Die Coneheads

Die Coneheads (1993) | Filmkritik

Sie wollen nur das eine: Nicht auffallen!

von Mathias Grunwald

Coneheads – Die Kegelköpfe ist ein seltsames Relikt aus einer Zeit, in der Comedy noch schriller, direkter und oftmals hemmungslos albern sein durfte.

Ein Alien im Vorstadthaus

1993 wagte man das Experiment, einen beliebten Saturday Night Live-Sketch auf Spielfilmlänge auszudehnen – ein Unterfangen, das nur selten funktioniert. Heraus kam eine Science-Fiction-Komödie, die bei Kritikern durchfiel und an den Kinokassen scheiterte, sich aber über Jahre hinweg einen bemerkenswerten Kultstatus erarbeitete.

Für viele 90er-Kinder ist der Film heute ein nostalgisches Kuriosum, das irgendwo zwischen Fremdscham, schräger Gesellschaftssatire und echtem Einfallsreichtum pendelt. Objektiv betrachtet kein großer Wurf, aber als Guilty Pleasure überraschend liebenswert.

Coneheads – Die Kegelköpfe Filmkritik

© Paramount Pictures

Die Alien-Familie Conehead vom Planeten Remulak strandet durch eine missglückte Mission auf der Erde. Familienoberhaupt Beldar (Dan Aykroyd) und seine Frau Prymaat (Jane Curtin) müssen feststellen, dass eine Rettung erst in 18 Jahren möglich sein wird. Also bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich auf unserem Planeten ein möglichst unauffälliges Leben aufzubauen.

Gestrandet auf der Erde

Mit ihren charakteristischen kegelförmigen Köpfen und einer Sprache, die zwischen technokratischer Förmlichkeit und absurden Wortschöpfungen schwankt, versuchen sie, in einer amerikanischen Vorstadtsiedlung nicht weiter aufzufallen. Den Nachbarn erklären sie schlicht, sie kämen aus Frankreich, was angesichts ihres Akzents und ihres merkwürdigen Verhaltens erstaunlich lange funktioniert.

Doch während die Coneheads beruflich Fuß fassen und ihre Tochter Connie (Michelle Burke) in der Highschool erste menschliche Erfahrungen sammelt, rückt die Einwanderungsbehörde immer näher. Der Film entwickelt sich zunehmend zu einer Satire über Integration, Bürokratie und die ewige Green-Card-Problematik – nur eben mit außerirdischer Überzeichnung.

Coneheads – Die Kegelköpfe Filmkritik

© Paramount Pictures

Das zentrale Problem von Die Coneheads liegt in seiner Herkunft. Die Figuren entstanden als kurze SNL-Sketche – und genau so fühlen sich viele Szenen an: wie aneinandergereihte Gags, die für fünf Minuten funktionieren, auf 90 Minuten jedoch spürbar gestreckt werden. Der rote Faden wirkt dünn, dramaturgische Spannung bleibt Mangelware. Immer wieder verlässt sich der Film auf den reinen Wiedererkennungswert der Figuren.

Zwischen Satire und Sketch-Humor

Dennoch: Die Grundidee ist erstaunlich originell. Außerirdische als Metapher für Einwanderer, die versuchen, in einer fremden Kultur nicht aufzufallen, bietet reichlich satirisches Potenzial. Die Coneheads bemühen sich krampfhaft, „normal“ zu erscheinen, während sie beiläufig Dinge tun, die vollkommen grotesk sind – etwa Kondome wie Kaugummis zu kauen oder technische Geräte mit militärischer Präzision zu analysieren.

Hinter der Albernheit steckt ein durchaus interessanter Subtext über Assimilation und gesellschaftliche Anpassung. Gerade heute liest sich diese Ebene fast aktueller als zur Entstehungszeit.

Allerdings schwankt der Humor stark. Manche Wortschöpfungen – „Flachschädel“ oder „belegte Stärkescheibe“ – sind herrlich absurd und bleiben im Gedächtnis. Andere Gags wirken hingegen infantil oder schlicht nicht gut gealtert. Was 1993 noch als schrullig galt, erscheint heute stellenweise befremdlich. Besonders die Masken und Kostüme besitzen einen eigenwilligen Albtraumfaktor, der zwischen kreativ und verstörend changiert.

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Trotz aller Schwächen gibt es Szenen, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Die Zahnarzt-Sequenz etwa spielt genüsslich mit körperlichem Unbehagen, während die Feuerwerkszene das außerirdische Temperament der Familie auf amüsante Weise offenlegt. Solche Momente zeigen, welches Potenzial in der Prämisse steckt.

Ikonische Momente und 90er-Charme

Hinzu kommt das beeindruckende Ensemble aus SNL-Veteranen. Neben Dan Aykroyd und Jane Curtin treten unter anderem Chris Farley, Adam Sandler und David Spade auf – ein Who’s who der 90er-Comedy. Nicht jeder Auftritt ist zwingend notwendig, doch der nostalgische Reiz ist enorm. Gerade für Zuschauer, die mit diesen Namen aufgewachsen sind, entfaltet der Film einen ganz eigenen Charme.

Inszenierung und filmische Qualität

Regisseur Steve Barron inszeniert solide, aber ohne besondere visuelle Handschrift. Die Kameraarbeit bleibt funktional, das Tempo schwankt, und die Inszenierung wirkt insgesamt wie eine verlängerte Fernsehepisode. Das Produktionsdesign hingegen verdient Lob: Die außerirdische Ästhetik wird mit überschaubarem Budget kreativ umgesetzt. Die kegelförmigen Köpfe sind ikonisch – auch wenn sie manchen Betrachter eher verstören als begeistern.

Problematisch ist heute zudem die Zugänglichkeit. Eine offizielle deutsche DVD- oder Streaming-Version ist kaum verfügbar, wodurch der Film im deutschsprachigen Raum beinahe in Vergessenheit geraten ist. In der Originalfassung erschwert der bewusst steife, technische Sprachstil das Verständnis zusätzlich.

Coneheads – Die Kegelköpfe Filmkritik

© Paramount Pictures

Coneheads – Die Kegelköpfe ist objektiv betrachtet kein guter Film. Die Story trägt kaum über Spielfilmlänge, der Humor ist inkonsistent, und filmische Tiefe sucht man vergeblich. Als Kinofilm war das Projekt ein Flop – und die zeitgenössische Kritik fiel vernichtend aus.

Liebenswerte Aliens als Erinnerung

Und doch hat dieser schräge Science-Fiction-Ausflug etwas Eigenständiges. Die Mischung aus 90er-Nostalgie, skurrilem Sprachwitz und subversiver Einwanderungssatire verleiht ihm einen eigenwilligen Reiz. Als ironisch genossenes Stück Popkultur funktioniert er deutlich besser denn als ernstzunehmende Komödie.

Kein Meisterwerk, aber ein charmantes Kuriosum mit Kultwert. Wer bereit ist, sich auf den eigenartigen Ton einzulassen, entdeckt hinter den kegelförmigen Köpfen mehr Herz als erwartet.

Bewertung

Bewertung_6

Trailer

Bildrechte: Paramount Pictures

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