Taschengeld aus dem Jahr 1994 ist einer jener Filme, die sich fest in die 90er-Jahre eingeschrieben haben – mit all ihren charmanten wie problematischen Eigenheiten.
Zwischen naiver Neugier und moralischer Schieflage
Was damals als freche Coming-of-Age-Komödie mit Herz verkauft wurde, wirkt heute wie ein kurioses Zeitdokument zwischen Unschuld, Grenzüberschreitung und tonal fragwürdigem Mischmasch. Der Film vereint erste Liebe, Vorurteile und Verwechslungskomödie – aber auch Prostitution, kriminelle Nebenplots und Dialoge, die im Jahr 2026 eher Stirnrunzeln als Lacher hervorrufen.
Nostalgisch interessant, inhaltlich jedoch deutlich gealtert.

© Paramount Pictures
Im Zentrum stehen drei Schulfreunde, die beschließen, sich „praktischen Unterricht“ in Sachen weiblicher Anatomie zu verschaffen. Mit kindlicher Neugier, aber erstaunlicher Zielstrebigkeit werfen sie ihr Erspartes zusammen, schwingen sich auf ihre Fahrräder und fahren in die nächstgelegene Großstadt.
Drei Jungen, ein Fahrrad und eine folgenschwere Idee
Dort engagieren sie kurzerhand die Prostituierte „V“ (Melanie Griffith), um ihre Fragen beantwortet zu bekommen.
Was als einmalige Aktion gedacht ist, entwickelt sich schnell weiter: V zeigt sich freundlich, überraschend mütterlich und fährt die Jungen sogar zurück in ihre beschauliche Vorstadt. Besonders Frank erkennt in ihr mehr als nur eine Begegnung – er sieht in V die perfekte Partnerin für seinen verwitweten Vater Tom (Ed Harris). Aus dieser Ausgangssituation entwickelt sich eine romantische Verwicklung, die von gesellschaftlichen Vorurteilen, Missverständnissen und einem unnötigen Drogen-Subplot durchzogen wird.

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Die Grundidee ist zweifellos ungewöhnlich. Eine Coming-of-Age-Geschichte, die den kindlichen Blick auf Sexualität mit einer Erwachsenenfigur verbindet, kann Potenzial entfalten – zumindest theoretisch.
Eine 90er-Komödie mit gefährlicher Unschuld
Der Film versucht, das Thema mit Leichtigkeit und einem Augenzwinkern zu behandeln. Und tatsächlich: In einzelnen Momenten gelingt ihm eine gewisse Wärme, insbesondere wenn es um die zarte Annäherung zwischen Tom und V geht.
Doch die Prämisse ist aus heutiger Sicht problematisch. Dass minderjährige Jungen gemeinsam Geld sammeln, um eine Prostituierte zu engagieren, wird erstaunlich harmlos inszeniert. Viele Dialoge, die 1994 wohl als frech galten, wirken heute unangenehm oder gar creepy. Der Film scheint nicht genau zu wissen, ob er eine harmlose Jugendkomödie oder ein halbwegs realistisches Milieudrama erzählen möchte.
Hinzu kommt ein Drogen- und Thriller-Subplot um Vs kriminelle Vergangenheit, der tonal völlig aus dem Rahmen fällt. Statt die Figuren emotional zu vertiefen, wird künstliche Spannung erzeugt, die weder dramaturgisch überzeugt noch organisch eingebunden wirkt.

© Paramount Pictures
Melanie Griffith war Mitte der 90er-Jahre eine feste Größe in Hollywood – und sie trägt den Film über weite Strecken. Ihr Spiel verleiht der Figur eine Mischung aus Verletzlichkeit und Selbstbewusstsein, die zumindest ansatzweise glaubwürdig wirkt. Sie schafft es, V nicht nur als Klischee, sondern als Mensch mit Sehnsucht nach Normalität darzustellen.
Charisma gegen Drehbuchschwächen
Ed Harris hingegen wirkt in seiner Rolle als verwitweter Vater erstaunlich unterfordert. Die Beziehung zwischen ihm und Griffith entwickelt sich konstruiert und überhastet. Es fehlt an organischer Chemie. Vieles wirkt wie ein erzählerischer Zwang, um ein Happy End zu erzwingen.
Die jungen Darsteller spielen solide, doch ihre Figuren bleiben eher funktional als tiefgehend. Oft kippt der Humor ins Alberne oder Peinliche, und mehrere Szenen lösen beim heutigen Publikum eher Fremdscham als Heiterkeit aus.
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Was dem Film zugutekommt, ist sein unverkennbarer 90er-Vibe. Kleidung, Musik, Inszenierung – alles atmet eine Ära, in der romantische Komödien noch mit fragwürdigen Prämissen experimentierten. In diesem Kontext lässt sich
Nostalgie als mildernder Umstand
Beim Rewatch allerdings offenbaren sich die Schwächen deutlicher. Die moralische Auflösung wirkt unglaubwürdig und überhastet, gesellschaftliche Konflikte werden erstaunlich leicht beiseitegeschoben. Statt sich ernsthaft mit Vorurteilen oder sozialer Ausgrenzung auseinanderzusetzen, setzt der Film auf ein versöhnliches Finale, das mehr Wunschdenken als Entwicklung darstellt.

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Taschengeld ist ein Film, der heute stärker irritiert als unterhält. Die gut gemeinten Themen – erste Liebe, gesellschaftliche Vorurteile, zweite Chancen – gehen in einer moralisch wackeligen Grundidee und einem tonal chaotischen Drehbuch unter.
Ein Relikt mit fragwürdigem Fundament
Als nostalgisches Guilty Pleasure mag der Film für manche funktionieren, insbesondere dank Melanie Griffiths charismatischer Präsenz. Doch objektiv betrachtet ist er schlecht gealtert, stellenweise unangenehm und dramaturgisch unausgewogen.
Ein interessantes Zeitdokument der 90er – aber kaum mehr als das.

Bildrechte: Paramount Pictures
