Warcraft: The Beginning

Wie erfolgreich war „Warcraft: The Beginning“ wirklich?

10 Jahre nach Kinostart: Ein gescheitertes Franchise?

von Mathias Grunwald

Wenn wir auf den Kinosommer des Jahres 2016 zurückblicken, war dieser gespickt mit gigantischen, teuren Blockbustern wie Independence Day: Wiederkehr oder X-Men: Apocalypse. Beide Filme wollten damals neue Standards für explosive Filmeffekte setzen, fielen jedoch bei Kritikern größtenteils durch.

Das mit Abstand ehrgeizigste Projekt jenes Jahres war jedoch Warcraft: The Beginning. Die Produktion versuchte, altbekannte epische Fantasy-Thematiken á la Der Herr der Ringe mit der unfassbar tiefen Lore eines der größten Videospiel-Franchises der Welt zu kombinieren. Der Film sollte Hollywoods Umgang mit Gaming-Verfilmungen neu definieren.

Warcraft: The Beginning

Als Warcraft: The Beginning am 26. Mai 2016 in die deutschen Kinos kam, spaltete er das Publikum und die Kritiker sofort in zwei extreme Lager. Das Rolling Stone Magazin bezeichnete den Film damals vernichtend als „die größte Niederlage der Filmkunst“, während andere Kritiker Regisseur Duncan Jones vehement dafür lobten, dem massiven CGI-Spektakel eine fast greifbare Magie und eine unglaubliche Detailverliebtheit für Fans eingehaucht zu haben.

Die breite Masse der Kinogänger fühlte sich durch den sehr komplexen Einstieg, die unzähligen Namen und die dichte Mythologie jedoch schlichtweg überfahren. Das Ergebnis war eines der paradoxesten Einspielergebnisse der modernen Kinogeschichte. In den USA spielte der Film bei einem Budget von 160 Millionen Dollar katastrophale 47 Millionen Dollar ein und galt als Mega-Flop. In China hingegen traf das Fantasy-Epos exakt den Nerv der riesigen World of Warcraft-Spielerschaft und spülte allein in den ersten fünf Tagen unfassbare 156 Millionen Dollar in die Kinokassen. Trotz des weltweiten Einspielergebnisses von über 430 Millionen Dollar warfen die westlichen Verluste das geplante Franchise endgültig aus der Bahn – eine Fortsetzung gab es nie.

Das Jahr 2016 galt als das Schicksalsjahr, das den berüchtigten „Fluch der Videospielverfilmungen“ endlich brechen sollte. Doch nach dem Stolpern von Warcraft scheiterte Ende des Jahres auch die heiß erwartete Assassin’s Creed-Verfilmung mit Michael Fassbender in der Hauptrolle sowohl kommerziell als auch erzählerisch.

Auch andere Gaming-Projekte aus jener Zeit brauchten extrem lange, um ihren Platz zu finden: Die damals großspurig angekündigte Sci-Fi-Tetris-Trilogie wurde beispielsweise nie gedreht – stattdessen erschien erst Jahre später (2023) ein exzellenter biografischer Thriller über die Entstehung des Spiels bei Apple TV+. Lediglich harmlose Animationsfilme wie Angry Birds – Der Film (2016) funktionierten damals an den Kassen reibungslos.

Heute wissen wir: Der Fluch der Videospielverfilmungen ist längst gebrochen. Serien-Meisterwerke wie The Last of Us oder Fallout beweisen, dass Gaming-Storys glänzen können. Warcraft: The Beginning bleibt jedoch ein faszinierendes Relikt seiner Zeit – ein überambitioniertes Spektakel, das seiner Zeit vielleicht einfach ein paar Jahre voraus war.

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