In den Kinderzimmern der 80er sorgten die Masters of the Universe für epische Schlachten auf dem Teppichboden. Muskelbepackte Helden mit abgefahrenen Vehikeln, coolen Waffen und allerlei Zubehör gaben sich gewaltig was auf die Plastiknase.
Die Rückkehr einer Kultmarke
Um die Spielzeuge von Mattel noch etwas besser vermarkten zu können, gab es noch eine Cartoonserie obendrauf, die heute noch einen gewissen Kultstatus hat. 1987 kam dann der Kinofilm mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle. Dem überschaubaren Budget war es zu verdanken, dass man statt Eternia eine generische amerikanische Kleinstadt vorgesetzt bekam. Im Showdown gingen dann noch buchstäblich die Lichter aus, weil das Geld alle war. Kein Wunder also, dass der Film gewaltig floppte, auch wenn er später doch noch zum Klassiker und Guilty Pleasure wurde.
Jahrzehntelang traute sich niemand mehr, den Stoff erneut filmisch umzusetzen. He-Man war eben aus der Zeit gefallen. Auch wenn hier und da Gerüchte aufkamen, dass man doch noch Pläne fürs Kino hatte, wurden die Hoffnungen schnell wieder zerstreut. Und je länger dann wieder nichts passierte, desto unwahrscheinlicher wurde ein mögliches Remake.
Nach einer neuen Netflix-Cartoonserie kam jedoch wieder Wind in das angestaubte Franchise. Zwar spielen Kinder heute eher mit dem Smartphone als mit den Figuren von damals, dafür können sich so manche Väter an Battle Cat, Skeletor und Stratos erinnern.
Alles beginnt mit einem Überfall auf Eternos, der Hauptstadt des Königreiches. Der fiese Finsterling Skeletor (Jared Leto) strebt nach der Macht von Grayskull.
Der Kampf um Grayskull beginnt erneut
Die magische Festung verbirgt das Schwert der Macht, welches seinem Träger die Macht eines Gottes verleiht. Genug Motivation also, um seine Schergen gegen König Randor (James Purefoy) und seine tapferen Untertanen zu schicken. Der Hauptmann der königlichen Garde, Man-At-Arms (Idris Elba), verteidigt seine Heimat tapfer bis zum Schluss.
Doch die Angreifer sind zu stark, sodass schließlich Prinz Adam mit jenem magischen Schwert ins Exil auf die Erde gesandt wird. Doch leider ging die mächtige Waffe bei dieser Reise verloren. Seitdem fristet Adam (Nicholas Galitzine) sein Leben als nutzloser und unterbezahlter Büroangestellter. Doch die Suche nach seinem Schwert hat er nie aufgegeben.
Seine Suche dauert 15 Jahre, bis er endlich wieder nach Eternia zurückkehren kann. Nur hat sich das Land sehr zum Schlechteren verändert. Jetzt ist es an der Zeit, dass Adam seine innere Kraft entfesselt, um zu He-Man zu werden, dem Champion von Grayskull.
Zum Glück spielt die Erde hier keine große Rolle. Sehr schnell ist das eintönige Standardleben vom tollpatschigen Adam inklusive peinlicher Dates abgearbeitet. Vom Personalbüro zum Weltraumgott geht es dann doch schneller als befürchtet. Und wer hat schon Lust, sich täglich von der rückgratlosen Personalchefin rundmachen zu lassen?
Viel Fanservice für alte Fans
Regisseur Travis Knight wechselte hier von Animationsfilmen wie Coraline und Die Boxtrolls zum Spielzeugfranchise, das den Erfolg von Barbie wiederholen soll. Mit viel Liebe zum Detail werden Trap Jaw, Triclops und Co. zum Leben erweckt. Besonders am Helden Fisto haben die Autoren sichtlich ihren Spaß und merken an, dass solche Namen nur aus dem Kopf eines unschuldigen Kindes kommen können.
Auch Jared Leto hat als Oberschurke Skeletor seine wahre Freude. Per Computer aufgemotzt ist sein Charakter das Unterhaltsamste an diesem Film. Schurkenlachen? Check! Witze, die bei seinen Untergebenen nicht ankommen? Check! Übertriebene Theatralik? Double Check!
Zwischen Nostalgie und Moderne
Die Action ist aberwitzig und mit absurder Musik derart aufgepowert, dass es wie eine Power-Metal-Fantasie anmutet. Neonfarben, stählerne Muskeln und wehendes Haar vermischen sich mit dem Sound von Queen und markigen Sprüchen. Hier merkt man einfach, dass die Macher ihren Spaß mit dem Franchise haben und alles aus der Spielzeugkiste holen, was das alte Kinderzimmer herzugeben vermag.
Dabei wird schnell klar, dass man im Falle eines kommerziellen Erfolges gerne weitere Abenteuer inszenieren möchte. Die Vorgeschichte ist nun erzählt und mit Merman, Stratos, Man-E-Faces und vielen weiteren könnte die Reise noch ewig weitergehen.
Doch so richtig wird nicht klar, wer eigentlich die Zielgruppe sein soll. Kinder von heute müssten He-Man erst einmal googeln, um zu wissen, worum es geht. Den Mittvierzigern, die damals mit den Spielzeugen in ihrem Kämmerlein eskalierten, dürfte es mittlerweile fast schon etwas peinlich sein, noch immer diese Figuren für die Sammlung zu kaufen.Und auch der angeschlagene Ton wirkt total aus der Zeit gefallen.
Überdreht, bunt und herrlich altmodisch
Wenn der König seinen Sohn zum Mann machen will und erklärt, dass Männer eben stark zu sein haben, fühlt sich das schon ganz schön altbacken und eben „cringe“ an. Wenn dann Adam versucht, heutige Deeskalationsstrategien an seinen Gegnern zu testen, nur um ihnen dann doch den Arm herauszureißen, versinkt man schon etwas ungläubig im Kinositz. Eine Szene, in der alle mit den Händen in die Hüften gestemmt über einen Kalauer lachen, wie damals in der trashigen TV-Serie, tut auch schon etwas weh und pendelt zwischen genial und Panne.
Aber vielleicht ist es eben jenes Augenzwinkern und diese Leichtfertigkeit, die es dieser Tage im Franchise-Kino braucht. Denn wo Comichelden mittlerweile schwächeln und vor Selbstzweifel auf dem Zahnfleisch gehen, wären neue Inspirationen für die Leinwand gar nicht mal schlecht.
Vielleicht kommt He-Man diesmal leider einfach ein wenig zu spät zurück auf die Leinwand. Die 80er-Jahre sind eben auch schon eine Weile her. Und nur die Väter werden keine Kinosäle füllen können. Aber ein wahrer Mann lässt sich von einer Niederlage nicht aufhalten und kehrt vielleicht mit einer Fortsetzung zurück. Es gibt noch viele Helden und Schurken, die einen großen Auftritt verdient hätten. Wer bis nach dem Abspann brav sitzen bleibt, wird außerdem erfahren, dass es wohl bereits Pläne für ein Sequel gibt.

Bildrechte: MGM (Plaion Pictures)
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