A Dangerous Game

A Dangerous Game (2025) | Filmkritik

Heiße Blicke, dunkle Geheimnisse und eine gefährliche Obsession

von Markus Grunwald

Ein Schriftsteller, der dringend eine neue Idee braucht. Ein charismatischer Künstler, der plötzlich in sein Leben tritt. Eine Ehefrau mit einem dunklen Geheimnis.

Ein geheimnisvoller Künstler und ein gefährliches Spiel

Und schon bald stellt sich die Frage, ob hier tatsächlich jemand helfen möchte oder längst ein ganz anderes Spiel spielt. A Dangerous Game versucht sich an einem psychologischen Thriller im Stil klassischer Erotik- und Beziehungsthriller und erinnert dabei nicht zufällig an Filme wie Eine verhängnisvolle Affäre.

Das klingt zunächst nach einer ziemlich vielversprechenden Ausgangslage. Leider bleibt die Umsetzung immer wieder hinter ihren Möglichkeiten zurück.


Carlo ist ein erfolgreicher Autor, doch der Erfolg hat eine Kehrseite: Die Inspiration ist verschwunden. Für seinen nächsten Roman fehlt ihm schlicht die zündende Idee.

Wenn der Künstler plötzlich zum Störfaktor wird

Da kommt Peter gerade recht. Der junge Künstler ist charismatisch, hilfsbereit und offensichtlich jemand, der sich nicht allzu viele Gedanken darüber macht, persönliche Grenzen einzuhalten.

Zunächst scheint Carlo von Peters Auftreten sogar zu profitieren. Doch aus gelegentlicher Bekanntschaft wird zunehmend eine Einmischung in das Privatleben des Schriftstellers. Und Peter interessiert sich irgendwann nicht mehr ausschließlich für Carlo. Auch dessen Ehefrau Giada rückt in seinen Fokus.

Damit ist das klassische Dreieck eröffnet: Ehemann, Ehefrau und ein geheimnisvoller Eindringling, der zwischen die beiden tritt. Hinzu kommt Giadas Vergangenheit, die irgendwann unweigerlich an die Oberfläche drängt. Aus anfänglicher Faszination werden Misstrauen, Eifersucht und schließlich eine gefährliche Obsession.


A Dangerous Game fühlt sich über weite Strecken erstaunlich altmodisch an. Das ist durchaus als Kompliment gemeint.

Ein Thriller wie aus einer anderen Zeit

Der Film erinnert an die psychologischen Thriller der 90er-Jahre, in denen ein vermeintlich harmloser Fremder auftaucht, sich langsam in das Leben eines Paares schiebt und irgendwann niemand mehr genau weiß, wem eigentlich noch zu trauen ist.

Besonders die Ausgangssituation hätte durchaus das Potenzial für einen spannenden Thrillerabend. Allerdings fehlt dem Film dafür oftmals die Konsequenz. Statt die Spannung kontinuierlich zu steigern, lässt die Inszenierung immer wieder Luft aus dem aufgebauten Konflikt.

Man wartet darauf, dass das Spiel zwischen Carlo, Giada und Peter endgültig eskaliert. Doch gerade dann, wenn der Film eigentlich stärker zupacken müsste, bleibt er erstaunlich zurückhaltend. So entsteht eher ein Wechselspiel aus interessanten Momenten und Passagen, in denen die Geschichte etwas auf der Stelle tritt.

Zwischen Realität, Kunst und Fiktion

Interessanter wird der Film immer dann, wenn er seine eigentliche Thrillerhandlung verlässt und sich mit dem Thema Kunst beschäftigt. Carlo ist schließlich nicht irgendein Protagonist, sondern Schriftsteller. Seine persönliche Krise ist unmittelbar mit seiner kreativen Arbeit verbunden.

Dadurch entsteht eine durchaus reizvolle Verbindung zwischen Realität und Fiktion. Wo endet das tatsächliche Leben und wo beginnt die Geschichte, die man daraus macht? Kann ein Schriftsteller sein eigenes Umfeld überhaupt betrachten, ohne es irgendwann als Material für seine Arbeit zu verwenden?

Auch Peter passt in diese Überlegung. Als Künstler ist er jemand, der sein Umfeld gewissermaßen selbst zur Bühne macht. Menschen werden zu Figuren, Beziehungen zu Performances und Geheimnisse zu Material. Wenn Kunst und Leben miteinander verschmelzen, wird aus Inspiration eine gefährliche Obsession.


Der mit Abstand überzeugendste Darsteller ist Eduardo Scarpetta. Als Peter bringt er genau jene Mischung aus Charme, Undurchsichtigkeit und Bedrohlichkeit mit, die diese Figur benötigt.

Eduardo Scarpetta stiehlt allen die Show

Scarpetta versteht es, Peter nie vollständig durchschaubar wirken zu lassen. Selbst wenn er freundlich auftritt, bleibt immer ein Rest Misstrauen bestehen. Ist dieser Mann tatsächlich nur hilfsbereit oder verfolgt er einen ganz eigenen Plan? Genau dieses Fragezeichen macht seine Figur interessant.

Scarpetta besitzt dabei eine Präsenz, die den Film immer dann belebt, wenn er im Mittelpunkt steht. Er muss nicht permanent besonders laut oder aggressiv auftreten. Oft reicht bereits seine Körpersprache oder ein Blick, um deutlich zu machen, dass hinter der freundlichen Fassade noch etwas anderes steckt.

Elodie bleibt hinter ihren Möglichkeiten

Weniger überzeugt dagegen spielt Musikerin und Schauspielerin Elodie auf. Die Sängerin hat bereits in Ti mangio il cuore gezeigt, dass durchaus schauspielerisches Potenzial in ihr steckt. In diesem Film gelingt es ihr allerdings nicht, den Zuschauer gleichermaßen abzuholen.

Giada ist eigentlich eine Figur, die einiges an emotionalem Material mitbringt. Ihre Vergangenheit, ihre psychische Verfassung und die Geheimnisse, die sie mit sich herumträgt, könnten für eine starke Performance sorgen.

Auch Adriano Giannini als Carlo kann den Film nicht immer auffangen. Er spielt den Schriftsteller angenehm zurückhaltend und elegant, bleibt aber ebenfalls etwas blass gegenüber Scarpetta. Dadurch entsteht ein durchaus kurioses Ungleichgewicht: Der eigentlich rätselhafte Peter ist schauspielerisch wesentlich interessanter als der Mann, dessen Leben hier aus den Fugen gerät.


Was A Dangerous Game dennoch besitzt, ist eine gewisse Freude am klassischen Psychothriller. Der Film versucht nicht, das Genre komplett neu zu erfinden. Vielmehr nimmt er bekannte Zutaten und setzt sie in ein italienisches Kunst- und Schriftstellermilieu.

Ein erotisches Psychospiel voller Geheimnisse und Eifersucht

Geheimnisse, Eifersucht, sexuelle Spannung, Manipulation und ein Eindringling im vermeintlich perfekten Privatleben sind alles andere als neue Zutaten. Und genau deshalb muss ein solcher Film vor allem eines liefern: Atmosphäre und Spannung.

Beides gelingt zumindest phasenweise. Es gibt Momente, in denen die Geschichte durchaus unangenehm wird und man wissen möchte, wie weit Peter tatsächlich gehen wird. Auch die Frage nach Giadas Vergangenheit sorgt für einen gewissen Sog.

Ein erotisches Spiel zwischen Faszination und Misstrauen

A Dangerous Game ist ein Film, bei dem sich Licht und Schatten abwechseln. Die Ausgangslage funktioniert, Eduardo Scarpetta überzeugt als undurchsichtiger Künstler und die Verbindung aus Kunstwelt und psychologischem Thriller besitzt interessante Ansätze.

Gleichzeitig fehlt es der Geschichte an der nötigen Konsequenz und der Inszenierung an durchgehender Spannung. Wer eine moderne Neuinterpretation des klassischen 90er-Psychothrillers erwartet, dürfte deshalb eher enttäuscht sein. Wer dagegen Lust auf einen italienischen Thriller hat, der sich an den alten Mustern von Ehekrise, Verführung, Geheimnis und Obsession bedient, kann durchaus einen unterhaltsamen Abend damit verbringen.

Am Ende bleibt ein Film, der einige interessante Ideen besitzt, aber zu selten wirklich daraus Kapital schlägt. Eduardo Scarpetta sorgt mit seiner starken Performance dafür, dass zumindest die zentrale Bedrohung funktioniert. Für einen wirklich packenden Psychothriller fehlt es jedoch an der letzten Konsequenz.

Hinweis: A Dangerous Game ist ab dem 12. November 2026 als DVD, Blu-ray und digital erhältlich.

Bewertung

Bewertung_5

Trailer

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