Der Herr der Ringe Die Schlacht der Rohirrim Filmkritik

Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim (2024) | Filmkritik

Zwischen Mythos und Pflichtgefühl

von Markus Grunwald

Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim markiert die lang ersehnte Rückkehr nach Mittelerde – und steht damit zwangsläufig im Schatten einer der bedeutendsten Filmtrilogien der Kinogeschichte.

Ein neues Kapitel in Mittelerde – mit ungewohntem Anstrich

Nach Peter Jacksons monumentalem Werk und den zumindest unterhaltsamen Hobbit-Filmen wagt sich dieses Projekt an Neuland: zeitlich weit vor dem Ringkrieg angesiedelt, mit neuen Figuren, neuen Konflikten und erstmals als Anime-Prequel. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, die Fallhöhe enorm. Und leider zeigt sich schnell: So ehrgeizig das Vorhaben ist, so ernüchternd fällt das Ergebnis aus.

Der Herr der Ringe Die Schlacht der Rohirrim Filmkritik

© Warner Bros.

Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim spielt mehrere Generationen vor den bekannten Ereignissen rund um Frodo und den Einen Ring.

Geschichte wird zur Legende.

Im Mittelpunkt steht der legendäre König Helm Hammerhand, Herrscher von Rohan, sowie seine Tochter Hera. Das Königreich sieht sich einer existenziellen Bedrohung gegenüber: Wulf, ein von blankem Hass getriebener Gegenspieler, führt einen erbitterten Rachefeldzug gegen Helm und dessen Familie. Politische Spannungen, persönliche Fehden und offene Gewalt treiben die Rohirrim schließlich in eine alles entscheidende Belagerung jener Festung, die später als Helms Klamm in die Geschichte eingehen wird.

Die Grundidee besitzt enormes erzählerisches Potenzial. Ein isolierter Konflikt, ein mythischer Herrscher, ein früher Blick auf Rohan – all das könnte episch sein. Doch der Film bleibt erstaunlich oberflächlich. Die Ereignisse wirken oft wie lose aneinandergereihte Episoden, nicht wie eine zwingende dramatische Entwicklung.

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© Warner Bros.

Das größte Problem des Films liegt in seinen Figuren. Helm Hammerhand erhält zumindest einzelne eindrucksvolle Momente, insbesondere während der Verteidigung der Festung, die seine rohe Kraft und seinen Zorn greifbar machen. Doch selbst er bleibt letztlich statisch. Hera, als zentrale Identifikationsfigur gedacht, wirkt zwar mutig und entschlossen, bekommt aber kaum Raum für innere Entwicklung.

Blasse Figuren in einer großen Welt

Die meisten Charaktere beginnen und beenden den Film nahezu unverändert – ohne erkennbare emotionale Bögen.

Besonders enttäuschend ist der Antagonist Wulf. Sein Hass bleibt eindimensional, seine Motivation vage. Gerade hier hätte eine stärkere Hintergrundgeschichte der Handlung Tiefe und Tragik verleihen können. Stattdessen bleibt er eine funktionale Bedrohung ohne echte Persönlichkeit.

Anime trifft Mittelerde – eine schwierige Verbindung

Formal wagt der Film einen riskanten Spagat zwischen 2D- und 3D-Animation. Leider funktioniert diese Mischung nur selten überzeugend. Figuren bewegen sich häufig abgehackt, Hintergründe wirken leer oder unfertig, Gesichter bleiben rudimentär. Gerade im direkten Vergleich mit der opulenten Bildgewalt der Jackson-Trilogie wirkt das visuelle Ergebnis ernüchternd.

Die Animation ist nicht per se schlecht, aber inkonsequent. Man gewinnt den Eindruck, dass weniger Laufzeit und dafür mehr Fokus auf die Ausarbeitung der Technik dem Film gutgetan hätten. So fehlt es vielen Szenen an Gewicht und Atmosphäre – etwas, das Mittelerde eigentlich auszeichnet.

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© Warner Bros.

Der Film versucht, moderne Themen wie weibliche Selbstbestimmung stärker in den Vordergrund zu rücken. Grundsätzlich ist das kein Problem – Tolkien selbst schrieb komplexe weibliche Figuren. Doch hier wirkt der Ansatz oft aufgesetzt und nicht organisch aus der Welt heraus entwickelt.

Moderne Themen und Tolkiens Vermächtnis

Es entsteht der Eindruck, dass zeitgenössische Botschaften über das erzählerische Fundament gelegt wurden, statt aus ihm zu wachsen. Das schadet sowohl der Glaubwürdigkeit der Geschichte als auch der emotionalen Bindung.

Positiv hervorzuheben sind die durchweg starken Synchron- und Sprecherleistungen. Akustisch funktioniert der Film besser als visuell. Dennoch fehlt ihm das, was die Originaltrilogie unsterblich machte: das Gefühl von Größe, Mythos und unausweichlichem Schicksal. Die epische Wucht bleibt aus, selbst in Schlachtszenen, die eigentlich Gänsehaut erzeugen müssten.

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© Warner Bros.

Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim ist kein Totalausfall, aber auch kein würdiger neuer Meilenstein für Mittelerde.

Ein Franchise auf der Suche nach Identität

Zu blasse Figuren, eine schwache Antagonistenzeichnung und eine unausgereifte visuelle Umsetzung verhindern, dass sich das große Potenzial entfaltet. Einzelne starke Momente – insbesondere rund um Helm Hammerhand – blitzen auf, reichen aber nicht aus, um den Film über Mittelmaß hinauszuheben.

Ein interessantes Experiment, das jedoch zeigt, wie schwer es ist, Tolkiens Welt wirklich gerecht zu werden.

Bewertung

Bewertung_6

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Bildrechte: Warner Bros.

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