Als The Gambler im Winter 2014 pünktlich zur sogenannten „Oscar-Saison“ in die US-Kinos kam, waren die Erwartungen gigantisch. Ein prestigeträchtiges Remake des gefeierten 70er-Jahre-Klassikers, ein Hollywood-Star, der sich physisch bis ans Äußerste trieb, und ein düsteres Drehbuch aus der Feder von Oscar-Preisträger William Monahan (Departed – Unter Feinden). Doch konnte der Film den enormen Vorschusslorbeeren am Ende wirklich gerecht werden?
Adaptiert von dem brillanten Original Spieler ohne Skrupel aus dem Jahre 1974 (damals mit James Caan in der Hauptrolle), konzentriert sich das Remake auf Jim Bennett (Mark Wahlberg). Bennett führt ein Doppelleben: Tagsüber ist er ein desillusionierter, aber brillanter Literaturdozent, nachts ein extrem spielsüchtiger Zocker mit einem fatalen Hang zur Selbstzerstörung. Als er horrende Schulden bei skrupellosen Kredithaien und der Mafia anhäuft, bleiben ihm nur sieben Tage, um das Defizit auszugleichen – oder mit dem Leben zu bezahlen.

Ein holpriger Weg auf die große Leinwand
Dass der Film die unglaublich hohen Erwartungen letztendlich nicht ganz erfüllen konnte, lag womöglich an seiner turbulenten Vorproduktion. Ursprünglich sollten Legende Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio das Skript verfilmen, später übernahm Regisseur J. C. Chandor (Margin Call) das Ruder, bevor auch er das Projekt verließ. Letztendlich landete die Regie bei Rupert Wyatt (Planet der Affen: Prevolution).
Wyatt ist zweifellos ein fähiger Handwerker, doch der ständige Wechsel hinter den Kulissen ist dem Film anzumerken. The Gambler fehlt oft der klare Fokus und die drückende, unerträgliche psychologische Spannung, die das Original von 1974 so einzigartig machte. Der ursprüngliche Regisseur Karel Reisz hatte damals mit dem Hauptdarsteller James Caan eine Meisterklasse in Sachen Nervenkitzel abgeliefert. Der renommierte Filmkritiker Roger Ebert beschrieb das Original einst als einen Film mit einer „Qualität von Spannung, die fast nicht auszuhalten ist“.
Mark Wahlbergs oscarreife Hingabe
Trotz der inszenatorischen Schwächen des Remakes muss man Mark Wahlberg absoluten Respekt zollen. Um den zynischen, ausgemergelten Professor Jim Bennett zu verkörpern, verlor Wahlberg in kürzester Zeit fast 30 Kilogramm (60 Pfund) Körpergewicht. Diese beängstigende, physische Transformation unterstrich die Verzweiflung und den inneren Verfall des Charakters. Wahlberg hoffte offensichtlich auf eine Oscar-Nominierung, die ihm jedoch – genau wie dem restlichen Film – von der Academy verwehrt blieb.
Das hochkarätige Ensemble um Wahlberg kann sich dennoch sehen lassen. Neben Brie Larson als begabter Studentin (und Bennetts moralischem Anker) brillieren vor allem John Goodman als philosophierender, massiger Kredithai und Jessica Lange als Bennetts wohlhabende, aber verzweifelte Mutter. Besonders Goodmans Monolog über die „Fuck You“-Position (die absolute finanzielle Unabhängigkeit) gehört zu den besten Dialogszenen des Films.
Fazit
The Gambler von 2014 ist kein schlechter Film. Er ist ein solider, gut besetzter und visuell ansprechender Thriller über Sucht und Hybris. Doch im direkten Vergleich mit dem rohen, schonungslosen Klassiker von 1974 bleibt Rupert Wyatts Hochglanz-Remake oft zu oberflächlich und konstruiert. Wer sich jedoch für brillante Dialoge à la William Monahan und einen extrem stark aufspielenden Mark Wahlberg begeistern kann, wird hier definitiv gut unterhalten.
