16th Nov2013

Lovelace (2013) | Filmkritik

von

Lovelace

1970, Florida: Linda Boreman besucht mit ihrer besten Freundin eine Rollschuh Disco und beginnen hemmungslos auf der Bühne zu tanzen. Chuck Traynor wird auf die beiden Mädchen aufmerksam und vor allem Linda weckt sein Interesse. Schnell schafft er es, dass ihm die junge, naive Linda komplett verfallen ist.

Schon wenige Zeit später zieht Linda bei ihren konservativen Eltern aus und heiratet Chuck. Bei einer ausgelassenen Party kommt sie zum ersten Mal mit einem Amateurporno ihres Ehemanns in Kontakt.

Sechs Monate später muss Linda ihren Mann gegen Kaution aus dem Gefängnis holen. Verzweifelt und verschuldet treibt Chuck seine Frau in die Prostitution. Um noch mehr Geld einzunehmen, schleppt Chuck Linda zu einem Vorstellungsgespräch bei Nat Laurendi und Anthony Romano, welche daraufhin zusammen mit Linda den Pornofilm Deep Throat produzieren. Aus Linda Boreman wird Linda Lovelace.

Deep Throat entwickelt sich zu einem Kassenschlager und spielt in der ersten Woche bereits über 30.000 US-Dollar ein. Linda wird zu einem Star und lernt Persönlichkeiten wie Hugh Hefner und Sammy Davis junior kennen. Doch trotz des Erfolgs wird Linda weiterhin von ihrem Ehemann Chuck tyrannisiert und ihr Leben fällt immer mehr auseinander.

Langsam verliert sich die junge Frau in einer falschen Identität und in den Schattenseiten der Pornoindustrie.

Der Pornofilm Deep Throat wurde im Jahr 1972 mit 22.500 US-Dollar und an nur sechs Drehtagen realisiert. Das vom Film ausgelöste Echo sollte jedoch deutlich größere Dimensionen annehmen, als es das niedrige Budget erahnen lies. Insgesamt spielte der Low-Budget-Streifen 100 Millionen US-Dollar ein. Das FBI geht jedoch durch kriminelle Machenschaften von bis zu 600 Millionen US-Dollar aus. Linda Lovelace entwickelte sich zur bekanntesten Pornodarstellerin der 1970er Jahre. Der Film revolutionierte die Pornoindustrie und sorgte dafür, dass Pornografie aus den Schmuddelecken der Bahnhofskinos ans Tageslicht kam. Das Gesicht des Wandels gehörte Linda Lovelace.

Doch das Leben der Hauptdarstellerin des Films Deep Throat war alles andere als glänzend und erfolgreich. 1980 enthüllte sie in ihrer Autobiografie Ordeal (Martyrium) wie sie durch Gewalt, Vergewaltigung, Prostitution und dem Pornogeschäft geprägt wurde.

Im Jahr 2013 adaptierten nun die Regisseure Rob Epstein und Jeffrey Friedman die Geschichte von Linda Boreman für die Kinoleinwand und behandeln den Lebensabschnitt zwischen 20 und 32 Jahren.

Dargestellt wird die Pornoikone von der US-amerikanischen Schauspielerin Amanda Seyfried, die man 2013 unter anderem noch in Les Misérables bewundern konnte. In Lovelace übernimmt sie die Rolle des naiven Mädchens Linda, die von ihren Eltern keinen Halt bekommt und von ihrem Ehemann zur Sexsklavin unterdrückt wurde. Schauspielerisch ist Amanda Seyfried in Topform, aber da ihre Figur über die gesamte Laufzeit von 92 Minuten als unschuldiges Opfer dargestellt wird, gibt es wenig Raum für verschiedene Facetten.

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Mit etwas mehr Ecken und Kanten ausgestattet ist da schon die Figur des Chuck Traynor, dargestellt von Peter Sarsgaard (Shattered Glass), der die Naivität und Liebe eines jungen Mädchen ausnutzt, um seine Gier nach Macht und Geld zu stillen. In weiteren Rollen sind Sharon Stone, Robert Patrick, Juno Temple, Adam Brody und James Franco, die alle den Film mit ihrer Präsenz tatkräftig unterstützen.

Das 70er Jahre Setting und die Kostüme wirken ebenfalls, unterstützt durch einen passenden Soundtrack, durchgehend authentisch. Einzig bei der Handlung des Films hat man es sich etwas zu einfach gemacht. Abseits von den unmotivierten Zeitsprüngen ist es die permanente Anwesenheit der Linda Lovelace, welche mit der Zeit doch etwas für Langeweile sorgt. Auch wenn ihr Leben und ihre Erfahrungen Mittelpunkt des Geschehens sind und erzählt werden sollen, wäre es für den Film fördernd gewesen auch stärker auf die Nebenrollen einzugehen.

Allen voran natürlich Ehemann Chuck Traynor, aber auch die Beziehung zu Hugh Hefner oder Lindas Eltern plätschert nur lieblos nebenher. Hier wurde deutliches Potenzial verschenkt.

Zusammenfassend muss man sagen, dass Lovelace zwar eine prägende Ikone der 70er Jahre würdigt, aber in Sachen Geschichte nur knapp über dem Niveau eines Pronostreifen der thematisierten Zeit steht.

Cast & Crew

Regie: Rob Epstein, Jeffrey Friedman
Drehbuch: Andy Bellin
Musik: Stephen Trask
Darsteller: Amanda Seyfried, Peter Sarsgaard, Sharon Stone, Adam Brody, Juno Temple

Bewertung

Bewertung_5

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