„Spieglein, Spieglein an der Wand: Was ist das am häufigsten verfilmte Märchen im ganzen Land?“ Der arme Spiegel müsste wohl nicht lange überlegen und von einem Mädchen erzählen, dessen Haut so weiß wie Schnee ist, die Lippen rot wie Blut und das Haar so schwarz, wie es die Tönung eben hergibt.
Es war nie eine Kindergeschichte.
Bereits 1938 erweckte Walt Disney dieses Märchen mit seinem ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm zum Leben – nur um es 2025 erneut mit echten Schauspielern auszugraben.
1997 durfte sogar Sigourney Weaver als böse Königin nach dem Blut der Stieftochter trachten, ehe Jahre später Charlize Theron das Zepter übernahm – damals allerdings mit deutlich mehr Action und Fantasy statt düsterer Märchenstimmung. Auch Julia Roberts (Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen) schlüpfte bereits in die Rolle der Königin, in einer eher harmlosen Märchenkomödie, in der alle ständig lustige Dinge sagten.

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Warum also, oh weiser Spiegel, sollte man jetzt schon wieder einen Schneewittchen-Film machen? Um bei den Neuverfilmungen endlich mit Eine Weihnachtsgeschichte, Robin Hood oder Die drei Musketiere gleichzuziehen?
Wenn das Märchen Blut sehen will
Umso besser, dass Regisseur Jason Brooks seinen Zauberspiegel offenbar ebenfalls befragt hat. Und dieser dürfte ihm geraten haben, das Märchen wenigstens mit einem ordentlichen Splatter-Faktor zu veredeln.
So macht sich Schneewittchen (Sanae Loutsis) auf der Flucht vor den Jägern der bösen Königin im Haus der sieben Zwerge gemütlich, die mutigerweise tatsächlich von kleinwüchsigen Schauspielern verkörpert werden. Das dürfte Peter Dinklage vermutlich die Zornesfalte ins Gesicht treiben.
Bekannte Geschichte, böse Variationen
Inhaltlich hält sich der Film größtenteils an die bekannte Vorlage. Gleich zu Beginn schleicht die böse Hexe ins Schloss, meuchelt ein paar Wachen und vergiftet die Königin. Schneewittchen kann man zwar noch aus dem Mutterleib bergen, für Königinmama gibt es jedoch keine Überlebenschance. Und da gute Geschichten bekanntlich Waisenkinder brauchen, ereilt auch den König bald das zeitliche Segnen.

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Von nun an wächst die Prinzessin allein auf – beobachtet von ihrer neuen Stiefmutter (Chelsea Edmundson), die ein ganz besonderes Auge auf die Entwicklung des Mädchens wirft, das mit jedem Tag hübscher wird. Kein Wunder also, dass schon bald ein Prinz (Tristan Nokes) auftaucht, um mit schrecklichen Anmachsprüchen für reichlich Fremdscham zu sorgen.
Low Budget, hohe Ambitionen
Schon ab Filmminute eins zeigt sich, dass das Budget irgendwo zwischen einem Geschäftsessen und einer Klassenfahrt in die Eifel angesiedelt sein muss. Alles wirkt billig zusammengeschustert, als würde man mit einer LARP-Truppe durchs Phantasialand spazieren. Jeder trägt offenbar genau die Ritterrüstung, die er bei eBay finden konnte.
Die Burg im Finale schreit förmlich nach bemaltem Pressspan, und Schneewittchen wird nicht auf Rosen, sondern auf IKEA-Plastikblumen gebettet. Ein Wunder, dass man dabei kein Preisschild ins Bild baumeln sieht.

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Gespart wurde dafür nicht am Kunstblut. Die böse Königin neigt nicht nur dazu, ihre Angestellten zu verstümmeln, sondern versteht sich auch auf wahre Pein.
Gore statt Glanz
Mal wird ein Arm abgesägt, mal ein ganzer Torso wie ein Bücherschrank aufgeklappt – und das sieht erschreckend gut aus. Hier waren Effektleute am Werk, die vermutlich täglich Terrifier schauen. Das Blut fließt nicht mehr in Eimern, sondern in Tanklastzügen. Mehr als einmal musste auch ich wegsehen und war froh, nicht gerade in einen Döner zu beißen.
Die Mischung aus altbekanntem Märchenstoff, derbem Trashfilm und üblem Gore geht überraschend gut auf. Wären da nur nicht diese lächerlichen Glühwürmchen, die aussehen, als hätte sie ein Praktikant kurz vor der Mittagspause ins Bild kopiert. Für eine zusätzliche Prise Erotik sorgt immerhin der Zauberspiegel, in dem sich drei kurvige Maskenmädels räkeln.
Märchenhafter Wahnsinn mit Splatter-Garantie
Wer sehen möchte, wie ein Zauber dazu führt, Maden auszuwürgen, oder welches Messer sich am besten eignet, um eine Hand abzutrennen, sollte bei The Death of Snow White definitiv reinschauen. Bleibt zu hoffen, dass Jason Brooks gleich noch ein Sequel mit Dornröschen nachlegt.


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