Buch Märchen

Die beliebtesten Märchen der Brüder Grimm

Wir stellen die besten Märchen der Brüder Grimm vor

von Mathias Grunwald

Fast jedes Kind ist mit Märchen aufgewachsen. Für viele von uns waren diese Geschichten der erste Kontakt mit großen Themen wie Mut, Liebe, Verlust und Gerechtigkeit. Auch heute noch gehören Märchen zu den prägendsten kulturellen Werkzeugen und bereiten ihr Publikum in metaphorischer Form auf das Leben vor.

Die Märchen der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gehören zu den berühmtesten der Welt. „Aschenputtel“, „Dornröschen“ und „Rapunzel“ sind nur einige der vielen Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Eines der Dinge, die die Grimmschen Erzählungen so zeitlos machen, ist ihre oft ungeschönte und bildhafte Sprache. Obwohl die Brüder Grimm die Märchen nicht selbst erfunden, sondern aus der Bevölkerung gesammelt und aufgeschrieben haben, sind ihre Versionen heute der weltweite Standard. Sie prägen unsere Popkultur nachhaltig und dienen als Vorlage für unzählige Kinofilme, Animations-Hits (insbesondere aus dem Hause Disney) und erfolgreiche Fantasy-Serien wie Once Upon a Time oder Grimm.

In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf einige der berühmtesten Märchen der Brüder Grimm und ihre anhaltende Bedeutung für unsere moderne Unterhaltungskultur. Dies sind die Geschichten, die man kennen muss.

Hänsel und Gretel

Dieses weltberühmte Märchen erzählt die Geschichte der Geschwister Hänsel und Gretel, die von ihren verarmten Eltern im dunklen Wald ausgesetzt werden. Als die von Hänsel ausgelegten Brotkrümel von Vögeln gefressen werden, verirren sie sich und stoßen auf ein verlockendes Haus aus Lebkuchen. Darin wohnt jedoch eine böse Hexe, die Kinder mästet, um sie zu fressen. Die smarte Gretel überlistet die Hexe schließlich, stößt sie in den brennenden Ofen und befreit ihren Bruder. Die düstere Prämisse diente schon oft als Vorlage für moderne Kino-Interpretationen – vom klassischen Märchenfilm bis hin zum blutigen Action-Blockbuster Hänsel und Gretel: Hexenjäger.

Rotkäppchen

Die Geschichte vom Rotkäppchen, das seiner kranken Großmutter Kuchen und Wein bringen soll, ist ein absoluter Klassiker. Auf dem Weg durch den Wald lässt sich das gutgläubige Mädchen von einem Wolf vom Weg abbringen. Der Wolf eilt voraus, frisst die Großmutter, verkleidet sich mit ihrer Haube und verschlingt schließlich auch Rotkäppchen. Erst ein vorbeikommender Jäger kann die beiden retten, indem er dem schlafenden Wolf den Bauch aufschneidet. Die tiefenpsychologischen Motive dieses Märchens über Verführung und das Verlassen des sicheren Weges wurden in Filmen wie Red Riding Hood – Unter dem Wolfsmond vielfach neu interpretiert.

Der Froschkönig

Dieses Märchen eröffnet traditionell die bekannte Sammlung der Brüder Grimm. Es erzählt von einer Prinzessin, der ihre goldene Kugel in einen tiefen Brunnen fällt. Ein Frosch bietet an, die Kugel zu holen, verlangt dafür aber, ihr Spielkamerad zu sein, von ihrem Teller zu essen und in ihrem Bett zu schlafen. Was in popkulturellen Adaptionen wie Disneys Küss den Frosch oft romantisiert wird, ist im Grimm-Original deutlich rabiater: Der Fluch des Frosches wird nicht durch einen Kuss der wahren Liebe gebrochen, sondern weil die wütende Prinzessin das Tier vor Ekel mit voller Wucht gegen die Wand wirft – woraufhin er sich in einen schönen Prinzen verwandelt.

Rapunzel

„Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ – ein Satz, der in die Film- und Literaturgeschichte eingegangen ist. Das Märchen erzählt von einem Mädchen, das von einer Zauberin in einem turmhohen Verlies ohne Tür eingesperrt wird. Sie lässt ihr langes, goldenes Haar als Leiter hinab, damit ein Prinz sie heimlich besuchen kann. Als die Zauberin dies entdeckt, schneidet sie Rapunzels Haare ab und blendet den Prinzen, der schließlich erst Jahre später durch die Tränen Rapunzels geheilt wird. Mit dem Animationshit Rapunzel – Neu verföhnt (Tangled) verhalf Disney dem Klassiker zu einem modernen, humorvollen Revival.

Frau Holle

Dieses oft in der Winterzeit zitierte Märchen erzählt von zwei ungleichen Stiefschwestern. Die fleißige Schwester springt auf der Suche nach einer verlorenen Spule in einen Brunnen und landet im wundersamen Reich von Frau Holle. Weil sie ihr fleißig im Haushalt hilft und die Betten so kräftig schüttelt, dass es auf der Erde schneit, wird sie bei ihrer Heimkehr mit einem Regen aus Gold belohnt (Goldmarie). Die faule Schwester versucht daraufhin dasselbe, weigert sich aber zu arbeiten und wird stattdessen mit einem Bottich voll klebrigem Pech bestraft (Pechmarie). Ein moralischer Klassiker über Fleiß und Gerechtigkeit.

Rumpelstilzchen

„Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ Das Märchen handelt von einer Müllerstochter, die vom gierigen König gezwungen wird, Stroh zu Gold zu spinnen. Ein seltsames Männchen bietet ihr seine magische Hilfe an, fordert als letzten Lohn jedoch ihr erstgeborenes Kind. Nur wenn sie den wahren Namen des Männchens errät, darf sie ihr Baby behalten. Das Märchen spielt geschickt mit der alten mythologischen Vorstellung, dass das Kennen des wahren Namens Macht über ein Wesen verleiht.

Dornröschen

Dornröschen ist der Inbegriff des klassischen Prinzessinnen-Märchens. Zur Geburt der Königstochter wird eine dreizehnte, ungeladene Fee aus Rache einen tödlichen Fluch aussprechen, der von einer guten Fee in einen hundertjährigen Schlaf abgemildert wird. Als sich die Prinzessin an ihrem 15. Geburtstag an einer Spindel sticht, fällt das gesamte Schloss in einen Tiefschlaf und wird von einer undurchdringlichen Dornenhecke überwuchert. Erst nach genau 100 Jahren weckt ein Prinz sie mit einem Kuss. Die Vorlage inspirierte nicht nur den weltberühmten Disney-Klassiker, sondern auch die Blockbuster-Reihe Maleficent, die die Geschichte aus der Sicht der bösen Fee erzählt.

Fazit

Die Brüder Grimm waren zwar keine Geschichtenerfinder im heutigen Sinne, aber herausragende Bewahrer von Kulturgut. Ihre gesammelten Märchen gehören zu den einflussreichsten Texten aller Zeiten und sind ein unerschöpflicher Steinbruch für die heutige Film- und Serienlandschaft. Wer die filmischen Adaptionen wirklich verstehen und wertschätzen möchte, sollte immer mal wieder einen Blick in die Originalfassungen werfen – denn diese sind oft deutlich düsterer, spannender und faszinierender als ihre Hollywood-Gegenstücke.

Bildrechte: Ghinzo auf Pixabay

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