Die Zeitmaschine Graphic-Novel

„Die Zeitmaschine“ – Graphic-Novel-Kritik: H. G. Wells‘ Klassiker neu interpretiert

Graphic Novel Ausgabe des Science-Fiction-Klassikers

von Markus Grunwald

Die Zeitmaschine kennt man entweder als Buch, durch eine der zahlreichen Verfilmungen oder aus der Popkultur – beispielsweise durch eine Folge von The Big Bang Theory.

Ein Klassiker reist in die Moderne

Mit seiner Graphic Novel widmet sich Thilo Krapp dem Science-Fiction-Klassiker von H. G. Wells und bleibt dabei nah an der literarischen Vorlage. Gleichzeitig ergänzt er die Geschichte um eine wichtige Zutat: eine moderne Neuinterpretation, die besonders die Beweggründe für die Zeitreise in den Mittelpunkt rückt.

Denn der Wunsch, durch die Zeit zu reisen, entspringt hier nicht nur dem wissenschaftlichen Drang nach Wissen. Auch ein queerer Beweggrund spielt eine wichtige Rolle. Dadurch erhält die bekannte Geschichte eine zusätzliche persönliche Ebene, ohne ihren grundsätzlichen Charakter zu verlieren.

Die Zeitmaschine Kritik

Buch | © Carlsen Verlag GmbH


Die Handlung führt den Zeitreisenden nach mehreren Zwischenstationen in eine Zukunft, in der sich die Menschheit in zwei sehr unterschiedliche Gesellschaftsgruppen aufgeteilt hat.

Eine Reise in eine melancholische Zukunft

Während die friedliebenden Eloi an der Oberfläche leben, hausen die Morlocks in der Unterwelt und machen Jagd auf die Eloi. Die Zukunft entwickelt sich damit zu einer dystopischen Vision, die zunehmend melancholische Züge annimmt.

Besonders die Zeit der Morlocks und das Ende des Planeten sind in dieser Graphic Novel wunderschön und zugleich traurig gestaltet. Wenn die Erde langsam ihrem Ende entgegengeht, bekommt auch der Comic eine immer melancholischere Note. Die Bilder lassen sich dabei nicht einfach nur überfliegen, sondern laden dazu ein, sich Zeit zu nehmen und die vielen Details zu entdecken.

Liebevolle Zeichnungen mit vielen Einflüssen

Die Zeichnungen sind toll gemacht. In der Gestaltung stecken viele kleine Details und spürbar viel Liebe. Die farbigen Illustrationen und die atmosphärischen Naturdarstellungen verleihen der Zukunftsvision einen ganz eigenen Charakter.

Besonders spannend ist, wie Thilo Krapp die verschiedenen Gesellschaften gestaltet. Die Eloi erinnern in ihrer Kleidung an altägyptische Gewänder, die 1920er-Jahre und Straßengangs. Dazu kommt eine postgenderhafte Gestaltung, denn in dieser zukünftigen Welt gibt es keine klassische Aufteilung mehr, wie wir sie heute kennen.

Die Morlocks wiederum sind von Tiefseefischen inspiriert. Das Ergebnis ist gleichermaßen faszinierend wie erschreckend gut getroffen und unterstreicht, wie fremdartig diese Welt geworden ist.
BILD
Die Geschichte selbst lässt sich in ungefähr einer Stunde lesen. Wer sich jedoch intensiver mit den Bildern und ihrer Gestaltung beschäftigt, kann deutlich mehr Zeit mit dem Band verbringen. Gerade die zahlreichen kleinen Details machen es lohnenswert, immer wieder genauer hinzuschauen.

Die Zeitmaschine Kritik

Blick ins Buch | © Carlsen Verlag GmbH


Mehr als eine reine Nacherzählung

Nach dem Ende der eigentlichen Handlung wartet außerdem ein umfangreicher Anhang. Darin erklärt Thilo Krapp, warum er bestimmte Figuren auf eine bestimmte Weise gestaltet hat und welche Epochen und Einflüsse hinter seinen Ideen stecken. Auch zahlreiche Skizzen geben einen Einblick in den kreativen Prozess.

Darüber hinaus berichtet Krapp von seiner persönlichen Beziehung zum Roman und den Gedanken, die ihn bei der Umsetzung begleitet haben. Dadurch wird deutlich, wie viel mehr in dieser Graphic Novel steckt als eine bloße Übertragung des bekannten Stoffes in ein anderes Medium.

Eine Graphic Novel für Fans und Neuentdecker

Die Neuinterpretation richtet sich an Fans des Originals, die den Klassiker aus einer anderen Perspektive erleben möchten. Gleichzeitig bietet sie einen Zugang für Leser, die Freude an Science-Fiction, Zeitreisen und aufwendig gestalteten Graphic Novels haben.

Besonders die Verbindung aus der Nähe zur Vorlage, den modernen Gedanken hinter der Reise und der liebevollen visuellen Umsetzung macht den Band interessant. Auch die queere Perspektive fügt der bekannten Geschichte eine zusätzliche Ebene hinzu.

Die Zeitmaschine Kritik

Rückseite | © Carlsen Verlag GmbH


Unser Fazit

Die Zeitmaschine von Thilo Krapp ist eine gelungene Neuinterpretation des Science-Fiction-Klassikers von H. G. Wells. Die Graphic Novel bleibt nah an der Vorlage, ergänzt die bekannte Geschichte aber um eine moderne, queere Perspektive und neue Beweggründe für die Zeitreise.

Besonders die liebevollen Zeichnungen, die melancholische Darstellung einer sterbenden Erde und die faszinierenden Designs der Eloi und Morlocks bleiben im Gedächtnis. Der umfangreiche Anhang mit Skizzen und Hintergrundinformationen zeigt zudem, wie viele Gedanken in der Gestaltung stecken.

Wer das Original kennt, Science-Fiction mag oder Lust auf eine visuell eindrucksvolle und moderne Interpretation eines Klassikers hat, sollte sich diese Graphic Novel ansehen.

Details zum Buch

Titel:
Die Zeitmaschine
Autor und Zeichnungen:
Thilo Krapp
Verlag:
Carlsen
Erscheinungstermin:
1. September 2026
Seitenzahl:
192 Seiten
Format:
198 × 266 mm
ISBN:
978-3-551-80309-2
Lesealter:
ab 12 Jahren
Preis:
25,00 € (D)

Hinweis: Das Rezensionsexemplar wurde uns von Carlsen kostenlos zur Verfügung gestellt. Unsere Meinung bleibt davon unabhängig und ist ehrlich.

Bildrechte: Carlsen Verlag GmbH

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