Für den kleinen Spike (Alfie Williams) lief es bereits im Vorgängerfilm nicht besonders gut. Um seine kranke Mutter zu retten, begibt er sich auf eine Reise durch das verseuchte England.
Ein unheilvoller Pakt im sterbenden Land
Das Wut-Virus hat hier die meisten dahingerafft und ein gefährlicher Riese mit der Zombiekrankheit streift durch die Gegend. Beim Versuch, den flinken Hirnfressern zu entkommen, läuft er der blonden Jimmy-Gang in die Arme. Eine verrückte Satanistengruppe, angeführt von Sir Jimmy Crystal (Jack O’Connell), nimmt den ängstlichen Jungen als Mitglied in der gefährlichen, blonden Bande auf.
Im Namen des Teufels werden Opfer gesucht, um diese für den Antichristen zu heilen.
Auch Doktor Ian Kelson (Ralph Fiennes) ist zurück und baut nicht nur an seinem Knochentempel zu Ehren der Verstorbenen weiter, sondern doktert am Alphazombie Samson (Chi Lewis-Parry) herum, der so etwas wie ein Freund des Ex-Arztes wird. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Jimmy-Gang auf den eremitischen Alten trifft.
Die Pervertierung der Menschlichkeit
Der nunmehr vierte Teil der Reihe setzt dort an, wo Teil 3 so drastisch endete, was beide Teile zu einem Gesamtwerk macht. Viele Handlungsstränge werden hier aufgegriffen, die in 28 Years Later begonnen wurden. Dabei schafft es Regisseurin Nia DaCosta, den Zerfall der Menschlichkeit im Fall des Anführers der Jimmys immer weiter voranschreiten zu lassen, während der gefährlichste aller Zombies peu à peu seine Menschlichkeit wiedergewinnt.
Während die blonde Manson-Familie 2.0 immer grausamer wird und ihre Opfer lebendig häutet, wandert Samson wie ein sanftmütiger Riese durch den immergrünen Wald und kostet Beeren, streichelt Gras und nimmt ein Bad im Fluss.
Den Höhepunkt bildet eine ganz besondere Darbietung eines großartigen Iron-Maiden-Hits von 1982. Cooler könnte man diese ganze Szenerie nicht inszenieren.
Heavy Metal und die Apokalypse
Auch das Ende des Films verheißt uns den Ausblick auf eine mögliche Fortsetzung. Auch wenn der Horror hier um ein ganzes Stück zurückgedreht wurde, bleiben vereinzelte Goremomente, die nichts für zartbesaitete Seelen sind. Zombies kann man hier an einer Hand abzählen, dafür gibt es tiefgründige Figuren und man fürchtet den Wahnsinn mehr als das tödliche Virus.
Schauspielerische Brillanz im Kammerspiel
28 Years Later: The Bone Temple spielt zwar nur an wenigen Schauplätzen, ist dennoch spannend erzählt und sehr atmosphärisch. Besonders Ralph Fiennes kann hier voll und ganz als Doktor überzeugen. Getrieben von seinem Wahnsinn und der Genialität eines Wissenschaftlers wird er zur menschlichsten Figur des Films. Ein besonderes Lob verdient auch der hünenhafte Chi Lewis-Parry, der ohne Worte und ohne Kleidung eine brutale Naturgewalt verkörpert, die noch immer um ihre restliche Menschlichkeit kämpft.
Auch wenn Teil 3 und 4 Back-to-Back produziert worden sind, könnten sich beide Werke nicht mehr voneinander unterscheiden.
Vom Überlebenskampf zum Psychoterror
Wo der dritte Film der Reihe noch ein postapokalyptischer Survival-Horror war, trumpft Teil 4 nun mit tiefgründigen Charakteren auf und lässt von den Menschen eine größere Bedrohung ausgehen als von den eigentlichen Monstern. Einziger Wermutstropfen ist leider die Tatsache, dass Spike kaum eine wichtige Rolle mehr spielt und größtenteils nur als Mitläufer in Erscheinung tritt.

Bildrechte: Sony Pictures Entertainment (PLAION PICTURES)
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