Joker: Folie à Deux

Joker: Folie à Deux (2024) | Filmkritik

Die Welt ist eine Bühne.

von Markus Grunwald

Joker 2 knüpft dort an, wo sein Vorgänger das Publikum verstört und fasziniert zurückgelassen hat.

Ein Tanz zwischen Wahnsinn und Melodie

Doch statt den düsteren Pfad einfach weiterzugehen, schlägt die Fortsetzung überraschend neue Töne an – im wahrsten Sinne des Wortes.

Was im ersten Teil als psychologisches Drama begann, wird hier zu einer eigenwilligen Mischung aus Charakterstudie, Musical und düsterer Romanze.

Arthur Fleck sitzt nach den eskalierten Ereignissen des ersten Films im Arkham State Hospital, einer psychiatrischen Anstalt für die gefährlichsten Verbrecher von Gotham. Während er auf seinen Prozess wartet, kämpft er weiterhin mit seiner gespaltenen Identität zwischen gebrochenem Menschen und ikonischem Wahnsinn.

Wenn Realität zur Bühne wird

In dieser isolierten Welt begegnet er einer Mitinsassin, gespielt von Lady Gaga, die nicht nur seine Aufmerksamkeit gewinnt, sondern auch eine emotionale Verbindung zu ihm aufbaut. Gemeinsam verlieren sich beide zunehmend in Fantasien, die sich in musikalischen Einlagen manifestieren. Realität und Illusion verschwimmen dabei immer stärker, während sich Arthur weiter in seine Joker-Persönlichkeit hineinsteigert.

Der wohl größte Bruch zum Vorgänger ist die konsequente Integration von Musical-Elementen. Diese wirken zunächst irritierend, entfalten jedoch mit der Zeit eine ganz eigene Kraft. Die Gesangsnummern sind roh, ungeschliffen und bewusst fernab klassischer Hochglanz-Inszenierungen gehalten. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie spiegeln Arthurs zerrissene Psyche wider.


Als Jukebox-Musical trifft der Film sicherlich nicht den Massengeschmack. Viele werden sich an diesem Stilbruch stoßen. Doch wer sich darauf einlässt, erlebt eine ungewöhnlich konsequente Erweiterung der Figur. Die Musik wird zum Ventil, zur Flucht und letztlich zum Ausdruck eines Wahns, der sich nicht mehr kontrollieren lässt.

Zwischen Genie und Stillstand

Trotz seiner künstlerischen Ambitionen bleibt der Film nicht frei von Schwächen. Besonders im letzten Drittel verliert die Erzählung spürbar an Tempo. Die Szenen im Gerichtssaal ziehen sich, ohne neue Impulse zu setzen. Hier fehlt es an Dynamik, und der zuvor so intensive Sog des Films gerät ins Stocken.

Dennoch bleibt die Inszenierung auf hohem Niveau. Bildsprache, Schnitt und Sounddesign greifen ineinander und erzeugen eine dichte, fast beklemmende Atmosphäre. Der Film fühlt sich durchgehend kontrolliert und durchdacht an, auch wenn er sich inhaltlich nicht immer weiterentwickelt.

Zwei Darsteller im Rausch der Figuren

Joaquin Phoenix trägt den Film erneut mit beeindruckender Intensität. Sein Spiel zwischen Zerbrechlichkeit und Wahnsinn ist genauso fesselnd wie im ersten Teil – vielleicht sogar noch facettenreicher. Jede Bewegung, jeder Blick wirkt durchdacht und zugleich instinktiv.

Lady Gaga erweist sich als ideale Ergänzung. Ihre Figur bringt eine neue Dynamik in die Geschichte und funktioniert sowohl emotional als auch musikalisch. Die Chemie zwischen beiden Darstellern ist spürbar und verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene, die über reine Charakterstudie hinausgeht.


Joker 2 ist kein Film, der gefallen will und genau darin liegt seine Stärke und Schwäche zugleich. Er widersetzt sich Erwartungen, bricht mit Genre-Konventionen und setzt auf eine sehr eigene Handschrift. Das Ergebnis ist ein Werk, das polarisiert.

Kunst gegen Erwartungshaltung

Wer eine klassische Fortsetzung erwartet, wird enttäuscht sein. Wer jedoch bereit ist, sich auf ein experimentelleres Erzählen einzulassen, findet hier eine faszinierende Weiterentwicklung der Figur.

Joker 2 ist ein mutiger, kunstvoller und stellenweise sperriger Film, der den Wahnsinn seines Protagonisten auf eine neue Ebene hebt. Trotz erzählerischer Längen und eines etwas zähen Finales überzeugt er durch starke Darstellerleistungen und eine eigenständige Inszenierung. Kein Film für die breite Masse, aber ein intensives Erlebnis für alle, die sich auf ungewöhnliche Wege einlassen wollen. Ein würdiger, wenn auch polarisierender Abschluss für Arthur Flecks Geschichte.

Bewertung

Bewertung_7

Trailer

Bildrechte: Warner Bros. (Plaion Pictures)*


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