die Reise bereits weiter. Wie schon im ersten Film werden die vielen Ideen eher angerissen als wirklich erzählt. Dabei hätte nahezu jede dieser Welten genügend Potenzial für einen eigenen Film geboten.
Auch die Zielgruppe bleibt erneut schwer greifbar. Offiziell richtet sich der Film an Familien, doch weder Kinder noch Erwachsene dürften durchgehend glücklich werden.
Zwischen Familienfilm und Fanservice
Für jüngere Zuschauer zieht sich die Handlung stellenweise überraschend lange und verliert sich in zahlreichen Figuren und Ortswechseln. Erwachsene wiederum bekommen eine Geschichte serviert, die trotz ihrer galaktischen Kulisse erstaunlich vorhersehbar und dünn ausfällt.
Der Humor funktioniert zwar gelegentlich, erreicht aber nicht mehr die Leichtigkeit des Vorgängers. Viele Gags wirken wie Wiederholungen bereits bekannter Ideen. Die nostalgischen Momente sorgen zwar immer wieder für ein Lächeln, reichen aber nicht aus, um die schwache Dramaturgie dauerhaft zu kaschieren.
Optisch gibt es dagegen wenig zu kritisieren. Illumination liefert erneut eine farbenfrohe und hochwertige Animation ab. Die verschiedenen Planeten sehen hervorragend aus, die Effekte überzeugen und auch Brian Tylers Musik greift viele bekannte Themen der Spiele gelungen auf. Gerade deshalb ist es umso bedauerlicher, dass der Film seine faszinierenden Schauplätze kaum auskostet.
Der Super Mario Galaxy Film bleibt ein ordentlich produzierter Animationsfilm, erreicht jedoch nicht mehr die Frische und den Charme seines erfolgreichen Vorgängers.
Visuell gewohnt stark und voller Nintendo-Referenzen, erzählerisch jedoch überraschend belanglos
Statt neue Ideen konsequent auszubauen, setzt die Fortsetzung vor allem auf immer mehr Figuren, immer mehr Schauplätze und noch mehr Fanservice. Dadurch bleibt kaum Zeit, einzelne Charaktere oder Welten wirklich kennenzulernen.
Die Post-Credit-Szene macht bereits deutlich, dass Nintendo das Universum in Zukunft noch weiter ausbauen möchte. Stoff dafür gibt es ohne Zweifel genug. Für kommende Filme wäre allerdings etwas mehr Mut zu einer fokussierten Geschichte wünschenswert, denn das Mario-Universum bietet weit mehr als eine rasante Aneinanderreihung bekannter Spielwelten.

Bildrechte: Universal Pictures (Plaion Pictures)
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