18th Mai2015

Filmfestspiele von Cannes 2015 – Tag 5

von MaryChloe

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Heute ist Tag fünf meines Festivalbesuchs. Der Himmel ist blau, das Meer ebenso und die reichen Menschen, die mit ihren monströsen Luxus-Yachten an der Croisette ankern, arbeiten fleißig darauf hin (selten sieht man sie ohne ein Glas Schampus in der Hand).

Für mich standen heute zwei Pressekonferenz und drei Filme auf der Tagesordnung. In der Pressekonferenz zum Wettbewerbsfilm Mon Roi, den ich selbst noch nicht gesehen habe, sprachen die Darsteller über den Film und ihre Rollen. Regisseurin Maïwenn steckt Vincent Cassel, den man als anstößigen Trainer aus Black Swan (2010) kennt, in die Rolle eines Playboys, der nach mehreren Affären Emmanuelle Bercot zur Frau nimmt. Doch auch diese Beziehung steht schon bald dem Ende nahe…

Im Anschluss stellten Cate Blanchett (Der Herr der Ringe) und Rooney Mara (Side Effects) das lesbische Liebesdrama Carol, ebenfalls im Wettbewerb, vor und plauderten munter über Hemmungen beim Drehen von Liebesszenen und die Gleichberechtigung von Homosexuellen damals und heute.

Regisseur Todd Haynes arbeitete bereits in I´m not there (2007) mit Blanchett und verfilmte mit Carol nun einen Roman von Patricia Highsmith über eine anrüchige Affäre zwischen zwei Frauen im Amerika der 1950er Jahre. Die anwesenden Schauspieler und Produzenten versprachen einen sehr persönlichen Film mit viel Anmut und Emotionen. Morgen werde ich mir selbst anschauen, ob er hält, was seine Darsteller versprechen.

Der erste Film des Tages war der bereits erwähnte The Sea of Trees, der angeblich bei seiner Premiere in Cannes Buhrufe erntete. Sollte dem so gewesen sein, kann ich das für meinen Teil nicht bestätigen. Obwohl die Story um Autor Arthur (Matthew McConaughey), der sterben möchte und sich dafür einen besonderen Platz aussucht, an sich nichts Neues bietet, wurde ich die gesamte Filmdauer über gut unterhalten. In Rückblenden erfahren wir von den Eheproblemen mit seiner Frau (Naomi Watts) und auch die Gegenwart hält Spannung und eine einmalige Kulisse parat.

Auf Film Nummer zwei habe ich mich besonders gefreut: Die Dokumentation Amy über die Ausnahmesängerin Amy Winehouse. Regisseur Asif Kapadia skizzierte in zwei Stunden die acht Jahre Musikkarriere des Londoner Stimmwunders. Zitate von Freunden und Familienmitgliedern geben den zahlreichen Videos und Fotos eine persönliche Note sowie einen Einblick in Amy Winehouse als verletzlichen Menschen. Nach der Doku verbindet man jeden ihrer Songs mit einer bestimmten Lebensphase von ihr. Gut gefallen hat mir, dass der Regisseur sich nicht zu lang mit der Schuld – oder Opferfrage aufhielt, sondern das essentielle Merkmal fokussiert, das Amy für die Nachwelt hinterließ: Ihr großartiges Gesangstalent.

Nachdem ich mal wieder einen Blick auf den roten Teppich erspähte und gerade das Team von Carol vor den Fotografen posierte, nahm der Abend einen schönen Ausklang. Nach den meist ernsten und teilweise erschütternden Themen sah ich mir die Premiere von Asphalte von Samuel Benchetrit an, der außerhalb des Wettbewerbs lief.

Das gesamte Team um Isabelle Hubbert Michael Pitt war ebenfalls dabei. Die französische Komödie vereinte drei irrwitzige Geschichten miteinander, die sich in ein und demselben Haus abspielten. Eine in die Jahre gekommene Schauspielerin, die sich mit einem Jugendlichen anfreundet, ein „schiffbrüchiger“ Astronaut, der auf dem Hausdach landet und ein Rollstuhlfahrer auf Zeit, dem der Fahrstuhl verboten wurde.

Alle drei Geschichten erzählen von Außenseitern, sie gehen ans Herz und sind noch dazu wahnsinnig komisch. Das war Arthauskino vom Feinsten!

Bis morgen, MaryChloe

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16th Mai2015

Filmfestspiele von Cannes 2015 – Tag 3

von MaryChloe

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Heute war es ausgesprochen windig in Cannes und fast wehte es beim Fotoshooting sogar Emma Stone das Kleid nach oben. Dafür strahlt die Sonne umso mehr und ich sichtete wieder zwei gelungene Filmbeiträge.

Der Tag begann mit dem sehr skurrilen Film The Lobster vom griechischen Ausnahmeregisseur Yorgos Lanthimos. Er führte bereits bei Dogtooth (2009) Regie und räumte dafür den Preis Un Certain Regard in Cannes ab. The Lobster läuft dieses Jahr im Wettbewerb und ist ebenso wie Dogtooth eine abgedrehte Story über eine kaum vorstellbare Welt, gegen die sich einige Protagonisten auflehnen.

Diese finden sich in einer nahen Zukunft wieder, in der es strafbar ist, ledig zu sein. Alle Singles werden verhaftet und in ein Hotel gesteckt, in dem sie 45 Tage Zeit haben, einen neuen Partner zu finden. Gelingt dies nicht, werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und in den Wald verbannt. Als der Versuch von Hauptcharakter David (Colin Farrell) fehlschlägt, flieht er in den Wald und stößt auf aufsässige Ledige mit einer zwielichtigen Anführerin (Léa Seydoux). Ausgerechnet dort verliebt er sich, obwohl es gegen deren Regeln verstößt…

Die Story scheint auf den ersten Blick äußerst abgedreht, allerdings erzählt sie auf eine ganz eigene Weise ein permanentes gesellschaftliches Problem: Die Ausgrenzung von Menschen, die sich an bestimmte Regeln einer höheren Macht – sei es freiwillig oder unfreiwillig – nicht halten.

The Lobster bietet schwarzen Humor vom Feinsten, Kreativität und absurde Szenen, bei denen man sich am liebsten die Hände vor die Augen hält, um dann doch durch einen kleinen Spalt zu spähen. Lanthimos drehte zum ersten Mal mit Hollywoodschauspielern und vereinte ein starkes Ensemble rund um Colin Farrell (Total Recall), Lea Seydoux (La vie d’Adèle), Rachel Weisz (Der ewige Gärtner), John C. Reilly (Guardians of the Galaxy) und Ben Wishaw (Das Parfum), die heute alle bis auf Farrell an einer Pressekonferenz zum Film teilnahmen und abends über den roten Teppich schlenderten.

Direkt im Anschluss trieb es mich in den neuen Woody Allen Film Irrational Man mit Joaquin Phoenix (Walk the Line) und Emma Stone (Birdman) in den Hauptrollen. Im Gegensatz zu seinem letzten Film Magic in the Moonlight (2014) fand ich mich die gesamte Filmdauer über äußerst gut unterhalten.

Die Dreiecksromanze zwischen Professor Abe Lucas, seiner Kollegin Rita (Parker Posey) und seiner besten Studentin Jill hat Biss, glänzt mit Sarkasmus und erhält vor allem dadurch Schwung, dass Abe den erhofften Sinn des Leben darin zu findet glaubt, in dem er einem anderen Menschen das Leben nimmt. Allen, Stone und Schauspielerin Parker Posey (Superman Returns) gaben am Nachmittag ebenfalls eine Pressekonferenz und zeigten sich am Abend der tobenden Menge auf dem roten Teppich.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang entlang von Cannes Stränden nahm auch ich mir vor, den Trubel rund um den roten Teppich einmal aus der Nähe anzusehen, da ich von weitem Michelle Rodríguez erspähte. Mit dem Wort Nähe kann man meinen Ausflug jedoch nicht wirklich beschreiben. Tausende Fans verbarrikadieren jede mögliche Sicht. Und wer einmal einen guten Platz im Gewimmel erwischt, erkennt die Stars unter dem ganzen Blitzlichtgewitter auch nicht besser. Letztlich haben die Zuschauer nur über einen Monitor sehen können, welcher Star gerade über den Teppich schreitet. Daher fotografierten die Menschen dann die Stars auf den Monitoren. Glamour geht eindeutig anders.

Für morgen steht erst einmal ein Ausflug an einen Drehort an, der vielen Filmfans bekannt sein dürfte. Im Anschluss werde ich mir wieder den einen oder anderen Film anschauen. Bonne journée! MaryChloe

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15th Mai2015

Filmfestspiele von Cannes 2015 – Tag 2

von MaryChloe

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Voller neuer Eindrücke und noch immer entzückt von der Stadt ging auch der zweite Festivaltag für mich zu Ende. Charlize Theron und Tom Hardy gaben gerade ihre Pressekonferenz zu Mad Max: Fury Road, als ich auf dem Festivalgelände eintraf. Dementsprechend sehen auch die Schnappschüsse der beiden Stars aus.

Heute standen drei Filme auf dem Programm. Der Tag begann mit dem rumänischen Film Un Etaj Mai Jos (übersetzt so viel wie ein Stockwerk tiefer), der in der Kategorie „Un Certain Regard“ lief.

Die Ambitionen des Regisseurs Radu Muntean wurden mir bis zum Schluss nicht ersichtlich, denn dieser Beitrag war der wohl langweiligste Film aller Zeiten. 93 Minuten lang passiert solide gesagt einfach gar nichts.

Hauptdarsteller Patrascu (Teodor Corban) wird einziger Zeuge eines Streits zweier Nachbarn, der in einem Mord endet und statt den Verdacht der Polizei zu melden, hält er sich aus allem heraus.

Gerade der vermeintliche Mörder sucht danach verstärkt Kontakt zu Patrascu und seiner Familie. Was hier auf einen spannenden Psychothriller hindeutet, ist letztendlich eine Aneinanderreihung langatmiger Szenen, in denen der Protagonist sein Desinteresse zur seiner Welt sowie seine mangelnde Courage an den Tag legt. Der Regisseur hat wohl auch seine Kreativität ein Stockwerk zu weit unten gelassen.

Deutlich mitreißender wurde es mit dem ungarischen Wettbewerbsfilm Saul Fia (Son of Saul), einem selten beklemmenden Film, der einen KZ-Häftling etwa einen Tag lang begleitet, wie er seiner Arbeit im Sonderkommando nachgeht und dem Schrecken und der Gewalt der Nazis ausgesetzt ist.

Er macht es sich zum Ziel einen ermordeten Jungen, in dem er seinen Sohn zu erkennen glaubt, zu begraben, koste es was es wolle. Der Film wirkt so klaustrophobisch verstörend, da die Kamera in zahlreichen sehr langen Einstellungen immer nah am Protagonisten ist und die Schreckenstaten der SS-Offiziere sowie die Massenmorde an den Juden eindringlich und unangenehm nah auf die Kinoleinwand bringt. Allein für die Kameraführung hätte der Film die Goldene Palme verdient.

Zum Abschluss sah ich mir den Eröffnungsfilm der Reihe „Un certain Regard“ an: An von Regisseurin Naomi Kawase, die bei den Filmfestspielen von Cannes schon ein alter Hase ist. 1996 gewann sie für ihren Debütfilm Moe no Suzaku die Goldene Kamera, eine Auszeichnung für den besten Erstlingsfilm in Cannes. Seitdem liefen vier ihrer Filme im Wettbewerb, ihr Spielfilm Der Wald der Trauer gewann 2007 den Großen Preis der Jury und vor zwei Jahren war sie Teil der Wettbewerbsjury.

Mit ihrem gesamten Filmteam leitete sie den Abend ein und verfilmte mit An die rührende Geschichte um die Köchin Tokue nach dem Roman-Bestseller von Durian Sukegawa. Als sie vom depressiven Imbiss-Besitzer Sentaro eingestellt wird, um bei der Zubereitung der in Japan als An bezeichneten Süßwaren zu helfen, stellt sie dessen Weltbild gewaltig auf den Kopf.

Kawase schaffte einen ebenso traurigen wie schönen Film über Vorurteile, Freundschaft und die Schönheit und das Geheimnis des Lebens, der mit einer grandiosen Hauptdarstellerin glänzt.

Un certain Regard ist die wichtigste Parallelreihe des Festivals, von der 19 Filme auf dem Programm stehen. Die Jury unter Präsidentin Isabella Rossellini, war bei der Premiere von An ebenfalls vor Ort und gab in kurzen Sequenzen einen Vorgeschmack auf die übrigen Festivalbeiträge.

Alle drei Filme liefen im großen Salle Debussy, von dem ihr euch auf dem Foto einen Eindruck machen könnt. Zwischen all dem Filmen gönnte ich mir auch ein bisschen Frischluft mit einen tollen Blick von der Notre-Dame-de-l’Espérance über Cannes und das Festivalgelände.

Morgen gibt’s dann hoffentlich wieder ein paar Stars und gelungene Filmbeiträge! À bientôt!

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14th Mai2015

Filmfestspiele von Cannes 2015 – Tag 1

von MaryChloe

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Mögen die Filmfestspiele beginnen!

Strahlend blauer Himmel, Temperaturen um die 25°C und das ewige Lächeln von Ingrid Bergmann, die das diesjährige Festival-Plakat ziert: Was gäbe es für schönere Bedingungen, die 68. Internationalen Filmfestspielen von Cannes zu eröffnen.

Am gestrigen Tag begann auch für mich die Filmfestzeit vor der traumhaft schönen Côte d’Azur-Kulisse. Die diesjährigen Filmfestspiele von Cannes finden vom 13. bis zum 24. Mai 2015 statt. Ich werde für euch vor Ort sein und über ausgewählte Filme aus dem Programm berichten und schauen, was die Reichen und Schönen auf dem roten Teppich so treiben.

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Bergman war im Jahr 1973 Jury-Präsidentin gewesen und in diesem Jahr übernimmt Thierry Fremaux die Festivalleitung. Dieser hat sich vergangenen Monat vehement gegen Selfies auf dem roten Teppich ausgesprochen, mal sehen ob auch ich mich da ebenfalls zügeln kann.

19 Filme treten dieses Jahr um den Hauptpreis, die Goldene Palme, an. Ein deutscher ist leider nicht dabei, dafür umso mehr französische, italienische und asiatische. Die prominente Wettbewerbs-Jury stellte sich in einer gestrigen Pressekonferenz vor: Die beiden Präsidenten sind Ethan und Joel Coen, die für Fargo (1996) und No Country for old Men (2007) insgesamt vier Oscars abstaubten.

Außerdem gehören Rossy de Palma, Guillermo del Toro, Xavier Dolan, Jake Gyllenhaal, Sophie Marceau, Sienna Millerund Rokia Traoré zur neunköpfigen Jury.

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Wie die Bilder zeigen, reisten tausende Fans nach Cannes und warteten den ganzen Tag vorm roten Teppich, nur um einmal ihre Lieblingsstars aus der Nähe sehen zu können. Vom Trubel des ersten Tages hielt ich mich allerdings fern und schaute mit stattdessen zwei Filme an:

Den französischen Eröffnungsfilm Standing Tall (frz. La Tête haute) und den starbesetzten Wettbewerbsteilnehmer The Tale of Tales.

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Der Eröffnungsfilm ist ein Sozialdrama, in dem Catherine Deneuve eine Jugendrichterin spielt, die sich um einen Jungen kümmert, der auf die schiefe Bahn geriet. Regisseurin Emmanuelle Bercot sagt, ihr Film ist eine Hommage an die Menschen im Schatten, die sich um minderjährige Straftäter kümmern: Jugendrichter, Erzieher, Anwälte, Sozialarbeiter.

Der Film ist sehr einfühlsam, direkt und ohne Ausschmückungen erzählt und überzeugte mich trotz einiger Längen durch klasse Schauspieler und das berührende Thema.

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Nach der Pressekonferenz liefen mir Catherine Deneuve und Schauspieler Benoît Magimel über den Weg und beantworteten der Presse einige Fragen. Alle jene, die keinen Zutritt zur Pressekonferenz hatten, verfolgten diese von außen gespannt über die zahlreichen Monitore.

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Tag eins endete für mich mit dem grandiosen und opulenten Märchenfilm The Tale of Tales von Matteo Garrone. Schon der Trailer versprach Blut, Orgien und Drachenkämpfe rund um die prominente Besetzung um Salma Hayek und John C. Reilly.

The Tale of Tales ist eine lose Adaption von verschiedenen Märchen des italienischen Poeten Giambattista Basile und auf jeden Fall nicht nur etwas für Märchenfans. Garrone präsentierte in Cannes bereits erfolgreich seine Werke Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra und Reality und gewann für beide Filme den Großen Preis der Jury.

Nach meiner Einschätzung kann dieser Filmbeitrag ohne Zweifel ins Rennen um die Goldene Palme gehen, da er mit seinen Bildern, Kostümen, Darstellern und verwobenen Geschichten auf ganzer Linie überzeugte.

Morgen geht es mit einem spannenden Programm weiter!

Eure MaryChloe

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07th Mai2015

Das Versprechen eines Lebens (2014) | Filmkritik

von MaryChloe

Das Versprechen eines Lebens

Australien im Jahr 1919: Der Farmer Joshua Connor (Russell Crowe) lebt mit seiner Frau Eliza (Jacqueline McKenzie) im abgelegenen Outback. Er verfügt über die fast magische Fähigkeit, mit einer Art Wünschelrute Wasserquellen in der Wildnis zu entdecken.

dasversprecheneineslebens_1 Die Ehe des Paars wird jedoch vom mutmaßlichen Tod ihrer drei ­Söhne Arthur (Ryan Corr), Henry (Ben O’Toole) und Edward (James Fraser) belastet. Sie kämpften im Ersten Weltkrieg auf der Seite des Commonwealth in der Schlacht von Gallipoli, von der sie nicht zurückkehrten.

Zermürbt und voller Schmerz begeht Eliza vier Jahre nach dem Verschwinden ihrer Söhne Selbstmord. Vor den Trümmern seiner Existenz stehend, begibt sich Connor auf die Reise nach Gallipoli, um die Leichen seiner Söhne nach Hause zu bringen und im Familiengrab beizusetzen.

In Istanbul trifft er auf die türkische Hotelbesitzerin Ayshe (Olga Kurylenko), die sein Vorhaben unterstützt. Mit der Hilfe eines türkischen Offiziers beginnt Connor eine abenteuerliche Reise quer durch das Land und folgt der Spur, die seine Söhne hinterlassen haben. Und auch leise Hoffnung regt sich in ihm, denn der Tod seiner Kinder wurde ihm nie bestätigt.

Russell Crowe war schon der Star in vielen Spielfilmen. Als Gladiator feierte er vor über 15 Jahren seinen internationalen Durchbruch und gewann für seine Darstellung im Jahr 2000 einen Oscar als bester Hauptdarsteller.

In seinen Rollen musste er sich seit jeher gegen die Widrigkeiten des Lebens behaupten. Zum Beispiel als schizophrenes Genie in A Beautiful Mind (2001), als liebender Ehemann gegen die Ungerechtigkeit der Justiz in 72 Stunden (2010) oder zuletzt als von Gott erwählter Archebauer in Noah (2014). Somit finden wir Crowe in Das Versprechen eines Lebens in einer altbekannten Rolle wieder: Als Joshua Connor steht er vor den Trümmern seiner Existenz. Als die britischen Besatzungstruppen ihm dann noch den Zutritt zum Schlachtfeld von Gallipoli verweigern, scheint auch sein einziger Wunsch unmöglich.

dasversprecheneineslebens_2 Mit Das Versprechen eines Lebens gibt Russell Crowe auch gleichzeitig sein Regiedebüt und beweist, dass er auch hinter der Kamera Starqualitäten besitzt. Sein Drama zeichnet sich durch grandiose Landschaftsaufnahmen aus und bedient sich einer Farbpalette, die man von Baz Luhrmann (Australia) gewohnt ist. Die prächtigen Bilder sind dem Oscar-Preisträger Andrew Lesnie zu verdanken, der bereits in King Kong (2005), Der Herr der Ringe: Die Gefährten (2001) oder Planet der Affen: Prevolution (2011) hinter der Kamera stand. Diese Bilder neigen ab und ab zur Übertreibung und verleihen beispielsweise dem damaligen Konstantinopel ein buntes und traumhaft schönes Antlitz, das wohl nur schwerlich dem Konstantinopel nach dem Ersten Weltkrieg gleicht.

Einen Kontrast dazu bilden die schrecklichen Rückblenden auf die verlustreiche Schlacht, in der seine Söhne fielen. Um über die Herrschaft über den Bosporus zu entscheiden, kämpften Briten, Franzosen, Neuseeländer und Australier gegen das Osmanische Reich. In der historischen Schlacht auf Gallipoli starben über 100.000 Menschen. Crowe führt im Abspann an, dass sein Filmbeitrag jenen Kriegsopfern gewidmet sei, die verloren und namenlos geblieben sind. Er will den Kriegsopfern ein Denkmal setzen und auch dem türkischen Kriegsgegner ausgleichende Referenz erweisen. Inspiriert sei der Film vom persönlichen Brief eines Mannes, der in Gallipoli nach den Leichen seiner Söhne suchte.

Der dramatischen Story wurden jedoch ebenso viele Abenteuerelemente hinzugefügt, so dass keines der beiden Genres überwiegt. Um die Spannung der Zuschauer aufrecht zu erhalten, ließ der Regisseur ein wenig zu viele Hollywoodaction-Elemente einfließen. Die Verfolgungsjagden sind derart unrealistisch, dass der Hinweis „nach einer wahren Begebenheit“ hinfällig erscheint.

dasversprecheneineslebens_3 Auch die Beziehung zur türkischen Kriegswitwe Ayshe (Olga Kurylenko) wirkt hinzugedichtet, um die Frauenquote im Film zu erhöhen. Nachdem Connor beim britischen Militär auf Kontra stößt, findet er in ihr eine Verbündete und es deutet sich eine kleine Romanze zwischen den beiden an. So schön Kurylenko auch anzuschauen ist und dem Film die sonst fehlende weibliche Komponente verleiht, so ungeeignet ist die gebürtige Ukrainerin schon allein optisch für die Rolle der türkischen Witwe. Dass Crowe auf schnulzige Ausschmückungen ihrer Beziehung verzichtet und sich auf die verzweifelte Suche Connors konzentriert, kommt dem Film jedoch wieder zu Gute.

Crowe verwirklichte zuvor bereits einige Regieprojekten und inszenierte unter anderem den dokumentarischen Kurzfilm 60 Odd Hours in Italy (2002), die Dokumentation Texas (2002) und auch das Musikvideo zu Wish I’d Been Here (2009) von der australischen Sängerin Danielle Spencer, mit der er bis 2012 verheiratet war. Und nun gleich Hauptdarsteller und Regisseur in einem, geht das gut? Es kann, denn auch andere Schauspieler machten es vor: Zum Beispiel Clint Eastwood mit Million Dollar Baby (2004) oder Gran Torino (2008), Joseph Gordon-Levitt mit Don Jon (2013) oder Tom Hanks mit Larry Crowne (2011).

Und auch Russell Crows Debüt Das Versprechen eines Lebens kann sich allemal sehen lassen. Alles in allem schuf er eine ergreifende Geschichte mit faszinierenden Bildern, die ebenso ergreifend wie unterhaltsam und spannend ist. Die Rolle des trauernden Vaters, der einzig Gewissheit haben möchte und nicht aufgibt, hat sich Russell Crowe selbst auf den Leib geschneidert. Dass er zu Unterhaltungszwecken ein, zwei Male zu tief in die Trickkiste Hollywoods greift und dadurch etwas Tiefe verloren geht, kann man dem Werk jedoch verzeihen. Gleichermaßen Drama und Abenteuerfilm ist Das Versprechen eines Lebens ein sehenswerter Regie-Erstling, der berührt und hoffnungsvoll stimmt.

Cast & Crew

Regie: Russell Crowe
Drehbuch: Andrew Knight und Andrew Anastasios
Musik: David Hirschfelder
Darsteller: Russell Crowe, Olga Kurylenko, Yılmaz Erdoğan, Cem Yılmaz, Jai Courtney, Ryan Corr, Jacqueline McKenzie, Isabel Lucas

Bewertung

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14th Mrz2015

Traumfrauen (2015) | Filmkritik

von MaryChloe

Traumfrauen

Die ordnungsliebende Leni Reimann (Hannah Herzsprung) dachte eigentlich, dass ihr Leben sich auf dem besten Weg zu einer erfüllten Beziehung befindet. Diese Vorstellung wird allerdings zunichte gemacht, als eine Bekannte beim Skypen im Hintergrund ihres Lebensgefährten auftaucht – und zwar fast nackt! Damit ist es dann leider aus mit den Plänen vom Zusammenziehen, mit der Liebe und überhaupt mit der Aussicht auf ein wohlgeordnetes Leben.

traumfrauen_1 Zum Glück findet sie in der WG ihrer Schwester Hannah (Karoline Herfurth) einen Unterschlupf, wo sie sich ausweinen kann. Dabei ist die angehende Juristin eigentlich schon mit ihren eigenen Problemen in der Anwaltskanzlei überfordert.

Glücklicherweise weiß Hannahs Mitbewohnerin Vivienne (Palina Rojinski) Rat: Nur Sex kann über Liebeskummer hinweghelfen – und zwar mit vielen verschiedenen Männern, damit man sich gar nicht erst wieder in einen Neuen verlieben kann. Nach dieser Theorie müsste Leni aber Josef (Elyas M’Barek) gleich nach ihrer ersten Begegnung schon wieder abschießen…

Nebenbei hat auch Lenis Mutter Margaux (Iris Berben) Probleme mit der Neuausrichtung ihres Lebens, nachdem sie von ihrem Mann nach 30 Jahren Ehe für eine Jüngere verlassen wurde. Sie versucht sich nun erst einmal wieder allein in der modernen Welt zurechtzufinden, indem sie einen Computerkurs belegt – und prompt ebenfalls einen netten Herrn (Christian Tramitz) kennenlernt. Für die beiden Frauen beginnt eine Zeit der Selbstfindung, in der sie lernen müssen, ihr bisheriges Leben und ihre Zielsetzungen zu hinterfragen und den Mut zu finden, auch mal vom scheinbar idealen Weg abzukommen.

Anika Decker war an den Drehbüchern zu einigen der größten deutschen Kinofilme der vergangenen Jahre beteiligt. Nach Erfolgen wie Keinohrhasen, Zweiohrküken und Rubbeldiekatz legt sie nun ihr erstes komödiantisches Regie-Projekt vor, in welchem sich die Traumfrauen Hannah Herzsprung, Karoline Herfurth, Iris Berben und Palina Rojinski auf die Suche nach dem Glück begeben. Der Trailer lässt nicht vermuten, dass Decker mit Traumfrauen direkt an die Erfolge der Schweigerfilme anknüpfen wolle. Vielmehr erweckt die leichte Komödie über Liebe, Chancen und den Glauben an sich selbst den Anschein, als wäre es eine Herzensangelegenheit der Regisseurin.

traumfrauen_2 Den Zuschauer erwartet geballte Frauenpower, denn mit gleich vier Hauptdarstellerinnen ist die weibliche Gefühlswelt in vielen Facetten dargestellt. Anika Decker konzertiert sich nicht nur auf ein gebrochenes Herz, sondern offenbart dem Zuschauer in vierfacher Hinsicht die Leiden der weiblichen Großstadt-Singles, die an sich zwar paarungswillig sind, jedoch erst einmal Bindungsängste, Liebeskummer oder mangelndes Selbstbewusstsein überwinden müssen.

Hannah Herzsprung (Who Am I) erwischt ihren Freund beim Fremdgehen, Karoline Herfurth (Fack Ju Göhte) hat eine unglückliche Affäre mit einem Kollegen, Iris Berben (Miss Sixty) wurde von ihrem Mann für eine jüngere Frau verlassen und Palina Rojinski (Männerherzen) meint dagegen, sich durch ganz Berlin schlafen zu müssen.

Story und Charakterzeichnungen sind von Beginn an relativ platt und die Entwicklung vorhersehbar. Außerdem bedient sich der Film zahlreichen Klischees. Gut, das dachte man bei Fack Ju Göhte zu Beginn wahrscheinlich auch, bevor sich dieser zum Erfolgsfilm des Jahres 2013 mauserte. Doch auch das Wiedersehen der beiden Darsteller Karoline Herfurth und Elyas M´Barek kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Traumfrauen viele Witze schlichtweg nicht lustig sind und leider gleich drei von vier Protagonistinnen in sich gesunkene Pessimistinnen sind, die sich von Männern abhängig machen und sich einreden sie wären dick und hässlich.

Das ist in der ersten Hälfte des Films etwas anstrengend und auch bei den Männercharakteren gibt es im Grunde nur den Good oder Bad Guy. Entweder sind sie Betrüger und arrogante Schnösel, so beispielsweise Alexander Schubert als ekelhafter Chef der Kanzlei, oder so perfekt, dass es wieder unheimlich ist. Dazu kommt der Charakter von Elyas M’Barek: Da er nach einer Kinderstarkarriere in der Drogenszene landete, ist er das Bad Boy Paradebeispiel.

traumfrauen_3 Die zweite und deutlich bessere Hälfte des Films profitiert dann davon, dass sich hier die Creme de la Creme der deutschen Film- und Fernsehindustrie versammelt. Es gibt eine ganze Reihe überzeugender Momente in Traumfrauen, die nicht erzwungen lustig sind, sondern tatsächlich romantisch und stark.

So sorgen Elyas M’Barek und Hannah Herzsprung für echte Emotionen und Karoline Herfurth fährt aus ihrer dauerzweifelnden Haut heraus. Iris Berben schlüpft in dem Film aus ihrer gewohnten Rolle und sorgt als Mutter für die meisten Lacher innerhalb des Frauenquartetts.

Nach der zuerst ermüdenden Aneinanderreihung von Sketchen und dem aufdringlichen Product-Placement entwickelt sich die zweite Hälfte des Films zu einem unterhaltsamen und gefühlvollen Porträt der vier Großstädterinnen, die auch nach all den Enttäuschungen auf kleine Wunder hoffen. Dennoch hat man alles schon einmal gesehen: Gängige Geschichte, gängige Gesichter, in gängiger Art und Weise erzählt.

Doch zumindest ist es eine Geschichte, die immer wieder funktioniert. Traumfrauen ist Unterhaltung der leichteren Kost und kein herausragender Film, in seiner Gesamtheit ist er aber durchaus stimmig. Die klasse schauspielerische Darbietung trägt dazu bei, mit den obwohl klischeebeladenen Charakteren mitzufühlen. Und auch einige gute Lacher im zweiten Teil sorgen für ein abgerundetes Gesamtbild und machen Deckers Regiedebüt durchaus sehenswert.

Cast & Crew

Regie: Anika Decker
Drehbuch: Anika Decker
Musik: Jean Christoph
Darsteller: Hannah Herzsprung, Karoline Herfurth, Elyas M’Barek, Iris Berben, Palina Rojinski

Bewertung

Bewertung_6

02nd Jan2015

Herz aus Stahl (2014) | Filmkritik

von MaryChloe

Herz aus Stahl

Der Zweite Weltkrieg ist im April 1945 fast vorbei, doch gerade die letzten Kilometer ins Herz des Deutschen Reiches sind besonders hart umkämpft. Während die deutschen Geschosse die Panzerung der alliierten Fahrzeuge leicht durchschlägt, prallt das US-Feuer an den deutschen Panzern meist wirkungslos ab.

Herz aus Stahl (2014) An vorderster Front führt der kriegserfahrene Sergeant Don „Wardaddy“ Collier (Brad Pitt) seinen Sherman-Panzer „Fury“ mit einer fünfköpfigen Besatzung an. Trotz der technischen Unterlegenheit kämpfen er und seine Crew bestehend aus dem Schützen Boyd „Bible“ Swan (Shia LaBeouf), dem Ladeschützen Grady „Coon-Ass“ Travis (Jon Bernthal) und dem Fahrer Trini „Gordo“ Garcia (Michael Peña) nun schon seit dem Afrikafeldzug gemeinsam gegen die Achsenmächte.

Kurz vor der Kapitulation Nazideutschlands bekommt er einen letzten Auftrag. Mit seinem Panzer soll er weit hinter die feindlichen Linien vorstoßen und sich auf eine schier unmögliche Mission begeben, um das Nazi-Regime endgültig in die Knie zu zwingen. Nur den Bugschützen des Panzers hat es beim letzten Einsatz erwischt, weshalb der Besatzung als Ersatz der unerfahrene Norman Ellison (Logan Lerman) zugeteilt wird. Erst vor wenigen Wochen als Schreibkraft zur Armee gestoßen, hat dieser noch nie einen Panzer von innen gesehen und kann sich auch nicht dazu überwinden Nazis zu töten… 

Das Kriegsdrama Herz aus Stahl (OT: Fury) ist die fünfte Regiearbeit von David Ayer, der hierfür auch das Drehbuch schrieb. Mit seinen ersten Filmen Harsh Times – Leben am Limit (2005) und Street Kings (2008) blieb der Ruhm noch aus, sein Polizei-Drama End of Watch (2012) hingegen wurde so ein Erfolg, dass er ohne Umstände das 80 Millionen Dollar Budget von Herz aus Stahl ausgehändigt bekam. Im Frühjahr 2014 brachte er zudem den actionreichen Drogenthriller Sabotage mit Arnold Schwarzenegger in die Kinos.

fury_2 In Herz aus Stahl geht es mit geballter Action weiter, jedoch hat sich Ayer nun dem Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive amerikanischer Truppen gewidmet und die Kriegsschrecken in all ihrer Grausamkeit anschaulich verfilmt. Die mäßig gute Übersetzung Herz aus Stahl, die zuerst an eine Kriegsschmonzette denken lässt, ist in vieler Hinsicht interpretierbar. Der Originaltitel Fury verrät bereits, dass der Panzer das Zentrum der Handlung ist und das einzige Zuhause der Soldaten bildet, in dem sie in ihrem Element kämpfen. Für andere wird er allerdings zur tödlichen Falle…

Neben Panzer-Action wird nicht ausgelassen, wie schmutzig der Krieg ist und es darin keine wirklichen Helden gibt. Die Fury-Crew ist eine verschworene Gemeinschaft, in der jeder für den anderen sterben würde. Die Soldaten, die Krieg und Tod seit Jahren tagtäglich erleben, sind mit der Zeit abgestumpft und haben Spaß daran entwickelt, ihre Gegner niederzuschießen und abzumetzeln. Als Wardaddy seinen neuen Bugschützen Norman mit Gewalt zwingt, einen unbewaffneten SS-Offizier zu erschießen, werden auch die letzten Erwartungen an eine Heldensaga zunichte gemacht. In intensiven, fast unerträglich Szenen wie dieser zeigt Ayer, was der Krieg mit seinen Beteiligten anstellt. Abgebrühtheit und Zynismus bilden die Haupteigenschaften der Charaktere.

fury_3 Als Norman zu der Truppe stößt, muss er den Panzer säubern und darin das zerfetzte Gesicht seines Vorgängers aufwischen. In einer weiteren Szene fährt eine Panzerkolonne durch Matsch, der bei näherer Betrachtung aus zerdrückten Körpern besteht. In anderen bestehen die übrigen deutschen Soldaten nur noch aus Kindern. Es sind beiläufige Szenen wie diese, die verdeutlichen, wie brutal der Krieg und wie gewöhnlich derartige Schreckensbilder damals waren.

Ebenso radikal sind die Schlachtszenen, die nicht selten Splatterelemente aufweisen. Durch den Verzicht auf im Kriegsfilm typische Handkamerabewegungen und schnelle Schnitte wirken die Sequenzen nur noch eindringlicher. Die Kampfszenen sind mitreißend und erschütternd. Die Lasermunition, die aus den Maschinengewehren gefeuert werden, erinnern zwar an Star Wars, sind aber aus realen Archivaufnahmen von damaligen Gefechten übernommen. In diesen ist zu sehen, dass die Deutschen grüne und die Amerikaner rote Leuchtspurmunition verwendeten und Ayer ist einer der ersten Regisseure, der diesen Fakt als bewusstes Stilmittel verwendet.

Ob im Panzer oder auf diesem, der Film löst klaustrophobe Ängste aus. Selbst außerhalb des engen Panzers lauert keine Freiheit, da der Krieg allgegenwärtig ist. Verschnaufpausen für intensive Charakterstudien des Panzertrupps gibt es kaum. Denn wie im Krieg gibt es kaum Pausen zum Durchatmen. Hintergründe der Protagonisten werden nur oberflächlich angekratzt und die Prototypen für einen Heldenfilm sind die üblichen: Der harte Anführer, seine rechte Hand, der Bösewicht der Gruppe, der Neue Unerfahrene, usw.

fury_4 Eine kurze Pause ist den Soldaten gegönnt, als sie sich in einer kapitulierten Stadt niederlassen und sich von zwei deutschen Frauen bewirten lassen. Dass Ayer die Szene, in welcher Wardaddy eine deutsche Frau zum Sex mit Norman nötigt, als eine kurze Liebesszene umdeutet ist hier mehr als geschmacklos. Denn im Krieg waren auch Vergewaltigungen durch die uns dargestellten heldenhaften Soldaten grausame Realität.

Als nazimordender amerikanischer Soldat glänzte Brad Pitt (frischgebackener Oscar-Preisträger als Produzent von 12 Years A Slave) schon 2009 in Inglourious Basterds. Der von Quentin Tarantino geschaffene Charakter Lt. Aldo Raine galt ebenfalls als Anführer seiner Widerstandgruppe und ist dem jetzigen Wardaddy in seiner rauen Art und Kompromisslosigkeit sehr ähnlich. Engagement seine Rolle authentisch zu verkörpern, bewies vor allem Co-Star Shia LaBeouf, indem er sich bei seinen Kollegen sehr unbeliebt machte. Um sich in die Lebensumstände eines Panzersoldaten im Zweiten Weltkrieg einzufinden, wusch er sich wochenlang nicht, zog sich selbst einen Zahn und verließ den Panzer nur, wenn er von den Sicherheitsleuten dazu gezwungen wurde. Seine Crew fand das gar nicht professionell und verwies ihn für den Rest der Dreharbeiten in ein getrenntes Bed-&-Breakfast-Hotel. 

Dennoch war alles Gesehene schon einmal da. Zahlreiche Filme setzen sich mit den Schrecken des Zweiten Weltkriegs auseinander. Ob man diesen Film braucht sei wie viele sich ähnelnde Genres bestreitbar. Aber vielleicht ist es gerade vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Lage passend, sich noch einmal die Schrecken vor Augen zu führen, die ein Krieg anrichtet und zeigt, wozu Menschen fähig sind.

Herz aus Stahl ist überzeugend gespielt, erschreckend bebildert und bietet spannende Kampfszenen. Die Charaktere erfüllen jedoch jedes Hollywoodkriegsfilmklischee und außer durch grenzwertig blutige Details hebt sich dieser Film nicht von anderen Genrevertretern ab.

Cast & Crew

Regie: David Ayer
Drehbuch: David Ayer
Musik: Steven Price
Darsteller: Brad Pitt, Shia LaBeouf, Logan Lerman, Jon Bernthal, Michael Peña, Xavier Samuel, Jason Isaacs, Brad William Henke

Bewertung

Bewertung_7

20th Dez2014

Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014) | Filmkritik

von MaryChloe

Die Entdeckung der Unendlichkeit

Die Entdeckung der Unendlichkeit beginnt Anfang der 1960er: Der junge Stephen Hawking (Eddie Redmayne) studiert Physik an der Universität von Oxford. Auf einer Feier lernt er seine zukünftige Ehefrau Jane Wilde (Felicity Jones) kennen. Die beiden verlieben sich, doch das Schicksal stellt diese Liebe auf eine harte Probe.

Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014) | Filmkritik Nachdem er zunehmend die motorische Kontrolle über seinen Körper verliert, bekommt er im Alter von 21 Jahren die niederschmetternde Diagnose: Stephen leidet an der Nervenkrankheit Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer degenerative Krankheit, die die Nervenzellen schädigt, die für die Steuerung der Muskeln zuständig sind. Ihm wird eine Lebenserwartung von nur noch zwei Jahren gegeben.

Doch statt in Selbstmitleid zu versinken treibt Hawkings seine Forschungen voran. Es stellt sich heraus, dass er an der sogenannten chronisch juvenilen ALS leidet, einer Variation der Krankheit, die einen extrem langen Krankheitsverlauf nimmt und den Körper und die Muskelfunktionen nach und nach schädigt.

Trotz seiner fortschreitenden Erkrankung heiraten er und Jane 1965 und gründen eine Familie. Bald darauf steht der brillante Physiker vor dem Durchbruch, der sein Leben verändert. Durch die Erforschung der Zeit gelingt es Hawking, neue und revolutionäre Erkenntnisse über den Beginn des Universums und des Lebens zu gewinnen. Gemeinsam mit Jane, die nicht von seiner Seite weicht und ihn durch ihre Liebe und Unterstützung stark macht, beschreitet der nun auf den Rollstuhl angewiesene Hawking neue und bahnbrechende Wege in Physik und Astrophysik.

Stephen Hawking forscht nach dem Anfang der Zeit und das, obwohl ungewiss ist, wie viel Zeit ihm selbst bleibt.

Diesen Sommer stellten sich jede Menge Promis der „Ice Bucket Challenge“, um auf die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam zu machen. Was ALS eigentlich für die Menschen bedeutet, die daran erkrankt sind, zeigt dieser faszinierende Film über Hawking.

Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014) | Filmkritik Der geniale Physiker ist heute weltbekannt und erfreut sich großer Popularität. Bereits 2004 wurde ein Teil seines Lebens in Hawking – Die Suche nach dem Anfang der Zeit von Philip Martin verfilmt, hier wurde er durch Benedict Cumberbatch verkörpert.

Grundlage für das von Anthony McCarten verfasste Drehbuch von Die Entdeckung der Unendlichkeit war Jane Hawkings Autobiographie „Travelling to Infinity: My life with Stephen“. Auf dieser Grundlage legt Regisseur James Marsh, der 2008 einen Oscar für den besten Dokumentarfilm Man on Wire erhielt, den Filmschwerpunkt auf die Beziehung Hawkings zu seiner ersten Frau Jane.

Das biografische Drama feierte seine Premiere beim Toronto International Film Festival 2014 und gilt schon jetzt als heißbegehrter Oscar-Anwärter. Felicity Jones und Eddie Redmayne sind in der Kategorie „Beste Hauptdarsteller – Drama“ für den Golden Globe Award nominiert. Es wäre sehr verwunderlich, sollten keine Oscar-Nominierungen folgen. Mit viel Courage und Einfühlungsvermögen versetzen sich die beiden Darsteller in die Charaktere von Jane und Stephen. Vor allem für Redmayne muss es eine enorme Anstrengung gewesen sein, einen muskelkranken Menschen zu verkörpern und die Mimik und Hawkings körperliche Eingeschränktheit konstant aufrechtzuerhalten.

Die Entdeckung der Unendlichkeit (2014) | Filmkritik Eddie Redmayne, der lange Zeit im Dolmar Warehouse Theatre als Shakespeare-Darsteller arbeitete, konnte man schon in der Musicalverfilmung Les Misérables (2012) bewundern, in der er erstmals auch sang. Beeindruckend repräsentiert er nun den körperlichen Verfall Hawkings, der sich jedoch in keiner Weise auf seine innere Stärke und Entschlossenheit legt.

Felicity Jones (The Invisible Woman) ist die zierliche Ehefrau an seiner Seite, der man anfangs zutraut, sie würde an den Schicksalsschlägen zerbrechen. Doch sie ist es, die ihm den notwendigen Halt gibt und sich aufopferungsvoll um die Familie kümmert. Selbstverständlich sind auch ihre Kapazitäten irgendwann erschöpft und es naht Hilfe durch den charmanten Witwer Jonathan Jones (Charlie Cox), der Hawkings Familie unterstützt. Sein Auftauchen und die aufkeimenden Gefühle zwischen ihm und Jane wirken etwas dramatisiert, sind jedoch ebenfalls aus der Biografie Janes gegriffen.

Die Entdeckung der Unendlichkeit versucht das Leben von Hawking in einen Film zu packen. Ein Leben, das von wissenschaftlichen Glanzleistungen und körperlichen Rückschlägen geprägt ist. Bewundernswert ist, wie die beiden Schauerspieler Anfang 30 eine Zeitspanne von 25 Jahren spielen und sich sowohl äußerlich als auch charakterlich verändern. Der Zeitraum wird zwar auf zwei Filmstunden komprimiert, jedoch hat man als Zuschauer nicht das Gefühl, dass etwas Wichtiges ausgelassen wurde. Der Regisseur griff sich die wichtigsten und bewegendsten Momente heraus und nahm sich für die Szenen genug Zeit, den Charakteren und den Momenten Tiefe zu verleihen.

dieentdeckungderunendlichkeit_4 Der isländische Komponist Jóhann Jóhannsson (Prisoners) komponierte passend zur Story die bewegende, aber nicht aufdringliche Filmmusik. Der Film ist jedoch nicht nur ein Beitrag über Schicksalsschläge, sondern wie ein Paar das ihnen auferlegte Leben meistert. Hawking ist ein Mensch, der auf seine Weise in vielfacher Hinsicht Geschichte schrieb. Der Physiker war 30 Jahre lang Inhaber des Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Cambridge, den einst Sir Isaac Newton und Paul Dirac innehatten.

Während sein Ruhm im Laufe der Jahre wächst, verlassen ihn seine physischen Kräfte immer mehr: Hawking ist seit 1968 an einen Rollstuhl gefesselt. Letztlich kann er nur noch mittels eines Sprachcomputers mit seiner Umwelt kommunizieren den er durch Augenbewegungen steuert, was wieder grandios von Redmayne umgesetzt wurde.

Nichts von alledem hindert Hawkings an seinen Forschungen. Trotz aller Hürden und Schwierigkeiten wird er von seiner Frau nie allein gelassen, gründet sogar eine Familie mit ihr und wird als einer der größten Physiker unserer Zeit anerkannt. So, wie er sich es immer erträumt hatte. Stephen Hawking lieferte bedeutende Arbeiten zur Kosmologie, allgemeinen Relativitätstheorie und der Physik der Schwarzen Löcher. Durch populärwissenschaftliche Bücher über moderne Physik ist er auch einem breiten Publikum außerhalb der Fachwelt bekannt geworden. Während er eine Honorierung nach der anderen erfährt, leidet seine Beziehung zu Jane.??da fehlt was??

Stephen Hawking lebt noch immer und ist mit heute 72 Jahren der älteste ALS-Patient überhaupt. „Ice Bucket Challenge“ war gestern, dieses Weihnachten kommt sein berührendes Porträt als eine Hommage an das Leben in die Kinos. Wer bei der spaßigen Promi-Inszenierung schon immer die Schicksale dahinter vermisste, sollte sich diese Lebensgeschichte unbedingt anschauen.

Der Film zeigt nicht, wie man nach einem schweren Schicksalsschlag langsam wieder zurück ins Leben findet, sondern wie ein Mann allen düsteren Prognosen trotzt und sofort weiter an seinem Lebenswerk arbeitet. Die Entdeckung der Unendlichkeit ist ein Film über die Liebe zu seiner Frau, zur Wissenschaft und trotz aller Hindernisse zum Leben selbst, in dem man als Zuschauer selbst eine ganz neue Einstellung zur Zeit gewinnt.

Cast & Crew

Regie: James Marsh
Drehbuch: Anthony McCarten
Musik: Jóhann Jóhannsson
Darsteller: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox, Emily Watson, Simon McBurney, David Thewlis, Christian McKay

Bewertung

Bewertung_9