In den Weiten des Weltalls ist man auf sich allein gestellt.
Allein zwischen Sternen und Schuld
Das muss Olivia (Loreto Mauleón) bereits als kleines Mädchen erfahren. Als ihr Raumschiff von Aliens überfallen wird, verliert die Kleine ihre Eltern – ein Trauma, das sie ihr ganzes Leben begleiten wird.
Jahre später leitet die junge Frau den Kontrollraum einer Bergbaukolonie auf einem kargen und unwirtlichen Planeten. Alles läuft nach Plan, und in wenigen Monaten winkt die sichere Heimkehr zur Erde.
Der Kontrollraum als letzte Bastion
Doch bevor es so weit kommt, wird der Planet plötzlich von unbekannten Wesen angegriffen. Auf den Monitoren sieht Olivia, wie das Chaos ausbricht. Nun heißt es, die Nerven zu bewahren.
Doch wie entscheidet man sich, wenn nicht alle zu retten sind? Welche Opfer ist man bereit zu bringen – und wie weit würde man für das eigene Überleben gehen?
Auf den ersten Blick wirkt das Sci-Fi-Drama Control Room minimalistisch und zurückhaltend. Da sich der Großteil der Handlung ausschließlich im Kontrollraum abspielt, erinnert der Film stark an eine Weltraum-Variante von The Guilty oder The Call.
Minimalismus statt Monsterkino
Statt der eigentlichen Bedrohung werden dem Zuschauer lediglich gelbe und rote Punkte auf einem Bildschirm präsentiert. Geht ein Licht aus, hat das letzte Stündlein eines armen Siedlers geschlagen. Das erfordert Fantasie, um daraus einen Überfall mit tödlichen Folgen zu lesen.
Der eigentliche Kunstgriff des Films liegt jedoch in der anfänglichen Skrupellosigkeit der Protagonistin. Ohne sichtbare Reue opfert sie einen Kolonisten, um einen anderen zu retten. Dieses kalte Abwägen von Menschenleben verlangt enormes Kalkül – und wirft unangenehme moralische Fragen auf.
Natürlich holt die intergalaktische Telefonkraft schon bald ihre Vergangenheit und ihr Gewissen ein. Schuld, Erinnerungen und verdrängte Ängste brechen auf.
Vergangenheit holt Gegenwart ein
Ob dieser Sinneswandel noch rechtzeitig kommt oder längst zu spät ist, bleibt die zentrale Spannungsfrage von Control Room.
Es wäre leicht, den spanischen Film aufgrund seiner überschaubaren Effekte zu verurteilen, die stellenweise an PlayStation-3-Zwischensequenzen erinnern. Auch das sterile Szenario aus Monitoren und Leuchtpunkten wirkt zunächst abschreckend. Man würde die Kolonisten lieber um ihr Leben rennen sehen, statt nur ihre Lichter erlöschen zu beobachten.
Die Aliens bleiben dank kostengünstiger Tarnvorrichtungen ohnehin unsichtbar. Doch die starke Charakterentwicklung Olivias lässt diese Schwächen schnell verblassen. Wir schauen ihr nicht nur über die Schulter – wir leiden und hoffen mit ihr.
Am Ende bleibt ein überraschend tiefgründiger und emotionaler Sci-Fi-Film, der weniger auf Spektakel als auf moralische Dilemmata setzt. Und um ehrlich zu sein: Wie oft haben wir im Kino schon gesehen, wie Weltraumkolonisten auf möglichst spektakuläre Weise umgebracht werden?


Bildrechte: Plaion Pictures
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