Der Astronaut Filmkritik

Der Astronaut (2026) | Filmkritik

Menschlichkeit zwischen den Sternen

von Markus Grunwald

Der Naturwissenschaftslehrer Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht ohne Erinnerung an Bord eines Raumschiffs – Lichtjahre von der Erde entfernt.

Eine Mission ohne Rückfahrkarte

Erst nach und nach setzt sich sein Gedächtnis wieder zusammen und offenbart die Wahrheit: Er ist die letzte Hoffnung der Menschheit. Eine rätselhafte Substanz bedroht das Leben auf der Erde, und nur Grace besitzt das Wissen, um eine Lösung zu finden. Auf seiner Reise begegnet er jedoch einem unerwarteten Verbündeten, mit dem ihn schon bald weit mehr verbindet als nur das gemeinsame Ziel zu überleben.

Nachdem Filme wie Gravity, Interstellar oder Der Marsianer das Genre über Jahre geprägt haben, wurde es zuletzt etwas ruhiger um große Science-Fiction-Abenteuer.

Science-Fiction mit Herz

Umso überraschender ist Der Astronaut, der sich sofort in die erste Liga des Genres spielt. Statt auf permanente Action setzt der Film über weite Strecken auf ein Kammerspiel im Weltall und erzählt eine Geschichte über Einsamkeit, Vertrauen und Freundschaft.

Gerade diese ruhigen Momente gehören zu den größten Stärken des Films. Die Dialoge sind hervorragend geschrieben und deutlich humorvoller, als der ernste Grundton zunächst vermuten lässt. Wer einen durchgehend schweren Science-Fiction-Film erwartet, wird überrascht sein, wie oft man über die Gespräche zwischen Ryland Grace und seinem ungewöhnlichen Begleiter schmunzeln muss. Aus anfänglichem Misstrauen entwickelt sich eine Freundschaft, die den emotionalen Kern des gesamten Films bildet.


Ryan Gosling trägt den Film über weite Strecken nahezu allein und liefert eine seiner stärksten Leistungen überhaupt ab. Er wechselt mühelos zwischen trockenem Humor, Verzweiflung und emotionalen Momenten, ohne dass seine Figur jemals künstlich wirkt. Obwohl nur wenige menschliche Figuren auftreten, bleibt das Geschehen jederzeit spannend.

Ryan Gosling in Höchstform

Auch Sandra Hüller überzeugt in den zahlreichen Rückblenden. Ihre Szenen liefern wichtige Informationen über die Entstehung der Mission und verleihen der Geschichte zusätzliche emotionale Tiefe. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass der Film immer wieder geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt, ohne den Erzählfluss zu unterbrechen.

Bildgewaltig bis in die Unendlichkeit

Visuell gehört Der Astronaut zu den beeindruckendsten Science-Fiction-Filmen der letzten Jahre. Die Außenaufnahmen des Raumschiffs und die fremdartigen Weltraumphänomene erzeugen Bilder, die stellenweise an gigantische Polarlichter erinnern und dennoch vollkommen außerirdisch wirken. Unterstützt wird diese Atmosphäre von einem zurückhaltenden, aber äußerst wirkungsvollen Soundtrack, der den emotionalen Szenen genau den richtigen Raum gibt.


Ob sämtliche wissenschaftlichen Details tatsächlich realistisch sind, spielt letztlich kaum eine Rolle. Der Film möchte keine wissenschaftliche Vorlesung sein, sondern erzählt von Menschlichkeit, Opferbereitschaft und Zusammenarbeit.

Menschlichkeit statt Wissenschaft

Er stellt die Frage, welchen Preis jemand bereit wäre zu zahlen, um die gesamte Menschheit zu retten, und zeigt eindrucksvoll, dass selbst in den dunkelsten Momenten Vertrauen und Freundschaft der größte Antrieb sein können.

Lediglich das Finale hinterlässt einen minimal zwiespältigen Eindruck. Es fällt etwas kürzer aus als erwartet und wirkt stellenweise beinahe zu romantisiert beziehungsweise bewusst offen gehalten. Diese kleinen Kritikpunkte ändern jedoch kaum etwas am Gesamteindruck.

Der Astronaut ist großes Science-Fiction-Kino voller Herz, Humor und beeindruckender Bilder. Ein emotionales Weltraumabenteuer, das eindrucksvoll beweist, dass die stärksten Geschichten nicht von Technik handeln, sondern von den Menschen – und Freunden –, die ihr begegnen.

Bewertung

Bewertung_10

Trailer

Bildrechte: Amazon MGM Studios


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