The Housemaid – Wenn sie wüsste ist eine ordentliche Mischung aus Fifty Shades of Grey und Psycho-Thriller. Schon früh wird klar, dass hinter der Fassade der wohlhabenden Familie einiges im Argen liegt.
Ein Spiel mit falschen Fährten
Was zunächst wie eine klassische Geschichte über ein Hausmädchen und seine Arbeitgeber beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Rollenverteilung ständig neu definiert wird.
Wendungen werden beinahe im Minutentakt geliefert und als Zuschauer kann man sich bis zum Ende nie sicher sein, welcher Twist als Nächstes wartet. Frau gegen Frau, Frau gegen Mann und schließlich irgendwie alle gegen alle: Immer wieder stellt sich die Frage, wer hier eigentlich die Kontrolle besitzt. Wer ist der Gute und wer der Böse? Der Film hat sichtlich Spaß daran, diese Grenzen immer wieder zu verschieben.
Nicht jeder Neuanfang bietet eine zweite Chance: Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis wünscht sich die 27-jährige Millie nichts sehnlicher als eine echte Perspektive und heuert voller Hoffnung als Hausmädchen bei einem wohlhabenden Ehepaar an.
Fassade aus Lügen
Doch was zunächst wie ein rettender Zufluchtsort wirkt, entpuppt sich rasch als trügerische Falle. Hinter der makellosen Kulisse aus Luxus und Eleganz verbirgt sich eine finstere Wahrheit, die weitaus bedrohlicher ist als ihre eigene Vergangenheit.
Gefangen in einem toxischen Kammerspiel gerät Millie in ein verführerisches Netz aus Geheimnissen, Skandalen und perfider Macht, bei dem jede falsche Entscheidung ihr Verderben bedeuten könnte.
Der eigentliche Reiz entsteht dabei vor allem aus dem Zusammenspiel der beiden Frauen. Die Alltagssituationen eskalieren zunehmend und aus kleinen Spannungen entwickeln sich immer größere Psychospiele. Was anfangs noch harmlos wirkt, bekommt dadurch Schritt für Schritt eine unangenehme Dynamik.
Psychospiele im Luxushaus
Gerade weil man als Zuschauer ständig neue Informationen erhält, funktioniert dieses Wechselspiel erstaunlich gut. Man glaubt, die Situation verstanden zu haben, nur um wenige Minuten später wieder an der eigenen Einschätzung zweifeln zu müssen.
Dabei muss man allerdings auch feststellen, dass nicht jede Wendung gleichermaßen clever ausfällt. Manche Überraschung wirkt eher wie ein Mittel zum Zweck, um die nächste Richtungsänderung einzuleiten. Der Film möchte unbedingt überraschen und verliert dabei gelegentlich etwas die Glaubwürdigkeit.
Amanda Seyfried dominiert den Cast
Schauspielerisch hat vor allem Amanda Seyfried das Zepter fest in der Hand. Sie dominiert den restlichen Cast und verleiht ihrer Figur eine Präsenz, die hervorragend zu dem undurchsichtigen Spiel des Films passt. Sydney Sweeney funktioniert als Millie ebenfalls ordentlich und trägt die Perspektive der Geschichte, bleibt darstellerisch aber deutlich hinter Seyfried zurück.
Brandon Sklenar überzeugt in seiner Rolle vor allem durch sein selbstgefälliges Schwiegersohn-Grinsen und bekommt darüber hinaus leider nur wenig Substanz zugestanden. Noch weniger Bedeutung besitzt Enzo, der Gärtner, der hauptsächlich als attraktiver Hingucker mit seinem Gartengerät herumsteht und kaum etwas zur eigentlichen Geschichte beitragen darf. Gerade deshalb funktioniert das Duell zwischen Seyfried und Sweeney am besten. Wann immer die beiden aufeinandertreffen, bekommt der Film eine spürbare Dynamik.
The Housemaid – Wenn sie wüsste lebt eindeutig von seinen Überraschungen. Das sorgt dafür, dass über weite Strecken keine Langeweile aufkommt und man durchaus wissen möchte, welche Wahrheit als Nächstes ans Licht kommt.
Spannend, aber nicht immer überzeugend
Gleichzeitig sind es eben diese zahlreichen Wendungen, die dem Film teilweise im Weg stehen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto stärker muss man bereit sein, über einige Ungereimtheiten hinwegzusehen. Was als raffinierter Psycho-Thriller beginnt, wird zunehmend zu einem konstruierten Spiel, bei dem die Figuren manchmal genau das tun, was das Drehbuch für die nächste Überraschung benötigt.
Trotzdem funktioniert das Konzept als Unterhaltung erstaunlich gut. Besonders das Psychospiel zwischen den beiden Hauptfiguren sorgt für einige spannende Momente und hält den Film bis zum Schluss auf Trab.
Unterm Strich ist The Housemaid – Wenn sie wüsste kein außergewöhnlicher Thriller, aber ein unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel mit zwei starken Frauenfiguren. Die vielen Twists machen Spaß, können aber nicht immer darüber hinwegtäuschen, dass einige Nebenfiguren kaum ausgearbeitet sind und die Geschichte zunehmend konstruiert wirkt.

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