Masters of the Universe

Masters of the Universe (1987) | Filmkritik

80er-Charme mit starkem Skeletor

von Lars B

Masters of the Universe aus dem Jahr 1987 ist einer jener Filme, die weniger als eigenständiges Werk funktionieren, sondern vielmehr als Zeitkapsel.

Zwischen Plastik-Mythos und Hollywood-Realität

Ende der 80er-Jahre wagte man den Sprung vom erfolgreichen Spielzeug- und Cartoon-Phänomen auf die große Leinwand – mit dem Versprechen: A battle fought in the stars… now comes to Earth. Was episch klingt, entpuppte sich als bodenständiger – und budgetbedingt stark eingeschränkter – Fantasy-Actionfilm. Für viele Fans bis heute eine Enttäuschung, für andere ein Stück unerschütterlicher 80er-Charme.

Masters of the Universe 1987 Filmkritik

© Cannon Films

Die Ausgangslage klingt nach großem Mythos: Skeletor (Frank Langella) hat Eternia erobert und die Zauberin von Grayskull gefangen genommen. Nur mit dem kosmischen Schlüssel, einem Gerät, das Reisen durch Raum und Zeit ermöglicht, kann er seine absolute Macht festigen.

Wenn Eternia zur Vorstadt wird

Doch He-Man (Dolph Lundgren), Teela (Chelsea Field) und Gwildor (Billy Barty) entkommen mit eben jenem Schlüssel – und stranden auf der Erde, genauer gesagt in einer amerikanischen Kleinstadt.

Hier entfaltet sich der Großteil der Handlung. Statt epischer Schlachten auf Eternia dominieren Highschool-Flure, Musikläden und nächtliche Straßenzüge. Skeletor folgt seinen Widersachern auf die Erde, und der finale Kampf um das Universum wird überraschend bodenständig ausgetragen.

Masters of the Universe 1987 Filmkritik

© Cannon Films

Gerade dieser Schauplatzwechsel ist bis heute einer der größten Kritikpunkte. Fans der Zeichentrickserie vermissen zentrale Figuren wie Battle Cat oder Orko schmerzlich. Auch andere ikonische Elemente des Originals bleiben außen vor. Stattdessen müssen Ersatzfiguren wie Gwildor die Lücken füllen – funktional, aber ohne emotionale Fanbindung.

Heldenmut mit begrenztem Budget

Dass Masters of the Universe unter finanziellen Einschränkungen litt, ist kaum zu übersehen. Die Kulissen von Eternia – insbesondere der Thronsaal oder Skeletors Versteck – sind atmosphärisch durchaus gelungen und versprühen eine düstere, fast gotische Ästhetik. Doch sie bleiben Ausnahmen. Der Großteil des Films wirkt wie eine pragmatische Lösung, um Kosten zu sparen.

Produktionsprobleme verschärften die Situation zusätzlich. Der Dreh wurde unterbrochen, das Budget gekürzt, und der finale Showdown musste unter schwierigen Bedingungen realisiert werden. Die dunkle Ausleuchtung des Endkampfs kaschiert dabei nicht nur dramaturgische Schwächen, sondern wohl auch finanzielle Engpässe.

Inszenatorisch bleibt der Film solide, aber unspektakulär. Die Action ist klar auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten – keine explizite Gewalt, überschaubare Choreografien, einfache Dramaturgie. Das verleiht dem Film eine gewisse Harmlosigkeit, die ihn zwar familientauglich macht, aber nie wirklich episch wirken lässt.

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Besonders interessant ist die Besetzung. Dolph Lundgren bringt zweifellos die physische Präsenz mit, die man sich für He-Man wünscht. Seine imposante Erscheinung entspricht dem Spielzeugideal nahezu perfekt. Schauspielerisch bleibt er allerdings eher stoisch – was man wohlwollend als heldenhafte Ernsthaftigkeit interpretieren kann.

Ein Muskelpaket und ein Shakespeare-Schurke

Der eigentliche Star des Films ist jedoch Frank Langella als Skeletor. Während der Film um ihn herum schwankt, spielt er, als ginge es um Shakespeare. Mit theatralischer Hingabe, klarer Artikulation und sichtbarer Freude am Pathos verleiht er der Figur eine Gravitas, die das Drehbuch kaum hergibt. Man spürt förmlich, dass er „sich die Seele aus dem Leib spielt“. Seine Präsenz hebt jede Szene, in der er auftritt, deutlich an.

Zwischen Kult und verpasster Chance

Kommerziell blieb der Film hinter den Erwartungen zurück, eine Fortsetzung wurde nie realisiert. Für viele Fans war die Abweichung vom Cartoon zu groß, die Reduktion der Welt zu drastisch. Und tatsächlich: Das Potential des Stoffes wird nur ansatzweise ausgeschöpft.

Gleichzeitig lässt sich ein gewisser Reiz nicht leugnen. Der 80er-Charme, die Synthesizer-Klänge, die praktische Maskenarbeit und das überzeichnete Spiel erzeugen eine nostalgische Atmosphäre, die heute fast rührend wirkt. Eine kleine, treue Fangemeinde hält dem Film bis heute die Treue – nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Unvollkommenheit.

Masters of the Universe 1987 Filmkritik

© Cannon Films

Masters of the Universe ist eine verpasste Chance. Die epische Vorlage wird auf eine überschaubare irdische Bühne reduziert, ikonische Figuren fehlen, und das Budget setzt enge Grenzen. Als große Fantasy-Adaption scheitert der Film an seinen Ambitionen.

Mehr Mythos im Herzen als auf der Leinwand

Doch als nostalgisches Relikt funktioniert er zumindest teilweise. Einzelne Sets sind gelungen, Frank Langella liefert eine bemerkenswerte Performance, und Dolph Lundgren verkörpert die physische Idealfigur des Helden.

Bei der Macht von Grayskull – Ich habe die Macht!

He-Man

Kein Klassiker, kein Meilenstein – aber ein Stück 80er-Kino mit kurioser Ausstrahlung. Als Guilty Pleasure mit Skeletor-Bonus noch gerade sehenswert, insgesamt jedoch eine vertane Gelegenheit.

Bewertung

Bewertung_5

Trailer

Bildrechte: Alive – Vertrieb und Marketing/DVD

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