Der Magier im Kreml klingt zunächst nach einem Film über Wladimir Putin und genau das suggeriert auch die Vermarktung.
Zwischen Politthriller und Geschichtsstunde
Tatsächlich spielt der russische Präsident jedoch längst nicht die Hauptrolle. Stattdessen erzählt Regisseur Olivier Assayas die Geschichte eines fiktiven Beraters, der unverkennbar an reale Strippenzieher im Kreml (Wladislaw Surkow) angelehnt ist und den politischen Aufstieg Putins aus nächster Nähe begleitet. Das Ergebnis ist weniger ein klassisches Biopic als vielmehr ein ruhiges Politdrama über Macht, Manipulation und die schleichende Veränderung eines ganzen Landes.

© LEONINE Studios
Nach dem Zerfall der Sowjetunion befindet sich Russland in einem historischen Umbruch. Der intelligente und ehrgeizige Wadim Baranow arbeitet sich vom Avantgarde-Künstler über das Fernsehen bis in die höchsten Machtkreise des Kremls vor.
Vom Künstler zum Strippenzieher
Dort wird er zum inoffiziellen Berater eines ehemaligen KGB-Offiziers namens Wladimir Putin und hilft dabei, dessen öffentliches Bild und politische Strategie zu formen.
Während Russland zunächst den Weg in Richtung Demokratie und westlicher Offenheit einschlägt, verändern sich die politischen Verhältnisse Stück für Stück. Baranow erlebt den Wandel aus nächster Nähe und erkennt immer mehr, welchen Preis Macht und Einfluss fordern. Jahre später blickt er auf seine Vergangenheit zurück und versucht zu verstehen, welchen Anteil er selbst an der Entwicklung des Landes hatte.

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Wer eine detaillierte Charakterstudie über Wladimir Putin erwartet, dürfte zunächst überrascht sein. Jude Law tritt erst vergleichsweise spät in Erscheinung und besitzt deutlich weniger Leinwandzeit, als es Marketing und Plakatmotiv vermuten lassen.
Mehr Russland als Putin
Stattdessen interessiert sich der Film viel stärker für die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen Russlands nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
Die Jahre unter Boris Jelzin nehmen überraschend viel Raum ein. Der Film zeigt ein Land, das sich plötzlich Freiheit, Offenheit und Demokratie erhofft, ehe sich diese Hoffnungen langsam wieder auflösen. Gerade dieser historische Wandel gehört zu den interessantesten Aspekten des Films. Die Geschichte zeichnet nach, wie aus einem Staat im Umbruch erneut ein System entsteht, das seine Stärke vor allem aus Kontrolle und Macht bezieht.
Macht als zentrales Thema
Kaum ein Begriff fällt im Film häufiger als Macht. Immer wieder wird betont, dass im Westen Geld die entscheidende Währung sei, während in Russland Macht über allem stehe. Diese Philosophie zieht sich durch sämtliche Kapitel des Films und bildet den roten Faden der Handlung.
Die Geschichte ist deshalb bewusst in mehrere Abschnitte unterteilt, die unterschiedliche Etappen des politischen Aufstiegs zeigen. Das funktioniert grundsätzlich gut, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass der Film eher wie eine politische Chronik als wie ein spannender Thriller wirkt.

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Paul Dano beweist einmal mehr, warum er zu den besten Charakterdarstellern seiner Generation gehört. Seine ruhige, kontrollierte Spielweise passt hervorragend zu der Figur des intelligenten Strategen, der lieber im Hintergrund agiert als selbst im Rampenlicht zu stehen. Dano trägt den Film nahezu allein und verleiht seinem Charakter trotz der fiktiven Grundlage eine glaubwürdige Entwicklung.
Starke Darsteller, wenig Dynamik
Jude Law überzeugt ebenfalls als Putin. Seine zurückhaltende Darstellung verzichtet bewusst auf große Gesten oder offensichtliche Imitationen. Gerade dadurch wirkt seine Interpretation glaubwürdig. Schade ist lediglich, dass seine Figur deutlich weniger präsent ist, als zunächst erwartet.
Auch Alicia Vikander sorgt für einige starke Momente, bleibt jedoch insgesamt eher Nebenfigur und kann ihr Potenzial nicht vollständig entfalten.
Zwischen Historie und Fiktion
Problematisch bleibt die Entscheidung, die Geschichte ausgerechnet über eine fiktive Hauptfigur zu erzählen. Natürlich bietet dies größere erzählerische Freiheiten, gleichzeitig verliert der Film dadurch aber an Authentizität. Immer wieder fragt man sich, warum reale Ereignisse mit erfundenen Dialogen und Figuren ausgeschmückt werden, anstatt den tatsächlichen Personen ihre richtigen Namen zu geben.
Gerade weil viele Zuschauer den Film vermutlich als historische Aufarbeitung verstehen möchten, wirkt dieser Kunstgriff nicht immer überzeugend. Statt Klarheit entstehen zusätzliche Fragen darüber, welche Szenen auf realen Ereignissen beruhen und welche lediglich dramaturgische Erfindungen sind.

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Der größte Kritikpunkt ist jedoch das Erzähltempo. Der Magier im Kreml lebt fast ausschließlich von ruhigen Dialogen, politischen Gesprächen und strategischen Überlegungen. Action oder klassische Thriller-Momente sucht man nahezu vergeblich. Das sorgt zwar für eine authentische Atmosphäre, verlangt vom Zuschauer aber viel Geduld. Besonders in der ersten Hälfte zieht sich die Handlung spürbar, weil viele historische Stationen ausführlich abgearbeitet werden. Spannung entsteht dabei nur selten.
Ruhiges Erzähltempo verlangt Geduld
Erst gegen Ende, wenn die Ereignisse bis zur Krim-Annexion 2014 reichen, gewinnt die Geschichte an Aktualität und Relevanz. Gleichzeitig bleibt das Gefühl zurück, dass diese politische Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Dadurch endet der Film zwangsläufig offen und eher nachdenklich als befriedigend.
Der Magier im Kreml ist kein Putin-Biopic, sondern ein ruhiges Politdrama über den schleichenden Wandel Russlands und die Mechanismen politischer Macht. Wer einen spannenden Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden. Wer sich dagegen für politische Geschichte, Strategien hinter den Kulissen und starke Schauspielleistungen interessiert, findet hier einen durchaus sehenswerten Film.
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