Abseits seiner großen Katastrophenspektakel wie Independence Day, Godzilla oder The Day After Tomorrow widmet sich Roland Emmerich in Der Patriot einer ganz anderen Art von Katastrophe: dem Krieg.
Wenn der Krieg an die eigene Haustür klopft
Statt Naturgewalten oder außerirdischen Invasoren steht hier die menschliche Natur im Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges erzählt Emmerich eine Geschichte über Freiheit, Rache und Familie.
South Carolina, 1776. Benjamin Martin (Mel Gibson) hat den Krieg hinter sich gelassen. Der verwitwete Familienvater möchte nichts mehr mit Gewalt zu tun haben und kümmert sich lieber um seine sieben Kinder. Doch als der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg seine Heimat erreicht und die britischen Truppen seine Familie bedrohen, wird er gegen seinen Willen erneut in den Konflikt hineingezogen.
Ein Mann zwischen Familie und Freiheit
Als einer seiner Söhne Opfer der Grausamkeit des britischen Colonels William Tavington (Jason Isaacs) wird, verwandelt sich Martin vom friedlichen Farmer in einen unerbittlichen Guerillakämpfer. Gemeinsam mit seinem ältesten Sohn Gabriel (Heath Ledger) beginnt er einen persönlichen Rachefeldzug gegen die britischen Besatzer und wird bald als „Der Geist“ zur Legende.
Die Figur des Benjamin Martin basiert lose auf dem historischen Milizenführer Francis Marion, während Tavington deutlich an den berüchtigten britischen Offizier Banastre Tarleton angelehnt wurde. Historische Genauigkeit steht dabei allerdings nicht immer an erster Stelle. Der Film versteht sich vielmehr als patriotisches Abenteuer als als Geschichtsunterricht.
Der größte Trumpf des Films ist sein Ensemble. Mel Gibson spielt den Familienvater mit der Mischung aus Charisma, Entschlossenheit und Verletzlichkeit, die ihn in den 90ern und frühen 2000ern zu einem der größten Stars Hollywoods machte. Heath Ledger überzeugt als idealistischer Sohn, der zwischen Liebe, Pflicht und Krieg zerrieben wird.
Mel Gibson gegen das Empire
Besonders herausragend ist jedoch Jason Isaacs als Colonel Tavington. Sein skrupelloser Offizier gehört zu den denkwürdigsten Film-Bösewichten des Genres. Grausam, arrogant und völlig gewissenlos sorgt er dafür, dass man als Zuschauer förmlich darauf wartet, dass ihm endlich das Handwerk gelegt wird.
Abgerundet wird das Ganze von John Williams‘ kraftvoller Filmmusik, die den emotionalen Momenten zusätzliche Wucht verleiht und die großen Schlachten noch epischer erscheinen lässt.
Hier merkt man deutlich, dass Roland Emmerich auf dem Regiestuhl sitzt. Die Schlachten sind groß inszeniert, die Kanonen donnern, Musketenkugeln fliegen durch die Luft und immer wieder geraten die Figuren mitten ins Chaos des Krieges.
Bombast, Kanonen und John Williams
Vor allem die Guerillaangriffe von Benjamin Martin sorgen für spannende Actionmomente. Dabei erinnert der Film stellenweise an Klassiker wie Der letzte Mohikaner, erreicht jedoch nie ganz dessen emotionale Tiefe. Trotzdem gelingt es Emmerich, die Brutalität des Krieges eindrucksvoll darzustellen, ohne dabei völlig in düsterem Realismus zu versinken.
Genau hier liegt aber auch eine der größten Schwächen des Films. Immer wieder wechselt die Stimmung zwischen brutaler Kriegsgewalt und fast schon lockerem Abenteuerfilm. Menschen sterben, Familien werden auseinandergerissen und kurz darauf folgt ein humorvoller Dialog oder ein leichter Moment zur Auflockerung.
Dieser Spagat funktioniert nicht immer. Oft wirkt es, als wolle der Film gleichzeitig ein hartes Kriegsdrama und familienfreundliche Unterhaltung sein. Dadurch verschenkt er einiges an emotionaler Wucht. Gerade die grausamen Taten des Gegners hätten noch stärker wirken können, wenn der Film den Mut gehabt hätte, sein Drama konsequenter auszuspielen.
Historiker werden an vielen Stellen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Der Film vereinfacht Konflikte, zeichnet klare Helden- und Schurkenbilder und biegt historische Ereignisse zurecht, damit sie besser in die Dramaturgie passen. Doch als großes Historienabenteuer funktioniert Der Patriot erstaunlich gut.
Historisch fragwürdig, aber verdammt unterhaltsam
Die Mischung aus Action, Drama, Familiengeschichte und patriotischem Pathos sorgt dafür, dass die knapp drei Stunden Laufzeit selten langweilig werden. Auch wenn vieles stark romantisiert wird, besitzt der Film eine mitreißende Energie, die bis heute funktioniert.
Die neue 4K-UHD: Der Patriot in Bestform
Mit der neuen Veröffentlichung von Der Patriot – Extended Version & Kinofassung auf 4K-UHD erhält das Historienepos die bislang beste Heimkino-Fassung. Das restaurierte Bild profitiert sichtbar von der höheren Auflösung. Besonders die weitläufigen Landschaften South Carolinas, die detailreichen Uniformen und die großen Schlachtenszenen gewinnen deutlich an Schärfe und Tiefe.
Neben der Kinofassung liegt auch die längere Extended Version bei, die zusätzliche Szenen für Fans bereithält. Ergänzt wird das Paket durch Audiokommentare, entfallene Szenen, Featurettes, Konzeptzeichnungen, Bildergalerien und Trailer. Für Liebhaber von Historienfilmen und Mel-Gibson-Fans ist diese Edition damit die derzeit beste Möglichkeit, den Film im Heimkino neu zu erleben.
Der Patriot ist kein historisch präzises Kriegsdrama, sondern ein emotionales Abenteuer voller Patriotismus, großer Schlachten und starker Darstellerleistungen. Mel Gibson, Heath Ledger und vor allem Jason Isaacs tragen den Film mühelos über seine Schwächen hinweg. Die teils widersprüchige Mischung aus Tragödie und Humor kostet zwar einige Punkte, dennoch bleibt ein packendes Historienepos, das auch über 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung noch bestens unterhält.

Bildrechte: Sony Pictures Home Entertainment / Plaion Pictures
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