26th Jan2018

Your Name. (2016) | Filmkritik

von

Your Name

Seit jeher dominierte das weltbekannte und gefeierte Studio Ghibli die Welt der animierten Filme aus Japan. Meisterwerke wie Mein Nachbar Totoro (1988), Prinzessin Mononoke (1997) oder Chihiros Reise ins Zauberland (2001) gelten zurecht als Vorzeigeobjekte der Erzählkunst und verbinden wunderschöne Zeichenkunst mit einer tieferen Botschaft.

Nun hat Your Name. – Gestern, heute und für immer den Thron des Studios nicht nur angekratzt, sondern regelrecht übernommen – auf jeden Fall aus finanzieller Sicht.

yourname_1 Wo seit 2001 das Oscar-prämierte Werk Chihiros Reise ins Zauberland unumstößlich seinen Platz hatte, hat Your Name. nun die Einnahmen von $289,096 Mio. pulverisiert und steht weltweit bislang bei $357,986 Mio. an den Kinokassen! Ein Erfolgszug, der kein Ende zu kennen scheint. Doch warum trifft die Coming-of-Age Geschichte des japanischen Regisseurs Makoto Shinkai (5 Centimeters per Second) den Nerv der Zeit mit solch einem Erfolg?

Das junge Mädchen Mitsuha lebt gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Yotsuha bei ihrer Großmutter in einer ländlichen Kleinstadt Japans. Traditionell und konservativ fügt sie sich ihrem Dasein und träumt insgeheim doch von einer ganzen anderen Welt. Ihr langweiliges Leben in der Provinz hat sie satt und wünscht sich ein aufregendes Leben in der Großstadt Tokios.

Genau dort lebt indes der junge Taki, welcher diesen Lebensstandard aufweisen kann. In der Millionen-Metropole verbringt er seine freie Zeit mit seinen Freunden in den facettenreichen Cafés der Stadt und jobbt neben der Schule in einem italienischen Restaurant. Neben all dem Stress und Trubel würde er sich jedoch über etwas Ordnung und ein beschauliches Aufwachsen freuen.

Eines Tages scheint Mitsuha einen Traum zu haben, in dem sie sich im Körper von Taki in Tokio wiederfindet. Parallel macht Taki eine ähnliche Erfahrung: Er findet sich als Mitsuha der Kleinstadt in den Bergen wieder, wo er noch nie zuvor war. Doch wie kommt es zu dieser schicksalhaften Verstrickung und welches Geheimnis verbirgt sich wirklich hinter den Träumen der beiden Teenager?

yourname_2 Was sich inhaltlich wie eine moderner Variante von schlechten Disney-Werken wie Freaky Friday liest, in dem eine Mutter und ihre Tochter über Nacht den Körper tauschen, ist keinesfalls nur eine stumpfe Komödie. Your Name. ist ein emotionales Werk über Liebe, das Erwachsenwerden und die Grenzen von Raum und Zeit, welche uns nicht daran hindern sollten unser Leben zu leben.

Die Geschichte der beiden Teenager, die solch ein unterschiedliches Leben führen und nur durch ihre Träume verbunden scheinen, beginnt dabei zunächst recht unspektakulär. Nachdem das Rätsel gelüftet ist und sich beide mit der Tatsache abgefunden haben, dass sie mehrmals in der Woche das Leben einer anderen Person führen, werden die klassischen Gags gezeigt.

Taki erkunden den Körper des fremden Mädchens und ist ein Ass im Sportunterricht, während Mitsuha als Dating-Expertin den großen Schwarm mit ihrer weiblichen Seite einnimmt. Wie schon gesagt, ist Your Name. aber so viel mehr als nur ein nettes Werk mit humoristischen Spitzen. Denn sobald die Einführung der Figuren und die Ausgangssituation abgehandelt ist, beginnt eine ausdrucksstarke Reise der Selbstfindung und die Suche nach dem Neuen.

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Dargestellt und vorgetragen wird dies in einem bildgewaltigen Feuerwerk, welches man sich als aktuellen Standard der Zeichenkunst wünscht. Nicht nur, dass die Natur und Umgebungen liebevoll gestaltet sind, besonders die effektvollen Szenen haben jede Menge Energie und Wucht in sich. Sei es nun der Fall eines Kometen oder die Verbindung von Raum und Zeit – hier präsentiert sich Your Name. von einer ganz starken Seite und lässt das Herz des Zuschauers höher schlagen.

Auch die fortschreitende Handlung entwickelt sich zu einem Wechselbad der Gefühle, bei welchem die beiden Protagonisten ein ums andere Mal mit Verlust zu ringen haben. Immer emotionaler und intensiver wird ihr Handeln und Stück für Stück nähern sie sich ihrem Ziel.

Was die deutsche Synchronisation angeht merkt man, dass sich hier viele Gedanken gemacht wurden. Auch wenn Laura Jenni in der Rolle der Mitsuha Miyamizu teils etwas zu jung klingt, überzeugen doch alle anderen Charaktere durch und durch. Besonders Maximilian Belle als Taki Tachibana liefert eine grandiose Performance ab. Auf der Tonebene ist es des Weiteren auch die musikalische Untermalung der japanischen Rockband Radwimps, die an den richtigen Stellen zu unterstützen weiß.

Am Ende sitzt man bei Your Name. – Gestern, heute und für immer mit einem ebenso lachenden wie weinenden Herz und erfreut sich über eine mutige Geschichte, die die Regeln von Raum und Zeit neu anordnet, um eine gefühlvolle Liebesgeschichte zu erzählen, die jeglichen Widerständen trotzt. Wunderschön wie der Fall eines Kometen und ebenso eindrucksvoll.

Eine Messlatte der animierten Zeichentrickkunst, welche hoffentlich in den nächsten Jahren viele weitere Mitstreiter motiviert und ambitioniert.

Trailer

Cast & Crew

Regie: Makoto Shinkai
Drehbuch: Makoto Shinkai
Musik: Radwimps
Deutsche Stimmen: Maximilian Belle, Laura Jenni, Laura Maire, Eva-Maria Lahl, Tobias John von Freyend

Bewertung

Bewertung_9

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