Das Piraten-Genre lebte zuletzt vor allem von Disneys Fluch der Karibik-Reihe und vereinzelten kleineren Abstechern.
Rückkehr ins Piraten-Genre
Nun versucht Amazon Prime mit The Bluff, frischen Wind in die Welt der Freibeuter zu bringen. Statt großer Mythen oder verspielter Abenteuer setzt der Film jedoch auf ein kompromissloses Actionfeuerwerk in tropischer Kulisse. Das Ergebnis ist solide Unterhaltung – aber kaum mehr.

© Paul Abell/Paul Abell – © 2026 Amazon Content Services LLC
Als ihr ruhiges Leben auf einer abgelegenen Insel durch die Rückkehr ihres rachsüchtigen Ex-Kapitäns zerstört wird, muss eine erfahrene ehemalige Piratin sich ihrer blutigen Vergangenheit stellen und ihre tödlichen Talente einsetzen, um ihre Familie vor einer gnadenlosen Belagerung zu retten.
Die Geschichte von Bloody Mary
Einst war sie unter dem Namen „Bloody Mary“ eine gefürchtete Kapitänin, die mit eiserner Härte über ihre Crew herrschte. Doch sie kehrte dem Meer den Rücken, gründete eine Familie und versuchte, ihre dunkle Geschichte hinter sich zu lassen.
Dieses fragile Gleichgewicht zerbricht, als Captain Connor (Karl Urban) mit seiner schwer bewaffneten Mannschaft auftaucht. Er fordert Vergeltung für alte Verrate und verlorene Schätze. Die Insel wird zur Falle, aus Palmenidylle wird ein Schlachtfeld. Während Kanonen donnern und Klingen aufeinandertreffen, muss Ercell (Priyanka Chopra Jonas) entscheiden, ob sie endgültig zu der Frau wird, die sie einst war.

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Der Konflikt bleibt dabei geradlinig: Schutz der Familie gegen die Geister der Vergangenheit. Überraschungen gibt es kaum, doch die Handlung fließt in einem konstanten Tempo voran, ohne sich unnötig zu verkomplizieren.
Viel Action, wenig Tiefe
The Bluff versteht sich in erster Linie als Actionfilm. Explosionen, Schwertkämpfe und Schießereien dominieren das Geschehen. Die Gewalt ist deutlich spürbar und teilweise überraschend hart inszeniert. Abseits dieser Schauwerte plätschert die Geschichte jedoch eher vor sich hin. Die Themen Schuld, Familie und Vergangenheitsbewältigung bleiben oberflächlich und werden nie wirklich vertieft.
Die Story ist formelhaft aufgebaut und arbeitet bekannte Muster ab. Es gibt keine echten Überraschungen, keine erzählerischen Risiken. Alles wirkt nach Schema F konstruiert – solide, aber ohne besondere kreative Funken.

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Priyanka Chopra Jonas bringt zwar viel Energie in ihre Rolle als Ercell ein, doch das Drehbuch gibt ihr wenig Raum für echte emotionale Nuancen. Häufig bleibt es bei entschlossenen Blicken und kämpferischer Präsenz.
Darsteller ohne große Glanzmomente
Karl Urban als Captain Connor gibt den grimmigen Antagonisten routiniert, bleibt dabei aber eindimensional. Beide erfüllen ihren Zweck für den rauen Ton des Films, liefern jedoch keine schauspielerischen Höhepunkte.
Ein weiteres Problem sind die Nebenfiguren. Der beeinträchtigte Sohn, die Schwägerin und der gefangene Ehemann dienen primär als emotionale Motivation für die Protagonistin. Wirklichen Mehrwert für die Handlung bieten sie jedoch kaum. Statt die Geschichte zu bereichern, wirken sie stellenweise sogar störend und bremsen die Dynamik aus. Gerade hier hätte der Film die Chance gehabt, mehr emotionale Tiefe zu entwickeln – eine Chance, die ungenutzt bleibt.
Pacing als Rettungsanker
Was The Bluff zugutekommt, ist sein durchgehend stabiles Tempo. Der Film vermeidet längere Leerlaufmomente und hält die Spannungskurve konstant auf mittlerem Niveau. Auch wenn die Geschichte vorhersehbar bleibt, sorgt der Rhythmus dafür, dass keine größere Langeweile aufkommt. Die tropische Inselkulisse liefert zudem ansprechende Bilder, auch wenn sie selten über reine Postkartenästhetik hinausgeht.

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So unterhaltsam einzelne Actionsequenzen auch sein mögen – ein neues großes Franchise rund um Bloody Mary wird hier nicht geboren. Dafür fehlt es an erzählerischer Originalität und charismatischer Figurenzeichnung.
Kein neues Franchise in Sicht
Es ist zwar immer schön, neue Abenteuer im Piratenmilieu zu sehen, doch The Bluff bleibt letztlich Durchschnittskost.
The Bluff ist ein reines Actionabenteuer mit tropischem Setting, klarer Konfliktlinie und ordentlichem Tempo. Wer unkomplizierte Piraten-Action sucht, wird solide bedient. Wer jedoch auf komplexe Figuren, überraschende Wendungen oder nachhaltige emotionale Momente hofft, dürfte enttäuscht werden.

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