Er zählt zu den größten Stars der Musikgeschichte, und es gibt wohl niemanden auf diesem Planeten, der ihn oder seine Musik nicht kennt. Seine Lieder begeistern noch heute, und die dazugehörigen Kurzfilme sind unvergessene Kunstwerke, die das Musikfernsehen revolutionierten.
Ikone zwischen Genie und Kontroverse
Seine Tanzschritte fesseln noch immer und lassen einen glauben, dass er die Gravitation außer Kraft setzen konnte. Doch war Michael Jackson noch viel mehr.
Die überlebensgroße Kunstfigur in den Fantasieuniformen und mit der sanften Stimme war auch eine äußerst kontroverse Persönlichkeit. Der Außenseiter auf der Neverland-Ranch, der mit einem Schimpansen lebt, in einem Sauerstoffzelt schläft und sich durch zahlreiche Operationen immer weiter veränderte. Nicht zuletzt brachten ihn auch zahlreiche Gerichtsprozesse, Missbrauchsvorwürfe und eine exzessive Medikamentenabhängigkeit zu Fall.
Heute wird es schwer, seine unvergleichliche Kunst vom schwierigen Künstler zu trennen. Ob er ein Opfer seiner Umstände, ein missverstandenes Genie oder ein Monster war, spaltet die Geister.
Die Herausforderung der Verfilmung
Regisseur Antoine Fuqua (Training Day) hatte also keine leichte Aufgabe, als er sich daran machte, das schwer zu verfilmende Leben des größten Stars der Musikgeschichte auf Zelluloid zu bannen. Würde er sich auf den musikalischen Werdegang konzentrieren oder sich auch kritisch mit dem umstrittenen Künstler auseinandersetzen?
Vom Kinderstar zur Legende
Die Geschichte beginnt in Gary, Indiana, 1966 mit den Jackson Five. Der herrische Familienvater Joseph Jackson macht seine fünf Söhne über Nacht zu Stars. Besonders der kleine Michael kommt mit seiner umwerfenden Stimme gut beim Publikum an.
Schon damals sahen die Kritiker großes Potenzial in dem kleinen Wunderknaben mit den Knopfaugen. Doch hinter der strahlenden Fassade der Boyband steckt ein düsterer Drill des Vaters.
Joseph gönnt den Kindern keine Pause. Alles muss perfekt sein, sodass die Proben immer wieder wiederholt werden. Wer nicht spurt, bekommt den Gürtel zu spüren. Der kleine Michael lernt hier, den Vater regelrecht zu fürchten, und flüchtet sich immer wieder in seine eigene Fantasiewelt. Für eine gewöhnliche Kindheit ist in seinem Leben kein Platz.
Aufstieg und musikalischer Triumph
Jeder Fan kennt die Geschichte und weiß, welchen kometenhaften Aufstieg der kleine Junge nur wenige Jahre später erfahren wird. Mit seinem ersten Soloalbum Off the Wall beginnt der Siegeszug des Künstlers, der ab jetzt die Charts dominiert und mit seiner Musik um den Erdball reist.
Darsteller im Fokus
Die Besetzung der Hauptrolle ist ein genialer Zug. Jaafar Jackson, Neffe des King of Pop, schlüpft in die ikonischen Tanzschuhe und erweckt den Musiktitanen wieder zum Leben. Auch wenn der Sohn von Michaels Bruder Jermaine selbst Sänger und Tänzer ist, stand eine Menge Arbeit vor ihm, die Tanzschritte zu erlernen, die Michael so selbstsicher mit scheinbarer Leichtigkeit präsentierte. Die Kunst lag darin, es nicht einfach zu kopieren. Jede Geste, jeder Blick – alles musste die gleiche Energie besitzen. Eine schwierige Aufgabe.
Doch die Mühen zahlen sich spätestens bei der Billie Jean-Performance auf der Bühne aus. Hier vergisst man schnell, dass es nicht der echte Michael ist. Der Glitzerhandschuh, der Hut und der legendäre Moonwalk – alles sitzt perfekt. Die Illusion ist geglückt.
Auch wenn sich Antoine Fuqua teilweise Freiheiten herausnimmt und nicht alles in der tatsächlichen Chronologie abläuft, ist es eben ein Film.
Fiktion vs. Realität
Schon in Bohemian Rhapsody oder Rocketman wurden Fakten durch Fiktion ersetzt, um das Filmerlebnis besser an die Leinwand anzupassen. Auch Michael zeigt Ereignisse, die so entweder nicht stattfanden oder zu anderen Zeitpunkten passiert wären.
Doch das ist der Unterschied zwischen einem Biopic und einer Dokumentation. Der 127-minütige Film erstreckt sich über 20 Jahre – vom Kinderstar bis zum Beginn der Bad-Tournee, wo der Film dann recht überraschend in den Abspann übergeht. Das ganze Leben mit all seinen Facetten kann hier nur angerissen werden. Der junge Michael, gespielt von Juliano Valdi, überzeugt ebenso wie Jaafar Jackson. Mit seinem kindlichen Charme und einer zarten Unschuld verzaubert er den Zuschauer genauso wie das Original in den 60ern.
Auch Miles Teller als Anwalt John G. Branca, Nia Long als Katherine Jackson und Mike Myers als Musikproduzent werten den Cast auf. Was jedoch schmerzlich vermisst wird, ist Michaels Schwester Janet, die im Film gar nicht vorkommt – vermutlich kein Zufall.
Der Film ist mehr als ein Liebesbrief an einen beispiellosen Künstler zu verstehen, der den Protagonisten als sympathischen und nahbaren Menschen zeigt. Die kritischen Stimmen werden weitgehend ausgeblendet, und die Skandale gekonnt umschifft.
Ein Liebesbrief mit blinden Flecken
Zwar war im dritten Akt ursprünglich die Thematisierung der ersten Missbrauchsvorwürfe geplant, musste jedoch aufgrund juristischer Abmachungen überarbeitet und gestrichen werden. Für Fans des Musikers und seines künstlerischen Schaffens ist Michael dennoch ein Erlebnis. Wenn die Choreografie für Beat It mit lokalen Gangmitgliedern einstudiert wird, tanzende Zombies für Thriller auftreten und ikonische Szenen in neuem Glanz erstrahlen, wird deutlich, was den King of Pop so einzigartig machte.
Eine Versöhnung zwischen Fans und Kritikern wird Michael nicht schaffen. Doch für alle, die mit seiner Musik aufgewachsen sind, ist es eine emotionale und visuell beeindruckende Reise durch ein außergewöhnliches Leben. Das abrupte Ende deutet zudem an, dass ein zweiter Teil folgen könnte – sofern der Film an der Kinokasse überzeugt.

Bildrechte: Universal Pictures (Plaion Pictures)*
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