Bleed for This

Wird „Bleed for This“ Boxlegende Vinny Paz gerecht?

Ein Rückblick auf das packende Sportlerdrama mit Miles Teller

von Mathias Grunwald

Wenn man auf biografische Sportfilme blickt, die den Schmerz, den Ehrgeiz und den unbändigen Willen eines Athleten einfangen, stechen oft Werke wie *The Fighter* oder *Million Dollar Baby* hervor. Im Jahr 2016 erschien mit Bleed for This ein weiterer, extrem intensiver Vertreter dieses Genres. Der Film widmet sich der wahren Geschichte des legendären US-Boxers Vinny „Paz“ Pazienza, der im Laufe seiner Karriere beeindruckende 50 Siege und fünf Weltmeistertitel in verschiedenen Gewichtsklassen vorzuweisen hatte.

Der tiefe Fall und der verhängnisvolle Unfall

Vinny Pazienzas Glanzzeiten zwischen den 1980er- und 1990er-Jahren waren nicht nur von sportlichen Triumphen geprägt, sondern auch von exzessivem Luxus, Party-Eskapaden und einer enormen Schwäche für das Glücksspiel, die ihn zeitweise tief in finanzielle Schwierigkeiten stürzte.

Doch es war kein verlorener Kampf im Seilgeviert, der seinen legendären Status zementierte, sondern ein Schicksalsschlag im Jahr 1991. Ein schwerer Autounfall hätte seine Karriere beenden und ihn Berichten zufolge für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl fesseln können – die Ärzte erklärten ihm, er werde nie wieder richtig gehen, geschweige denn boxen können. Doch seine eiserne Zähigkeit und ein fast schon masochistischer Trainingswille trieben ihn dazu, schon kurz nach Verlassen des Krankenhauses heimlich mit schwerem Gewichtetraining zu beginnen. Gegen alle medizinischen Prognosen schaffte er das schier Unmögliche und kehrte in den Ring zurück – gekrönt von seinem emotionalen Sieg gegen Luis Santana im Dezember 1992.

Besetzung und filmische Umsetzung

Die Besetzung des Films sorgte im Vorfeld für Gesprächsstoff: Mit Miles Teller wurde ein zu jener Zeit aufstrebender Schauspieler für die Hauptrolle des Vinny verpflichtet. Zwar gab es manche Zweifel, ob Teller das nötige Star-Gewicht für eine Produktion dieser Größenordnung besaß, doch er strafte alle Kritiker Lüge: Er unterzog sich einer harten physischen Transformation, legte sich eine enorme muskulöse Statur zu und verkörperte den kämpferischen Egozentriker mit absoluter Hingabe.

An seiner Seite glänzt Batman-Star Aaron Eckhart in einer kaum wiedererkennbaren, großartigen Nebenrolle als Trainerlegende Kevin Rooney, der den verletzten Boxer trotz aller Widrigkeiten zurück an die Weltspitze führt.

Die Schattenseiten des Ruhms

Der Film scheut sich nicht, auch die dunklen Kapitel von Pazienzas Leben zu beleuchten. Neben dem harten Boxsport zeigt das Drama, wie gefährlich der rauschhafte Erfolg für einen jungen Sportler sein kann, wenn Disziplin im Ring auf unkontrollierte Exzesse außerhalb trifft.

Unter der Ägide von Produzenten-Legende Martin Scorsese und nach dem Drehbuch sowie der Regie von Ben Younger zeichnet Bleed for This ein rauhes, ungefiltertes und hochemotionales Porträt eines Mannes, der physisch und psychisch komplett zerstört war und sich buchstäblich aus der Asche zurückkämpfte. Wer biografische Sportdramen liebt, findet hier ein echtes, oft übersehenes Juwel der 2010er-Jahre.

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