Kamasutra: Lust und Rache

Kamasutra: Lust und Rache (2013) | Filmkritik

Erotik-Drama, das in Indien der Zensur zum Opfer fiel.

von Markus Grunwald

Kamasutra: Lust und Rache will viel – zu viel. Erotik, Action, Gesang, Fantasy und philosophischer Anspruch sollen zu einem provokanten Gesamtkunstwerk verschmelzen.

Ein Versprechen aus Lust, Mythos und Skandal

Heraus kommt jedoch ein Film, dessen Geschichte so dünn ist wie die Stoffe, in die seine Figuren gehüllt sind. Die Mischung aus Erotikdrama und exotischem Spektakel wirkt unausgewogen, weil kein Element wirklich zu Ende gedacht oder konsequent ausgearbeitet wird.

Kamasutra: Lust und Rache Filmkritik

© Busch Media Group


Die Handlung begleitet zwei Prinzessinnen, deren Schicksale sich zwischen Zwangsheirat, Intrigen und Rache entfalten. Was nach tragischem Stoff klingt, bleibt erzählerisch erstaunlich blass.

Zwei Prinzessinnen, viele Motive – wenig Substanz

Konflikte werden angerissen, aber kaum vertieft, Figuren handeln eher aus dramaturgischer Notwendigkeit als aus innerer Überzeugung. Die Story dient letztlich nur als loses Gerüst, um erotische Szenen, Tanznummern und visuelle Schauwerte aneinanderzureihen.

Gerade hier zeigt sich die größte Schwäche des Films. Die Erotikszenen wirken austauschbar und wiederholen sich in Ablauf und Bildsprache, ohne Spannung oder emotionale Entwicklung. Die zahlreichen Gesangs- und Tanzeinlagen bremsen den ohnehin trägen Erzählfluss zusätzlich aus, statt ihn zu bereichern. Die Action wiederum ist schwach choreografiert und noch schlechter editiert – häufig mit unpassender Musik unterlegt und nahezu ohne emotionale Wucht.

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Optisch zeigt Kamasutra: Lust und Rache durchaus Ambitionen. Bilder von Drachen, Sirenen und anderen Fantasyelementen sind auf den ersten Blick eindrucksvoll, wirken jedoch wie isolierte Trailer-Momente ohne funktionale Einbindung in die Geschichte.

Schauspiel und falsche Erwartungen

Insgesamt erinnert der Film oft an einen aufwendig ausgestatteten Studentenfilm: hübsch anzusehen, aber technisch unausgereift. Vor allem die zahlreichen Slow-Motion-Sequenzen erscheinen unscharf und billig – möglicherweise ein Nachhall der damaligen 3D-Veröffentlichung.

Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich im soliden Mittelfeld. Niemand fällt unangenehm ab, echte Highlights bleiben jedoch aus. Der Werbezusatz „der heißeste Spielfilm Indiens“ weckt Erwartungen, die der Film nicht erfüllen kann. Erotik allein reicht nicht aus, wenn sie weder dramaturgisch eingebettet noch emotional aufgeladen ist.

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Spürbar ist der Versuch, klassische indische Literatur und insbesondere Vatsyayana Mallanagas Kamasutra mit zeitgenössischem Kino-Spektakel zu verbinden. Regisseur Rupesh Paul begegnet der Vorlage erkennbar mit Ehrfurcht, scheitert jedoch daran, deren philosophische Tiefe in eine fesselnde visuelle Erzählung zu übersetzen.

Große Vorlage, kleiner philosophischer Ertrag

Komplexe Ideen über Lust, Macht und Spiritualität werden auf oberflächliche Konflikte reduziert, die Dialoge wirken stellenweise gekünstelt. Kamasutra: Lust und Rache ist ein visuell ambitionierter, aber inhaltlich zerfahrener Film. Weder konsequent erotisch noch wirklich philosophisch, weder funktionierender Genremix noch packendes Historienepos. Ein Projekt mit erkennbaren Ambitionen, das sein Potenzial jedoch in Beliebigkeit und Wiederholung verspielt.

Hinweis: Kamasutra: Lust und Rache erscheint am 15. Januar 2026 als DVD, Bluray und digital.

Bewertung

Bewertung_4

Trailer
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