Crazy for You

Crazy for You (2025) | Filmkritik

Du bist herzlich zu einer wild-romantischen Komödie eingeladen.

von Markus Grunwald

Mit Crazy for You treffen eine gefeierte Popsängerin, ein psychopathischer Stalker und eine ganze Menge schwarzer Humor aufeinander.

Wenn aus Fanliebe tödlicher Wahnsinn wird

Im Mittelpunkt steht Sofia, deren glamouröses Leben eine gefährliche Wendung nimmt, als Paul aus der Psychiatrie ausbricht. Der Mann ist fest davon überzeugt, dass zwischen ihm und der Sängerin eine besondere Verbindung besteht. Seine kranke Fantasie geht sogar so weit, dass er sich bereits auf die gemeinsame Hochzeit vorbereitet.

Für Sofia beginnt damit ein Albtraum in den eigenen vier Wänden. Sie muss versuchen, die Wahnvorstellungen ihres Entführers zu bedienen, ohne dabei ihr Leben zu verlieren. Jimmy Warden, der zuvor das Drehbuch zu Cocaine Bear verfasst hat, verbindet in seinem Regiedebüt Thriller, Horror und Comedy. Das klingt nach einer unterhaltsamen Mischung, doch ganz so reibungslos funktioniert das Zusammenspiel der Genres nicht.

Samara Weaving (bekannt aus Ready or Not) ist längst eine feste Größe im modernen Horror- und Thrillerkino. Auch in Crazy for You überzeugt sie mit ihrer gewohnt coolen und charmanten Art. Allerdings könnte ihre Rolle für manche Zuschauer etwas zu kurz kommen. Wer aufgrund ihrer bisherigen Auftritte eine besonders dominante Performance erwartet, dürfte sich stellenweise ein wenig in die Irre geführt fühlen.

Ray Nicholson stiehlt allen die Show

Hinzu kommt, dass Sofia selbst in den gefährlichsten Situationen häufig eher genervt oder gelangweilt wirkt, statt tatsächlich verängstigt zu sein. Das passt zwar zum skurrilen Ton des Films, nimmt manchen Szenen aber auch die notwendige Spannung.

Das eigentliche Highlight ist deshalb Ray Nicholson. Als unzurechnungsfähiger Stalker Paul liefert er eine intensive, herrlich unheimliche und zugleich amüsante Vorstellung ab. Seine Figur schwankt zwischen verstörender Besessenheit und einer fast schon absurden Selbstverständlichkeit, mit der er seine kranke Fantasie für die Realität hält. Nicholson verleiht dem Wahnsinn eine unterhaltsame Note und sorgt dafür, dass man Paul nur schwer aus den Augen lassen kann.

Auch der restliche Cast schlägt sich ordentlich. Die Figuren sind zwar überwiegend dazu da, die Handlung voranzutreiben, doch die Darsteller holen aus ihren Rollen das Beste heraus. Eric Dane darf sich als Security Guard beweisen, der ausgerechnet bei seiner eigentlichen Aufgabe versagt: Menschen zu beschützen. Dass ausgerechnet der vermeintliche Sicherheitsprofi kaum jemanden unter Kontrolle bekommt, passt zum allgemeinen Chaos des Films.


Das größte Problem von Crazy for You ist sein wechselhafter Ton. Der Film möchte gleichzeitig Psychothriller, Horrorfilm und schwarze Komödie sein, findet dabei aber nicht immer die richtige Balance. Manche Szenen sind herrlich skurril, andere nehmen sich wiederum so ernst, dass die Übergänge etwas holprig wirken.

Zwischen Thriller, Horror und schwarzer Komödie

Auch das Erzähltempo ist nicht optimal. Die erste Hälfte zieht sich stellenweise und braucht recht lange, um richtig in Fahrt zu kommen. Erst im späteren Verlauf dreht der Film deutlich auf und entwickelt den Unterhaltungswert, den man sich bereits zu Beginn gewünscht hätte. Ein kleines Highlight ist dabei eine Musicalnummer, die mit einem Mord kombiniert wird und den ungewöhnlichen Humor der Inszenierung besonders gut auf den Punkt bringt.

Das in den 1990er-Jahren angesiedelte Setting trägt dagegen nur wenig zur Atmosphäre bei. Abgesehen davon, dass die Figuren nicht einfach zum Smartphone greifen können, nutzt der Film die Epoche kaum, um eine eigenständige Stimmung aufzubauen. Das ist kein großes Ärgernis, wirkt aber wie eine verschenkte Möglichkeit.

Wenn die Figuren den Verstand verlieren

Natürlich darf ein Film wie dieser mit überzeichneten Figuren und absurden Entscheidungen arbeiten. Trotzdem strapaziert Crazy for You die Geduld seines Publikums gelegentlich mit den üblichen Problemen des Genres. Die Handlung ist stellenweise vorhersehbar, Logiklücken bleiben nicht aus und die Figuren treffen Entscheidungen, die sich nur schwer nachvollziehen lassen.

Besonders auffällig ist, wie häufig die Beteiligten ihre Chancen nicht nutzen. Mehrmals gelingt es den Figuren, ihre Geiselnehmer zu überwältigen, nur um sich anschließend wieder in eine Situation zu manövrieren, in der sie erneut gefangen sind. Solche Momente sollen vermutlich Spannung erzeugen oder für schwarzen Humor sorgen, wirken aber nicht immer überzeugend.


Auch die Beziehung zwischen Sofia und ihrem Bodyguard hätte mehr Substanz vertragen können. Gerade zu Beginn fehlt es an emotionaler Tiefe, um die Verbindung zwischen den Figuren wirklich greifbar zu machen. Ähnliches gilt für die familiären Beziehungen des Bodyguards, die ebenfalls mehr Raum verdient hätten. Dadurch bleiben einige Figuren und Konflikte oberflächlich, obwohl durchaus Potenzial vorhanden wäre.

Ein unterhaltsamer Ausflug mit verschenktem Potenzial

Crazy for You ist ein Film, der durchaus Spaß machen kann, sich aber nie ganz entscheiden möchte, welche seiner Stärken er eigentlich ausspielen will. Ray Nicholson sorgt mit seiner intensiven und herrlich schrägen Darstellung für die besten Momente, während Samara Weaving und der restliche Cast das Geschehen zuverlässig tragen.

Vor allem im letzten Abschnitt entwickelt sich mit der absurden Hochzeit eine unterhaltsame Mischung aus schwarzem Humor, Gewalt und absurden Situationen. Bis dahin muss man allerdings einige Längen und fragwürdige Entscheidungen der Figuren überstehen. Auch der unentschlossene Genre-Mix verhindert, dass sich eine durchgehend stimmige Atmosphäre entwickelt.

So bleibt ein netter Ausflug in den Wahnsinn, der mit einer starken Besetzung und einigen gelungenen Einfällen punktet, sein Potenzial aber nicht konsequent ausschöpft.

Bewertung

Bewertung_6

Trailer

Bildrechte: PLAION PICTURES


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