Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Warner/DC den Stecker des DC-Filmuniversums gezogen, was das Ende für Zack Snyder einläutete.
Wahrheit. Gerechtigkeit. Was auch immer.
James Gunn, der bereits mit den Guardians of the Galaxy zeigte, dass er auch unbekanntere Charaktere zu ganz großen Helden machen konnte, sollte nun das Ruder übernehmen. Mit Superman startete er das DC-Universum neu. Schon dort durfte Supergirl (Milly Alcock) mit ihrem Superhund Krypto vorbeischauen und gab einen kleinen Vorgeschmack auf ihr eigenes Abenteuer.
Statt der Rettung einer Welt, eines Universums oder einer Zeitlinie werden hier allerdings etwas kleinere Brötchen gebacken. Kara, die letzte Tochter Kryptons, ertränkt ihren Kummer in täglichen Saufgelagen, die man sonst nur vom Abiball kennt.
Eine persönliche Mission statt Weltuntergang
Eines Tages stolpert die junge Ruthye (Eve Ridley) in die Bar, in der das Supergirl gerade an ihrem Superkater arbeitet. In der miesen Spelunke, die ebenso gut in Mos Eisley hätte stehen können, tummelt sich der Abschaum der Galaxis. Doch das kleine Mädchen bietet jedem, der den Mörder ihrer Familie zur Strecke bringt, ein kostbares Schwert.
Klar, dass hier die meisten eher daran interessiert sind, die Belohnung gleich zu kassieren und sich der aufmüpfigen Auftraggeberin zu entledigen. Doch trotz anfänglicher Zurückhaltung nimmt sich Kara der jungen Jungfer in Nöten an. Dabei führt die Spur zu einer echt miesen Bande und einem echt miesen Typen namens Krem von den Gelben Hügeln (Matthias Schoenaerts), der nicht nur eine Vorliebe für Piercings hat, sondern auch mit Menschenhandel sein Sümmchen verdient.
Krem ist dabei kein klassischer Bösewicht, der an der Herrschaft der Welt interessiert ist. Er ist einfach nur ein unangenehmer Drecksack, der sich durch jede Schwierigkeit winden kann und schnell erkennt, wie er mit Supergirl und Ruthye zu verfahren hat. Trotzdem hat auch unser Supermädchen alle Hände voll zu tun. Dass ausgerechnet der intergalaktische Kopfgeldjäger Lobo (Jason Momoa) mitmischt, macht die Sache eher komplizierter als einfacher.
Zwischen Star Wars und Guardians of the Galaxy
Nach Helen Slater, Melissa Benoist und Sasha Calle übernimmt nun Milly Alcock (House of the Dragon) das rote Cape beziehungsweise den staubigen Mantel von Supermans Lieblingscousine.
Doch die Messlatte könnte kaum höher sein. Für das neue DC-Universum muss ein Erfolg her und die negative Kritik schon vor dem Filmstart, die sich über die Hauptdarstellerin ergossen hat, könnte schon zu Beginn zum Problem werden. Dabei ist der Ansatz, eine gebrochene und verletzte Protagonistin zu zeigen statt einer Mary Sue oder eines Girlbosses im Cape, recht überraschend und unverbraucht. Wer sich 108 Minuten Zeit nimmt, wird erkennen, dass für Kara die Reise erst beginnt.
Der Film erzählt eine kleine Geschichte und wird seine Heldin anders zurücklassen, als er mit ihr begonnen hat. Der Auftritt von Superman (David Corenswet) ist logisch und setzt da an, wo James Gunn 2025 aufgehört hat. Superhund Krypto mischt ordentlich Chaos in die anfängliche Handlung und Lobo stellt einen Vorgeschmack auf ein kommendes Soloabenteuer dar.
Zwischen Nostalgie und Neuanfang
Supergirl ist kein Meisterwerk, aber eben auch kein Totalausfall. Es ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Film mit vielen Ideen und einer neuen Perspektive. Dennoch erahnt man den Leistungsdruck, unter dem das neue DC-Universum steht, denn an manchen Stellen wirkt das Ganze etwas zu überladen. Oft hat man das Gefühl, dass man sich schamlos an Star Wars und den Guardians of the Galaxy bedient hat. Von den verrückten Aliens bis hin zum Einsatz von Popsongs kommt einem die Handschrift recht bekannt vor.
Trotzdem lohnt sich für Comicfans der Blick in das neue Abenteuer. Die Tatsache, dass ich an einem Freitagabend in einem leeren Kino saß, spricht jedoch Bände über die Akzeptanz, die dem neuen Supergirl entgegengebracht wird. Und das finde ich mehr als schade.

Bildrechte: Warner Bros. (Plaion Pictures)
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