Zurück in die Zukunft II

Zurück in die Zukunft II (1989) | Filmkritik

Und jetzt wird durchgestartet …

von Markus Grunwald

Nach dem nahezu perfekten ersten Teil stand Zurück in die Zukunft II vor einer undankbaren Aufgabe.

Mehr ist nicht immer besser

Der Film musste größer, wilder und spektakulärer werden, ohne dabei den Charme und die erzählerische Klarheit des Originals zu verlieren. Genau hier liegt seine größte Stärke – und gleichzeitig sein größtes Problem.


Direkt im Anschluss an Teil eins setzen Marty McFly und Doc Brown ihre Reise fort, diesmal mit dem Blick nach vorn: ins Jahr 2015. Hoverboards, selbstschnürende Schuhe, fliegende Autos – kaum ein anderes Werk hat die Popkultur so nachhaltig geprägt, wenn es um Zukunftsvisionen geht.

Eine düstere Vision mit Reiz

Viele dieser Ideen sind bis heute ikonisch, selbst wenn sie technisch längst überholt wirken. Der Film sprüht vor Einfällen, vor Kreativität und vor dem Willen, alles noch eine Nummer größer zu machen.

Doch genau diese Ideenfülle wird Zurück in die Zukunft II stellenweise zum Verhängnis. Wo der erste Teil fast schon mathematisch präzise konstruiert war, wirkt der zweite oft überladen, fast gehetzt. Die Handlung springt zwischen Zukunft, veränderter Gegenwart und erneutem Besuch der Vergangenheit hin und her, bis sich das Gefühl einstellt, dass zu viele Konzepte gleichzeitig verhandelt werden.

Besonders stark ist der Film immer dann, wenn er sich traut, düster zu werden. Die alternative Zeitlinie, in der Biff zum machtbesessenen Tyrannen aufgestiegen ist, gehört zu den spannendsten Ideen der gesamten Trilogie. Hill Valley wird hier zu einem kaputten, moralisch verkommenen Ort, der sich drastisch vom vertrauten Kleinstadtidyll unterscheidet. Diese dystopische Variante gibt dem Film eine Schwere, die man der Reihe zuvor kaum zugetraut hätte.


Gleichzeitig beißt sich dieser Ton aber mit dem oft sehr cartoonhaften Humor. Slapstick-Einlagen, überzeichnete Nebenfiguren und bewusst alberne Zukunftsgags sorgen immer wieder für Brüche. Besonders Martys Kinder und Biffs Enkel wirken heute eher wie Karikaturen als glaubwürdige Figuren, was die emotionale Wirkung der Geschichte schwächt.

Zurück nach 1955 – wenn der Film wieder funktioniert

Sobald der Film jedoch erneut ins Jahr 1955 zurückkehrt, findet er zu alter Stärke. Die Idee, bekannte Szenen aus dem ersten Teil aus einer neuen Perspektive zu erleben, ist clever umgesetzt und erzeugt ein fast schon spielerisches Inception-Gefühl. Marty und Doc bewegen sich durch Ereignisse, die der Zuschauer bereits kennt, müssen dabei aber unsichtbar bleiben und Fehler korrigieren, ohne die Zeitlinie endgültig zu zerstören.

Gerade diese Meta-Ebene macht den zweiten Teil im Nachhinein interessanter, als er sich beim ersten Sehen anfühlt. Man erkennt den Mut, den es gebraucht hat, die eigene Filmgeschichte so offen zu remixen und neu zu arrangieren.

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Christopher Lloyd bekommt in diesem Teil deutlich mehr Raum, um Doc Brown weiterzuentwickeln. Seine Angst vor Paradoxien, seine Hektik und sein zunehmendes Verantwortungsbewusstsein verleihen der Figur zusätzliche Tiefe. Doc ist hier nicht mehr nur der exzentrische Erfinder, sondern ein Mann, der begreift, welche Konsequenzen seine Erfindung hat.

Technik, die nicht gut gealtert ist

So visionär viele Ideen auch waren – optisch ist Zurück in die Zukunft II der Teil, der am stärksten unter seinem Alter leidet. Effekte wie der holografische Weiße Hai oder das Make-up der gealterten Figuren wirken heute stellenweise unfreiwillig komisch. Das schmälert den Spaß, vor allem bei erneuten Sichtungen.

Ein ambitionierter, aber unausgeglichener Mittelteil

Am Ende bleibt ein Film, der mutig ist, überbordend kreativ, aber erzählerisch nicht so rund wie sein Vorgänger. Zurück in die Zukunft II ist der schwächste Teil der Trilogie, aber keineswegs ein schlechter Film. Er erweitert das Universum, setzt ikonische Akzente und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Gesamterzählung.

Ambitioniert, überladen und nicht perfekt gealtert – aber voller Ideen, die Filmgeschichte geschrieben haben.

Bewertung

Bewertung_7

Trailer

Bildrechte: Universal Pictures


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