The Long Walk - Todesmarsch

The Long Walk – Todesmarsch (2025) | Filmkritik

Die Regeln sind einfach: Lauf oder Stirb!

von Markus Grunwald

Todesmarsch ist ein intensives, stellenweise erschütterndes Drama über Freundschaften, Zweckgemeinschaften und flüchtige Bekanntschaften, die auf dem Weg zur sicheren Schlachtbank entstehen.

Marschieren bis zum Tod

Eine Gruppe jugendlicher Männer marschiert, als gäbe es kein Morgen – und genau das ist die grausame Wahrheit dieses dystopischen Szenarios. Der Film konzentriert sich kompromisslos auf das Durchhalten, das Weitergehen und auf die emotionalen Bindungen, die sich unter extremem Druck formen.

The Long Walk – Todesmarsch Kritik

© ‎LEONINE


Im Mittelpunkt steht der sogenannte Long Walk, ein staatlich organisierter Wettbewerb, bei dem junge Männer um Freiheit, Anerkennung und ein besseres Leben kämpfen. Wer langsamer wird, zusammenbricht oder gegen die Regeln verstößt, wird ohne Zögern erschossen.

Starke Figuren, aber verschenktes Potenzial

Diese brutale Prämisse entfaltet zunächst eine enorme Wucht. Besonders schockierend sind die Momente, in denen Jugendliche völlig banal sterben: weil sie erschöpft zusammenbrechen, den Körper nicht mehr kontrollieren können oder schlicht dem psychischen Druck nicht standhalten.

Der Film erzeugt dabei eine beklemmende Intensität, die für lange Zeit trägt. Für viele Minuten funktioniert dieses Konzept erstaunlich gut und zieht den Zuschauer tief hinein in einen monotonen, grausamen Kreislauf aus Hoffnung, Angst und Tod.

The Long Walk – Todesmarsch Kritik

© ‎LEONINE


Die große Stärke von Todesmarsch liegt eindeutig in seinen Figuren und den Beziehungen zwischen ihnen. Die Freundschaften fühlen sich echt an, die Dialoge wirken oft natürlich und ehrlich. Besonders die emotionalen Momente zwischen den Protagonisten treffen mit spürbarem Gewicht und werden von durchweg starken schauspielerischen Leistungen getragen.

Vergleich zur Romanvorlage

Gleichzeitig liegt hier auch eine der größten Schwächen des Films: Viele Figuren erhalten erst kurz vor ihrem Tod wirklich Tiefe und Leinwandzeit. Dadurch wirken einige Schicksale eher funktional als nachhaltig erschütternd. Zudem bleibt die Welt außerhalb des Marsches auffallend blass. Gesellschaftliche Hintergründe, politische Strukturen oder die Motivation der jubelnden Massen werden kaum beleuchtet.

Gerade im Vergleich zur literarischen Vorlage von Stephen King offenbaren sich schmerzhafte Auslassungen. Im Buch wird der Horror nicht nur durch die Erschießungen selbst verstärkt, sondern auch durch die emotionslosen, sensationsgierigen Zuschauer am Straßenrand, durch Wettbüros und den zynischen Volksfestcharakter des Todesmarsches. Diese gesellschaftliche Grausamkeit fehlt im Film fast vollständig.

Stattdessen bekommt man lange Gespräche und intime Charakterstudien. Das ist nicht grundsätzlich falsch, nimmt dem Stoff aber einen Teil seiner politischen und moralischen Schärfe. Gerade weil es an klassischer Action mangelt, wäre diese zusätzliche Ebene wichtig gewesen, um die Monotonie aufzubrechen.

The Long Walk – Todesmarsch Kritik

© ‎LEONINE

Auch das Finale wurde im Vergleich zur Vorlage deutlich verändert und bleibt enttäuschend.

Ein schwaches Ende

Die emotionale Wucht verpufft, wo eigentlich ein letzter, verstörender Schlag hätte sitzen müssen. Zwar ebbt und fließt das Tempo des Films immer wieder, doch gerade im letzten Drittel häufen sich Wiederholungen. Der Film rettet sich hier vor allem durch einzelne, herzzerreißende Szenen, die noch einmal echte emotionale Tiefe entfalten.

Ein harter, aber unvollständiger Marsch

Todesmarsch ist kein schlechter Film, aber ein unvollständiger. Die Stärken liegen klar in den Darstellern, den glaubwürdigen Beziehungen und den brutalen, wachrüttelnden Momenten. Gleichzeitig verschenkt der Film enormes Potenzial, indem er seine Welt nicht konsequent ausleuchtet und sich zu sehr auf Dialoge verlässt.

Als Charakterdrama funktioniert der Film über weite Strecken sehr gut, als dystopisches Gesamtbild bleibt er jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ein intensives Erlebnis mit starken Momenten – aber auch mit deutlichen Schwächen.

Hinweis: Ab 24. Dezember 2025 ist The Long Walk – Todesmarsch als DVD, Blu-ray, limitiertes 4K Ultra HD Steelbook sowie digital erhältlich.

Bewertung

Bewertung_7

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Bildrechte: ‎LEONINE

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