Wuthering Heights

Wuthering Heights – Sturmhöhe (2026) | Filmkritik

Eine Liebe zwischen Sehnsucht und Wahnsinn

von Markus Grunwald

Emily Brontës Roman Sturmhöhe zählt zu den bekanntesten Liebesgeschichten der Weltliteratur. Doch Emerald Fennell entscheidet sich bewusst gegen eine klassische Verfilmung und liefert mit „Wuthering Heights“ vielmehr eine freie Interpretation der Vorlage ab.

Wenn Liebe zur zerstörerischen Obsession wird

Das ist wichtig zu betonen, denn diese Kritik bewertet den Film als eigenständiges Werk – nicht als möglichst werkgetreue Adaption. Wer bereit ist, diesen Vergleich auszublenden, bekommt ein bildgewaltiges Liebesdrama über Leidenschaft, Besessenheit und Selbstzerstörung.

Cathy (Margot Robbie) und Heathcliff (Jacob Elordi) verbindet eine Liebe, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt scheint.

Große Gefühle ohne klassische Sympathieträger

Zwischen gesellschaftlichen Zwängen, verletztem Stolz und unbändiger Leidenschaft entwickelt sich eine Beziehung, die immer tiefer in Gewalt, Eifersucht und gegenseitige Erniedrigung abrutscht. Je stärker ihre Gefühle werden, desto mehr zerstören sie sich selbst und ihr Umfeld.

Eine der größten Stärken des Films ist die Chemie zwischen Margot Robbie und Jacob Elordi. Beide harmonieren hervorragend miteinander und schaffen es, ihre Figuren gleichzeitig faszinierend und abstoßend wirken zu lassen. Genau darin liegt eine der spannendsten Entscheidungen des Films: Es gibt kaum klassische Sympathieträger.

Als Zuschauer weiß man selten, mit wem man eigentlich mitfiebern soll. Mal leidet man mit Cathy, wenige Minuten später verliert man jedes Verständnis für ihr Verhalten. Dasselbe gilt für Heathcliff, dessen Liebe immer stärker in Besessenheit umschlägt. Diese emotionale Unsicherheit macht den Film überraschend fesselnd.


Optisch gehört „Wuthering Heights“ ohne Zweifel zu den schönsten Filmen des Jahres. Jede Einstellung wirkt sorgfältig komponiert. Nebelverhangene Landschaften, prachtvolle Herrenhäuser und eindrucksvolle Naturaufnahmen erinnern stellenweise eher an Gemälde als an einen Kinofilm.

Ein Gemälde in Bewegung

Besonders Margot Robbie profitiert von der aufwendigen Inszenierung. Ob im pompösen Kleid, im Hochzeitskleid oder während ihrer Spaziergänge durch die weiten Landschaften – nahezu jede Szene besitzt eine beeindruckende Bildsprache. Auch die Kostüme tragen erheblich zur besonderen Atmosphäre bei.

Unterstützt werden die Bilder von einem ungewöhnlichen Soundtrack. Die modernen Songs von Charli XCX setzen interessante Kontraste zur historischen Kulisse und verleihen der Inszenierung einen überraschend zeitgemäßen Charakter.

Wenn Zeitsprünge eher verwirren

Ganz ohne Schwächen kommt der Film allerdings nicht aus. Vor allem die zahlreichen Zeitsprünge wirken unnötig unübersichtlich. Immer wieder vergehen Wochen, Monate oder sogar Jahre, ohne dass der Film dies eindeutig vermittelt. Nur gelegentlich helfen Texteinblendungen bei der Orientierung – genau an den Stellen, an denen man sie kaum benötigt.

Hinzu kommt die Besetzung der Figuren während ihrer Jugendjahre. Während die Kinderdarsteller ihre Rollen überzeugend etablieren, wirken Margot Robbie und Jacob Elordi für die anschließenden Teenager-Abschnitte schlicht zu alt. Hier hätte eine zusätzliche Besetzung den Übergang deutlich glaubwürdiger gestaltet.


Die Nebenfiguren können sich trotz guter Leistungen nur selten gegen das dominante Hauptduo behaupten.

Starke Nebenrollen im Schatten der Hauptfiguren

Besonders Shazad Latif als Edgar Linton entwickelt sich zu einem der wenigen wirklich sympathischen Charaktere des Films. Auch Alison Oliver als Isabella Linton erhält einen gelungenen Wandel, bekommt jedoch zu wenig Raum, um diesen vollständig auszuspielen.

Hong Chau überzeugt als Nelly Dean ebenfalls in einzelnen Momenten, bleibt aber letztlich ebenso im Schatten der intensiven Beziehung zwischen Cathy und Heathcliff.

Keine romantische Märchenliebe

Wer hier eine klassische Romanze erwartet, dürfte überrascht werden. Statt romantischer Gefühle dominiert eine toxische Beziehung voller Manipulation, Lust und Erniedrigung. Die deutsche FSK-16-Freigabe kommt nicht von ungefähr. Immer wieder zeigt der Film verstörende Momente voller sexueller Dominanz und psychischer Abhängigkeit. Pferdemasken, Hundehalsbänder oder intime Machtspiele dienen dabei weniger der Provokation als der Darstellung einer Liebe, die längst jede gesunde Grenze überschritten hat.

Gerade diese kompromisslose Darstellung macht den Film stellenweise unbequem, gleichzeitig aber auch außergewöhnlich.

Mutige Neuinterpretation mit kleinen Stolpersteinen

Als eigenständiger Film funktioniert „Wuthering Heights“ überraschend gut. Emerald Fennell erzählt eine intensive, emotional aufgeladene Geschichte über Liebe, Besessenheit und Selbstzerstörung, die vor allem durch ihre beeindruckenden Bilder, die starke Chemie zwischen Margot Robbie und Jacob Elordi sowie ihre außergewöhnliche Atmosphäre in Erinnerung bleibt.

Die verwirrenden Zeitsprünge und die etwas unglückliche Altersbesetzung kosten zwar einige Punkte, ändern aber nichts daran, dass hier ein mutig interpretierter Liebesfilm entstanden ist. Wer allerdings eine werkgetreue Verfilmung von Emily Brontës Roman erwartet, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.

Bewertung

Bewertung_07

Trailer

Bildrechte: Warner Bros


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