Kein anständiger Western- oder Gangsterfilm kommt ohne eine ordentliche Partie Poker aus. Mit dem Whiskey in der Hand und der Zigarre im Mund quetscht man sich an einen viel zu engen Tisch und versucht sein Glück. Ob es sich nur um reinen Zeitvertreib handelt oder um einen psychologischen Showdown auf Leben und Tod – die filmische Atmosphäre könnte nicht packender sein.
Bereits vor über hundert Jahren wurde das Kartenspiel zum ersten Mal auf der großen Leinwand präsentiert. In dem Stummfilm A Cure For Pokeritis (1912) versucht Darstellerin Flora Finch ihren Ehemann in bester Slapstick-Manier von seiner Spielsucht zu heilen. Dies zeigt deutlich, dass das Bluffen am Kartentisch schon immer extrem leinwandtauglich war. Fragt man heute professionelle Kartenspieler nach dem Grund für ihre Leidenschaft, nennen unzählige den Kultfilm Rounders (1998) mit Matt Damon.
Wir wollen euch heute unsere persönliche Auswahl der besten, spannendsten und kultigsten Poker-Szenen aus über hundert Jahren Kinogeschichte vorstellen. Viel Spaß!
10. GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990)
Dass Mafiosi gerne Karten spielen, wusste Regisseur Martin Scorsese schon in GoodFellas meisterhaft in Szene zu setzen. Doch wie bereits erwähnt, gehört zu einer anständigen Partie auch immer der passende Service. Was passieren kann, wenn das richtige Getränk einmal fehlt oder ein Scherz zu weit geht, verdeutlicht uns Joe Pesci auf brutale Weise, als er Die Sopranos-Star Michael Imperioli am Tisch ganz schön zurichtet.
9. Tombstone (1993)
Wenn eine Partie mal ein wenig länger dauert – sagen wir so an die 36 Stunden –, fließt natürlich auch ein wenig mehr Alkohol. Wie schnell das eigentliche Spiel dann zur absoluten Nebensache wird und in einen gefährlichen Test des Egos umschlägt, präsentieren uns Stephen Lang und Val Kilmer im Western Tombstone von Regisseur George P. Cosmatos.
8. Bube, Dame, König, grAS (1998)
Gezinkte Karten und faule Tricks: Als wäre der unfassbare Einsatz von 100.000 Pfund nicht schon genug, bekommen es Nick Moran, Jason Flemyng, Dexter Fletcher und Jason Statham beim Coup ihres Lebens auch noch mit der Londoner Unterwelt zu tun. Guy Ritchies Kultfilm Bube, Dame, König, grAS präsentiert uns wohl eine der ausweglosesten Situationen, in die man sich bei einem Kartenspiel bringen kann. Denn 500.000 Pfund Schulden bei einem brutalen Gangsterboss sind nun einmal kein Pappenstiel.
7. The Gambler (1980)
Country-Legende Kenny Rogers präsentierte 1978 seinen berühmten Song „The Gambler“. Der Track war derart erfolgreich, dass zwischen 1980 und 1994 gleich fünf darauf basierende Westernfilme für das US-Fernsehen gedreht wurden, in denen Rogers prompt selbst die Hauptrolle übernahm. Auch wenn es hier eher um die popkulturelle Wirkung des Songs geht als um eine konkrete Einzel-Szene, durfte Kenny Rogers in dieser Liste einfach nicht fehlen.
You got to know when to hold ‚em, know when to fold ‚em,
Know when to walk away, know when to run.
You never count your money when you’re sittin‘ at the table,
There’ll be time enough for countin‘ when the dealin’s done.
6. James Bond 007 – Casino Royale (2006)
Als der Texas Hold’em-Hype Mitte der 2000er Jahre weltweit seinen Höhepunkt erreichte, durfte das Spiel auf der großen Leinwand natürlich nicht fehlen. In Casino Royale präsentierte uns Regisseur Martin Campbell mit Daniel Craig einen herrlich geerdeten, neuen James Bond. Um den fies blutenden Terroristen-Finanzier Le Chiffre (Mads Mikkelsen) in den Ruin zu treiben, begibt sich Bond in die Spielbank von Montenegro. Das psychologische Katz-und-Maus-Spiel am grünen Filz ist an Spannung kaum zu überbieten.
5. Der Clou (1973)
Die fantastische Ganoven-Komödie von Regisseur George Roy Hill aus dem Jahr 1973 handelt von dem Trickbetrüger Henry Gondorff (gespielt vom genialen Paul Newman). Zusammen mit seinem Protegé Johnny Hooker (Robert Redford) zieht er auf einer Zugfahrt von New York nach Chicago in den 1930ern den Gangsterboss Doyle Lonnegan (Robert Shaw) durch gespielte Trunkenheit meisterhaft übers Ohr. Der Film wurde völlig zu Recht mit sieben Oscars ausgezeichnet und zeigt uns eindrucksvoll, wie wichtig die Kunst der absoluten Täuschung ist.
4. Rounders (1998)
Rounders gilt für viele Fans als der ultimative Poker-Film schlechthin. Für den hochbegabten Jura-Studenten Mike McDermott (Matt Damon) geht es im finalen, legendären Heads-Up gegen den exzentrischen Russen Teddy KGB (John Malkovich) um nicht weniger als sein Leben. Er muss das Spiel zwingend gewinnen, um die erdrückenden Schulden seines Freundes bezahlen zu können. Spätestens seit diesem Film wissen Filmfans weltweit, warum das unbewusste Auseinanderziehen eines Oreo-Kekses ein tödlicher „Tell“ (Verrat der eigenen Karten) sein kann.
3. Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel (1994)
Die Handlung von Maverick basiert in groben Zügen auf der gleichnamigen TV-Serie der späten 50er Jahre. Mel Gibson schlüpft in die Rolle des charmanten Schlitzohrs Bret Maverick Jr. und versucht an der Seite von Jodie Foster das astronomische Startgeld für ein Poker-Turnier auf einem Raddampfer zusammenzukratzen. Dort kommt es letztendlich zum großen, humorvollen Showdown. Eine enorm gelungene Westernkomödie, die mit einer Spielfolge (und einer mathematischen Wahrscheinlichkeit von 1 zu 195.367.214.485.443) wohl alles in den Schatten stellt.
2. Cincinnati Kid (1965)
Cincinnati Kid basiert auf dem Roman „Der Pokerkönig“ von Richard Jessup und verfolgt die Geschichte von Eric Stoner. Dieser wird von der Hollywood-Ikone Steve McQueen verkörpert und gilt als das aufstrebende Poker-Ass in ganz New Orleans. Doch um der wahre Meister zu werden, muss er den elitären Altmeister Lancey Howard (Edward G. Robinson) schlagen. Am Ende hängt alles von einer einzigen Hand ab.
Darauf läuft doch alles bei diesem Geschäft hinaus Lady: Das Falsche zu machen, aber im richtigen Augenblick.
Steve McQueen beweist in diesem schwermütigen Klassiker mit einer hervorragenden Leistung, dass man im Leben nicht immer gewinnen kann.
1. Der Unbeugsame (1967)
Erneut dürfen wir Paul Newman und seine Leinwand-Künste bewundern. In dem Oscar-prämierten Gefängnisdrama Der Unbeugsame (Originaltitel: Cool Hand Luke) schlüpft er in die Rolle des Kriegsveteranen Luke Jackson. Wegen harmloser Sachbeschädigung wird er zu schwerer Zwangsarbeit verurteilt und versucht dort, sich gegen die brutalen Aufseher aufzulehnen. In einer der wohl akkuratesten und coolsten Poker-Szenen der Filmgeschichte gewinnt Luke eine völlig wertlose Hand allein durch ein steinhartes Pokerface und grenzenloses Selbstbewusstsein – und prägt damit seinen legendären Spitznamen.
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