The Magic Flute

The Magic Flute (2022) | Filmkritik

Das Vermächtnis der Zauberflöte

von Lars B

Für viele ist sie die schönste Oper überhaupt: Die Zauberflöte. Eine entführte Prinzessin, eine dunkle Königin, ein junger Prinz auf Abenteuerreise – und eine Arie der Königin der Nacht, die selbst jenen ein Begriff ist, die mit klassischer Musik sonst wenig anfangen können.

Ein Klassiker zwischen Opernbühne und Leinwand

Doch wie bringt man diesen jahrhundertealten Stoff all jenen näher, die nie einen Fuß in ein Opernhaus setzen würden? Die Antwort ist ebenso naheliegend wie riskant: Man macht einen Film daraus.

Und um nicht in einer bloßen Nacherzählung zu enden, wird das Ganze mit einer modernen Coming-of-Age-Geschichte verknüpft.

The Magic Flute Filmkritik

© LEONINE


Im Zentrum steht Tim Walker (Jack Wolfe), der seinem sterbenden Vater versprochen hat, an einem renommierten Musikinternat zu studieren – so wie dieser einst selbst.

Ein Versprechen, ein Internat und ein verspäteter Beginn

Doch der Einstieg gestaltet sich holprig: Das Schuljahr hat bereits begonnen, und Tims Vorsingen beim strengen Direktor Dr. Longbow (F. Murray Abraham) hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Zwar ist stimmliches Talent vorhanden, doch seine etwas unglücklich gewählte Sarah-Brightman-Interpretation sorgt eher für Stirnrunzeln als für Begeisterung.

Der Wendepunkt kommt, als Tim einen geheimen Gang entdeckt, der ihn direkt in die Welt der Zauberflöte führt. Plötzlich sieht er sich jener Riesenschlange gegenüber, die einst Prinz Tamino bedrohte, und erhält mit dem Vogelfänger Papageno (Iwan Rheon) einen ebenso skurrilen wie liebenswerten Begleiter. Gemeinsam machen sie sich auf, die entführte Prinzessin Pamina (Asha Banks) aus den Fängen von Fürst Sarastro zu befreien.

The Magic Flute Filmkritik

© LEONINE


Während Tim nachts als Prinz durch die fantastischen Prüfungen der Oper stolpert, wartet tagsüber der ganz reale Schulalltag auf ihn.

Zwei Welten, ein Held – und kaum Zeit zum Durchatmen

Rivalitäten, Leistungsdruck und schließlich die erste große Liebe zu Sophie (Niamh McCormack) sorgen dafür, dass er in beiden Welten um Anerkennung kämpfen muss. Mal lässt er Papageno im Stich, mal versetzt er sein Date – und irgendwo dazwischen sollte er eigentlich noch lernen.

Musikalisch greift der Film tief in Mozarts Werk und präsentiert zahlreiche Originalstücke, während die Szenen im Internat deutlich moderner inszeniert sind. Das Ergebnis erinnert nicht selten an Harry Potter meets Classic. Wer allerdings eine vollständige Verfilmung der Oper erwartet, wird enttäuscht sein – mehr als ein stimmungsvolles Best-of ist es nicht. Dass ausgerechnet F. Murray Abraham, einst Salieri in Amadeus, hier den Direktor spielt, wirkt dabei wie ein augenzwinkernder Insiderwitz.

The Magic Flute Filmkritik

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Wie schon in der Oper selbst geraten der zweite Akt und das Finale etwas überhastet. Die Prüfungen wirken stellenweise unrund, doch dafür entschädigen eindrucksvolle Bilder, ein liebevoll gestaltetes Setting und eine Vielzahl charismatischer Figuren.

Ein holpriger zweiter Akt, aber starke Bilder

Die Umdeutung der drei Knaben zu eher komischen Irrlichtern ist Geschmackssache, reduziert aber immerhin die Figurenfülle.

Wer vor einer dreistündigen Oper zurückschreckt, erhält mit den 124 Minuten dieses Films einen zugänglichen Einstieg in die Welt der Zauberflöte. Das Original ersetzt diese moderne Adaption nicht – doch sie könnte genau das leisten, was sie sich vorgenommen hat: Neugier wecken und Lust darauf machen, sich irgendwann doch einmal in ein Opernhaus zu verirren. Und das allein ist schon eine kleine Zauberei.

Bewertung

Bewertung_7

Trailer

Bildrechte: LEONINE

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