Backrooms

Backrooms (2026) | Filmkritik

Surrealer Horror zwischen Realität und Albtraum

von Lars Brandt

Was passiert eigentlich, wenn in einem Möbelkaufhaus der letzte Kunde gegangen ist und die Lichter ausgehen? Wer sich das schon immer mal bei einem Besuch der Polster-Krämer gefragt hat, bekommt jetzt mit Backrooms die schaurige Antwort.

Ein Spalt in der Wand und ein endloses Labyrinth

Ladenbesitzer Clark (Chiwetel Ejiofor) fristet sein Dasein nach der Scheidung in seinem Möbelfachgeschäft. Dort schmeißt er sich in ein gemütliches Bett und schaut Fernsehen, bis ihm die Augen zufallen. Doch eines Tages ändert sich sein Alltagstrott, als er einen Spalt in einer Wand bemerkt.

Ehe er es sich versieht, landet er in einem endlosen, hässlich gelb tapezierten Raum, der in noch mehr Gänge und Räume führt. Je länger er durch das alptraumhafte, urinfarbene Gespinst aus Endlosbüros wandert, desto schlimmer wird es. Möbel stapeln sich surreal oder verschwinden halb im Boden oder den Wänden. Und dann ist da noch das Gefühl, nicht allein zu sein.


Wem die Geschichte der Backrooms bekannt vorkommen sollte, kennt vermutlich die 19-teilige Webserie von Kane Parsons.

Vom Internetphänomen auf die große Leinwand

Im Found-Footage-Stil erkundete er nämlich mit überschaubarem Budget die gelben Tapetengänge und erreichte damit ein Millionenpublikum. Das Internetphänomen war geboren. Kein Wunder also, dass Hollywood dem jungen Mann 10 Millionen in die Hand drückte, um daraus einen vollwertigen Horrorfilm auf die Leinwand zu bringen.

Und das Endergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Beginnt Backrooms am Anfang im Found-Footage-Stil, wechselt er recht schnell in die übliche Perspektive. Doch mit jedem Raum, ob Sofaladen oder Praxis einer Psychotherapeutin, stimmen scheinbar auch die Winkel nicht immer. Die Grenzen zwischen Backrooms und Realität verschwimmen und zeigen das Surreale in unserer Realität.


Clark ist der typische gescheiterte Ehemann, der im Beruf und privat nichts mehr auf die Reihe bekommt. Seiner Therapeutin Mary (Renate Reinsve) gibt er vor, sich nicht ändern zu können, und vergräbt sich dann einsam in seinem Laden mit einer Flasche Hochprozentigem.

Ein gescheiterter Ehemann auf der Suche nach Antworten

Erst der Gang in die Backrooms lässt ihn erstmals neugierig und engagiert werden. Mit Hilfe seiner beiden Mitarbeiter möchte er das Geheimnis des furchtbar tapezierten Labyrinths enthüllen.

Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave) spielt zurückhaltend und überzeugend den gefallenen Protagonisten, der wie eine Laborratte durch die Irrwege stolpert. Das Set ist überzeugend und ständig stehen neue Hindernisse bereit. Je mehr Räume betreten werden, desto konfuser wird der Trip. Räume, die auf dem Kopf stehen, irrwitzig kleine Durchgänge und Fallgruben lassen einen schnell die Orientierung verlieren. Man weiß und sieht dabei nie mehr als Clark.

Ein Geheimtipp aus der Welt der Creepypasta

Kane Parsons hat es geschafft, seinem Internet-Hit noch einmal einen sehr atmosphärischen Horrorfilm folgen zu lassen. Dass nicht aus jedem Internetphänomen ein Erfolg werden muss, hat uns Slender Man (2018) bewiesen, der am Ende nichts mehr mit der Vorlage zu tun hatte.

Wer einen ungewöhnlichen Horrorfilm aus der Welt der Creepypasta erleben möchte, bekommt hier einen echten Geheimtipp geboten. Wer weiß, was der Regisseur macht, wenn bei einem Kassenerfolg plötzlich noch mehr Budget für eine Fortsetzung bereitstehen?

Bewertung

Bewertung_7

Trailer

Bildrechte: Constantin / LEONINE


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