Burn The Witch

Burn the Witch (2020) | Serienkritik

Zwischen Hexen, Drachen und einer verborgenen Welt

von Markus Grunwald

Drei Episoden und eine OVA sind wahrlich nicht viel, reichen aber grundsätzlich für eine spannende Geschichte aus.

Eine Welt, die viel zu schnell wachsen muss

Burn the Witch versucht allerdings, in dieser kurzen Laufzeit ein derart umfangreiches Universum zu etablieren, dass es schlicht nicht funktionieren kann. Wir haben Hexen, die auf Drachen fliegen und innerhalb ihrer Organisation in den Rängen aufsteigen können.

Dazu kommen verschiedene Arten von Drachen, die bis hin zu legendären Märchenwesen reichen. Und dann wären da noch London und Reverse London, drachenbesessene Menschen, geheime Organisationen, verschiedene Zauber und natürlich jede Menge Waffen. Und das sind nur die Elemente, die einem spontan nach der Erstsichtung in Erinnerung bleiben.


Seit langer Zeit stehen in London 72 Prozent aller Todesfälle mit Drachen in Verbindung. Die fantastischen Wesen sind für normale Menschen unsichtbar und leben mitten unter ihnen.

Zwischen London und Reverse London

Nur die Bewohner von Reverse London, der verborgenen Seite der Stadt, können die Drachen sehen. Doch selbst unter ihnen gibt es nur wenige, die dazu befähigt sind, direkten Kontakt mit den Kreaturen aufzunehmen.

Zu diesen Menschen gehören Noel und Ninny. Die beiden jungen Hexen arbeiten für Wing Bind, kurz WB, eine Organisation, die sich um den Schutz und die Kontrolle der Drachen kümmert. Gemeinsam übernehmen sie gefährliche Aufgaben und müssen sich dabei nicht nur mit den unterschiedlichen Drachenarten auseinandersetzen, sondern auch mit den Regeln und Geheimnissen ihrer eigenen Organisation.


Burn the Witch versucht, ein Worldbuilding in kürzester Zeit aufzubauen, das in dieser Form einfach nicht zu stemmen ist. Das Ärgerliche daran: All diese Themen sind durchaus interessant und funktionieren auch als Mischung wunderbar. Es fehlt jedoch schlicht die Zeit, damit sich die Welt und ihre Figuren wirklich entwickeln können.

Was wäre, wenn diese Welt mehr Zeit hätte?

Hier wäre eine lange Serie, die sich zunächst auf die Etablierung der Welt und ihrer Figuren konzentriert, wirklich wünschenswert gewesen. Denn so dürfen wir letztlich nur einen kurzen Ausblick genießen – nach dem Motto: „Was wäre, wenn …?“

Es öffnet sich eine faszinierende Welt, die man als Zuschauer jedoch kaum richtig erkunden darf. Gerade die beiden Hauptfiguren hätten mehr Zeit verdient. Ihre Dynamik funktioniert, doch vieles bleibt an der Oberfläche. Man bekommt einen Eindruck davon, welche Abenteuer möglich wären, ohne wirklich das Gefühl zu bekommen, bereits tief in diesem Universum angekommen zu sein.

Wenn Drachen zur Lebensgrundlage werden

Die Animationen sind recht schlicht gehalten und entwickeln vor allem in den Kämpfen mit den Drachen ihr Potenzial. Gerade die Gestaltung der verschiedenen Drachen ist natürlich ein Herzstück der Serie. Hier überragt die OVA Burn the Witch #0.8, in der viele unterschiedliche Drachen gezeigt werden, die mit den Menschen zusammenleben beziehungsweise von ihnen unterdrückt werden.

Die Drachen, die nützlich sind, werden im alltäglichen Leben eingesetzt, beispielsweise als Flugmittel oder bei der Ernte. Alle Drachen, die nicht dienlich oder gefährlich sind, werden hingegen schlicht ermordet. Allein dieser Aspekt eröffnet ein deutlich größeres erzählerisches Potenzial, denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Hexen, Magie und spektakuläre Kämpfe, sondern auch um den Umgang des Menschen mit einer anderen Spezies.


Gerade hier spricht die Serie interessante Themen an, die aufgrund der kurzen Laufzeit jedoch kaum Raum zur Entfaltung bekommen. Burn the Witch kratzt an vielen spannenden Ideen, anstatt eine davon wirklich ausführlich zu erforschen. Das macht die Serie gleichzeitig interessant und frustrierend.

Ein faszinierendes Universum mit angezogener Handbremse

Denn eigentlich ist alles vorhanden: eine außergewöhnliche Welt, sympathische Figuren, interessante Drachen und ein Worldbuilding, das sich deutlich von vielen anderen Anime abhebt. Nur fehlt eben die Zeit, all das vernünftig miteinander zu verbinden.

So bleibt am Ende das Gefühl, lediglich den Trailer zu einer viel größeren Geschichte gesehen zu haben. Eine Geschichte, die durchaus das Potenzial gehabt hätte, über mehrere Staffeln hinweg zu funktionieren. Stattdessen bekommt man drei Episoden und eine OVA, die zwar Lust auf mehr machen, aber genau dadurch auch zeigen, was hier alles verschenkt wurde.

Burn the Witch ist deshalb ein spannender, aber viel zu kurzer Ausflug in eine faszinierende Welt. Wer sich darauf einlässt, bekommt interessante Ideen, sehenswerte Drachen und unterhaltsame Action. Wer allerdings ein vollständig ausgearbeitetes Universum erwartet, dürfte am Ende mit einigen Fragezeichen zurückbleiben. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen.

Bewertung

Bewertung_6

Trailer

Bildrechte: polyband anime


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