Wicked – Teil 2 setzt dort an, wo der erste Teil aufgehört hat, und verspricht nichts Geringeres als den emotionalen und erzählerischen Abschluss der bislang „unerzählten Geschichte der Hexen von Oz“.
Ein Finale ohne Zauber
Bereits der erste Teil von Wicked hinterließ mit seiner zähen Erzählweise und der ausufernden Musicalstruktur einen eher durchwachsenen Eindruck. Wicked – Teil 2 verschärft diese Probleme nun deutlich. Statt die offenen Fäden zu bündeln oder emotional zu vertiefen, verliert sich die Fortsetzung in Überlänge, zerfaserten Handlungssträngen und einer Songsammlung, die dem Film mehr im Weg steht, als ihm zu helfen.
Magie, Drama und erzählerische Konsequenz bleiben dabei erneut auf der Strecke – diesmal jedoch spürbar erschöpfter und weniger verzeihlich.
Elphaba (Cynthia Erivo), nun endgültig zur Böse Hexe des Westens erklärt, lebt im Exil und kämpft für die unterdrückten sprechenden Tiere sowie gegen die Lügen des Zauberers (Jeff Goldblum).
Zwischen Exil, Intrigen und Kansas
Glinda (Ariana Grande) hingegen hat sich im Palast eingerichtet, wird zur Ikone des Guten stilisiert und steht kurz vor der Hochzeit mit Fiyero (Jonathan Bailey). Politische Intrigen, alte Verletzungen und das Auftauchen eines Mädchens aus Kansas drohen das ohnehin fragile Gleichgewicht von Oz endgültig zu zerstören.
Was auf dem Papier nach epischem Drama klingt, bleibt im Film jedoch erstaunlich blass und fragmentiert.
Das größte Problem von Wicked – Teil 2 sind seine Songs. Während der erste Teil noch mit einprägsamen Nummern wie zum Beispiel Frei und Schwerelos und klarer emotionaler Führung punktete, wirken die Lieder hier austauschbar, schlechter komponiert und vor allem permanent störend.
Musical als Stolperfalle
Kaum hat sich eine Szene aufgebaut, wird sie von einem weiteren Song unterbrochen – oft ohne klare Aussage, häufig schlecht verständlich und dramaturgisch kaum motiviert. Statt Emotionen zu verstärken, bremsen die Musicalnummern den Film aus und zerstören jeden narrativen Fluss.
Mut beweist der Film durchaus: Die Vorgeschichten von Blechmann, Vogelscheuche und die indirekte Einbindung Dorothys sind interessante Ansätze, fühlen sich jedoch wie Fremdkörper an. Besonders enttäuschend ist der Umgang mit der Handlung rund um die sprechenden Tiere, die zunächst als zentrales Thema aufgebaut wird, dann aber nahezu folgenlos verpufft. Auch große Themen wie Tod, Verrat und Opfer verlieren durch unglückliche Inszenierung und musikalische Überinszenierung jede emotionale Wirkung – zurück bleibt Verwirrung statt Anteilnahme.
Darstellerisch bleibt alles auf solidem, aber uninspiriertem Niveau. Weder Erivo noch Grande können hier neue Akzente setzen, was vielleicht weniger an ihrem Können als am schwachen Material liegt. Ein Lichtblick sind die Kostüme und das kitschig-opulente Setting, die weiterhin visuell faszinieren und zeigen, wie viel Liebe ins Produktionsdesign geflossen ist.
Schauspiel, Kostüme und Kulissen
Leider reicht das nicht aus, um die erzählerischen Schwächen zu kaschieren. Wicked – Teil 2 möchte größer, emotionaler und spektakulärer sein als sein Vorgänger – scheitert aber an sich selbst. Die dünne Geschichte über eine konfliktreiche Freundschaft wird endlos ausgewalzt, verliert sich in Nebensträngen und wird von schwachen Songs regelrecht erdrückt.
Als Musical auf der Bühne mag Wicked funktionieren, als zweiteiliger Spielfilm jedoch offenbart sich hier ein strukturelles Chaos, das eher ermüdet als verzaubert. Am Ende bleibt Kopfschütteln statt Gänsehaut.

Bildrechte: Universal Pictures
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