19th Jan2015

Frau Müller muss weg (2015) | Filmkritik

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Frau Müller muss weg

Frau Müller muss weg! Die Lehrerin einer Übergangsklasse muss verschwinden, um für die Kinder den Sprung auf das Gymnasium zu sichern. Das zumindest ist die Meinung einer Gruppe besorgter Eltern, deren Schützlinge nicht mehr die erwünschten Leistungen bringen. Der Grund dafür ist allen klar: Die Klassenleiterin Frau Müller ist mit ihren Schülern überfordert und schafft es nicht mehr den Lehrstoff erfolgreich zu vermitteln.

So finden sich an einem Samstagmorgen fünf Vertreter der Elternschaft in einer leeren Schule wieder, um ein endgültiges Gespräch mit Frau Müller zu führen und diese aufzufordern die Klasse abzugeben. Allen voran steht die Sprecherin der Gesandtschaft Jessica Höfel (Anke Engelke), eine knallharte Karrierefrau, die es gewohnt ist anderen zu sagen wie der Hase läuft. Ihr angeschlossen haben sich Wolf Heider (Justus von Dohnányi), das zugezogene Ehepaar Patrick und Marina Jekow (Ken Duken und Mina Tander) und Katja Grabowski (Alwara Höfels), die eigentlich gar kein Problem mit Frau Müller hat und nur aus Solidarität mitgekommen ist.

Das Elterngespräch verläuft schließlich ganz anders als es sich alle Parteien vorgestellt hatten. Frau Müller hört sich die Vorwürfe an, um danach in die Offensive zu gehen und zum Rundumschlag gegen die Eltern auszuholen. Danach verlässt sie Hals über Kopf das Zimmer und lässt die perplexen Eltern allein zurück. Konfrontiert mit Frau Müllers Kritik beginnen die Eltern ihre Positionen zu überdenken. Um das abgebrochene Gespräch doch noch erfolgreich zu beenden, machen sich die fünf in der Schule auf die Suche nach der Lehrerin. Dabei werden auch Konflikte untereinander wieder hervorgebracht.

Frau Müller muss weg ist Sönke Wortmanns Kinoverfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Lutz Hübner. Wortmann, der das Stück schon 2012 im GRIPS Theater in Berlin inszenierte, war sofort von dem Stoff begeistert und bemühte sich um die Verfilmungsrechte. Das Theaterstück spielt ausschließlich im Klassenzimmer, in dem sich eine Gruppe Eltern zusammenfindet, die sich so im normalen Leben sicher nicht miteinander abgeben würde. Die filmische Handlung spielt sich im gesamten Schulgebäude ab. Der hohe „Druck im Kessel“, wie es Wortmann nennt, bleibt durch die unterschiedlichen Charaktere auf vergleichsweise engem Raum aber erhalten. Immer wieder inspiriert wurde der Regisseur von John Hughes Klassiker Breakfast Club, der unter ähnlichen Voraussetzungen spielt.

Den Film kann man ohne Probleme als Ensemblefilm bezeichnen. Trotzdem war die Besetzung von Frau Müller besonders wichtig. Gabriela Maria Schmeide hat dabei die nötige Präsenz, eine Titelfigur zu spielen, die nur zu Beginn und am Ende des Films auftaucht und dazwischen nicht zu sehen ist. Sie muss nachwirken. Produzent Tom Spieß bringt es auf den Punkt: „Frau Müller muss standfest sein und eine Moral haben; als einzige Figur in der Geschichte.“ Und tatsächlich schafft es Gabriela Maria Schmeide ihrer Figur so viel Schwung zu geben, dass sie bis zum Ende des Films problemlos mitschwingt, ohne auf der Leinwand zu sehen zu sein.

Zweifelloses Flaggschiff im Cast ist Anke Engelke, die für die Rolle der dominanten Elternsprecherin schon früh feststand. Ihren nicht weniger emotional geladenen Gegenpart spielt Justus von Dohnányi. Beide liefern sich verbale Schusswechsel, bei dem man nur zu gern zuschaut und zuhört. Die anderen Figuren haben zwar auch ihre Auftritte und werden von ihren Darstellern großartig verkörpert, aber Engelke und von Dohnányi bleiben im Gedächtnis.

Was ein wenig aufstößt ist der vereinzelt zu flache Slapstick. Das Drehbuch ist stark genug, um komische Situationen subtil herüberzubringen. Anke Engelke, die in voller Businessmontur versucht ihr Handy aus einem Pool zu fischen, um schließlich doch im Wasser zu landen, fühlt sich im Vergleich zu anderen Szenen sehr nach Holzhammermethode an. Die finale Prügelei der zwei Väter, die letztlich in einer Glasvitrine endet, war ebenfalls unnötig. Zum Humor des Films tragen seine Charaktere bei. Und das schaffen diese auch problemlos ohne große Knalleffekte.

Was nach dem Film bleibt sind jedoch nicht nur die Witze, sondern auch die Aussage die er vermitteln soll. Oft sind es die Eltern, die vollkommen verblendet von den Vorstellungen ihrer Kinder die Realität aus den Augen verlieren. Und genau mit dieser Erkenntnis verlässt man das Kino. Warum mit viel Kraft und Aufwand etwas erzwingen wollen, wenn der Ausgang des Ganzen am Ende ohnehin nicht in unserer Hand liegt?

Sönke Wortmann hat mit seiner Verfilmung von Frau Müller muss weg einen ganz bestimmten Nerv getroffen. Er spricht Probleme an, die es so zu genüge in den Klassenzimmern und Elternhäusern gibt. Trotzdem ist der Film kein moralischer Fingerzeig. Vielmehr bekommt der ein oder andere auf humorvolle Art und Weise einen Spiegel vorgehalten, auch wenn dieser hier und da ein wenig verzerrt ist.

Großartiges deutsches Kino mit einem starken Cast und einer humorvollen Analyse des Wahnsinns eines Elternabends.

Cast & Crew

Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Lutz Hübner, Sarah Nemitz, Oliver Ziegenbalg
Musik: Martin Todsharow
Darsteller: Gabriela Maria Schmeide, Justus von Dohnányi, Anke Engelke, Ken Duken, Mina Tander, Alwara Höfels, Rainer Galke, Jürgen Maurer

Bewertung

Bewertung_8

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