Das Drama Filmkritik

Das Drama – Noch mal auf Anfang (2026) | Filmkritik

Du bist herzlich eingeladen!

von Markus Grunwald

Hochzeitsfilme folgen meist einem vertrauten Muster. Kurz vor dem Ja-Wort taucht plötzlich der verflossene Ex-Partner auf, die Braut bekommt kalte Füße oder die streitlustige Verwandtschaft droht die gesamte Feier zu ruinieren.

Wenn der schönste Tag im Leben zur Nervenprobe wird

The Drama greift zwar ebenfalls den typischen Hochzeitsstress auf, schlägt dabei jedoch eine völlig andere Richtung ein. Regisseur Kristoffer Borgli verwandelt die letzten Tage vor der Trauung in eine bitterböse schwarze Komödie, in der Misstrauen, Schuldgefühle und Paranoia immer größere Ausmaße annehmen.

Statt romantischer Klischees erwartet den Zuschauer ein psychologisches Chaos, das von Minute zu Minute weiter eskaliert.


Eigentlich könnte für das verlobte Paar Charlie und Emma alles perfekt laufen. Die Hochzeit steht unmittelbar bevor, die Gäste sind eingeladen und die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Doch schon die ersten kleineren Katastrophen lassen erahnen, dass dieser große Tag alles andere als reibungslos verlaufen wird. Dass die engagierte DJane beim Heroinkonsum erwischt wird, ist dabei fast noch das geringste Problem.

Wenn ein Geständnis alles verändert

Den eigentlichen Stein ins Rollen bringt ein geselliger Abend mit den Trauzeugen. Bei einer Weinprobe beschließt die Runde, sich gegenseitig ihre schlimmste Tat zu beichten. Die angehende Braut Emma trinkt allerdings ein Glas zu viel und gesteht, als Jugendliche einen Amoklauf an ihrer Schule geplant zu haben. Was zunächst wie eine dumme Jugendsünde klingt, entwickelt sich schnell zum Auslöser einer immer größer werdenden Vertrauenskrise.

Plötzlich beginnt der Bräutigam Charlie jede Kleinigkeit zu hinterfragen. War seine zukünftige Frau jemals ehrlich zu ihm? Welche Geheimnisse schlummern noch unter der perfekten Fassade? Gleichzeitig reagiert die Trauzeugin Rachel mit schockierter Empörung und stellt sogar die gesamte Hochzeit infrage.


Robert Pattinson trägt den Film über weite Strecken nahezu im Alleingang. Sein Bräutigam entwickelt sich vom entspannten Verlobten zu einem völlig verunsicherten Nervenbündel, das hinter jeder Geste, jedem Blick und jeder Bemerkung eine neue Verschwörung vermutet.

Robert Pattinson dreht herrlich auf

Gerade diese zunehmende Paranoia sorgt für viele der besten Momente. Pattinson gelingt es hervorragend, die Figur nie völlig lächerlich wirken zu lassen. Sein emotionaler Zusammenbruch bleibt nachvollziehbar und gleichzeitig herrlich komisch.

Auch Zendaya überzeugt als Braut, die sich zunehmend zwischen Rechtfertigungen, Missverständnissen und eigenen Zweifeln wiederfindet. Die Chemie zwischen beiden funktioniert ausgezeichnet und verleiht den hitzigen Wortgefechten genau die richtige Mischung aus Humor und Ernst.

Zwischen Realität und Fantasie

Typisch für Kristoffer Borgli (Dream Scenario) verschwimmen auch hier immer wieder die Grenzen zwischen Realität, Erinnerung und bloßer Vorstellung. Rückblenden gehen fließend in Fantasien über, Gedanken werden zu scheinbar echten Szenen und der Zuschauer weiß oftmals selbst nicht mehr, was tatsächlich passiert ist und was lediglich im Kopf der Figuren existiert.

Gerade dieses Stilmittel unterstützt das zentrale Thema hervorragend. Je näher die Hochzeit rückt, desto größer werden Unsicherheit und Misstrauen. Die Wahrnehmung der Figuren gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht und genau dieses Gefühl überträgt sich auch auf das Publikum.


So unterhaltsam der Film auch ist, ganz frei von Schwächen bleibt er nicht. Bereits die Ausgangsidee hätte etwas sauberer ausgearbeitet werden können. Schließlich überrascht auch die Trauzeugin später mit einer ähnlich gravierenden Vergangenheit. Dass ausgerechnet sie anschließend moralisch am stärksten urteilt, wirkt nicht immer konsequent.

Nicht jede Idee geht vollständig auf

Auch im Finale schießt der Film stellenweise über das Ziel hinaus. Besonders während der emotionalen Hochzeitsrede steigert sich das Chaos so stark, dass einige Entwicklungen etwas konstruiert erscheinen. Hier wäre etwas mehr Zurückhaltung vermutlich die wirkungsvollere Entscheidung gewesen.

Dennoch verliert The Drama nie seinen Unterhaltungswert. Das lockere Drehbuch, die pointierten Dialoge und die hervorragenden Darsteller sorgen dafür, dass selbst kleinere Schwächen kaum ins Gewicht fallen.

Schwarzer Humor statt Romantik

Wer eine klassische Liebeskomödie erwartet, dürfte überrascht werden. The Drama interessiert sich deutlich mehr für die Unsicherheiten einer Beziehung als für romantische Gefühle. Die Hochzeit dient letztlich nur als Katalysator für eine Geschichte über Misstrauen, Schuld und die Angst, den Menschen an seiner Seite vielleicht doch nicht wirklich zu kennen.

Gerade dieser ungewöhnliche Ansatz macht den Film erfrischend anders als viele Vertreter des Genres. Auch wenn einige Ideen nicht vollständig ausgearbeitet wirken und das Finale etwas übertreibt, bleibt ein äußerst kurzweiliges Werk mit zwei hervorragend aufgelegten Hauptdarstellern.

Eine herrlich bissige schwarze Komödie über Liebe, Misstrauen und den ganz normalen Wahnsinn einer Hochzeit. Nicht jede Pointe sitzt perfekt, doch Robert Pattinson und Zendaya machen das emotionale Chaos zu einem ebenso unterhaltsamen wie ungewöhnlichen Filmerlebnis.

Bewertung

Bewertung_8

Trailer

Bildrechte: LEONINE Studios


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